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Erdnüsse (roh?, bio?)

Die ursprünglich in den Anden beheimateten Erdnüsse sind botanisch gesehen keine Nuss. Nur mässiger Genuss ist angesagt! (roh?, bio?)
Die aus der USDA Datenbank stammenden Nährstoffe der Zutat haben wir komplettiert.
6%
Wasser
 18
Makronährstoff Kohlenhydrate 17.69%
/28
Makronährstoff Proteine 28.3%
/54
Makronährstoff Fette 54.01%
 

Die drei Verhältniszahlen zeigen den prozentualen Gewichtsanteil der Makronährstoffe (Kohlenhydrate / Proteine / Fette) der Trockensubstanz (exkl. Wasser).  In der Sprache Englisch sind Ballaststoffe als Bestandteil des Kohlenhydrat-Anteils gerechnet. Die Umrechnung von Gewicht in kcal erfolgt nach dem von der USDA verwendeten "Atwater system". 

Davor ersehen Sie den Wasseranteil, gerundet auf ganze %.

Ω-6 (LA, 15.6g)
Omega-6-Fettsäuren wie Linolsäure (LA)
 : Ω-3 (ALA, <0.1g)
Omega-3-Fettsäuren wie Alpha-Linolensäure (ALA)
 = !:0

Verhältnis Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren soll insgesamt 5:1 nicht überschreiten. Link zu Erklärungstext.

Hier essenzielle Linolsäure (LA) 15.56 g und nahezu keine essenzielle Alpha-Linolensäure (ALA).

Erdnüsse (Arachis hypogaea) enthalten viel Fett und haben daher einen hohen Kaloriengehalt. Sie sind selten wirklich roh zu kaufen, Bio-Qualität ist zu bevorzugen.

Verwendung in der Küche

Kann man Erdnüsse roh essen? Es ist möglich Erdnüsse roh zu essen. Allerdings enthalten sie neben Phytinsäure,11 die Mineralstoffe bindet, auch Lektine.27 Rohe (getrocknete) Erdnüsse haben einen leicht süsslichen, erdig-nussigen Geschmack, sie erinnern an Erbsen. Geröstet schmecken sie intensiver und sind auch nicht mehr so anfällig auf das Schimmeln mit auftretendem Aflatoxin, das krebserregend wirkt.

Rohe Erdnüsse (mit Haut) eignen sich als Snack, für die Herstellung von Erdnussbutter, Saucen (Sossen), selbst gemachten Riegeln oder zum Anreichern vom Müesli, z.B. im glutenfreien Erb-Müesli (oder Erb-Müesli plus Haferflocken). Die meisten Erdnüsse, die man kaufen kann, sind erhitzt. Selbst Erdnüsse mit Schale sind in der Regel geröstet und daher nicht mehr roh. Vielfach findet man geröstete, geschälte Erdnüsse im Handel (pur, gesalzen oder gezuckert).

Die Hülsenfrüchte eignen sich auch für Kuchen, Kekse oder sonstiges Gebäck. Sie sind eine beliebte Zutat in asiatischen Wok-Gerichten, Suppen, Currys und Salaten. In einigen Süssigkeiten verwendet die Nahrungsmittelindustrie Erdnüsse, doch dienen sie vor allem als Hauptzutat für Erdnussbutter und Erdnussöl. Da man jedoch nur wenige Erdnüsse pro Tag essen sollte, kann man diese mit anderen Nüssen mischen. Macadamianüsse und Mandeln haben eine vergleichbare Konsistenz. Mit Baumnüssen, Pekannüssen, Pistazien, Haselnüssen, Kürbiskernen, Leinsamen und Hanfsamen kann man rasch eine Nussmischung je nach Bedarf zusammenstellen.

Kann man Erdnüsse ungeschält essen? Es ist möglich, die dünne bräunliche Haut der Erdnüsse mitzuessen. Textur und Geschmack empfinden nicht alle Personen als angenehm und leicht verdaulich. Die papierartige Haut der Erdnuss ist reich an Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen, sodass der Verzehr mit der Schale ernährungsphysiologisch vorteilhaft ist.11

Veganes Rezept für Tofu-Bohnen-Wok mit Erdnüssen

Zutaten für 2 Personen: 100 g (gekochte) Kidney-Bohnen, 100 g Soba-Nudeln, 1 EL Sesamöl, 200 g Tofu, 200 g Grüne Bohnen, 3 EL Sojasauce, 1 EL Koriander, 3 EL Erdnüsse, 1 EL Kurkuma.

Zubereitung: Die Soba-Nudeln nach Packungsanweisung kochen, bis sie weich sind. Grüne Bohnen waschen und Stielansatz entfernen und in Wasser ca. 10 Minuten kochen. Das Öl erhitzen und den Tofu von aussen goldbraun anbraten. Noch knackige grüne Bohnen und Kidneybohnen ein paar Minuten mitbraten. Sojasauce und 50 ml Wasser zugeben und ca. 10 Minuten köcheln lassen. Die gekochten Nudeln, Erdnüsse und Koriander unter die Tofu-Bohnen-Mischung heben und servieren.

Vegane Rezepte mit Erdnüsse finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben".

Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen:
Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler
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Einkauf - Lagerung

Bei Grossverteilern und Supermärkten wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Billa und Hofer etc. findet man Erdnüsse (in der Schale) in den D-A-CH-Ländern im Spätherbst und in der Winterzeit. Geschälte, geröstete und gesalzene Erdnüsse sind ganzjährig verfügbar.

In biologischer Qualität oder roh findet man Erdnüsse eher im Reformhaus, im Bio-Laden, in Drogerien, bei Bio-Supermärkten wie Denn's Biomarkt und Alnatura oder im Internet. In Rohkost-Qualität und ohne Schale bekommt man auch sogenannte wilde Erdnüsse (Kacang Lurik, lurik peanuts, oder Arachis hypogaea L. var. lurikensis) aus Indonesien, deren Haut gemustert oder gestreift aussieht.28

Die Bezeichnung "roh" bei im Handel als Rohkost angepriesenen Erdnüssen bezieht sich oft nur auf das Weglassen eines Röstprozesses. Nach der Ernte trocknet man die Erdnüsse; dabei nehmen die Produzenten die Temperaturrestriktionen (z.B. 42 °C für "echte" Rohkost) nicht immer ernst. Zudem ist bei Nüssen generell - obwohl die Erdnuss keine Nuss ist - in der Industrie üblich, auch die ungeschälten Kerne zu erhitzen (auf 150 °C), damit sich die Schale besser entfernen lässt.12,13 Der Ausdruck "Rohkost" ist gesetzlich nicht geschützt - im Unterschied zu Bio. Falls man nur Rohkostqualität verzehren möchte, lohnt sich ein Keimtest zur Prüfung der Qualität.

Blanchierte Erdnüsse ohne Samenhaut sind ebenso wie blanchierte Mandeln oder Haselnüsse im Handel zu finden. Das Blanchieren erhöht die Haltbarkeit und erleichtert das Entfernen der braunen Haut. Der Begriff blanchierte Nüsse steht generell für helle Exemplare ohne Samenhaut (durch kurzes Kochen in Wasser, durch sogenanntes "dry blanching" meist mittels Heissluft).14 Allerdings ist der Ausdruck nicht eindeutig. "Blanchieren" kann sich hier auch auf Verfahren zur Erleichterung des Schälprozesses (Knacken) beziehen, wie es bei ungeschälten Paranüssen zur Anwendung kommt (dann handelt es sich oft um eine Behandlung mit Wasserdampf).12,15

Die Verfügbarkeit von Erdnüssen ist je nach Grösse des Ladens, Einzugsgebiet usw. unterschiedlich. Unsere erfassten Lebensmittelpreise für die D-A-CH-Länder finden Sie oben unter dem Zutatenbild - und mit Klick deren Entwicklung bei verschiedenen Anbietern.

Tipps zur Lagerung

Wie sollte man Erdnüsse lagern? Man sollte Erdnüsse kühl, trocken und vor Licht geschützt lagern. Es eignet sich ein dünner Baumwollsack, der eine Luftzirkulation ermöglicht, wichtig ist dabei aber Trockenheit, damit sich kein Schimmel bildet. Die ideale Lagertemperatur beträgt zwischen 8 und 10 °C. Geschälte Erdnüsse kann man entweder in der Speisekammer oder im Kühlschrank in einem gut verschlossenem Gefäss aufbewahren.

Wie lange kann man Erdnüsse lagern? Luftdicht verpackte, ungeschälte Erdnüsse sind einige Monate haltbar. Geöffnete Erdnüsse (geschält oder ungeschält) sollte man innerhalb von wenigen Wochen konsumieren. Zu lange offen gelagerte Erdnüsse sind nicht mehr knusprig und können ranzig schmecken.

Kann man Erdnüsse einfrieren? Geschälte Erdnüsse kann man einfrieren, so sind sie bis zu einem Jahr haltbar.

Inhaltsstoffe - Nährwerte - Kalorien

Der Energiegehalt von Erdnüssen ist mit 567 kcal/100g ziemlich hoch. Die Kalorien stammen überwiegend aus Fett (49 g/100g) - davon sind 6,3 g/100g gesättigte Fette - und Eiweiss (26 g/100g). Der Gehalt an Kohlenhydraten von 16 g/100g ist moderat, wobei 4,7 g auf Zucker entfallen. Die Ballaststoffe (8,5 g/100g) decken 34 % des Tagesbedarfs.2

Erdnüsse enthalten mit 240 µg/100g reichlich Folat (Folsäure). Ähnliche Folat-Gehalte haben Sonnenblumenkerne (227 µg/100g). Dieser Wert ist mit dem anderer Hülsenfrüchte vergleichbar, etwa weisse Bohnen (388 µg/100g), Kidney-Bohnen (394 µg/100g), Ackerbohnen (423 µg/100g) und Kichererbsen (557 µg/100g). Einen deutlich höheren Gehalt haben rohe Mungbohnen (625 µg/100g).2 Da Folat zu den hitzesensitiven Vitaminen zählt und schon bei geringer Erwärmung Einbussen erleidet, ist der tatsächliche Anteil an Folat (Folsäure) nach der Zubereitung tiefer als im rohen Zustand.

Von den acht essenziellen Aminosäuren ist Tryptophan mit 0,25 g/100g (101 % des Tagesbedarfs) am häufigsten in Erdnüssen enthalten. Vergleichbare Werte haben Dulse (Lappentang) (0,53 g/100g), geschälte Hanfsamen (0,61 g/100g) und Goabohnen (0,76 g/100g). Einen höheren Gehalt weist getrockneter Steinpilz mit 1,5 g/100g auf. Ebenfalls reichlich vorhanden ist die Aminosäure Threonin: 100 g beinhalten 0,88 g, was rund 95 % des Tagesbedarfs entspricht. Höhere Werte zeigen Bierhefe (2,7 g/100g) und Spirulina (3 g/100g).2

Erdnüsse enthalten 1,9 mg/100g Mangan. Höhere Mangan-Gehalte haben Sesamkörner (2,5 mg/100g), Pekannüsse (4,5 mg/100g) und Haselnüsse (6,2 mg/100g).2 Mangan ist bedeutungsvoll für ein gesundes Knorpelgewebe. Mit einer ausgewogenen Ernährung, die auch Nüsse und Samen enthält, deckt man den Bedarf einwandfrei ab.

Die gesamten Inhaltsstoffe von Erdnüssen, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen. Im Artikel Nährstoffe umfassend erklärt bekommen Sie einen detaillierten Einblick in das Thema.

Wirkungen auf die Gesundheit

Sind Erdnüsse gesund oder ungesund? Ein unkritischer Konsum von Erdnüssen ist problematisch. Erdnüsse sind kein Superfood, sondern Fettbomben.

Im Jahr 2003 bekam die EEK vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Auftrag, die im Jahr 1992 festgehaltene gesundheitliche Bedeutung von Fetten und Ölen den neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen. Diese haben wir bei der Zutat Olivenöl detaillierter beschrieben. Hier nur das Wichtigste: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind essenziell und man teilt sie in zwei Hauptgruppen ein (es gibt noch weitere): Linolsäure und ihre Abkömmlinge als Gruppe der Omega-6-Fettsäuren (LA) und die Alpha-Linolensäure (ALA) (Omega-3) und ihre Abkömmlinge. Die Hauptquellen von entzündungsförderndem LA sind pflanzliche Öle,3 aber auch Nüsse und Samen. Hauptquellen der gesunden, entzündungshemmenden Omega-3 (ALA) sind z.B. Rapsöl, Leinsamen, Walnüsse und grünes Blattgemüse.3

Erdnüsse bewirken ein schlechtes LA-ALA-Verhältnis: Sie enthalten praktisch keine Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure), dafür viel Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure). Erdnüsse haben pro 100 g rund 16 g LA und nur 0,1 g ALA. Das entspricht einem Verhältnis von 160:1 statt dem vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen von 5:1.2

Der Verzehr grosser Mengen an Omega-6-Fettsäuren kann das Risiko von Blutgerinnseln (Thrombose) und Entzündungen erhöhen. Daher ist es von Vorteil, das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren auf 5:1 zu senken, im Gegensatz zu dem meist vorherrschenden Verhältnis von etwa 10:1. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine Annäherung dieses Verhältnisses dazu beitragen kann, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern und Entzündungen zu verringern.3

Gesundheitsbewusste Menschen beziehen mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Leinsamen, Chia-Samen, Walnüssen (Baumnüssen), Macadamia, Gewürzpflanzen und Blattgemüsen, weil diese Lebensmittel ein besonders gutes Verhältnis von LA:ALA aufweisen. Sie finden ausführliche Tabellen dazu bei unseren Zutaten, die man auch vom Rezept aus erreicht. Die Rezepte fassen das ebenfalls zusammen. Z.B. das Erb-Müesli weist die ideale Zusammensetzung im Verhältnis von 1:1 (LA zu ALA) auf.

Trotzdem zeigen viele Websites, wie gesund Erdnüsse doch sein sollen, denn diese Seiten schreiben entweder kritiklos ab oder wollen verkaufen. Etwa stellt Zentrum der Gesundheit in ihrem Beitrag Erdnüsse – Superfood für die Gefässe (aktualisiert 7.3.2024) ein Programm vor, dass zeigen soll, dass der Konsum von Erdnüssen in angemessenen Mengen nicht zur Gewichtszunahme beiträgt. Im Rahmen des Programms assen die Teilnehmer mit hohem Cholesterinspiegel vier Wochen lang 56 g Erdnüsse pro Tag. Am Ende der Studie wiesen sie gesenkte Gesamtcholesterinspiegel und weniger LDL auf. Liest man die FASEB-Studie dazu, Adding peanuts to a meal benefits vascular health, dann ist schnell klar, wie man das Ergebnis erreicht: Das Erdnuss-Institut hat das "unterstützt". Was diese nur 15 Probanden als Alternative bekamen - eine mit schädlichen Stoffen darf man annehmen - ist zumindest im Abstrakt nicht deklariert. Es gibt Studien, die auf gesundheitliche Vorteile des Verzehrs von Erdnüssen in kleinen Mengen hinweisen.11 Da jedoch viele der Nährwerte von Erdnüssen (pro 100 g) mehr als die Hälfte des Tagesbedarfs abdecken und in einigen Fällen sogar darüber liegen, ist es wichtig, sie in kleinen Mengen (1-2 Löffel) zu verzehren und nur gelegentlich.

Überdies ergab eine randomisierte klinische Studie und eine Meta-Analyse (2022), dass die schützende Wirkung des Nussverzehrs auf die kardiovaskuläre Gesundheit insgesamt "nicht schlüssig" ist. Obwohl einige Teilnehmer durch den Erdnussverzehr niedrigere Cholesterin- und LDL-Cholesterin:HDL-Cholesterinspeigel aufwiesen, kam es bei Personen mit einem Risiko für kardiometabolische Erkrankungen zu einer Gewichtszunahme mit erhöhtem Erdnusskonsum.21 Wir können nur warnen: Veganer essen oft ungesund, da uninformierte Veganer oft zu viele Nüsse konsumieren und so ihrer Gesundheit schaden. Siehe dazu auch diesen Link, was bei Rohkost passierte (Die Giessener Rohkoststudie).

Sind rohe oder geröstete Erdnüsse gesünder? Geröstete Erdnüsse haben einen höheren Fettgehalt als rohe Erdnüsse. Im besten Fall sind rohe Erdnüsse schonend bei niedrigen Temperaturen getrocknet. Öl und Hitze verbessern zwar den Geschmack und die Konsistenz von gerösteten Erdnüssen, entziehen aber viele der natürlichen Nährstoffe und Antioxidantien, die in rohen Erdnüssen enthalten sind. Rohe Erdnüsse (schonend getrocknet) sind gesünder als geröstete Erdnüsse, auch wenn sie anfälliger auf Schimmel sind. Durch das Rösten wandeln sich bei kohlenhydrat- oder eiweissreichen Nahrungsmitteln Aminosäuren und reduzierte Zucker in neue Verbindungen um. Diese unerwünschte Maillard-Reaktion führt jedoch zur Bildung des krebserregenden Stoffes Acrylamid, der sich aus der Aminosäure Asparagin bildet. Auch wenn geröstete Erdnüsse deutlich weniger Acrylamid enthalten, als z.B. Kartoffelchips oder Erdnussflips, gilt es stark erhitzte, geröstete oder getoastete Produkte zu meiden.29

Sekundäre Pflanzenstoffe

Viele gesundheitliche Wirkungen von Erdnüssen kann man auf die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zurückführen. Unser Artikel über sekundäre Pflanzenstoffe bietet einen Überblick über die Klassifizierung der Stoffgruppen, das Vorkommen in Lebensmitteln und mögliche Wirkungen auf den Menschen. Erdnüsse enthalten u.a. folgende sekundäre Pflanzenstoffe:

  • Isoprenoide: Terpene: Steroide (Beta-Sitosterol)11
  • Polyphenole: Phenolsäuren; Flavonoide; Stilbene (Resveratrol)11

Es ist jedoch zu beachten, dass die Zusammensetzung der sekundären Pflanzenstoffe in Erdnüssen abhängig von Sorte, Erntezeitpunkt und Anbaubedingungen variieren kann. Daher sind Mengenangaben nur begrenzt sinnvoll und höchstens grob zu verstehen.

Die in Erdnüssen enthaltenen bioaktiven Verbindungen sind für krankheitsvorbeugende Eigenschaften bekannt und sollen die Lebensdauer verlängern. Insbesondere die Haut der Erdnusssamen enthält Sekundärmetabolite. Reservatrol spricht man auch Wirkungen gegen Krebs, Herzkrankheiten, degenerative Nervenkrankheiten, Alzheimer und Entzündungen zu.11

Phytosterole sollen die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung blockieren, Entzündungen lindern und das Wachstum von einigen Krebsarten reduzieren.11

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen

Die Proteine im Erdnusskern können allergische Reaktionen auslösen. Es gibt ganz unterschiedliche, akute Symptome wie Nesselsucht, tränende Augen oder Atembeschwerden. Seltener kommen schwerwiegende Reaktionen vor, die sogar einen anaphylaktischen Schock auslösen können.5 Dennoch ist von allen tödlichen Nahrungsmittelallergien die Erdnuss-Allergie die häufigste.4

Eine allergische Reaktion kann sogar durch blosse Nähe oder Kontakt mit der Erdnuss auftreten. Kreuzallergische Reaktionen mit Lupinen, Baumnüssen oder Birkenpollen treten häufiger auf, als Reaktionen mit ähnlichen Proteinen anderer Hülsenfrüchte, wie z.B. Soja. Die Prävalenz der Allergie ist vor allem bei Kindern in den westlichen Ländern bemerkenswert und bleibt in der Regel ein Leben lang bestehen, im Gegensatz zu anderen Allergien, denen man entwachsen kann.4 Ein weiteres Problem bilden die Trypsininhibitoren (Ara h 2), die den Eiweissstoffwechsel beim Menschen behindern. Während dem Erhitzungsprozess verstärkt sich dieses Allergen bei gerösteten mehr als bei gekochten und gebratenen Erdnüssen.4,12,26

Unter schlechten Lagerbedingungen kann der Schimmelpilz Aspergillus flavus auftreten, der giftige Aflatoxine entstehen lässt.6

Erdnüsse enthalten Phytinsäure, die die Bioverfügbarkeit von andern Nährstoffen herabsetzt. Die Menge in Erdnüssen ist aber viel geringer, als z.B. in Sojabohnen.11 Zudem sind in Erdnüssen Lektine, die in hohen Mengen negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Nach der Verarbeitung oder Erhitzung (ca. 30 Minuten kochen oder rösten) ist das Protein in Erdnüssen nicht mehr aktiv.27

Alle Etiketten müssen nach EU-rechtlichen Vorschriften (Allergenkennzeichnungsrichtlinie 2003/89/EG) einen Warnhinweis enthalten, wenn diese Produkte Erdnüsse aufweisen oder eine Verunreinigung mit Erdnüssen während der Produktion möglich ist.4

Ökologischer Fussabdruck - Tierwohl

Im Vereinigten Königreich verkaufte Erdnüsse haben einen CO2-Fussabdruck von 1,47 kg CO2eq/kg (inkl. Produktion, Transport und Verpackung). Geschälte Erdnüsse aus Ägypten kommen auf einen Wert von 0,67 kg CO2eq/kg, wobei hier nur die landwirtschaftliche Produktion berücksichtigt ist.20 Leider gibt es keinen Hinweis darauf, ob es sich um geröstete oder rohe Erdnüsse handelt. Die dänische Klimadatenbank Concito kommt auf 3,12 kg CO2eq/kg, für in Öl geröstete und gesalzene Erdnüsse.19 Das verdeutlicht gut, wie viel die Lebensmittelverarbeitung ausmachen kann.

Gemüse, eines der klimafreundlichsten Lebensmittel, hat je nach Anbaumethode einen CO2-Fussabdruck von ca. 0,1-0,5 kg CO2eq/kg (ohne Transport).18 Der durchschnittliche CO2-Fussabdruck von pflanzlichen Lebensmitteln beträgt 0,66 kg CO2eq/kg, was nur 10,7 % der CO2-Emissionen von tierischen Produkten (6,15 kg CO2eq/kg) ausmacht.17 Um den CO2-Fussabdruck kleinzuhalten, ist es am besten tierische Produkte aus dem Speiseplan zu streichen.

Der Wasserfussabdruck von Erdnüssen (in Schale) beläuft sich auf insgesamt 2782 l/kg. Einen vergleichbaren Wasserfussabdruck haben Tabak oder Ölkulturen wie Raps. Wobei der grösste Teil das sogenannte 'grüne Wasser' ausmacht.23 Der grüne Wasserfussabdruck gibt die Menge des verbrauchten Regenwassers bei der Produktion an. Die Erdnuss ist eigentlich eine Kulturpflanze, die gut mit wenig Wasser auskommt, da sie empfindlicher auf übermässige Bewässerung reagiert. Der Wasserbedarf ist in der frühen Wachstumsperiode am höchsten. Um die Ernteerträge steigern zu können, vergrössern die Betriebe die Anbaufläche.16 Der Anbau von Erdnüssen kann deshalb negative Auswirkung auf die Landnutzung haben.

Vorsicht: konventionelle Erdnüsse können mit giftigen Fungiziden behandelt sein. Bio-Erdnüsse sind ohne den Einsatz von synthetischen Pestiziden, Herbiziden oder Düngemitteln produziert und GMO-frei. Sie müssen den Vorschriften des ökologischen Landbaus entsprechen.

Ausführliche Erläuterungen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsindikatoren (wie z.B. ökologischer Fussabdruck, CO2-Fussabdruck, Wasser-Fussabdruck) lesen Sie in unserem Artikel: Was bedeutet der ökologische Fussabdruck?

Tierschutz - Artenschutz

Kommerzielle Erdnüsse sind in Monokulturen angebaut. Monokulturplantagen kommen nicht natürlich vor und können für wilde Bestäuber sowie die Umwelt schädlich sein. Einige Tierarten können sich nicht durch die Plantagen bewegen, um Nahrung oder Schutz zu finden. In Australien zum Beispiel haben einige Monokulturen zu einer Beeinträchtigung von Vogel-, Laufkäfer-, Reptilien- und Beuteltierarten geführt.25

Der Einsatz von Pestiziden gefährdet u.a. die biologische Vielfalt an Pflanzen, Bodenlebewesen und Wasserorganismen. Mögliche Gegenmassnahmen sind die biologische Produktion oder eine verbesserte Risikobewertung bei der Pestizidzulassung.30

Weltweites Vorkommen - Anbau

Die Heimat der Erdnuss vermutet man in den Anden. Die ältesten Funde von Erdnüssen in früheren menschlichen Ansiedlungen stammen aus Peru. Im Jahr 2007 fand man Überreste mit einem Alter von 7840 Jahren.7 Heute sind Erdnüsse als Ölfrüchte über die ganzen Tropen und Subtropen verbreitet.

Im Jahr 2022 hat man gemäss FAO (Food and Agriculture Organization) weltweit 54 Millionen Tonnen Erdnüsse produziert.1 China als grösster Produzent kommt mit 18 Millionen Tonnen auf etwa 33 % der Weltproduktion, doch produziert das Land nahezu ausschliesslich für den Eigenbedarf.8 Es folgt Indien mit 10 Mio. Tonnen und die USA mit 2,5 Mio. Tonnen (im Jahr 2022). Die Hauptexporteure von Erdnüssen sind die USA, Argentinien, der Sudan, Senegal und Brasilien. Die Exporte dieser fünf Länder zusammen betragen 71 % des gesamten weltweiten Exports an Erdnüssen.22

Anbau - Ernte

Erdnusssamen keimen nach wenigen Tagen. Allerdings benötigt die Erdnusspflanze tropisches bis subtropisches Klima zum Wachsen. Für den Eigenanbau genügt ein warmer Raum oder Gewächshaus. Draussen ist im Hochsommer ein sonniger, windgeschützter Balkon ideal. Die Erdnuss liebt einen lockeren, sandigen Boden mit geringem Torfanteil. Zu Beginn des Wachstums braucht die Pflanze viel Wasser. Gegen Ende der Wachstumsphase sollten Sie die Pflanze trocken halten, damit die Früchte gut ausreifen.24 Die einjährige Pflanze erreicht eine Höhe von 30 bis 50 cm. Nach der Blüte verlängert sich der untere Teil des Fruchtknotens zu einem langen, stielartigen Fruchtträger und schiebt den Abschnitt mit der Samenanlage etwa 5 cm in den Boden. Dort entwickelt sich die Erdnuss. Sobald die Pflanzen zu vergilben beginnen, muss man sie aus der Erde ziehen und rund eine Woche trocknen lassen. Nach dem Trocknen entnimmt man die Erdnusssamen.24

In der kommerziellen Produktion haben Erdnusskulturen eine durchschnittliche Wachstumszeit von 100 Tagen. Die Bewässerungsintervalle liegen zwischen 6 und 14 Tagen und können bis zu 21 Tage betragen. Während der Blütezeit sind die Bewässerungsintervalle kürzer. Die Bewässerung auf leicht strukturierten Böden erfordert eine leichte und häufige Wasseranwendung. Auf mittelschweren Böden führt man häufig eine Flutbewässerung durch. Der Ertrag bei effizienter Wassernutzung im Anbau von ungeschälten, getrockneten Nüssen liegt bei 0,6 bis 0,8 kg/m3.16

Die geernteten Feldfrüchte trocknet man schnellstmöglich auf einen Wassergehalt von ca. 7 % herunter. In warmen Ländern (Indien, China) erfolgt die Trocknung ein paar Tage im Freien. Erst nach dieser Feldtrocknung drischt man die Nüsse, bricht sie und schält sie in vielen Fällen. Es gibt verschiedene Methoden zum Entfernen der bräunlich-roten Haut: Trocknung bei ca. 140 °C und Abrubbeln der Haut durch eine Gummiwalze oder eine Behandlung mit Wasser (Blanchieren): Die Kerne rutschen über ein Gitter mit scharfen Kanten, scharfen Klingen (Spin) oder rotierende Zylinder mit Schleifmitteln (Buff), danach trocknet man die Kerne. Oder sogenanntes "Alkali-Blanching" bei der Behandlung taucht man die Kerne 8 Sekunden in eine Laugen-Lösung, die die Haut vom Kern löst.10

Weiterführende Informationen

Warum ist die Erdnuss keine Nuss? Erdnüsse (Arachis hypogaea) sind botanisch betrachtet Hülsenfrüchte (Fabaceae oder Leguminosae). Sie gehört zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae), zu der auch Erbse und Bohne gehören.

Die bekanntesten Erdnusstypen sind Runner, Virginia, Spanish und Valencia, die verschiedene Grössen und Formen aufweisen, zudem unterscheidet der Markt zwischen "Longtype" und "Roundtype".10

Arachis hypogaea L. var. lurikensis haben mehr Samen (3-4) als gewöhnliche Erdnüsse, deren Hülsen 2-3 Samen enthalten.28

Alternative Namen

Aschantinuss, Arachisnuss, Erdeichel, Erdpistazie, Kamerunnuss, Spanische Nuss, Mesokarpnuss.9 Man kennt die Erdnuss auch als Mundubibohne, Burennuss, Erdbohne, Javanuss, Kurunuss, Mandubinuss und Erdmandel. In manchen Schweizer Kantonen kennt man die Erdnuss als Spanisches Nüssli.

Die englischen Namen sind peanut, goober, groundnut, ground-nut und monkey nut.

Sonstige Anwendungen

Der grösste Teil der Erdnussproduktion dient der Gewinnung des Erdnussöls. Erdnüsse verwendet man aber auch zur Herstellung von Seife und Anstrichmitteln. Weitere Produkte sind Erdnussbutter und Erdnussflips, Kosmetik sowie ein ölhaltiger Futterzusatzstoff in der landwirtschaftlichen Tiermästerei.

Literaturverzeichnis - 30 Quellen

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