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Vollkornreis, Naturreis (roh, bio?)

Vollkornreis (bio) schmeckt leicht nussig, sättigt lange und enthält wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Naturreis ist keimfähig und als Rohkost (roh) essbar.
  Wasser 12,0%  88/08/03  LA : ALA
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Ist Naturreis Vollkornreis? Vollkornreis bzw. Naturreis (Oryza sativa) ist ungeschälter Reis (roh, bio), bei dem man nach der Ernte nur die Spelzen der Reiskörner entfernt hat. In den Randschichten vom Vollreis bleiben Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe erhalten. Daher ist brauner Reis gehaltvoller als weisser Reis.1

Verwendung von Vollkornreis in der Küche:

Was ist Vollkornreis? Klassischer Vollkornreis bzw. Naturreis ist entspelzter Reis, der noch Silberhäutchen und Keimling enthält. Die Farbe der Reiskörner ist anders als bei weissem Reis: Sie sind etwas getrübt, fast bräunlich; gelegentlich sind auch grünlich erscheinende Körner enthalten. Gekocht ist Vollreis bissfester, schmeckt leicht nussig, intensiver und kräftiger als weisser Reis. Allerdings unterscheidet sich die Konsistenz je nach Sorte: Rundkörniger oder mittelkörniger Vollkornreis sind klebriger oder matschiger als z.B. langkörniger Vollkornreis. So ist auch die Weiterverwendung dementsprechend anzupassen.

Gekocht ist Naturreis ideal als Beilage zu Eintöpfen, Currys, Gemüseaufläufen, gedünstetem Gemüse (Wok) oder zu Suppen (Einlage). Rezeptvorschläge wie: Vollreis in der Gemüsepfanne, gebratener Vollkornreis oder Vollkorn-Risotto eignen sich auch als Hauptgericht. Mit gekochtem Vollkornreis kann man auch Gemüsepuffer, einen Reissalat oder ausgefallene Desserts kreieren. Um den intensiven Geschmack von Naturreis etwas zu reduzieren, kann man ihn auch gemeinsam mit weissem Reis zubereiten.

Gekeimter Vollkornreis eignet sich ideal als Rohkost in Salat, im Müesli, auf Brot, für (rohe) Suppen oder Eintöpfe. Über das Keimen schreiben wir weiter unten.

Arrak (Arrack) ist ein Branntwein aus vergorener Reismaische. Aus Reis stellt man auch Reisessig, Reismilch, Reisbier und Sake (Reiswein) her.24

Rezept für veganes Vollkornreis-Risotto mit Pilzen und Grünkohl:

Zutaten (für 4 Personen): 250 g Vollkornreis (roh, bio), 300 g Grünkohl, 250 g Pilze nach Wahl (z.B. Champignons, Austernpilze), 1 Zwiebel, 4 Knoblauchzehen, 1 EL Rapsöl, 750 ml Gemüsebrühe, 100 ml Hafersahne, 50 g Mandelsplitter, 2 EL Hefeflocken, Salz und Pfeffer.

Zubereitung: Über Nacht oder ein paar Stunden lang den Vollkornreis einweichen, danach nochmals mit frischem Wasser spülen und abtropfen lassen. Pilze putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. Grünkohl waschen und kleinschneiden. Zwiebeln und Knoblauchzehen schälen, fein hacken und mit etwas Rapsöl glasig andünsten. Pilze hinzugeben und 5-10 Min. anbraten. Nun den Vollkornreis hinzugeben, mit der Gemüsebrühe aufkochen und ca. 30 Min. lang bei mittlerer Hitze und halb geschlossenem Deckel köcheln lassen. Gelegentlich umrühren, damit der Reis nicht anbrennt. Hafersahne und Grünkohl hinzugeben, sobald der Reis ca. ¾ der Gemüsebrühe aufgesogen hat. Einen Grossteil der Mandelsplitter hinzufügen, salzen und pfeffern und bei Bedarf noch mehr Gemüsebrühe hinzugiessen. Das Risotto nochmals mind. 15 Min. köcheln lassen (bis der Vollkornreis weich ist). Zum Schluss Hefeflocken unterrühren, das vegane Risotto auf Tellern anrichten und mit Mandelsplittern dekorieren. Als gesünderes Topping bieten sich Hanfsamen an.

Vegane Rezepte mit Vollkornreis (roh) finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben" (ganz unten oder nebenan).

Einkauf - wo Vollkornreis (Naturreis) kaufen?

Supermärkte wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Hofer etc. bieten mindestens eine Sorte Vollkornreis (roh) an, gut sortierte Supermärkte führen häufig verschiedene Naturreis-Sorten und diese auch in Bio-Qualität. In Bio-Supermärkten (z.B. Alnatura und Denn's Biomarkt), Bio-Läden, Reformhäusern, im Feinkosthandel oder in Delikatessenläden sowie in Online-Shops findet man eine grössere Auswahl an Vollkornreis (bio). Unbehandelter Reis ist konventionellem Reis vorzuziehen.

Auch Duftreis (wie Basmatireis und Jasminreis) ist als ungeschälter Reis erhältlich und spezielle Reisarten wie z.B. Mochi-Reis oder Schwarzer Reis zählen sowieso zum Vollkornreis.

Eigene Zubereitung von Vollkornreis:

Naturreis kochen / Vollreis kochen: Zuerst muss man den Reis über Nacht einweichen (ca. 12 h). Der Reis sollte mit mind. 2 cm Wasser bedeckt sein. Nach dem Naturreis-Einweichen giesst man das Wasser ab und wäscht den Vollreis so lange mit frischem Wasser, bis das Wasser klar bleibt. Durch das Einweichen baut sich ein Teil der im Vollkornreis enthaltenen Phytinsäure ab und man reduziert auch vorhandene Verunreinigungen, Schadstoffe oder schwerverdaubare Mehrfachzucker.

Für Cargoreis eignet sich am besten die Wassermethode. Das bedeutet, man kocht den Reis mit einem höheren Wasser-Reis-Verhältnis als bei der Quellmethode. Eventuell enthaltene Schadstoffe (z.B. Arsen) kann man damit nochmals reduzieren.12 Nach dem Einweichen kocht man den Naturreis in fünffacher Menge Wasser. Wie lange Vollkornreis kochen? Die Naturreis-Kochzeit beträgt ca. 45-60 Min., nach 30 Min. reduziert man die Hitze und lässt den Reis mind. 15 Min. ziehen. Überschüssiges Wasser giesst man ab. Vollkornreis bleibt in seiner Konsistenz immer etwas fester und körniger als weisser Reis.

Vollkornreis keimen lassen: Kann man Reis keimen lassen? Vollkornreis ist ungeschälter Reis und daher roh noch keimfähig und als Rohkost essbar - vorausgesetzt, die Körner sind ganz und unbeschädigt. Gekeimten Naturreis kennt man auch als GABA-Reis. GABA steht für 'gamma-Aminobutyric acid' (γ-Aminobuttersäure), ein Botenstoff des Nervensystems, ein Neurotransmitter, den auch der Körper selbst herstellt. Gekeimter Vollkornreis soll besonders viel davon enthalten. Halbrohreis kann man auf zwei verschiedene Methoden keimen lassen:5

  • Warmwasser-Methode: Naturreis weicht man 4-20 h in warmem Wasser ein. Es ist wichtig, dass die Temperatur konstant zwischen 30 und 40 °C beträgt und dass man das Wasser alle 3-4 h wechselt. So kann man eine Fermentation verhindern und unangenehmen Geruch vermeiden. Danach giesst man das Einweichwasser ab und hält den Reis während 20-24 h feucht, indem man den Vollreis alle paar Stunden gut spült. Das Warmhalten funktioniert mit etwas Übung auch auf der Herdplatte, im Backofen, im Joghurtbereiter, im Reiskocher (hängt vom Modell ab) oder in speziellen Keimgeräten. Der GABA-Anteil soll bei der Warmwassermethode nach 21 h Keimzeit am höchsten sein.
  • Kaltwasser-Methode: Hier ist kein Strom notwendig, aber man benötigt dafür mehr Zeit. Den gewaschenen Vollkornreis weicht man in der dreifachen Menge Wasser ein und lässt ihn, mit einem Tuch bedeckt, bei Zimmertemperatur während ca. 12 h quellen. Danach giesst man das Wasser ab, spült den Reis gut durch und gibt den eingeweichten Reis in ein Keimglas (Sprossenglas). Gekippt stellt man das Glas an einen hellen Ort und spült die Reiskörner mind. zwei Mal täglich gut durch. Die Körner beginnen nach zwei bis drei Tagen zu keimen. In dieser Form sind sie weich genug und daher roh geniessbar. Reis nie länger als drei bis vier Tage keimen lassen, denn danach gehen wertvolle Nährstoffe verloren und Bakterien sowie Pilze breiten sich aus.

Das Keimen funktioniert auch in einer Keimschale, im Sprossenturm (Sprossengarten) oder mit einem einfachen Sieb.

Lagerung (ungeschälter Reis):

Roher Vollkornreis bzw. Naturreis hält dunkel, kühl und vor allem trocken gelagert ca. ein Jahr. Geschälter, weisser Reis hält aufgrund der fehlenden Schale (sowie Aleuronschicht und Keimling), die das Ranzigwerden begünstigen, etwas länger. Lagern Sie Vollkornreis nicht neben geruchsintensiven Speisen wie Gewürzen, Kaffee, Tee oder Schokolade, weil der Reis sonst deren Geruch annimmt.

Gekochten Cargoreis kann man bis zu zwei Tage im Kühlschrank lagern oder ihn portionsweise einfrieren. Beim Aufwärmen ist auf richtiges Erhitzen (> 70°C) zu achten, damit man auftretende Bakterien (z.B. Bacillus cereus) weitgehend abtötet.26

Inhaltsstoffe - Vollkornreis-Nährwerte - Kalorien:

Der Energiegehalt von Vollkornreis beträgt 363 kcal pro 100 g, dieser stammt vorwiegend aus Kohlenhydraten (76 %). Die enthaltenen 4,6 % Ballaststoffe sind höher als bei weissem Langkornreis (1,3 %). Vollkornreis ist mit 7,2 % Eiweiss im Vergleich zu anderen Getreidearten wie Hafer (17 %) eher eiweissarm. An Fett ist mit 2,8 % etwas mehr als im weissen Langkornreis (0,66 %) vorhanden.2

50 g Vollkornreis deckt den Tagesbedarf an Mangan zu 100 %. Der Mangan-Anteil von Vollkornreis beträgt 4 mg/100g, welchen man mit denjenigen von Vollkorn-Weizenmehl und Macadamianüssen vergleichen kann. Das Spurenelement Mangan reduziert sich sehr stark durch das Schälen (weisser Langkornreis: 1,1 mg/100g) und Kochen (Vollkornreis, langkörnig, gekocht: 0,97 mg/100g). Hohe Werte haben Kichererbsen (roh) mit 21 mg/100g, gekocht enthalten diese nur noch ca. 1 mg/100g.2 Mangan ist unter anderem wichtig für den Aufbau von Knorpelgewebe.3

Vollkornreis enthält 0,74 mg Vitamin B6 (Pyridoxin) pro 100 g, was 53 % des Tagesbedarfs ausmacht, ähnlich wie Sesamkörner. Weisser Langkornreis hat lediglich 0,16 mg/100g von diesem B-Vitamin. Mit 1,7 mg/100g Pyridoxin decken rohe Pistazien den Tagesbedarf zu über 100 %.2 Pyridoxin ist wesentlich für ein funktionierendes Nerven-, Immun- und Hormonsystem und spielt eine wichtige Rolle für die Stoffwechselprozesse von Proteinen, Lipiden und Kohlenhydraten.4

In 100 g Naturreis stecken 337 mg Phosphor (48 % des Tagesbedarfs). Ähnlich viel Phosphor weisen Roggenkörner und roher Buchweizen auf. Besonders viel von diesem Mengenelement enthält Weizenkleie mit 1'013 mg/100g.2 Phosphor ist wichtig für die Energieproduktion. Allerdings nehmen viele Menschen - aufgrund der hohen Gehalte an Phosphorsäure in Fertigprodukten und Süssgetränken - zu viel Phosphor ein.6

Anmerkung: Die genauen Nährwerte von Vollkornreis sind abhängig von der jeweiligen Vollkornreis-Sorte und den Anbaubedingungen (auch der Gehalt an Eisen). Jedoch enthält Vollkornreis generell mehr Vitamine und Nährstoffe als geschälter, weisser Reis. Denn in Keimling und Silberhäutchen, die beim Vollkornreis noch vorhanden sind, stecken die meisten Nährstoffe.

Die gesamten Inhaltsstoffe von rohem Vollkornreis, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen im CLICK FOR unter dem Zutatenbild.

Gesundheitliche Aspekte - Wirkungen:

Ist Vollreis gesund? Brauner Reis gilt aufgrund des geringeren Verarbeitungsgrades als gesünder als weisser Reis. Naturreis sättigt länger, da der menschliche Körper den hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten langsamer verdaut. Die leicht zusammenziehende Wirkung von Reis kann nach einer Magen-Darm- oder Dickdarm-Entzündung helfen, die Darmschleimhäute wieder aufzubauen.7

In den äusseren Randschichten der Reiskörner stecken neben Ballaststoffen auch wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie z.B. die Phytinsäure. Zwar bindet Phytinsäure einerseits Mineralstoffe aus der Nahrung, andererseits besitzt sie eine antioxidative Wirkung und wirkt präventiv gegen Darmkrebs.8 Lesen Sie mehr dazu im Artikel Phytinsäure bzw. Phytat und das Einweichen oder Keimen.

Die bioaktiven Komponenten von gekeimtem Naturreis, wie z.B. Ferulasäure, γ-Oryzanol und γ-Aminobuttersäure, tragen zur Vorbeugung vor chronischen Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer bei.9 Dieser GABA-Reis gilt vor allem in Japan als 'Superfood' (dort bekannt als 'Hatsuga Genmai', was gekeimter brauner Reis bedeutet).

Naturreis ist glutenfrei und deshalb für Personen, die an Glutensensitivität, Glutenintoleranz oder Zöliakie leiden, gut geeignet.7 Achten Sie auf der Verpackung auf Warnungen vor Fremdspuren oder auf ein Symbol für 'glutenfrei', wie z.B. die durchgestrichene Ähre.

Vollkornreis hat einen tieferen Glykämischen Index (GI) als weisser Reis, was den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen lässt. Bei häufigem Konsum von weissem Reis steigt das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, was eine Studie speziell bei der asiatischen Bevölkerung bestätigt.10 Hingegen soll der Ersatz von weissem Reis durch Vollkornprodukte, wie z.B. braunen Reis, das Risiko für eine Diabetes-Erkrankung senken.27 Im Artikel Pflanzliche Ernährung kann Diabetes 2 verhindern oder heilen erfahren Sie mehr zum Thema.

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen:

Das für den Reisanbau verwendete Grundwasser ist in einigen Anbau-Regionen aufgrund eingesetzter Düngemittel und Pestizide stark mit Schwermetallen wie Arsen und Cadmium belastet. Die regelmässige Aufnahme von kleinen Mengen an anorganischem Arsen kann zu Hautveränderungen, Gefäss- und Nierenschädigungen und Herzkreislauferkrankungen führen. Zudem wirkt anorganisches Arsen fruchtschädigend und gilt als krebserzeugend.11,12

Der Anteil an Arsenverbindungen schwankt je nach Region, Anbaumethode und Reissorte. Derartige Verbindungen reichern sich vorwiegend in den Randschichten des Reiskorns an, weshalb Vollkornreis schwerer belastet ist als weisser Reis. Durch das Einweichen, Waschen und Kochen von Vollkornreis in reichlich Wasser kann man vorhandene Schadstoffe reduzieren (= Arsen im Reis entfernen).12 Auch Reisprodukte wie Reiswaffeln, Reisflocken oder Reisgetränke können mit anorganischem Arsen belastet sein. Kleinkinder nehmen Arsen leichter auf als Erwachsene, weshalb man Kleinkinder (0-3 Jahre) nicht vorwiegend mit Reis und Reisprodukten ernähren sollte.13 Eine Verordnung der EU regelt nun die Höchstgehalte an Arsen in Reis und Reisprodukten.16

Volksmedizin - Naturheilkunde:

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) soll eine bewährte Reissuppe (Congee) bei Magen-Darm-Beschwerden, Nierenschwäche und Allergien Abhilfe verschaffen. Die Kraftsuppe isst man in China vorbeugend und hauptsächlich zum Frühstück. Sie dient in einer Fastenkur (ungesalzen) zur Entgiftung und Entwässerung.14

Vorkommen - Herkunft - Ökologie:

Den Ursprung der Reispflanze vermutet man in Südostasien, wo man Rückstände von wildem Reis (Oryza rufipogon), dem Vorfahren des Kulturreises (Oryza sativa), fand. Es sind drei unterschiedliche Domestikationszentren bekannt: Asien, Südamerika und Afrika. Der Mensch betreibt seit vermutlich 6'000 bis 7'000 Jahren Reisanbau.15 Zudem kann man davon ausgehen, dass die Menschen damals vorwiegend Vollkornreis assen. Die Prozesse des Schälens und Polierens der Reiskörner, sodass weisser Reis entsteht, erfand man viel später.

Das Hauptanbaugebiet für Reis ist Asien (insbesondere China, Indien und Südostasien17), dort erbringt man ca. 90 % der weltweiten Ernte.15 Aufgrund des warmen, feuchten Klimas eignen sich auch Lateinamerika, einige Südstaaten der USA, Gebiete in Afrika und Australien gut für den Reisanbau. Zudem gibt es auch europäischen Reis aus Italien, Frankreich, Portugal und Spanien.18

Anbau - Ernte:

Reis ist eigentlich keine Wasserpflanze. Durch Zucht und natürliche Selektion hat Reis ein Belüftungssystem (Aerenchym) für die Wurzeln entwickelt, um sich an die feuchten Anbauumstände anzupassen. Reis baut man abhängig vom vorherrschenden Ökosystem auf verschiedene Arten an:18,29

Der Wasserreisanbau, auch bekannt als Nassreisanbau oder Tiefwasseranbau, macht ca. 75-80 % der weltweiten Reisernte aus. Die dabei verbrauchte Wassermenge ist sehr hoch.29 Vor dem Anbau verfestigen die Bauern den Boden, um das Ausschwemmen von Nährstoffen zu minimieren. Im Anschluss säen sie direkt - oder, was häufiger ist - sie pflanzen vorgezogene Setzlinge (meist noch per Hand) auf sehr nassem Boden und fluten danach die Felder. So reduziert man Schädlingsbefall und Unkraut. Kurz vor der Ernte lassen die Reisbauern das Wasser ab und ernten per Hand oder mit Mähdreschern den reifen Reis.31 Eine Form des Nassreisanbaus ist der Terrassenfeldbau. Hier verteilt ein ausgeklügeltes System aus Bambusrohren, Kanälen und kleinen Gräben das Wasser gleichmässig von der obersten zur untersten Terrasse. Nassreis kann man je nach Sorte, Anbauart und Anbaugebiet ein- bis dreimal Mal pro Jahr ernten.18,19

Den Trockenreisbau unterteilt man in regenabhängigen Bergreisanbau und Niederungsreisanbau. Diese Methoden findet man in Regionen mit wenig Niederschlag oder in Gebirgen mit hoher Luftfeuchtigkeit (bis zu 2'000 m ü.M.). Für den Anbau nutzt man eine Reis-Unterart, die nicht an die Überflutung angepasst ist. Die aufwändige und arbeitsintensive Unkraut- und Schädlingsbekämpfung sorgt für deutlich geringere Erträge als beim Nassreisanbau. Aufgrund seines intensiveren Aromas und des hohen Aufwands ist dieser Reis zu höheren Preisen erhältlich.18,19

Die Reisernte erfolgt, nachdem die Rispen vergilbt bzw. braun verfärbt sind. Am verbreitetsten ist die manuelle Ernte. Mithilfe von Sicheln ernten die Bauern den reifen Reis und binden die Rispen zu Garben zusammen. Zwischen der Ernte und dem Drusch liegen bei der manuellen Ernte einige Tage, damit der Reis trocknen kann. Bei der mechanischen Ernte schneiden meist Mähdrescher die reifen Rispen ab und dreschen sie automatisch. Das Reinigen und Nachtrocknen ist bei beiden Ernteverfahren nötig,28 da die Feuchtigkeit für lagerfähigen Natur-Reis max. 15-16 % (3-6 Monate) bzw. 12 % (längere Lagerung) beträgt.31

Dieser nahezu unverarbeitete Reis nennt sich Rohreis oder Paddyreis. Das keimfähige Reiskorn ist noch nicht für den Verzehr, jedoch für die Aussaat oder als Vogelfutter geeignet. Durch das Entfernen der harten, hölzernen, kieselsäurehaltigen Spelzen erhält man Halbrohreis (Vollkornreis, Naturreis). Er enthält weiterhin den vitalstoffreichen Keimling sowie das Silberhäutchen und ist aufgrund der vielen Ballaststoffe sehr sättigend. Bei der Weiterverarbeitung von Naturreis entsteht weisser, polierter Reis. Man entfernt den Keimling und das Silberhäutchen durch Schleifvorgänge und glättet und poliert im Anschluss die raue Reisoberfläche, damit der Reis beim Kochen nicht zu stark zusammenklebt.20

Eine andere Verarbeitungsweise ist die Herstellung von Parboiled-Reis ('partially boiled', also teilweise gegarter Reis). Durch das Einlegen in warmem Wasser und der anschliessenden Behandlung mit Hochdruck lösen sich die wasserlöslichen Inhaltstoffe (Vitamine und Mineralstoffe) aus den Randschichten der Paddy-Reiskörner und lagern sich zum Teil im Inneren ein. Eine Behandlung mit heissem Dampf härtet die Reisstärke an der Oberfläche, um die Nährstoffe im Reiskorn zu halten. Daher bezeichnet man Parboiled-Reis, den man nach der Trocknung noch schält und poliert, als eine gesündere Alternative zu weissem Reis.31 Parboiled Reis enthält jedoch deutlich weniger Ballaststoffe als Naturreis.21

Ökologische Aspekte:

Beim Nassreisanbau benötigt man gemäss der IRRI Rice Knowledge Bank für 1 kg Reis ca. 1'432 Liter fliessendes Regen- oder Flusswasser29 (es sind auch höhere Zahlen im Umlauf, abhängig von der Anbauregion und den gesamthaft berücksichtigten Faktoren: 2'50030 bzw. 3'000-5'000 Liter18). Verwendet man Brunnenwasser, senkt sich dadurch auch der Grundwasserspiegel, was für die Bevölkerung problematisch ist. Die Fliessgeschwindigkeit des Wassers muss genau richtig sein. Stagnierendes Wasser führt zu starker Algenbildung, zu schnell fliessendes Wasser trägt den Boden ab und führt zu unerwünschter Bodenerosion. Beim Nassanbau erzeugt man im Boden ein anaerobes (sauerstoff-freies) Milieu, was die Ansiedlung von methanproduzierenden Bakterien (Archaebakterien) begünstigt. Nassreisanbau produziert bis zu 25 % des weltweit klimaschädlichen Methans, also ca. 100 Millionen Tonnen jährlich. Legt man die Felder zwischendurch trocken, kann man den Methanausstoss etwas verringern. Forschungen dazu und zu anderen Düngesystemen sind in der Entwicklung.18,29 Daher ist der Trockenreisanbau deutlich schonender für Klima und Umwelt.22

Vollkornreis baut man konventionell und biologisch (bio) an. Im biologischen Anbau sind chemisch-synthetische Pestizide und künstliche, mineralische, leicht lösliche Dünger verboten. Dadurch schützt man den Boden vor Stickstoffüberdüngung und dem damit einhergehenden Qualitätsverlust. Ökologischer Anbau reduziert Ausschwemmungen dieser Pestizide aus dem Boden in nahegelegene Biotope und Gewässer, wo sie sich negativ auf das Ökosystem und dessen Bewohner auswirken.23

Verwechslungsmöglichkeit:

Vollkornreis kann man aufgrund der bräunlichen Farbe mit Wildreis bzw. Wasserreis (Gattung Zizania) verwechseln. Allerdings sind die Körner beim Wildreis noch deutlich dunkler, länger und schmäler als die Naturreis-Körner.

Allgemeine Informationen:

Reis zählt zur Familie der Süssgräser (Poaceae) und gehört der Gattung Oryza an. Man unterteilt Reis in die Untergruppen Langkornreis (Oryza sativa ssp. indica) und Rundkornreis (Oryza sativa ssp. japonica), sie unterscheiden sich vorwiegend durch den Gehalt an löslicher Stärke (Amylose) und unlöslicher Stärke (Amylopektin). Obwohl Mittelkornreis prinzipiell zum Rundkornreis zählt, gibt es die zusätzliche Kategorie Oryza sativa ssp. javanica.18 Auch Klebreis findet man aufgrund seiner besonderen, klebrigen Eigenschaft bisweilen als eigene Varietät klassifiziert: Oryza sativa var. glutinosa.

Reis gehört zu den weltweit wichtigsten Kulturpflanzen und stellt für knapp die Hälfte der Weltbevölkerung das Grundnahrungsmittel dar.15 Es sind mittlerweile über 120'000 Reissorten bekannt.18

Alternative Namen von Vollkornreis:

Vollkornreis (Vollkorn-Reis, Vollkorn Reis) ist auch bekannt als Naturreis (Natur Reis), Naturkornreis, Cargoreis (Cargo Reis), Vollreis, Vollwertreis, Brauner Reis, Halbrohreis, ungeschälter Reis (ungeschaelter Reis) und Integralreis (integral Reis).

Im Englischen bezeichnet man Vollkornreis als brown rice, unpolished rice und whole grain rice (whole-grain rice). Rohreis bezeichnet man als paddy oder als rough rice.

Stichworte zur Verwendung:

Aus der Reisverarbeitung ergeben sich Abfallprodukte und Nebenprodukte, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Diese kann man jedoch für die Gewinnung von Reisöl, Wachs und eiweisshaltigem Futtermehl verwenden. Auch die Schalen der Reiskörner kann man benutzen, und zwar für Bauplatten und als Polier- und Brennmaterial. Reisstroh findet in der Viehhaltung sowie als Flechtmaterial für Matten, Säcke und Hüte Verwendung.25

Reisprodukte verwendet man auch in der Medizin und in der Kosmetikbranche. Reis steht in vielen Kulturen für Glück, Fruchtbarkeit und das Leben. So integriert man ihn in religiöse Zeremonien, z.B., indem man den Reis roh bei Hochzeiten über das Brautpaar wirft.

Literatur - Quellen:

CLICK FOR: 31 Quellenangaben

In der Wissenschaft ist Wikipedia (wiki) als Quelle umstritten, auch weil bei Wikipedia Angaben zur zitierten Literatur bzw. zu Autoren häufig fehlen oder nicht verlässlich sind. Unsere Piktogramme für Nährwerte enthalten kcal.

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  2. USDA United States Department of Agriculture.
  3. Brodziak-Dopierała B, Kwapuliński J, Sobczyk K, Wiechuła D. The content of manganese and iron in hip joint tissue. J Trace Elem Med Biol. 2013; 27(3): 208-212.
  4. Ahmad I, Mirza T, Qadeer K, Nazim U, Vaid FH. Vitamin B6: deficiency diseases and methods of analysis. Pak J Pharm Sci. 2013; 26(5): 1057-1069.
  5. Sprossen-keimlinge.de Reissprossen - Hatsuga Genmai.
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