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Weidenröschen, roh (Epilobium)

Das Weidenröschen, roh (Epilobium) heisst auch Stauden-Feuerkraut, Waldweidenröschen, Waldschlag-Weidenröschen oder Bach-Weidenröschen.
72/18/10  LA:ALA
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Das Weidenröschen (Epilobium) kennt zahlreiche Unterarten. Im pflanzlichen Arzneimittel Herba Epilobii finden hauptsächlich das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) und das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum) Verwendung.

Verwendung in der Küche:

Junge oberirdische Pflanzenteile schmecken wie Feldsalat, während die Wurzeln einen süsslich-scharfen Geschmack aufweisen. Alle Pflanzenteile hinterlassen in rohem und unverarbeitetem Zustand einen leicht stumpfen bis rauen Belag im Gaumen. Durch Einlegen der feingeschnittenen Pflanzenteile in Zitronen- oder Essigsäure kann man diesen Effekt abmildern. Blüten und Knospen sind ebenfalls roh essbar und eignen sich als dekorative Zutat für Suppen und Salate. Junge, noch elastische Stängel kann man schälen und roh oder als Stangengemüse zubereiten.1

Rezept: Teezubereitung für Weidenröschentee

Aus den jungen Blättern und Blütenknospen, häufig des Schmalblättrigen Weidenröschens oder des Kleinblütigen Weidenröschens, lässt sich eine Art Grüntee zubereiten, der zusammen mit Fenchelsamen ein geschmackvolles Getränk ergibt.2 In Russland kennt man den Ivan-Tee oder Russischen Tee, früher auch Koporskij Tschaj (Копорский чай) genannt, bei dem es sich um fermentierten Weidenröschentee handelt. Dieser schmeckt ähnlich wie Schwarztee, enthält aber kein Teein (Koffein).3

Wild zu finden - Saison:

Das anspruchslose Weidenröschen gehört zu den Nachtkerzengewächsen und ist nahezu auf der ganzen Welt, vor allem auf der Nordhalbkugel, verbreitet. In Mitteleuropa wächst es bevorzugt auf Kahlschlägen, an Waldrändern sowie in Waldlichtungen und in der Nähe von Gewässern.2 Die verschiedenen Pflanzenteile (Blätter, Triebspitzen, Blüten und Blütenknospen, Wurzeln und Stängel) erntet man im zarten, jungen Zustand zwischen April und Juli.1

Das Kleinblütige Weidenröschen findet man an im Halbschatten liegenden Staudensäumen von Gehölzen. Die Hauptblütezeit ist von Juli bis September. Man sammelt das blühende Kraut, indem man es kurz über dem Erdboden abschneidet und danach gebündelt an der Sonne oder an einem luftigen Ort trocknet.10

Das Schmalblättrige Weidenröschen wächst bevorzugt auf Waldlichtungsfluren und im Gebüsch. Die Hauptblütezeit ist während der Monate Juli und August.1 Das Schmalblättrige Weidenröschen erreicht eine Höhe von bis zu 1,5 m, wobei der Blütenstand bis zur Hälfte der Wuchshöhe ausmachen kann. Die Stängel sind aufrecht und unverzweigt mit schmalen, langen und oben zugespitzten Blättern, die kurzgestielt sind. Die Blüten sind scheibenförmig und etwa 2-3 cm breit, die Blütenkronen vierzählig und purpurrot.1,4

Inhaltsstoffe:

Weidenröschen enthalten u.a. Flavonoide (Myricetin und Quercetin), Tannine, Beta-Sitosterin, Anthocyane, Triterpensäure und Gerbstoffe.1,2 Weidenröschen sind ausserdem reich an Mineralstoffen und Vitaminen, insbesondere weisen sie nennenswerte Mengen an Calcium, Magnesium, Folaten (Folsäure) und Niacin (Vitamin B3) auf.5

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen:

Bei längerer Anwendung von Epilobium kann es zu Magen- und Darmbeschwerden kommen.10

Gesundheitliche Aspekte:

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC), Fachgremium der Europäischen Arzneimittel-Agentur, welches auf wissenschaftlicher Basis Monografien für pflanzliche Arzneimittel erstellt, stufte die Herba Epilobii als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Verwendung als Teedroge finden das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) sowie das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum).

Aufgrund langjähriger Erfahrung kann Weidenröschen bei Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) dienen. Von Seiten des Arztes sollte jedoch eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen sein. Auch bei Magen- und Darmerkrankungen, Blasenentzündungen oder Miktionsstörungen (Blasenentleerungsstörungen) zeigt die Erfahrungsheilkunde Erfolg. Bis jetzt fehlen allerdings genaue wissenschaftliche und klinische Untersuchungen zur Wirksamkeit des Weidenröschens.2,6

Epilobium-Arten enthalten Phytosterole, als Hauptwirkstoff Beta-Sitosterin. Diese Substanzen nutzt man aufgrund ihrer starken physiologischen Wirksamkeit medizinisch. Bedeutend ist der vorbeugende und therapeutische Einsatz zur Symptomlinderung bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) sowie zur Senkung des Serum-Cholesterinspiegels. So zeigen klinische Studien bei einer Gabe von 1,5-2,0 g Phytosterolester pro Tag eine relevante Senkung der Cholesterin- bzw. LDL-Cholesterinkonzentration im Blut. Zu beachten ist die grundsätzlich geringe Resorption von fünf Prozent der mit der Nahrung aufgenommenen Phytosterole.7,8

Verwendung als Heilpflanze:

Epilobii herba kann man in Teeform (1,5 bis 2 g/250ml Wasser) zur Linderung von durch Prostatahyperplasie (BPH) bedingten Harnwegsbeschwerden einsetzen. In deutschen Apotheken sind Weidenröschen-Fertigtees verfügbar, die allerdings überwiegend als Haus- oder Kräutertees im Angebot sind (z.B. Aurica® Kleinblütiges Weidenröschen Tee, Bombastus Weidenröschenkraut kleinblütig, Salus® Weidenröschen-Mischung).9

Volksmedizin:

In früheren Jahrhunderten verwendete man Weidenröschenkraut u.a. gegen Durchfall, Menstruationsbeschwerden und Atemwegserkrankungen. Die heutige Verwendung von Epilobii herba bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) geht auf die österreichische Heilkräuterkundlerin Maria Treben zurück, die in den 1970er Jahren der fast vergessenen Heilpflanze zu neuer Popularität verhalf.9 Maria Treben hat aber das Kleinblütige Weidenröschen beschrieben, nicht das Schmalblättrige.

Siehe dazu auch, wie man in gewissen Kreisen Räucherungen (oder Rauchen) damit beschreibt: Es heisst, dass man mit Weidenröschen Geister herbeirufen kann, wenn man es mit Sandelholz mischt und bei abnehmendem Mond räuchert. Ist nicht unser Thema, obwohl das auch Indianer getan hatten. Um in Trance zu geraten, benutzten Schamanen zumindest das Schmalblättrige Weidenröschen zusammen mit Fliegenpilzen und Rauschbeeren (Vaccinium uliginosum).11

Vorkommen:

Weltweit gibt es fast 190 Weidenröschen-Arten, die hauptsächlich in den gemässigten Regionen Nordamerikas und Eurasiens vorkommen. In Europa sind mehr als 30 Arten bekannt. Einige Arten neigen zur Hybridbildung.10 Weitere bekannte mitteleuropäische Arten sind beispielsweise das Hügel-Weidenröschen, das Zottige Weidenröschen, das Berg-Weidenröschen, das Rosmarin-Weidenröschen oder das Rosenrote Weidenröschen.

Daneben kann man weitere seltene und gefährdete Arten wie das Quirlblättrige Weidenröschen, Mierenblättrige Weidenröschen oder Mieren-Weidenröschen, Alpen-Weidenröschen, Drüsige Weidenröschen, Dunkelgrüne Weidenröschen, Kies-Weidenröschen, Nickende Weidenröschen, Westliche Weidenröschen, Lanzettliche Weidenröschen oder das Vierkantige Weidenröschen finden.1

Eigener Anbau:

Samen oder Topfpflanzen verschiedener Weidenröschenarten kann man sortenrein am einfachsten online erwerben. Auch in Wildblumenmischungen sind Weidenröschen oft enthalten. Man sollte Weidenröschen vor der Samenreife zurückschneiden, um die Selbstaussaat zu vermeiden. Weidenröschen kann man als Bienenweide nutzen, da Bienen diese Pflanzen überdurchschnittlich stark anfliegen.

Tierschutz - Artenschutz - Tierwohl:

Weidenröschen sind wegen der oft grossen Bestände eine wichtige Bienenfutterpflanze. Neben Bienen sind Hummeln, Wespen und verschiedene Tagfalter häufige Bestäuber. Insbesondere das Schmalblättrige Weidenröschen dient Bienen hauptsächlich während der Monate Juni und Juli als Nahrung (Sommertracht). Der Oberbegriff Tracht bezeichnet die Nahrung, welche die Bienen eintragen, also Nektar, Pollen und Honigtau. Der Nektarwert des Schmalblättrigen Weidenröschens ist auf einer fünfstelligen Skala (kein, gering, mittel, hoch, sehr hoch) hoch und der Pollenwert mittel. Diese beiden Werte spiegeln den Wert für Insekten wider und dienen als Richtwerte und Entscheidungshilfe bei Neupflanzungen und Gartenarbeiten.4 Die Pflanzen nützen auch den Raupen von Schmetterlingen, z.B. dem Monarch (Lepidoptera) und den Nachtfaltern, z.B. der Art Actias luna aus der Familie der Pfauenspinner.

Allgemeine Informationen:

Die Gattung Epilobium gehört zur Unterfamilie der Onagroideae innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Weidenröschen (heisst nicht Weideröschen!) bezeichnet man allgemein auch als Feuerkraut. Weitere Alternativnamen sind gängig: Stauden-Feuerkraut, Waldweidenröschen, Waldschlag-Weidenröschen, Bach-Weidenröschen.

Nathaniel Lord Britton und Addison Brown haben in An Illustrated Flora of the Northern United States, 2. Auflage, Band 2, S. 590 Epilobium hirsutum L. als Lectotypusart festgelegt. Synonyme für Epilobium L. sind: Boisduvalia Spach, Cordylophorum Rydb., Cratericarpium Spach, Crossostigma Spach, Pyrogennema Lunell, Zauschneria C.Presl.

Literatur / Quellen:

  1. Fleischhauer, Steffen Guido; Guthmann, Jürgen; Spiegelberger, Roland: Enzyklopädie. Essbare Wildpflanzen. 2000 Pflanzen Mitteleuropas. 1. Auflage (2013); AT Verlag. Aarau.
  2. Niederegger, Oswald; Mayr, Christoph: Heilpflanzen der Alpen. (2006); Tyrolia-Verlag. Innsbruck-Wien.
  3. Deutschsprachige Wikipedia. Schmalblättriges Weidenröschen.
  4. Kremer, Bruno P.; Mein Garten – Ein Bienenparadies. Die 200 besten Bienenpflanzen. 2. Auflage (2018); Haupt Verlag. Bern.
  5. USDA (US Department of Agriculture). Weidenröschen.
  6. AWL Heilpflanzenlexikon. Arnold, Werner. Epilobium parvfilorum – Kleinblütiges Weidenröschen. Epilobium angustifolium – Schmalblättriges Weidenröschen.
  7. Kasper Heinrich. Ernährungsmedizin und Diätetik. 12. Auflage. München; 2014. Elsevier GmbH Urban & Fischer.
  8. PTAheute. Weber-Fina, Ulrike. Weidenröschen – ein Prostatamittel.
  9. Deutschsprachige Wikipedia. Weidenröschen.
  10. M. Pahlow; Das grosse Buch der Heilpflanzen (Gesund durch die Heilkräfte der Natur), Nikol Verlag; 2013.
  11. Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT Verlag, 14. Auflage, 2018.

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