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Beste Aussichten für Ihre Gesundheit

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Kartoffel, Sorte Russet, Fruchtfleisch und Schale, roh

Bei der Sorte Russet handelt es sich um mehlig kochende Kartoffeln. Sie besitzen einen hohen Stärkegehalt und eignen sich deshalb gut zum Backen oder Pürieren.
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Bei der kultivierten Kartoffelsorte Russet handelt es sich um mehlig kochende Kartoffeln, die sich durch eine überdurchschnittlich lange Form und einen besonders hohen Stärkegehalt insbesondere für den Fast-Food-Bereich auszeichnen.

Verwendung in der Küche:

Das am meisten verwendete Kultivar in Nordamerika ist die Sorte Russet Burbank. Sie ist vor allem für die Zubereitung von Ofenkartoffeln, Aufläufen, Kartoffelpürees, Kartoffelsuppen, Eintöpfe und zur Verarbeitung von Chips, Kroketten und Pommes frites (french fries) geeignet. Mehlig kochende Kartoffeln dienen aber auch zur Herstellung von Kartoffelteigen für Knödel und Gnocchi. Das Fruchtfleisch dieser Sorte ist eher weiss. Wie andere mehlig kochende Kartoffeln besitzen sie eine grobkörnige, trockene Konsistenz, gepaart mit kräftigem Geschmack und der Tendenz beim Kochen häufig aufzuspringen.

Ihre Haut ist dunkelbraun (russet = rostrot), manchmal mit einer marmorierten Musterung. Durch das Kochen erreicht die Schale häufig eine noch dunklere Farbe. Die Form ist meist lang oval und die Knollen sind riesig mit eigenwilligen Formen (vor allem Russet Burbank).

Aufgrund ihres Kochverhaltens teilt man Kartoffeln in unterschiedliche Kochtypen ein. Je nach Verwendungszweck ist ein anderer Kochtyp zu wählen. Der Stärkegehalt ist abhängig von Sorte, Witterung und Reife und variiert häufig. Je nach Quelle sind die Werte unterschiedlich - hier daher auch als ungefähre Werte angegeben:

  • Welche Kartoffelsorten sind festkochend? Festkochende Speisekartoffeln besitzen ein eher feuchtes Fruchtfleisch und sind meist länglich bis oval geformt. Der Stärkeanteil ist mit ca. 10-14 %1,2 eher gering, wodurch die Schale während des Kochvorgangs intakt bleibt und nicht aufplatzt. Zu den festkochenden Kartoffeln gehören z.B. Charlotte, Nicola, Linda, Agata (Frühkartoffel). Diese Sorten sind ideal für die Zubereitung von Kartoffelsalat, Gratin, Bratkartoffel oder Pellkartoffeln.
  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln hingegen weisen einen Stärkeanteil von rund (13 oder) 14-16 %1,2 auf und liegen damit im Mittel. Sie sind für sehr viele Rezepte geeignet. Bekannte Sorten sind z.B. Laura, Marabel oder Toscana. Mit diesen Knollen gelingen sowohl ein Kartoffelpüree als auch Bratkartoffeln, Pellkartoffeln oder Ofenkartoffeln.
  • Mehlig kochende Kartoffeln fallen nach dem Garen fast auseinander und weisen den höchsten Stärkeanteil auf: zwischen 16 und 18 %.1 Zu den beliebten Sorten gehören z.B. Ackersegen, Adretta, Agria, Gunda oder Russet. Daraus lassen sich Speisen wie Kartoffelpüree, Knödel und Gnocchi herstellen. Sie sind ebenso geeignet für Suppen und Eintöpfe.

Wir empfehlen hier kein Rezept für Kartoffeln der Sorte Russet, da die gesundheitlichen Bedenken zu gross sind. Für diese Rezepte können Sie alle mehlig-kochenden Kartoffeln verwenden:

Veganes Rezept für Ofenkartoffeln mit Kräuterquarkfüllung:

Zutaten: 2 grosse gekochte Kartoffeln (mit Schale), 50 g tiefgefrorene Erbsen, 200 g veganer Quark, 70 g Sojajoghurt, 1 Bund frischer Schnittlauch, 1/2 Bund frische Petersilie, 2 TL Zwiebelpulver, 1 TL Knoblauchpulver, 1/2 TL Meersalz.

Zubereitung: Backofen auf 200 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Gekochte Kartoffeln auf ein Blech legen und im Ofen ca. 10-15 Minuten backen, bis sie warm sind. Verwendet man ungekochte Kartoffeln, benötigten diese ca. 40-60 Minuten im Ofen. Frische Kräuter abspülen, abtrocknen und fein hacken. Gehackte Kräuter mit den anderen Zutaten für den veganen Kräuterquark mischen. Erbsen im Wasser ca. 2 Minuten kochen und mit kaltem Wasser abschrecken. Kartoffeln aus dem Ofen nehmen, aufschneiden und den Kräuterquark in der Mitte darauf verteilen. Die Erbsen auf dem Teller verteilen und alles noch warm servieren.

Veganes Rezept für Gnocchi:

Zutaten: 1 kg mehlig kochende Kartoffeln, 500 g Weizenmehl, 100 g Hartweizengriess.

Zubereitung: Die Kartoffeln für ca. 30 Minuten gar kochen und danach mit kaltem Wasser abschrecken. Schälen und mit einem Stabmixer zu einem Brei verarbeiten. Mehl und Griess zum Kartoffelbrei geben und für ca. 5-10 Minuten mit den Händen zu einem homogenen Teig formen. Einen Teil des Teiges in ca. 2 cm dicke Rollen formen und in 1,5 cm Stücke schneiden. Immer nur einen Anteil der geschnittenen Gnocchi in einen grossen Topf mit kochendem Salzwasser geben. Nach ca. 5-10 Minuten (je nach Grösse) schwimmen die Gnocchi an der Oberfläche und man nimmt sie mit einem Schaumlöffel heraus. Bis zum Servieren kann man die Gnocchi mit etwas Öl beträufeln, damit sie nicht aneinander kleben.

Vegane Rezepte mit Russet finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben" (ganz unten oder nebenan).

Einkauf - wo kaufen?

Russet Kartoffeln sind in Supermärkten wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Hofer etc. nicht zu finden. Diese Veredelungskartoffel produziert man ausschliesslich für industrielle Kunden. Möchte man diese Kartoffeln selbst anbauen, kann man die Saatknollen gelegentlich von Saatgutfirmen beziehen.

In der Schweiz gibt es z.B. die Sorte Ivory Russet mit einem Kaliber von mehr als 42,5 mm und einem Mindeststärkegehalt von 13,5 %.3 Man produziert diese Sorte aber nur für den konventionellen Anbau, für den Bio-Anbau sind andere Sorten im Umlauf.

Für den Eigenbedarf kann man aber jede mehlig kochende Kartoffelsorte verwenden. Diese sind in allen gängigen Supermärkten erhältlich, auch Wochenmärkte bieten Kartoffeln mit einem erhöhtem Stärkeanteil an. Viele Läden bieten auch biologisch produzierte Kartoffeln an, auf jeden Fall finden Sie bio-zertifizierte Sorten in Bioläden und Bio-Supermärkten (Denn's Biomarkt, Alnatura). Biologisch gezüchtete, häufig verwendete Speisekartoffeln der Kategorie fest bis mehlig sind: Agria, Victoria (geeignet für Pommes frites), Desirée (rotschalig), Jelly, Laura (intensiv rote Schale, Fleisch gelb). Für die Industrieproduktion verwendete mehlige bis stark mehlige Kartoffeln sind z.B. Hermes (Chipsproduktion), Markies (Industrie), Challenger (Pommes frites), Innovator (Flockenproduktion), Lady Rosetta (Chips, rotschalig).4 Wie zu Beginn des Artikels beschrieben, ist der Stärkegehalt von Kartoffeln nicht nur abhängig von der Sorte, sondern auch vom Boden, der Witterung, den Anbaumassnahmen und der Reife.

Wild zu finden:

Die Kartoffelsorte Russet ist in keiner Form wild zu finden. Wildformen und Primitivkartoffeln sind aus dem subtropischen Bergland Südamerikas.5

Lagerung:

Die Kartoffelsorte Russet Burbank ist lange lagerfähig. Bei ca. 7 °C kann man diese Kartoffeln bis zu 5 Monate lagern. Die Temperaturen sind je nach Sorte etwas unterschiedlich, aber zu tiefe Temperaturen (< 5 °C) erhöhen den Zuckergehalt der Kartoffeln und verschlechtern die Backqualität.6 Bei längeren Lagerzeiten können im Fruchtfleisch schwarze Flecken (IBS internal black spots) auftreten, insbesondere wenn die Ernte zu früh passiert.7

Kartoffeln sollte man immer abgetrennt von anderen Obst- und Gemüsesorten lagern. Kauft man Kartoffeln in einem Plastiksack, sind sie nach dem Kauf von dort herausnehmen und in einen Karton zu legen oder in einem luftdurchlässigem Stoff wie Leinen oder Jute aufzubewahren. Sind die Kartoffeln feucht, sind sie vor der Lagerung unbedingt zu trocknen, so kann man Fäulnis vorbeugen. Eine zu trockene Lagerung kann Kartoffeln aber auch welken lassen. Daher ist eine gute Luftzirkulation bei der Lagerung empfehlenswert.

Das Lagern in dunklen Räumen oder in einer abgedeckten Kiste, ist sehr wichtig, da Licht das Keimen und Ergrünen der Kartoffeln begünstigt und dies zur Bildung von Solanin führt.

Am längsten halten ungewaschene, noch erdige Kartoffeln, das Waschen kann die Schale verletzen und unerwünschte Durckstellen verusachen.

Inhaltsstoffe - Nährwert - Kalorien:

Im Durchschnitt enthalten Kartoffeln der Sorte Russet roh ca. 79 kcal/100g. Der Kohlenhydratanteil beträgt ca. 18 %, Proteine 2,1 und der Fettgehalt ist mit 0,08 sehr gering. Diese Werte können sehr starkt schwanken, auch der Stärkegehalt, nachdem man die Kartoffel in Kochtypen unterteilt, kann sich, abhängig von den Umweltbedingungen und der Anbautechnik, sehr stark von Jahr zu Jahr unterscheiden.

Auch wenn der Eiweissanteil nicht sehr hoch ist, ist die Zusammensetzung der Aminosäuren in Kartoffeln besonders gesund. Sie enthalten viele der essentiellen Aminosäuren und die biologische Eiweisswertigkeit ist sehr gut. Begrenzend sind häufig Methionin und Isoleucin. Stickstoffdüngung können die Proteinqualität in Kartoffeln beeinflusssen, der Gehalt an Aminosäuren kann bis zu 35 % ab- oder zunehmen, je nach Sorte.8

Kartoffeln sind nicht besonders vitaminreich, allerdings ist das Vitamin B6 (Pyridoxin), mit 0,34 mg/100g hier doch nennenswert. Erdnüsse oder frischer Thymian haben denselben Wert dieses wasserlöslichen Vitamins und getrockneter Bärlauch hat mit 2,8 mg/100g besonders viel davon. Dieses B-Vitamin ist an vielen enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt vor allem im Eiweissstoffwechsel eine bedeutende Rolle.9

Bei den Makro-Mineralstoffen hat Kalium, mit 417 mg/100g einen guten Anteil. Die Gehalte von der Echten Guave und vom Ingwer sind mit jenen der Sorte Russet vergleichbar. Kombiniert man Kartoffeln mit sonnengetrockneten Tomaten (3'427 mg/100g) und getrockneten Kräutern (Petersilie: 2'683 mg, Basilikum: 2'630 mg), kann man die Tagesempfehlung von 4 g gut erreichen. Kalium ist ein essentielles Mengenelement und wichtig für die Regulation des Membranpotentials der Körperzellen.9

Als Spurenelement ist z.B. Mangan mit 0,16 mg/100g nur wenig in Kartoffeln vertreten, gleichauf mit Knollensellerie, Blumenkohl und Römersalat. Eine ausgiebige Mahlzeit kombiniert mit z.B. gebackenen Falafeln (8,7 mg/100g) oder Teff (9,2 mg/100g), kann den Tagesbedarf von 2-5 mg durchaus decken. Mangan ist wichtig für den Aufbau des Knorpelgewebes und spielt eine zentrale Rolle beim Kohlenhydratstoffwechsel.9

Die gesamten Inhaltsstoffe von Russet, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen im CLICK FOR vor dem Text.

Gesundheitliche Aspekte - Wirkungen:

Bestimmte Kartoffelsorten sollen bei der Produktion von Pommes frites nur halb so viel Acrylamid entwickeln wie herkömmliche Sorten. Jene Kartoffeln, die weniger Zucker enthielten waren acrylamidärmer. So kam man zum Schluss, dass von den 140 untersuchten Sorten bei nur zwei Kartoffelsorten (Payette Russet und Easton) beides zutrifft.10

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen:

Der Gesundheitswert von nur gekochten oder gedünsteten Kartoffeln (ohne Fett und Salz) ist deutlich besser, als der Verzehr von frittierten Kartoffeln oder Kartoffelprodukten. Denn insbesondere bei mehrmaligem Erhitzen entstehen neben Acrylamid auch noch viele andere schädliche Stoffe, wie z.B. heterozyklische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Aldehyde und Acrolein, ein sehr giftiges Aldehyd. Diese Stoffe erhöhen das Risiko an Krebs zu erkranken. Insbesondere bei Prostatakrebs gewann man die Erkenntnis, dass er umso aggressiver verläuft, je häufiger man frittierte Lebensmittel zu sich nimmt.11

Zudem entstehen bei hohem Erhitzen (über 130 °C, allerdings abhängig vom Fett) von gehärteten Fetten und Ölen Transfette. Bei ungesättigten Fetten verändert sich die Molekülstruktur von Cis-Fettsäuren in Transfettsäuren. Transfette haben eine negative Auswirkung auf das Cholesterin im Blut.12 So treten vermehrt Entzündungen im Körper auf und das Risiko einen Gehirnschlag oder Herzinfarkt zu erleiden steigt.13 Sogar im Vergleich mit gesättigtem Fett steigt Transfett schlechter aus. Zudem schaden Transfette auch einem ungeborenen Kind im Bauch der Mutter.13 Die EU legt ab 2021 eine Obergrenze von 2 % für Transfette fest. Ausnahmen gibt es bei Lebensmittel die von Natur aus Transfette enthalten. In Dänemark, Österreich, Ungarn, Norwegen und in der Schweiz setzte man derartige Obergrenzen schon früher um.14 In New York trat 2008 ein grundsätzliches Verbot für Transfette in Kraft.

Das Diabetes-Risiko nimmt insofern zu, als dass sich bei regelmässigem Verzehr das Gewicht erhöht und zu Übergewicht führt. In Kombination mit Kartoffeln steigt der Blutzuckerspiegel rasch an, denn der Glykämische Index (GI) von gekochten Kartoffeln liegt, je nach Sorte und Garzeit, zwischen 56 und 101. Auch die Zubereitungsart ist hier ausschlaggebend, ein Kartoffelbrei hat einen deutlich höheren GI als eine Pellkartoffel.15

Kartoffeln gehören im konventionellen Landbau allgemein zu den Kulturen, die die meisten Anwendungen mit Pflanzenschutzmitteln benötigen. Bioland schätzte die Pestizid-Anwendungen auf 5-7 Mal pro Pflanzsaison. Da Industriekartoffeln für den Verkauf makellos sein müssen, ist dies auch für die Sorte Russet anzunehmen. Einen erhöhten Bedarf an Pflanzenschutzmittelanwendungen beschreibt auch der Journalist Michael Pollan in seinem You Tube Video "You'll never eat McDonald's French Fries again after watching this". Bestimmte Pflanzenschutzmittel sind so giftig, dass auch die Landwirte einige Tage nach dem Spritzen nicht auf die Felder gehen. Chlorpropham (CIPC), ein Herbizid und Wachstumsregulator, ist im konventionellen Kartoffelanbau ein beliebtes Mittel, da es die Kartoffel am Auskeimen hindert (Keimhemmer). Obwohl es bei Menschen vermutlich Krebs erzeugt (Kategorie H351 = Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung) und bei Tierexperimenten Krebs erzeugt hat, ist es z.B. in der Schweiz nach wie vor zugelassen. Die EU verbietet es ab Herbst 2020. Es greift ins Hormonsystem ein, verändert die Schilddrüse und schädigt das ungeborene Kind im Bauch. Dies bestätigt Hermann Kruse, Toxikologe an der Universität Kiel.16

Grosse Lichteinwirkung führt zu einer Solanin-Anreicherung in Kartoffeln17, man erkennt dies an der grünen Verfärbung der Kartoffel. Dies kann entstehen, weil die Kartoffel zu wenig tief in der Erde begraben war und zu weit an der Oberfläche wächst, oder bei zu heller Lagerung. Auch bei Druckstellen oder bei keimenden Kartoffeln kann der Solanin-Gehalt steigen. Solanin kann man nicht durch Erhitzen reduzieren18, aber durch das Entfernen der Schale und, wenn man sie in Wasser (z.B. Salzkartoffeln) legt oder kocht.

Das in der Kartoffelschale und in ergrünten Kartoffeln enthaltene Solanin und andere Alkaloide können bei grösseren Mengen zu Vergiftungen führen.19 Vergiftungserscheinungen treten bei ca. 200 mg Solanin auf, hierfür ist ein sehr hoher Konsum von ca. 2,8 kg ungeschälter Kartoffeln notwendig (bei 7 mg Solanin pro 100 g). Bei den erhältlichen Kartoffelsorten hat man den natürlich höheren Solanin-Gehalt weggezüchtet. 2018 empfahl das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung den Gehalt von bisher max. 20 mg/100g auf max. 10 mg/100g zu senken.19

Vorkommen - Herkunft:

Der Ursprung der Kartoffeln liegt in Südamerika, allerdings sind die heutigen Züchtungen (Brücher nennt sie "Neotuberosum") nicht mehr an die Tropen angepasst. Der Anbau ist heute ausserhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen, also vermehrt in den kühl-gemässigten Klimazonen üblich. Es gibt aber noch einige wenige Sorten, die ausschliesslich in den Andengebieten wachsen.

Die Sorte Russet Burbank geht wahrscheinlich auf die Züchtung von L. L. May & Co. als Netted Gem 1902 zurück. Die Namen Netted Gem und Russet Burbank verwendete man jahrelang als Synonym. Zu den mütterlichen Abstammungen gehörten Kartoffelsorten wie Rough Purple Chili, Garnet Chili, Early Rose und Burbank.20

Anbau - Ernte:

Kartoffeln sind sehr anpassungsfähig und sie wachsen beinahe überall, vorausgesetzt es bildet sich keine Staunässe oder der Boden ist zu fest. Mehr allgemeine Informationen zum Anbau von Kartoffeln finden Sie bei diesem Artikel zur rohen Kartoffel.

Kartoffeln sind als kultivierte Knolle auf dem Feld eine sehr anfällige Kultur für Schädlinge und Krankheiten, je nach Sorte kann die Anfälligkeit sehr stark variieren. Zu den wichtigsten Schädlingen zählt die Kartoffelblattlaus. Es gibt aber noch viele andere Blattläuse, die Viren auf die Kartoffelpflanzen übertragen können. Auch Nematoden (Fadenwürmer), der Kartoffelkäfer, Erdraupen und Drahtwürmer sind bekannte Schädlinge.

Die Kraut- und Knollenfäule (Phytophtora infestans) ist eine der gefährlichsten Pilzkrankheit der Kartoffel. Bei feucht-warmen Bedingungen kann ein schwerer Befall einen Ernteausfall von 50 % bis zum Totalausfall bedeuten. Auch die Dörrfleckenkrankheit (Alternaria solani) und die Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) sind bedeutende Pilzkrankheiten. Zu den bakteriellen Krankheiten zählen die Schwarzbeinigkeit und die Knollennassfäule (Erwinia carotovora), der Kartoffelschorf (Strepomyces scabies) und die Bakterienringfäule (Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus). Verwendet man gesundes Pflanzgut kann man Knollennassfäule und Kartoffelschorf gut vermeiden. Virosen sind z.B. Kartoffel-Y-Virus, S-Virus, Kartoffelblattroll-Virus, selten sind X-, A- und M-Virus. Den Tabakrattle-Virus übertragen Nematoden und dieser mindert den Speisewert der Kartoffel erheblich. Die durch ein Viroid hervorgerufene Krankheit wie z.B. die Spindelknollenkrankheit und die von einem Phytophlasma ausgelöste Stolbur-Krankheit sind durch gute Pflanzguterzeugungen nicht mehr so bedeutsam.21

Im konventionellen Landbau sind folgende Massnahmen üblich: Beizung (Fungizide, meist Kupferpräparate, vor dem Pflanzen), chemische Unkrautbekämpfungsmethoden vor dem Auflaufen bis zum frühen Nachauflauf, Ungrasbekämpfung bis zur Blüte, Behandlungen gegen saugende Insekten, Behandlungen gegen beissende Insekten, Fungizideinsatz, Krautbeseitigung vor der Ernte. Es gibt unzählige chemische Behandlungsmittel für den konventionellen Kartoffelanbau.

Im biologischen Kartoffelanbau versucht man, vor allem bei der Unkrautregulierung, viel mit mechanischen Methoden (Eggen, Pflügen, Fräsen, Striegeln, Hacken, Abflammen, etc.) zu arbeiten. Als Pflanzenschutzmittel sind erlaubt: gegen Kraut- und Knollenfäule: Kupferpräparate, gegen Kartoffelkäfer: Bakterien (z.B: Bac. thuringiensis var. tenebrionis), Neem-Öl, Spinosad (in der EU zugelassen, nicht in der Schweiz, bienengefährlich), Keimhemmung: Minzöl (AT und D), Kümmelöl (CH), Ethylen (CH). Um andere Schädlinge und Krankheiten zu vermeiden, sind eine gezielte Wahl von Vorfrucht, Erhalt eines gesunden Bodens, gezielte Düngung und gesundes Pflanzmaterial Vorraussetzung.6 Zudem sind Anbaupausen von 4-5 Jahren einzuhalten, da die Sporen der Wurzeltöterkrankheit sehr lange im Boden verbleiben.22

Sorten:

Seit 2018 ist die Sorte Ivory Russet auch auf der schweizerischen Sortenliste für Kartoffeln gelistet.2 Die Reifezeiten der Russet-Sorten sind sehr unterschiedlich, von mittelfrüh bis spät. Speziell die Ivory Russet ist eine mittelfrühe Sorte mit langovalen Knollen, die teilweise unförmig sind. Der Stärkegehalt liegt zwischen 15 und 17 %. Die Empfindlichkeit auf Schlagschäden ist nicht so schlimm, die Lagerfähigkeit ist sehr gut. Diese Sorte ist anfällig auf Kartoffel-Y-Virus und Alternaria, ist wenig anfällig auf Kraut- und Knollenfäule und resistent gegen Schorf, Eisenfleckigkeit und Tabak-Rattle-Virus.2,23

Die bekannte Sorte Russet Burbank hat mit ca. 140 Tagen eine lange Wachstumsphase. Sie ist auch sehr stressempfindlich und benötigt daher regelmässige Bewässerung. Russet Burbank bildet fast nie Blüten und Beeren. Sie ist eine sehr krankheitsanfällige Sorte, wie z.B. auf: Nematoden, Krautfäule, Knollenfäule und Fusarium, Y-Virus und Blattroll-Virus, Glasigkeit, Zwiewuchs, Misswuchs, Beschädigungen (Blaufleckigkeit).24 Auch die Netz-Nekrose, die schwarzen Flecken auf der Schale, sind eine Krankheit auf die diese Kartoffelsorte empfindlich reagiert. Daher sind im konventionellen Landbau sehr häufig Spritzungen mit systemischen und teilsystemischen Mitteln notwendig.

Neben den oben genannten Veredelungssorten gibt es noch verschiedene Russet-Züchtungen: z.B. Russet Sebago, Highlat Russet, Lemhi Russet, Allagash Russet, Coastal Russet, etc. Alle Sorten entwickelte man in den USA.

Die Sorte White Russet ist die erste Gentechnik-Kartoffel (Innate), die man in den USA im November 2014 zuliess. Als Ausgangssorte nahm Simplot die Sorte Russet Burbank. Sie bekommt weniger schnell braune Flecken bei der Lagerung und auch geschält bleibt sie länger hell. Beim Erhitzen soll sie weniger gesundheitsschädliches Acrylamid bilden. Auch wenn sich grosse Fast-Food Ketten noch wehren diese Gen-Sorte in Umlauf zu bringen, gibt es in den USA schon zahlreiche Läden und Restaurants die diese Sorte frisch oder tiefgefroren verarbeiten und verkaufen. Seit 2015/2016 entwickelt man Sorten mit einer Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule mit Hilfe von Gentechnik. Auch hier ist wieder die Sorte Russet Burbank die Ausgangssorte.25

Als Zusatzinformation ist gut zu wissen, dass biologische Kartoffeln nicht immer zu 100 % aus biologischem Saatgut stammen. Z.B. gibt es in der Schweiz 12 Kartoffelsorten, die man in Bioqualtiät vermehrt. Ist zu wenig biologisch-zertifiziertes Pflanzgut vorhanden, können Landwirte Ausnahmegesuche stellen. Dies trifft in der Schweiz für ca. 40 % der biologisch bewirtschafteten Kartoffelfläche zu, die sie mit konventionellen Pflanzkartoffeln bestücken müssen. Die Bewirtschaftung ist dann biologisch.6

Tierschutz - Artenschutz - Tierwohl:

Obwohl Bienen die Kartoffelblüten aufgrund des hohen Alkaloid-Gehalts nicht anfliegen, kann die Kartoffelpflanze bei hohem Blattlausbefall für Bienen durchaus interessant sein. Auch blühende Beikräuter können den Bienenflug erhöhen. Laut Bienenschutzverordnung dürfen bei Bienenflug keine Anwendungen mit bienenfeindlichen Pflanzenschutzmitteln erfolgen. Der Einsatz von bienenungefährlichen Präparaten ist hier durchaus erlaubt, oder man weicht zum Schutz von Wildbienen und anderen Bestäubungsinsekten auf die Abendstunden aus.26

Aus ökologischer Sicht ist die Kartoffel positiv zu bewerten. Für eine Tonne benötigen Kartoffeln ca. 0,06 ha Land, im Vergleich dazu ist für eine Tonne Reis eine Fläche von 0,24 ha und für Weizen 0,35 ha notwendig. Kartoffeln oder Weizen kommen auch mit deutlich weniger Wasser aus als Reis, denn die Wasserspeicherfähigkeit der Kartoffel ist sehr gut und so ist auch die CO2-Bilanz der Kartoffel besser als bei Weizen oder Reis.27

Allgemeine Informationen:

Die Kartoffel (Solanum tuberosum), ist ein Nachtschattengewächs (Solanaceae). Die Vermehrung erfolgt vegetativ über die stärkehaltigen Knollen. Von vielen Pflanzen, deren unterirdische Speicherorgane hauptsächlich Stärke als Reservematerial enthalten, sind nur vier Arten bzw. Gattungen wichtig: Maniok, Batate (Süsskartoffel), Yam und Kartoffel. Topinambur (Helianthus tuberosus) bezeichnet man zwar oftmals als Erdapfel oder Erdartischocke, er ist jedoch nicht näher mit der Kartoffel verwandt.28

Dass die Popularität von Russet Burbank man mit Hilfe bestimmter Fast-Food Ketten in den 40ern und 50ern deutlich steigern konnte, kann man auch auf Wikipedia lesen. 1930 machte diese Sorte nur 4 % der erzeugten Menge in den USA aus, 2010 sind es fast 70 %. Das sind über 40 % der gesamten Kartoffelanbaufläche in den USA.20

Alternative Namen:

Manchmal nennt man die Sorte Russet auch Idaho Kartoffel.

Literatur - Quellen:

CLICK FOR: 27 Quellenangaben

In der Wissenschaft ist Wikipedia als Quelle umstritten, auch weil bei Wikipedia Angaben zur zitierten Literatur bzw. zu Autoren häufig fehlen oder nicht verlässlich sind. Unsere Piktogramme für Nährwerte enthalten kcal.

  1. Agrarheute.com Haberland R. Wirkungen auf den Stärkegehalt der Kartoffeln (Stellschraube Stärkegehalt).
  2. Schwärzel R, Torcher JM et al. Schweizerische Sortenliste für Kartoffeln 2019. Swisspatat. Agroscope.
  3. Kartoffelproduzenten.ch Übernahmebedingungen Industrie 2020.
  4. Fibl.org Biokartoffeln Sortenliste 2020. Nr 104. Ausgabe Schweiz.
  5. Brücher H. Tropische Nutzpflanzen. Ursprung, Evolution und Domestikation. Springer Verlag: Berlin. 1977.
  6. Fibl.org Merkblatt Biokartoffeln 2020. Hrsg. Bioland Beratung GmbH.
  7. Cropwatch.unl.edu Russet Burbank: Management Profile. Institute of Agriculture and Natural Resources. University of Nebraska-Lincoln. 2020.
  8. Rexen B. Studies of protein of potatoes. Potato Research. 1976;19.
  9. USDA United States Department of Agriculture.
  10. Wang Y Bethke PC et al. Acrylamide-forming potential and agronomic properties of "eliteUSpotato" germplasm from the national fry processing trial. Crop Breeding & Genetics. 2016.
  11. Stott-Miller M, Neuhouser ML, Stanford JL. Consumption of deep-fried foods and risk of prostate cancer. The Postate. 2013.
  12. Brouwer IA, Wanders AJ, Katan MB. Effect of animal and industrial trans fatty acids on HDL and LDL cholesterol levels in humans - quantiative review. Plos one. 2010;5(10).
  13. Stender S, Dyerberg J. Influence of trans fatty acids on health. Ann Nutr Metab. 2004;48(2).
  14. Foodaktuell.ch Fachportal für Lebensmittelwirtschaft. EU beschliesst Obergrenze für TRansfette. 2019.
  15. UGB Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung. Was taugt der glykämische Index? 2007.
  16. Srf.ch Kartoffel-Herbizid in der Kritik. von Rahel Sali. 2019.
  17. WHO (World Health Organization) (1994). Solanine and Chaconine. WHO Food Additive Series 30.
  18. Ahmed SS, Müller K. Einfluss von Lagerzeit, Licht und Temperatur auf den Solanin- und α-Chaconingehalt mit und ohne Keimhemmungsmittel behandelter Kartoffeln. Potato Research 1981;24(1).
  19. Bundesinstitut für Risikobewertung: Speisekartoffeln sollten niedrige Gehalte an Glykoalkaloiden (Solanin) enthalten, Stellungnahme Nr. 010/2018 vom 23. April 2018.
  20. Bethke PC, Nassar AMK et al. History and origin of Russet Burbank (Netted Gem) a sport of Burbank. Review. Am J Potato Res. 2014.
  21. Proplanta.de Pflanzenschutz bei Kartoffeln.
  22. Kolbe H, Karalus W et al. Kartoffeln im Ökolandbau Informationen für Praxis und Beratung. Hrsg. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 2012.
  23. Hzpc.com Ivory Russet Anbauempfehlung Speisekartoffeln French Fries. 2016.
  24. Cropwatch.unl.edu Russet Burbank: Characteristics. Institute of Agriculture and Natural Resources. University of Nebraska-Lincoln. 2020.
  25. Transgen.de Transparenz Gentechnik. White Russet: Direktvermarktung einer Gentechnik-Kartoffel. 2016.
  26. Agrarheute.com Pflanzenschutz Ackerbau Kartoffeln.
  27. Rehm S, Espig G. Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen. Anbau, wissenschaftliche Bedeutung. Verwertung. Eugen Hermes: Stuttgart. 1976.
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