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Knollen-Ziest, roh, bio?

Entdecken Sie vielseitige Verwendungsmöglichkeiten des Knollen-Ziests in der Küche, die allfällige Saison, Preise und gesundheitliche Vorteile. Erfahren Sie mehr über wichtige Nährstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Anbau und Ökobilanz.

Die Informationen zu den Nährstoffen der Zutat erfüllen die Nährwerttabelle und sind dort eingerechnet. Genauere Details waren nicht verfügbar.
78%Wasser 86Makronährstoff Kohlenhydrate 86.29%/13Makronährstoff Proteine 13.1%/01Makronährstoff Fette 0.61% 

Die drei Verhältniszahlen zeigen den prozentualen Gewichtsanteil der Makronährstoffe (Kohlenhydrate / Proteine / Fette) der Trockensubstanz (exkl. Wasser).  In der Sprache Englisch sind Ballaststoffe als Bestandteil des Kohlenhydrat-Anteils gerechnet. Die Umrechnung von Gewicht in kcal erfolgt nach dem von der USDA verwendeten "Atwater system". 

Davor ersehen Sie den Wasseranteil, gerundet auf ganze %.

Ω-6 (LA, <0.1g)Omega-6-Fettsäuren wie Linolsäure (LA) : Ω-3 (ALA, <0.1g)Omega-3-Fettsäuren wie Alpha-Linolensäure (ALA) = 0:0

Verhältnis Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren soll insgesamt 5:1 nicht überschreiten. Link zu Erklärungstext.

Werte sind zu klein, um relevant zu sein.

Der wiederentdeckte Knollen-Ziest (Stachys affinis Bunge) ist eine delikate Rarität, da der Anbau viel Handarbeit bedeutet und die Ernte gering ausfällt. Bekannte Bezeichnungen sind Japanische Kartoffel oder Stachys. Botanisch sind es Rhizomknollen, die auch roh essbar sind.

Verwendung in der Küche

Da der Knollen-Ziest eine zarte Haut hat, muss man die Rhizome nicht schälen. Kleine Wurzelansätze und die Enden kann man sorgfältig abschneiden. Am besten reinigt man die Rhizome (umgangssprachlich auch Wurzeln oder Knollen) von Erd- und Schmutzresten mit einer Wurzel- oder Pilzbürste unter fliessendem Wasser.

Der nahrhafte Knollen-Ziest hat einen delikaten, nussigen Geschmack, der an Artischocke, Blumenkohl und Schwarzwurzeln erinnert. Aus den Rhizomen können Sie leckere Vorspeisen und Beilagen herstellen. Man kann das zarte und saftige Edelgemüse in einer Bouillon als feinwürziges Gericht bissfest kochen oder etwa 10 Minuten blanchieren. Zudem können Sie ein leckeres Ofengemüse zubereiten oder die Rhizome frisch und roh in einen Salat raspeln. Getrocknet und vermahlen sind sie als Zusatz für verschiedene Teige geeignet.

Knollen-Zieste schmecken auch in einer Rahmsauce (mit veganer Sahne), gratiniert zubereitet oder mit Nudeln. Die Wurzeln können Sie als süss-saures Gemüse in Essig einlegen. Auch zu Letscho-Gemüse, einem Paprika-Pfannengemüse, harmoniert der Knollen-Ziest. Rezepte mit Spargel und Kohlrabi sind auch gut mit Knollen-Ziest zubereitbar.

In Japan legt man die Ziestknöllchen zusammen mit einem Perilla-Blatt sauer ein. Dieses Gericht heisst 'chorogi'. Es ist eine klassische Festspeise für Neujahr.

Veganes Knollen-Ziest-Rezept für Randencarpaccio

Zutaten (4 Personen): 3 mittelgrosse Rote Beten (Randen), 150 g Knollen-Ziest, eine Handvoll Mandeln, 1 EL Rapsöl, 1EL Balsamico, 1 EL Agavendicksaft, 1 EL Senf, Salz, Pfeffer.

Zubereitung: Die Randen schälen, sehr fein hobeln und mit Rapsöl, Balsamico, Agavendicksaft und Senf mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eine Handvoll Mandeln hacken und fettfrei anrösten. 150 g sorgfältig gereinigter Knollen-Ziest mit den Nüssen mischen und auf der Roten Bete anrichten. Mit Sprossen Ihrer Wahl garnieren (z.B. Alfalfa-Sprossen oder Gartenkresse).

Veganes Rezept für eine einfache Knollen-Ziest-Pfanne mit Mangold

Zutaten (4 Personen): 400 g Knollen-Ziest, Gemüsebrühe, 400 g Mangold (oder Spinat), 2 EL Bratöl* (z.B. raffiniertes Rapsöl), 1 Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer, Muskat, gemahlener Kurkuma.

Zubereitung: Dazu dämpft man den Knollen-Ziest, etwa 10 Minuten lang, in etwas veganer Gemüsebrühe. Knollen-Ziest abgiessen. In einer Bratpfanne 400 g Spinat oder Mangold mit zwei Esslöffeln hitzestabilem Bratöl und einer kleingeschnittenen Knoblauchzehe schonend andünsten. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und etwas Kurkuma abschmecken. Tipp: Anstelle von Spinat oder Mangold können Sie auch die jungen Triebe und Blätter der Grossen Brennnessel oder des Weidenröschens verwenden.

Passt zu: Kohlrabi-Schnitzel oder zu Kartoffeln mit Pilz-Bohnen-Gravy.

* Verwenden Sie zum Braten Öle mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und versuchen Sie, möglichst schonend mit geringer Hitze zu kochen. So vermeiden Sie die Entstehung von gesundheitlich schädlichen Aldehyden.3

Vegane Rezepte mit Knollen-Ziest finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben".

Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen:
Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler
.

Einkauf - Lagerung

Im Handel ist der Knollen-Ziest eine seltene Spezialität. Mit etwas Glück ist er in der Saison von Oktober bis März erhältlich. Während der Hochsaison von Mitte November bis Februar fragt man am besten in Delikatessengeschäften nach, da diese die Knöllchen im Zeitraum von Festtagen im Sortiment haben könnten. Solange die Erde nicht gefroren ist, kann man den Knollen-Ziest den ganzen Winter hindurch frisch ernten. Knollen-Ziest kann man auch über die Stiftung für alte Sorten Pro Specie Rara beziehen.

In den deutschsprachigen Ländern sind Knollen-Zieste allerdings wenig bekannt, weshalb Nachfrage und Angebot niedrig ausfallen. Daher sind sie auf Wochenmärkten oder im Einzelhandel eher selten im Angebot und wohl kaum bei Grossverteilern wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Hofer, Billa oder Bio-Supermärkten wie Denn's Biomarkt und Alnatura erhältlich. Doch im Reformhaus oder in kleinen Naturkostläden können Sie Knollen-Zieste kaufen – Bio-Qualität inbegriffen. Für Grossverteiler ist das Gemüse uninteressant, da es wegen seiner dünnen Haut rasch austrocknet und eine bräunliche Farbe bekommt.

Wer Knollen-Ziest einmal testen möchte, bestellt diese am besten direkt bei einem lokalen Produzenten. Der Preis für ein Kilo Knollen-Ziest liegt bei ungefähr 20 Euro.

Auf der Webseite von Fritz Berger (spezberger.ch) kann man über den Online-Shop Pflanzknollen für Knollen-Ziest bestellen. Saatgut oder Topfpflanzen für Knollen-Ziest erhält man online oder in gut sortierten Gärtnereien. Ab April kann man Knollen-Ziest auch als vorgezogene Gartenpflanze in Gärtnereien erhalten. Sollten Sie auf einem Wochenmarkt unversehrten Knollen-Ziest finden, können Sie diesen in einen Blumentopf pflanzen.

Die einfachste Variante scheint derzeit zu sein, den Knollen-Ziest online zu kaufen und weiter zu kultivieren (siehe Kapitel Anbau-Ernte).

Die Verfügbarkeit von Knollen-Ziest ist je nach Grösse des Ladens, Einzugsgebiet etc. unterschiedlich. Unsere erfassten Lebensmittelpreise für die D-A-CH-Länder finden Sie oben unter dem Zutatenbild - und mit Klick deren Entwicklung bei verschiedenen Anbietern.

Tipps zur Lagerung

Die bis zu 8 cm langen weissen Ziest-Knöllchen sind nicht lange haltbar. Nach der Ernte sollte man sie sogleich verarbeiten – im Idealfall noch am selben Tag der Ernte, wenn sie besonders knackig sind.

Wollen Sie die Rhizomknollen trotzdem lagern, kann man sie in Kübeln oder Kisten, befüllt mit feuchten Kokosfasern und Holzspänen oder Erde bis in den Dezember hinein lagern. Danach sind die Rhizome zwar noch essbar, beginnen aber meist auszutreiben.1

Inhaltsstoffe - Nährwerte - Kalorien

Zusammensetzung und Menge der Inhaltsstoffe, inkl. sekundäre Pflanzenstoffe, variieren extrem je nach Sorte, Wachstumsbedingungen und Verarbeitungsmethoden etc.

Zu den Inhaltsstoffen des Knollen-Ziests liegen bislang nur wenige Untersuchungen vor. Wir verwenden Daten aus getrockneten sowie frischen Knollen-Ziest. Wir haben unvollständige Daten aus den zwei Quellen berechnet und daraus folgende Nährwerte abgeleitet:4,8

Frischer Knollen-Ziest liefert 76 kcal/100g. Die Makronährstoffe bestehen pro 100 g aus 28 g Kohlenhydraten, 4,3 g Proteine und 0,2 g Fett. In je 100 g sind 14 g Ballaststoffe enthalten.

Die Rhizomknolle bietet mit 54 mg/100g sehr viel Eisen. Ähnlich hohe Eisenwerte haben Gewürze wie Kurkuma oder Dill. 100 g dieser Zutaten beinhalten mehr als das Dreifache des Tagesbedarfs an Eisen.

Zudem ist im Knollen-Ziest viel Selen (30 µg/100g) enthalten. Mit 200 g könnten Sie den Tagesbedarf decken. Vergleichbar ist der Selengehalt mit dem von gekochtem Kamut.

1 mg Mangan haben 100 g Knollen-Ziest. Damit decken Sie 51 % Ihres Tagesbedarfs. Edamame haben eine ähnlich hohe Mangan-Konzentration. Noch mehr finden Sie in Gewürzen wie Pfeffer (13 mg/100g) oder Ingwerpulver (33 mg/100g). Für eine ausreichende Menge ist z.B. Vollkornreis gut geeignet – 50 g decken den Bedarf.

Der Knollen-Ziest enthält Stachyose, ein Oligosaccharid, bestehend aus Galactose, Fructose und Glucose.4 Diese leicht süss schmeckende Substanz kommt z.B. auch in Mungobohnen oder anderen Lippenblütlern wie Straucherbsen vor.

Die gesamten Inhaltsstoffe von Knollen-Ziest, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen. Im Artikel Nährstoffe umfassend erklärt bekommen Sie einen detaillierten Einblick in das Thema.

Wirkungen auf die Gesundheit

Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren steht mit 1-4:1 in einem günstigen Verhältnis. Dies verringert das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, rheumatische Arthritis, Autoimmunerkrankungen, Depressionen und Asthma.4

Neben einfachen Zuckern enthält die Pflanze Stachyose, ein Oligosaccharid aus Galaktose, Fruktose und Glukose, sowie Raffinose. Stachyose bleibt unverdaut im Dünndarm und gelangt in den Dickdarm, wo probiotische Bakterien sie fermentieren. Dadurch entfaltet sie eine präbiotische Wirkung, fördert ein gesundes Darmmikrobiom und hemmt potenziell schädliche Mikroorganismen. In China ist die Fermentation als Verarbeitungsmethode üblich, u.a. um die Verträglichkeit von Oligosacchariden zu verbessern.4 Die Rhizomknollen enthalten zudem reichlich Ballaststoffe (35 % TG), die die Verdauung unterstützen und als Präbiotikum für probiotische Bakterien im Darm dienen.4

Zusätzlich liefern die Rhizome besonders hohe Gehalte an Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium, Eisen und Schwefel. Der Eisengehalt ist vergleichbar mit dem von Topinambur.4

Sekundäre Pflanzenstoffe

Viele gesundheitliche Wirkungen vom Knollen-Ziest kann man auf die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zurückführen. Unser Artikel über sekundäre Pflanzenstoffe bietet einen Überblick über die Klassifizierung der Stoffgruppen, das Vorkommen in Lebensmitteln und mögliche Wirkungen auf den Menschen.

Knollen-Ziest enthält u.a. folgende sekundäre Pflanzenstoffe:4,7

  • Isoprenoide: Monoterpene: Iridoide (Harpagid, Melittosid, Aucubin); Triterpene: Saponine (Sieboldianosid A)
  • Polyphenole: Phenolsäuren: Hydroxybenzoesäuren (Gallussäure); Flavonoide: Flavanole (Epigallocatechin, Gallocatechin, Catechin, Epicatechingallat); Phenylethanoid-Glykoside (Verbascosid, Leucosceptosid A, Martynosid, Stachysosid C)
  • Weitere organische Verbindungen: Dicarbonsäuren (Bernsteinsäure)

Den charakteristischen bitter-süssen Geschmack der Rhizomknollen prägen v.a. Phenylethanoid-Glykoside, Iridioide und Saponine. Diese Verbindungen wirken antioxidativ, hemmen entzündungsfördernde Zytokine und zeigen antiproliferative Effekte bei Magen-, Bindegewebs- und Darmkrebs. Iridoid-Glykoside besitzen zudem östrogenartige Eigenschaften.4

In Tiermodellen unterstützen Knollenextrakte bei Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und erhöhtem Blutzucker.4 In Tier- und Zellmodellen verbessern die Knollenextrakte zudem die Lern- und Gedächtnisleistung und schützen Nervenzellen vor oxidativem Stress. Die Wirkung beruht auf der Aktivierung von Signalwegen und Botenstoffen im Gehirn. Bernsteinsäure weist krampflösende, angstlösende und stimmungsaufhellende Eigenschaften auf.4

Studien zur antibakteriellen Aktivität von Knollenextrakten der Chinesischen Artischocke zeigten moderat hemmende Effekte gegen Listeria monocytogenes, Salmonella typhimurium, Helicobacter pylori, Pseudomonas aeruginosa, Escherichia coli, Staphylococcus aureus sowie den Pilz Candida albicans. Die Supplementierung mit diesen Extrakten veränderte bei Mäusen die Darmmikrobiota positiv. Der Extrakt fördert eine gesunde Darmflora, u.a. durch eine Reduktion schädlicher Bakterien wie Escherichia coli.4

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen

Stachyose kann der menschliche Dünndarm nicht durch körpereigene Enzyme verwerten, weshalb der Nahrungsbrei unverändert in den Dickdarm gelangt. Dort bauen Darmbakterien die Stachyose ab, was zu Blähungen führen kann.4

Volksmedizin - Naturheilkunde

In diversen Ländern findet Ziest in der Naturheilkunde Anwendung. Viele Arten der Gattung Stachys verwendeten die alten Ägypter für deren traditionelle Medizin.4

Speziell der Knollen-Ziest findet häufig Verwendung in der Naturheilkunde Chinas: zur Behandlung von Erkältungen, Herzerkrankungen, Schmerzen, Hirnschäden durch Sauerstoffmangel, Demenz und Magen-Darm-Erkrankungen.7

Ökologischer Fussabdruck - Tierwohl

Es gibt kaum spezifische Daten über den ökologischen Fussabdruck vom Knollen-Ziest. Wir gehen davon aus, dass der Konsum der Pflanze in der Regel mit einem kleinen CO2- sowie Wasser-Fussabdruck einhergeht. Wurzelgemüse kommt durchschnittlich auf einen CO2-Fussabdruck von 0,4 kg CO2eq/kg.2 Zudem ist Knollen-Ziest eine genügsame Ackerfrucht.4 Der Ackerboden sollte aber nie ganz austrocknen - daher ist der Wasser-Fussabdruck stark von dem vorherrschenden Klima abhängig.1

Allgemein ist es gut, regionales, saisonales Gemüse möglichst unverpackt aus der Direktvermarktung (z.B. Wochenmarkt) zu beziehen.6 Die meisten Treibhausgase entstehen jedoch durch Landnutzungsänderungen und am Bauernhof bzw. in der Produktionsstätte. Diese zwei Teilaspekte des ökologischen Fussabdrucks machen für die meisten Lebensmittel 80 % aller Emissionen aus.2

Ausführliche Erläuterungen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsindikatoren (wie z.B. ökologischer Fussabdruck, CO2-Fussabdruck, Wasser-Fussabdruck) lesen Sie in unserem Artikel: Was bedeutet der ökologische Fussabdruck?

Weltweites Vorkommen - Anbau

Knollen-Ziest kommt ursprünglich aus Zentral- und Nordchina, wo er seit dem 13. Jhd. in der Agrarlandschaft zu finden ist. Bevor er nach Europa kam, sammelte man dort den wilden Verwandten, den Sumpf-Ziest. Im 18. Jhd. begann man den Knollen-Ziest auch in Europa anzubauen.4

Die erste Kultur war in Frankreich. Über einen japanischen Physiker kam Ende des 19. Jahrhunderts der Knollen-Ziest in den Botanischen Garten in Paris. Ein Gärtner in der französischen Kleinstadt Crosne bei Paris pflanzte diese Rhizome an, worauf die Bezeichnung 'Crosne du Japon' zurückzuführen ist. Von dort erreichte die Pflanze auch lokale Hausgärten.1

Im frühen 20. Jhd. galt Knollen-Ziest als sehr beliebt. Doch in den 1970er-Jahren kam es zu einer problematischen Viruserkrankung, und zusammen mit der starken Ausbreitung des Knollen-Ziests (invasiver Charakter) verlor diese Kultur ihren Stellenwert. Da das Interesse an "neuen", natürlichen, nachhaltigen Produkten in vielen Bereichen wächst, bekommt auch der Knollen-Ziest als Lieferant traditioneller oder innovativer Anwendungen (funktionelles Nahrungsmittel) wieder mehr Aufmerksamkeit.4

Anbau - Ernte

Der Anbau von Knollen-Ziest ist in Mitteleuropa gut möglich, da er auch mit normalem Gartenboden zurechtkommt. Wichtig sind ein gut durchlässiger, leicht sandiger und feuchter Boden sowie viel Platz, damit andere Pflanzen ihn nicht überwuchern. Knollen-Ziest bevorzugt einen Platz in der Sonne oder im Halbschatten. Die Aussaat erfolgt im Herbst durch Samen oder über Teilung im Frühjahr.5 Die Knollen setzt man ab März ca. 10 cm tief in die Erde oder man zieht die Pflanzen ab Februar in Töpfen vor. Knollen-Zieste brauchen einen Reihenabstand von 50 cm und in der Reihe 20–40 cm. Die mehrjährige Pflanze kann zwei Jahre am Beet verbleiben, danach ermüdet der Boden. Da sich der Knollen-Ziest auch selbst Konkurrenz macht, sollte man regelmässig ernten.1 In Mitteleuropa kommt der Knollen-Ziest nur spärlich in Blüte und bildet kaum reife Samen aus.

Bei Kurztagpflanzen entstehen die 1-2 cm dicken Rhizomknollen erst, wenn die Nächte länger als die Tage sind. Daher muss man mit der Ernte bis Ende Oktober zuwarten. Solange der Boden nicht gefroren ist, kann man fortlaufend ernten.1

Weiterführende Informationen

Knollen-Ziest gehört zur Gattung der Zieste (Stachys) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die mehr als 300 Arten der Zieste kommen in gemässigten und tropischen Regionen des Mittelmeerraums, Asiens, Amerikas und des südlichen Afrikas vor.7 Nahe verwandt mit dem Knollen-Ziest ist der in Mitteleuropa heimische Sumpf-Ziest (Stachys palustris). Er bildet, ebenso wie der Knollen-Ziest, unterirdische und an ihrer Spitze knollig verdickte Ausläufer.5 Neben dem Sumpf-Ziest kommen auch der Wald-Ziest (Stachys sylvatica), der Woll-Ziest (Stachys byzantina) und der Aufrechte Ziest (Stachys recta) in Mitteleuropa vor.

Alternative Namen

Alternativ nennt man den Knollen-Ziest (Knollenziest) auch Chinesische Artischocke, Japanknolle, Japanische Kartoffel, Knollenkartoffel, Crosne du Japon oder Stachy. Der inzwischen veraltete wissenschaftliche Name Stachys sieboldii ist zu Ehren des deutsch-holländischen Japanforschers und Botanikers Philipp Franz von Siebold entstanden. Ein weiteres wissenschaftliches Synonym ist Stachys tuberifera.

Die englische Bezeichnung für den Ziest ist einfach nur Stachys. Alternative Namen auf Englisch sind hedgenettle, heal-all, self-heal, woundwort, betony und lamb's ears. Speziell den Knollen-Ziest bezeichnet man im Englischen auch als 'chinese artichoke', 'Japanese artichoke', 'crosne', 'knotroot' oder 'artichoke betony'.

Der Name 'Stachys' leitet sich vom griechischen 'Stachys' ab, was 'Ähre' bedeutet, und meint die Blütenstände, die denen des Weichweizens ähneln.4 'Affinis' ist ein lateinisches Wort und bedeutet 'artverwandt'. Dieser Begriff könnte ein Hinweis auf die vielen Arten des Ziests sein.

1.

Anbau: Knollenziest gedeiht am besten auf sonnigen Standorten und auf sandigen Böden.Die Knollen können ab März direkt geplanzt oder ab Februar in Töpfen vorkultiviert werden. Mit einem Reihenabstand von ca. 50cm und einem Abstand in der Reihe von 20 -40cm pflanzen. Die Knollen 8-10cm tief in die Erde stecken. Die Pflanzen sind mehrjährig und können maximal vier Jahre an einem Standort belassen werden, dann ermpdet der Boden. Knollenziest jöhrlich beernten, da sich die Pflanzen sonst gegenseitig Konkurrenz machen. Die Pflanzen blühen nur selten und bringen keine fruchtbaren Samen hervor.

....

Book: moderate evidence

Heistinger A. Arche Noah Handbuch Bio-Gemüse. 4. Auflage. Löwenzahn; 2010:404-507.

2.

The most important insight from this study is that there are massive differences in the GHG emissions of different foods: producing a kilogram of beef emits 60 kilograms of greenhouse gases (CO2-equivalents). In contrast, peas emit just 1 kilogram per kg.

Overall, animal-based foods tend to have a higher footprint than plant-based. Lamb and cheese both emit more than 20 kilograms of CO2-equivalents per kilogram. Poultry and pork have lower footprints but are still higher than most plant-based foods, at 6 and 7 kg CO2-equivalents, respectively.

For most foods — and particularly the largest emitters — most GHG emissions result from land use change (shown in green) and from processes at the farm stage (brown). Farm-stage emissions include processes such as the application of fertilizers — both organic (“manure management”) and synthetic; and enteric fermentation (the production of methane in the stomachs of cattle). Combined, land use and farm-stage emissions account for more than 80% of the footprint for most foods.

Transport is a small contributor to emissions. For most food products, it accounts for less than 10%, and it’s much smaller for the largest GHG emitters. In beef from beef herds, it’s 0.5%.

Not just transport but all processes in the supply chain after the food leaves the farm — processing, transport, retail, and packaging — mostly account for a small share of emissions.

This data shows this is the case when we look at individual food products. However, studies also show that this holds true for actual diets; for example, researchers Vilma Sandström and colleagues studied the footprint of diets across the EU. Food transport accounted for only 6% of emissions, whilst dairy, meat, and eggs accounted for 83%.4

 

root vegetables 0,4

Website

Ritchie H. You want To Reduce the Carbon Footprint of your Food? Focus on What You Eat, not whether your Food is Local. OurWorldInData.org. 2024.

3.*

This study suggests that using gentle cooking methods (e.g., stir frying) and using oils low in unsaturated fatty acids (e.g., palm oil or rapeseed oil) can reduce the production of aldehydes in COFs, especially long-chain aldehydes such as hexanal and t,t-2,4-DDE.

Kontrolliertes Experiment

DOI: 10.1016/j.jhazmat.2016.10.045

Study: weak evidence

Peng CY, Lan CH et al. Effects of Cooking Method, Cooking Oil, and Food Type on Aldehyde Emissions in Cooking Oil Fumes. Journal of Hazardous Materials. 2017;324:160-167.

4.*

Narrativer Review in wissenschaftlichem Journal

Extensive phytochemical and pharmacological research have validated the traditional uses of Stachys species, highlighting their antioxidant, anti-inflammatory, renoprotective, analgesic, antidepressant, and anxiolytic activities [3,4,11,12]

Over two hundred bioactive compounds have been identified, including polyphenols (such as phenolic acids, lignans, phenylethanoid glycosides, and flavone derivatives), and terpenes (such as diterpenes, triterpenes, iridoids), as well as essential oils [3,4,10,13].

According to Venditti et al. [3], 100 g of dried Chinese artichoke root provides 195 kcal. Carbohydrates, including simple sugars, are the dominant macronutrient group, comprising 36.94%, with simple sugars at 14.07%, proteins at 10.64%, and fats at 0.53%. Additionally, simple sugars are supplemented by stachyose, an oligosaccharide (tetrasaccharide) composed of galactose, fructose, and glucose, and amounting to 194.6 mg/g dry matter (dm), and raffinose at 42 mg/g dm [20], with stachyose purity at 87% (Figure 1). This oligosaccharide is not digested, but it is fermented in the large intestine by probiotic bacteria. Moreover, it acts as a prebiotic, serving as a substrate for probiotics, maintaining gut eubiosis, and inhibiting harmful bacteria proliferation. Due to its indigestibility, Chinese artichoke tubers are consumed in fermented form in China, making the oligosaccharides digestible [26]. However, stachyose can cause bloating and gastrointestinal issues in sensitive individuals. Despite these drawbacks, stachyose has hypoglycemic benefits by lowering blood glucose levels [27]

The tuber contains notably high potassium, phosphorus, calcium, magnesium, iron, and sulfur levels among the macroelements (Table 1). The most predominant microelements ranged from 0.15 (Nb) to 75.83 mg/kg (Na) (Table 2), and the presence of elements such as palladium, silver, cadmium, tin, antimony, lanthanum, tungsten, mercury, thallium, and uranium were below 0.10 mg/kg. The iron content is comparable to that found in Jerusalem artichoke [30]. Based on these dominant bioelements, the consumption of Chinese artichoke may offer significant health benefits. Another important component found in the tubers is dietary fiber, with a content of 35% dm. Dietary fiber is widely known to be a crucial part of the diet, positively affecting the digestive system, and acting as a prebiotic for probiotic bacteria in the gut microbiota, thus regulating...

This PUFA ratio is considered optimal for the prevention of certain diseases such as cardiovascular diseases, cancers, diabetes, obesity, rheumatoid arthritis, autoimmune diseases, depression, and asthma, with an ideal omega-6 to omega-3 ratio range of 1–4:1 [32,33]. 

S. affinis originates from central and northern China, where it has been cultivated since the 13th century [16]. Before its introduction to Europe, a related crop, S. palustris, was collected in nature and consumed as a vegetable. The Germanic peoples later used another relative, S. recta, as a medicinal plant [19]. The plant was cultivated in Europe from the 18th century onwards, with the first cultivation on a farm occurring in Crosne (Essonne Province), France in 1882. S. affinis is notable as the only labiate cultivated as a vegetable in Europe. It gained popularity in the early 20th century but was largely abandoned in the 1970s due to virus problems and the crop’s strong tendency to spread. In the late twentieth century, S. affinis gradually fell out of favor in Europe. However, following an international trend of rediscovery and revaluation, the Chinese artichoke has recently regained popularity. It is now available on the market and utilized in various culinary dishes [3,20,21].

DOI: 10.3390/molecules29153525

Study: weak evidence

Wiśniewski R, Harasym J. Chinese Artichoke (Stachys affinis Bunge): The Nutritional Profile, Bioactive Profile and Food Applications—A Review. Molecules. 2024;29(15):3525.

5.

Book: weak evidence

Bown D. Kräuter: Die grosse Enzyklopädie. Zweite, vollständig überarbeitete Auflage. (Royal Horticultural Society, ed.). DK, Dorling Kindersley Verlag GmbH; 2015.

6.

Regionales Gemüse hat nicht grundsätzlich einen geringeren Co2-Fussabdruck als Importware. Insbesondere im Falle einer nicht saisonalen Produktion können z.T. deutlich höhere Umweltlasten auftreten als bei Importware, vor allem wenn ungünstige Witterungsbedingungen technisch aufwendig kompensiert werden (z.B. durch Anbau in beheizten Gewächshäuser)
Die Verpackung sollte so materialarm wie möglich erfolgen - also nach Möglichkeit als lose Ware in Mehrwegsteigen.
Transportentfernungen wirken sich auf die Klimabilanz nur geringfügig aus. Dennoch spart jeder Transportkilometer Emissionen, so dass effizienten und kurzen Wegen aus Klimaschutzsich der Vorzug zu geben ist.
Die Direktvermarktung von loser Ware über regionale Wochenmärkte (durch den Erzeuger) ist aus Umweltschutzsich vorteilhafter als der Vertireb über Einzelhandelsketten, weil dadurch Kühl- und Lageraufwendungen vermieden und Transporte gering gehalten werden. Vorraussetzung ist, dass auf Wochenmärkten keine höheren Warenverluste auftreten als beim Vertrieb über Einzelhandelsketten. Dieser Vermarktungsweg ist jedoch bei heutigen Produktionsstrukturen nur für einen kleinen Teil der Ware möglich.

 

Website

Müller-Lindenlauf M, Zipfel G et al. CO2-Fussabdruck und weitere Umweltwirkungen von Gemüse aus Baden-Württemberg. IFEU Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH. 2013.

7.*

Narrativer Review in wissenschaftlichem Journal

The species S. affinis is widely used in Chinese traditional medicine for several uses such as common cold, heart disease, pain relief, antioxidant activity, ischemic brain injury, dementia and gastrointestinal related diseases [27,28,29,30].

The genus Stachys L., a large member of the Lamiaceae family, comprises more than 300 species, dispersing in temperate and tropical regions of Mediterranean, Asia, America and southern Africa [1,2,3]

DOI: 10.3390/medicines7100063

Study: weak evidence

Tomou EM, Barda C, Skaltsa H. Genus Stachys: A Review of Traditional Uses, Phytochemistry and Bioactivity. Medicines. 2020;7(10):63.

8.

ergibt zusammen mit Quelle 4 (Wiśniewski R, Harasym J. Chinese Artichoke (Stachys affinis Bunge): The Nutritional Profile, Bioactive Profile and Food Applications—A Review. Molecules. 2024;29(15):3525.) die Nährwerttabelle. Michael: "Im Vergleich mit der getrockneten Knolle sind diese im Schnitt um den Faktor 2.55 erhöht. Mit diesem Faktor habe ich alle Angaben von deiner Quelle Nr. 4 umgewandelt und das sind nun die finalen Nährstoffe, die du einsehen kannst."

Properties Per 100 g edible portion tubers of
Chinese artichoke contain: water 78.0 g, protein
4.3 g, fat 0.2 g, carbohydrates 14.6 g and ash 1.0 g.
The energy value is 320 kJ/100 g. The main carbo-
hydrate is the tetrasaccharide stachyose (gal-gal-
sucrose), which is exclusively localized in the vac-
uoles. In dormant tubers 80% of the dry weight is
stachyose (18% of the fresh weight). Other carbo-
hydrates present are sucrose, raffmose and ver-
bascose.

Buchkapitel

Book: strong evidence

Van den Bergh MH. Stachys sieboldii Miquel. In: Flach M, Rumawas F (Ed.) Plant Resources of South-East Asia No.9 Plants Yielding Non-Seed Carbohydrates. Leiden Netherlands: Backhuys Publishers. 1996: 155-156.

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