2024 litt jede 9. Person weltweit an Diabetes. Jedes Jahr sind es mehr. Eine pflanzliche Ernährung kann dies verhindern oder (Prä-) Diabetes vermindern.
Diese vollständige Fassung mit Studiendetails und Therapiehinweisen bedient Fachleute. Hier die leserfreundliche Kurzfassung als Alternative. Die 105 Quellen, meist wissenschaftliche Studien, gelten für beide Beiträge.
Bei Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel über längere Zeit erhöht. Dies tritt auf, weil der Körper kein Insulin produziert oder vorhandenes Insulin nur eingeschränkt nutzt. Ein anhaltend hoher Blutzucker verursacht Schäden an Blutgefässen, Nerven und Organen. Unbehandelter Diabetes führt häufig zu Amputationen und im Extremfall zum Tod. Eine pflanzenbasierte, vollwertige Ernährung, kombiniert mit regelmässiger Bewegung, kann das Risiko solcher Folgeerkrankungen deutlich senken – und v.a. Diabetes-Typ-2 positiv beeinflussen.
Mit dem Essen nimmt der Mensch Kohlenhydrate auf. Das Verdauungssystem spaltet Kohlenhydrate je nach Art in bestimmte Einfachzucker. Aus Stärke entsteht vorwiegend Glukose, aus Haushaltszucker (Saccharose) Glukose und Fruktose und aus Milchzucker (Laktose) entstehen Glukose und Galaktose. Nach der Aufnahme im Darm gelangen alle drei Zuckerarten über die Pfortader zuerst zur Leber. Fruktose und Galaktose durchlaufen ihren Stoffwechsel überwiegend in der Leber. Im Gegensatz dazu gelangt Glukose nur teilweise in die Leber. Der Rest gelangt in den Blutkreislauf, was den Blutzuckerspiegel erhöht.
Das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen (vorwiegend Muskel- und Fettzellen) gelangt und dort als Energiequelle dient. Insulin funktioniert dabei wie ein Schlüssel, der die Zelltüren aufschliesst und der Glukose Eintritt ins Zellinnere verschafft. Insulin reguliert dadurch den Zuckergehalt im Blut.
Bei Diabetes ist der Mechanismus der Glukoseaufnahme gestört. Infolgedessen bleibt der Blutzuckerspiegel erhöht. Dies hat vorwiegend zwei Gründe:
Aufgrund dieser beiden Störungen unterscheiden offizielle Leitlinien (u.a. ADA = American Diabetes Association98, WHO = World Health Organization99 und der Nationalen Versorgungsleitlinie (NLV)104) zwei Haupt-Diabetesformen. Neuere Forschungen zeigen, dass Diabetes heterogener ist als bisher angenommen, weshalb Fachgruppen zusätzliche Subtypen vorschlagen (SAID, SIRD, SIDD, MOD und MARD - * Erklärungen in und nach der Tabelle).100
| Form | Mögliche Ursachen | Merkmale | Behandlung |
| Diabetes Typ 1: Insulinmangel |
| Autoimmunbedingter Typ-1-Diabetes betrifft 5-10 % der Diabeteserkrankungen.
Idiopathischer Typ-1-Diabetes: permanenter Insulinmangel, ohne Beta-Zell-Autoimmunität (eher selten). | Injektionen von Insulin |
| Diabetes Typ 2: Insulinresistenz und/oder gestörte Insulinsekretion
|
| Diabetes Typ 2 umfasst etwa 90-95 % aller Diabeteserkrankungen.
| Anpassungen der Ernährungs- und Lebensweise, Medikamente und bei Bedarf langfristige Insulininjektionen (je nach Subtyp / Schweregrad). |
* Diabetes Typ 2 Subtypen:100 SIRD (Severe Insulin-Resistent Diabetes): ausgeprägte Insulinresistenz, häufig Adipositas, hohes Risiko für Fettleber und Nierenerkrankungen. SIDD (Severe Insulin-Deficient Diabetes): starker Insulinmangel ohne Autoimmunität, oft schlechte Blutzuckerkontrolle und erhöhtes Risiko für diabetische Folgeerkrankungen. MOD (Mild Obesity-Related Diabetes): milde Form des Diabetes bei meist adipösen Personen mit vergleichsweise geringer Stoffwechselstörung. MARD (Mild Age-Related Diabetes): milde, meist im höheren Lebensalter auftretende Form mit langsamem Verlauf.
Typ‑1‑Diabetes mellitus (T1DM) ist eine chronische Autoimmunerkrankung. Dabei zerstört das Immunsystem irrtümlich die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Dies erzeugt einen absoluten Insulinmangel. Etwa 5–10 % aller Diabetesfälle gehören zu T1DM, und die Erkrankung tritt meist im Kindes‑, Jugend‑ oder jungen Erwachsenenalter auf. Klinisch tritt T1DM erst auf, wenn 80–90 % der Betazellmasse fehlen. Dies erfordert eine lebenslange Insulintherapie.4
Die Erkrankung entsteht durch ein Zusammenspiel genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren. Besonders stark ist die genetische Assoziation mit HLA‑Klasse‑II‑Allelen. Für den Ausbruch der Erkrankung benötigt es jedoch zusätzliche "Trigger". Unter diesen gelten Virusinfektionen als besonders relevante Auslöser, gestützt durch epidemiologische und experimentelle Befunde. Saisonale und geografische Muster der T1DM‑Inzidenz unterstützen diese Annahme. Zu den verdächtigen Viren gehören Enteroviren (insbesondere Coxsackie B4), Mumps‑ und Rötelnviren, Cytomegalievirus (CMV), Rotavirus, Influenza und SARS‑CoV‑2.4
Alternative Forschungsansätze betonen zunehmend, dass Typ‑1‑Diabetes nicht allein als klassische Autoimmunerkrankung zu verstehen ist. Vielmehr sei sie das Ergebnis einer fehlgeleiteten Interaktion zwischen Betazellstress und Immunsystem. Roep et al. (2021) argumentieren, dass Betazellen aufgrund ihrer hohen metabolischen Belastung, ihrer ausgeprägten Stressanfälligkeit und begrenzten Schutzmechanismen selbst aktiv zu ihrer Immunerkennung beitragen. Unter entzündlichen Bedingungen verändern sie ihre Antigenpräsentation, setzen Chemokine wie CXCL10 frei und erzeugen durch Stressprozesse neue, immunogene Peptide. Diese Signale locken Immunzellen an und aktivieren sie, sodass die Autoimmunreaktion nicht primär aus "fehlgeleiteten" T‑Zellen entsteht, sondern aus "gestörten" Betazellen, die eine Immunantwort provozieren. Dieser Ansatz erweitert das traditionelle Verständnis von Typ‑1‑Diabetes und unterstreicht die Notwendigkeit, therapeutische Strategien sowohl auf das Immunsystem als auch auf die Betazellgesundheit auszurichten.5
Frühe epidemiologische Studien wiesen eine leicht erhöhte Korrelation zwischen der sehr frühen Kuhmilch-Exposition im Säuglingsalter und dem Auftreten von Typ‑1‑Diabetes auf.6 Neuere Untersuchungen zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Einige Studien identifizieren weiterhin Assoziationen, andere finden keinen Effekt. Problematisch ist, dass eine klare Abgrenzung zahlreicher Störfaktoren wie kurzer Stilldauer, Infektionen oder genetischer Prädisposition vom potenziell negativen Effekt von Kuhmilch kaum möglich ist. Heute rückt die Forschung daher von der Vorstellung eines direkten Auslösers ab und betrachtet Kuhmilch eher als möglichen Modulator ("Trigger") innerhalb eines komplexen Zusammenspiels aus Darmbarriere, Immunsystem, Infektionen und genetischer Anfälligkeit.7,8,9
LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults) ist eine insulinabhängige Autoimmun-Diabetes-Form, die im Erwachsenenalter auftritt. Die Symptome ähneln häufig jenen von Typ-2-Diabetes, aber immunologisch gleicht die Krankheit dem Typ 1 (positive Autoantikörper gegen Betazellen). Patienten weisen oft einen niedrigen BMI auf.97
Der idiopathische Typ-1-Diabetes mellitus zeigt einen permanenten Insulinmangel mit fehlender Beta-Zell-Autoimmunität. Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes) tritt im Vergleich zu Typ-2-Diabetes häufiger auf. Unbehandelt führt diese zum Koma.98
Starke Symptome treten innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen auf. Häufig beschriebene Symptome: starker Durst, unerklärlicher Gewichtsverlust, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und im schlimmsten Fall diabetisches Koma, bei dem der Atem süsslich-fruchtig riecht (Ketoazidose). Neben dem Messen des Blutzuckers erfolgt ein Test auf Autoantikörper. Die Messung des C-Peptid-Wertes liefert Hinweise auf die verbleibende körpereigene Insulinproduktion.
Für die Klassifikation von Diabetes-Sonderformen existiert noch keine offizielle Einteilung. Dennoch gibt es Klassen oder Typen, die eine Zuordnung erleichtern.
Klasse/Typ 3: MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young) beschreibt Diabetes aufgrund eines genetischen Defekts der Beta-Zellfunktion (monogener Diabetes). Andere Formen entstehen durch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Tumor, Verletzung), hormonelle Störungen oder durch Medikamente bzw. Chemikalien verursachte Schäden.
Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes), ein hormonell bedingter Diabetes. Er tritt erstmals in der Schwangerschaft auf und klingt oft nach der Geburt ab. Er erhöht aber das Risiko, später an Diabetes zu erkranken. Oft gilt hier die Einteilung in Klasse/Typ 4.
Diabetes der Klasse/Typ 5 bei normal- oder untergewichtigen Menschen ist UADM (Undernutrition-Associated Diabetes mellitus). Dieser tritt vorwiegend in Entwicklungsländern und Schwellenländern auf. Typischerweise trifft dies Menschen, die in der Kindheit oder Jugend schwere oder chronische Unterernährung erlebt haben.60,61
Bei Diabetes Typ 2 ist der Zuckerstoffwechsel gestört. Dies, weil die Körperzellen nur noch eingeschränkt auf Insulin reagieren (Insulinresistenz). Anfangs kompensiert der Körper diesen Effekt, indem die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Diese Phase kennzeichnet einen relativen Insulinmangel: Die Bauchspeicheldrüse produziert zwar Insulin, die Menge reicht aber angesichts der verminderten Wirkung nicht aus. Mit der Zeit überlastet diese ständige Mehrproduktion jedoch die Betazellen, sodass ihre Leistungsfähigkeit nachlässt und die Insulinproduktion tatsächlich abnimmt. Der Körper kann nun weder Insulin wirksam verwerten (Insulinresistenz) noch ausreichend produzieren (Insulinmangel). Der Blutzuckerspiegel bleibt ohne Intervention dauerhaft erhöht.
Die Entwicklung von Diabetes Typ 2 erfolgt meist schleichend. Die Vorstufe (Prädiabetes) bleibt oft jahrelang unbemerkt. Der Blutzuckerspiegel bleibt dauerhaft erhöht. Er liegt jedoch noch unter dem offiziellen Grenzwert für Diabetes. Dieses Anfangsstadium gilt medizinisch nicht als Krankheit. Typische Bezeichnungen dafür lauten „gestörte Glukosetoleranz" oder „abnormer Nüchternblutzucker". Dennoch belegen Untersuchungen, dass PrädiabetikerInnen Organschädigungen erleiden können. Zudem ist das Risiko sehr hoch, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.2
Diabetes Typ 2 als Erkrankung ist nicht direkt vererbbar; die genetische und epigenetische Veranlagung dafür hingegen sehr wohl. Diese erbliche Prädisposition erhöht zusammen mit einem Alter über 40 Jahren und weiteren Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten der Krankheit.10
Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten häufig gemeinsam mit Typ-2-Diabetes auf. Ihnen liegen gemeinsame pathophysiologische Mechanismen und Risikofaktoren zugrunde. Sie erscheinen oft als Vor-, Begleit- oder Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes.102
Epidemiologische Forschungen erkennen diesen Zusammenhang zwischen chronischem psychischem Stress, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Gezielte Stressmanagementstrategien gelten für die Behandlung und Prävention als sehr wirksam.103
Als Auslöser für Insulinresistenz gelten u.a. folgende Veränderungen im Stoffwechsel:
Ernährung ist der entscheidende Faktor: Sie prägt Essgewohnheiten und beeinflusst das Gewicht. Zudem bestimmt sie, wie viele toxische organische Schadstoffe in den Körper gelangen.
Eine Prävention von Diabetes Typ 2 ist möglich. Typ‑2‑Diabetes gilt medizinisch als chronische Erkrankung und ist nicht im klassischen Sinn "heilbar". Studien belegen jedoch, dass durch Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung und Bewegung eine Remission in vielen Fällen möglich ist. Die Blutzuckerwerte bleiben dauerhaft normal. Reichen diese Massnahmen nicht aus, um die Blutzuckerwerte zu normalisieren, kommen Medikamente zum Einsatz. Falls Medikamente ebenfalls nicht nützen, entsteht langfristig oft die Notwendigkeit für Insulininjektionen. Denn die Betazellen können durch die anhaltende Überproduktion zur Kompensation der Insulinresistenz ihre Fähigkeit zur Insulinbildung verlieren.
Der Körper kompensiert erhöhte Blutzuckerwerte oft über lange Zeit. Deshalb zeigen viele Menschen anfangs keinerlei Beschwerden. Erst wenn die Werte deutlich steigen (Hyperglykämie), treten Symptome wie Polyurie (krankhaft vermehrte Harnausscheidung), Polydipsie (extremes Durstgefühl) und unerklärlicher Gewichtsverlust auf.98 Schlecht heilende Wunden, Infektionsanfälligkeit oder Sehstörungen können ebenfalls auf Diabetes Typ 2 hinweisen.3
Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes haben regelmässige Blutuntersuchungen eine zentrale Bedeutung bei der Früherkennung von Typ‑2‑Diabetes. Nach offiziellen Leitlinien der NLV liegt eine Diabetes-Diagnose vor, wenn NPG- und HbA1c-Wert im kritischen Bereich liegen. Bei nicht ganz eindeutigen Ergebnissen oder um einen Diabetes zu bestätigen oder auszuschliessen, kommt ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) zum Einsatz. Eine Messung der Gelegenheitsplasmaglukose (GPG > 11,1 mmol/l) liefert häufig den ersten Hinweis auf einen möglichen Diabetes bei einer Routineuntersuchung, reicht aber nicht zur Diagnose. Folgende Messwerte zeigen den Schweregrad des Diabetes mellitus:104
Blutzucker-Grenzwerte gemäss Diabetes-Schweiz:3
NPG-Wert (Nüchternplasmaglukose, "Nüchternblutzucker")
Der Nüchternblutzucker misst den aktuellen Blutzuckerwert zu einem bestimmten Zeitpunkt, nach 8 Stunden ohne Nahrungszufuhr. Zeigt akute Schwankungen, Unterzuckerung oder Überzuckerung. Hilfreich bei Therapiekontrolle im Alltag.
HbA1c-Wert ("Langzeitzucker")
Der HbA1c-Wert gibt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 8–12 Wochen an. Er gilt als wichtiges Diagnose- und Kontrollinstrument für Diabetes.
Der optimale HbA1c-Wert für einen gesunden, nicht-diabetischen Erwachsenen liegt im unteren Bereich des Normbereichs, etwa zwischen 4,8 % und 5,2 %. Ein HbA1c-Wert unter 4 % ist selten und kann auf Störungen der roten Blutkörperchen hinweisen.
Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
Beim oralen Glukosetoleranztest erfolgt eine Messung des nüchternen Plasmaglukosespiegels sowie zwei weitere nach 1h und nach 2h mit 75 g Glukose. Folgende Werte gelten für den Blutzucker nach 2h:
Als Vorsorge gilt, den Blutzuckerwert ab 35 Jahren regelmässig (ca. alle 3 Jahre) testen zu lassen. Personen mit Risikofaktoren empfehlen wir deutlich früher regelmässige Messungen.
Die Basistherapie – Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion und Bewegung – bildet die Grundlage der Behandlung.
Für Personen mit diagnostiziertem Typ-2-Diabetes spielt die Ernährung eine zentrale Rolle – sowohl zur Kontrolle des Blutzuckers als auch zur möglichen Remission. Remission bedeutet, dass der Blutzucker ohne oder mit reduzierter Medikation in den Normalbereich zurückkehrt. Dies ist nicht bei allen Betroffenen möglich, aber durch gezielte Ernährungs- und Lebensstilanpassungen bei einem Teil der Erkrankten erreichbar. Angesichts dieser bedeutenden Rolle ist es wichtig, aktiv mit dem Behandlungsteam zusammenzuarbeiten und das Thema eigenständig zu vertiefen. Im Folgenden geben wir wichtige Hinweise, worauf zu achten ist, um Typ-2-Diabetes zu vermeiden oder zu kontrollieren – und im besten Fall eine Remission zu erreichen.
Die randomisierte klinische Studie von Kahleova et al. (2011) untersuchte die Auswirkungen einer kalorienreduzierten vegetarischen Diät im Vergleich zu einer konventionellen diabetischen Diät auf Menschen mit Typ‑2‑Diabetes (24 Wochen). 43 % der vegetarischen Gruppe konnten Medikamente reduzieren. In der Kontrollgruppe erreichten dies lediglich 5 %. Die vegetarische Gruppe hatte einen stärkeren Gewichtsverlust und verlor signifikant mehr viszerales Fett. Die Insulinsensitivität stieg um 10 % stärker als bei der konventionellen Diät.11 Die Gruppe mit vegetarischer Ernährung neigte zudem seltener zu Essattacken (Binge Eating), berichtete über weniger Hungergefühle und eine bessere Stimmungslage.12
Eine randomisierte Studie von Hanick et al. (2025) bestätigt diese Ergebnisse. Eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung, kombiniert mit moderater Bewegung, bewirkt bei Menschen mit Typ‑2‑Diabetes deutlich bessere Blutzuckerkontrolle und weniger Medikamente (63 % konnten Medikation reduzieren). 23 % der TeilnehmerInnen mit HbA1c < 9 % erreichten eine Remission. Ferner zeigten die Herz-Kreislauf-Marker eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert.81 Ein positiver Effekt auf HbA1c und Gewicht ist bei vegetarischer und veganer Ernährung feststellbar, wie das systematische Review von Lv et al. (2025) bestätigt. Eine vegane Ernährung führte bei den Herz-Kreislauf-Parametern zu besseren Werten als eine laktovegetarische Ernährung.82
Folgende Essgewohnheiten begünstigen das Entstehen beziehungsweise beugen Diabetes Typ 2 vor oder reduzieren ihn:13,17
| Lebensmittel, die Diabetes Typ 2 begünstigen | Lebensmittel, die Diabetes Typ 2 vorbeugen / reduzieren |
| Hoher Konsum von:
| Hoher Konsum von:
|
Entzündungen gehören zu den natürlichen Reaktionen des menschlichen Körpers auf Infektionen und Verletzungen. Der Zweck der Entzündung liegt in der Wiederherstellung des beschädigten Gewebes. Normalerweise ist dies eine kurzzeitige Reaktion. Oxidativer Stress und ein Ungleichgewicht des Immunsystems können allerdings dazu führen, dass eine Entzündung permanent ist (chronische Entzündung).
Der Kontakt des Immunsystems mit Krankheitserregern oder Nahrungsbestandteilen löst die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine aus. Diese Zytokine verstärken die Insulinresistenz in Muskel- und Leberzellen unmittelbar.14
Pflanzliche Lebensmittel enthalten sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ und entzündungshemmend wirken.
![]() | Carotinoide, enthalten vor allem in rotem, gelbem und orangefarbenem Obst und Gemüse, wirken erwiesenermassen entzündungshemmend. Zahlreiche Studien belegen, dass das Diabetesrisiko umso tiefer liegt, je höher die Konzentration von Carotinoiden im menschlichen Körper ist.10 |
Ein systematisches Review von 41 RCTs bestätigt, dass der regelmässige Verzehr von Hülsenfrüchten nachweislich die Blutzuckerkontrolle verbessert. Die ausgewerteten Studien zeigen, dass Hülsenfrüchte den Nüchternblutzucker und den Insulinspiegel deutlich reduzieren. Eine Integration in eine Ernährung mit niedrigem glykämischem Index senkte zudem auch den HbA1c‑Wert. Die Stärke dieser Effekte fällt je nach Studie allerdings unterschiedlich aus.15
Die blutzucker- und cholesterinsenkende Wirkung von Ackerbohnen (Vicia faba) und Mungbohnen (aber auch Bockshornklee) belegen zahlreiche Forschungsergebnisse.16
Höherer Konsum von Hülsenfrüchten (Bohnen, Kichererbsen, Linsen) ist in den meisten grossen Kohortenstudien mit einem leicht reduzierten Risiko für Typ‑2‑Diabetes assoziiert, allerdings mit stark variierenden Ergebnissen.90
Möglicherweise liegt die geringe Risikoreduktion an der Art der Zubereitung von Hülsenfrüchten. Beliebte Gerichte wie Bohneneintöpfe mit Fleisch, Bohnen in gezuckerter Tomatensauce oder Linsen mit Kokosmilch mindern die positive Wirkung von Hülsenfrüchten deutlich. Deshalb sollten Sie Hülsenfrüchte mit Gemüse kombinieren und auf die Zugabe von zucker- oder fetthaltigen Lebensmitteln verzichten.
| Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen: Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler. |
Obwohl Kohlenhydrate wichtige Energielieferanten darstellen, beeinflussen insbesondere kurzkettige Kohlenhydrate (z.B. Einfachzucker wie Glukose und Zweifachzucker wie Saccharose) den Blutzucker sehr stark. Der Körper verwertet Einfachzucker direkt, ohne vorherige Aufspaltung.
Süssigkeiten, Fruchtsäfte, zuckerhaltige Getränke und Desserts (Kuchen, Schokolade, etc.) enthalten schnell verdauliche Kohlenhydrate. Auch Produkte mit geringem Ballaststoffanteil (raffinierte Getreideprodukte, Kartoffelprodukte) erzeugen einen schnellen Anstieg des Blutzuckers.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 mit über 200'000 Teilnehmenden zeigte, dass eine ungesunde pflanzenbasierte Ernährung das Risiko für Typ‑2‑Diabetes erhöht.17
| Elemente einer ungesunden pflanzenbasierten Ernährung | |
| Fruchtsäfte | Apfelwein (alkoholfrei) oder Apfelsaft, Orangensaft, Grapefruitsaft, alle anderen Fruchtsäfte |
| Raffiniertes Getreide | Frühstücksflocken aus raffiniertem Getreide, Weissbrot, Hefe- und andere Brötchen, Bagels, Muffins, Kekse, weisser Reis, Pfannkuchen, Waffeln, Cracker, Nudeln (Teigwaren) |
| Kartoffeln | Pommes Frites, Baked Potatoes, Kartoffelbrei |
| Zuckergesüsste Getränke | koffeinhaltige wie auch -freie Cola mit Zucker, andere kohlensäurehaltige Getränke mit Zucker, zuckerhaltige kohlensäurefreie Fruchtgetränke |
| Süsswaren und Desserts | Schokolade, süsse Riegel mit und ohne Schokolade, selbstgemachte wie gekaufte Plätzchen, Brownies, Donuts, Cakes, süsse Hefebrötchen, Kuchen, Konfitüren, Pudding, Grütze, Sirup, Honig |
Im Vergleich dazu senkt der Verzehr von Vollkorngetreide das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken deutlich.17 Komplexe (langkettige) Kohlenhydrate enthalten einen höheren Ballaststoffanteil und erhöhen den Blutzucker nur geringfügig. Dazu zählen stärkehaltiges Gemüse, gewisse Früchte, Vollkornreis und Vollkorngetreide (und daraus hergestellte Produkte). Auch Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, nicht stärkehaltiges Gemüse und Pseudogetreide liefern komplexe Kohlenhydrate.
Der Verzehr von komplexen Kohlenhydraten verbessert den Zuckerstoffwechsel und trägt oft zu einer Gewichtsreduktion bei. Zudem enthalten sie wertvolle Nährstoffe und Ballaststoffe, die das Sättigungsgefühl und die Verdauung positiv beeinflussen.
Alkoholische Getränke erzeugen deutliche Blutzuckerschwankungen. Alkohol löst häufig eine verzögerte, starke Unterzuckerung aus (Hypoglykämie). Die Leber ist zuerst mit dem Alkoholabbau beschäftigt und kann keine Glukose ins Blut abgeben.94 Zuckerhaltige alkoholische Getränke, aber auch Malzbier (alkoholfrei) erhöhen den Blutzuckerspiegel stark. Regelmässiger Alkoholkonsum verursacht Insulinresistenz und Funktionsstörungen der pankreatischen Beta-Zellen - alles Voraussetzungen für eine Diabetes-Erkrankung.95
Einige Studien bewerten moderaten täglichen Alkoholkonsum als unbedenklich für Menschen mit Diabetes. Laut WHO existiert aber keine unbedenkliche Menge an Alkohol. Jeglicher Alkohol schädigt den Organismus und übertrifft jegliche möglichen positiven Wirkungen. Alkohol zählt zu den stärksten bekannten Karzinogenen.96
Vereinfachte Methoden erleichtern den Umgang mit kohlenhydratreichen Lebensmitteln und unterstützen die Blutzuckerkontrolle. Sie dienen als Hilfsmittel, ersetzen aber nicht das Wissen über eine gesunde Ernährung. Insbesondere für Typ-1-DiabetikerInnen ist eine exakte Berechnung wichtig, da sie den genauen Kohlenhydratanteil für die Bemessung der Insulininjektion benötigen. Aber auch Typ-2-DiabetikerInnen hilft das Wissen, Blutzuckerspitzen zu meiden. Beachten Sie, dass der Kohlenhydratgehalt natürlicher Lebensmittel stark schwankt.
Im deutschsprachigen Raum erfolgt die Berechnung der Kohlenhydrate zum Teil immer noch über Broteinheiten. Eine Broteinheit (1 BE) enthält 12 g blutzuckerwirksame Kohlenhydrate. Seit 2010 gibt es keine speziellen Diabetiker-Lebensmittel mehr. Seitdem entfällt die Deklaration von Broteinheiten (BE) auf Lebensmitteln.
Um den Gehalt von Kohlenhydraten in Nahrungsmitteln zu berechnen, gibt es die Kohlenhydrateinheiten. 1 KE entspricht 10 g Kohlenhydraten. Diese Berechnung ist für den Alltag einfacher als jene mit den Broteinheiten, v.a. bei vorhandener Nährwerttabelle, aber ohne Waage.
Auf fast allen (verpackten) Lebensmitteln ist die klassische Nährwerttabelle enthalten, die den Kohlenhydratanteil pro 100 g angibt. Dies ist vor allem für Fertigprodukte oder andere verarbeitete Produkte nützlich. Beachten Sie immer die Portionsgrösse. Für Frischprodukte (Obst, Gemüse) können Sie den Kohlenhydratanteil über Onlinedatenbanken von Nährwerttabellen erschliessen. Hierzu müssen Sie die Nahrungsmittel abwägen, um den Wert zu berechnen.
Kohlenhydrataustauschtabellen, Datenbanken und Apps erleichtern die Einschätzung von Kohlenhydratmengen pro Portion.
Der glykämische Index (GI) berechnet nicht die Kohlenhydrate, sondern ist eine qualitative Bewertungsgrösse für die Geschwindigkeit, mit der ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker ansteigen lässt. Die Skala liegt bei 0 bis 100, wobei Glukose (aus Traubenzucker) mit 100 angegeben ist. Ein hoher GI bedeutet einen schnellen Anstieg, ein niedriger GI einen langsameren Anstieg des Blutzuckers.
Der GI hilft, die Insulinwirkung besser einzuschätzen und blutzuckerfreundliche Lebensmittel überschaubar auszuwählen. Allerdings gilt der GI nur für Einzel-Lebensmittel, nicht für ganze Mahlzeiten. Die Berechnung der Insulindosis ist damit nicht möglich.
Die glykämische Last (GL) kombiniert die verzehrte Menge mit der Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs: (GI x KH in g/Portion) / 100. Hierzu ein Beispiel: Eine Wassermelone hat mit 70-80 einen hohen GI, aber die GL liegt bei ca. 5, weil eine Portion (ca. 120 g) nur wenige Kohlenhydrate enthält.
Für den Alltag dienen Tabellen mit GI und GL als praktische Orientierungshilfe.
Bei "gemischten Mahlzeiten" ist die Blutzuckerreaktion oft schwer vorhersehbar. Folgende Faktoren beeinflussen den Anstieg des Blutzuckers:
Eine hohe Proteinzufuhr aus tierischen Quellen erhöht das Risiko für Typ‑2‑Diabetes deutlich.25,26 Zusätzliche 20 g tierisches Protein pro Tag erhöhen das Risiko für Typ‑2‑Diabetes um 7 %. Für pflanzliche Proteine belegen die meisten Studien keinen negativen Einfluss auf das Diabetesrisiko.27
Gemäss Chen Z et al. (2018) zeigen Personen mit einer stärker pflanzenbasierten Ernährung ein deutlich niedrigeres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Risikoreduktion liegt je nach Berechnungsmodell zwischen 13 % und 18 %. Ausserdem weisen diese Personen eine bessere Insulinempfindlichkeit auf, was ein früher Hinweis auf ein gesünderes Stoffwechselprofil bleibt. Ein anfänglich beobachteter positiver Effekt auf Prädiabetes verschwindet allerdings, sobald das Körpergewicht (BMI) in die Berechnung einfliesst. Das deutet darauf hin, dass dieser Effekt zumindest teilweise über ein niedrigeres Körpergewicht zustande kommt, statt über einen davon unabhängigen Mechanismus.28
Vor allem der Konsum von verarbeitetem Fleisch (Wurst, Speck, Salami, etc.) erhöht das Risiko für Diabetes mellitus und koronare Herzkrankheiten deutlich. Gesättigte Fette sowie Natrium und Konservierungsstoffe wie Nitrate, Nitrite und Nitrosamine tragen massgeblich dazu bei.29 Rotes und verarbeitetes Fleisch enthält zudem Glykationsendprodukte (AGE). Diese entstehen in einer nicht-enzymatischen Reaktion zwischen Zuckern und Proteinen, Lipiden und Nukleinsäuren (Maillard-Reaktion). Sie fördern neben oxidativem Stress (Zellstress) auch Entzündungen und begünstigen so Diabetes und Herzkreislauferkrankungen.30
Häm‑Eisen gilt ebenfalls als problematisch. Diese Eisenform kommt vor allem in rotem Fleisch, Geflügel und Fisch vor, teilweise auch zugesetzt in pflanzlichen Fleischalternativen. Sie fördert die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies, was Zellen schädigt und Entzündungen auslöst.31 Zu viel Häm-Eisen schädigt zudem die Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Dies beeinträchtigt die Insulinsekretion. Für nicht-Häm-Eisen blieb ein solcher Zusammenhang hingegen ohne Nachweis.31,32,33
Tierische Produkte wie Eier und Fleisch enthalten viel Cholin und L-Carnitin. Beim Abbau von Cholin und L-Carnitin durch Darmbakterien entsteht Trimethylamin-N-oxid (TMAO). Dieses fördert entzündliche Prozesse und ist mit verschiedenen Erkrankungen wie Atherosklerose und Insulinresistenz verbunden.34
Eine Studie mit über 50'000 Personen belegt, dass NichtvegetarierInnen (Omnivoren) die höchste Diabetesrate und die höchsten BMI‑Werte aufweisen.22 Die EPIC-Panacea, eine der umfangreichsten Studien über den Zusammenhang von Fleischkonsum und Körpergewicht, wies nach, dass von zwei Personen mit gleich hoher Kalorienaufnahme im Durchschnitt diejenige Person deutlich mehr an Gewicht zulegt, die mehr Fleisch konsumiert. Dazu wertete die Studie die Zunahme des BMI (Body-Mass-Index) über einen Zeitraum von 14 Jahren aus. Vor allem rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch und Geflügel stehen in engem Zusammenhang mit einer deutlichen Gewichtszunahme.23
Eine 2010 von der Loma Linda University (Abteilung für Ernährung) durchgeführte Untersuchung bestätigt, dass der Verzicht auf Fleisch ein effizienter Weg ist, um Fettleibigkeit bei Kindern zu bekämpfen.24

Die Wirkung von Milch und Milchprodukten bei Diabetes Typ 2 bleibt umstritten. Milch gilt als Nahrungsmittel mit einem niedrigen glykämischen Index (GI). Obwohl Milchzucker den Blutzuckerspiegel anhebt, fällt der Anstieg deutlich geringer aus als bei manchen Früchten wie Äpfeln oder Orangen. Im Gegensatz zu Früchten enthält Milch aber keine Ballaststoffe. Vollmilch enthält zudem viele gesättigte Fette, die Insulinresistenz fördern und Diabetes Typ 2 verstärken können.18,19
Ausnahme: Joghurt und fettarme Milchprodukte?
Ein höherer Konsum von Milchprodukten, insbesondere fettarmen, ist in einer grossen Langzeitstudie mit einem moderat niedrigeren Risiko für Typ‑2‑Diabetes bei Frauen assoziiert.38 Andere Studien erbrachten ähnliche Resultate.39,40,41 Ein systematisches Review von 2019 kam zum Schluss, dass Joghurt den stärksten Effekt aufwies.89 Unklar bleibt, ob die Milchprodukte selbst den beobachteten Effekt erklären oder ob der Ersatz ungesunder Snacks durch Joghurt dafür verantwortlich ist. Es gibt zahlreiche vegane Joghurtvarianten wie z.B. Sojajoghurt, Haferjoghurt oder Mandeljoghurt, die hinsichtlich Fettsäuren ein gesünderes Verhältnis aufweisen.
Viele WissenschaftlerInnen und AutorInnen beurteilen Milchprodukte generell als für den Menschen ungeeignete Nahrung: Milchprodukte sind die perfekte Nahrung der Natur — aber nur, wenn man ein Kalb ist. Hyman (2012) empfiehlt Milch nicht für Menschen mit Blutzuckerproblemen.35
Regelmässiger Milchkonsum setzte erst vor rund 10'000 Jahren mit der Domestizierung von Vieh ein. In vielen Weltregionen stellt der Körper nach der Entwöhnung von der Muttermilch die Produktion des Enzyms Laktase weitgehend ein. Da Laktase für die Spaltung des Milchzuckers Laktose in Glukose und Galaktose notwendig ist, führt dieser Enzymmangel zu Laktoseintoleranz – einem weltweit häufigen Phänomen. Parallel dazu reagieren manche Menschen immunologisch auf Milchproteine und entwickeln eine Milchallergie. Während bestimmte Populationen – etwa in Nordeuropa – genetische Anpassungen entwickelt haben, die eine lebenslange Laktaseproduktion ermöglichen, bleibt Milch für grosse Teile der Weltbevölkerung (ca. 65 %) eine schwer bis gar nicht verdauliche Nahrung.73
Das in Milch enthaltene A1‑Beta‑Casein gilt als möglicher Auslöser für Typ‑1‑Diabetes bei genetisch anfälligen Kindern, die Kuhmilch konsumieren.72
Casein und Molkenprotein aus der Milch stimulieren die Bauchspeicheldrüse zu einer höheren Insulinproduktion. Nachweislich fällt die Insulinreaktion auf Milchkonsum stärker aus, als die Glukosereaktion vermuten lässt.36 Dies führt kurzfristig zur Verbesserung des Stoffwechsels.37 Diese zusätzliche Stimulierung wirkt langfristig schädlich und beschleunigt die Erschöpfung der Beta‑Zellen der Bauchspeicheldrüse.87 Eine detaillierte Erklärung dieses Effektes finden Sie weiter unten bei "Proteinreicher Ernährung".
Warum Sie pflanzliche Alternativen bevorzugen und auf Milch verzichten sollten, erklären wir im folgenden Beitrag: Milch besser nicht!
POPs umfassen langlebige Umweltgifte wie Insektizide (DDT), Industriechemikalien (Polychlorierte Biphenyle, PCB) oder bestimmte Flammschutzmittel (PBDE). Dioxine aus Verbrennungsprozessen fördern Entzündungen und wirken hormonähnlich.
In die Umwelt freigesetzte chemische Schadstoffe gelangen in den Körper von Tieren. Der Mensch nimmt sie durch tierische Lebensmittel auf. Diese Toxine lagern im menschlichen Fettgewebe ab und fördern einen gestörten Hormonhaushalt, Fettleibigkeit, Insulinresistenz, nichtalkoholische Fettlebererkrankung und letztlich Diabetes. Eine vegane Ernährung hilft, viele Quellen für POPs zu vermeiden.
Die Kohortenstudien Zong et al. (2018) und Magliano et al. (2021) belegen übereinstimmend, dass persistente organische Schadstoffe (POPs) klare und unabhängige Risikofaktoren für Typ‑2‑Diabetes darstellen.69,70
POPs wirken nicht als einzelne Substanzen, sondern als chemische Mischungen, die im Fettgewebe akkumulieren. Sie beeinträchtigen die Insulinsekretion der Beta‑Zellen und fördern Entzündungen und mitochondriale Dysfunktionen – zentrale Mechanismen für die Entstehung von Typ‑2‑Diabetes. Niedrige, alltägliche Umweltbelastungen mit POPs beeinflussen den Stoffwechsel und erhöhen das Risiko für Typ‑2‑Diabetes nachhaltig.71
Die Vermeidung dieser Stoffe ist wichtig. Denn deren Wirkung ist unabhängig von Übergewicht, BMI, Taillenumfang oder Lebensstil. Selbst Personen mit gesundem Gewicht und Lebensstil wiesen bei höheren POP-Werten ein signifikant höheres Diabetesrisiko auf.69,70
Fett im Blutkreislauf gelangt in die Muskelzellen und lagert dort ab. Dabei entstehen toxische Zerfallsprodukte (freie Radikale), die Entzündungen und mitochondriale Dysfunktionen auslösen. Dieses Phänomen heisst Lipotoxizität. Die genannten Prozesse blockieren die Insulinsignalisierung und führen zu einer "Ansammlung" des Zuckers in der Blutbahn. Fettinfusionen ins Blut belegten die Auswirkung von Fett auf die Insulinfunktion. Das Fett im Blut führt zu einem erheblichen Anstieg der Insulinresistenz und beeinträchtigt die Glukoseaufnahme.18,19
Umgekehrt bewirkt das Entfernen von Fett aus dem Blutkreislauf einen Rückgang der Insulinresistenz.20 In vielen Fällen kann ein MRI (MRT) den Zusammenhang von Insulinresistenz und Fett aufzeigen, das vom Blut in die Muskeln gelangt.21
Vor allem tierische Nahrungsmittel enthalten gesättigte Fettsäuren. Sie kommen in pflanzlichen Lebensmitteln nur in sehr geringen Mengen vor - mit Ausnahme von Kokosfett, Kakaobutter oder Palmöl.
Palmöl enthält grosse Mengen an gesättigter Palmitinsäure. Viele Fertigprodukte beinhalten Palmitinsäure. Sie erhöht die Insulinresistenz und führt zu vermehrter Fetteinlagerung in der Leber.83
Ersetzen Sie gesättigte Fettsäuren durch einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA). Diese führen im Vergleich zu gesättigten Fettsäuren zu einer besseren Insulinempfindlichkeit. Der positive Effekt ist jedoch nur bei moderatem Gesamtfettkonsum erkennbar.84
Am gesündesten ist es, kein Öl zu verwenden. Denn alle Öle zählen zu den konzentrierten Nahrungsmitteln, die verschiedene Arbeitsschritte durchlaufen haben. Allgemein gilt: Bevorzugen Sie ganze, möglichst unverarbeitete Lebensmittel wie Nüsse oder Samen. Wenn Sie Öl verwenden möchten, bevorzugen Sie Leinöl und kaltgepresstes Rapsöl für die kalte Küche und raffiniertes Rapsöl zum Dünsten und Kochen. Verwenden Sie Sonnenblumenöl, Erdnussöl, Haselnussöl oder Distelöl wegen ihres hohen Gehalts an Omega-6-Fettsäuren nur selten. Vermeiden Sie Palmfett und Kokosfett – beide enthalten reichlich gesättigte Fettsäuren.
In den letzten Jahren untersuchte die Forschung, ob eine proteinreiche Ernährung bei Diabetes unterstützend sei. Anlass dazu ist das Resultat eines mechanistischen Experiments von 1915. Dieses zeigte, dass der Blutzucker nach dem Essen von Protein kaum anstieg. Tierstudien aus den 1970er/80er Jahren bestätigten allerdings, dass Protein die Insulinproduktion anregt.85
Proteinhaltige Lebensmittel führen zu einem Anstieg der Insulinsekretion (Produktion), auch wenn der Blutzuckerspiegel relativ konstant bleibt. Das liegt daran, dass bestimmte Aminosäuren direkt die Insulinsekretion stimulieren – ohne dass eine Glukoseerhöhung notwendig ist. Dies bedeutet, dass proteinhaltige Lebensmittel eine ähnlich starke Insulinantwort auslösen wie kohlenhydratreiche Lebensmittel.42,43,44,85 Die Erhöhung der Insulinproduktion über einen längeren Zeitraum führt zu einer schnelleren "Erschöpfung" der Bauchspeicheldrüse (Betazell-Dysfunktion, Betazell-Stress), was schlussendlich zu Diabetes führt.87
Ein Überangebot an verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA wie Leucin, Isoleucin und Valin) destabilisiert zudem die Insulinrezeptoren in Muskel- und Fettzellen. Die Glukoseaufnahme ist reduziert, was Insulinresistenz begünstigt.45 Die Kombination von Aminosäuren (BCAAs) und fettreicher Ernährung hat einen ähnlichen Effekt. Zudem kommt es zu einer Anhäufung von Acylcarnitinen, die toxisch für Muskel und Leber sein können und die Insulinwirkung hemmen.46
Mehrere systematische Reviews zu diesem Thema kommen deshalb zur Erkenntnis, dass eine eiweisshaltige Ernährung keinen Vorteil gegenüber einem moderaten Eiweisskonsum bei der Prävention oder Behandlung von Diabetes hat.85,86
Es gibt noch weitere Gründe, die gegen eine proteinreiche Ernährung sprechen. Eine proteinreiche Nahrung erhöht den IGF-1-Spiegel im Blut. Insulin-like Growth Factor 1 ist ein hormonähnlicher Wachstumsfaktor, der strukturell dem Insulin ähnelt. Er spielt eine wichtige Rolle bei Zellwachstum, Gewebeentwicklung und Regeneration und hat einen Einfluss auf den Blutzuckerstoffwechsel. Er unterstützt die Insulinwirkung und hilft, Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. IGF-1 aktiviert zudem den mTOR-Signalweg. Dieser erkennt, wie viele Aminosäuren, Energie oder Wachstumsreize zur Verfügung stehen – und entscheidet dann, ob eine Zelle wachsen, Zellteilung einleiten oder Proteine aufbauen soll. Eine dauerhafte Überaktivierung steht in Verbindung mit beschleunigtem Zellwachstum (z.B. bei Krebs), chronisch-entzündlichen Prozessen und verringerter Autophagie (Zellreinigung). Eine gedämpfte mTOR-Aktivität (z.B. durch Fasten, Kalorienreduktion und weniger Proteinaufnahme) ist eindeutig mit gesünderem Altern und geringerer Entzündungsneigung assoziiert.47
Mehr Details lesen Sie im Artikel Risiken proteinreicher Ernährung.
Zahlreiche "Hausmittelchen" gegen Diabetes oder zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels kursieren in der Öffentlichkeit. Häufig beruhen diese Empfehlungen jedoch auf In-vitro-Studien oder Tierversuchen. Vorliegende Humanstudien fallen meist kurz, methodisch begrenzt aus oder arbeiten mit unrealistisch hohen Dosierungen. Dies bedeutet, dass kaum robuste klinische Evidenz für diese "Hausmittelchen" vorliegt.
Diese "Mittelchen" dürfen nicht als Ersatz für eine notwendige Ernährungs‑ und Lebensstiländerung fungieren. Als ergänzende Unterstützung können sie durchaus ihren Platz haben, aber nur eingebettet in eine vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung.
Der Meerrettichbaum (Moringa) gilt als "Wunderpflanze" zur Senkung des Blutzuckerspiegels. Zwei Studien mit Tieren und drei Humanstudien zeigten die günstige Auswirkung der Blätter des Meerrettichbaums auf Diabetes Typ 2: Diese senken den Cholesterinspiegel, hemmen Entzündungen und schützen die Zellen der Bauchspeicheldrüse. Zudem beinhaltet der Meerrettichbaum vier der wirkungsvollsten Pflanzenstoffe (Phytochemikalien) gegen Hyperglykämie und Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie). Die Untersuchungsgruppen, die eine tägliche Dosis Pulver der Meerrettichbaumblätter einnahmen, wiesen im Vergleich zu den Kontrollgruppen, die keine Meerrettichbaumzusätze konsumierten, signifikant verringerte Diabetesmarker auf.74
Eine Kombination der Pflanzenstoffe aus Cranberries, Oregano, Rosmarin und Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist erwiesenermassen wirksam in der Behandlung von Diabetes und verbessert die Bauchspeicheldrüsenfunktion.16
Randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien am Menschen belegen: Zimt hilft Blutzucker und Blutdruck zu regulieren. Eine Einnahme von mindestens 2 g über 12 Wochen reduziert die hauptsächlichen Diabetesmarker erheblich.75 Hier ist zu beachten, dass Zimt allerdings leberschädliches Cumarin enthält. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liegt der TDI-Wert (tolerable daily intake = tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) für Cumarin bei 0,1 mg/kg Körpergewicht.78 Mehr dazu unter der Zutat Zimt.
Eine Kohortenstudie aus Korea ergab, dass der Verzehr von Algen mit einem geringeren Diabetesrisiko korreliert.76 Tierstudien bestätigen den Effekt von Algen. Chlorella vulgaris verhinderte bei Ratten das Entstehen von Insulinresistenz.77
Zahlreiche Studien belegen das Potenzial von Intervallfasten gegen Diabetes. Die verschiedenen Formen von Intervallfasten – darunter 16:8 oder 5:2 – führen konsistent zu einer Reduktion von Nüchternblutzucker, HbA1c, Körpergewicht und Insulinresistenz. Bei 16:8 dauert das Essfenster 8 Stunden. Die restlichen 16 Stunden bleibt es beim Fasten. Beim Modell 5:2 umfasst die Fastenphase 2 Tage. An den übrigen 5 Tagen bleibt die Ernährung normal.
Intervallfasten wirkt über Prozesse wie Autophagie, Ketogenese, die Reduktion oxidativen Stresses und eine Verbesserung der Beta‑Zell‑Funktion. Besonders bei Prädiabetes kann Intervallfasten Stoffwechselprozesse stabilisieren und so das Fortschreiten zur manifesten Erkrankung verhindern oder hinauszögern.62,63,64 Auch für insulinbehandelte Typ‑2‑DiabetikerInnen ist es wirksam und sicher.65 Intervallfasten ist bei Diabetes Typ 1 allerdings nicht zu empfehlen, weil das Risiko für Unterzuckerung erhöht ist.
Ein systematisches Review von 2024 bestätigt: Eine Ernährung mit nur 2–3 Mahlzeiten pro Tag und einer täglichen Essenszeit von weniger als 10 Stunden kann bei Typ‑2‑Diabetes sowohl das Körpergewicht als auch die Blutzuckerkontrolle verbessern. Es ist vorteilhaft, die Nahrungsaufnahme an den natürlichen Tag‑Nacht‑Rhythmus des Körpers anzupassen. Das Auslassen des Frühstücks stört diesen Rhythmus. Eine Pause von 3–4 Stunden nach einer Mahlzeit unterstützt die Blutzuckerregulation.88
Übergewicht und Adipositas gelten als zentrale Risikofaktoren für Diabetes. Diabetes Typ 2 gilt zwar als "Altersdiabetes", doch seit 1990 stieg die Verbreitung unter Kindern an. Dieses Phänomen steht im direkten Zusammenhang mit der vermehrten Fettleibigkeit im Kindesalter.48
Wenn das Körpergewicht zunimmt, wächst nicht die Anzahl der Fettzellen, sondern die Grösse der vorhandenen Fettzellen. Das Fett akkumuliert innerhalb der Fettzellen und führt zu deren Vergrösserung. Ab einem gewissen Punkt gelangt das Fett aus den Zellen zurück in die Blutbahn, wo es dieselbe Beeinträchtigung der Insulinsignalisierung verursacht wie eine fettreiche Mahlzeit.
Bei Übergewicht geben die Zellen aufgrund des Überlaufeffekts (spillover) konstant Fett in den Blutstrom ab - auch nach einer gesunden Mahlzeit. Eine Person mit pflanzenbasierter Ernährung hat allerdings bei gleichem Gewicht wie ein Omnivore (Allesesser) eine bessere Insulinsensitivität, einen besseren Blutzucker- und Insulinspiegel sowie eine verbesserte Funktion der Bauchspeicheldrüsenzellen.49
Prüfen Sie anhand der folgenden Werte, ob Sie ein erhöhtes Risiko für Diabetes aufweisen. Für eine grössere Genauigkeit sollten Sie mehrere Methoden kombinieren.
Der BMI (Body-Mass-Index) ist eine von Adolphe Quetelet in den 1850er-Jahren entwickelte Formel zur Berechnung der Körpermasse.
Berechnen Sie Ihren BMI mit dieser Formel: BMI = Gewicht in kg / (Grösse in m x Grösse in m). Beispiel: Grösse 1,76 m, Gewicht 68 kg. 1,76 x 1,76 = 3,0976; 68 : 3,0976 = 21,952; BMI = 22.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein BMI von 18,5–24,9 kg/m² als Normalgewicht. Ab einem Body-Mass-Index von 25 kg/m² liegt Übergewicht vor, ab einem BMI von 30 kg/m² Fettleibigkeit (Adipositas). Der BMI allein ist als Wert nur bedingt aussagekräftig, da er die individuelle Statur und v.a. die Verteilung der Körpermasse (Fett- und Muskelgewebe) nicht berücksichtigt.50
Obwohl diese Methode weithin verbreitet ist und präzise Vergleiche zwischen verschiedenen Gruppen erlaubt, hat sie doch mehrere Nachteile:
Das Taille-Hüft-Verhältnis gibt Auskunft über das besonders gefährliche viszerale Fett. Gemäss WHO gilt für Frauen das Verhältnis Taille zu Hüfte < 0,85 als optimal, beim Mann < 0,90. Zum Beispiel hat eine Person mit einem Taillenumfang von 71 cm und einem Hüftumfang von 84 cm ein Verhältnis von Taille zu Hüfte von 0,85. Alle Werte darüber fallen in die Definition von abdominaler Adipositas.51
Aktuell gilt das Taille-zu-Grösse-Verhältnis als einer der besten Marker für Gesundheitsrisiken. Dafür rechnen Sie den Taillenumfang durch die Körpergrösse. Zum Beispiel: 80 cm (Taillenumfang) durch 170 cm (Körpergrösse) = 0,47. Ein Wert < 0,5 gilt als gesund, ≥ 0,5 als erhöhtes Risiko und ≥ 0,6 als deutlich erhöhtes Risiko.52
Weniger Körperfett – besonders im Bauchbereich – macht die Körperzellen wieder empfindlicher für Insulin. Dadurch sinkt der Blutzucker, weil das vorhandene Insulin wieder besser wirken kann. Gleichzeitig entlastet ein geringeres Gewicht die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die bei Typ‑2‑Diabetes oft überlastet sind. Sie müssen weniger "Überstunden" machen und erfahren eine teilweise Erholung, was die Insulinproduktion stabilisiert. Insgesamt führt Abnehmen daher zu besseren Blutzuckerwerten, weniger Medikamentenbedarf und einem geringeren Risiko für Folgeerkrankungen. Zudem verringert es den oben beschriebenen Spillover-Effekt. Gemeint ist damit der Rücktransport von Fett aus der Zelle ins Blut bei Übergewicht.
Sie sollten aber keine Crash-Diät machen, sondern eine langfristige Ernährungsumstellung anstreben. Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel: Gesund und dauerhaft abnehmen.
Übergewicht ist vielen Menschen als Risikofaktor für Diabetes bekannt. Aber auch schlanke Menschen können Diabetes entwickeln. Problematisch ist, dass dieses Bewusstsein in der Bevölkerung kaum vorhanden ist. Viele schlanke Menschen gehen automatisch von ihrer Gesundheit aus, nehmen deshalb keine Untersuchung wahr und ignorieren frühe Warnsignale. Dadurch bleibt Diabetes in dieser Gruppe häufig lange unentdeckt – oft so lange, bis deutliche Stoffwechselstörungen oder Folgeerkrankungen bestehen. Betroffene Personen weisen wenig Muskelmasse, geringe körperliche Aktivität, eine ungünstige Fettverteilung (viel viszerales Fett) und eine ungesunde Ernährung auf. Diese Personen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken.53,54,55,56
Für solche normalgewichtigen Personen gibt es die Bezeichnung "skinny fat" (in etwa "schlankes Fett") oder "TOFI", was "Thin Outside, Fat Inside", also äusserlich dünn und innen übergewichtig, bedeutet.
Taylor et al. (2015) stellten die Hypothese auf, dass jeder Mensch eine individuelle Grenze hat, wie viel Fett er sicher speichern kann. Eine Überschreitung dieser Grenze führt zu Fettablagerungen in Leber und Pankreas, was Diabetes begünstigt. Aufgrund dieser individuellen Fettgrenze können Menschen mit "Normalgewicht" Diabetes entwickeln. Ihre These: Sie profitieren ebenfalls von einer Gewichtsabnahme.57 Bedauerlicherweise hat man diese Hypothese bisher nicht weiter untersucht.
Auch genetische Prädisposition für eine geringe Beta-Zell-Reserve kann ein Grund sein. Die Bauchspeicheldrüse ist schneller "erschöpft" und produziert kein oder zu wenig Insulin mehr, was zur Diabeteserkrankung führt.58,59 Siehe MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young).
Wichtig ist abzuklären, ob ein verzögert eingesetzter, autoimmunbedingter Typ-1-Diabetes vorliegt. Antikörpertests bestätigen, ob LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults) vorliegt oder nicht.
Eine sitzende Lebensweise mit Bewegungsmangel ist einer der Hauptrisikofaktoren für Diabetes Typ 2. Ausdauer- und Krafttraining, allein oder in Kombination, haben einen positiven Effekt auf die Prävention und Behandlung von Diabetes Typ 2. Die Zunahme der Muskelmasse erhöht die Zuckeraufnahme aus dem Blut und dessen Verwertung als Treibstoff, während Ausdauerübungen die Funktionsweise des Insulins steigern. Wichtig ist regelmässige Bewegung über längere Zeit. Neben dem Gewichtsverlust hat sportliche Betätigung positive psychologische Auswirkungen und verbessert Depressionssymptome.66
| Art der Übung | Was im Körper passiert |
| Ausdauertraining | Die Muskeln brauchen Glukose zum Funktionieren. Der Glukosespiegel im Blut sinkt. Eine einzelne Trainingseinheit steigert die Insulinaktivität und Glukosetoleranz während 24 Stunden (z.T. bis zu 72 h). |
| Krafttraining | Es bewirkt einen tieferen Nüchtern-Blutzuckerwert 24 Stunden nach dem Training, die Höhe der Reduktion ist dabei abhängig von Umfang und Intensität des Trainings. |
Besondere Aufmerksamkeit sollte PatientInnen zukommen, die andere Diabeteskomplikationen aufweisen (etwa Kreislauferkrankungen, Neuropathie, Retinopathie etc.). Des Weiteren kann während des Trainings Hyper- oder Hypoglykämie auftreten, sofern der Blutzuckerspiegel nicht unter Kontrolle bleibt. Dies erfordert eine Anpassung der Medikation und eine genaue Überwachung des Blutzuckerspiegels.
Reichen Ernährungs- und Lebensstilanpassungen nicht aus, um den Blutzucker zu normalisieren, kommen Medikamente (orale Antidiabetika) zum Einsatz. Ziel der medikamentösen Therapie ist nicht die Heilung, sondern die Kontrolle des Blutzuckerspiegels und die Vermeidung von Folgeerkrankungen. Welche konkrete Therapie sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab. Medikamente ersetzen keine Basistherapie, sondern ergänzen sie.
Metformin gilt meist als Erstlinientherapie bei Typ-2-Diabetes. Es senkt den Blutzucker, indem es die Glukoseproduktion in der Leber hemmt und die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert. Es verursacht keine Unterzuckerung und ist kostengünstig. Insbesondere zu Beginn der Therapie können allerdings Magen-Darm-Beschwerden auftreten.104
SGLT2-Hemmer fördern die Ausscheidung von Glukose über den Urin. Leitlinien empfehlen diese vorwiegend bei Personen mit Typ-2-Diabetes und begleitenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenerkrankungen, da sie nachweislich kardiorenale Schutzwirkung entfalten.104
GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen das körpereigene Hormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) nach, das der Darm nach dem Essen ausschüttet. Sie senken den Blutzucker, fördern das Sättigungsgefühl und unterstützen die Gewichtsabnahme. Sie weisen laut Studienlage eine kardiovaskuläre Schutzwirkung auf. Insbesondere zu Beginn können Übelkeit und Erbrechen auftreten.104
DPP-4-Hemmer verlängern die Wirkung von GLP-1 im Körper. Sie weisen eine gute Verträglichkeit auf, haben jedoch eine geringere blutzuckersenkende Wirkung als SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonisten.
Sulfonylharnstoffe senken den Blutzucker, indem sie die Bauchspeicheldrüse durch Blockade der Kaliumkanäle in den Beta-Zellen anregen, mehr Insulin zu produzieren. Aufgrund der hohen Nebenwirkungsrate (Unterzuckerung, Herzinsuffizienz) empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED), sie seit 2023 nicht mehr als Antidiabetika zu verwenden.105
Reichen diese Massnahmen langfristig nicht aus, ist auch bei Typ-2-Diabetes eine Insulintherapie notwendig. Dies gilt insbesondere, wenn die Betazellen infolge der chronisch erhöhten Insulinproduktion an Leistungsfähigkeit verlieren und die endogene Insulinsekretion abnimmt.
Wichtig zu beachten: Eine intensive Blutzuckersenkung durch Medikamente ist nicht immer vorteilhaft. Die ACCORD-Studie belegte, dass ein aggressives Absenken des HbA1c auf nahezu normale Werte über 3,5 Jahre die Sterblichkeit erhöhte und keinen signifikanten Rückgang schwerer kardiovaskulärer Ereignisse brachte.80 Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass eine zu starke und zu schnelle Glukosesenkung bei Hochrisikopatienten unerwartete Risiken birgt.
Alle gängigen Medikamente gehen zudem mit Nebenwirkungen einher – von Magen-Darm-Beschwerden über Unterzuckerungsrisiko bis hin zu seltenen, aber ernsteren Komplikationen. Sie lindern Symptome und reduzieren Folgeschäden, behandeln aber nicht die eigentliche Ursache von Typ-2-Diabetes. Eine konsequente Ernährungs- und Lebensstilumstellung bleibt daher der wirksamste und nachhaltigste Ansatz.
Der vorliegende Artikel zeigt, dass Diabetes mellitus eine komplexe, aber in Teilen beeinflussbare Erkrankung ist.
Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar, da der Körper kein Insulin mehr produziert (oder zu wenig). Bei Typ‑2‑Diabetes ist eine Rückkehr zu normalem Blutzuckerspiegel (Remission) unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Vor allem in frühen Krankheitsstadien und bei ausreichender Restfunktion der Bauchspeicheldrüse genügt eine Umstellung von Ernährung und Lebensstil ohne Medikamente. Andere brauchen Medikamente als Unterstützung. Die alleinige medikamentöse Behandlung ist jedoch langfristig nicht zielführend.
Bei Diabetes Typ 2 ist die Erhaltung der Insulinfunktion zentral. Das Hormon reguliert die Aufnahme von Glukose aus der Blutbahn in die Zellen. Zu viel eingespeichertes Fett in Muskelzellen, der Konsum von raffinierten Kohlenhydraten und gesättigten Fettsäuren, fehlende körperliche Betätigung, organische Schadstoffe und Entzündungen im Organismus beeinträchtigen das einwandfreie Funktionieren von Insulin.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass Ernährung, körperliche Aktivität, korrekte Medikation und regelmässige Kontrollen Diabetes behandelbar machen und Folgeerkrankungen vermeiden oder verzögern.
Viele Studien bestätigen den Einfluss der Ernährung auf Typ‑2‑Diabetes. Dennoch rät laut einer Umfrage das medizinische Fachpersonal nur jeder dritten Person mit Prädiabetes zu mehr Bewegung und einer gesünderen Ernährung.79
Eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung – wie oben beschrieben – in Kombination mit Ausdauer‑ und Krafttraining, Intervallfasten und einer nachhaltigen Gewichtsreduktion ist nicht nur zur Vorbeugung von Typ‑2‑Diabetes sinnvoll, sondern ermöglicht in vielen Fällen eine deutliche Verbesserung der Stoffwechsellage bis hin zur Remission.
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| Wir haben Studien und Bücher zu Ernährung und Gesundheit nach folgenden 3 Evidenz-Kategorien markiert: grün=starke Beweiskraft, gelb=mittlere, violett=schwache. Die restlichen Quellen sind grau markiert. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Beitrag: Wissenschaft oder Glaube? So prüfen Sie Publikationen. | ||
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