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Phytinsäure bzw. Phytat und das Einweichen oder Keimen

Phytinsäure bzw. Phytat kann man durch Einweichen, Keimen oder durch Fermentierung reduzieren. Phytasen im Nahrungsmittel erlauben Abbau durch Verdauung.

Hafer, Kidneybohnen, Gold Leinsamen, Kürbiskerne und Mandeln in Rohkostqualität in 5 Schälchen.© CC-by 2.0, Kristina Fürst, Stiftung Gesundheit und Ernährung Schweiz

Hülsenfrüchte weicht man vor dem Zubereiten in Wasser ein. Was bezweckt man genau mit dem Einweichen? Und: Wie steht es mit Nüssen und Vollkorngetreide? Gibt es Alternativen zum Einweichen, wie zum Beispiel das Keimen?

Fazit

Phytinsäure ist ein natürlicher Bestandteil gesunder Lebensmittel. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist Phytinsäure selten ein Problem. Einweichen ist eine sinnvolle Vorbehandlung für Getreide, Hülsenfrüchte und auch Samen - insbesondere vor dem Keimen, Kochen oder Fermentieren. Bei Nüssen zeigt es kaum Effekte. Bei Hülsenfrüchten hat Einweichen neben der Reduzierung der Phytinsäure auch den Vorteil, dass es blähungsfördernde Mehrfachzucker löst. Dies fördert die Bekömmlichkeit. Phytinsäure hat auch positive gesundheitliche Eigenschaften, u.a. eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung.

1. Was ist Phytinsäure?

Phytinsäure dient Pflanzen als Phosphat- und Mineralstoffspeicher für die Keimung. Als Antioxidans schützt sie den Nährstoffspeicher des Samens vor oxidativem Abbau. Sie kommt vorwiegend in den äusseren Randschichten von Vollkorngetreide, Nüssen und Samen sowie in Hülsenfrüchten vor. Phytinsäure übernimmt vermutlich auch die Rolle, Fressfeinde wie Insekten und andere pflanzenfressende Tiere abzuwehren.

Phytinsäure ist aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Wirkungen häufig den sekundären Pflanzenstoffen zugeordnet. Forschungen belegen für Phytinsäure antioxidative, antimikrobielle, antidiabetische, neuroprotektive, knochenschützende sowie entzündungs- und krebshemmende Eigenschaften.23,24,25

Phytinsäure besitzt komplexbildende Eigenschaften und bindet im Magen und Darm die vom Menschen mit der Nahrung aufgenommenen Mineralstoffe, vor allem Eisen, Zink, Calcium und Magnesium. Diese liegen dann in unlöslicher Form vor und stehen dem Körper nicht mehr so gut zur Verfügung. Die Bioverfügbarkeit dieser Mineralstoffe ist eingeschränkt. Da sie auch die Aktivität eiweissspaltender Enzyme und damit den Verdauungsprozess beeinflusst, zählt sie teilweise – je nach Klassifikationskriterien – auch zu den Protease-Inhibitoren. Deshalb bezeichnet man Phytinsäure auch als Antinährstoff.

Diese negative Wirkung von Phytinsäure ist oft übertrieben. Auch wenn der Mensch das Enzym für den Abbau, die Endophytase, nicht besitzt, können Darmbakterien Phytinsäure im Verdauungstrakt zum Teil abbauen. Der Phytaseanteil im Nahrungsmittel selbst (z.B. im Getreide oder Mehl) bestimmt die Phytaseaktivität wesentlich. Durch Phytatzufuhr bedingte Mineralstoffmängel treten nur bei grossen unverarbeiteten und roh konsumierten Mengen auf.24

Phytat ist die ionisierte Form der Phytinsäure, nachdem sie die H+-Iofnen abgegeben hat. Im Körper oder in Lebensmitteln, also bei physiologischem pH, liegt Phytinsäure fast immer als Phytat vor. Oft erfolgt die Verwendung von "Phytat" oder "Phytinsäure" synonym. Der Begriff "Phytin" beschreibt das Calcium-Magnesium-Salz der Phytinsäure, das in Pflanzen vorkommt.24

Funktion der Phytinsäure in der Pflanze

Phytinsäure ist ein Inositolring (Inositol = Zuckeralkohol) mit 6 Phosphatgruppen (IP6). Diese Säure ist ein ganz natürlicher Stoff, der Pflanzen als Phosphat-, Mineralstoff- und Spurenelementspeicher dient. Sie kommt aufgrund der negativen Ladung immer an Kationen (Zink, Eisen, Magnesium, Calcium) gebunden vor.24

2D-Struktur der Phytinsäure (IP6; Phytate), sieht aus wie ein 6-speichiges Schiffssteuerrad.© Public Domain, Harbinary, Wikipedia

Wenn das Samenkorn genügend Wärme und Wasser zur Verfügung hat, erwacht Leben in ihm. Sobald der Keimprozess beginnt, bildet das Korn das Enzym Phytase. Die Phytase baut die Phytinsäure zu einer zuckerähnlichen Verbindung und Phosphat ab, wodurch sie diese inaktiviert und das darin gespeicherte Phosphat freisetzt. Dieses steht jetzt der Babypflanze als wichtiger Nährstoff für Wachstum und Entwicklung zur Verfügung.

2. Wirkung im menschlichen Körper

Phytinsäure bindet Mineralstoffe und Spurenelemente. Diese Komplexe stehen dem Körper dann nicht bzw. schlechter zur Verfügung. Dies betrifft insbesondere Mineralstoffe, die in zwei- oder dreiwertiger Form vorliegen, wie Calcium, Zink, Eisen, Magnesium und Mangan. Dabei scheinen Eisen und Zink eine stärkere Komplexbildung aufzuweisen als Calcium und Magnesium. Insbesondere bei Säuglingen, aber auch bei Erwachsenen hemmt Phytinsäure die Eisenaufnahme merklich. Ein Abbau der Phytinsäure um 90 % verdoppelt die Absorption von Eisen. Bei Erwachsenen ist eine Hemmung der Zinkaufnahme bewiesen, bei Säuglingen und Kleinkindern nicht eindeutig.1 Phytinsäure bildet neben Metallionen auch Komplexe mit Nahrungsproteinen. Die Verdaulichkeit sinkt. Darüber hinaus entfaltet die Substanz einen hemmenden Einfluss auf Enzyme, die für den Proteinabbau im Dünndarm und Magen eine zentrale Rolle spielen.23,24,25

Bei Bevölkerungsgruppen mit krankheitsbedingter Mangelernährung oder in Entwicklungsländern mit phytinsäurereicher Ernährung ist diese Nährstoffbindung oftmals ein Problem.2,7

Der Körper zeigt bei einer regelmässig hohen Phytatzufuhr Anpassungsreaktionen, wie eine Erhöhung der Transportproteine im Darm. Der Einfluss auf die effektive Mineralstoffaufnahme bleibt schwer abschätzbar, da aussagekräftige Studien fehlen. Die Anpassung hängt davon ab, ob ein Mangel vorliegt und wie nährstoffreich die Gesamternährung ist. Konkret weisen Studien erhöhte Absorptionsraten von Zink bei einer zink- und phytatarmen Ernährung auf. Eine phytatreiche Ernährung bewirkte aber keine Verbesserung der Eisen- oder Zinkaufnahme.9 Spätere Untersuchungen (2015) belegen, dass bei niedrigem Eisenstatus im Blut und hoher Phytatzufuhr die Eisenabsorption steigt. Die Eisenspeicher im Blut zeigten allerdings nach 8 Wochen noch keine messbare Veränderung.31

Bei einer ausgewogenen Ernährung ist Phytinsäure jedoch selten ein Problem.

Die meisten Menschen in Industrienationen haben keinen Mineralstoffmangel, primär durch Phytinsäure. Denn die Ernährung ist vielfältig und Phytinsäure beeinflusst nur einen Teil der Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen.

Ob der höhere Mineralstoffgehalt in Vollkornprodukten den hemmenden Effekt der Phytinsäure ausgleicht, ist nicht pauschal zu beantworten und bedarf einer differenzierten Betrachtung. In westlichen Ländern ist ein erhöhter Vollkornverzehr dennoch mit besseren Gesundheitsergebnissen assoziiert.31

Wie viel Mineralstoffe der Körper letztendlich aufnimmt, bleibt selbst nach Entfernung der Phytinsäure schwer vorhersehbar. Die derzeitige Studienlage ist dafür bislang nicht ausreichend.

Die Kombination der Nahrungsmittel spielt eine grosse Rolle. So hat man in Studien die Phytate aus Getreidebrei für Kinder industriell entfernt und anschliessend die Eisenaufnahme untersucht. Das Anrühren mit Milch, wie auf der Verpackung empfohlen, führte zu keiner Verbesserung der Eisenaufnahme. Das Anrühren mit Wasser verbesserte die Eisenaufnahme deutlich.9,11

Positive Eigenschaften der Phytinsäure

  • Phytinsäure wirkt antioxidativ und antikanzerogen: Man vermutet, dass die Chelatbildung mit Eisen den positiven Effekt hervorruft. Diese Bindung verhindert die Eisenoxidation, was ein verringertes Darmkrebsrisiko bewirkt. Aber auch bei Prostata-, Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs scheint die Phytinsäure positive Wirkungen zu zeigen.3,4 Es gibt auch Hinweise darauf, dass Phytat und Inositol bei Chemotherapie die Nebenwirkungen reduzierten.24
  • Es gibt Hinweise, dass Ernährungsformen mit hohem Phytatgehalt gegen Gefässverkalkung helfen und das kardiovaskuläre Risiko senken.24
  • Klinische Studien zeigen, dass Phytat das Risiko für Nierensteinen senken und die Kalziummenge im Urin reduzieren kann. Zudem hemmt es auch die Zahnsteinbildung.24
  • Gezielte Ca-Mg-IP6-Supplementierung kann den Knochenabbau bei Osteoporose verlangsamen.24
  • Epidemiologische Studien assoziieren eine phytatreiche Ernährung mit einem langsameren kognitiven Abbau und einer besseren kognitiven Leistung in verschiedenen Altersgruppen.24
  • Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine Ernährung mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln wie Nüssen, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten bei Diabetes- und Herz-Kreislauf-Patienten den Blutzucker und andere Stoffwechselwerte (HbA1c, Adiponektin) verbesserte.24
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3. Vorkommen der Phytinsäure in Nahrungsmitteln

Phytinsäure ist in Vollkorngetreide (wie Mais, Weizen, Gerste und Roggen), Hülsenfrüchten (wie Soja), Ölsaaten (wie Leinsamen oder Kürbiskernen) und Nüssen enthalten. Die Lokalisation ist bei vielen Pflanzen unterschiedlich. In Hülsenfrüchten ist Phytinsäure vorwiegend im Proteinkörper des Endosperms lokalisiert. Bei Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Reis) ist sie in der Aleuronschicht und in der Kleie, bei Mais zusätzlich stark im Keim. Pseudogetreide und Ölsaaten speichern Phytinsäure vorwiegend in den Speichergeweben von Keim und Keimblättern.30

Besonders hohe Mengen an Phytinsäure (bzw. dem Anion Phytat) weisen Reis- und Weizenkleie, Maiskeime, Leinsamen und Sonnenblumenkerne auf. Auch bei Nüssen kann der Wert durchaus hoch sein. Generell schwanken die Werte für Hülsenfrüchte ähnlich wie bei Getreide und Pseudogetreide.

Da weder Weissmehl noch polierter Reis Randschichten enthalten, weisen sie verhältnismässig wenig Phytinsäure auf. Weisser Reis enthält noch zwischen 0,06 und 1,08 g/100g. Allerdings fehlen Weissmehlprodukten und weissem Reis neben der Phytinsäure auch sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe und Mineralstoffe.

Zu berücksichtigen ist, dass die Menge Phytinsäure in einzelnen Nahrungsmitteln auch abhängig ist von der Art der Pflanze, den klimatischen Bedingungen, in denen die Pflanze gewachsen ist, der Bodenqualität und insbesondere vom Einsatz phosphathaltiger Düngemittel. Auch schwanken die Werte je nach verwendeter Analysemethode. Unterschiede entstehen auch, indem neben der tatsächlichen Phytinsäure mit sechs Phosphatgruppen auch Derivate mit reduzierter Phosphatanzahl in die Messung einfliessen.

Phytinsäure-Gehalt von Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen (g/100g)10,30

Lebensmittel

Minimum

Maximum

Vollkornreis

0,84

0,99

Weisser Reis

0,06

1,08

Reiskleie

2,56

8,7

Weizen

0,39

1,35

Weizenkleie

2,10

7,3

Hafer

0,42

1,16

Mais

0,72

2,22

Maiskeim

6,39

-

Roggen

0,54

1,46

Sorghumhirse

0,57

3,35

Hirse

0,18

1,67

Quinoa12

1,03

1,22

Sojabohnen

1,00

2,22

Kidneybohnen

0,61

2,38

Kichererbsen

0,28

1,60

Linsen

0,27

1,51

Erdnüsse

0,17

4,47

Mandeln

0,35

9,42

Walnüsse

0,20

6,69

Cashewnüsse

0,19

4,98

Paranüsse

0,29

6,34

Pistazien

0,29

2,83

Haselnüsse

0,23

0,92

Leinsamen

2,15

3,69

Macadamianüsse

0,15

2,62

Chia-Samen

0,96

1,16

Sesam

1,44

5,36

Sonnenblumenmehl

3,9

4,3

4. Wie man Phytinsäure reduzieren kann

Die Aktivierung des Enzyms Phytase erfolgt sowohl beim Einweichen, beim Keimungsprozess, bei der Fermentation (Herstellung von Sauerteig oder bei der Milchsäuregärung) als auch während der Verdauung.7

Zudem verringert das Entfernen der Aleuronschicht durch Schälen und Vermahlen beim Getreide den Phytinsäuregehalt (aber auch den Mineralstoffgehalt!) deutlich.25

4.1 Abbau beim Einweichen und Keimen

Das Einweichen und Keimen in Verbindung mit Wärme, Wasser und Licht aktiviert metabolische Prozesse im Samenkorn, die einen enzymatischen Um- bzw. Abbau verschiedener Stoffe bewirken. Nach der Keimung stehen mehr Nährstoffe für uns Menschen zur Verfügung. Die aktivierte getreideeigene Phytase baut die Phytinsäure enzymatisch ab.30

Das Einweichwasser sollten Sie nicht weiterverwenden, da darin gelöste Phytinsäure vorhanden ist.

Beim Abbau der Phytinsäure entstehen Phytinsäure-Derivate, die eine unterschiedliche Anzahl Phosphatgruppen gebunden haben. Phytinsäure selbst hat 6 Phosphatgruppen. Der Inositolring verliert nicht alle Phosphatgruppen auf einmal, sondern sie fallen einzeln nach und nach weg. Isolierte Inositolphosphate mit weniger als 5 Phosphatgruppen (IP1 bis IP4) hemmen die Eisenabsorption nicht signifikant. Für Zink gilt dies zumindest für IP4. In verarbeiteten Lebensmitteln können IP3 und IP4 jedoch in Kombination mit IP5/IP6 zur Hemmung der Eisenaufnahme beitragen.6,29

Ziel ist es also, möglichst hohe Phytaseaktivitäten zu erreichen. Die Industrie setzt deshalb häufig isolierte Phytasen aus Bakterien (Bacillus ssp.) oder Pilzen (Aspergillus ssp.) hinzu, um den Abbau zu beschleunigen.9,30 Es bestehen Unterschiede in der Thermostabilität und in der pH-Optimierung, je nach Form und Herkunft der Phytase.30

Zu Hause kann man die unterschiedliche Phytaseaktivität der Pflanzen gezielt nutzen, indem man Lebensmittel mit niedriger Aktivität mit "phytaseaktiven" kombiniert. Roggen, Weizen, Gerste und Buchweizen haben eine relativ hohe Phytaseaktivität.5,9 Kichererbsen, Mais, Reis, Hirse, Hafer und Sojabohnen haben eine geringe Phytaseaktivität.8,9 Wer Gluten verträgt, fügt also einfach etwas Roggen, Weizen oder Gerste hinzu. Wer Gluten nicht verträgt, nutzt Buchweizen als "Beschleuniger".8,18

In einer Studie unter Laborbedingungen kamen geschälter Reis (30 %) und Kichererbsen (60 %) zum Einsatz, während Buchweizen (10 %) als Phytasebeschleuniger diente. Nach 200 Minuten war die Phytinsäure beim Einweichen mit Buchweizen komplett abgebaut, wohingegen ohne Buchweizen nach 200 Minuten noch so viel Phytinsäure vorhanden war wie nach 120 Minuten mit Buchweizen.8 Die Zugabe von phytaseaktiven Nahrungsmitteln kann die Abbauzeit der Phytinsäure verringern.

Achtung: Trockenes Erhitzen wie Rösten oder Backen zerstört lediglich 5–15 % des Phytatgehalts. Phytinsäure ist bei küchenüblichen Temperaturen hitzebeständig. Doch das wichtige Enzym für die Phytase ist stark reduziert.

Hitze zerstört das Enzym Phytase, also das Enzym, das die Phytinsäure abbaut.9 Die Industrie behandelt Hafer und Haferflocken praktisch immer mit trockener Hitze. Der Vorgang heisst "Darren" und ist auf dem Produkt nicht ausgezeichnet! Bevorzugen Sie keimfähigen biologischen Nackthafer oder Spriesskornhafer und quetschen ihn selbst zu Haferflocken. Wer in einer Mangelsituation für die Nährstoffe Calcium, Zink, Eisen, Magnesium und/oder Mangan ist, kann diese danach über Nacht in Wasser einlegen. Das Einweichwasser am nächsten Morgen wegschütten und die Haferflocken weiterverarbeiten.

EE: Beim Erb-Müesli habe ich jahrzehntelange tägliche Erfahrung mit kurzer Einweichzeit einer Kombination von Samen und selbst täglich geflocktem Spriesshafer. Diese beträgt nur die Verarbeitungszeit, bis man beginnt zu essen. Es mag Vorteile geben, wenn man das Müesli etwas stehen lässt, bevor man es isst. Die hatte ich aber nie nötig. Siehe meinen "Zustand" mit 80 oder mit 83.

Wer ganzen Hafer dennoch keimen möchte: Unter optimalen Bedingungen führt das Mälzen von Hafer zu einer 98-%igen Reduktion des Phytatgehalts. Da Hafer eine geringe Phytaseaktivität aufweist, können Sie gekeimten Weizen oder Gerste ergänzen.18

Einweichen löst einen Teil der schwer verdaulichen Kohlenhydrate (wie den Mehrfachzucker Raffinose und die zur Raffinose-Familie gehörenden Stachyose und Verbascose), die vorwiegend in Hülsenfrüchten, aber auch in Weizen und Roggen vorkommen.23

Der Dünndarm kann Raffinose nur begrenzt hydrolysieren und aufnehmen. Raffinose besteht aus Fruktose, Glukose und Galaktose. Für Menschen ist es normalerweise kein Problem, Fruktose und Glukose zu verdauen. Für Galaktose fehlen uns aber entsprechende Enzyme. Dadurch gelangt ein erheblicher Anteil in den Dickdarm. Dort vorhandene anaerobe Mikroorganismen fermentieren Galaktose und produzieren blähende Gase. Da das Einweichwasser ein Teil der Raffinose enthält, sollte man dieses nicht nutzen.23

Strukturformel von Phytinsäure (Phytic acid bzw. Hexaphosphorsäureester des myo-Inosits, IP6.© Public Domain, Yikrazuul, Wikipedia
Die Struktur von Phytinsäure - Darstellung als einfache Keilstrichformel.
4.2 Abbau durch Fermentation

Die an der Fermentation bzw. Milchsäuregärung beteiligten Mikroorganismen besitzen ebenfalls das Enzym Phytase. Dieses baut während der Fermentation die Phytinsäure ab. Optimale Bedingungen für die Enzymtätigkeit liegen bei einem pH-Wert von 4,5 sowie Temperaturen zwischen 45 und 55 °C. Diesen pH-Wert erreicht man z.B. bei der Teigzubereitung mit Sauerteig.9 Bei Getreide verbessert die Fermentation die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen.30

Unter optimalen Bedingungen (gemahlene, gekeimte Samen; pH-Wert, Temperatur, Zeit) kann Fermentierung Phytinsäure um bis zu 90 % reduzieren.9,30 Auch hier ist ausreichend Phytase eine Voraussetzung für eine effiziente Fermentation. Getreide mit wenig Phytase, wie Mais, Reis, Hafer und Hirse, benötigt längere Fermentationszeiten oder eine Ergänzung mit phytasereichen Getreidearten. Zudem findet auch ein Abbau von Tanninen, Oxalaten und Kohlenhydraten statt, die mit Proteinen Komplexe bilden und die Verdaulichkeit zusätzlich einschränken.32

Gerichte aus fermentiertem Getreide, aber auch aus Samen, Nüssen und Hülsenfrüchten findet man in vielen traditionellen Kulturen - in Kombination mit Methoden wie Einweichen (und danach Fermentieren) oder Keimen (und Rösten).19,20 Die natürlichen Methoden haben das Ziel, sowohl die Verdaulichkeit als auch den Gesundheitswert dieser Nahrungsmittel zu erhöhen.10 Beispiele solcher fermentierter Gerichte: Kishk (aus Arabien), Banku (aus Ghana), Mawe (Braunhirse aus Afrika), Injera (aus Äthiopien), Ogi (westafrikanisches Breigericht aus Mais oder Hirse), Chicha oder Masa (Mais aus Südamerika) und Nshima (Maismehl aus Zentral- und Südafrika.32

4.3 Abbau durch Verdauung

Wiederkäuer verfügen über Phytat-abbauende Enzyme. Monogastrier, zu denen auch der Mensch zählt, benötigen zugesetzte Phytasen (aus der Nahrung oder aus gezielten Präparaten). Damit kann der Körper Phytinsäure auch im Magen-Darm-Trakt abbauen. Liegen aktivierte Phytasen in der Nahrung vor (z.B. durch Fermentierung oder bei Rohkost), kann der Körper Phytate zu insgesamt 36-63 % abbauen. Die durch Erhitzen oder andere Verarbeitungsschritte inaktivierte Phytase verringert den Abbau von Phytaten im Magen-Darm-Trakt auf 0–28 %.10,23

4.4 Abbau durch Kochen

Phytinsäure ist hitzestabil, weshalb während des Kochens eigentlich kein Abbau stattfindet. Die Wärme in der Anfangsphase des Kochens reduziert einen Teil der Phytinsäure, weil sie in das Wasser übergeht. Längeres Kochen inaktiviert endogene Enzyme (Phytase). Kochen begünstigt allerdings den Abbau von Lektinen und Saponinen.25,30

Je nach Sorte variieren die Kochzeiten stark: 30–180 min, rote und gelbe Linsen lediglich 15 min. Getreide und Hülsenfrüchte sollten Sie nur kurz aufkochen und dann bei kleiner Hitze köcheln. Getreide gilt als ausreichend gekocht, wenn es einen weichen Biss hat. Bei Hülsenfrüchten erfordert die Zubereitung ausreichend lange Garzeiten (v. a. bei Kidneybohnen und Kichererbsen), um hitzelabile Antinährstoffe wie Lektine und Trypsin‑Inhibitoren vollständig zu inaktivieren.

5. Soviel Phytinsäure kann man reduzieren

Die Menge der reduzierten Phytinsäure ist abhängig von der Art des Lebensmittels (Getreide, Hülsenfrucht, Samen, etc.), von der Phytaseaktivität, vom Phytinsäuregehalt, von den Verarbeitungsmethoden (Einweichen, Keimen, Fermentieren, Kochen) und von Bedingungen, wie pH-Wert, Feuchtigkeit, Temperatur und Zeit. Beachten Sie, dass genannte Reduktionsmengen vorwiegend unter idealen Bedingungen, meist im Labor, stattfinden.

5.1 Hülsenfrüchte

Für Hülsenfrüchte kann Einweichen (ca. 50 °C) eine wertvolle Vorbehandlung sein, um endogene Phytasen zu aktivieren. Bei Kichererbsen sank der Phytinsäuregehalt um 47 bis 55 % bei einer zunehmenden Einweichzeit von 2 auf 12 Stunden.25,30 Aber nicht alle Studien bestätigen diesen Effekt.29

Effektiver für die Reduktion von Phytinsäure in Hülsenfrüchten ist das Kochen nach dem Einweichen. Da Phytinsäure wasserlöslich ist, sollten Sie das Einweich- und Kochwasser immer wegschütten. Vorheriges Keimen erhöht die phytatabbauende Aktivität bei Hülsenfrüchten zusätzlich.25,30

5.2 Getreide und Pseudogetreide

Einweichen alleine über einen kurzen Zeitraum hat einen geringeren Effekt zur Reduzierung der Phytinsäure in Getreide, als die Kombination Einweichen und Kochen. Unter Labobedingungen reduziert das Einweichen von Sorghummehl für 24 h die Phytinsäure um 16-21 % und erhöhte bei Perlhirse die Löslichkeit von Eisen und Zink um 2-23 %.25,30

Das Einweichen und Keimen (über 7 Tage) von Quinoa reduziert den Phytinsäuregehalt je nach Sorte um 20 bis fast 80 %.12 Andere Quellen zeigen eine Reduktion insbesondere beim Mälzen von Hirse um bis zu 45 %. Mälzen beschreibt das Einweichen, Keimen und gezielte Stoppen des Keimprozesses durch Trocknen mittels höherer Temperaturen.30

Beim braunen Reis, der einen hohen Anteil an Phytinsäure besitzt, ist der Einfluss der Fermentation am effektivsten (56-96 %). Den geringsten Effekt hatte einfaches Einweichen ganzer Reiskörner für 24 h bei 25 °C (Effekt < 20 %).20

5.3 Nüsse

Einweichen von Getreide und Hülsenfrüchten hilft zur Reduzierung des Phytatgehalts. Dies findet häufig in einkommensschwachen Ländern erfolgreiche Anwendung. Bei Nüssen haben Einweichen und anschliessendes Trocknen allerdings einen gegenteiligen Effekt. Eine Studie beobachtete nur bei Walnüssen eine signifikante Reduktion nach dem Einweichen, was auf passive Diffusion zurückzuführen ist.13

Phytinsäure in Nüssen hemmt die Eisenaufnahme deutlich.13 Beim Genuss von grossen Mengen an Nüssen - wie beim Verwenden von Mandelmehl statt herkömmlichem Mehl beim Backen oder dem täglichen Verzehr von Erdnussbutter - kann es zu hohen Dosen an Phytinsäure kommen.

Obwohl Nüsse Eisen enthalten, bleibt es phytatgebunden und ist dadurch schlecht bioverfügbar. Nüsse haben wenig aktive Phytase. Das Einweichen verringert den Phytinsäuregehalt in Nüssen kaum. Bei zerkleinerten, eingeweichten Nüssen kommt es zu einem erhöhten Mineralstoffverlust, weil vermehrt Mineralstoffe ins Wasser übergehen.13

Eine Ausnahme bildet die Kokosnuss, die allerdings auch keine Nuss ist, sondern zu den Steinfrüchten zählt. Sie enthält keine oder sehr geringe Mengen an Phytinsäure. Die Kokosnuss gilt seit Jahrhunderten als ein traditionell rohes Lebensmittel, das die Menschen in den Ursprungsländern ohne "Verarbeitung" geniessen. Sie weist allerdings ein sehr schlechtes Verhältnis zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren auf und enthält zu viele gesättigte Fettsäuren (siehe Kokosöl).14

Ascorbinsäure kann die Aufnahme von Mineralien (v.a. Eisen) trotz Phytinsäure signifikant verbessern.11,14

Integrieren Sie Vitamin-C-reiche Lebensmittel wie Orangensaft oder Zitronensaft zu einer getreide- oder nussreichen Mahlzeit. Tierversuche belegen, dass organische Säuren (z.B. Zitronensäure) in phytasehaltigen Lebensmitteln helfen, die Phytaseaktivität und die Wirkung des Phytinabbaus zu erhöhen. Sie senken den pH-Wert und können als Konkurrenz-Chelator von Metallionen wirken.33

6. Richtwerte für das Einweichen und Keimen

Wie lange das Einweichen und Keimen dauert, ist je nach Hülsenfrucht oder Getreide unterschiedlich. Am einfachsten ist das Einweichen über Nacht in der doppelten Menge Wasser.

Einige Richtwerte für die Einweichdauer wie auch für die Keimzeiten enthält die Tabelle weiter unten. Die Einweichzeiten gelten sowohl für das Keimen als auch für das direkt anschliessende Essen oder Kochen. Samen können auch "ertrinken" und absterben. Also im Zweifelsfall die kürzere Zeit unserer Tabelle fürs Keimen verwenden; die längere, wenn man direkt essen möchte.

6.1 Von der Keimung bis zum Sprossengrün

Sprossen, die schon wenige cm lang sind und erste Blättchen anzeigen.© CC0, Stux, Pixabay

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen angekeimten Samen (1), Keimlingen (2), Sprossen (3) und Sprossengrün (4). Als Keimling gilt das junge Pflänzchen, das aus dem im Samen enthaltenen Embryo hervorgeht. Dazu zählen die Wurzel (Radicula) und der erste Ansatz des Keimsprosses, die Sprossknospe (Plumula). Hingegen umfasst der Begriff "Sprossen" streng genommen nur die oberirdischen Teile, also Stängel und Blättchen. Oftmals zeigen Sprossen noch keine Grünfärbung, da die Keimblätter zu diesem Zeitpunkt noch kein Chlorophyll bilden.

Beim angekeimten Samen, typisch 24 Std. Keimdauer, hat der Samen die eigentlichen Lebenskräfte freigesetzt (z.B. Zitronensäure, Apfelsäure etc.) und die Testa (Samenschale) durchbrochen. Der Keimling (2) ist ca. 1 mm gross, ein richtiges "Vitalprodukt" oder Superfood. Dieser Keimling spriesst (wächst) im feuchten Umfeld (warm, manchmal dunkel) zu Sprossen (3) und setzt dann Blätter (4) an. Nach wie vor erlauben die im Samen enthaltenen Stoffe das Wachstum. Ist dieser Vorrat erschöpft, beginnt der Keimling ohne weitere Stoffe (bei kleinen Samen) abzusterben (zu verhungern) und die Destruenten (Bakterien/Pilze) können ihn angreifen. Grössere Samen entwickeln grössere Keimlinge. In Nährlösung oder Erde wächst der Keimling schliesslich zur Pflanze.

Keimlinge und Sprossen stellen kleine gesunde Nährstoffspender dar. Unter der Beachtung einiger Hinweise kann man sie leicht selbst ziehen. Siehe weiter unten: Anleitung zum Sprossenziehen. In den kleinen Samenkörnern ist alles vorhanden, was die Pflanze für das spätere Wachstum benötigt, u.a. zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Sprossen gelten als "vorverdaut" bzw. aufgeschlossene Nahrung.

Das Keimen aktiviert endogene Enzyme, baut komplexe Speicherstoffe ab und erhöht die Verfügbarkeit zahlreicher Nährstoffe. Dies macht den Keimling ernährungsphysiologisch wertvoller als die trockenen Samen. Eine pauschale Angabe zum idealen Zeitpunkt des Konsums ist nicht möglich. Je nach Keimdauer zeigen die verschiedenen Inhaltsstoffe unterschiedliche Veränderungen, siehe dazu Wie lange keimen für optimale Nährstoffdichte?

Grundsätzlich keimen alle rohen, unbehandelten Getreidesorten, ebenso Samen wie Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne oder Pseudogetreide wie Quinoa. Hülsenfrüchte und Nüsse kann man ebenfalls zum Keimen bringen.

Nicht alle Samen sind keimfähig

Die Qualität der Lebensmittel und die Art ihrer Verarbeitung bestimmen, wie erfolgreich der Keimprozess verläuft. Nicht jeder Samen, den man im Handel bekommt, kann keimen. Bioqualität ist sehr zu empfehlen, da diese Nahrungsmittel frei von Keimhemmern sein sollten. Zudem muss das Nahrungsmittel Rohkostqualität aufweisen, um keimen zu können.

Es ist wichtig zu wissen, dass Wasser nur den Impuls für das Keimen bilden soll. Die Toleranz der Dauer unter Wasser ist je nach Pflanzenart und Sorte unterschiedlich. Beim Keimprozess muss dem Keimling unbedingt Sauerstoff zur Verfügung stehen. Bei ausreichend Sauerstoff wächst er weiter, bis er seine internen Reserven aufgebraucht hat.

Ohne Sauerstoff stoppt das Wachstum und der Keim stirbt. Dann leiten Bakterien und Pilze einen Fäulnisprozess ein. Damit dient der Keimling wieder als Nahrung für Pflanzen, jedoch nicht für uns. Sauberkeit ist oberstes Gebot!

6.2 Übersicht Einweichzeit und Keimdauer

Unter Keimdauer ist in der unten stehenden Tabelle die Zeit nach dem Einweichen bis zur Erntebereitschaft des Sprosses zu verstehen. Leider sieht man auf Webseiten oft andere Zahlen, beispielsweise für Quinoa eine Keimdauer von 6 bis 7 Tagen - völlig unrealistisch. Beobachten Sie den Keimling und ernten Sie nach Bedarf - nicht stur nach einer Zeitangabe.

Zu lange Keimlinge brechen beim Spülen leicht ab. Der geringe Gehalt an Nährstoffen stoppt häufig das Weiterwachsen und sie beginnen zu verderben. Beim Einweichen gilt: Die längeren Zeiten eignen sich höchstens, wenn man das Eingeweichte direkt nach dem Einweichen isst, ohne es weiterzukeimen. Denn der Keimling kann ertrinken und schädliche Mikroorganismen entstehen. Wichtig ist beim Einweichen und Keimen, täglich 2-3 Mal zu spülen!

Hülsenfrüchte nie roh essen: Sie enthalten das giftige Lektin Phasin. Das Protein denaturiert nach 20 Minuten Kochzeit (100 °C) und ist ab dann ungiftig. Eine Ausnahme bilden frische Zuckererbsen, die man direkt roh essen kann. Einige Hülsenfrüchte können Sie nach der angegebenen Einweichzeit plus Keimdauer roh essen: Mungobohnensprossen und gekeimte Linsen. Andere sollten Sie besser nicht roh verzehren, sondern sprudelnd kochen: etwa alle Arten der Gartenbohne (Kidneybohne, weisse Bohne, schwarze Bohnen etc.), Adzukibohnen und Kichererbsen.

Saaten: Keimlinge aus ölhaltigen Samen wie Leinsamen (Leinsaat), Sesam, Chia und Sonnenblumenkerne neigen stärker zum Verderb. Das Saatgut benötigt eine besonders hohe Qualität und Sauberkeit. Besser nur ankeimen lassen.

Schleimbildende Saaten: Basilikum, Buchweizen, Chia, Kresse, Leinsamen, Rucola (Rauke), Senf. Diese nur ankeimen lassen und sehr oft spülen (ca. 4 Mal).

Dunkelkeimer: benötigen Dunkelheit zum Keimen, etwa in einem abgedunkelten Keimglas oder durch das Abdecken mit einem Papiertaschentuch oder Watte. Normalerweise grössere Samen, die aus eigener Kraft bis ans Licht kämpfen können: Ackerbohnen, Adzukibohnen, Amaranth, Anis, Blumenkohl, Brokkoli, Erbsen, Kichererbsen, Rote Bete.

Lichtkeimer: benötigen Licht zum Keimen, jedoch keine direkte Sonnenbestrahlung. Viele Kräutersamen zählen zu den Lichtkeimern, so wie Alfalfa, Leinsamen, Bockshornklee und Rucola.

Besonders geeignet für den Rohverzehr nach dem Keimen:22 Amaranth, Bockshornklee, Braunhirse, Dinkel, Fenchel, Kresse, Leinsamen (Leinsaat), Rote Bete, Rucola (Rauke), Senf, Sonnenblumenkerne, Weizen.

Besonders beliebte Sprossen: Kresse (Kindergarten etc.), Alfalfa, Brokkoli, Radieschen, Mungobohnen (einfach).

Alkaloidhaltige Samen der Nachtschattengewächse (Auberginen, Kartoffeln, Paprika, Tomaten), Lupinen und Soja darf man – zumindest grüne Teile – nicht essen. Nur Hitze vermindert Solanin.

Einweichzeit und Keimdauer für Hülsenfrüchte, Getreide, Pseudogetreide, Samen, Nüsse und Ölsaaten15,16,17

  • (*) aus Buchquelle.21
  • (**) Name in erster Spalte mit zwei Sternen (**) dann gilt bei Keimdauer die grössere Zahl als Richtwert für das Pflanzen in Behältern.
  • (***) verweisen auf die Zusatzinformationen unterhalb der Tabelle ("Zu beachten").

Hülsenfrüchte

Einweichzeit (h)

Keimdauer (Tage)

Bemerkungen

Ackerbohnen 12-24 3 Dunkelkeimer
Adzukibohnen (6-8) 12* 3* Dunkelkeimer
Erbsen (Green peas) (10-24) 8* (3-4) 3* Dunkelkeimer
Erbsen, Grünsprossen** (8-24) 8* (bis 14) 1-7* ***
Kichererbsen (6-24+) 12* (3-4) 3* Dunkelkeimer, mild nussig
Kidneybohnen 12 3-4 ***
Linsen (Tellerlinsen) (8-12) 8* (3-4) 3* *** (gross) nussig
Linsen (ungeschält) 0-2 3-4 *** (geschälte rote/gelbe Linsen keimen nicht!)
Lupinen (süss) (24-48) 5-12 2-3 Dunkelkeimer, Spezialfall: 14 Tage in Salszwasser einlegen
Mungobohnen (6-12) 8* (3-4) 3* ***
Schwarze Bohnen 12 3-4 Dunkelkeimer
Sojabohnen 12-15 3-4 Dunkelkeimer
Zuckererbsen 8 1-7 roh auch ungekeimt direkt geniessbar

Getreide

Einweichzeit (h)

Keimdauer (Tage)

Bemerkungen

Braunhirse 4-12 1-3

Dinkel

12

3-4

mild, nussig, süsslich

Gerste 6-12 2-3

Hirse (Millet)

(6-8) 5*

(1-2) 1*

Mais (Zuckermais) 12-24 3-4 Dunkelkeimer

Nackthafer

12-24

2-3

Roggen

12

3-4

nur im Jungstadium süsslich-schmeckend

Vollkornreis

12

3-4

Weichweizen** 8* 1-7* = Weizengras

Weizen

12

2-4

nur im Jungstadium süsslich-schmeckend

Samen und Pseudogetreide

Einweichzeit (h)

Keimdauer (Tage)

Bemerkungen

Alfalfa (Luzerne) 4* (7-8) 7*

Lichtkeimer, besonders gesund21

Amaranth (6-8) 3* (3-5) 1* Dunkelkeimer
Anis 10 Dunkelkeimer
Bockshornklee (Fenugreek) (8) 6* (3-4) 3* Lichtkeimer, würzig, bei längerer Keimdauer bitter
Brokkoli-Samen (6-12) 6* (3-4) 7* Dunkelkeimer, würzig
Buchweizen** (8-16) 6-8* (2-3) 1-2*
Daikon 8 - = Winterrettich
Fenchel 10 7-10
Klee (Clover) 6* 7*
Koriander 4-12 10?
Kresse (Gartenkresse) - 3-6 leicht scharf
Mangold 8 8-10 Grünsprossen
Perilla 12-24 - = Sesamblatt
Quinoa (0,5-6) 3* (6-7) 1*
Radieschen, Rettich 6-12 2-5 leicht scharf
Rote Bete (8-24) 4* 7* Dunkelkeimer
Rucola (Rauke) - 2-3 6-7 T = Grünkraut
Senf 6 (2-5) 2-3 leicht scharf
Wassermelonenkerne 8* 7*

Nüsse, Ölsaaten

Einweichzeit (h)

Keimdauer (Tage)

Bemerkungen

Cashewkerne

6

-

nie roh

Hanf 4-6 3-4 Dunkelkeimer

Haselnüsse

8

-

Kürbiskerne

(12) 4*

(3-5) 7*

Leinsamen 0-6 3-4 neigen zum Schleimen, öfter spülen

Macadamianüsse

4-12

-

Mandeln

(4) 8*

-

Pekannüsse

8*

-

Paranüsse

8*

-

Sesam 2-4 2-5

Sonnenblumenkerne**

(6-12) 6*

(1-2) 1-2*

nussig

Walnüsse

(6) 8*

-

***Zu Beachten:

  • Erbsen-Grünsprossen (Pea shoots): Dunkelkeimer - haben wie auch Feuerbohnen (Achtung Lektine) im Boden verbleibende Keimblätter (hypogäische Keimung), während das Keimblatt bei der epigäischen Keimung später abstirbt, aber die erste Photosynthese vollzieht, bis die Folgeblätter kommen. Zuckererbsen kann man mit ihren zarten Schoten direkt essen.
  • Kidneybohnen: Dunkelkeimer. Sorte der Gartenbohne. Rote Kidneybohnen (Phaseolus vulgaris) ähneln Adzukibohnen (Vigna angularis) oder Feuerbohnen (Phaseolus coccineus). Eine Verwechslung ist möglich.
  • Linsen (Zuckerlinsen (4-5 mm); Mittellinsen (5-6 mm), Tellerlinsen (6-7 mm), Riesenlinsen sind grösser): Dunkelkeimer. Samen keimen nur in rohem, ungeschältem und frischem Zustand. Rote und gelbe Linsen liegen geschält vor und keimen daher nicht mehr – ebenso wenig wie geschälte Tellerlinsen. Gelbe Linsen entstehen durch das Schälen brauner oder grüner Linsen. Ungeschälte rote Linsen haben eine dunklere Schalenfarbe (je nach Ursprungsland), weshalb man sie im Handel oft als braune, violette oder schwarze Linsen bezeichnet. Siehe dazu die Zutat Linsen, roh.
  • Mungobohnen: besonders einfach zu handhaben - benötigen Dunkelheit, wenn sie schmecken sollen! Zum Einweichen brauchen sie viel mehr Wasser, da sie bis zu 7-mal mehr Wasser aufnehmen können, als ihr Trockengewicht ausmacht. Raumtemperatur 18-22 °C, 3-mal pro Tag wässern während Keimung. Roh essbar nach 3 Tagen Keimzeit. Nach dem vierten Tag oft verfärbt, herber im Geschmack und nicht mehr so zart. Diese Bohne ist bekömmlicher als die europäische Gartenbohne (enthält kein Phasin) und verursacht keine Blähungen (keine nicht verdaubaren Dreifachzucker enthalten). Für Anfänger gut geeignet. Siehe Mungobohnensprossen.
6.3 Wie lange keimen für optimale Nährstoffdichte?

Eine pauschale Antwort auf die Frage nach der optimalen Keimdauer gibt es nicht – und das ist wissenschaftlich begründet. Verschiedene Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe erreichen ihren Höhepunkt zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Und dieser Zeitpunkt hängt zusätzlich von der jeweiligen Pflanzenart ab.

In vielen Fällen reicht kurzfristiges Keimen (24–48 h), um die "Blütezeit der Entwicklung der Lebenssstoffe" zu erreichen.

Keimlinge von Getreide und Hülsenfrüchten synthetisieren bestimmte Vitamine selbst. Insbesondere Vitamin C steigt u.a. in Weizen, Hirse, Mungbohnen und Kichererbsen signifikant. Keimen erhöht auch Vitamin E und einige B-Vitamine, u.a. Vitamin B2 und Vitamin B3. Es kommt aber auch zu Verlusten wasserlöslicher Vitamine (u.a. Vitamin B1 und Vitamin B6 bei Reis). Eine längere Keimdauer kann einen Anstieg dieser Vitamine begünstigen.32

Die Keimung verbessert den biologischen Wert von Proteinen, was auf die Proteolyse zurückzuführen ist. Der Proteingehalt kann steigen (Mais, Reis, Hirse, Weizen, Kichererbsen, Grüne Bohnen, Linsen) aber auch eine Reduktion ist möglich. Auf jeden Fall variiert er je nach Einweich- und Keimzeit und Pflanzenart. Ähnliche Schwankungen gelten für den Fett- und Ballaststoffgehalt.32

Ein (gewünschter) Abbau erfolgt für Phytinsäure, blähende Substanzen, Gerbstoffe (Tannine) und Protease-Inhibitoren.

Andere Verbindungen entfalten ihr Maximum erst nach längerer Keimdauer (über 48 h). Polyphenole und Flavonoide bei Linsen etwa nehmen im Verlauf der Keimung generell zu. Der genaue Verlauf ist aber sortenabhängig. Der Gesamtphenolgehalt scheint am 5. Keimtag am höchsten zu sein.28 Den höchsten Sulforaphan-Gehalt hatten 5 Tage alte Broccoli-Sprossen.26 Bei Mungobohnen ist der Vitamin-C-Gehalt am 8. Keimtag mit bis zu 285 mg/100 g Trockengewicht am höchsten. Dies entspricht einer 24-fachen Zunahme.27

Ein ganz anderes Thema stellen "nachwachsende" Küchenreste dar. Also Gemüsereste, die erneut austreiben können, wie Randen, Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch. In ein Gefäss mit etwas Wasser gestellt, bilden sie nach einiger Zeit neue Triebe. Ausgetriebene Zwiebel oder Knoblauch liefern schmackhaftes Grün. Auch Ingwer und Kurkuma können Sie im Topf weiterkultivieren. Aber auch Stangensellerie, Karotten, Romana-Salat, Kohlrabi, Lauch etc. bilden wieder Blattgrün.

7. Anleitung zum Sprossenziehen

Zur Sprossenzucht braucht es nicht viel: ein Anzuchtgerät, Bio-Samen sowie etwas Geduld. Im einfachsten Fall reicht zur Anzucht ein sauberes Schraubglas mit einem Deckel, in den man einige Löcher bohrt. Wer häufiger Keimlinge und Sprossen geniessen möchte, profitiert von einem Keimglas oder Etagen-Anzuchtgerät.

1. Gläser vorbereiten

Gläser und Werkzeuge sterilisieren oder auskochen. Sauberkeit ist wichtig, denn die feuchte Umgebung begünstigt Schimmelbildung.

2. Samenkörner spülen

Auch das verwendete Saatgut muss sauber sein. Dazu die Samen ausgiebig mit Wasser über einem Sieb ausspülen.

3. Samenkörner einweichen

Die Samen vor dem eigentlichen Keimen für mehrere Stunden in Wasser einweichen. Mit dem aufgesaugten Wasser können die Samen den Keimungsprozess starten. Die Einweichdauer variiert zwischen 4 und 12 Stunden (siehe Tabelle oben), bei Reis dauert es länger.

4. Wachstum der Sprossen

Nach dem Einweichen die Samen zum ersten Mal gut abspülen. Das Einweichwasser wegschütten und mit frischem Wasser auffüllen und wieder abgiessen. Je nachdem, ob die Samen zu den Licht- oder Dunkelkeimern gehören, stehen die Gläser während der Keimdauer an einem hellen, aber nicht sonnigen Ort oder keimen im Dunkeln unter einem Küchentuch. Damit keine Staunässe entsteht, stellt man die Gläser mit der Öffnung (Siebdeckel oder wasserdurchlässiges Gewebe) nach unten auf. Dies so, dass das Wasser abfliessen kann. Zwei- bis dreimal täglich spült man die Keimlinge mit frischem Wasser und lässt sie wieder gut abtropfen.

Einige Samenarten bilden nach ein bis drei Tagen mit weissem Flaum bedeckte Wurzeln. Diese sollten Sie nicht mit Schimmel verwechseln.

5. Ernte

Nach der gewünschten Keimdauer spült man die Sprossen ein letztes Mal und kann sie dann frisch und knackig roh geniessen. Sie können auf vielfältige Weise frische Speisen und Salate bereichern.

Das Blanchieren von Sprösslingen (auch von Mungobohne und Linsen) kann die Gefahr vor Keimen reduzieren, v.a. wenn man sie gekauft und nicht selbst gezüchtet hat. Man kann sie durchaus roh essen. Sprossen aus Hülsenfrüchten – etwa Kichererbsen oder Kidneybohnen – gehören ausschliesslich gekocht auf den Teller.

Getreidekeimlinge liefern eher einen milden und süssen Geschmack, Radieschen, Kresse und Linsen einen scharfen, pikanten. Bohnen und Sonnenblumenkerne schmecken nussig.

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1.*

Bei der Verwendung von Hülsenfrucht- und Getreidemischungen als Beikost ist der hohe Phytatgehalt des Breis ein wichtiges Kriterium für die Eisen- und möglicherweise auch Zinkversorgung von Säuglingen und Kleinkindern. Die Kalzium- und Magnesiumversorgung ist weniger problematisch, Kupfer hingegen nicht. Phytinsäure hemmt die Eisenaufnahme sowohl bei Säuglingen als auch bei Erwachsenen stark; selbst bei Eisenmangel kann die Absorption nur 2–5 % betragen. Ein vollständiger Abbau der Phytinsäure kann die Absorption bis zu fünffach steigern, während ein Abbau von 90 % (1 % bis 0,1 %) die Absorption etwa verdoppeln kann. Obwohl ein vollständiger Abbau der Phytinsäure dringend empfohlen wird, ist dies nicht immer möglich. Um eine Verdopplung der Eisenaufnahme aus einer eisenangereicherten Beikost zu erreichen, sollte das molare Verhältnis von Phytinsäure zu Eisen von seinem natürlichen Wert auf <1 oder besser <0,5 reduziert werden.

Obwohl Phytinsäure die Zinkaufnahme bei Erwachsenen hemmt, ist die Situation bei Säuglingen und Kleinkindern unklar. Bei jungen Säuglingen wurde eine relativ hohe Zinkaufnahme aus phytatreichen Getreide- und Hülsenfruchtmischungen beobachtet. Dennoch würde eine Reduzierung des Phytinsäuregehalts um 90 % (von 1 % auf 0,1 %) die Zinkaufnahme bei Erwachsenen voraussichtlich verdoppeln, und ein vollständiger Abbau könnte die Zinkaufnahme sogar noch weiter steigern. Würde das molare Verhältnis von Phytinsäure zu Eisen in eisenangereicherten Lebensmitteln auf unter 0,5 gesenkt, wäre ein deutlicher Anstieg der Zinkaufnahme bei Erwachsenen zu erwarten. Der Einfluss einer Phytinsäurereduktion auf die Zinkaufnahme bei Säuglingen und Kleinkindern scheint gering zu sein, bedarf aber weiterer Untersuchungen.

Narratives Review

DOI: 10.1093/jn/133.9.2973S

Study: weak evidence

Hurrell RF. Influence of vegetable protein sources on trace element and mineral bioavailability. J Nutr. 2003;133(9):2973S-2977S.

2.*

Phytic acid is a potent chelating agent, capable of binding to essential micronutrients such as zinc, iron, calcium, manganese, and magnesium [3]. This results in the formation of insoluble plant salt complexes that significantly reduce the bioavailability of bound minerals, inhibiting their absorption in the gastrointestinal tract [4] and thus leading to potential deficiencies, particularly in populations whose diets are based on foods high in phytic acid [5].

Narratives Review

DOI: 10.3390/nu16234069

Study: weak evidence

Chondrou T, Adamidi N et al. Dietary phytic acid, dephytinization, and phytase supplementation alter trace element bioavailability—a narrative review of human interventions. Nutrients. 2024;16(23):4069.

3.*

An increase in LDH release, histone-associated DNA fragmentation and cell membrane blebbing in Caco-2 cells treated with PA (IP6) may indicate that one of the mechanisms by which IP6 exerts its antitumorigenic effect which is observed in animal models is by inducing apoptotic activity in the tumor cell. Another mechanism may be by boosting the activity of natural killer (NK) cells which are immune system cells that can kill tumor cells demonstrated the mechanism of IP6 at the biochemical level with its involvement in a system of messenger cells or the signal transduction pathway which can be activated by tumor promoters. The tumor promoters activate protein 1 (AP-1), a crucial component of tumor growth, by way of an enzyme: phosphatidyl inositol-3 (PI-3) kinase. IP6 is found to have a structure very similar to a potent inhibitor of the enzyme PI-3 kinase, thus working against, or inhibiting the tumor by blocking the action of the enzyme. IP6 could also reduce the risk of cancer by increasing the activity of glutathione S-transferase which is a key enzyme responsible for detoxifying various chemicals including carcinogens (Challa et al., 1997).

Labortstudien (in vitro und in vivo)

DOI: 10.1016/j.lwt.2005.07.012

Study: weak evidence

Verghese M, Rao D et al. Anticarcinogenic effect of phytic acid (IP6): Apoptosis as a possible mechanism of action. LWT Food Science and Technology 2006;39(10):1093–1098.

4.*

Another potential mechanism for the effects of inositol compound may be via its antioxidant properties. This function of IP6 occurs by chelation of Fe3+ and
suppression of hydroxyl radical formation [24]. Therefore, IP6 may reduce carcinogenesis mediated by active oxygen species and cell injury via its antioxidative function. This activity seems to be closely related to its unique structure. The phosphate grouping in positions 1,2,3 (axial-equatorial-axial) is unique to IP6, specially interacting with iron to inhibit its ability to catalyze hydroxyl radical formation, making IP6 a strong antioxidant. The anticancer action of IP6 may be further related to its mineral binding ability. IP6, by binding with Zn2+, can affect thymidine kinase activity, an
enzyme essential for DNA synthesis [13, 22, 23, 25].

Inositol hexaphosphate (IP6) is a naturally occurring compound that is abundantly found in grains, cereals, nuts, and foods that are high in fiber content. IP6 has been found to have significant antitumor properties in regard to reduction of tumor growth in both in vivo and in vitro studies for prostate [1, 2], breast [3], and colon [4] cancers. To date the effect of IP6 in the treatment of pancreatic cancer has not been reported.

Laborstudie (in vitro)

DOI: 10.1016/j.jss.2005.01.022

Study: weak evidence

Somasundar P, Riggs DR et al. Inositol hexaphosphate (IP6): a novel treatment for pancreatic cancer. J Surg Res. 2005;126(2):199-203.

5.*

Die Studie mit stabilen Isotopen basierte auf einer Einzelmahlzeit, wodurch der Effekt der Phytinsäurereduktion auf die Eisenaufnahme möglicherweise überbewertet wurde [9] . Cook et al. [53] berichteten zuvor von einem signifikant geringeren Anstieg der Eisenaufnahme durch die Gesamtnahrung (2,5-fach) im Vergleich zum Anstieg durch eine Einzelmahlzeit (5,9-fach). Darüber hinaus kann nicht ausgeschlossen werden, dass andere, unbekannte Bestandteile des Weizenmehls die erhöhte Eisenaufnahme verursacht haben. Da Phytinsäure jedoch der Hauptinhibitor der Eisenaufnahme ist [9] und der signifikant reduzierte Phytinsäuregehalt darauf hindeutet, dass die natürliche Phytase im Weizen höchstwahrscheinlich für die Verbesserung der Eisenaufnahme verantwortlich ist, ist dies der Grund.

Interventionsstudie mit Crossover‑Design

DOI: 10.1371/journal.pone.0070613

Study: moderate evidence

Koréissi-Dembélé Y, Fanou-Fogny N et al. Dephytinisation with intrinsic wheat phytase and iron fortification significantly increase iron absorption from fonio (Digitaria exilis) meals in West African women. PLoS One. 2013;8(10):e70613.

6.*

IP 5 hemmt die Eisenaufnahme, während IP 3 und IP 4 in isolierter Form keine solche Wirkung zeigen. IP 3 und IP 4 in verarbeiteten Lebensmitteln tragen vermutlich durch die Bindung von Eisen zwischen verschiedenen Inositolphosphaten zur negativen Wirkung auf die Eisenaufnahme bei . Um die Eisenaufnahme aus Getreide und Hülsenfrüchten zu verbessern, müssen die Inositolphosphate zu weniger phosphorylierten Inositolphosphaten als IP 3 abgebaut werden .

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zugabe von IP 5 zu Weissweizenbrötchen die Eisenaufnahme deutlich weniger stark hemmt als IP 6 , während IP 4, das durch säurekatalysierte Hydrolyse entsteht, und Ins(1,2,6)P 3 die Eisenaufnahme nicht signifikant beeinträchtigen. Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass IP 3 und IP 4 durch Wechselwirkungen mit höher phosphorylierten Inositolphosphaten zur negativen Wirkung auf die Eisenaufnahme verarbeiteter Lebensmittel beitragen, was zu einer Erhöhung der Mineralbindungskapazität führt. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass der Phytatabbau nicht nur von IP 5 und IP 6 , sondern auch von IP 3 und IP in Getreide- und Sojaprodukten beispielsweise im Haushalt oder während des Herstellungsprozesses erfolgen muss, um die Eisenaufnahme solcher Lebensmittel zu verbessern.

Interventionsstudie mit Crossover-Design

DOI: 10.1093/ajcn.70.2.240

Study: moderate evidence

Sandberg AS, Brune M et al. Inositol phosphates with different numbers of phosphate groups influence iron absorption in humans. Am J Clin Nutr. 1999;70(2):240-246.

7.*

Both in vitro and in vivo methods have been used to estimate the bioavailability of Fe, Zn and Ca in plant foods. Some in vitro methods are based on a two-stage simulated digestive process of the food or test meal, followed by determination of the dialysable Fe, Zn or Ca released. In general, the magnitude of the responses measured using these methods are not the same as those observed in human subjects, but some of these methods have been used to rank foods with respect to the effect of processing and preparation practices on mineral bioavailability (Latunde-Dada et al. 1998). For example, increases in dialysable Fe, Zn and Ca have been reported after processing porridges prepared from legumes such as chickpea (Cicer arietinum) and black gram (Phaseolus mungo) flours and/or cereal flours such as maize, sorghum and rice by fermentation with a starter culture (Svanberg et al. 1993; Jood & Kapoor, 1997; Sharma & Khetarpaul, 1998) and/or by soaking and germination (Svanberg et al. 1993; Mbithi-Mwikya et al. 2002).

Narratives Review

DOI: 10.1079/pns2006489

Study: weak evidence

Gibson RS, Perlas L, Hotz C. Improving the bioavailability of nutrients in plant foods at the household level. Proc Nutr Soc. 2006;65(2):160-168.

8.*

Der Abbau von Phytinsäure wurde zunächst in einer Mischung aus poliertem Reis (30 %) und Vollkornkichererbsen (60 %) mit 10 % Vollkornbuchweizen als Phytasequelle untersucht. Buchweizen weist eine geringere Phytaseaktivität als Weizen und Roggen auf, ist aber glutenfrei und besitzt daher anderes interessantes Potenzial. Es wurde in einer Mischung auf Reisbasis als Beispiel für ein glutenfreies Getreide getestet. Der relativ niedrige anfängliche Phytinsäuregehalt (3,6 mg/g) wurde nach 200 Minuten Inkubation bei 50 °C in einer Suspension mit einem Trockenmassegehalt von 20 % und einem pH-Wert von 5,0 vollständig abgebaut (Abbildung 3). Zusätzlich wurde der Phytinsäureabbau unter denselben Bedingungen in der Reis-Kichererbsen-Mischung ohne Zugabe von Buchweizen als Phytasequelle gemessen (Ergebnisse nicht dargestellt). Nach 200 Minuten war der anfängliche Phytinsäuregehalt von 3 mg/g auf 0,7 mg/g IP3, 0,7 mg/g IP4, 0,2 mg/g IP5 und 0,1 mg/g IP6 abgebaut, vergleichbar mit dem Gehalt nach 120 Minuten in der Buchweizen-haltigen Mischung. Die geringe Phytaseaktivität von Kichererbsen und Reis trug somit massgeblich zum Abbau von Inositolphosphaten bei. Die Zugabe von Buchweizen verkürzte jedoch die Inkubationszeit für den vollständigen Abbau von Phytinsäure erheblich.

Labor‑/Technologie‑Studie (in‑vitro food processing study)

DOI: 10.1111/j.1365-2621.2003.tb12342.x

Study: weak evidence

Egli I, Davidsson L et al. Phytic Acid Degradation in Complementary Foods Using Phytase Naturally Occurring in Whole Grain Cereals. Journal of Food Science. 2006;68(5):1855-1859.

9.*

Derzeit liegen nur wenige Studien zum Einfluss von Phytat auf die Bioverfügbarkeit von Eisen, Zink und Kalzium bei Säuglingen und Kleinkindern vor. Daher ist unklar, ob die für die Ernährung Erwachsener als wünschenswert geltenden Phytat-Mineralstoff-Molverhältnisse auch für die Beikost von Säuglingen und Kleinkindern geeignet sind [22]. Ebenso ist ungewiss, ob Kinder sich an die hemmende Wirkung einer phytatreichen Beikost auf die Absorption dieser Mineralstoffe anpassen können. Es gibt Hinweise darauf, dass Erwachsene sich an eine zink- und phytatarme Ernährung anpassen können, indem sie die Zinkabsorption im Darm erhöhen. Eine vergleichbare Anpassung scheint jedoch bei phytatreichen Diäten nicht stattzufinden [23], obwohl die endogene Zinkausscheidung im Stuhl möglicherweise abnimmt [24]. Ebenso ist die Eisenaufnahme bei Erwachsenen, die sich phytatreich ernähren, nicht erhöht.
[25] Dieser Trend ist wahrscheinlich auch bei Kindern zu beobachten, da die Wirkung von Verstärkern und Hemmern der Eisenaufnahme bei Erwachsenen und Säuglingen vergleichbar ist.

Beispielsweise verbesserte selbst der vollständige Phytatabbau durch kommerzielles Phytaseenzym die Eisenaufnahme aus mit Wasser zubereiteten Getreidebreien, nicht aber aus mit Milch zubereiteten Breien [17]. Dieser Befund ist wichtig, da Hersteller häufig empfehlen, angereicherte Beikost mit Milch statt mit Wasser zuzubereiten. Auch der Gesundheitszustand von Säuglingen und Kleinkindern hat wahrscheinlich einen grossen Einfluss auf die Mineralstoffaufnahme, insbesondere in Umgebungen, in denen Umweltenteropathie weit verbreitet sein kann [71, 72].

Die Entphytinisierung im industriellen Massstab kann durch Mahlen oder die Zugabe exogener Phytase-Enzyme (Myo-Inositol-Hexakisphosphat-Phosphohydrolasen) erreicht werden. Beim Mahlen zur Entfernung der Kleie und/oder des Keimlings von Getreide können bis zu 90 % des Phytats verloren gehen. Es stehen verschiedene Phytase-Quellen zur Verfügung. Viele werden aus Schimmelpilzen gewonnen, die in einem breiteren pH-Bereich (2,5 bis 5,5) als Getreidephytasen (4,5 bis 5,6) und unter den physiologischen Bedingungen von Magen und Dünndarm wirken. Zu ihnen gehören Aspergillus ficuum (eine gentechnisch veränderte Variante von A. niger), A. oxyzae und A. fumigatus. A. fumigatus hat den zusätzlichen Vorteil, dass er Hitzebehandlungen bei Temperaturen bis zu 100 °C für 20 Minuten übersteht.
[60] Diese kommerziellen Phytase-Enzyme können Phytat in etwa 2 Stunden vollständig abbauen, vorausgesetzt, das Phytase-Enzym wird einer wässrigen Suspension der Beikost bei dem pH-Optimum des Enzyms zugesetzt.

Konventionelle Wärmebehandlungen führen nur zu mässigen Verlusten (5 % bis 15 %) an Phytinsäure, abhängig von der Pflanzenart, der Temperatur und dem pH-Wert. Das Einweichen von Getreide- und, in geringerem Masse, Hülsenfruchtmehlen unter optimalen Bedingungen kann deren IP5- und IP6-Gehalt deutlich reduzieren.

Cereals with the highest phytase activity are whole wheat, whole rye, buckwheat, and barley, whereas sorghum, maize, and rice have low phytase activity. Legumes and oilseeds have lower phytase activity than cereals.

Narratives Review

DOI: 10.1177/15648265100312S206

Study: weak evidence

Gibson RS, Bailey KB, Gibbs M, Ferguson EL. A review of phytate, iron, zinc, and calcium concentrations in plant-based complementary foods used in low-income countries and implications for bioavailability. Food Nutr Bull. 2010;31(2 Suppl):S134-146.

10.*

Mechanismus der Phytathydrolyse im Darm Studien zum Phytatabbau im menschlichen Darm sind selten. Frühe Experimente zeigten, dass ein Teil des Phytats im menschlichen Darm abgebaut wird. Bereits 1935 beobachteten McCane und Widdowson 36–63 % Phytat im Stuhl von Erwachsenen nach einer phytatreichen Ernährung und berechneten den mittleren Phytatabbau auf 54 ± 8 % [151]. Dies wurde durch ein späteres Experiment bestätigt, das eine Phytat-Phosphor-Absorption von 50 % zeigte [24].

Magen
Bei Ileostomiepatienten stellten Sandberg et al. 1986 [155–158] einen Phytatabbau von 56–66 % während der gesamten Passage durch Magen und Dünndarm fest, wenn die Nahrung aktive Phytasen enthielt. Wurden die Phytasen in der Nahrung durch Extrusion oder Wärmebehandlung inaktiviert,
sinkt der gesamte Phytatabbau im oberen Darmabschnitt auf 0–28 % [155–158].

Tabelle zu Phytinsäure in Lebensmitteln (2,3,4,5)

Narratives Review

DOI: 10.1002/mnfr.200900099

Study: weak evidence

Schlemmer U, Frølich W et al. Phytate in foods and significance for humans: food sources, intake, processing, bioavailability, protective role and analysis. Mol Nutr Food Res. 2009;53(Suppl 2):S330-S375.

11.*

Aufgrund des hohen Phytatgehalts von Getreidebreien kann die Eisenaufnahme aus natürlichem und angereichertem Eisen sehr gering sein (6). Die Aufnahme lässt sich durch die Zugabe von Ascorbinsäure ( 4,6,7,8 ), EDTA (9 ) sowie durch den Abbau oder die Entfernung von Phytinsäure (10) erhöhen. Der Phytinsäuregehalt ist in Vollkornmehlen am höchsten und kann durch das Entfernen der Schale deutlich reduziert werden (11). Die Eisenaufnahme ist jedoch selbst bei Breien aus Mehlen mit niedrigem Ausmahlungsgrad gering (6), da bereits geringe Mengen an Phytat die Eisenaufnahme hemmen (10). Phytinsäure in Getreideprodukten kann vollständig durch Phytasen abgebaut werden. Diese Enzyme spalten sukzessive die Phosphatgruppen von der Phytinsäure ab, bis diese kein Eisen mehr bindet. Phytinsäure wurde in Beikostgetreide vollständig abgebaut, indem man kommerzielle exogene Phytasen hinzufügte (12) oder die natürlichen Phytasen durch eine Kombination aus Einweichen, Keimen und Fermentieren aktivierte (13).

Eine weitere Erkenntnis der vorliegenden Studie war, dass der positive Effekt der Entphytinisierung auf die Eisenaufnahme durch die Zubereitung der Weizenbreie mit Milch anstelle von Wasser stark verringert oder sogar vollständig aufgehoben wurde 

Interventionsstudie mit Crossover‑Design

DOI: 10.1093/ajcn/77.5.1213

Study: moderate evidence

Hurrell RF, Reddy MB et al. Degradation of phytic acid in cereal porridges improves iron absorption by human subjects. Am J Clin Nutr. 2003;77(5):1213-1219.

12.*

Keimung hingegen steigerte den Nährstoffgehalt und die Phytaseaktivität und senkte gleichzeitig den Phytinsäuregehalt. Daraus lässt sich schliessen, dass die Keimung eine einfache Methode darstellt, um die Phytaseaktivität zu erhöhen und den Phytinsäuregehalt zu senken sowie den Nährwert von Quinoa zu verbessern. 

Laborstudie

DOI: 10.3390/foods12020389

Study: weak evidence

Maldonado-Alvarado P, Pavón-Vargas DJ, Abarca-Robles J, Valencia-Chamorro S, Haros CM. Effect of Germination on the Nutritional Properties, Phytic Acid Content, and Phytase Activity of Quinoa (Chenopodium quinoa Willd). Foods. 2023;12(2):389.

13.*

In der populärwissenschaftlichen Literatur wird behauptet, dass das Einweichen von Nüssen die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen erhöht. Studien an Hülsenfrüchten und Getreide zeigen, dass Einweichen den Phytatgehalt senkt. Für Nüsse gibt es jedoch keine Belege, die diese Behauptungen stützen oder widerlegen. Wir untersuchten die Auswirkungen verschiedener Einweichmethoden auf die Phytat- und Mineralstoffkonzentrationen von ganzen und gehackten Mandeln, Haselnüssen, Erdnüssen und Walnüssen. Die Behandlungen waren: 1. Roh; 2. 12 Stunden in Salzlösung eingeweicht; 3. 4 Stunden in Salzlösung eingeweicht; 4. 12 Stunden in Wasser eingeweicht. Die Phytatkonzentrationen wurden mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) und die Mineralstoffkonzentrationen mittels induktiv gekoppelter Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) analysiert. Die Unterschiede in den Phytatkonzentrationen zwischen behandelten und unbehandelten Nüssen waren gering und lagen zwischen −12 % und +10 %. Insgesamt führte das Einweichen zu niedrigeren Mineralstoffkonzentrationen, insbesondere bei gehackten Nüssen, und verbesserte das molare Verhältnis von Phytat zu Mineralstoffen nicht. Diese Forschung stützt nicht die Behauptung, dass die „Aktivierung“ von Nüssen zu einer höheren Bioverfügbarkeit von Nährstoffen führt.

Obwohl das Einweichen von Lebensmitteln in Ländern mit niedrigem Einkommen erfolgreich zur Reduzierung des Phytatgehalts von Getreide und Hülsenfrüchten eingesetzt wurde (Hotz & Gibson, 2001; Kruger, Oelofse & Taylor, 2014; Majzoobi, Pashangeh, Farahnaky, Eskandari & Jamalian, 2014; Perlas & Gibson, 2002), haben nur wenige Studien diesen Prozess bei Nüssen untersucht. Eine aktuelle Studie von Lin et al. berichtete über einen Anstieg des Phytatgehalts nach dem Einweichen von Mandeln (Lin et al., 2017). Dies ist wahrscheinlich auf die Kombination aus minimalem Phytatverlust während des Einweichens und Feuchtigkeitsverlust beim Trocknen zurückzuführen, was insgesamt zu einem höheren Phytatgehalt in Mandeln nach dem Einweichen und Trocknen führt.

Die Unterschiede in den Phytatkonzentrationen zwischen den Behandlungen verringerten sich nach Korrektur des Feuchtigkeitsverlusts. Bei Mandeln gab es keinen Hinweis auf einen Unterschied zwischen den Behandlungen. Dies stützt nicht die Behauptungen in der populärwissenschaftlichen Literatur, dass das Einweichen oder „Aktivieren“ von Mandeln zu einer Reduktion des Phytatgehalts und einer Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen führt (Cottis, 2012; Grossmann, 2014; Kimiharris, 2008; Mack, 2013; Nagel, 2010). Walnüsse waren die einzige Nussart, bei der wir eine statistisch signifikant niedrigere Phytatkonzentration in allen Einweichbehandlungen im Vergleich zu unbehandelten Walnüssen beobachteten. Es ist wahrscheinlich, dass die beobachteten Reduktionen des Phytatgehalts überwiegend auf passive Diffusion oder Auswaschung zurückzuführen sind (Elgi, Davidsson, Jullerat, Barclay & Hurrell, 2002; Hotz & Gibson, 2001). Ein weiterer möglicher Mechanismus wäre die
Hydrolyse von Phytat durch das endogene Enzym Phytase, die jedoch
in der vorliegenden Studie nicht untersucht wurde.

Experimentelle Laborstudie

DOI: 10.1016/j.foodchem.2020.126529

Study: weak evidence

Kumari S, Gray AR, Webster K, Bailey K, Reid M, Kelvin KAH et al. Does ‘activating’ nuts affect nutrient bioavailability? Food Chemistry. Juli 2020;319:126529.

14.*

In einer zweiten Studiengruppe wurde untersucht, inwieweit Ascorbinsäure die hemmende Wirkung bestimmter Nüsse auf die Eisenaufnahme aufheben kann (Tabelle 2). 25 mg Ascorbinsäure verbesserten die Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit aus Brot und Erdnüssen signifikant (t = 3,4, p < 0,005). Eine höhere Dosis von 50 mg Ascorbinsäure stellte die geometrische mittlere Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit aus Brot und Erdnüssen auf einen Wert wieder her, der mit der Aufnahme aus einer Mahlzeit aus Brot allein vergleichbar war (t = 0,36, p > 0,1). Bei Paranüssen verbesserte 25 mg Ascorbinsäure die geometrische mittlere Eisenaufnahme aus der Mahlzeit aus Brot und Nüssen auf einen Wert, der dem Wert von Brot allein ähnelte (t = 1,2, p > 0,1). 50 mg Ascorbinsäure verbesserten die geometrische mittlere Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit aus Brot und Paranüssen signifikant (t = 5,0, p < 0,001).

Kokosnuss war jedoch die einzige Nuss, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Eisenaufnahme aus einer Brotmahlzeit neutral war und deutlich geringere Konzentrationen an Phytat und Polyphenolen enthielt als alle anderen Nüsse.

Interventionsstudie mit Crossover‑Design

DOI: 10.1093/ajcn/47.2.270

Study: moderate evidence

Macfarlane BJ, Bezwoda WR et al. Inhibitory effect of nuts on iron absorption. Am J Clin Nutr. 1988;47(2):270-274.

15.

Website

Smarticular: Einweichen ja oder nein? Einweich-Einmaleins für Nüsse, Bohnen & Co.

16.

Website

Sprossen-Selbstgemacht: Keimzeiten Sprossen-Sorten.

17.

Website

Gundja: Sprossen-Special.

18.*

Experimentelle Laborstudie (in‑vitro Lebensmittel‑/Prozessstudie)

DOI: 10.1111/j.1365-2621.1992.tb14340.x

Study: weak evidence

Larsson M, Sandberg AS. Phytate Reduction in Oats during Malting. Journal of Food Science. 1992;57(4):994-997.

19.*

 In Fingerhirse betrug der mittlere Rückgang nach 96 bzw. 72 Stunden 72,3 % bzw. 54,3 %. Das Mälzen führte nach 72 bzw. 96 Stunden zu einer durchschnittlichen Reduktion des Phytinsäuregehalts um 23,9 % bzw. 45,3 %. Das Ausmass der Reduktion variierte je nach Getreidesorte. Die Fermentation erhöhte den Gehalt an verfügbarem Eisen, Mangan und Calcium sowohl in Sorghum als auch in Fingerhirse. Der Gehalt an verfügbaren Mineralstoffen war nach der Fermentation in Fingerhirse im Allgemeinen höher als in Sorghum. Die Fermentation war zudem effektiver als das Mälzen bei der Reduktion von Phytinsäure in Sorghum und Fingerhirse. Einfache, traditionelle Lebensmittelverarbeitungsmethoden können daher zur Steigerung der Mineralstoffverfügbarkeit eingesetzt werden.

Experimentelle Laborstudie (in‑vitro Lebensmittel‑/Prozessstudie)

DOI: 10.1177/15648265020233S14

Study: weak evidence

Makokha AO, Oniang'o RK et al. Effect of traditional fermentation and malting on phytic acid and mineral availability from sorghum (Sorghum bicolor) and finger millet (Eleusine coracana) grain varieties grown in Kenya. Food Nutr Bull. 2002;23(3 Suppl):241-245.

20.*

Einweichen, Keimen und Fermentieren führten zu unterschiedlichen Reduktionen des Phytinsäuregehalts in braunem Reis. Der effektivste Ansatz (AF3) konnte den Gesamtphytinsäuregehalt um 96 % senken und das molare Verhältnis von Phytinsäure zu Zink unter 5 reduzieren. Die Nassverarbeitung (ausser Einweichen nach dem Erhitzen) führte zu einem Massenverlust von 1–20 % und einem ähnlichen Zinkverlust. Der starke Rückgang des Verhältnisses deutet darauf hin, dass insbesondere die Fermentation ein erfolgversprechender Weg zur Steigerung der Zinkbioverfügbarkeit ist. Allerdings zeigten In-vitro-Löslichkeitsmessungen von Zink nur geringe Verbesserungen gegenüber unbehandeltem braunem Reis. Dies könnte auf das Vorhandensein von Matrixbestandteilen wie Ballaststoffen oder Phosphaten zurückzuführen sein, die zur Bildung unlöslicher Zinkkomplexe führen. Es muss noch untersucht werden, inwieweit dies die In-vitro-Löslichkeit und Bioverfügbarkeit beeinflusst.

Mit Anreicherungsstarter fermentierter Reis (AF3) wies den niedrigsten Phytinsäuregehalt (0,7 mg g⁻¹) auf.

Auch die natürliche Fermentation (NF) reduzierte den anfänglichen Phytinsäuregehalt um 50 %. Während der Keimung sank der Phytinsäuregehalt leicht von 11,7 auf 8,4 mg g⁻¹, während der Einweichphase und weiter von 12,9 auf 5,7 mg g⁻¹ während des Keimprozesses über einen Zeitraum von 12–72 Stunden.

Experimentelle Laborstudie

DOI: 10.1016/j.foodchem.2008.02.064

Study: weak evidence

Liang J, Han BZ, Nout MJR, Hamer RJ. Effects of soaking, germination and fermentation on phytic acid, total and in vitro soluble zinc in brown rice. Food Chemistry. 2008;110(4):821–828.

21.

Book: moderate evidence

Hetrich B. Growing Your Own Living Foods: Sprouting The Easy Way. ‎New Life Books; 2015.

22.

Website

Sprossen-Keimlinge: Welche Keimlinge kann man roh essen?

23.

Book: moderate evidence

Biesalski HK, Bischoff SC, Pirlich M, Weimann A, Herausgeber. Ernährungsmedizin: Ernährungsmedizin 5. Auflage-Thieme: Stuttgart, NewYork. 2018.

24.*

Phytat kann in vitro und in Ratten mit Streptozotocin-Nicotinamid-induziertem Typ-2-Diabetes mellitus dosisabhängig die Aktivität von α-Glucosidase und α-Amylase hemmen, vergleichbar mit dem Standardmedikament Acarbose [ 103 ]. Die antidiabetische Wirkung der Phytinsäure beruht möglicherweise teilweise auf der verminderten Aktivität der intestinalen Amylase. Dies deutet auf eine geringere Bildung und anschliessende Absorption von Kohlenhydratverdauungsprodukten hin, was zu einem geringeren prozentualen Anstieg des Blutzuckerspiegels führt.

Epidemiologische Studien am Menschen

Die mediterrane und die DASH-Diät haben wiederholt ihre Wirksamkeit bei der Verbesserung der Blutzuckerkontrolle und der Senkung des kardiovaskulären Risikos unter Beweis gestellt. Darüber hinaus sind diese Diäten reich an Phytaten. Diese positiven Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit und die Blutzuckerkontrolle könnten auf die antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften der mediterranen Ernährung zurückzuführen sein. Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle und eine Senkung des HbA1c-Werts wurden als Folge einer erhöhten Zufuhr von Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten berichtet [ 107 , 108 , 109 ]. Eine hohe Zufuhr von Ballaststoffen, insbesondere löslichen Ballaststoffen, verbessert die Blutzuckerkontrolle, senkt den Insulinspiegel und reduziert die Plasmalipidkonzentrationen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes.

Zum anderen zeigt es eine immunstimulierende Wirkung auf NK-Zellen, die mit einer Reduktion der Tumorinzidenz einhergeht.

Kontroversen um die Phytataufnahme

Die Bioverfügbarkeit beschreibt die Menge an Nährstoffen (Mikro- und Makronährstoffen), die von Zellen und Organen aufgenommen und bereitgestellt werden. Jede Verringerung der Bioverfügbarkeit von Nährstoffen kann unsere Gesundheit beeinträchtigen. Da unser Körper keine Endophytase besitzt, kann Phytat nicht abgebaut werden [ 186 ]. Die in Phytat chelatierten Mineralstoffe sind daher nicht bioverfügbar. Aufgrund dieser Erkenntnis gilt Phytat als „Antinährstoff“. Dieser Effekt kann jedoch durch den phytaseinduzierten Abbau von Phytinsäure während der Lebensmittelverarbeitung (durch in der Pflanze/im Mehl enthaltene Phytasen) sowie während der Verdauung (durch die Phytaseaktivität der Darmflora) umgekehrt werden [ 187 ]. Andere Techniken sind ebenfalls wirksam bei der Reduzierung des Phytatgehalts [ 188 ], so reduziert Kochen bei 95° für eine Stunde den Phytatgehalt um 11–80% [ 188 ], Einweichen reduziert den Phytatgehalt um 17–80% und Keimen reduziert den Phytatgehalt um mehr als 60% [ 188 ].

Einem früheren Bericht zufolge hemmt Phytinsäure die Aktivität von Enzymen, die für den Proteinabbau im Dünndarm und Magen notwendig sind (Kies et al. 2006 ).

Narratives Review

DOI: 10.3390/antiox12010146

Study: weak evidence

Pujol A, Sanchis P et al. Phytate intake, health and disease: “let thy food be thy medicine and medicine be thy food”. Antioxidants. 2023;12(1):146.

25.*

Mahlen

Das Mahlen ist die traditionellste Methode, die Kleieschicht vom Getreide zu trennen. Dabei wird das Getreide zu Mehl vermahlen. Durch das Mahlen werden Antinährstoffe (z. B. Phytinsäure, Lektine, Tannine) aus der Kleie entfernt. Allerdings hat diese Technik den Nachteil, dass auch wichtige Mineralstoffe verloren gehen (Gupta et al. 2015 ).

Beispielsweise können endogene oder exogene Phytaseenzyme während des Einweichens die In-vitro-Löslichkeit von Mineralstoffen wie Zink und Eisen um 2 bis 23 % erhöhen (Vashishth et al. 2017 ). Eine frühere Studie von Greiner und Konietzny ( 2006 ) zeigte, dass Einweichen den Phytatgehalt bei 45 °C und 65 °C signifikant reduzierte. Das Einweichen von Getreide und Hülsenfrüchten erwies sich als sehr wirksam, um die Mineralstoffkonzentration und die Proteinverfügbarkeit zu erhöhen und gleichzeitig den Phytinsäuregehalt zu senken (Coulibaly et al. 2011 ). Eine weitere Studie berichtete, dass die Phytinsäurekonzentration in Kichererbsen um 47,45 bis 55,71 % sank, wenn die Einweichzeit von 2 auf 12 Stunden verlängert wurde (Ertaş und Türker 2014 ).

In Getreide bildet Phytinsäure normalerweise Komplexe mit Metallkationen wie Eisen, Zink und Kalzium sowie mit Proteinen. 

Eine weitere Studie berichtete zudem, dass sich die Nährstoffqualität von Hülsenfrüchten durch Kochen aufgrund der Reduzierung des Lektin- und Saponingehalts deutlich verbesserte (Maphosa und Jideani 2017 

Narratives Review

DOI: 10.1186/s43014-020-0020-5

Study: weak evidence

Samtiya M, Aluko RE, Dhewa T. Plant food anti-nutritional factors and their reduction strategies: an overview. Food Production, Processing and Nutrition. 2020;2(1):6.

26.*

The highest sulforaphane content in broccoli sprouts were 233.80 μg/g DW in 5-day-old sprouts and 1555.95 μg/g DW at day 4 of storage.

Laborstudie

DOI: 10.1007/s13197-016-2452-0

Study: weak evidence

Tian M, Xu X, et al. Optimisation of enzymatic production of sulforaphane in broccoli sprouts and their total antioxidant activity at different growth and storage days. J Food Sci Technol. 2017;54(1):209-218.

27.*

Germination of mung beans dramatically increased vitamin C content in mung bean sprouts in a time-dependent manner and reached the peak on day 8 of germination up to 285 mg/100 g DW, almost 24 times higher than the initial concentration in mung bean seeds (p < 0.05). On fresh weight basis, one serving of mung bean sprouts (about 104 g) provides 21.6 mg of vitamin C, which could meet 36% of Daily Value (DV). 

Laborstudie

DOI: 10.1021/jf304443u

Study: weak evidence

Guo X, Li T, et al. Effect of germination on phytochemical profiles and antioxidant activity of mung bean sprouts (Vigna radiata). J Agric Food Chem. 2012;60(44):11050-11055.

28.*

Phenolics content increased from 1341.13 mg/100 g DW in raw lentil seeds to 1411.50, 1463.00, 1630.20 and 1510.10 in those samples germinated for 3, 4, 5 and 6 days, respectively. Sprouted seeds had higher DPPH radical scavenging and reducing power activities.

Laborstudie

DOI: 10.17306/J.AFS.2015.3.25

Study: weak evidence

Fouad AA, Rehab FM. Effect of germination time on proximate analysis, bioactive compounds and antioxidant activity of lentil (Lens culinaris Medik.) sprouts. Acta Sci Pol Technol Aliment. 2015;14(3):233-246.

29.*

Similar to Fe(III), binding of Zn(II) drastically decreases at lower degrees of inositol phosphorylation, like the IP3 and IP4 species (Persson et al. 1998). This corresponds with human studies that IP species below IP5 do not negatively affect.

Similar to observations with Zn, inositol species with lower levels of phosphorylation, such as IP3 were found to have no effect on Fe absorption when added to food (Sandberg et al. 1999).

Narratives Review

DOI: 10.1080/10408398.2020.1846014

Study: weak evidence

Zhang YY, Stockmann R, Ng K, Ajlouni S. Revisiting phytate-element interactions: implications for iron, zinc and calcium bioavailability, with emphasis on legumes. Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 2022;62(6):1696-1712.

30.*

Phytinsäure und Quellen in Lebensmitteln Tabelle 1

Einweichen ist eine weit verbreitete und wichtige Methode im Keimungs- und Fermentationsprozess von Getreide. Das Einweichen von Getreide wie Perlhirse mit endogener oder exogener Phytase erhöhte die In-vitro-Löslichkeit von Eisen und Zink um 2–23 % (Lestienne et al. 2005 ). Das Einweichen von Sorghummehl für 24 Stunden bei Raumtemperatur reduzierte den Phytinsäuregehalt um 16–21 % (Mahgoub und Elhag 1998 ). Die Kombination von Einweichen und Kochen erwies sich als deutlich effektiver zur Reduzierung von Phytinsäure als das Einweichen allein über einen kurzen Zeitraum (Vidal-Valverde et al. 1994 ). Das Einweichen von Getreide und Bohnen ist sehr effektiv, um den Phytinsäuregehalt zu reduzieren und die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen zu erhöhen (Perlas und Gibson 2002 ; Coulibaly et al. 2011 ). Bei dieser Methode werden die Körner für eine bestimmte Zeit vollständig in Wasser eingeweicht, wodurch endogene Phytasen aktiviert werden. Durch Einweichen bei Temperaturen zwischen 45 und 65 °C und einem pH-Wert zwischen 5 und 6 wird ein beträchtlicher Anteil des Phytats hydrolysiert (Greiner und Konietzny 2006 ). Da diese Phytasen in den Körnern vorhanden sind, konnte durch deren Aktivierung der Phytinsäuregehalt signifikant reduziert werden. Diese Behandlung hat jedoch auch Nachteile, da dabei Mineralstoffe und wasserlösliche Proteine ​​verloren gehen. Mit zunehmender Einweichzeit von 2 auf 12 Stunden sank der Phytinsäuregehalt in Kichererbsen um 47,4 bis 55,71 % (Ertas und Turker 2012 ).

Eine Reduktion des Phytatgehalts um 88,3 % wurde beobachtet, als gekeimte Perlhirsesprossen mit Reinkulturen von Saccharomyces diasticus, S. cerevisiae, Lactobacillus brevis und L. fermentum 72 Stunden lang bei 30 °C fermentiert wurden (Kaur et al. 2011 ).

Keimung

Dieses Verfahren reduziert den Phytinsäuregehalt um bis zu 40 % (Masud et al. 2007 ). In ungekeimten Getreide- und Hülsenfruchtkörnern findet sich nur eine geringe endogene Aktivität, während der Keimung wurde jedoch ein deutlicher Anstieg der Phytat-abbauenden Aktivität beobachtet (Greiner und Konietzny 2006 ). Berichten zufolge reduziert das Mälzen von Hirse den Phytinsäuregehalt nach 72 Stunden um 23,9 % und nach 96 Stunden um 45,3 % (Makokha et al. 2002 ; Coulibaly et al. 2011 ). 

Mehrere Screening-Programme wurden durchgeführt, um verschiedene Gruppen von Bakterien, Hefen und Pilzen mit extrazellulärer Phytaseaktivität zu isolieren. Singh et al. ( 2013 ) isolierten phytaseproduzierende Bakterien aus verschiedenen Bodenproben und untersuchten diese mittels Phytase-Screening-Medium (PSM). Ein aus dem Boden einer Geflügelfarm isoliertes Bakterium ( Bacillus sp .) zeigt auf PSM eine 39 mm helle Zone und weist eine bessere Phytaseaktivität auf.

phytat reichert sich während der Reifungsphase rasch in Samen an. In Hülsenfrucht- und Ölsaaten wird es in globulären Kristallen innerhalb der Proteinkörper gespeichert (Erdman 1979 ). In Getreidekörnern wie Reis und Weizen findet es sich in der Kleiefraktion, beispielsweise in der Aleuronschicht und im Perikarp, in Mais im Endosperm (O'Dell et al. 1972 ). Monogastrische Tiere, einschliesslich Geflügel und Menschen, können Phytinsäure aufgrund unzureichender Aktivität phytatabbauender Enzyme in ihrem Verdauungstrakt nicht verstoffwechseln

Narratives Review

DOI: 10.1007/s13197-013-0978-y

Study: weak evidence

Gupta RK, Gangoliya SS, Singh NK. Reduction of phytic acid and enhancement of bioavailable micronutrients in food grains. Journal of Food Science and Technology. 24. April 2013;52(2):676.

31.*

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen keinen Effekt der Intervention auf die Biomarker des Eisenstatus (Serumferritin, Serumtransferrinrezeptor und Körpereisen), da sich keiner dieser Werte nach der achtwöchigen Ernährungsumstellung signifikant veränderte. 

Diese Ergebnisse ähneln den Beobachtungen von Hunt und Roughead (15), die feststellten, dass eine zehnwöchige Ernährungsumstellung mit einer Diät mit hoher oder niedriger Bioverfügbarkeit keinen Einfluss auf die Blutwerte des Eisenstatus hatte. Basierend auf unseren früheren Studien fanden wir heraus, dass der langfristige Konsum von phytatreichem Sojaprotein die Ferritinkonzentration bei postmenopausalen Frauen mit hohem Eisenstatus senkte (28), während der Konsum von Sojaprodukten bei prämenopausalen Frauen mit niedrigem Eisenstatus keine signifikante Wirkung zeigte (13). Diese Studien legen nahe, dass die Wirkung von Phytat vom Ausgangs-Eisenstatus der Probanden abhängt. Daher gelten unsere Ergebnisse möglicherweise nur für Populationen mit suboptimalen Eisenspeichern und sind nicht auf alle Bevölkerungsgruppen übertragbar.

Randomisierte kontrollierte klinische Studie (Einzelstudie, nicht verblindet, kleine Stichprobengrösse)

DOI: 10.3945/jn.114.209957

Study: strong evidence

Armah SM, Boy E, Chen D, Candal P, Reddy MB. Regular Consumption of a High-Phytate Diet Reduces the Inhibitory Effect of Phytate on Nonheme-Iron Absorption in Women with Suboptimal Iron Stores. The Journal of Nutrition. 2015;145(8):1735–1739.

32.*

Vitamine
Die Keimung erhöht den Gehalt verschiedener Vitamine in Getreide und Hülsenfrüchten, wie beispielsweise Tocopherole (α-, β- und γ-Tocopherol), Riboflavin (Vitamin B₂ ) und Niacin (Vitamin B₃ ) (Kim et al., 2012 ), da die neuen Keimlinge diese Vitamine selbst synthetisieren (Zilic et al., 2015 ). Allerdings kommt es während der Keimung häufig zu Verlusten wasserlöslicher Vitamine. So wurde beispielsweise bei gekeimtem braunem Reis ein Verlust von Thiamin (Vitamin B₁ ) durch Auswaschung beobachtet (Moongngarm & Saetung, 2010 ). Auch der Gehalt an Pyridoxin (Vitamin B₆) und Niacin in gekeimtem braunem Reis war nur geringfügig erhöht . In einer weiteren Studie, in der Linsen und Ackerbohnen sechs Tage lang bei 20 °C keimten, zeigte sich eine Reduktion des Thiamingehalts (Prodanov, Sierra & Vidal-Valverde, 1997 ) sowie ein Anstieg des Riboflavin- und Gesamtniacingehalts. Bei verlängerter Keimungsdauer war jedoch ein Trend zu einem Anstieg des Thiamingehalts zu beobachten.

Der Vitamin-C-Gehalt (Ascorbinsäure) in gemälztem Hirse, Weizen, Mungbohnen, Kichererbsen und Weizen stieg signifikant an (Desai et al., 2010 ; Guo, Li, Tang & Liu, 2012 ; Laxmi et al., 2015 ). Vitamin C kann von Pflanzen und Tieren aus Glucose, Mannose und Galactose synthetisiert werden (Banhegyi & Mandl, 2001 ; Wheeler, Jones & Smirnoff, 1998 ). Der Anstieg des Vitamin-C-Gehalts während des Mälzens/Keimens wird daher durch die enzymatische Hydrolyse von Stärke durch Amylasen und Diastasen verursacht, wodurch mehr Glucose für die Vitamin-C-Biosynthese zur Verfügung steht.

Fermentierte Lebensmittel wie „Ogi“, hergestellt durch Säuregärung von Sorghum, Hirse oder Mais, sind in Westafrika weit verbreitet (Omemu, 2011 ), während „Chicha“ und „Masa“ gängige fermentierte Lebensmittel aus fermentiertem Mais sind, die in südamerikanischen Ländern häufig konsumiert werden (Chaves-Lopez et al., 2014 ). In Zentral- und Südafrika wird „Nshima“ aus fermentiertem Maismehl hergestellt. Obwohl diese Verfahren die Haltbarkeit, den Geschmack und die Transportfähigkeit verbessern, können sie auch negative Auswirkungen auf das Nährstoffprofil dieser Lebensmittel haben. Insgesamt scheint es, dass einige Verfahren wie Fermentation und Mälzen gleichzeitig antinutritive Faktoren reduzieren und die Nährstoffverfügbarkeit erhöhen können (Hotz & Gibson, 2007 ). Da Fermentation und Keimung häufig zur Verarbeitung von Getreide und Hülsenfrüchten eingesetzt werden, die einen grossen Teil der Ernährung von Haushalten in Entwicklungsländern ausmachen, geben wir hier einen Überblick darüber, wie diese Verfahren den Nährstoffgehalt und die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen.

Beispielsweise konnte durch Fermentation mit anschliessendem Kochen die Verdaulichkeit von Getreideproteinen erhöht und nahezu auf das Niveau von Fleisch gebracht werden. Dies ist wahrscheinlich nicht nur auf die Zerstörung von Protease-(Trypsin-)Inhibitoren, sondern auch auf die teilweise Vorverdauung von Getreideproteinen durch Bakterien während der Fermentation zurückzuführen. Es gibt auch eine Reduzierung von Tanninen, Oxalat, Phytinsäure und Kohlenhydraten, die mit Proteinen Komplexe bilden können und somit die Zugänglichkeit für Verdauungsenzyme einschränken.

Eine verbesserte Proteinverdaulichkeit durch Fermentation beruht auf dem teilweisen Abbau komplexer Speicherproteine ​​in besser lösliche Formen. Da die Effektivität der Fermentation von der Aktivierung der Phytase abhängt, ist es nicht verwunderlich, dass die Fermentation gerösteter oder gekochter Getreide den Phytinsäuregehalt nicht signifikant reduziert, da Rösten oder Kochen die Phytase zerstören. Darüber hinaus hängt der Grad des Phytinsäureabbaus von der Ausgangsmenge an Phytase im Getreide ab. Getreide mit geringem Phytasegehalt wie Mais, Reis, Hafer und Hirse benötigen entweder eine längere Fermentationszeit oder die Zugabe von phytasereichem Getreide, um den Phytatgehalt signifikant zu senken.

Narratives Review

DOI: 10.1002/fsn3.846

Study: weak evidence

Nkhata SG, Ayua E, Kamau EH, Shingiro J. Fermentation and germination improve nutritional value of cereals and legumes through activation of endogenous enzymes. Food Science & Nutrition. November 2018;6(8):2446–2458.

33.*

Zitronensäure gehört zu den am besten untersuchten Substanzen bei Broilern. Den Daten in Tabelle 2 zufolge weist Zitronensäure einen der niedrigsten pKa-Werte auf
unter den in der Tierernährung häufig verwendeten Säuren und besitzt mehr Carboxylgruppen
(COOH) als die anderen. Diese erste Eigenschaft bedingt ein höheres Dissoziationspotenzial
der Zitronensäure, was zu einer stärkeren pH-Wert-Senkung unter
gastrointestinalen Bedingungen führt. Die zweite Eigenschaft verleiht ihr eine überlegene Fähigkeit zur
Chelatisierung von Mineralien und anderen Komponenten, da Carboxylgruppen die Hauptbindungsstellen
für Kationen in organischen Säuren darstellen. Tatsächlich kann Zitronensäure Kationen in der Hydroxylgruppe
(OH) binden, nachdem ihr Wasserstoffatom abgespalten wurde (Milewska, 1988).Da der pKa-Wert dieser Hydroxylgruppe jedoch 11 beträgt, ein Wert, der weit über dem üblichen pH-Bereich
im Darm liegt (Huta et al., 2012), wird die Bindungseigenschaft dieser Hydroxylgruppe in der Tierernährung im Allgemeinen vernachlässigt. Zusammengenommen tragen diese Eigenschaften dazu bei, die für Zitronensäure beschriebenen überlegenen Ergebnisse beim Vergleich verschiedener organischer Säuren als Verstärker der Phytaseaktivität und der Mineralstoffverfügbarkeit in vitro zu erklären.
Eine grosse Anzahl von In-vivo-Experimenten konnte jedoch keine positiven Effekte der Kombination von Phytase und organischen Säuren bei Broilern nachweisen (Tabelle 4). Mit Ausnahme der Studie von Emami et al. (2013), in der die Phosphorverdaulichkeit ausschliesslich bei Broilern, die mit der Kombination der Zusatzstoffe gefüttert wurden, um 18,2 % anstieg, zeigten Einzelstudien keine signifikanten Wechselwirkungen oder Synergien zwischen Phytasen und organischen Säuren. Es ist anzunehmen, dass ein positiver Effekt organischer Säuren auf die Effizienz der Phytase bei der Hydrolyse von Phytinsäure in Futtermitteln mit höherem Phytatgehalt, niedrigerer Phytasekonzentration und relativ hohem Mineralstoffgehalt stärker ausgeprägt wäre.

Narratives Review

DOI: 10.1017/S0043933918000697

Study: weak evidence

Vieira BS, Caramori Junior JG, Oliveira CFS, Correa GSS. Combination of phytase and organic acid for broilers: role in mineral digestibility and phytic acid degradation. World’s Poultry Science Journal. 2018;74(4):711–726.

Wir haben Studien und Bücher zu Ernährung und Gesundheit nach folgenden 3 Evidenz-Kategorien markiert: grün=starke Beweiskraft, gelb=mittlere, violett=schwache. Die restlichen Quellen sind grau markiert. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Beitrag: Wissenschaft oder Glaube? So prüfen Sie Publikationen.

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