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05.07.2003 22:35:00
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4 Rohkostformen

Sie erkennen aus diesem Beitrag, dass es zahlreiche Rohkostrichtungen gibt. Wählen sie zumindest am Anfang kein enges Schema. Lernen Sie in der Praxis dazu.
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Bei dieser Artikelfolge ist das Zurückgehen zum vorherigen Beitrag mit obigem Link möglich, z.B. falls Sie direkt per Suchmaschine hierher kamen. Siehe auch den Link zum nächsten Text. Diese zehn zusammenhängenden Texte bezüglich Rohkost überarbeitete ich 2014. Alle anderen Texte entstanden neu.

Zusammenfassung

Dieser Beitrag setzt sich mit verschiedenen Rohkostformen auseinander. Einige sprechen Sie an, andere nicht. Jeder Autor führt seine Begründungen an, die für ihn und seine Anhänger für eine spezielle Rohkost gelten.

Nicht alle Personen sind gleich kritisch eingestellt, sondern viele lassen sich von der erstbesten Idee überzeugen und verbleiben dann verbissen bei den Ansichten. Nur so entstehen auch Sekten.

Sekten sind entweder kleinere kirchliche Organisationen, die eine Nebensache zur Hauptsache stilisieren oder philosophisch oder politisch "enge" Anhängerschaften. Jede Sekte wirkt auf ganz eigene Art. Bei vielen nicht eindeutig klaren Lebensgrundlagen entstehen ähnliche Situationen. Absichtlich oder gläubig gelenkte "Andersartigkeit" entsteht - meist über geschickt und überzeugend geschriebene aber einseitig orientierende Bücher. Diese Autoren verwechseln ebenfalls Nebensachen mit Hauptsachen.

Ein Normalköstler, der sich nicht mit dem Thema Ernährung befasste, kann auch Rohköstler in einer solchen Ecke sehen. Ehrlich: Was hätten Sie früher bei der Begegnung mit einem Rohköstler gedacht, als Sie noch nichts über die messbaren positiven Wirkungen wussten?

Dazu kommt, dass bei jeder Form von Kostumstellung positive und negative Resultate gemischt auftreten. Allen Rohkostformen ist grösstenteils gemeinsam, dass sie die Gesundheit zumindest vorübergehend verbessern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter Gesundheit "ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen."

Wenn jemand solches Wohlergehen verspürt, ist klar, dass die Person auf die entsprechende Kostform "schwört" und sie nicht gegen eine unbekannte tauschen will, auch wenn die gewählte Form später vielleicht zu Problemen führen kann.

Anzustreben ist eine möglichst langfristige und perfekte Wirkung. Im Leben besteht eigentlich alles aus Kompromissen. Darum spielt die praktische Durchführbarkeit einer Kostform und ihre bewusste Optimierung eine grössere Rolle als die Maximierung um jeden Preis.

Salatteller mit grünem Salat, Gemüsezwiebel, Tomate, Gurke, Karotte und einer schwarzen Olive.

Alle Bilder sind auf gross klickbar, danach sind sie auch wechselbar.

Salatteller mit grünem Salat, Gemüsezwiebel, Tomate, Gurke, Karotte und einer schwarzen Olive.

Bild Wikipedia für Vorspeise, Foto von "Peng".

Seien Sie kritisch, prüfen Sie Verschiedenes zumindest als Lektüre, um eine möglichst optimale Form zu finden.

Die Wahl kann je nach Ihrem gesundheitlichen Zustand und Ihrem Gusto durchaus unterschiedlich ausfallen. Die Erfolge sind oft direkt messbar. Lassen Sie sich nicht in ein enges Schema pressen, lernen Sie im Verlauf der Zeit dazu! Leisten Sie sich auch Experimente.

Rohkostformen

Wie bei der Kochkost finden wir zahlreiche und sehr verschiedene Ernährungsformen auch bei Rohkost. Bei der Kochkost unterscheiden wir u.a. Veganer, Lacto-Vegetarier, Ovo-Lacto-Vegetarier (Vegetarier) und Omnivoren (normale Allesesser). Das Gleiche gilt für Rohköstler.

Innerhalb der Omnivoren kennen wir verschiedene Kostformen wie Nationalgerichte, Vollwertkost (Vollwerternährung), Trennkost (Hay'sche Trennkost), Makrobiotik (Georges Ohsawa 1893-1966), Nouvelle cuisine, Mittelmeerküche, Fast Food, Design Food etc. aber auch fremdländische Kostformen aller Art. Beispiele sind Ernährung nach den 5 Elementen aus China, Asiatische Küche (17 Kostformen sind da aufgezählt), etc.

Nicht mitgezählt ist die endlose Zahl von z.T. sicher positiven aber auch von abzulehnenden Diäten. Sowohl bei Koch- und Rohkost sollten wir eine vorübergehende Diätform von einer Dauerernährung unterscheiden. Eine vorübergehende Kostform, also eine Diät dient einem bestimmten Ziel, nicht der ständigen Ernährung, wenn der Begriff richtig zur Anwendung kommt.

Hüten Sie sich vor Büchern, die schon im Untertitel z.B. so etwas erwähnen: "Die einzige Methode die an der Ursache für Fettsucht und Übergewicht ansetzt und diese für immer beseitigt". Rezeptbücher und Bücher über Kostformen kommen zu Tausenden vor. Ältere dieser Bücher finden Sie zu Spottpreisen auf Flohmärkten, in Trödelmärkten, Brockenhäusern bzw. Gebrauchtwarenläden oder Secondhandläden - etwas teurer wohl im Antiquariatsbuchhandel. Sie finden die unglaublichsten Vorstellungen von spezieller Ernährung. Wenn Sie alles lesen, dürfen Sie nichts mehr essen.

Beschreibung der Kostformen nach Inhaltsstoffen

Für Rohköstler gelten die gleichen Begriffe wie für Kochköstler. Laien verwechseln aber oft den Unterschied zu Rohkost oder glauben, dass Rohköstler Vegetarier seien. Darum zeige ich hier die Unterschiede von Ernährungsformen, die bei beiden Zubereitungsformen vorkommen und unter einem bekannten, festen Begriff anzusiedeln sind:

Veganer

Rohkost Restaurant nur vegan: Pure food and wine, New York City: ein Tartar - aber mit Tomaten.

"Pure food and wine", New York City: ein Tatar - aber mit Tomaten.

Bild links das Tatar, rechts Tisch ohne Gäste.

Rohkost Restaurant nur vegan: Pure food and wine, New York City: Innenansicht Tisch ohne Essen.

Veganer sind eigentlich "strenge Vegetarier", nämlich Personen, die sich ausschliesslich von pflanzlicher Kost ernähren. Einige lehnen sogar Honig ab oder tragen kein Leder, falls sie diese Kostform aus streng ethischen Gründen pflegen.

Eine Untergruppe der Veganer sind die Makrobioten. Diese Kostform existiert nur für die Kochkost, da gekochter Reis ein ganz wesentlicher Bestandteil davon ist.

Da Getreide während einer - im Vergleich zur Menschwerdungszeit - sehr kurzen Spanne zum Einsatz kam, verzichten manche Personen auf Getreide und konzentrieren sich auf Früchte und Gemüse. Das empfinden Sie wohl als überspitzt. Tatsächlich lebt aber eine grössere Anzahl Menschen mit z.T. versteckten Unverträglichkeiten gegenüber Getreideprodukten.

Einige Menschen grenzen Ihre Ernährung noch weiter ein. Frutarier (Fruitarier, Fructarier, Frutaner, Fruitaner, Fruganer) essen z.B. nur Früchte, Nüsse und Samen. Auch da sind Allergien möglich. Die Ernährungsform führt leicht zu Mangelsymptomen bei Vitamin B12, Calcium, Zink, Eisen und Iod. Die Bewegung existiert mindestens seit 1893.

Gewisse Fruitarier wollen keine Pflanzen durch Entwurzelung oder Abreissen von Blättern schädigen oder töten. Dies ist möglicherweise keine ausgewogene Ernährung für den Menschen, auch wenn das bis zu zehn Jahre gut gehen kann. Statt diese Ernährungsform einfach so zu disqualifizieren, sammle ich gerne Erfahrungsberichte darüber. Schreiben Sie mir einen Bericht, falls Sie so leben?

Vor allem möchte ich herausfinden, wie das die Jain-Religion (Jainismus) während mehr als 2500 Jahren pflegte und mit welchen Resultaten. Die Jain sind keine Fruitarier. Sie essen nach speziellen Regeln und schützen dabei das Leben extrem. Strikte Anhänger essen nichts von einer Pflanze, das die Pflanze töten würde. Unter Berücksichtigung der Mangelrisiken ist diese Ernährung zwar gangbar, aber für den Körper auf lange Dauer alles andere als optimal.

Buchweizen-Samen (Fagopyrum esculentum) als Getreideersatz bei Glutenempfindlichkeit, Bild Mariluna.

Buchweizen-Samen für Personen mit Glutenunverträglichkeit, z.B. Zöliakie. Zahlreiche Menschen reagieren nicht nur auf Gluten (Klebereiweiss), sondern auch auf Milchprodukte.

Bild von Mariluna, Wikipedia unter Pseudogetreide.

Für alle Kostformen:

Seit 2005 ist bekannt, dass viel mehr Personen unter Glutensensitivität leiden als gedacht. Eine früh erkannte Nahrungsmittelunverträglichkeit ist kein Problem, doch Verzicht ist dann nötig. Also: Falls sich jemand nicht "pudelwohl" fühlt, kann das vorübergehende Auslassen von Getreideprodukten und das Messen und Vergleichen von Blutdruck und Pulsfrequenz direkte Resultate liefern. Verdauungsbeschwerden (Malassimilation) zeigen sich oft als vorübergehenden Blähbauch (Meteorismus oder Flatulenz bis zu Indigestion).

Die Pseudogetreide bzw. Pseudozerealien wie Amarant (auch Rispen-Fuchsschwanz, Amerika), Quinoa, Weisser Gänsefuss (alles Fuchsschwanzgewächse) Buchweizen (Knöterichgewächs) sind botanisch gesehen keine Gräsersamen und bilden deswegen einen guten Getreideersatz für Personen, die an Glutenunverträglichkeit, z.B. an Zöliakie leiden.

Mehr und mehr sind Kinder und Erwachsene bekannt, die weder Gluten noch Kasein (Milchprodukte) zu sich nehmen dürfen und darum von Gfcf-Ernährung leben. Vor allem Autisten und Menschen mit ADHS und gewissen weiteren Störungen sollten strikt auf Milchprodukte und Getreideprodukte verzichten. Nur ist das zu wenig bekannt. Der Unterschied ist aber riesig! Siehe auch die Buchbesprechung Die Ernährungslüge.

Gemäss Wikipedia zeigen je nach Test zwischen 3 und 15 % der Normalbevölkerung Anti-Gliadin-Antikörper (AGA), also eine idiopathische Glutensensivität (GS, Non Celiac Gluten Sensitivity, NCGS, Glutenunverträglichkeit).

Wenn Wikipedia nach einigen Ausführungen zum Weizen so schreibt: "Eine kürzlich erschienene Publikation stellt sogar die Frage, ob Weizen überhaupt für irgendjemanden gesund ist.", dann heisst das etwas. Die Publikation stammt von 2006. Siehe Link zu Glutensensivität (gelöscht).

Erst ab 2005 erkennt die Wissenschaft wenn jemand an glutensensitiver Enteropathie (GSE) leidet! Das ist zuerst eine Vorstufe von Zöliakie (Sprue), so dass diese beim frühzeitigen Erkennen von GSE und entsprechender Umstellung der Ernährung vemeidbar ist. Schon alleine daran ist erkennbar, dass Modebücher über spezielle Diäten in die Irre führen. Das Thema ist viel komplexer.

Lacto-Vegetarier und Ovo-Vegetarier

Lacto-Vegetarier lehnen nicht alle tierischen Produkte ab, sondern verzehren auch Milch und Milchprodukte, während sie Eier ablehnen. Sicherlich kommen auch die Ovo-Vegetarier mit dem umgekehrten Verhalten vor. Sie essen keine Milchprodukte (Milcherzeugnis) aber Eier.

Ovo-Lacto-Vegetarier (Vegetarier)

Ovo-Lacto-Vegetarier sind Personen, die keine von toten Tieren stammenden Nahrungsmittel zu sich nehmen. Dazu gehören neben Landtieren auch Fische, Weich- und Schalentiere. Für noch strengere Richtungen dienen die oben beschriebenen Unterbegriffe. Laien bezeichnen Ovo-Lacto-Vegetarier kurz als Vegetarier.

Begriffe wie Veganer und Lacto-Vegetarier schränken die allgemeine vegetarische Kostform zusätzlich ein.

Halbvegetarier und Pesco-Vegetarier

Eigentlich sind Fisch essende Personen keine Vegetarier, höchstens Pseudo-Vegetarier (Pseudovegetarier). Trotzdem verwenden einige das Wort Halbvegetarier, Teilzeitvegetarier oder Beinahevegetarier für Personen, die rotes Fleisch meiden, dafür aber hin und wieder Fisch oder Geflügel oder besonders selten Fleisch essen.

Sind die "toten Tiere" jedoch keine Warmblüter, sondern immer nur Meerestiere, dann gilt der Ausdruck PescoVegetarier bzw. Pescetarier (Pescetarismus, Ovo-Lacto-Pesco-Vegetarismus, Ovo-Lacto-Pisce-Vegetarismus, Pesci-Vegetarismus). Solange die Frage der Versorgung mit Vitamin B12 bei Veganern nicht restlos geklärt ist, verstehe ich, dass gewisse Veganer hin und wieder Fisch essen. Allerdings nützt das praktisch nichts für die Fragestellung Vitamin B12. Pro Mahlzeit kann der Körper nur wenig aufnehmen, auch wenn "viel ankommt". Es soll aber auch Antipescetarier geben ...

Auch als veganer Rohköstler pflegte ich nach den ersten sieben sehr strickten Jahren hin und wieder rohen Fisch zu essen, um bezüglich Vitamin B12 "auf der sicheren Seite zu stehen". Nicht wegen den nun viel gepriesenen Omega-3-Fettsäuren, dem Jod, Vitamin A, oder E, denn das nehmen wir als ausgewogen essende Rohköstler genug ein, sondern wegen dem Vitamin-B-Komplex - den übrigens auch normale Trockenhefe bzw. Nährhefe liefert - aber auch nicht mit genügend Vitamin B12. Das Problem um Vitamin D und B12 bespreche ich separat und ausführlich. Nährhefe ist übrigens keine Rohkost, sondern eine durch Hitze inaktivierte Hefe.

Spaghetti ist vegetarisch aber nicht Rohkost. Foto Dr. Conati, public domain. Zum Thema: Wie ernähre ich mich sicher falsch? Schokolade-Mousse, ein typischer Nachtisch für Pudding-Vegetarier, Foto scribacchina, flickr.
Links (Foto Dr. Conati, publ.dom.): Spaghetti ist wohl vegetarisch aber nicht Rohkost. Rechts (Foto Flickr user scribacchina): Schokolade-Mousse ist ebenfalls gekocht, beides Zusammen ist schädlich und gehört zur Ernährung der Pudding-Vegetarier.

Puddingvegetarier

Vor einigen Jahrzehnten war bei den Vegetariern besonders das Süsse die grosse Lust. Heute meiden zwar eher Kinder aus Tierschutzgründen Fleisch, bekommen dafür aber viel Mehl- und Süssspeisen (Palatschinken, also Eierkuchen, Pudding etc.). Solche Vegetarier leben womöglich noch ungesünder als Normalköstler.

Wohl zeigen Langzeitstudien, dass Vegetarier sich in mancher Beziehung viel besser ernähren als Normal- oder Vollwertköstler, doch kommen bei einer Aufteilung in Untergruppen wegen dem ganz unterschiedlichen Verhalten auch ganz unterschiedliche Resultate vor. Besonders Puddingvegetarier leisten dem Vegetarismus einen Bärendienst, schaden ihm also, wenn der gesundheitliche Aspekt zählt.

Abschliessend ist feststellbar, dass Menschen, die sich vegetarisch oder mit Rohkost ernähren erstaunlich oft auch auf Nikotin- und Alkoholgenuss verzichten oder nur selten alkoholische Getränke und dann in kleinen Mengen zu sich nehmen.

Prominente Vegetarier oder Rohköstler

Da ich diese Liste aus dem Buch Warum ich Vegetarier bin von Helmut F. Kaplan (rororo Sachbuch 9675 von 1995) zitiere, kann ich weder für Vollständigkeit garantieren, noch sicherstellen, ob die Aufgezählten den Vegetarismus lebten und wenn ja, wie lange.

Wikipedia in deutsch führte eine sehr unvollständige Liste prominenter Veganer aber nur einen geschichtlichen Abriss mit Namensnennungen für Vegetarismus. Die Seite über Veganer ist inzwischen sogar gelöscht! Dafür gibt es auf englisch eine viel bessere Beschreibung und eine umfangreiche "List of vegetarians" mit sehr prominenten Namen.

Jedenfalls meinte der Dichter George Bernard Shaw: "Tiere sind meine Freunde - ich esse meine Freunde nicht."

Oder von Wilhelm Busch ist bekannt: "Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei, sondern jeder Fleischgenuss als Kannibalismus gilt". Mir ist bekannt, dass Mahatma Gandhi, der Staatsgründer Indiens, Rohköstler war. Auch Jesus soll (als Essener, siehe Essenerbrot) Vegetarier oder Veganer gewesen sein. Wir sollten jedoch zwischen Beweisen und Mythos unterscheiden.

Vegan heisst nicht unbedingt roh. Hier ist vermutlich alles gekocht. Fotos flickr, Zeetz Jones.

Vegan heisst nicht unbedingt roh. Hier ist praktisch alles gekocht.

Foto flickr, Zeetz Jones, flickr.com/photos/zeetzjones.

Die sehr unvollständige Liste (von 2001): die Schauspielerin Lil Dagover, der Schriftsteller Karl Heinz Deschner, der Theologe Eugen Drewermann, der Erfinder Thomas A. Edison, Albert Einstein, der Schauspieler und Privatgelehrte O.W.Fischer, die Sängerin Nina Hagen, die Literatin Lotte Ingrisch, der Sänger Michael Jackson, die Schriftsteller Franz Kafka, Manfred Kyber, die Sängerin Madonna, die Musiker Paul und Linda McCartney, der Liedermacher Reinhard Mey, der Dichter Christian Morgenstern, die Pianistin Elly Ney, die Politikerin Madeleine Petrovic, der Schriftsteller Volker E. Pilgrim, Romain Rolland, Jean Jacqes Rousseau, die Schauspielerin und Autorin Barbara Rütting, Albert Schweitzer, der Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac B.Singer.

Unter [vegetarier.at] finden wir eine Reihe von weiteren Persönlichkeiten aus der Unterhaltungs- und Medienbranche, die dem Vegetarismus zumindest nahe stehen: Dirk Bach, Kim Basinger, Elisabeth Berkley, Linda Hair, Blümchen, Doris Dörrie, Amelia Fried, Richard Gere, Woody Harrison, Elke Heidenreich, Chrissie Hynde, Stephie Kindermann, Katja Lührs, Stella McCartney, Stephanie Philipp, Kate Pierson, Shania Twain, David Wilms.

Rohkostdiät

Mit Diät meine ich eine vorübergehende Kostform, etwa zur Bewältigung einer Krankheit. Rohkostdiäten halte ich dann für sinnvoll, wenn sie als Vorbereitung für den Versuch einer eigentlichen Umstellung dienen. Diäten bieten dafür spezialisierte Kliniken oder Kurhäuser an. Meist sind Sie da durch Diätassistenz begleitet (Diätologen, Ernährungsberater, Ernährungsfachperson) und von medizinisch geschulten Personen umgeben.

Zudem gestalten Fachleute in einer speziell dafür angelegten Klinik das Essen oft interessanter und abwechslungsreicher, als Sie das zu Hause als Einsteiger tun. Meistens finden Sie dort auch geeignete Literatur, Gleichgesinnte und Anregungen für Ihr eigenes Vorhaben. Zu beachten ist allerdings, dass viele Institutionen einen besonderen Weg gehen, indem sie eine bestimmte Art Rohkost praktizieren.

Möglicherweise finden Sie eine sehr spezielle Art von Rohkost und eine Intoleranz gegenüber anderen Rohkostformen vor. Dabei ist die gesteigerte Gesundheit beim Wechsel von Kochkost auf Rohkost so entscheidend, dass Differenzen bezüglich Kostform in der Rohkostszene eigentlich keine Rolle spielen sollten. Lassen Sie sich nicht in ein enges Schema pressen.

Probieren Sie aus, informieren Sie sich eingehend über Vor- und Nachteile und lassen Sie sich ganz bewusst verschiedene Meinungen erklären, nicht DIE EINE! Ich meine: "Rohkost ist schon so weit von der Normalkost entfernt, dass Sektierertum unnötig ist und kontraproduktiv wirkt". Nur für wenige Spezialfälle ist vorübergehende Rohkostdiät mit speziellen Regeln angezeigt. So wie die Rohkost heilen kann, erzeugt anschliessende Normalkost mit der Zeit wieder die alten Probleme.

Raw Food Restaurant probably in California, Spring 2013, overview.

Eingangsbereich eines veganen Rohkostrestaurants in Kalifornien, Frühling 2013. Die Menüs und Getränke sind ab Schiefertafeln mit Preisen ablesbar. Das Restaurant ist relativ einfach und sauber. Selbst gefertigte Esswaren sind für das Mitnehmen (take away) im Angebot.

Eigenes Foto.

Vegane Rohkost

Der Anteil von gelegentlicher Kochkost wirkt negativer als die Wahl einer verbreiteten Kostform innerhalb der Rohkost. Ich bezeichne Rohköstler erst dann als solche, wenn sie mehr als 90 % der Nahrung in Form von Rohkost einnehmen. Eigentlich sollten Untersuchungen an Rohköstlern auch nur unter diesem Aspekt erfolgen, denn die Auswirkungen immer wiederkehrender Kochkost sind enorm.

Krebsprävention via Ernährung ist noch nicht so bekannt. Trotzdem zeigt Wikipedia einige interessante Fakten:

  • "Eine erhöhte Ballaststoffaufnahme senkt das Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken. Schon eine Erhöhung der täglichen Ballaststoffmenge von 15 auf 35 g senkt dabei das Risiko um 40 %.

  • Ein hoher Fleischkonsum (rotes Fleisch) erhöht das Darmkrebsrisiko, während Fischkonsum dieses Risiko deutlich senkt. Je 100 g verzehrtem roten Fleisch steigt das Darmkrebsrisiko um 49 %. Im Fall von Wurst steigt es sogar um 70 % an. Im Gegensatz dazu wird durch den Verzehr von 100 g Fisch das Risiko für diese Erkrankung halbiert.

  • Je 80 g Obst und Gemüse täglich reduzieren das Risiko für Mund-, Rachen-, Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs um 9 %. Dieser Effekt hält bis zu einem Schwellwert von 300 g pro Tag an. Größere Mengen können das Erkrankungsrisiko vermutlich nicht noch weiter absenken.

  • Der verstärkte Verzehr von Butter, Margarine, verarbeitetem Fleisch und Fisch, in Kombination mit einem geringen Konsum von Brot und Fruchtsäften, erhöht das Risiko für Brustkrebs."

In deutscher Sprache kommt danach natürlich wieder eine Relativierung, in dem man dazu geeignete Studien der EPIC 2010 auswählt (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition). Man informiert so, wie es die Industrie will und pickt die Rosinen aus dem Ganzen.

Denken wir nur an die unterschiedliche Magen-Darmpassage (Passage) der beiden Kostformen. Rohkost 4 Stunden im Magen, 20 Stunden im Darm, Kochkost je nach Zusammensetzung 90 Minuten bis drei Stunden im Magen, z.T. Tage im Darm. Vermischung kann Gärungen und/oder Fäulnisprozesse im Darm hervorrufen. Jede volle Kochmahlzeit lässt das System durcheinander bringen. Wenn Sie einen Monat oder mehr ohne Ausnahme Rohkost essen, nehmen Sie solche Ausnahmen beim Wechsel zu Kochkost bei Ihrer Verdauung und Ihrem Befinden wahr.

Ich beginne mit der striktesten Rohkostform, die jegliche Art von tierischem Eiweiss vermeidet. Oft ist mässiger Honigkonsum von dieser Regel ausgeschlossen. Bei der Giessener Rohkost-Studie - siehe die Buchbesprechung - finden sich auch Rohköstler, die diese Kostform am striktesten einhalten. Der Gesundheitsgedanke vermischt sich hier mit dem ökologischen Gedanken und der tragischen Tierhaltung.

Mehr und mehr Menschen wollen aus verschiedenen Gründen die völlig überrissene und für die Welt und uns schädliche Tierhaltung eindämmen. Beispielsweise geht die britische Tierschutzorganisation Peta gegen den Konsum von Milch sehr militant vor [milksucks.com]. Anhand von Comics-Postkarten zeigt die Organisation, dass Milch dick mache, Allergien hervorrufe und mit Hormonen und Schadstoffen belastet sei. [FACTS 20.9.01-117]

Interessanter ist deren Internetauftritt. Die Seiten weisen auf zahlreiche internationale Studien hin, die den Zusammenhang von viel Milch bzw. tierischen Produkten mit diversen Krankheiten aufzeigen. Prominente Studien zeigen das gleiche klare Bild: Je mehr tierische Produkte die Menschen konsumieren, desto mehr kommen Osteoporose, Brustkrebs, Prostatakrebs, Gelenkschäden wie Hüftgelenksarthrose, Kniegelenksarthrose und weitere Krankheiten vor!

Die Gründe dazu sind klar. Ich beschreibe sie separat. Wenn Sie bei Wikipedia unter Osteoporose nachschauen (Link oben) und sich im Thema auskennen, dann erkennen Sie, wie schamlos die Industrie im Verbund mit "alter Medizin" hier die "Sache in der Hand behält"! Textbeispiel April 2014:

"Zur Prävention trägt eine ausreichende Calcium-Aufnahme von etwa 1 g/Tag entscheidend bei (Basistherapie DVO). Ein Gramm Calcium ist in einem Liter Milch oder 100 g Hartkäse enthalten. Neben Milchprodukten (hierbei vor allem Milch und Joghurt) sind vor allem grüne Gemüsesorten wie Grünkohl und Broccoli sehr gute Calcium-Lieferanten. Wer keine Milch trinkt und keinen Käse isst, sollte täglich 800 mg Calcium in Tablettenform zu sich nehmen."

Wer weiss, wie schädlich Milchprodukte bei Osteoporese sind, ärgert sich. Die Patienten leiden weiter. Siehe auch diese Buchbesprechung zur Schädlichkeit von Milch. In Englisch ist bei Wikipedia alles über Milch und Milchprodukte schon länger verschwunden. Auch das mit Vitamin D-Einnahme ist relativiert - aber eine positiv wirkende Ernährungstherapie ist nicht angesprochen.

Raw Food Restaurant Rawlicious, New York City, card 2013 for Salads, Entrees etc.

Speisekarte eines einfachen Rohkostrestaurants in New York Ciy, "Rawlicious". Die Karte stammt aus Frühling 2013 und bietet Salate und Vorspeisen an.

(Eigenes Bild, Handy-Schnappschuss bei schlechtem Licht).

Unter Veganern finden sich die meisten Sektierer in Sachen Ernährung, vielleicht auch bezüglich der Gesellschaft. Diese Kostform erachte ich aber auch als besonders gesund, auch wenn ich gelegentlich rohen Fisch konsumiere, also nicht strikt zu dieser Gruppe gehöre. Hier versuche ich Ihnen die Sinne zu schärfen, damit Sie enge oder auf Dauer weniger vorteilhafte Kostformen beurteilen bzw. möglichst vermeiden.

In die Gruppe der veganen Rohkost gehört die Bewegung "Living Foods" von Dr. Ann Wigmore. Sie begründete diesen "Living Foods Lifestyle" in den Jahren von 1960 bis 1990 in Boston, USA. Sie starb 1994 im Alter von 84 Jahren an einem Unfall (Erstickung durch Brand). Davor eröffnete Sie verschiedene Institute. Eines davon befindet sich in Puerto Rico, dieses existiert noch.

Ann Wigmore wies darauf hin, dass schon 3000 Jahre vor Christus in China Instruktionen für das Spriessen von Samen zu Esszwecken existierten und dass Hippokrates' Lehren um 400 vor Christus auch in diese Richtung gingen. Andere AmerikanerInnnen gründeten weitere Rohkostrichtungen.

Ebenfalls in Europa lebten frühe Verfechter von reiner veganer Rohkost, die heute mangels Nachfolger der entsprechenden Richtung nicht mehr so bekannt sind. Nachfolger stützten sich z.T. auf solche Lehren, entwickelten aber unter eigenem Namen Eigenarten und hoben sie hervor. In Deutschland z.B. existieren heute bei den veganen Rohköstlern sogenannte "Sonnenköstler" oder Urköstler nach Franz Konz als klare Gruppierung.

Die meisten veganen Rohköstler pflegen keine speziellen Eigenarten oder Einschränkungen. Daneben existieren Personen, die nur von wenigen Früchten oder von Gemüse allein leben wollen oder gewisse vegane Nahrung ablehnen. Da kann ich nicht beurteilen, ob die Ernährung ausreichend abwechslungsreich ist, bei den oben genannten Gruppen aber schon, sofern sie sich abwechslungsreich und von der Menge her ausreichend versorgen und ihnen ihr Gesundheitszustand keine Einschränkungen auferlegt.

Einschränkungen durch Enzymschwächen oder durch Folgen grosser Operationen im Verdauungstrakt sind möglich und fordern eventuell einen anderen Weg.

Rohkost Restaurant nur vegan: "Pure food and wine", New York City: keine Milchprodukte!

Ein veganes Rohkostgericht. Das Weisse enthält keine Milchprodukte. Kreation von "Pure food and wine", New York City.

Bild erhalten vom Restaurant durch Nicky Quinn, Februar 2014.

Extremformen veganer Rohkost

Für eine vorübergehende Diät eignen sich manchmal spezielle Formen von Saftkuren (z.B. nach Rudolf Breuss) oder eine spezielle, auf wenige verschiedene Lebensmittel konzentrierte Ernährung. Bis zu sechs Wochen kann die Aufnahme solcher Kost dauern, ohne dass ein gesunder Menschen Schaden nimmt. Die fehlenden fettlöslichen Vitamine holt sich der Körper aus seinen Reserven. Auf Dauer ist das aber ungesund. Zwei oder drei Wochen wären wohl ein Optimum. Vor allem ist Krebs nicht einfach weggeputzt wie Breuss dies behauptet, wenn man zur alten Lebensweise zurückkehrt.

In den 1980er Jahren hatte ich einen ca. 35 Jahre alten Österreicher, von Beruf Unternehmer, bei seiner Breusskur begleitet, da ich damals in Teneriffa biologische Produkte aus meiner Landwirtschaft verkaufte. In Österreich galt er als austherapiert und er wusste, was das beim malignen Melanom bedeutet.

Das metastasierte Melanom war nach 6 strikt eingehaltenen Breuss-Kurwochen verschwunden. Keine tastbaren Lymphknoten, beste Blutwerte gemäss Swiss Lab. Ganz entgegen meinen Ansichten hatte er danach wieder seinen etwas geniesserischen Lebensstil aufgenommen. Nach einigen Monaten kam die Krankheit zurück und er starb nach etwa einem weiteren Jahr, wie von mir erwartet.

Er glaubte stur an diese Kur als definitiv heilend und war ein sehr gläubiger Mensch mit für meine Begriffe zu wenig Realismus. Das kann man an dem erkennen, dass er an einem Ort Orangensaft statt Wasser mit etwas Zitronensaft erhielt und das auch trank - aber dann voller Reue zu mir kam und fragte, was er jetzt tun soll. Ich habe ihm geraten, einfach einen Tag an die Kur zu hängen, denn ich wusste, dass er sonst an seiner Heilung gezweifelt hätte.

Zudem kam er auch beim Rückfall nicht auf meine Empfehlung strikt vegane Rohkost zurück. Davor hatte er mich sogar deswegen ausgelacht, weil er so fest an diese Kur glaubte.

Ohne speziellen Grund wollte ich im Jahr 2006 diese Kur an mir selbst ausprobieren, hielt aber - bei vollem Arbeitspensum - 3 Tage weniger durch. Aufgegeben hatte ich, weil ich während eines Telefongesprächs meine eigene, sehr einfache Nummer nicht sagen konnte.

Es spricht nicht für einen intakten und sicheren Instinkt bei Rohköstlern, wenn sich Menschen ausschliesslich von Äpfeln oder ausschliesslich von Bananen ernähren. Das mag während vielen Monaten funktionieren, doch dann sind gesundheitliche Probleme programmiert. Mehr darüber an anderer Stelle.

Die sogenannte Monokost, also das Einnehmen von nur einem Lebensmittel pro Mahlzeit, ist eine Möglichkeit. Sie ist unnötig, weil unser Verdauungssystem viel besser funktioniert als Anhänger dieser Theorie glauben. Trotzdem komme ich später auf das Problem Verdauung zurück und zeige, dass wir nicht zu viel und nicht zu verschieden pro Mahlzeit essen sollten.

Grundsätzlich unterstütze ich den Spruch möglichst "ungekocht - ungemischt - ungewürzt". [234-7] Gewisse spezielle Formen veganer Rohkost, wie z.B. die Bevorzugung einzelner Lebensmittel kann ich nicht empfehlen, auch dann nicht, wenn die Anhängerschaft gross ist.

Ein Beispiel bildet die Waerland-Kost (Kruska) von Are Waerland. Er empfiehlt möglichst Getreidekost. Auch Kollath, Oshawa, Bruker und andere empfehlen Getreide. Ich empfehle Ihnen, sich von gewissen Getreidesorten zu verabschieden. Nicht ohne Grund leiden häufig Menschen an Zöliakie (Sprue) bzw. Glutenunverträglichkeit. Wenn schon, würde ich solche mit wenig Gluten bevorzugen und sie nur in gekeimter Form verwenden.

Beim Erb-Müesli hatte ich anfangs Weizen ausgelassen. Dies nicht erst seit Gustav Gattiger, der Leiter der Waerland-Bewegung Schweiz, mit dieser Waerland-Kost an Krebs gestorben ist - immerhin mit mehr als 80 Jahren. Die Frage ist: "trotz oder wegen der Getreidekost". [234-20]

Nicht umsonst heissen die Einheiten für Diabetiker Broteinheiten (BE). Die insulinabhängige "Berg- und Talfahrt" bei vorher erhitzten Getreideprodukten ist während unserem langen Entstehungsweg nicht berücksichtigt. Auch roh ist Getreide in dieser Menge noch zu wenig lange existent. Zumindest für den Einstieg empfehle ich eine "gewöhnliche und reichhaltige Rohkost".

Rohkost Restaurant nur vegan: "Pure food and wine", New York City: typische vegane Kreation.

Ein veganes Rohkostgericht. Kreation von "Pure food and wine", New York City.

Bild erhalten vom Restaurant durch Nicky Quinn, Februar 2014.

Einige Buchautoren postulieren durchaus gangbare, in gewisser Weise spezielle Rohkostdiäten. Diese oft als schwierig empfundene Steigerung zur "allein selig machenden Rohkost" verschiedener Richtungen bringt höchstens einen kleinen Zugewinn - öfters das Gegenteil. Diese Rohkostrichtungen beziehen ihre Grundlagen vor allem von Autoren der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Hier zähle ich nur mit dem Buchstaben "A" beginnende Autoren auf:

Aehnelt, Alexandrow, Alfen, Allinger, Altschüler, Asimov, Aurich, um Ihnen zu zeigen wie viele Autoren sich in jener Zeit entweder mit "esoterischen Ansichten" oder mit "lebenden Makromolekülen" (LM) auseinander setzten. Für LM setzte sich im deutschsprachigen Raum vor allem Dr.rer.nat. F.A. Popp mit seiner in verschiedenen Publikationen und Büchern von 1974 bis 1979 postulierten Biophotonentheorie [90] ein (Photon).

Popp setzte sich vor allem mit der Frage der Krebsentstehung (Karzinogenese) auseinander. Er nahm wohl die Gedanken von H.P. Rusch aus Publikationen ab 1947 auf. Dazu das Literaturverzeichnis in [33] von Ostertag, das gegen 400 Publikationen - vor allem über diese Themen - führt. Zu Ihrer Orientierung nenne ich Ihnen hier lediglich zwei bekannte Rohkostformen, die in diese Richtung gehen:

Urköstler (Wildgemüserohkost)

Die Urköstler sind der Meinung, dass grüne Wildpflanzen-Nahrung die beste Nahrung überhaupt sei. Für mich ist nicht vorstellbar, dass viele Menschen täglich auf die Suche nach den aufgeführten Pflanzenteilen gehen. Als Abwechslung ist das aber vorbildlich - und wer das voll kann, soll das auch tun.

Beispiele von solchen Nahrungszusätzen sind Bärenklaustengel, Bachbunge (Bach-Ehrenpreis), Beinwell (giftig) bzw. Echter Beinwell (Beinwurz, Bienenkraut, Hasenlaub, Milchwurz, Wallwurz, Komfrei etc.), Borretsch, Disteln (eigentlich Eselsdisteln), gewisse Farne, Kleinblütiges Knopfkraut (Franzosenkraut) - kurzum eine lange Liste von Pflanzen. Darunter gehört auch Topinambur.

Ein Gebinde mit Löwenzahn im Gemüsegeschäft. Bild von Usien.

Löwenzahn im Gemüsegeschäft angeboten ist meist kein Wildgemüse.

Bild Wikipedia unter "Gewöhnlicher Löwenzahn" von "Usien". 

Urköstler essen im Winter Brombeerblätter, indem sie diesen die Stacheln der Innenrippen abschaben und dann stückchenweise vom Blatt abbeissen. [230-521] Die Brombeerblätter sind auch als coffeinfreier Tee (z.B. Frühstückstee) und als Heilmittel erhältlich.

Als nächste Gruppe nennen Urköstler grüne Bionahrung wie Avocados, Bambussprossen, Blumenkohl, Boretsch, Broccoli (Brokkoli, Sprossenkohl) etc., die möglichst urzeitnah angebaut sein sollen. Dann erst kommt frische Früchtenahrung wie ausgereifte Ananas, urzeitnah angebaute Äpfel, Apfelsinen (Orangen), bzw. wohl die gesamte Liste der zahlreichen Früchte und Südfrüchte (Exotische Frucht - siehe Aufzählung - und hier Liste der Obstarten).

Es folgt die Wurzelnahrung wie Fenchel, Kürbis, Karotten (Möhren, Mohrrübe, Gelbrübe, Rüebli), Rote Beete (Rande, Rahner) etc. Alles soll so frisch sein wie möglich, damit die "bioenergetische Strahlung" am höchsten ist. So soll eine Walnuss nach zwei Monaten Trockenlagerung nahezu keine oder keine bioenergetische Abstrahlung mehr zeigen. Damit ist die von den Buddhisten postulierte Aura (Energiekörper) gemeint, welche die Anthroposophen beschäftigt und über die Prof. F.A. Popp ein Buch schrieb.

Diese Aura soll bei Wildpflanzen besonders gross sein. Frische Bio-Produkte stehen an zweiter Stelle. Durch Pestizid und Kunstdünger-Rückstände belastete Produkte sollen wesentlich weniger Photonen aussenden. Grundsätzlich ist nichts gegen diese Ansichten einzuwenden, im Gegenteil. Mein Ziel ist, Ihnen eine Umstellung durch einen moderaten Kurs zu erleichtern. Später können Sie noch immer schwierigere Formen ausprobieren.

Sonnenköstler (Früchterohkost)

Diese Richtung empfiehlt vor allem Produkte, die der Sonne ausgesetzt sind. Wir könnten annehmen, dass sich das dann weitgehend deckt mit der "Urkost". Aber nein! Vor allem Früchte bilden die Ernährung für diese Richtung.

Eigene Zwischenmahlzeit. Frisch gepresster Orangensaft von Blutorangen.

Zwischenmahlzeit aus Mango, Ananas und Kiwi, mit frisch gepresstem Orangensaft aus den geliebten Blutorangen - für mehrere Personen. Besser ist es, die Orangen als Schnitze zu essen.

Eigenes Bild (auch unter "Warum Rohkost?" zu finden).

Helmut Wandmaker (1916-2007) war in Deutschland der populärste Verfechter dieser Richtung der "Obstrohkost". Er schrieb in Willst du gesund sein?: Vergiss den Kochtopf!: "Alle anderen Nahrungsmittel belasten den Körper. Selbst von Gemüse liesse sich dies in gewisser Weise sagen, da Gemüse nicht alle erforderlichen Nährstoffe sofort bereitstelle, insbesondere Glukose und/oder Fruktose.

Wir verfügen nicht wie der überwiegende Teil der Pflanzenfresser über die Enzyme (Zellulase), um aus Gras, Stengeln, Blättern oder Rinden genügend Energie herauszuholen." [234-8]

Zwei Seiten danach findet sich dann der Satz: "Sogenannte Experten und Laborwissenschaftler werden seit Jahrzehnten nicht müde, Rohköstler vor Eiweiss-, Kalzium-, Eisen- und Vitamin-B12-Mangel zu warnen, obwohl viele Tiere um uns herum sich häufig fast ausschliesslich von Gras oder Blättern ernähren." Ist das dann ein "Positivbuch", wie das der Autor einen Abschnitt weiter oben in seinem Buch fett erklärt?

Er scheint zu vergessen, dass ausschliessliche Blätter- und Grasfresser ein ganz anders funktionierendes Verdauungsystem entwickelten. Sie nutzen gewisse Stoffe aus Gras. Wir Menschen und weitere Tiere können das aber nicht. Kommt dazu, dass diese Tiere bei Bedarf Erde oder sogar Kot fressen. Das bietet vor allem viel Vitamin B12. Dieses Vitamin-Problem inkl. Vitamin D besteht vor allem bei älteren Menschen.

Dennoch: Ich möchte Ihnen diese interessante Lektüre damit nicht vergällen, denn auch diese Ernährungsform besitzt eine Daseinsberechtigung. Auch bringt Wandmaker Gründe, warum wir mit Vorteil möglichst auf gewisse Getreideprodukte verzichten. Allerdings finde ich zu oft Bemerkungen, die eine Hinterfragung fordern oder kein gutes Beispiel ergeben, wie: "Ein Mann aus Florida ass sechs Jahre lang ausschliesslich Orangen." [234-32]

Das ist weder nachprüfbar, noch wissen wir, was mit dieser Person später passierte. Wandmaker meint: "Schon früh hat man die alleinige Früchtenahrung wiederentdeckt, wie etwa Dr. Victor Pauchet, Paris 1909 oder Prof. Jaffa, Kalifornien, der einen siebenjährigen Versuch mit Chinesen mit erstaunlichen Resultaten unternahm."

Sein Credo heisst 75 % rohe, frische Früchte, 20 % frische Salate und Gemüse, 5 % Nüsse und Samen, alles ungewürzt, ungemischt und ungekocht. Zahlreiche Vertreter dieser Richtung kamen vor ihm, wie Essie Honiball, Dr. Carrington etc.

Wandmaker empfiehlt aber auch die von Dr. Norman W. Walker empfohlenen Kelp- bzw. Algenerzeugnisse [234-216], weil sie das "ganze Spektrum der Nährstoffe des Meeres enthalten". Er betont, dass Walker ein Alter von 116 Jahre erreichte. Wikipedia zeigt aber 1886-1985, das sind immerhin 99 Jahre.

Noch im gleichen Jahr nach seinem Tod hat das Ehepaar Diamond ähnliches als Fit for Life verwendet. Kontrast: Dr. Wallach und Lan schreiben im Buch Rare Earths, dass Menschen einen zu frühen Tod "erleben", wenn sie nicht 90 "Elemente" in genügender Menge zu sich nehmen.

Dr. Kraft kam noch mit 64 "notwendigen Elementen" aus. Wandmaker schreibt: "Wenn Du Dir neben den Vitaminen auch diese essentiellen Mineralien zuführst, bist Du auf der sicheren Seite. Ich beziehe diese Mineralstoffergänzungen in flüssiger Form aus den USA. Jetzt sind diese USA-Mineralienkomplexe auch in Deutschland zu haben."

Dazu muss ich erwähnen, dass mir schon 1972 in Kalifornien die Bio-Läden vorkamen wie eine Apotheke plus Bio-Laden: Ein grosser Anteil bestand jeweils aus Nahrungsergänzungsmitteln. Ich interessierte mich da noch nicht für Rohkost, wohl aber für "gute Ernährung mit viel rohem Anteil aus naturnahem Anbau" und kaufte dort entsprechend ein.

Allerdings mit der Verwunderung: "Warum schlucken die so viele künstliche Produkte, wenn sie sich möglichst naturnah ernähren wollen?". Leider etablierte sich dieser absurde Trend auch in Europa. Eine ganze Industrie breitet sich da aus, wo sie nicht hingehört.

Verschiedene Autoren unterliegen diesem Trend oder übernehmen ihn unkritisch. Aber: Sicher stellt uns die Natur noch immer das zur Verfügung, nach dem wir uns entwickelten - sofern wir uns vorwiegend mit Produkten ernähren, die auf natürlichem und mit natürlichen Stoffen gedüngtem Boden entstehen. Darauf sollten wir achten. Gletscher haben viele Böden mit zu wenig Jod hinterlassen.

Wählen wir nicht zu eng, dann stammen die Lebensmittel aus ganz verschiedenen Böden. So empfehle ich, auch tropische und subtropische Früchte zu geniessen, auch wenn das je nach Gegend und Transportart ökologisch einen Nachteil bringen kann. Wir sind dann aber sicher, dass wir wichtige Mineralien wie z.B. Jod (Iod) in genügender Menge zu uns nehmen.

Zumindest Selen ist bei diesen Extrem-Ernährungsformen ein Problem.

Siehe Selenmangel. Bei Selen (ist essentiell) kann man allgemein für Veganer entwarnen, wenn sie hin und wieder eine Paranuss (Paranüsse) essen. Eine Paranuss wiegt im Durchschnitt 3 g und enthält damit ca. 60 µg Selen, denn 100 g Paranüsse enthalten zwischen 0,8 mg/100 g und 8,3 mg, durchschnittlich 1,9 mg. Eine Paranuss pro Tag deckt den Bedarf. Paranüsse enthalten Selen zudem in einer hohen Bioverfügbarkeit. Aber auch Pilze, Getreideprodukte und Hülsenfrüchte enthalten relativ viel Selen, doch das essen Sonnenköstler nicht.

Die Aktivität der Glutathionperoxidase im Blutserum (GPX 3) erreicht ihren Maximalwert, wenn die tägliche Zufuhr bei 1 µg pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Allerdings benötigt die optimale Konzentration des Transportproteins Selenoprotein P im Blutserum eine weit höhere Zufuhr (siehe auch Selenocystein, L-Selenocystein). Allgemein gilt eine Versorgung von 30 bis 70 µg Selen pro Tag als ausreichend. Man kennt Mangelerscheinungen bei 10 µg und darunter.

Böden vulkanischen Ursprungs sind selenarm. Regionen mit besonders niedrigem Gehalt von Selen im Boden sind Teile von Skandinavien, China und Neuseeland. Malabsorption und Medikamente können für einen Selenmangel ursächlich sein.

Siehe Wikipedia: "Erkrankungen aufgrund einer Mangelversorgung mit Selen kommen nur in Ländern mit extremer Selenunterversorgung wie Nordkorea und Nordostchina sowie einzelnen anderen Ländern vor. In unseren Breiten können in der Regel nur Frühgeborene, parenteral ernährte Patienten und Alkoholkranke einen Selenmangel entwickeln. ...In einer kritischen Bewertung der Pharmainformation vom Juni 2005 wird festgestellt, dass die bislang verfügbaren Studien keine Hinweise für einen Nutzen einer zusätzlichen Gabe von Selen in irgendeinem Zusammenhang erbringen konnten. ...In dieser Studie wurde zwar sogar eine erhöhte Prostatakrebshäufigkeit unter der Gabe von Vitamin E und eine erhöhte Diabetesentstehung unter der Selengabe festgestellt ... Hohe Selenkonzentrationen im Blut korrelieren mit dem Risiko, an Diabetes zu erkranken."

Selen wirkt in höheren Konzentrationen stark toxisch. Die Spanne zwischen Konzentrationen, die Mangelerscheinungen hervorrufen, und toxischen Konzentrationen ist sehr gering. Man sollte wenn immer möglich keine Selen-Ergänzungsmittel zu sich nehmen, denn das fördert Diabetes signifikant. Eine Selen-Aufnahme von mehr als 3000 µg/d kann zu Leberzirrhose, Haarausfall und Herzinsuffizienz führen und schon regelmässig aufgenommene 400 µg/d können Vergiftungserscheinungen hervorrufen.

Vegane Rohköstler ohne Besonderheiten

Gemeinsam ist den veganen Kostformen, dass sie eine niedrige Nährstoffdichte bringen, was einen guten Verdauungsapparat voraussetzt. Bei Beachtung gewisser Regeln decken Sie den Bedarf an allen Stoffen auch mit rein veganer Kost sofern die Kalorienzufuhr stimmt. Wie an anderer Stelle beschrieben, bleibt aber das Problem einer guten Vitamin B12-Versorgung.

Für alle Kostformen besteht auch das Problem der Versorgung mit Vitamin D. Dies wegen zu wenig Sonnenexposition und im Norden niederem Sonnenstand. Beides gilt vor allem für ältere Personen, auch bei Normalköstlern.

Rohkost Restaurant nur vegan: "Pure food and wine", New York City: keine Milchprodukte!

Ein veganes Rohkostgericht. Das Weisse enthält keine Milchprodukte. Kreation von "Pure food and wine", New York City.

Bild erhalten vom Restaurant durch Nicky Quinn, Februar 2014. (schon geführt bei "Rohkost? Nein Danke!")

Das Hauptproblem liegt also bei der genügenden Anzahl von Kalorien, die strikte Veganer zu sich nehmen. Wirkliche Schwerarbeiter kommen kalorienmässig so wahrscheinlich kaum auf ihre Rechnung. Siehe aber Ironman-Profi Brendan Brazier als Veganer. Endlich entdeckte auch die Ernährungswissenschaft, dass der Mensch sich aus pflanzlicher Nahrung allein ernähren kann. Das bewiesen zahlreiche Menschen schon lange vorher, vor allem aus religiösen Motiven heraus. Zeitlebens und seit 2500 Jahren leben gewisse Jain-Anhänger so. Die Frage ist offen ob mit Vorteil oder Nachteil. Dem möchte ich nachgehen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sprach sich diese Tatsache noch nicht sehr weit herum. Noch immer stecken Menschen im "Karotte plus Fett-Denken" (Aufnahme Beta-Carotin) sowie im "Ei plus Kartoffel-Denken" (Biologische Wertigkeit von Protein), obwohl diese (nun) falschen Erkenntnisse schon lange widerlegt sind. Nur insgesamt und über die Zeit hin spielt diese Wertigkeit eine Rolle, also wenn man über längere Zeit keine vollwertige Kost, sondern unausgewogene zu sich nimmt.

Zu den "gewissen Regeln", die einzuhalten sind, kommen wir später. Heute dreht sich die Diskussion um die "sekundären Begleitstoffe". Wiederum thematisieren die Medien neue Erkenntnisse mit dem Schwarzweissdenken von guten Wirkungen der einen und schlechten Eigenschaften der andern Stoffe - z.T. innerhalb desselben Lebensmittels.

Je nach dem Ziel der Diskussion entstehen dann ganz andere Schlüsse bei gleicher Sachlage. Gewisse Lebensmittel sind in roher Form nicht für uns gedacht, weil Gifte darin vorkommen. Gewisse Gifte verändern sich durch Erhitzung zu unschädlichen Stoffen (z.B. bei Bohnen). Andere sind dann verdaulicher, z.B. Stärke. Diese kommt vor allem in Reis (89 %), Kartoffeln (82 %), Maniok (77 %), Gerste (75 %), Weizen (74 %) etc. vor. Leider sprechen sogar Ärzte heute von Kohlehydraten, wenn sie Stärke meinen, dabei bietet jede Pflanze Kohlehydrate (Kohlenhydrate) an - aber in besserer Form für uns Menschen. Daran ist erkennbar, wie auch studierte Personen sich von Modeerscheinungen völlig verleiten lassen.

Generell: Natürlich bieten Pflanzen - und alle anderen Lebensmittel - immer beides an, für uns gute und für uns "schlechte" Eigenschaften. Für eng denkende Menschen gibt das wieder eine Unterscheidung in "iss das nicht" und "bevorzuge das". In 20 Jahren, wenn die heutigen Erkenntnisse die Fehler der Vergangenheit sind, ist wahrscheinlich einiges wieder ganz anders ...

Mit diesen Kostformen leben verschiedene Menschen am Rand des körperlichen Existenzminimums, was allerdings bei Versuchen an Ratten und/oder Mäusen eine wesentlich grössere Lebenserwartung brachte. Strikte VeganerInnen sollten sich ein Gewichtsziel setzen, das nicht unter BMI 20 liegt, und das Gewicht mindestens monatlich kontrollieren.

Vielleicht wissen Sie nicht, dass Sie bei jeder Kostform auch dann keinen Hunger verspüren, wenn Sie sich bereits unterversorgen. So sind denn Ölfrüchte (Nüsse, Samen etc.) aber auch Avocados die idealen Regulatoren. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Durst: Dieses Gefühl kommt besonders bei älteren Personen nicht einmal dann auf, wenn ihre Flüssigkeitsversorgung bereits mangelhaft ist.

Vegetarische Rohkost

Rohkost-Vegetarier essen je nach Richtung auch Milch- und Milchprodukte und/oder rohe Eier, jedoch kein Fleisch oder Fisch. Aber: Meistens ist das nicht mehr reine Rohkost, was Vertreter dieser Richtung praktizieren. Da ist oft wieder viel Zubereitung Trumpf.

Wie bei der Kochkost unterscheiden wir zwischen Ovo-Vegetariern und Ovo-Lacto-Vegetariern (Vegetarier) als Sammelbegriff. Für eine Umstellungsphase ohne gesundheitliche Gründe kann ich diese Kostform verstehen, doch führt sie mit der Zeit möglicherweise zu ähnlichen Zivilisationskrankheiten wie die Kochkost.

Rohkost Restaurant nur vegan: Pure food and wine, New York City: Rose Cake von Erica Graff.

Ein veganes Rohkostgericht. Das Weisse enthält keine Milchprodukte. Kreation von "Pure food and wine", New York City.

Bild erhalten vom Restaurant durch Nicky Quinn, Februar 2014.

Wahrscheinlich steigt das Risiko parallel mit der Zunahme der tierischen Kostanteile, doch möchte ich mich mangels genügend Unterlagen nicht mit dieser Kostform auseinander setzen. Ich weiss nur eines: Diese Kostform führt zu einer laschen Haltung bezüglich Rohkost bis hin zum Extrem, dass Personen sagen: "Ich esse täglich eine Portion Salat; ich bin Rohköstler." [217-195]

Oder: 8 % der Teilnehmer der Giessener Rohkoststudie meinten, dass das Hauptmerkmal von Rohkost nur der Parameter "mechanisch nicht verändert" sei.

Rohkost mit Fisch und Fleisch

Selten essen reine Rohköstler viel Fleisch oder Fisch. Ich muss nochmals betonen, dass ich auch bei dieser Kostform an Personen denke, die höchstens einmal als Ausnahme - z.B. bei einer Einladung oder in einem Restaurant auf gekochte Kost ausweichen.

Wenn Sie so feinfühlig sind wie ich, dann entstehen nach einer Übertretung auch entsprechend negative körperliche Reaktion, besonders wenn Sie Kochkost als Abendessen einnehmen. Ihre Erfahrungen in dieser Hinsicht sind gefragt!

Wenn Sie Übertretungen als Abendessen mit Kochkost inkl. Fleisch, Fisch oder Milchprodukten (z.B. Käse) nicht spüren, dann stellte sich Ihr Körper wohl noch nicht auf Rohkost ein - oder liege ich da falsch?

Dabei scheint gelegentlich roher Fisch als Sashimi in einem japanischen Restaurant, evtl. begleitet mit Sushi (etwas gekochter Reis) wenig auszumachen. Mit rohem Fleisch fehlt mir die Erfahrung.

Fisch roh

Es gibt mehr roh essbare Meerestiere als das so allgemein bekannt ist. Vielleicht kennen Sie Graved Lachs, doch wohl eher von einer Party auf einem Brötchen. Eigentlich heisst das "eingegrabener Lachs". Der frische Fisch erhält Beizstoffe (Beizen) und er lag traditionell mindestens drei Tage in Strand- oder Erdlöchern vergraben. Keine weitere Behandlung ist nötig. Siehe z.B. Graved Lachs, denn heute heute legt man den Fisch stattdessen in eine Marinade, z.B. aus Salz, Zucker und Dill.

Allerdings ist er kein Vergleich mit dem nordschwedischen Surströmming, bei dem auch Südschweden davon rennen, weil er so stinkt. Dieser durch lange Gärung erzielte "saure Strömling" schmeckt aber sehr gut, wie ich anfangs der 1970er Jahre bei einer privaten Einladung in Schweden erfahren durfte. Er ist aber wegen dem intensiven Geruch nur in Büchsen erhältlich.

Bei uns am Bekanntesten ist Sashimi: roher Fisch in Stücke geschnitten mit Salat, Rettich und/oder rohem Gemüse. Die verwendeten Fische sind meist Thunfisch, ein grosser Raubfisch, Yellowtail amberjack (engl.) in anderen Sprachen auch Seriola lalandi, dorado, sériole chinchard genannt, Lachs, Schwertfisch, Makrele oder weitere Fische.

Seeohr-Sashimi aus der asiatischen Rohkost-Küche. Bild von Abendstrom.

Seeohr-Sashimi aus der asiatischen Rohkost-Küche in japanischem Gasthaus. Seeohr (Abalone, Irismuscheln) ist Haliotis japonica.

Bild von Abendstrom (Wikipedia unter asiatische Küche).

Roh (und gekocht) sind aber weitere Meerestiere bei Kochköstlern beliebt wie Auster, Sandklaffmuschel, Seeohren (Abalone), Riesengarnele (Gambas), Jakobsmuschel, Eismeergarnele, Meeraale, Kalmare etc. Sie kommen selten auch in Sashimi vor.

Der Atlantische Hering ist wohl der meist gegessene Fisch der westlichen Welt. Salzhering und Matjes Hering ist man meist roh.

Es gibt verschiedene, vor allem auch ökologische Gründe, auf das essen von Meerestieren zu verzichten.

Fleisch roh

Wohl ass ich in meiner zweiten Rohkostzeit einmal ein Beefsteak Tatar mit Fleisch ab Bio-Hof. Das empfand ich als geschmacklich gut aber etwas schwer verdaubar. Ein zweiter Versuch, auch mit Bio-Fleisch, war kein Genuss mehr. Den Fleischgeschmack empfand ich inzwischen schon als abstossend oder das Bio-Fleisch war kein Bio-Fleisch.

Trotzdem muss auch Fleisch für Rohköstler hier ein Thema sein. Tatar ist wohl das bekannteste rohe Fleischgericht im Westen. Es ist auch bekannt als Schabefleisch, in englisch/französisch auch als steak tartare, filet américain und besteht aus hochwertigem, sehnenfreiem Hackfleisch aus Muskelfleisch vom Rind. Fälschlicherweise auch Beefsteak Tartar genannt.

Seitdem ist für mich Fleisch Tabu. Dies auch aus Pietätsgründen gegenüber den Tieren. Wohl wenig Vertreter von Rohkost propagieren den Fleischkonsum. Eine Ausnahme bleibt da Guy Claude Burger, ein Schweizer, der aus gewissen Gründen in Frankreich lebt. Seine Ansichten scheinen mir aus einem Gemisch von sehr guten bis leider auch sehr fragwürdigen Ansätzen zu bestehen.

Er stellt aber Gründe für Rohkost eingehend dar, weshalb ich die kritische Lektüre seines Buches empfehle und eine Zusammenfassung seiner Gedanken verfasste. Nach dem Lesen meiner Buchbesprechung erkennen Sie, welche Ansätze ich bei Burger bei seiner Instinctotherapie nicht akzeptiere und welche schon.

Es gibt auch kaltgeräucherten Schinken und Speck. Ob das Räuchern eine für den Konsumenten besonders gesunde Sache ist, bezweifle ich wegen der Rauchpartikel und anderen Verbrennungsstoffen - aber auch wegen dem Pökeln mit Nitritpökelsalz.

Beefsteak Tatar (Tartar, tartare) auf Teller: rohes Fleisch und ein rohes Eigelb.

Rohkost als Beefsteak-Tatar mit Eigelb, Kapern und Zwiebeln auf weissem Teller.

Foto Wikipedia, Tatar, von Rainer Zenz.

Eine ähnliche Zubereitung, aber aus Schweinefleisch, heisst Mett, bei Kochkost meist auf Brötchen serviert. Genannt ist dieses Fleisch auch als Mettgut oder Hackepeter. Wenn speziell mit Zwiebeln gewürzt, kommt auch der Name Zwiebelmett vor. Schinkenmett gilt als Mett von besonderer Qualität. Bei kaltem Buffet (kalten Platten) kommt auch Mettigel vor.

Mett kommt auch als Wurst vor: Die Mettwurst ist eine Rohwurst, andere Herstellungsverfahren führen entweder zu Brühwurst oder zu Kochwurst (siehe Kategorie: Wurst). Damit ist nur das Herstellungsverfahren, nicht der Verzehr gemeint. Die Rohwurst kommt entweder frisch zum Verzehr oder durchläuft einen Reifungsprozess durch Trocknen, Marinieren, Milchsäuregärung oder Räuchern. Das Kalträuchern dauert länger, dafür erfolgt das mit Temperaturen zwischen 15 bis 25 Grad Celsius.

Rohe Wurst dient auch als Streichwurst. Dazu zählt die geräucherte Teewurst. Wikipedia: "Typische schnittfeste Rohwürste sind die länger gereiften, harten Dauerwürste wie Ahle Wurst, Landjäger, Salami, Chorizo und Zervelatwurst." Diese schnittfeste Rohwurst isst der Konsument meist auch roh. Die Schweizer Brühwurst Cervelat ist aber von Hause aus nicht roh.

Gut vorstellen kann ich mir, dass echte Rohköstler keine Freude mehr an Fleisch entwickeln können. Es geht hier nur um die Aufzählung der möglichen Nahrungsmittel für Rohköstler. Zumindest für eine evtl. längere Einstiegsphase kann Fisch und Fleisch einen etwas unwilligen Partner vielleicht bei der Stange halten. Ihre Erfahrungsberichte wünsche ich mir und den Lesern.

 


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Autor
Ernst Erb, Schweiz
Mein Lebenslauf hat mich motiviert, die "Stiftung G+E, Gesundheit und Ernährung" zu gründen. Im Beitrag "Schicksalsschläge, tödliche Krankheit, Gesundheit, Leben!" schildere ich etwas davon. Ein ebenso wichtiger Punkt bildet die Erfahrung aus dem Aufbau von Radiomuseum.org: Es bekommen zu viele Männer bereits ab Alter 65 schwerwiegende Krankheiten. Das gilt sicher auch für Frauen - und ganz allgemein altern wir zu rasch. So lange wie möglich zu leben ist nicht das Ziel, sondern so aktiv, positiv und glücklich wie möglich. Der Weg des geringsten Widerstands führt nicht dazu. Ganz im Gegenteil: nur im Leid schafft man grössere persönliche Veränderungen. Im Alter von 41 Jahren brachte mich die Todesangst vor meinem Krebsleiden dazu, über mein Leben zu reflektieren und auch bezüglich Krankheit selbstverantwortlich zu handeln. Heute bin ich froh, dass ich durch sehr schwierige Lebensphasen gehen musste. Dadurch konnte ich meine Lebensführung so verändern, dass ich auch im achtzigsten Lebensjahr (2015) >60 Stunden pro Woche am PC arbeiten und dabei leistungsfähig bleiben kann. Es ist falsch, so viele Stunden sitzend zu verbringen (früher waren es mehr), doch versuche ich das durch Ausdauersportarten (schnelles Wandern, Bergwandern, seit 2014 auch durch Joggen) und leider nicht immer jeden Tag ausgeführte Übungen (7 Min Workout ab iPhone) auszugleichen. Ich darf aber annehmen, dass die langjährige (Pesci-)vegane Ernährung mit ca. 90% Rohkostanteil den Ausschlag für meine Gesundheit gibt. Leider sind es mit Sicherheit nicht meine Gene. Auch als Angestellter sah ich meine Arbeit nie als Job, sondern als Hobby, das mich interessierte. Als ich eigene (kleine) Firmen aufbaute, war mir das Wohlergehen der Mitarbeiter besonders wichtig. Erfolg oder Misserfolg hing zu einem grossen Teil von ihnen ab. Es war nie mein Ziel, reich zu werden, sondern etwas individuell und intelligent aufzubauen, so dass es vielleicht Erfolg haben kann. Trotzdem kann ich es mir nun erlauben, mit meiner Erfahrung und meinen Möglichkeiten etwas aufzubauen, das interessierten Menschen zugut kommen kann. Zum Glück geben mir auch junge Menschen, die an "diet-health.info" mitarbeiten, das Gefühl echter Teamarbeit. Einige arbeiten mit mir persönlich zusammen, wie ein Software-Entwickler neben einem Studium. Doch mit Skype und TeamViewer ist es möglich, mit geographisch weit verstreuten MitarbeiterInnen zu arbeiten, wie z.B. mit professionellen ÜbersetzerInnen. Selbst Professoren oder Ärzte beteiligen sich an diesem etwas speziellen Projekt, indem sie eigene Texte beisteuern. Unsere Themenbereiche erfassen eigentlich alles, was uns Menschen ausmacht: Gesundheit - Prinzipien/Allg. - Heilkunde - Ernährung - Produktion/Handel - Drogen - Aktivität - Lifestyle - Politik - Wellness - Natur - Umwelt - Persönlichkeit - Ethik - Soziales / Religion. Noch weiss ich nicht, ob "diet-health.info" mit diesem Versuch, den Menschen "nur" solide Zusammenhänge zu vermitteln, auch die notwendige Beachtung erhalten kann. Doch meine ich, dass es reflektierende Menschen gibt, die Zusammenhänge verstehen wollen, statt jedem Modetrend lemmingehaft nachzugehen oder sich zu einem leicht begehbaren Weg (ver-)führen zu lassen. Ob die auch die notwendige Aufmerksamkeitsspanne und den Willen zum Lesen mitbringen? Jedenfalls fehlte mir eine solch umfassende Quelle, die mir ungefärbte Antworten auf wichtigste Fragen geben kann. Deshalb versuche ich diesen "vorher vergeblich gesuchten Hafen" aufzubauen. Hoffentlich habe ich auch die Zeit und Kraft dazu.

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Publikation

05.07.03 22:35

Geändert am

30.12.15 20:22

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