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Weintrauben (roh, bio?)

Rohe Weintrauben (Trauben) enthalten viele Vitamine (v.a. bio) und sind frisch, als Saft, getrocknet, gekocht oder vergoren zu Wein/Essig einsetzbar.
81%
Wasser
 95
Makronährstoff Kohlenhydrate 95.36%
/04
Makronährstoff Proteine 3.79%
/01
Makronährstoff Fette 0.84%
 

Die drei Verhältniszahlen zeigen den prozentualen Gewichtsanteil der Makronährstoffe (Kohlenhydrate / Proteine / Fette) der Trockensubstanz (exkl. Wasser).  In der Sprache Englisch sind Ballaststoffe als Bestandteil des Kohlenhydrat-Anteils gerechnet. Die Umrechnung von Gewicht in kcal erfolgt nach dem von der USDA verwendeten "Atwater system". 

Davor ersehen Sie den Wasseranteil, gerundet auf ganze %.

Ω-6 (LA, <0.1g)
Omega-6-Fettsäuren wie Linolsäure (LA)
 : Ω-3 (ALA, <0.1g)
Omega-3-Fettsäuren wie Alpha-Linolensäure (ALA)
 = 0:0

Verhältnis Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren soll insgesamt 5:1 nicht überschreiten. Link zu Erklärungstext.

Werte sind zu klein, um relevant zu sein.

Weintrauben (Vitis vinifera) kann man roh essen, trocknen (um Rosinen zu erhalten) oder zu Wein weiterverarbeiten. Weinreben besitzen gelb-grünliche oder rote Beeren, wobei letztere etwas süsser sind.

Verwendung in der Küche

Durch ihren süss-säuerlichen Geschmack sind rohe Weintrauben ein sehr begehrtes Frischobst. Die für den direkten Verzehr angebauten Trauben nennt man auch Tafeltrauben, sie haben im Vergleich zu Keltertrauben (z.B. für die Herstellung von Wein) grössere Beeren und eine dünnere Schale. In diesem Text behandeln wir die europäischen Traubensorten (für Details siehe das Kapitel Weiterführende Informationen).

Frische Trauben sind roh ein gesunder Zwischensack und schmecken im Obstsalat, Salat oder im Müsli (Erb-Müsli). Auch die Kerne sind roh essbar. Helle und dunkle Trauben unterscheiden sich im Aroma. Das Fruchtfleisch der blauen, violetten und roten Trauben ist süsser und aromatischer als bei den hellen Sorten. Gelbe bis grüne Sorten enthalten mehr Säure und bringen oft eine Muskat-Note mit sich.

In einem Rohkost-Smoothie eignen sich Trauben gut als Quelle von Antioxidantien. Presst man Weintrauben zu Traubensaft, erhält man ein fruchtiges und erfrischendes Getränk. Trauben lassen sich hervorragend zu Konfitüre, Gelee oder Kompott verarbeiten. Auch Sirup lässt sich mit Äpfeln und etwas Zitrone leicht aus ihnen herstellen.

Beliebt sind sie als Dekoration oder Topping, auch in Kombination mit herzhaften Gerichten. Sie machen sich gut auf einem veganen orientalischen Couscous mit Granatapfelkernen, Minze, Basilikum und Rucola. Möchte man Speisen wie Sauerkraut oder anderem Gemüse eine süssliche Note verleihen, eignen sich gekochte rote Trauben sehr gut.

Manche Beeren tragen einen weissen Schleier auf der Fruchtschale. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Schimmel, sondern um einen Duftfilm, der die Traube vor dem Austrocknen schützt und sich gut abwaschen lässt.

Sogenannte Keltertrauben verarbeitet man vergoren zu Wein, Branntwein oder Likör (wie Portwein). Aus dem Pressrückstand, auch Trester genannt, entsteht der Branntwein. Lässt man Wein offen stehen oder gibt Essigsäurebakterien hinzu, entsteht Weinessig (heller Weissweinessig ist leichter im Geschmack als Rotweinessig). Neben dem aus den Kernen gewonnenen Traubenkernöl gibt es auch noch das braun-rötliche und glutenfreie Traubenkernmehl.

Veganes Rezept für Salat mit Weintrauben

Zutaten (für 2 Personen): 1 Kopfsalat (oder Römersalat, Bataviasalat), ½ rote Paprika, 50 g Walnüsse, 40 g frische Weintrauben (bio). Für das Dressing: 2 EL Honig (alternativ Agavensirup), 1 TL Senf, ½ EL Rapsöl, 1 EL Balsamicoessig oder Weissweinessig und 1 EL Wasser.

Zubereitung: Den Salat waschen, Strunk entfernen und klein zupfen. Die Paprika in Streifen schneiden, Walnüsse klein hacken. Alle Zutaten mit den halbierten Bio-Weintrauben in eine Schüssel geben. Honig, Senf, Wasser und Essig in einem Glas vermengen. Öl hinzugeben, mit etwas Salz verfeinern und alles in einer Schüssel vermischen und servieren.

Vegane Rezepte mit Weintrauben finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben".

Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen:
Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler
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Einkauf - Lagerung

Bei Grossverteilern wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Billa, Edeka, Hofer und den Bio-Supermärkten Denn´s Biomarkt und Alnatura gibt es Trauben das ganze Jahr über zu kaufen, häufig als Bio-Weintrauben. In der Hauptsaison von September bis November sind heimische Früchte erhältlich. Ab Juli kommen sie aus Spanien, Frankreich, Griechenland, der Türkei oder den USA. In den Wintermonaten sind Indien und Südafrika die Hauptlieferanten.

Die Verfügbarkeit von Weintrauben ist je nach Grösse des Ladens, Einzugsgebiet etc. unterschiedlich. Bei Interesse klicken Sie auf unsere erfassten Lebensmittelpreise für die D-A-CH-Länder (oben unter dem Zutatenbild). Dort finden Sie aktuelle Preise aus verschiedenen Supermärkten und deren Preisentwicklung.

Tipps zur Lagerung

Bei den Beeren der Weintraube handelt es sich um nicht klimakterische Früchte. Dies bedeutet, sie reifen nach der Ernte nicht nach. Man lagert sie daher am besten bei Zimmertemperatur (4–5 Tage haltbar). Möchte man sie länger geniessen, ist dies bis zu zwei Wochen möglich, indem man sie ungewaschen im Kühlschrank in einem geschlossenen Behälter aufbewahrt. Zu berücksichtigen ist der Aromaverlust bei kühleren Temperaturen. Daher sollten sich die Beeren vor dem Genuss ca. 20 Minuten auf Zimmertemperatur aufwärmen, so erhält man den vollmundigen Geschmack der Trauben wieder zurück. Eine längere Lagerung erlauben getrocknete Trauben (Rosinen bzw. Sultaninen oder Korinthen).

Inhaltsstoffe - Nährwerte - Kalorien

Rohe Trauben haben einen Kaloriengehalt von ca. 69 kcal/100g und bestehen zu ca. 80 % aus Wasser und zu 18 % aus Kohlenhydraten (davon 15 g Zucker). Eiweiss und Fett sind kaum vorhanden.1

Welche Vitamine haben Weintrauben? Vitamin K ist in Weintrauben zu 15 µg/100g enthalten, das macht 19 % des Tagesbedarfs aus. Ähnlich viel haben Artischocken und frischer Karottensaft. Im Vergleich dazu hat Mangold mit 830 µg/100g besonders viel an diesem Vitamin. 100 g Tafeltrauben liefern als weitere Vitamine 0,09 mg Vitamin B6 und 3,2 mg Vitamin C.1

Mit 191 mg Kalium decken 100 g Tafeltrauben 10 % des Tagesbedarfs. Unter den Früchten haben Pfirsiche und Maulbeeren ähnliche Werte. Rohe Avocados haben mit 485 mg/100g noch deutlich mehr davon.1

Neben Kupfer kommen auch die Mikronährstoffe Mangan, Eisen, Zink, Fluor und Selen vor. Die Hauptsäuren von Weintrauben sind die Apfel- und Weinsäure. Im Fruchtfleisch stecken vor allem die Monosaccharide Glucose und Fructose.2,27

Im Vergleich zu Muscadine-Trauben enthalten klassische Weintrauben deutlich mehr Zucker und weniger Ballaststoffe.

Die gesamten Inhaltsstoffe Weintrauben, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen. Im Artikel Nährstoffe umfassend erklärt bekommen Sie einen detaillierten Einblick in das Thema.

Wirkungen auf die Gesundheit

Die gesundheitlichen Effekte von Weintrauben sind auf die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zurückzuführen.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Unser Artikel über sekundäre Pflanzenstoffe bietet einen Überblick über die Klassifizierung der Stoffgruppen, das Vorkommen in Lebensmitteln und mögliche Wirkungen auf den Menschen. Weintrauben enthalten folgende sekundäre Pflanzenstoffe:

  • Isoprenoide: Terpenoide: Triterpenoide (Oleanolsäure); Carotinoide: Carotene (β-Carotin), Xanthophylle (Violaxanthin, Antheraxanthin, Zeaxanthin, Lutein)32

  • Polyphenole: Flavonoide: Anthocyanidine (Cyanidinglykosid, Delphinidinglykosid), Flavanole (Catechine, Epicatechin), Flavonol (Quercetin, Rutin, Morin, Myricetin, Fisetin); Stilbene: Resveratrol; Tannine: Proanthocyanidine; Phenolsäuren: Hydroxyzimtsäuren (p-Cumarsäure, Kaffeesäure, Ferulasäure); Hydroxybenzoesäure (Vanillinsäure, Gentisinsäure, Gallussäure)4,5,31

Sind Weintrauben gesund? Die Weintraube ist eine Frucht mit vielen bioaktiven Komponenten. Die Trauben, der Stiel, die Kerne und die Fruchtschale enthalten u.a. Flavonoide, Polyphenole, Anthocyanidine und Stilbene. In weissen Früchten findet sich ein höherer Gehalt an Flavanolen als in roten. Anthocyanidine (Pigmente) findet man hingegen vorwiegend in roten Trauben.4 Anthocyanidine weisen eine hohe antioxidative Kapazität auf und können freie Radikale im Körper neutralisieren. Der Pflanze selbst dienen Flavonoide als Schutz vor Fressfeinden und vor UV-Strahlung. Extrakte aus Kernen zeigen antikarzinogene und antibakterielle Wirkungen auf den menschlichen Organismus.3 In einer In-vivo-Studie tranken 20 Probanden über 14 Tage 7 ml roten Traubensaft pro kg Körpergewicht und pro Tag. Die WissenschaftlerInnen geben aufgrund des hohen Flavonoidgehalts und deren antioxidativen Eigenschaften eine geringere Thrombozytenaggregation im Vollblut an, wodurch eine kardioprotektive Wirkung besteht.5

Das Polyphenol Resveratrol zeigt antioxidative und krebshemmende Wirkung. Eine synthetische Variante ist seit 2016 als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Der entzündungshemmende Stoff kommt vorwiegend in der Schale von roten Weintrauben vor. 2021 untersuchten WissenschaftlerInnen die physiologische Wirkung von Resveratrol in roten Weintrauben und dem japanischen Staudenknöterich in einem Zellversuch. Es ist bekannt, dass bei einer bakteriellen Infektion Zellen Entzündungsmarker wie Interleukin-6 als Signalsubstanz von Immunreaktionen freisetzen. Bei der Anwendung von Resveratrol konnte man einen Rückgang von Interleukin-6 um 70 % beobachten. Daher ist davon auszugehen, dass Resveratrol die Freisetzung von Signalstoffen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind, deutlich vermindert und entzündungshemmend wirkt.6

Trauben enthalten oligomere Proanthocyanidine (OPCs). Dies sind gesundheitsfördernde, phenolische Verbindungen, wie zum Beispiel die in den Samen befindlichen Procyanidinpolymere oder die in der Schale vorliegenden Prodelphinidine (auch Tannine genannt).4,7 Diese sekundären Pflanzenstoffe zeigen eine antioxidative, antikarzinogene, antibakterielle und antivirale Wirkung und sind daher auch in Form von Präparaten (Extrakte aus Traubenkernen) ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel.8 Eine Studie zeigt, dass Proanthocyanidine bei roten Blutkörperchen, die durch UV-B-Strahlung oxidativem Stress ausgesetzt sind, den Abbau von Vitamin E hemmen und die Auflösung von roten Blutkörperchen (Hämolyse) verhindern. Proanthocyanidin zeigt in In-vitro-Versuchen eine bessere antioxidative Wirkung als Vitamin C und E.9

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen

Weintrauben gelten als gut verträglich, Nebenwirkungen treten selten auf. In grossen Mengen können sie jedoch abführend wirken. Der Ballaststoffgehalt und Zuckeralkohole (Xylit oder Sorbit) können zu Durchfall oder Blähungen führen. Menschen mit Verdauungsproblemen sollten auf die leichter verdaulichen kernlosen Trauben zurückgreifen.

Es können allergische Reaktionen aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts bei Menschen mit Fructoseintoleranz auftreten und Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz und Schwellungen hervorrufen.14

Konventionelle Trauben sind oftmals mit Pestizidrückständen belastet. Diese können Hautausschläge oder andere allergische Reaktionen hervorrufen. Auch wenn man diese Trauben vor dem Verzehr abwäscht, kann man nur einen Teil davon entfernen, denn viele Pestizide sind tief in die Schale eingedrungen.15

Der hohe Kupfereinsatz (auch in der ökologischen Landwirtschaft als Fungizid gängig) und seine Auswirkung auf die Umwelt sowie die menschliche Gesundheit führen immer wieder zu Diskussionen. Kupfer kommt seit ca. 150 Jahren als anorganischer Wirkstoff, z.B. zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Pernospora viticola), zum Einsatz und gelangt in den Boden und das Grundwasser. Ein Überschuss an Kupfer im Boden wirkt sich toxisch auf Gewässerorganismen aus.10 Seit 2006 ist die Kupfergabe im Weinbau auf 8 kg/ha und Jahr begrenzt, um die Kupferbelastung im Boden zu reduzieren. In der EU-Bio-Verordnung sind 6 kg Reinkupfer/ha/Jahr erlaubt, viele biologische Verbände geben aber ein Maximum von 3 kg/Jahr an.11 Man nimmt Kupfer nicht nur über die Früchte, sondern auch über das Trinkwasser auf. Man sollte die empfohlene Kupferaufnahme von 1-1,5 mg pro Tag beachten (D-A-CH-Referenzwerte),12 um einen Kupferüberschuss und damit verbundene Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden.13

Verwendung als anerkannte Heilpflanze

Hauptsächlich Weinblätter finden in Form von Tee zur Symptombehandlung bei Durchfall, Entzündungen der Mundschleimhäute, Blutergüssen, Erbrechen, Hautausschlägen oder Krampfadern als Heilpflanze Verwendung. Rote Blätter (Vitis viniferae folium rubrum) wendet man bei Venenleiden, schweren Beinen oder Durchblutungsstörungen an. Eine Studie mit einem auf dem Markt erhältlichen Präparat prüfte die Wirkung der Hauptflavonoide Quercetin-3-O-beta-Glucuronid und Isoquercitrin (Quercetin-3-O-beta-Glycosid) in roten Weinblättern bei Patienten mit chronischer Veneninsuffizienz (CVI). Nach der Einnahme der Venenkapseln nahmen Schmerzen und Spannungsgefühl ab. Ebenso gingen die Ödeme an den Beinen der Patienten deutlich zurück.16

Volksmedizin - Naturheilkunde

Die Ägypter verwendeten Trauben oder Rosinen bei Verdauungsbeschwerden als natürliches Abführmittel. Heute weiss man, dass die Kombination aus Zellulose, Säure und Fruchtzucker abführend wirkt. In der Antike nutzte man sie als diuretisches Mittel (zum Entwässern). Reife Trauben halfen damals ausserdem bei Gefässerkrankungen, Verstopfung, Fettleibigkeit und Leberleiden.

Ein edler Tropfen ist auch das sogenannte Rebwasser (Rebstocksekret, Rebträne, Blutungssaft). Es tritt an Schnittstellen am Rebstock aus, bevor er neu austreibt, und dient zur Selbst-Desinfektion der Pflanze. Es verhärtet mit der Zeit, um die "Wunde" der Rebe für Bakterien zu verschliessen. In der Volksmedizin kommt es bei Augenleiden und Ohrerkrankungen zur Desinfektion zum Einsatz. 1993 bestätigte ein chemisches Institut die desinfizierende und antibakterielle Wirkung aufgrund der Stoffe Cineol, alpha-Terpineol oder Thymol.17

Ökologischer Fussabdruck- Tierwohl

Der ökologische Fussabdruck von Weintrauben ist abhängig vom Herkunftsland, der Anbauweise und der Verpackung. Für die Produktion von 1 kg saisonalen Trauben aus Deutschland oder Italien entstehen 0,3 kg CO2eq/kg.29 In europäischen Supermärkten sind Tafeltrauben neben Äpfeln und Orangen ein sehr begehrtes Obst - auch in den Wintermonaten. Zwischen Januar und Mai kommen Trauben jedoch vorwiegend von anderen Kontinenten, aus Ländern wie Indien und Südafrika, nach Europa. Eine PET-Schale mit 500 g Trauben aus diesen Ländern gelangt mithilfe eines gekühlten Containerschiffs, Lastwagens und PKWs der Konsumenten ins Haus: dies mit dem doppelten CO2-Fussabdruck (0,66 kg CO2eq/kg) gegenüber saisonalen, regionalen Trauben. Das grösste Einsparungspotenzial an Emissionen liegt bei Weintrauben aus Übersee im Ersatz der PET-Schalen durch Plastikbeutel,18 idealerweise kauft man Trauben jedoch saisonal und möglichst regional im Offenverkauf.

Die benötigte Wassermenge zur Produktion von 1 kg Trauben beträgt 608 Liter.30 In Ländern, die aufgrund der klimatischen Verhältnisse mit Wasserknappheit zu kämpfen haben und zur Bewässerung der Trauben auf künstliche Bewässerung zurückgreifen, wirkt sich dies besonders stark auf den ökologischen Fussabdruck aus (z.B. Italien).19 Im Hinblick auf den Biodiversitätsverlust durch die Wassernutzung schneiden Tafeltrauben aus den USA pro Kilo mit 588 gPDF-eq*a (global potentially disappeared fraction of species equivalent / year) ab; Spargeln aus Mexiko (1768 gPDF-eq*a pro Kilo) und Bananen aus Peru (720 gPDF-eq*a pro Kilo) stehen noch schlechter da. Tafeltrauben aus Italien sind bezüglich des Wasserverbrauchs mit 42 gPDF-eq*a pro Kilo deutlich schonender für die Umwelt.19

Ausführliche Erläuterungen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsindikatoren (wie z.B. ökologischer Fussabdruck, CO2-Fussabdruck, Wasser-Fussabdruck) lesen Sie in unserem Artikel: Was bedeutet der ökologische Fussabdruck?

Tierschutz - Artenschutz

Pflanzenschutzmittel stehen sowohl im Weinbau als auch im Tafeltraubenanbau immer wieder in der Kritik. Ein Problem ist, dass es keine gesetzliche Grenze für Mehrfachrückstände gibt. Es erfolgt nur die Ermittlung von Einzelrückständen. In Versuchen von 2020 sind 13 verschiedene Wirkstoffe auf einer Tafeltraubenprobe aus Italien nachzuweisen (dabei fanden Testungen an 34 Proben, davon 26 mit grünen Trauben und 8 mit roten, auf Pestizidrückstände statt). Es gab auch Rückstände an italienischen Bio-Proben, die aufgrund der geringen Gehalte als "Abdrift" gelten (das nachgewiesene Insektizid hat in den D-A-CH-Ländern keine Zulassung). Generell erfolgte bei 94 % der Proben aus Italien, Brasilien, Peru, Griechenland und Spanien der Nachweis von Pestiziden.20 Pestizide sind in unterschiedlichem Mass nachweislich schädlich für Boden, Oberflächengewässer, Grundwasser, Landlebensräume, Pflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere.21 Daher ist beim Kauf von Tafeltrauben auf Früchte aus biologischer Landwirtschaft zu achten, um die Umwelt nicht zusätzlich zu belasten.

Weltweites Vorkommen - Anbau

Die Weinrebe, Vitis vinifera, ist eine Rebsorte mit Genzentren im Mittelmeerraum und Westasien. Als älteste domestizierte Kulturpflanze mit mehr als 10'000 verschiedenen Sorten ist sie seit Tausenden von Jahren im Weinberg für die Weinherstellung bekannt.22 Archäologische Funde in Georgien und im Niltal deuten darauf hin, dass die Weinherstellung ab 6000 vor Chr. stattfand.23 Die Ausbreitung erfolgte weiter durch die Phönizier, Griechen und Römer in der Antike. Vor allem die Griechen und Römer nutzen die Rebe nicht nur für den Weinbau, sondern auch als Nahrungsquelle. Sie begannen, neue Rebsorten zu züchten, und der Weinbau verbreitete sich auch in Europa. Im 15. und 16. Jh. kam die Weinrebe nach Amerika und schliesslich nach Lateinamerika in die Regionen Chile und Argentinien. Die heutigen Hauptanbaugebiete von Tafeltrauben in Europa sind Italien, Spanien, Griechenland und die Türkei. In den Wintermonaten importiert man aus Südafrika oder Indien.24

Wild zu finden

Wilde Trauben findet man nur mit etwas Glück und, wenn es sich um einen ehemals kultivierten und verwilderten Rebstock handelt. Da Pflege und Kulturmassnahmen ausbleiben, sind die Beeren an verwilderten Rebstöcken in der Regel deutlich kleiner.

Verwechslungsgefahr

Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) oder auch die Dreilappige (Dreispitzige, Dreiblättrige) Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata) sehen der Weinrebe (Vitis vinifera) ähnlich,25 denn sie gehören alle zur Familie der Weinrebengewächse.25 Ihre deutlich kleineren Früchte sind schwarz-blau, die Blattstiele sind im Herbst rötlich gefärbt und die Blätter sind dreifiedrig und kleiner als bei Vitits vinifera. Ein Verzehr dieser Beeren kann bei grösseren Mengen aufgrund der hohen Gehalte an Oxalsäure Vergiftungserscheinungen hervorrufen, weshalb man sie als leicht giftig einstuft. Zu den Symptomen gehören Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden und übermässiger Harndrang.26

Anbau - Ernte

Die Weintraube ist eine sommergrüne, selbstbefruchtende, holzige und lianenartige Pflanze. Sie kann mithilfe ihrer zwei- oder mehrarmigen Ranken bis zu 35 m hochklettern. Die Reben blühen von Mai bis Juni. Daraufhin beginnt die Fruchtentwicklung. Ihre Früchte sind Beeren, die kugelig bis oval geformt sind und grün, gelb, rosa, violett oder schwarz sein können. Die Reifezeit der Weintrauben beginnt im August, sie erreichen eine Grösse von 0,6 bis 2,2 cm.27 Die Trauben sind in der Vollreife am genussvollsten und daher optimal zu ernten. Bei Tafeltrauben sind kernlose (parthenokarpe) Früchte sehr beliebt, dies ist durch eine ausbleibende Befruchtung möglich (Jungfernfrüchtigkeit). Kernlose Trauben können auch künstlich mithilfe von Hormonen wie Auxinen entstehen.24

Als Kletterpflanze wächst die Weintraube ideal an einer Hauswand, an Mauern oder einem Spalier. Jedoch ist sie als Tiefwurzler eher nicht für das Pflanzen in Töpfen geeignet. Im Handel sind vorkultivierte Reben (Containerpflanzen) erhältlich. Diese können sich auch in Töpfen gut entwickeln. Weintrauben gedeihen bei recht hohen Temperaturen (durchschnittlich 8,5 °C, ideal sind 11-16 °C) und an windgeschützten Standorten. Regelmässiges Giessen begünstigt eine gute Fruchtentwicklung, aber Staunässe ist zu vermeiden. Schneiden Sie ab dem 2. Standjahr die Triebe (nach den Winterfrösten) in die gewünschte Form (Erziehungsform) zurück.

Einen veredelten Rebstock pflanzt man so tief, dass die Veredelungsstelle mind. 5 cm über dem Boden liegt. Sonst kommt es zur Wurzelbildung am Edelreis oder zum Abstossen der Unterlage. Im Weinbau spricht man von Veredelung, wenn eine resistente Sorte (resistent gegen die Reblaus) als Unterlage und Wurzelstock dient. Mittels spezieller Schnittformen pfropft man die früchtetragende Sorte (Edelreis) auf die Unterlage.28

Achten Sie auf die Gesundheit der Blätter, bei Vergilbung, Pilz- oder Virusbefall ist das Ausdünnen der Blätter die erste Massnahme. Dies gilt auch für die Früchte: Kleine und faulige Beeren sind auszudünnen. Wenn alles gelingt, findet die erste Ernte der Trauben im zweiten Standjahr statt.

Im Weinberg erfolgt die Traubenernte je nach Sorte und Klima im späten Sommer oder zu Herbstbeginn. Die physiologische Reife ist erreicht, wenn die Fruchtschale dünn, die Kerne braun sind und das Fruchtfleisch saftig und süss schmeckt. Ausserdem lassen sich reife Früchte leicht von den Stielen lösen. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Fruchtstiele anfangen zu verholzen. Den optimalen Erntezeitpunkt ermittelt man am besten über den Geschmack. Beim Pflücken ist darauf zu achten, die Früchte möglichst vorsichtig zu behandeln und möglichst wenig zu beschädigen, um schnellen Verderb zu vermeiden.

Weiterführende Informationen

Die Weinrebe gehört zur Gattung Vitis, die man in zwei Untergattungen einteilt. Zum einen die Vitis subg. Muscadinia mit 3 Spezies und die Vitis subg. Euvitis mit 60 Spezies. Diese sind in drei Gruppen nach ihrem geografischen Vorkommen unterteilt: die asiatische, amerikanische und die europäische Gruppe. Die europäische Vitits vinifera ist am bedeutendsten für den Weinbau und Tafelanbau. Für die Herstellung von Saft sind vor allem die Hybrid-Sorten der amerikanischen Vitis labrusca beliebt. Amerikanische Sorten sind für die Züchtung und Kreuzung interessant, da sie oftmals reblausresistent oder tolerant gegen einige Pilzarten sind.24

Alternative Namen

Umgangssprachlich bezeichnet man die Früchte der Weinrebe als Weinbeeren, Weintrauben oder Trauben. Als Frischobst nennt man die Beere Tafeltraube. Im Englischen heisst die Weintraube grape. Ist die Rede von Sultanine, Korinthe oder Zibebe, ist die Rosine gemeint.

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