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Weizenkleie (roh) ist ein Nebenprodukt, das bei der Herstellung von weissem Mehl aus Weichweizen (Triticum aestivum L.) oder Hartweizen (Triticum durum Desf.) anfällt. Früher hat man die Kleie vorwiegend zur Fütterung von Nutztieren verwendet, heute ist die nährstoffreiche Weizenkleie als Nahrungsergänzung beliebt und auch bio in vielen Supermärkten erhältlich.
Verwendung in der Küche
Was ist Weizenkleie? Nach dem Vermahlen und Absieben des feinen Mehls verbleiben die Schale, die Aleuronschicht und der Keimling des Weizenkorns (= Kleie). Kleie hat einen neutralen, leicht nussigen bis bitteren Geschmack. Rohe Weizenkleie können Sie vielseitig einsetzen.
Wie viel Weizenkleie pro Tag ist gesund? Die Richtlinie für ballaststoffreiche Lebensmittel der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) empfiehlt, dass gesunde Menschen täglich 30–50 g Ballaststoffe (Trockengewicht) mit der Nahrung aufnehmen sollten. In vielen Ländern ist die Ballaststoffzufuhr deutlich darunter. In China beträgt die tatsächliche tägliche Ballaststoffaufnahme pro Kopf nur etwa 14 g, während die empfohlene Menge bei etwa 30 g liegt. Allgemein nimmt mit der zunehmenden Verarbeitungsqualität der Lebensmittel die Ballaststoffzufuhr allmählich ab.20 Die empfohlene tägliche Menge an Ballaststoffen von ca. 30 g (bei durchschnittlich 2000 kcal täglich), entspricht bei Weizenkleie ca. 60-70 g. Allerdings nehmen Sie im Normalfall Ballaststoffe auch aus anderen Lebensmitteln zu sich.2 War die bisherige Ernährung eher ballaststoffarm, empfiehlt es sich, mit einer kleineren Kleie-Menge zu beginnen und die Dosis langsam zu steigern. So gewöhnt sich der Darm an die erhöhte Ballaststoffmenge und Sie vermeiden Bauchschmerzen und Blähungen. Um die Verdauung anzuregen, beginnen Sie mit ca. 10 g Weizen-Kleie täglich und erhöhen die Menge auf 20-40 g, je nach Verträglichkeit. Wie viel Weizenkleie Sie z.B. in Ihren Joghurt geben bzw. welche Weizenkleie-Dosierung für Ihre Verdauung am besten ist; hängt also von Ihren allgemeinen Ernährungsgewohnheiten ab. Ein bis zwei Esslöffel Weizenkleie sind aber ein guter Ausgangspunkt, um sich heranzutasten.
Kann man Weizenkleie roh essen? Ja. Wie Sie Weizenkleie essen, ob roh oder gekocht, scheint einer kleinen Studie aus dem Jahr 1976 zufolge einen Unterschied zu machen: roh wirke die Kleie sogar besser.29 Zu Kleie sollten Sie aber immer ausreichend Flüssigkeit (z.B. Wasser oder ungesüsste Tees) trinken – siehe Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen. Rohe Kleie können Sie vor dem Verzehr auch in Wasser quellen lassen oder Sie kombinieren die Kleie mit Lebensmitteln, die von Natur aus viel Wasser enthalten, wie z.B. Obst oder Gemüse. Auch Obstsäfte eignen sich zum Quellen, wie im Erb-Müesli beschrieben. Die rohe Weizenkleie passt auch zu Haferbrei oder Joghurt (z.B. veganem Sojajoghurt).
Weizenkleie können Sie – roh oder gekocht – vielseitig verwenden: als Ersatz für Paniermehl, zum Andicken von Suppen und Saucen (Sossen), als Kruste für Aufläufe, in Smoothies, als Topping für Salate oder als Zutat in Pancakes. Bei Brot, Gebäck, Kuchen und Knäckebrot ist es möglich, bis zu 10 % des Weizenmehls durch Kleie zu ersetzen.
In Rumänien und Moldawien kennt man 'Borș', ein aus Weizenkleie (ev. auch Gerstenkleie oder Maisgriess) hergestelltes, fermentiertes Getränk mit säuerlichem Geschmack.
Veganes Weizenkleie-Rezept für Knäckebrot
Zutaten (für 12 Stück): 80 g Haferflocken, 80 g Dinkelmehl, 380 ml Wasser, 40 g Leinsamen, 40 g Sesam, 1 EL Rapsöl, Salz, 60 g Weizenkleie.
Zubereitung: Zunächst in einer Schüssel Haferflocken, Dinkelmehl, Weizenkleie, Leinsamen, Sesam und Salz vermengen. Im Anschluss Wasser und Rapsöl dazugeben und die Mischung zu einem homogenen Teig verarbeiten. Legen Sie ein Backblech mit Backpapier aus und streichen Sie den fertigen Teig dünn auf das Backpapier. Bei 170 °C (Ober- und Unterhitze) muss das Knäckebrot insgesamt 65 Min. backen, jedoch müssen Sie das Blech nach 15 Min. kurz aus dem Backofen nehmen und den Teig in 12 gleich grosse Stücke schneiden. Dann kann das Backblech zurück in den Ofen und das Knäckebrot nochmals 50 Min. backen. Behalten Sie die dünnen Knäckebrote während des Backens gut im Auge, denn sie verbrennen schnell.
Veganes Weizenkleie-Rezept für 'Low-Carb-Brot'
Zutaten (für 1 Brot): 120 g Sonnenblumenkerne, 225 ml warmes Wasser, 50 g Weizenkleie (bio), 50 g Walnussmehl (Alternativen: Leinsamenmehl, Quinoamehl, Sojamehl), 35 g Chiasamen, 25 g geschrotete Leinsamen, 25 g Flohsamenschalen, 25 g Walnüsse, ¼ Päckchen Backpulver, 2 EL Rapsöl, 1 TL Meersalz, ½ EL Balsamessig (Aceto balsamico).
Zubereitung: Alle Zutaten zu einem festen Teig kneten. Hier eignet sich der Einsatz einer Küchenmaschine. Danach den Teig zu einer Kugel formen und ca. 10 Min. ruhen lassen, damit die Chiasamen, Weizenkleie und Flohsamenschalen quellen können. In der Zwischenzeit den Ofen auf 200 °C (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Den Teig im Anschluss zu einem Brotlaib formen und auf einem Backblech 1 h lang backen. Das fertige Brot vor dem Anschneiden abkühlen lassen. Mit veganem Frischkäse und klein geschnittenem Schnittlauch schmeckt das frische Brot zum Frühstück, als Snack oder als Abendbrot.
Vegane Rezepte mit Weizenkleie finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben".
| Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen: Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler. |
Einkauf - Lagerung
Wo bekommt man Weizenkleie? Weizenkleie in Form von Rohkost ist mittlerweile in gut sortierten Supermärkten wie Migros, Rewe, Edeka, Billa etc. erhältlich; häufig auch in biologischer Qualität. In Supermärkten wie Coop, Spar, Denner, Volg, Aldi, Lidl und Hofer finden Sie vorwiegend verarbeitete Weizenkleieprodukte, wie z.B. Frühstückszerealien. Oft sind andere Kleiearten (z.B. Haferkleie) im Standardsortiment enthalten.
Regional produzierte, gentechnikfreie, rohe Weizenkleie in Bio-Qualität oder aus biologisch-dynamischem Anbau (Demeter) ist in Reformhäusern, Bio-Läden, in Bio-Supermärkten (wie Denn's Biomarkt, Alnatura), in Drogerien, Spezialgeschäften oder im Online-Handel (z.B. Coop Vitality) erhältlich.
Da sich in den Randschichten des Weizenkorns Verunreinigungen durch Pestizide und Schwermetalle einlagern können, empfehlen wir, nur Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau (bio) zu verwenden.21,22
Die Verfügbarkeit von Weizenkleie ist je nach Grösse des Ladens, Einzugsgebiet etc. unterschiedlich. Unsere erfassten Lebensmittelpreise für die D-A-CH-Länder finden Sie oben unter dem Zutatenbild - und mit Klick deren Entwicklung bei verschiedenen Anbietern.
Tipps zur Lagerung
Weizenkleie ist nur begrenzt lagerfähig, da sie einen relativ hohen Fettgehalt sowie aktive Enzyme enthält, die zur Oxidation des Fetts und damit zu Ranzigkeit führen.23 Ihre Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und Luft macht sie ausserdem anfällig für Schimmelbildung und Schädlingsbefall. Eine kühle, trockene und luftdichte Lagerung – idealerweise im Kühlschrank oder Gefrierfach – kann die Haltbarkeit deutlich verlängern.
Inhaltsstoffe - Nährwerte - Kalorien
Zusammensetzung und Menge der Inhaltsstoffe, inkl. sekundäre Pflanzenstoffe, variieren extrem je nach Sorte, Wachstumsbedingungen und Verarbeitungsmethoden etc.
100 g Weizenkleie besteht zu 65 g aus Kohlenhydraten und hat einen Energiegehalt von 216 kcal. Sie ist mit 43 g sehr ballaststoffreich und daher stark sättigend. Mit 16 g Eiweiss enthält Weizenkleie mehr Proteine als Griess (13 g/100g) und Weizenkörner (10 g/100g). Mehr Eiweiss ist in Chiasamen (17 g/100g) und Leinsamen (18 g/100g) enthalten. Der Fettgehalt der Weizenkleie beträgt 4,2 g/100g.2
Die Randschichten des Weizenkorns sind besonders nährstoffreich: So enthält Weizenkleie etwa 12 mg Mangan pro 100 g. Dieser Anteil macht bei einer Tagesaufnahme von ca. 2000 kcal rund 575 % des Tagesbedarfs aus. Grüner und Schwarzer Pfeffer haben vergleichbare Werte. Einen deutlich höheren Mangan-Anteil haben die Gewürze Safran (28 mg/100g) und Gewürznelken (60 mg/100g).2 Mangan ist für den Aufbau von Knorpelgewebe wichtig.3
Magnesium ist in Weizenkleie zu 611 mg/100g enthalten und macht damit erstaunliche 163 % des Tagesbedarfs aus. Ähnlich hohe Mengen sind in ungeschälten Hanfsamen (700 mg/100g) und getrockneten Kürbiskernen (592 mg/100g) vertreten.2 Der Körper benötigt Magnesium für über 300 enzymatische Stoffwechselreaktionen, ist für die Mineralisation sowie das Wachstum der Knochen von Bedeutung. Ein Mangel an diesem essenziellen Mengenelement kann zu Osteoporose führen, aber auch zu viel davon kann Schäden verursachen.4
Selen ist in Weizenkleie zu 78 µg/100g enthalten und macht damit 141 % des Tagesbedarfs aus. Der durchaus hohe Gehalt ist mit jenem von Weizenkeimen und Kamut bzw. Khorasan-Weizen vergleichbar. Einen noch höheren Selen-Anteil haben Senfpulver (208 µg/100g) und Paranüsse (1'917 µg/100g).2 Selen hat unterschiedliche Funktionen im Körper. Dieser benötigt das Halbmetall für das Immunsystem, das antioxidative Schutzsystem und den Schilddrüsenstoffwechsel.7 Allerdings kann ein Selenüberschuss negative Auswirkungen haben und zu Diabetes-Typ-2 führen.8
Die gesamten Inhaltsstoffe von Weizenkleie, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen. Im Artikel Nährstoffe umfassend erklärt bekommen Sie einen detaillierten Einblick in das Thema.
Wirkungen auf die Gesundheit
Weizenkleie ist reich an Nährstoffen, insbesondere an Ballaststoffen (35–50 %). Daneben enthält sie Proteine (12–18 %), Fett (3–5 %), Vitamine und Mineralstoffe. Die Aleuronschicht weist mit 23 % den höchsten Proteingehalt auf, gefolgt von der äusseren Schicht (5,1 %) und der mittleren Schicht (5,7 %). Der Proteingehalt der Weizenkleie liegt nicht nur über dem von Weizenweissmehl, auch die Aminosäurezusammensetzung ist ausgewogen. In-vitro-Studien und Tierversuche zeigen immunmodulierende, blutdrucksenkende, knochenschützende, antioxidative und antimikrobielle Wirkungen bioaktiver Proteine und Peptide.9
Ballaststoffe in Weizenkleie, von denen ein grosser Anteil unlöslich ist, können zur Darmgesundheit beitragen. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass die Fermentation von Ballaststoffen im Dickdarm die Zusammensetzung und Aktivität der Darmmikrobiota beeinflusst. Die Vermehrung von Bifidobacterium und Lactobacillus zeigt einen präbiotischen Effekt haben und geht mit einer erhöhten Produktion kurzkettiger Fettsäuren einher. Die sättigungsfördernde Wirkung von Weizenkleie beruht auf der Volumenzunahme der Nahrung durch die Hydratation der Ballaststoffe sowie auf der Bildung kurzkettiger Fettsäuren, die die Freisetzung von Sättigungshormonen fördern können.10,20
Lösliche Ballaststoffe, darunter β-Glucane, können zur Regulation der Blutfette beitragen. In-vivo-Untersuchungen zeigen, dass die Verabreichung löslicher Ballaststoffe die Ausscheidung von Gallensäuren und Gallensalzen über den Stuhl um 35–65 % erhöht.5,10 Dies geht mit einer Verringerung des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins im Blutplasma einher, während das HDL-Cholesterin unbeeinflusst bleibt. Lösliche Ballaststoffe können den Cholesterinspiegel ausserdem über eine verringerte Glukoseaufnahme senken, wodurch die Insulinproduktion abnimmt.5,10 Forschungsergebnisse weisen auf positive Effekte einer ballaststoffreichen Ernährung hinsichtlich Typ-2-Diabetes, Adipositas und der Prävention von Darmkrebs sowie auf eine Verringerung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin.1,9,10 Zudem beeinflussen Alkylresorcinole, eine Gruppe von phenolischen Lipiden, Fettstoffwechselprozesse positiv, hemmen Enzyme der Lipidbildung und reduzieren die Triglyceridanreicherung in Fettzellen, was indirekt die Stoffwechselgesundheit verbessern kann. Ihre Wirkungen umfassen antioxidative, antimikrobielle und entzündungshemmende Effekt.1,10
Weizenkleie zeichnet sich als reichhaltige Quelle für Calcium, Magnesium, Phosphor und Kalium aus. Die Mineralstoffe in Getreidekörnern konzentrieren sich hauptsächlich in den äusseren Schichten, insbesondere in den Aleuronzellen. Weizenkleie ist zudem eine gute Quelle für essenzielle B-Vitamine, insbesondere Thiamin, Niacin, Vitamin B6 und Folat.9
Sekundäre Pflanzenstoffe
Viele gesundheitliche Wirkungen von Weizenkleie kann man auf die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zurückführen. Unser Artikel über sekundäre Pflanzenstoffe bietet einen Überblick über die Klassifizierung der Stoffgruppen, das Vorkommen in Lebensmitteln und mögliche Wirkungen auf den Menschen.
Weizenkleie enthält u.a. folgende sekundäre Pflanzenstoffe:1,6,10
- Isoprenoide: Triterpene: Steroide (Beta-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol); Tetraterpene: Carotinoide (Carotine: Beta-Carotin; Xanthophylle: Zeaxanthin, Cryptoxanthin, Lutein)
- Polyphenole: Phenolsäuren: Hydroxybenzoesäure (p-Hydroxybenzoesäure, Syringinsäure, Vanillinsäure, Gallussäure), Hydroxyzimtsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure, Ferulasäure, p-Cumarsäure, Sinapinsäure); Flavonoide: Flavanole (Catechin, Epicatechin), Flavone (Apigenin-Derivate, Tricin); Lignane (Secoisolariciresinol-Diglucosid)
- Weitere stickstoffhaltige Verbindungen: Benzoxazinoide
- Sonstige Pflanzenstoffe (inkl. Protease-Inhibitoren): Phytinsäure
Die Polyphenole der Weizenkleie bestehen überwiegend aus Phenolsäuren und Flavonoiden. In Weizenkörnern liegt der überwiegende Teil der Phenolsäuren in gebundener Form vor. Ferulasäure stellt dabei die wichtigste Phenolsäure dar. Flavonoide konzentrieren sich in den Kleie- und Keimlingsschichten des Weizenkorns. Diese Verbindungen sind vor allem für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt, beeinflussen aber auch den Zucker- und Fettstoffwechsel sowie das Immunsystem. Polyphenole stehen auf Grundlage von In-vitro-Studien mit einer möglichen präventiven Wirkung gegenüber der Entstehung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung. Weizenkleie enthält zahlreiche Phytosteroide, insbesondere β-Sitosterol, Campesterol und Stigmasterol. Diese kommen frei, glykosidisch gebunden, verestert und oxidiert vor und sind nur begrenzt verfügbar. Weizen- und Roggenkleie weisen im Vergleich zu anderen Getreidearten die höchsten Lignankonzentrationen auf. Lignane konzentrieren sich zudem in den Kleieschichten des Weizenkorns. Benzoxazinoide, Lignane, Flavonoide und Carotinoide zeigen in In-vitro- und/oder In-vivo-Studien krebshemmende Eigenschaften.1,6,10
Darüber hinaus enthält Weizenkleie antinutritive Inhaltsstoffe wie Phytinsäure und Tannine. Phytinsäure beeinträchtigt die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen wie Calcium, Zink und Magnesium. Sie bindet Mineralstoffe und verändert dadurch deren Löslichkeit, Funktionalität, Verdaulichkeit und Aufnahme. Allerdings können bei der Fermentation entstehende kurzkettige Fettsäuren Phytat-Mineralstoff-Komplexe löslich machen und dadurch die Mineralstoffaufnahme erhöhen. Die Fermentation bietet somit eine Möglichkeit, die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen in Produkten aus Weizenkleie zu verbessern.6,9 Phytinsäure besitzt ausserdem eine stark antioxidative Wirkung, die das Wachstum von Tumorzellen hemmt, vor Darm-Krebs und Nierensteinen schützt und Cholesterinwerte verbessert.12 Nähere Informationen zur Phytinsäure finden sie im Artikel Phytinsäure bzw. Phytat und das Einweichen oder Keimen.
Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen
Wer Weizenkleie in seine tägliche Ernährung einbauen will, sollte zu Beginn nur kleine Mengen verwenden und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Pro Esslöffel Weizenkleie empfiehlt es sich, ein ganzes Glas Wasser zu trinken, da Weizenkleie stark aufquillt. Ist die Flüssigkeitsmenge nicht gegeben, kann Weizenkleie im Darm Verstopfung und Blähungen begünstigen. Dies birgt vor allem bei einem möglichen Darmverschluss eine hohe Gefahr.13 Idiopathische Verstopfung – keine eindeutige organische, neurologische oder systemische Ursache – und die damit verbundenen Symptome lassen sich durch das Absetzen oder die Reduzierung der Ballaststoffzufuhr wirksam lindern.16
Menschen mit einer Glutenintoleranz (Zöliakie) sollten auf den Verzehr von Weizenkleie verzichten. Betroffene reagieren mit einer Intoleranz auf das in Weizen enthaltene Getreideprotein Gluten.14
Es kann allerdings auch eine Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität vorliegen (Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität, Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität oder Weizensensitivität). Fructane, die in roher Weizenkleie enthalten sind, vermuten ForscherInnen als Auslöser für diese Unverträglichkeit, denn sie können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall hervorrufen. Fructane sind wasserlösliche Zucker (Oligo- und Polysaccharide), die sich aus kurzen Fructose-Molekülketten bilden. Sie sind als Speicherkohlenhydrate (Stärkeersatz) in verschiedenen Pflanzen wie Artischocken, Zwiebeln und Weizen angelegt.14 Aber auch ATI (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) und FODMAP (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole) können für diese reizdarmtypischen Bauchbeschwerden verantwortlich sein.18
Bei genetisch veranlagten Personen kann Weizenkleie allergische Reaktionen auslösen – von lebensbedrohlicher Anaphylaxie über berufsbedingtes Bäckerasthma bis hin zu chronischen Entzündungen wie eosinophiler Ösophagitis (Erkrankung der Speiseröhre) oder Gastritis. Die Diagnose erfolgt je nach Reaktionstyp durch Allergietests, Eliminationsdiäten und Biopsien; derzeit besteht die Therapie hauptsächlich im vollständigen Meiden von Weizen, wobei Immuntherapien künftig neue Behandlungsoptionen bieten könnten.15
Alternativen zu Weizenkleie finden Sie weiter unten im Kapitel Weiterführende Informationen.
Volksmedizin und Naturheilkunde
In der Naturheilkunde kommt Weizenkleie, äusserlich angewendet, bei z.B. Akne, Dermatitis und Milchschorf (Babys) zum Einsatz. Auch bei juckenden Ausschlägen (Nesselsucht, Pruritis) und Ekzemen kann die Kleie in Form von Breiumschlägen helfen. Menschen mit sensibler Haut können Kleie dem Badewasser hinzufügen und bei Säuglingen sollen die in Weizenkleie enthaltenen Nährstoffe Windeldermatitis lindern.11
Ökologischer Fussabdruck - Tierwohl
Wir haben keinen spezifischen CO2-Fussabdruck für Weizenkleie gefunden. Allerdings liegt der CO2-Fussabdruck von Weizenmehl bei etwa 0,8–1,24 kg CO₂-Äquivalent pro Kilogramm und entspricht einer klimafreundlichen Ernährung.24,25 Da Produzenten Weizenkleie meist als Nebenprodukt bei der Herstellung von weissem Weizenmehl gewinnen, können wir davon ausgehen, dass auch Weizenkleie einen geringen CO2-Fussabdruck hat.
Den Wasser-Fussabdruck von Weizenkleie können wir ebenfalls nur vom Fussabdruck des Weizenmehls ableiten: 1849 l/kg braucht es durchschnittlich. Das ist vergleichbar mit Reismehl und ein Vielfaches der Wassermenge, was zur Herstellung von Kartoffeln nötig ist (287 l/kg). Ein vergleichbar ballaststoffreiches Lebensmittel, die Leinsamen, braucht um einiges mehr Wasser und auch Haferflocken haben einen grösseren Wasser-Fussabdruck als Weizenkleie.26
Ausführliche Erläuterungen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsindikatoren (wie z.B. ökologischer Fussabdruck, CO2-Fussabdruck, Wasser-Fussabdruck) lesen Sie in unserem Artikel: Was bedeutet der ökologische Fussabdruck?
Tierschutz - Artenschutz
Für die Weizenproduktion sind hunderte Pestizide zugelassen. Diese verschiedenen chemischen Verbindungen wirken direkt oder indirekt, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, auf das gesamte Ökosystem. Regenwürmer, Springschwänze, Vögel und schlussendlich die Menschen leider unter den Folgen. In einem Weizenfeld können durchaus über Tausend Individuen auf einem Quadratmeter leben. Bienen, Ameisen, Spinnen, Heuschrecken, Blattkäfer, Laufkäfer, Springschwänze, Zikaden, Fliegen, Florfliegen und andere können gemeinsam mit der Kulturpflanze Weizen leben. Viele dieser Tiere dezimieren Schädlinge in den Getreidefeldern und übernehmen damit die biologische Schädlingsbekämpfung. Zudem dienen sie als wichtige Nahrungsquelle für Vögel, die wiederum viele Insekten-Schädlinge fressen und letztlich dazu beitragen, dass die Kulturpflanzen gesund bleiben.27
Weltweites Vorkommen - Anbau
Weizen (Triticum aestivum) zählt zu den wichtigsten Getreidearten und dient überwiegend der menschlichen Ernährung sowie als Futtermittel für Nutztiere. Beim Mahlen entsteht als Nebenprodukt die Kleiefraktion, die sowohl in der Lebensmittelverarbeitung als auch in nicht lebensmittelbezogenen Bereichen Verwendung findet. Lange Zeit nutzte man Weizenkleie hauptsächlich als Tierfutter, wobei ihr Einsatz gering war. Der Einsatz von Weizenkleie (WK) für den menschlichen Verzehr hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Weltweit stieg die Zahl der Lebensmittelprodukte mit Weizenkleie von 52 im Jahr 2001 auf etwa 800 im Jahr 2011. Die Industrie produziert jährlich rund 90 Millionen Tonnen Weizenkleie für den menschlichen Verzehr. Weizenkleie bietet eine kostengünstige und reichlich verfügbare Quelle an Ballaststoffen.17,20
Industrielle Herstellung
Kleie macht etwa 13–19 % des Weizenkorns aus, je nach eingesetztem Mahlverfahren (trocken oder nass). In der Trockenmüllerei trennen Mühlen die Kleie vom Endosperm, das sie anschliessend zu Mehl vermahlen. Walzenstühle übernehmen dabei effizient die Abtrennung. Zuvor bereiten die Betriebe das Korn durch sogenanntes Temperieren vor: Sie befeuchten es auf rund 15 % Feuchtigkeit und lagern es abhängig von der Kornhärte für eine bestimmte Zeit ein. Dabei nehmen die äusseren Schichten Wasser auf, das Endosperm erweicht, und die Kleie lässt sich später besser ablösen. Die Walzen brechen das Korn auf und trennen Keim, Endosperm und Kleie. Etwa 90 % der gewonnenen Kleie geht in die Tierfütterung, nur rund 10 % nutzt die Lebensmittelindustrie, etwa für Backwaren oder Zerealien.17
Verwechslungsmöglichkeiten
Was ist der Unterschied zwischen Weizenkeimen und Weizenkleie? Manchmal kommt es zu einer Verwechslung der Weizenkleie mit Weizenkeimen. Weizenkeime sind auch in Weizenkleie enthalten. Die Weizenkeime sind die nicht gekeimten Embryonen des Getreides. Man muss sie aus der angefallenen Kleie herausfiltern. Danach trocknet bzw. erhitzt man die Weizenkeime, röstet sie dabei aber nicht. Ob die Weizenkeime jedoch noch als "roh" gelten, hängt stark vom jeweiligen Verfahren und den eingesetzten Trocknungstemperaturen ab. Normalerweise arbeiten ProduzentInnen mit stark erhitzenden Prozessen, damit die Weizenkeime lange ohne Buttersäuregärung (= ranzig, Ranzigkeit) haltbar bleiben. Im Gegensatz zu Weizenkleie haben Weizenkeime ein geringeres Quellvermögen, da der Anteil an Ballaststoffen geringer ist. Hiervon sind noch die Weizenkeimlinge zu unterscheiden, bei denen das ganze Korn im Stadium des Keimens gemeint ist.
Weiterführende Informationen
Was kann man statt Weizenkleie verwenden? Wer seine Ballaststoffzufuhr langsam steigern will, kann statt zu Weizenkleie zunächst zu Haferflocken greifen. Auch diese haben viele Ballaststoffe und regen die Verdauung im Darm an. Als Alternative zu Weizenkleie kann man auch andere Kleieprodukte wie z.B. Haferkleie (Haferschälkleie, Haferspeisekleie - mit Gesamtballaststoffanteil von ca. 12-24 % und mehr Beta-Glucanen) verwenden.19 Um den Ballaststoffanteil im Essen zu erhöhen, eignen sich auch Leinsamen oder Flohsamenschalen.
Aus botanischer Sicht bezeichnet man als Kleie die äussere Schale und die Aleuronschicht des Weizenkorns. In der Praxis jedoch, also beim Mahlen, unterteilt man die Kleie aufgrund der Verarbeitungsschritte von innen nach aussen: Aleuronschicht, Glanzschicht (Nukleusepidermis), Samenschale, innere Fruchtschale (bestehend aus Hybriden- und Röhrenzellen) und äussere Fruchtschale. Die äussere Schale enthält besonders viel Zellulose und Lignin. Die Aleuronschicht ist der mengenmässig grösste Teil. Sie enthält den Grossteil der β-Glucane, Proteine und Mineralstoffe des Korns und ist zudem reich an Vitaminen und phenolischen Verbindungen. Zusammen bilden diese Schichten die Kleiefraktion, die vor allem eine Schutzfunktion für das Innere des Korns übernimmt.5
Alternative Namen
Futtermittelhersteller verwenden auch die Bezeichnung "Krüsch" für Kleie.
Im Englischen ist der Name 'wheat bran' üblich, im Spanischen heisst Weizenkleie 'salvado de trigo'.
Sonstige Anwendungen
Weizenkleie ist ein vielseitiges Nebenprodukt, das neben der Lebensmittel-, Chemie-, Kosmetik-, Pharma- und Biotechnologieindustrie auch in der Tierernährung breite Anwendung findet.28
Literaturverzeichnis - 29 Quellen (Link zur Evidenz)
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These phenolic acids act as antioxidants, neutralizing free radicals and thus preventing cell damage. This contributes to reducing the risk of chronic diseases such as cardiovascular diseases and cancer. Lebensmittelanalytische Studie DOI: 10.1007/s44187-025-00292-y Study: weak evidence | Tiwari N, Saroj R et al. Effect of Fermentation on Bioactive Compounds and Structural Properties of Wheat Bran. Discov Food. 2025;5(1):20. |
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| 9. | * Wheat bran, the primary by-product from the wheat milling process, represents an abundant reservoir of essential nutrients, dietary fiber, vitamins, minerals, and bioactive compounds, synergistically contributing to commendable antioxidant and anti-inflammatory properties. This review explored the proximate compositions of wheat bran, highlighting its potential as a nutritional powerhouse. Wheat bran proteins exhibit nutritionally balanced amino acid compositions and show significant potential as a plant-based source of dietary protein. Enzymatic and fermentation bioprocessing can enhance the hydrolysis of wheat bran protein, improving its functionality and digestibility. Furthermore, dietary fiber derived from wheat bran promotes bowel health, reduces cholesterol, and mitigates the risk of heart disease, diabetes, colon cancer, and obesity, along with several other physiological activities. Its rich mineral content supports body metabolic function and homeostasis, factors that can be improved through strategies such as hydrothermal treatment, particle size reduction, and fermentation. Bioactive peptides and arabinoxylan in wheat bran exhibit immunomodulating, antihypertensive, osteoprotective, and antimicrobial properties. Processing techniques that focus on the release of these bioactive compounds foster the utilization of these valuable compounds in functional food and nutraceutical applications. Lastly, this review delves into the challenges associated with breadmaking when incorporating wheat bran into whole-wheat bread. Various strategies have been implemented to overcome these barriers, such as different pretreatments, fermentation, and the addition of enzymes. This review contributes valuable insights into nutrition, functional food research, and healthier wheat-based products, with the ultimate goal of benefiting consumer health. Narrativer Review Study: weak evidence | Li C, Stump M, Wu W, Li Y. Exploring the chemical composition, antioxidant potential, and bread quality effects of the nutritional powerhouse: Wheat bran – A mini-review. Journal of Agriculture and Food Research. Dezember 2023;14:100898. |
| 10. | * Wheat bran (WB) consists mainly of different histological cell layers (pericarp, testa, hyaline layer and aleurone). WB contains large quantities of non-starch polysaccharides (NSP), including arabinoxylans (AX) and β-glucans. These dietary fibres have long been studied for their health effects on management and prevention of cardiovascular diseases, cholesterol, obesity, type-2 diabetes, and cancer. NSP benefits depend on their dose and molecular characteristics, including concentration, viscosity, molecular weight, and linked-polyphenols bioavailability. Given the positive health effects of WB, its incorporation in different food products is steadily increasing. However, the rheological, organoleptic and other problems associated with WB integration are numerous. Biological, physical, chemical and combined methods have been developed to optimise and modify NSP molecular characteristics. Most of these techniques aimed to potentially improve food processing, nutritional and health benefits. In this review, the physicochemical, molecular and functional properties of modified and unmodified WB are highlighted and explored. Up-to-date research findings from the clinical trials on mechanisms that WB have and their effects on health markers are critically reviewed. The review points out the lack of research using WB or purified WB fibre components in randomized, controlled clinical trials. Narrativer Review Study: weak evidence | Sztupecki W, Rhazi L, Depeint F, Aussenac T. Functional and Nutritional Characteristics of Natural or Modified Wheat Bran Non-Starch Polysaccharides: A Literature Review. Foods. Juli 2023;12(14):2693. |
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| 12. | * Phytic acid (IP6) is a natural antioxidant that is found mainly in cereals and vegetables and, for a long period of time, was considered an antinutritional factor. However, in vitro and in vivo studies have demonstrated its beneficial effects in the prevention and treatment of several pathological conditions and cancer. Despite the numerous benefits of IP6, the signs and intracellular interactions mediated by this antioxidant remain poorly understood. This review describes the main chemical and biological aspects of IP6, as well as its actions in the prevention and treatment of various diseases. Narrativer Review DOI: 10.1111/1750-3841.13320 Study: weak evidence | Silva EO, Bracarense APFRL. Phytic Acid: From Antinutritional to Multiple Protection Factor of Organic Systems. J Food Sci. 2016;81(6):R1357-1362. |
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| Wir haben Studien und Bücher zu Ernährung und Gesundheit nach folgenden 3 Evidenz-Kategorien markiert: grün=starke Beweiskraft, gelb=mittlere, violett=schwache. Die restlichen Quellen sind grau markiert. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Beitrag: Wissenschaft oder Glaube? So prüfen Sie Publikationen. | ||











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