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Kartoffel, weiss, Fruchtfleisch und Schale, roh

Kartoffeln mit weissem Fruchtfleisch kauft man meist roh mit Schale, wo möglich in Bio-Qualität. Moderne Sorten haben einen niedrigen Solaningehalt.
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Viele der weltweit angebauten Kartoffeln (Solanum tuberosum L.) besitzen ein weisses Fruchtfleisch und sind ein oft verwendetes, stärkereiches Grundnahrungsmittel. Roh sind sie nur in geringen Mengen essbar. Hier setzen wir den Fokus auf die vorwiegend festkochenden Kartoffelsorten.

Verwendung in der Küche:

Die weisse Kartoffel ist vielseitig einsetzbar und kommt praktisch überall auf der Welt auf den Teller. Aufgrund ihres Kochverhaltens teilt man auch weisse Kartoffelsorten in unterschiedliche Kochtypen ein. Je nach Verwendungszweck ist ein anderer Kochtyp zu wählen. Der Stärkegehalt ist abhängig von Sorte, Witterung und Reife und variiert häufig. Je nach Quelle sind die Werte unterschiedlich - hier daher auch als ungefähre Zahlen angegeben:

  • Welche Kartoffelsorten sind festkochend? Festkochende Speisekartoffeln besitzen ein eher feuchtes Fruchtfleisch und sind meist länglich bis oval geformt. Der Stärkeanteil ist mit ca. 10-14 %5,10 eher gering, wodurch die Schale während des Kochvorgangs intakt bleibt und nicht aufplatzt. Zu den festkochenden Kartoffeln gehören z.B. Charlotte, Nicola, Linda, Agata (Frühkartoffel). Diese Sorten sind ideal für die Zubereitung von Kartoffelsalat, Gratin, Bratkartoffeln oder Pellkartoffeln.
  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln hingegen weisen einen Stärkeanteil von rund (13 oder) 14-16 %5,10 auf und liegen damit im Mittel. Sie sind für sehr viele Rezepte geeignet. Bekannte Sorten sind z.B. Laura, Marabel oder Toscana. Mit diesen Knollen gelingt sowohl ein Kartoffelpüree als auch Bratkartoffeln, Pellkartoffeln oder Ofenkartoffeln.
  • Mehlig kochende Kartoffeln fallen nach dem Garen fast auseinander und weisen den höchsten Stärkeanteil auf: zwischen 16 und 18 %.10 Zu den beliebten Sorten gehören z.B. Ackersegen, Adretta, Agria, Gunda oder Russet. Daraus lassen sich Speisen wie Kartoffelpüree, Knödel und Gnocchi herstellen. Sie sind ebenso geeignet für Suppen und Eintöpfe.

Im Handel kennzeichnet man die Kochtypen mit Buchstaben (A-C bzw. D).5,7 Details dazu erfahren Sie hier.

Am vielfältigsten lassen sich die vorwiegend festkochenden Speisekartoffeln einsetzen. Man verarbeitet sie zu Backkartoffeln oder baked potatoes (im Ofen oder auf dem Grill), Ofenkartoffeln, Kartoffelpuffern, Pommes, Kartoffelgratins, Eintöpfen, Salzkartoffeln - und je nach Geschmack zu Pellkartoffeln (Schale platzt leicht auf) oder Suppen. Sie ergeben aber auch einen leckeren Kartoffelsalat (eher gewürfelt als in Scheiben geschnitten, da sie gern zerfallen). Mehlig kochenden Kartoffeln hingegen fehlt die nötige Struktur, um im Salat die Form zu behalten. Ein Kartoffelpüree aus festkochenden Kartoffeln wirkt dafür kleistrig statt luftig und locker. Für die Zubereitung von Gnocchi oder Kartoffelnocken ist hier mit einer Zugabe von mehr Mehl zu rechnen als bei mehlig kochenden Sorten.

Für Gerichte wie Bratkartoffeln, Gratins, Ofenkartoffeln oder Eintöpfe kann man sowohl rohe als auch gekochte Kartoffeln als Basis verwenden. Hingegen muss man sie für Kartoffelsalat, Suppen, Nocken oder Kartoffelgnocchi erst vorkochen, damit das Rezept gelingt.

Abhängig vom gewählten Kartoffelgericht empfiehlt sich jeweils ein anderes Gewürz, um das Aroma besonders hervorzuheben. Die Muskatnuss ist gut geeignet für salzige Rezepte mit cremiger oder weicher Konsistenz, beispielsweise Suppen, Nocken, Gnocchi oder Püree. Für in den Ofen oder auf den Grill passen kräftige Aromen aus frischen Kräutern wie Rosmarin oder Thymian. Gern reicht man zur Pellkartoffel eine frische Quarksauce: Neben Salz und Pfeffer können zusätzlich frischer Schnittlauch, Petersilie, Knoblauch und feingehackte Zwiebeln zum Zug kommen. Reicht man Kartoffeln als Stärkebeilage zu Fisch, passt z.B. Dill. Bei einer süssen Variante harmoniert die Kartoffel zusammen mit dem Geschmack der Vanille.

Haben Kartoffeln grüne Stellen oder Keime, entfernen Sie diese vor dem Kochen grosszügig: Sie weisen auf einen höheren Solaningehalt hin. Das Alkaloid Solanin befindet sich hauptsächlich an solchen Stellen und in der Schale. Im Fruchtfleisch ist es weniger konzentriert.2,3 Schmecken die Knollen bitter, entsorgen Sie sie bitte.2 Grundsätzlich empfehlen wir, die Kartoffeln mit Schale zuzubereiten und nur schonend zu kochen oder zu dünsten, um den Nährstoffverlust gering zu halten. Zudem bleibt die Energiezufuhr niedriger als bei einer Zubereitung mit Fett. Solanin ist hitzebeständig, aber wasserlöslich: Es geht zum Teil ins Kochwasser über. Somit ist dieses ungeeignet für die weitere Verwendung und zu entsorgen.2,4

Bei der Zubereitung mit hoher Hitzezufuhr (Frittieren oder Braten) entsteht der giftige Stoff Acrylamid durch die Maillard-Reaktion.16 Reduzieren lässt sich dieser Vorgang durch den Einsatz von Kartoffeln mit einem geringeren Stärkegehalt (festkochende Kartoffeln), durch die im Handel speziell für hohe Temperaturen ausgewiesenen Knollen oder am besten durch eine schonendere Zubereitungsart. Bitte beachten Sie: Je dunkler die Kruste ausgebildet ist, desto mehr Acrylamid hat sich entwickelt.8,9,16

Rohe Kartoffeln sind nur in kleinen Mengen bekömmlich, ausser, man presst sie zu Kartoffelsaft. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie bei der Zutat Kartoffel, Fruchtfleisch und Schale, roh.

Veganes Rezept für Kartoffelgratin aus weissen Kartoffeln:

Zutaten (für 4 Personen): 1,2 kg Kartoffeln (vorwiegend festkochend), 1 Knoblauchzehe (geschält und halbiert), 50 g vegane Butter (oder neutrales Pflanzenöl), 200 ml Hafersahne, 200 ml Hafermilch, Muskatnuss, Salz, Pfeffer, Thymianblätter und/oder Rosmarinnadeln (gehackt), Backpapier, etwas grösser als die Auflaufform.

Zubereitung: Backofen vorheizen auf 170 °C Ober- und Unterhitze. Hitzebeständige Auflaufform der Grösse 25x20 cm gleichmässig mit einer halben Knoblauchzehe einreiben. Die andere Hälfte durch die Knoblauchpresse drücken oder feinschneiden. Danach mit veganer Butter oder Pflanzenöl einreiben. Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden (1-2 mm). Sind die Scheiben dicker, verlängert sich die Backzeit. Die Kartoffelscheiben fächerförmig übereinander in die Auflaufform schichten. Zwischendurch leicht salzen. Hafersahne, Hafermilch, geriebene Muskatnuss, gepresste Knoblauchzehe und Kräuter in einer Schüssel mischen und über die geschichteten Kartoffeln giessen. Mit der restlichen veganen Butter oder dem Pflanzenöl leicht toppen. Backpapier unter fliessendem Wasser nass machen und passend über die Schale packen. Auflaufform in den Ofen schieben und während 20 Minuten backen. Dann das Backpapier entfernen und nochmal 30 Minuten backen. Auf eine goldgelbe Farbe der Kartoffeln achten. Nach 50 Minuten Backzeit mit einem Holzspiess testen, ob die Kartoffeln gar sind. Wenn nicht, noch einmal 10 Minuten weiterbacken - wenn nötig, mehr Backpapier darauflegen.

Veganes Rezept für Kartoffelsalat aus weissen Kartoffeln:

Zutaten (für 4 Personen): 1 kg Kartoffeln (vorwiegend festkochend), 2 Bund (ca. 40g) Kräuter (z.B. Schnittlauch, Petersilie, Dill), 5 Gewürzgurken und 5-10 EL Gurkenwasser (je nach Geschmack), 4 EL Kichererbsen- oder Mandelmus (hell), 1 TL mittelscharfer Senf, Salz, Pfeffer.

Zubereitung: Kartoffeln mit Schale entweder im Dampfkochtopf (ca. 10 Minuten auf 1. Stufe) oder im Salzwasser (ca. 20 Minuten) weich kochen. Kochwasser abgiessen, Kartoffeln kalt abspülen (erleichtert das Schälen) und abkühlen lassen. Gurken fein würfeln. Kräuter waschen, trockenschütteln und fein hacken. Einen Teil zur Seite stellen für die Dekoration. Mandel- oder Kichererbsenmus mit dem Gurkenwasser und dem Senf zu einer cremigen Sauce vermischen. Die noch warmen Kartoffeln schälen und in gleichgrosse Stücke schneiden. Jetzt die Kartoffeln mit der cremigen Sauce, den frischen Kräutern und den gewürfelten Gurken sorgfältig mischen. Ist der Salat noch zu trocken, kann man mehr Gurkenwasser oder Hafermilch beigegeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zuletzt mit den beiseitegestellten Kräutern bestreuen.

Vegane Rezepte mit Kartoffeln mit weissem Fruchtfleisch finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben" (ganz unten oder nebenan).

Einkauf - wo kaufen?

Kartoffeln mit weissem Fruchtfleisch sind unabhängig von der Jahreszeit bei sämtlichen Lebensmittelhändlern wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Hofer etc. und in Bio-Supermärkten (Alnatura, Denn's Biomarkt), Naturkostläden sowie Reformhäusern erhältlich. Was saisonal einen Unterschied macht, ist die Sorten-Auswahl. Am Wochenmarkt ist die Sortenvielfalt der Kartoffeln oft überraschend gross und man kann kleine Mengen zum Ausprobieren kaufen. Welchem Kochtyp die jeweils angebotene Kartoffel zugeordnet ist, muss der Händler auf der Verpackung ersichtlich machen oder auf dem Verkaufsschild anbringen.

Frühsorten kommen ab Anfang Juni in den Handel. Sie benötigen 90 bis 120 Tage Vegetationszeit und zeichnen sich durch eine dünne Schale aus (rasch zu verbrauchen). Deshalb sind sie oft in kleinen Einheiten erhältlich. In der Regel bietet der Handel die grösseren Beutel ab 2,5 kg erst wieder an, wenn die länger haltbaren Knollen vorliegen. Die mittleren Sorten, auch Einkellerungs- oder Lagerkartoffeln genannt, kommen ab August in den Handel.

Achten Sie beim Kauf der Knollen darauf, dass sie frisch und knackig aussehen und nicht weich oder schrumpelig. Sie sollen keine grünen Stellen aufweisen oder Keimlinge gebildet haben. An diesen Merkmalen lässt sich die Qualität beurteilen.

Weisse Kartoffeln in Bio-Qualität sind in den meisten gängigen Läden Bestandteil des Angebotes. Der Kauf lohnt sich aus mehreren Gründen. Die aus biologischem Anbau stammenden Kartoffeln enthalten bis zu 30 % weniger Nitrat als Kartoffeln aus herkömmlichem Anbau. Dadurch, dass die Kartoffel weniger Dünger erhält, wächst sie langsamer und lagert weniger Wasser ein. So entsteht ein feines, nussiges Aroma und die Knolle lässt sich länger lagern.

Wild zu finden:

Zwar kommt es vor, dass sich vergessene oder liegengebliebene Kartoffeln auf Feldern oder in Gärten wild über die Knollen weitervermehren; doch dies bleiben nach wie vor kultivierte, gezüchtete Speisekartoffeln (nicht wild im eigentlichen Sinn). Wildarten der Kartoffel kommen nur in Nord- und Südamerika vor. Dort wachsen etwa zweihundert wilde Kartoffelarten. Diese kreuzen sich untereinander mehr oder weniger stark.Für die Kulturkartoffelzucht sind diese wilden Sorten interessant, da sie zum Teil Resistenzen gegen Krankheiten aufweisen. Mit konventionellen Züchtungsmethoden ist es oft schwierig und langwierig, gewünschte Merkmale in die Kulturkartoffeln einzukreuzen. Mehr zum Thema Züchtungsmethoden finden Sie im Kapitel "Ökologische Aspekte".

Lagerung:

Damit sich Kartoffeln lagern lassen, benötigen sie eine längere Reifezeit. Sie bleiben mindestens von April bis August in der Erde und kommen als mittelfrühe Kartoffeln in den Handel. Zu diesen Sorten gehören die typischen Einkellerungskartoffeln, die eine Lagerung bis zum Jahresende gut vertragen. Um Kartoffeln über den gesamten Winter lagern zu können, nimmt man komplett ausgereifte Exemplare, die den Stärkeaufbau eingestellt haben. Ihre Bezeichnung lautet mittelspäte (Ernte Ende August) oder späte Sorte (Ernte Mitte bis Ende Oktober). Nach dem Absterben des Kartoffelkrautes sollte man sie noch zwei bis drei Wochen in der Erde lassen. Dann erst setzt die eigentliche Ausbildung der schützenden, dicken Schale ein. Je reifer die Knolle ist, umso dunkler und dicker entwickelt sich die Schale.11,12

Moderne Haushalte verfügen meist über beschränkten Lagerplatz und sind hinsichtlich der Temperaturen ungeeignet für die Lagerung von Kartoffeln. Selbst im Keller ist es kaum kühler als 16 °C, die Kartoffel benötigt aber zwischen 4 bis maximal 10 °C. Zusätzlich soll die Umgebung eher trocken sein. Wer über entsprechende Lagermöglichkeiten verfügt, findet hier detaillierte Angaben zur optimalen Lagerung.

Inhaltsstoffe - Nährwert - Kalorien:

Welche Stoffe enthalten Kartoffeln? Je nach Kartoffelsorte reicht der Stärkegehalt von 10 bis 18 g/100g. Dementsprechend verändert sich der Wassergehalt der Kartoffel leicht: Mehr Stärke führt zu einem geringeren Anteil an Wasser. Dieser Unterschied fällt jedoch gering aus (78,58 g/100g bei mehlig kochenden Sorten wie Russet gegenüber der vorwiegend festkochenden Kartoffel mit 81,58 g/100g).14

Auch der Energiewert verändert sich beim Vergleich der beiden Sorten nur unwesentlich. Bei mehlig kochenden Kartoffelsorten liegt der Brennwert bei rund 79 kcal/100g, bei vorwiegend festkochenden Exemplaren zeigt sich ein Wert von 69 kcal/100g. Die Kartoffel zählt mit <1 g Fett pro 100 g zu den fettarmen Nahrungsmitteln. Sojabohnen beispielsweise weisen einen Fettanteil von 20 g/100g auf. Der Eiweissanteil von 2 g/100g ist ebenfalls gering, er gilt aber für den menschlichen Körper als gut verwertbar.

Die Kartoffel besitzt aufgrund dieser Eigenschaften vielerorts einen guten Ruf als Kalorienlieferant. Man darf jedoch nicht ausser Acht lassen, dass sie deutlich weniger Ballaststoffe liefert als beispielsweise Borlotti-Bohnen, die mit 25 g/100g beinahe den gesamten Tagesbedarf decken. Daher lassen sich beide Nahrungsmittel gut miteinander kombinieren. Für eine ausgewogene, gesunde Ernährung empfehlen wir, weniger Kartoffeln und mehr Gemüse, Samen und Nüsse sowie Vollkornprodukte oder Pseudocerealien wie Buchweizen oder Quinoa zu wählen.

Häufig zitiert man die Kartoffel als wichtigen Lieferanten von Vitamin C. Diese Substanz ist aber stark hitzeempfindlich und löst sich im Wasser. Im rohen Zustand enthält die Kartoffel zwar 20 mg/100g, was tatsächlich höher liegt als bei der reifen Kaki (16 mg/100g). Nach dem Kochen lässt sich aber nur noch ein Gehalt von 13 mg/100g in der Kartoffel nachweisen. Bei einer gesunden, abwechslungsreichen Ernährung, die in der Hauptsache auf pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukten basiert, ist Vitamin C jedoch gut abgedeckt.

Die gesamten Inhaltsstoffe von Kartoffeln mit weissem Fruchtfleisch, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen im CLICK FOR vor dem Text.

Gesundheitliche Aspekte - Wirkungen:

Wie gesund ist die Kartoffel? So vielfältig wie die Kartoffel in der Zubereitung ist (siehe Kapitel Verwendung in der Küche), variiert auch ihr gesundheitlicher Wert. Als Pommes, Bratkartoffeln oder frittierte Kroketten zählt sie durch den hohen Fettgehalt zu den ungesunden Beilagen. Ausserdem setzt man hier für die Zubereitung hohe Temperaturen ein, um eine Kruste zu erhalten. Dadurch entsteht der toxische Stoff Acrylamid.

In anderer Zubereitungsform bringen Kartoffeln hingegen einen Mehrwert als Aufbaukost bei Magen-Darm-Problemen, z.B. ausgelöst durch Infekte, Entzündungen oder Operationen. Sind Kartoffeln gut für den Darm? Durch den geringen Fett- und Proteinanteil wirken sie als guter Sattmacher, ohne die Verdauung zu belasten. Ebenso wie Reis gilt die Kartoffel als allergen- und reizarm, was sie bei einer unspezifischen Nahrungsmittelallergie zu einem neutralen Energie- und Eiweisslieferanten macht.13 Ihre basische Wirkung neutralisiert die schmerzende Säure im Magen und hilft durch die alkalisierende Wirkung zu heilen. Nach einem Magen-Darm-Infekt ist die Kartoffel zusammen mit Reis eines der ersten stärkehaltigen Nahrungsmittel, das geeignet ist, um den Verdauungstrakt wieder zur normalen Funktion zurückzuführen.

Während des Kochvorgangs beginnt sich die Stärke durch die Hitzeeinwirkung ab ungefähr 62,5 °C mit dem in der Kartoffel enthaltenen Wasser zu verbinden.15 Die komplexe Stärke verkleistert. Durch die veränderte Struktur der Stärke zeigt sich die Kartoffel nun weich und bekömmlich. Kühlt man die gekochte Knolle ab, um sie weiterzuverarbeiten (z.B. zu Kartoffelknödeln, Rösti, Kartoffelsalat oder Bratkartoffeln), bildet sich aus der gequollenen, erkalteten Stärke die sogenannte resistente Stärke. Sie gilt oft als ideale Zubereitungsform beim Wunsch nach Gewichtsreduktion, da die Stärke in dieser Form für unseren Körper nur noch zum Teil verwertbar ist. Doch diese Abkühlung reduziert die Kalorienzahl nur unwesentlich.

Auch äusserlich angewendet findet die Kartoffel ihre Einsatzgebiete, zum Beispiel in Form von Kartoffelwickeln bei Husten, Augenauflagen bei gereizten oder überanstrengten Augen oder Wärmeauflagen bei Durchblutungsproblemen oder müden Beinen. Mehr zu diesem und anderen gesundheitlichen Themen finden Sie hier.

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen:

Die Entstehung von Acrylamid durch hohe Hitzezufuhr bezeichnet man als Maillard-Reaktion. Das Entdecken dieser Substanz hat dazu geführt, dass sich die Behörden in verschiedenen Staaten bemühen, diesen vermutlich krebserregenden Stoff für die Bevölkerung in Nahrungsmitteln zu reduzieren.16 Umfangreiche Informationen für die Bevölkerung, wie auch angepasste Fertigprodukte, gehören zu diesem Projekt. Durch die entsprechende Kennzeichnung der Kartoffeln erkennt man, für welche Zubereitungsart sie einzusetzen sind. Dadurch soll Acrylamid weniger zu gesundheitlichen Problemen in der Bevölkerung führen.9

Die heute kultivierte Kartoffel (moderne Kartoffelsorten) weist durchschnittlich 7-10 mg/100g am toxischen Glykoalkaloid Solanin auf. Nach einem Vergiftungsfall im Jahr 2015 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung die Senkung des Grenzwerts von 20 mg/100g auf maximal 10 mg/100g gefordert.1 Daraus lässt sich ableiten, dass man erst nach einem Konsum von rund 2,8 kg Kartoffeln die gefährliche Menge erreicht (200 mg Solanin), um erste Vergiftungserscheinungen zu erleiden (siehe Wikipedia).17

Auch wenn es grundsätzlich korrekt ist, dass die Kartoffel weniger Kalorien liefert als Reis oder Teigwaren, muss beachtet bleiben, dass die Kalorien in Form von Stärke vorliegen. Diese wandelt sich durch enzymatischen Abbau in Zucker um.

Mehr Information über diese Aspekte finden Sie hier.

Volksmedizin - Naturheilkunde:

Wie kalte bzw. heisse Kartoffelwickel bei Augenschwellungen und dunklen Augenringen bzw. Husten und arthrotischen Beschwerden helfen können, finden Sie hier beschrieben.

Vorkommen - Herkunft:

Ihren Ursprung scheint die Kartoffel nach heutigem Wissensstand in Südamerika zu haben. Vor 8000 Jahren hat man die Kartoffel in dieser Gegend kultiviert. Unsere heutigen Speisekartoffeln stammen von unterschiedlichen Ahnen ab, die in Südamerika vorkommen. Die bisher ältesten Spuren wilder Kartoffeln fand man auf der Insel Chiloé. Ihr Alter schätzt man auf rund 13'000 Jahre. Die chilenischen Sorten stammen vermutlich von peruanischen Andensorten ab (Solanum tuberosum ssp. andigenum (Juz. & Bukasov) Hawkes). Aufgrund spezieller Anforderungen an die Lichtverhältnisse wachsen sehr viele einheimische Sorten ausschliesslich im Andengebiet von Peru.18

Informationen zu Anbau und Ernte sowie zum Anbau im eigenen Garten finden Sie hier.

Ökologische Aspekte:

Die Wissenschaft arbeitet pausenlos daran, neue Kartoffelsorten auf den Markt zu bringen, die positive Eigenschaften für den Konsumenten und die Landwirtschaft versprechen. Dazu gehören die Resistenz gegen Schädlinge wie den Kartoffelkäfer oder Pilzbefall, die Krautfäule, die oft zu grossen Ernteverlusten führt, oder die Knollenfäule. Für den Konsumenten soll die Kartoffel unter anderem beim Erhitzen weniger Acrylamide entstehen lassen und länger frisch bleiben - ohne eine Braunfärbung nach dem Schälen zu entwickeln. Dies erreicht die Wissenschaft durch gentechnische Veränderung. Inzwischen gelingt es, diese Veränderung so zu gestalten, dass kein neues Genmaterial in der neuen Kartoffelsorte nachzuweisen ist. Dadurch gilt sie nicht mehr als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) und muss in vielen Ländern nicht mehr entsprechend gekennzeichnet sein.6,7

Allgemeine Informationen:

Kartoffeln (Solanum tuberosum L.) gehören zur Pflanzengattung Solanum in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). In dieser Kategorie gibt es rund 1400 Arten. Bekannte Nutzpflanzen neben der Kartoffel sind Tomate, Paprika (Peperoni) oder Aubergine. Viele Nachtschattengewächse sind für die Ernährung des Menschen ungeeignet aufgrund ihrer giftigen Alkaloide (wie Solanin). Obwohl die Kartoffel eine stärkehaltige Pflanze ist (ähnlich wie Obst oder einige Gemüsesorten) und in der Zubereitung ähnlich ist wie Getreide, gehört sie weder zum Gemüse noch zum Obst oder Getreide. Die Süsskartoffel ist ebensowenig mit ihr verwandt wie der Topinambur, trotz der ähnlichen Namensgebung.

Alternative Namen:

Alternativnamen für die Kartoffel sind: Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne, Potaten (Mehrzahl).

Der englische Name lautet potato bzw. potatoes (Mehrzahl). In Italien hingegen nennt man die Knolle patata.

Literatur - Quellen:

CLICK FOR: 18 Quellenangaben

In der Wissenschaft ist Wikipedia (wiki) als Quelle umstritten, auch weil bei Wikipedia Angaben zur zitierten Literatur bzw. zu Autoren häufig fehlen oder nicht verlässlich sind. Unsere Piktogramme für Nährwerte enthalten kcal.

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Speisekartoffeln sollten niedrige Gehalte an Glykoalkaloiden (Solanin) enthalten, Stellungnahme Nr. 010/2018 vom 23. April 2018.
  2. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Solanin (Glykoalkaloide) in Kartoffeln.
  3. Omayio DG, Abong GO et al. A Review of Occurrence of Glycoalkaloids in Potato and Potato Products. Curr Res Nutr Food Sci 2016;4(3). DOI: 10.12944/CRNFSJ.4.3.05
  4. Semler E. Rohkost. Historische, therapeutische und theoretische Aspekte einer alternativen Ernährungsform. Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2006:322.
  5. Schwärzel R, Torche JM et al. Schweizerische Sortenliste für Kartoffeln 2017. Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF. Agroscope.
  6. transgen.de Neue Kartoffeln: Weniger Acrylamid, keine Braunfärbung - und auch noch krankheitsresistent.
  7. Wikipedia Kartoffel.
  8. RÖMPP Online Acrylamid. RD-01-00620
  9. blv.admin.ch Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Acrylamid.
  10. agrarheute.com Haberland R. Wirkungen auf den Stärkegehalt der Kartoffeln (Stellschraube Stärkegehalt).
  11. plantopedia.de Kartoffelernte - wann ist die beste Zeit Kartoffeln zu ernten?
  12. plantura.garden Kartoffeln ernten: Richtiges Vorgehen und Zeitpunkt.
  13. archiv.ever.ch Nahrungsmittel Allergie.
  14. USDA United States Departement of Agriculture.
  15. Wiechoczek D. Der Aufbau der Stärke-Moleküle. In: Prof. Blumes Bildungsserver für Chemie. 23. Januar 2013.
  16. efsa.europa.eu Acrylamid.
  17. Wikipedia Solanin.
  18. cipotato.org. Potato.
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