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8 Buchbesprechung "Die Rohkosttherapie" von Guy Burger

Buchbesprechung aus den 90er-Jahren, überholt April 2014. Aussagen des Buches zeigen interessante Fakten - aber auch zu viele Spekulationen.

Abbildung Buch (links) plus Text über gesunde Ernährung.© CC-by-sa 2.0, Heyne, Text: Catalina Sparleanu, PhD, Foundation Diet Health Switzerland

Fazit

Wegen des Dialogs - allerdings - ohne eine Struktur mit Inhaltsverzeichnis - liest sich der Text wie ein unterhaltender Roman. Der Autor hat viel Wissen, paart das aber mit seinen unrealistischen Vorstellungen über den menschlichen Instinkt, der Anhänger sogar dazu verführt, in einer Mahlzeit 52 Eigelb oder 1,35 kg Honig zu verspeisen. Er schöpft zum Teil aus idealistischen Gedanken einer Wunschwelt. Nur das Lesen seiner späteren Aussagen zeigt, in welche Katastrophe er sich damit begeben hat. Trotzdem spürt man, dass er eigentlich nur das Beste erreichen möchte.

Leider ist für einen Laien schwer zu unterscheiden, wo Wissen herrscht und wo die Wunschvorstellungen des Autors zum Zug kommen.

Der Wissensteil vermittelt dem nicht esoterisch veranlagten Leser gute Gründe für Rohkost an sich, doch einem Esoteriker mit wenig Wissen oder wenig Vertrauen in das Wissen zeigt das Buch den falschen Weg, der zu Krankheiten führen kann.

Guy-Claude Burger erkennt die Schädlichkeit von Tiermilch und Milchprodukten sowie Getreide und bespricht auch Gründe dazu. Siehe auch diese Buchbesprechung zum Problem Milchprodukte.

Es ist gut vorstellbar, dass Instinkto-Rohköstler mit ganz wenig Fleischverzehr, also mit eher veganer Rohkost, die von ihm erwähnten aber nicht dokumentierten Heilungserfolge erlebten. Die Geschichte nach dem Buch aus seinen späteren Äusserungen zeigt aber das Nichtfunktionieren von Instincto und die Schädlichkeit des Fleischverzehrs ganz klar.

Es lohnt sich vor diesem Text den Wikipedia-Eintrag zu Instinctotherapie zu lesen. Der Text hier ist um das kürzer. Siehe auch diesen Beitrag der American Society for Clinical Nutrition von 2005 in Englisch, der zahlreiche Feststellungen von Burger bestätigt, was Rohkost als solches angeht. Diese Begründungen kennt man zwar auch schon vor Burger.

Einleitung und Inhaltsverzeichnis

Dieser Text ist nur im Zusammenhang mit den vorangehenden Texten über Rohkost zu verstehen. Alle kursiv und in Anführungszeichen gesetzten Teile stellen Zitate aus dem Buch von Guy-Claude Burger dar und decken sich nicht immer mit meinen Ansichten.

Das Foto stammt von der Heyne-Ratgeber Auflage 7 von 1993. Der Text stammt von einer etwas früheren aber inhaltlich gleichen Druckauflage.

Die Übersetzung kam wohl 1988 auf den Markt, das Buch auf französisch mit Originaltitel LA GUERRE DU CRU. Copyright by Edition Roger Faloci, Paris, 1985. Die Seitenzuweisungen stimmen bei neueren Ausgaben evtl. nicht überein [Buchref. 28].

Aktuell ist im April 2014 eine Heyne-Auflage von 1999 mit 411 Seiten, anderem Titelbild und ISBN 978-3453144651.

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort von Dr. Jan Devernoix de Bonnefon (S. 6)
  • Zu diesem Buch (S. 20)
  • Der Kampf für die Rohkost hat begonnen (S. 22)
  • Theoretische Zusammenfassung (S. 338)
  • Do it yourself (S. 351)
  • Schnellprogramm in 25 Punkten (S. 352)
  • Weitere Informationen (S. 357)
  • Stichwortverzeichnis (S. 358)

Da das Thema ziemlich verzettelt ist, versuchte ich nach folgenden Themen zu ordnen:

  1. Geschichte des Kochens
  2. Geschichte, Skelettfunde
  3. Maillard-Produkte
  4. Das Dilemma der Wissenschaft
  5. Warum wir das Kochen nicht in Frage stellen möchten
  6. Mögliche weitere Auswirkungen des Kochens
  7. Naturbelassene Rohkost
  8. Das Problem Instinkto

Dazu beschreibe ich, was Burger später mit Instinkto erleben musste, also warum er von Fleisch weg kam und auf Insekten wechselte. Entomophagie beim Menschen ist zwar in zahlreichen Kulturen ausser bei uns verbreitet, doch meist als Kochkost.

Gusanos, eine Delikatesse in Mexico City, aus Restaurant Villa Maria, Polanco© CC-by 2.0, Andy Sadler, Restaurant Villa Maria, Polanco
Entomophagie in Amerika. Hier Raupen ähnlich der von Cossus cossus, dem Weidenbohrer.

1. Meine Vorbemerkungen

Viele Autoren empfehlen Rohkost als Therapieform bei allerlei Krankheiten. Tatsächlich existieren Krankheiten, die Rohkost heilen kann - mehr als Sie wohl denken. Sicher nicht alle und auch nicht in allen Fällen. Zu unterschiedlich sind Krankheiten und die dann gelebten Praktiken bezüglich Lebensführung und Rohkost.

Alltäglichen Lebensführung

Aus Wikpedia zur alltäglichen Lebensführung:

Eine großangelegte Studie zeigte 2012: Die sogenannten 'großen vier Risikofaktoren' - Rauchen, Diabetes, hoher Blutdruck und/oder Cholesterinspiegel - haben unerwartet starken Einfluss auf das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Schon einer dieser Faktoren kann das normale Risiko laut Studie auf etwa das Zehnfache steigern. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch, auf den keiner der Risikofaktoren zutrifft, im Laufe seines Lebens einen Infarkt erleidet, liegt bei unter fünf Prozent.

Das individuelle Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko wird bisher nur für die nächsten fünf oder zehn Jahre geschätzt. Viele Menschen unterschätzen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch.

Die Ergebnisse der Studie veröffentlichte das Forscherteam im Magazin New England Journal of Medicine.

Die Wirkungen gewisser Medikamente (Arzneimittel) verhalten sich ähnlich: Für den einen Menschen funktioniert dieses, für den anderen vielleicht ein anderes oder keines. An anderer Stelle zeige ich Ihnen gut dokumentierte Erfahrungsberichte über Rohkost.

Der Grund dafür ist aber nicht beim Arzt zu suchen, sondern bei der Gesellschaft und bei sich. Das muss ich immer wieder erwähnen, wenn ich auf die heutige Situation hinweise.

Denn, was würden Sie als Patient sagen, wenn der Arzt Ihnen einfach Rohkost empfehlen würde?

Ja, zugegeben, der Arzt sollte Alternativen anbieten. Dann wäre der Arzt in der Lage zu schreiben: Die Patienten wissen genau, was sie unternehmen sollten, statt Arzneimittel oder Pillen mit schlechten Nebenwirkungen zu nehmen, doch sie tun das nicht ...

Empfehlungen

  • Ich empfehle bei schwerer Krankheit keine "Behandlung" mit Rohkost ohne Arztbegleitung (Berater) - doch der Arzt sollte auch wissen, was Rohkost bewirkt, um eine positive Begleitung anzubieten. Da unzählige Formen von Rohkost existieren, sollten Sie wissen, was als eigentliche Idee dahinter steht.

Danach erkennen Sie besser, welche Kostform für Sie persönlich in Frage kommt.

  • Obwohl die meisten Autoren für ihre jeweilige "Ernährungstherapie" - auch bei gekochter Kost - Fälle von geheilten Krebskranken aufführen, bin ich aus eigener Erfahrung der Meinung, dass für eine schwere Krankheit nur die konsequenteste Umstellung zum Wohl des Körpers, der Seele und des Geistes in Frage kommt. Das ist weit mehr als Rohkost allein!

Möchten Sie das Risiko eingehen, Ihre Heilungschancen wesentlich zu reduzieren, nur weil Sie nicht konsequent genug vorgehen?

Für mich ist ganz klar: Wissenschaftliche Untersuchungen bestreiten nicht unsere Angepasstheit an die Ernährung und Umgebung (Evolution), die unsere Vorfahren während Millionen von Jahren prägten.

Die Gründe so zu detaillieren, dass eine intelligente, doch von unseren Gepflogenheiten (Tradition) sehr abhängige Person darin volle Klarheit gewinnt, sprengt den Umfang dieses Textes. Ich muss also verschiedene Untersuchungen einfach zitieren und Quellenangaben liefern.

  • Rohköstler und Rohköstlerinnen sollen bewusst wählen und wo immer möglich in der Lage sein, Angaben zu überprüfen und nachvollziehbare Gründe zu kennen. Das benötigt stichhaltige Argumente. Das nur an verschiedenen Stellen überzeugende Buch ist in der Folge kurz beschrieben. Das 1990 gelesene Buch bespreche ich und ergänze meine Kommentare zu seinem Text oder Zitate mit eigenen Anmerkungen.
  • Übrigens: Jede Mischung bzw. "Abwechslung" von roh zu gekocht und umgekehrt ist wegen der ganz verschiedenen Verweildauer der Nahrung in Magen und Darm etwas problematisch. Mehr dazu an anderer Stelle. Bei einer Therapie ist diese "Abwechslung" zu vermeiden, sonst ist diese "Expektationstherapie" nicht anzuwenden. Und da liegt die Krux.
  • Expektationstherapie ist ein falsches Wort für "abwartende Behandlung" oder Beobachten und Abwarten, die sich auf Kontrollen (Diagnosen) beschränkt, bis andere Gesundheistzustände eintreten.
  • Regelung der Diät und der hygienischen Verhältnisse wäre dazu aber wichtig. Vor allem bei unheilbaren, immer tödlich verlaufenden Krankheiten wie ALS (Amyotrophische Lateralsklerose) könnte 100 % vegane Rohkost zumindest Hoffnungen erwecken, wenn nicht heilend wirken. Ich kenne keine ernsthaften Versuche in solche Richtungen.
  • An anderer Stelle zeige ich auch, dass die Wirkung gegenüber einer schweren bzw. chronischen Krankheit meist sehr langsam kommt. Natürlich ist zu unterscheiden zwischen einer echt chronischen Krankheit und einer Krankheit, die nur chronisch zu sein scheint, etwa gewisse Formen von Bluthochdruck. Im letzteren Fall täuscht sich der Arzt gewaltig, wenn er von "essentiell", also chronisch spricht, ohne die Ernährung mit einzubeziehen.

Nebenwirkungen sind oft direkt nicht zu spüren, sondern wirken erst nach langer Zeit destruktiv, z.B. auf Nieren und/oder Leber.

Das wäre dann die Retourkutsche für die Verunglimpfungen von Ärzten in diverser alternativer Literatur über die Heilung von Krankheiten.

Heilen tut sowieso nur der Körper inkl. Seele, Psyche und Geist nicht der Arzt, nicht die Medizin und kein Buch.

Hätten Sie an die Möglichkeit gedacht, dass Bluthochdruck mit konsequenter Rohkost ohne Milch- und Getreideprodukte innert Tagen einfach so verschwindet?

Hätten Sie an die Möglichkeit gedacht, dass Bluthochdruck (essentielle Hypertonie), der - gemäss einem Herzspezialist (Kardiologe, Kardiologie) - unbedingt mit Betablockern (Beta-Rezeptorenblocker, β-Blocker oder Beta-Adrenozeptor-Antagonisten) zu behandeln wäre, mit konsequenter Rohkost ohne Milch- und Getreideprodukte innert Tagen einfach so verschwindet?

Der teure Kardiologe kannte ausser der Chemie keine Alternative - wohl heute noch nicht! So sieht leider die Praxis aus.

Ein alter, erfahrener Apotheker fand im zweiten Versuch ein wirksames natürliches Mittel, doch stellten wir uns bald danach auf Rohkost um und das Thema wie auch die schwere Endometriose meiner Frau waren erledigt.

Die Endometriose hat sich erst über ca. 18 Monate ausgeschlichen, die Hypertonie war nach einigen Tagen weg. Beides hatten wir nicht erwartet und die Menopause kam erst viele Jahre danach.

Das Erb-Müesli bildete einen Teil meines Heilungserfolges. Ich verwendete Getreide, jedoch in gekeimter Form. Sicherheitshalber vermeide ich auch da Weizen und Roggen, weil die auf lange Sicht nicht gerade darmschonend sind.

Zudem: Da mein Instinkt - auch nach langen Versuchen - nicht so funktioniert, wie Guy-Claude Burger in "Die Rohkosttherapie" [28] das voraussetzt, würde ich die Inhaltsstoffe doch etwas unter die Lupe nehmen wollen. Das lesen Sie im Kapitel über den essentiellen Bedarf (RDA, Recommended Daily Allowance).

Zudem kommt, dass nicht alle Menschen eine Mischung aus Gemüsen, Früchten, Ölfrüchten, Nussfrüchte etc. in einer Mahlzeit vertragen. Früchte abends sind zumindest im Alter ein Problem, da diese wegen den Kalorien (physiologischer Brennwert), aktivitätsfördernden Stoffen und dem grossen Anteil Wasser den Schlaf stören.

Das sind Gründe - nebst gewichtigeren - warum ich zum Buch von Burger zahlreiche Vorbehalte äussere. Vor der Besprechung nach thematisch zusammengefassten Texten finden Sie die folgende Kurzbeschreibung als Einstieg:

2. Buchbesprechung

Das Buch von Guy-Claude Burger, Centre national d'Instinctotherapie, Château de Montramé, Soisy-Bouy, F-77650 Longueville empfehle ich trotz einiger Schwachstellen, falls Sie Ihren eigenen Weg von Rohkost nicht schon fanden. Man kann auch erkennen, in welche Irrwege man sich begeben kann.

Das Buch trägt zu Recht den Untertitel Der Weg zurück zur naturgemässen Ernährung, doch direkt unter dem Titel steht auch wissenschaftlich auch als Instinktotherapie bekannt.

In Dialogform zeigt der Autor z.T. sehr scharfsinnig und fundiert in Theorie und Praxis, warum gekochte Kost grosse gesundheitliche Nachteile bringt. Das eventuell fiktive Frage-Antwortspiel zwischen ihm und seinem Verleger lockert schön auf und fördert den Überblick und das Verständnis. Der Autor musste am eigenen Leib erfahren, dass der Mensch an Tiermilch und Getreide genetisch nicht voll angepasst ist.

Seine Ansichten über die mögliche Bedeutung von Viren und Bakterien finde ich nicht gut begründet, sondern "an den Haaren herbeigezogen". Diese Aussagen dienen nicht der Akzeptanz seines Buches. Für Esoteriker bildet das eine Anziehungskraft. Wären seine Ansichten zutreffend, so müssten diese Gedanken unser (Un-)Verständnis der meisten Krankheiten revolutionieren. Jahrzehnte sind nun vergangen seit diesen Thesen, ohne dass Resultate daraus entstanden.

Kritik

Leider fehlt eine Gliederung der Themen, doch hilft eine gute Zusammenfassung am Ende des Buchs.

Auch das Vorwort (gut 12 Seiten) von Dr. med. Jean Devernoix de Bonnefon, eines früheren Klinikchefs einer medizinischen Fakultät (wo?) und Präsident der L'Association nationale des Naturotherapeutes, dient als Zusammenfassung. Die mit ein paar Auflockerungssätzen bzw. Scherzen versehene Dialogform erleichtert das Lesen sehr, trotz der etwas "verwissenschaftlichten" Argumentation.

Burger versucht zu zeigen, dass er zuvor "seine Hausaufgaben" löste. Trotz jahrelanger Erfahrungen mit strenger Rohkost bringt er aber z.T. nur Pauschalurteile oder Übertreibungen statt Fakten.

Andere Punkte resultieren wohl aus Übersetzungsfehlern (Brunhild Seeler), denn das Buch schrieb Guy-Claude Burger in französischer Sprache: LA GUERRE DU CRU (Edition Roger Faloci, 1985, Paris). Vielleicht könnte auch mir der Wikipedia Kritik-Knigge helfen.

Eine letzte Kritik: Ausser einigen umrahmten Auszügen aus Büchern gibt Burger keine Anhaltspunkte zur Nachprüfung seiner Aussagen, auch nicht, wo er andere Literatur oder Erfahrungen anderer beizieht. Doch bei diesem Thema wären wo immer möglich weitere Bestätigungen nötig. In dieser Form kann die Schulmedizin seine Gedanken und Thesen wirklich nicht annehmen, was sein gelegentlicher Zynismus bestätigt.

Neuere Ausgaben des Buches von Burger vermeiden einige der Fehler und die praktische Hilfestellung ist wesentlich verbessert. Er gibt nun auch eine "theoretische Zusammenfassung" von 12 Seiten Länge.

Zudem ist das Stichwortverzeichnis durch ein üppiges Register ersetzt. Die Übersetzung ist verbessert. Ich nahm mir nicht die Mühe, nun meinen ganzen Text mit den vielen Querverweisen (mit [28-] und Seitenangabe) zur direkten Seite bei Burger neu zu schreiben.

Trotzdem: Die beschriebenen Probleme scheinen für einen Laien (Amateur) so logisch klar und stichhaltig zu sein, dass dieser wohl vehement nach unabhängigen Forschungen fragt!

In der nun doch langen Zeit, etwa 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung, kenne ich keine Bestätigungen seiner Thesen.

Allerdings würden auch Bestätigungen der Thesen über die nichtangepasste Kost nur eine kleine Bildungselite und einige Schwerkranke auf die "ursprüngliche Rohkost" umsteigen lassen.

Das beweist z.B. die grosse Anzahl von Rauchern, die sich bewusst stark schädigen. Der grösste Teil der Bevölkerung besteht nicht aus Vernunfts-, sondern aus Genusswesen! Gerade von "Medizinern", wie Burger die Aerzte, Professoren und Forscher der Schulmedizin zusammenfasst, ist kein Eingehen auf seine Thesen, sondern nur ein Pauschalurteil zu erwarten, meint Burger. Leider sorgt er mit seinen eigenen Pauschalurteilen selbst dafür.

Um die Gedanken von Burger bezüglich naturbelassener Rohkost nachzuvollziehen, ist der Text des ganzen Buches nötig. Eine Besprechung behandelt nicht jedes Detail.

Besser wären drei Wochen Praxis; da gebe ich Guy-Claude Burger recht. Eigene Erfahrung ist nicht übertragbar.

Rohkost in "Whole Food Markets", USA, Frühling 2013.© CC-by-sa 2.0, Ernst Erb

Wer sich mit seiner Gesundheit ernsthaft auseinandersetzen möchte, sollte das Buch verarbeiten, auch wenn er/sie in der Praxis bezüglich Rohkost nicht soweit gehen möchte. Sie wissen danach in jedem Fall mehr über die Probleme der Kochkost. So vermeidet der Leser einige der zahlreichen Irrwege um die "beste" Kostform. Tatsächlich ist diese "nur" eine Sache der Intelligenz und des konsequenten Handelns.

Über beides in dem benötigten Mass verfügt aber nur ein ganz verschwindend kleiner Teil der Menschen. In Bezug auf Ernährung und Pathologie verlassen wir eben das Mittelalter. Wir wagen es nicht, unsere Tabus in Frage zu stellen - schreibt Burger. [28-333]

Nun folgt eine Zusammenfassung seiner Äusserungen (kursive Teile), geordnet nach Themen. Die Aussagen raffte ich z.T. stark, doch ohne deren Sinn zu verändern. Die kursiven Texte in Anführungszeichen bedeuten "Originalton", doch behob ich kleine Übersetzungsfehler. Beispielsweise ersetzte ich das Wort Nahrungsmittel meist durch "Lebensmittel", da das Gesetz nur Lebensmittel kennt, und diese Stoffe uns nicht nur als Nahrung, sondern zur Erhaltung des Lebens dienen sollten.

Für den Leser, der meine Texte später nochmals überfliegt und Quellen einsehen möchte, zeige ich die Nummer des Buches [28] bei den Seitenhinweisen in eckigen Klammern, denn auch andere Literaturangaben kommen vor.

2.1. Geschichte des Kochens

Zu Beginn des Buches zeigt Burger, dass das Kochen im Verhältnis zur langen Zeit der menschlichen Entwicklung nur relativ kurz vorkam. Die Landbevölkerung verzehrt seit jeher mehr rohe Lebensmittel als die Stadtbevölkerung. Während mindestens einiger Generationen betrieben die urbanisierten Menschen das Kochen sehr intensiv und umfassend: Sie verkochten die Lebensmittel und litten unter vielen (Mangel-) Krankheiten. Inzwischen ist der Fehler des Kochens im Prinzip bekannt, doch nur für wenige Menschen.

1200 Jahre vor Christus hat man in Ägypten den Pflug seit längerem verwendet.© GFDL 1.2, The Yorck Project, Wikipedia

Etwa ab 5'000 vor Christus halten die westlichen Kulturen Ziege und Kuh, d.h. verzehren Milch und Milchprodukte. [28-29]

Wahrscheinlich um 10'000 Jahre vor Christus, mit dem Getreideanbau, dem Töpfern (liegt 20tausend Jahre zurück, zum Kochen 15tausend in Japan) dem Anfertigen von Backöfen und Metallbehältnissen, fing ein Teil der Menschheit an, regelmässig zu kochen. [28-29]

Heute nennen wir dies Vorverdauung. Tatsächlich bleibt die Speise nicht mehr, wie von der Natur vorgesehen, drei bis vier Stunden im Magen, sondern ein bis maximal drei Stunden. Dafür belasten wir den Darm für einige Tage, statt für ungefähr 20 Stunden.

"Mit einer Nahrung von Wilden werden Ihre Kinder niemals eine Intelligenz von Zivilisierten entwickeln können!"

Mit einer Nahrung von Wilden werden Ihre Kinder niemals eine Intelligenz von Zivilisierten entwickeln können! - hielten andere Burger mehrmals vor.

Praxis: Alle seine Kinder seien Klassenbeste gewesen, ohne besondere Antreibung. Auch ich bekam diesen Vorwurf mehrmals zum Hören, als meine beiden Kinder aus der Zeit noch sehr klein waren. Dies obwohl wir dann lediglich mehrheitlich Rohkost assen, doch Veganer waren. Mein Sohn studiert gerade Informatik.

Diese Skeptiker (Zweifel) erbringen keine eigene Denkleistung, denn sonst wären ihnen bewusst, dass das Feuer zu beherrschen eine Intelligenzleistung (Rationalität) voraussetzt und somit das Kochen erst später dazu kam. Bei der Frage: Was war zuerst, das Huhn oder Ei?, lässt sich streiten, hier aber nicht. Ich staune öfters, wenn unreflektierende und fachlich unbedarfte Medienleute (Vierte Gewalt) Märchen nachbeten.

Übrigens: Gehirn und restliche Körperorgane leisten weit bessere Arbeit ... bei Rohkost. [28-31] Auch ich erlebte das, doch finden Sie das an anderer Stelle. In seiner Autobiografie stellt Gandhi die Frage: Vielleicht sollte man Lebensmittel, die ungekocht nicht essbar wären, gar nicht essen? [28-31]

2.2. Geschichte, Skelettfunde

Der Cro-Magnon-Mensch litt nach Burger nicht unter Karies! Nach ihm verschlechterte sich der Zustand der Zähne ab dem Neolithikum bzw. Jungsteinzeit (Neolithische Revolution), seit Vollkorngetreide und die doch so kalziumreiche Milch auf dem Tisch erschienen. [28-309] Ein netter Widerspruch zur Auffassung der heutigen Gesellschaft - oder?

Weiter schreibt der Autor, dass vor dem dritten Jahrtausend (vor Chr.) keine Tuberkulose existiert habe, denn sie hinterlasse Spuren im Skelett, solche seien aber nicht vorhanden. Man kennt aber einen molekularbiologisch abgesicherte Befund einer 9'000 Jahre alten Skelettprobe eines Menschen mit Tuberkulose.

Skelettfunde

Die ersten Anzeichen für Krieg sollen auch 3'000 Jahre zurück liegen, mit Ausnahme einer Nekropole, die 12'000 Jahre vor unserer Zeitrechnung existierte. Danach existieren regelmässig Spuren von in die Knochen eingedrungenen Pfeilspitzen. [28-168]

Wikipedia: Kriegerische Auseinandersetzungen beobachteten Ethnologen schon zwischen Dörfern und Sippenverbänden bei rezenten Steinzeitvölkern wie den Yanomami oder den Maring in Papua-Neuguinea." und 26. Jahrhundert v. Chr. Schlacht von Banquan und Schlacht von Zhuluo.

Selbst zur Zeit Hippokrates' waren in Griechenland weder Pocken noch Masern oder Pest bekannt, meint der Autor.

Ich denke allerdings, dass einige dieser Aussagen auf wackeligen Füssen stehen, denn schon im alten Testament kamen weit vor 3'000 Jahren Kriege und Pocken vor. Man kennt auch eine Höhle in Ibéromaurusien des Cro-Magnon-Menschen, einer Kultur des Epipaläolithikums in Nordafrika, bei der Menschenskelette aus der Zeit vor 15 tausend Jahren Zahnkaries zeigten. Diese stellten sich um auf Eicheln und Pinienkerne. Normalerweise zeigen Skelette von Jägern und Sammler nur sehr selten Karies.

Weltkarte mit den Ausbreitungswegen und -Zeiten des Menschen gemäss DNA-Analysen.© CC-by-sa 3.0, Continentalis, Wikipedia

Der Cro-Magnon-Mensch, unser direkter Vorgänger (Homo sapiens sapiens) - im Gegensatz zum ausgestorbenen Neanderthaler (ca. 150 Funde), stammt aus der Zeit von 40 000 v. Chr.; die Zeit um das 8./7. Jahrtausend v. Chr nennen wir Neolithikum. Nekropole heisst auf griechisch Totenstadt.

2.3. Maillard-Produkte

1916 hat der französische Biochemiker Louis Camille Maillard (1878-1936) versucht, Substanzen zu isolieren, die den gegarten Lebensmitteln ihre typischen Geschmackscharakteristika verleihen. Er suchte z.B. die Geschmacksträger von Brot, Schokolade und Kaffee. Leider erfuhren seine Erkenntnisse keine Reflektion bezüglich unserer Ernährung. Anmerkung: Diese Arbeit erschien 1912, nicht 1916.

Das Lexikon bringt zu Maillard-Reaktion: z.B. beim Backen und Braten (Pyrolyse) auftretende Reaktion in eiweisshaltigen Lebensmitteln, die auf einer Umsetzung von Aminosäuren mit reduzierenden Zuckern beruht und unter Abspaltung von Kohlendioxyd zur Bildung von 'geschmacksverbessernden', braunen Substanzen (Melanoidine) führt. [112]

Oxydationsreaktionen bilden viele flüchtige und schwer flüchtige Aromastoffe, die mehrheitlich bei Fetten und Lipoiden vorkommen. [31/I-113] Um die Unschädlichkeit dieser verführerischen Substanzen zu beweisen, verfütterte Maillard sie einigen Ratten.

Doch bald starben die Tiere an hypertropischen Nieren und nekrotischen Lebern, schreibt Burger. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg befasste sich die Wissenschaft erneut mit diesen Fragen und 1982 gab sie die geschätzte Anzahl der durch Garprozess entstandenen anomalen Substanzen bekannt.

Diese Maillard-Reaktion kommt in naturbelassenen Lebensmitteln nicht vor

Diese Maillard-Reaktion kommt in naturbelassenen Lebensmitteln nicht vor.

Unter Einwirkung von Hitze bewegen sich die Bausteine der Moleküle rascher, prallen aneinander und können neue Zusammensetzungen bilden, wie Sie wohl im Chemieunterricht erfahren haben. [28-33]

Bei Lebensmitteln kommt eine grosse Anzahl verschiedener Moleküle vor, so dass eine grosse Anzahl neuer Substanzen entsteht.

Allein bei der Grillkartoffel existieren 450 verschiedene sonst nicht vorhandene Derivate. Davon sind 50 identifiziert (EE: Eines davon ist das Acrylamid und nur das gelangte zum Verdruss der Industrie 2002 in die Presse ...).

Die meisten gingen aus Pyrosinen und Thiazol hervor. Vorhanden sind z.B.: flüchtige Alkohole, Ketone, Aldehyde, Ester, Äther (alt für Ether) und nichtflüchtige Heteroside (Heterocyclen), die ganz unterschiedliche chemische und biologische Eigenschaften aufweisen.

Käse und Fleisch sind in biochemischer Hinsicht wesentlich komplexer und bieten beim Erhitzen eine weit grössere Anzahl chemischer Reaktionen an. [28-34]

Gegen Ende des Buches folgt die Schilderung eines weiteren Tierexperiments. Tatsächlich existieren zahlreiche Berichte über quälende Tierversuche mit Kostformen für Versuchstiere. Bringt das für uns oder für unsere domestizierten Tiere Nutzen? Was lernten wir bezüglich Ernährung daraus?

Schweinsbraten nach Münchner Art: braun wegen der Maillard-Reaktion.© CC-by-sa 3.0, Rainer Zenz, Wikipedia

Maillard-Moleküle wirken z.B.: aromatisch, peroxydierend, antioxydierend, toxisch, vielleicht mutagen und kanzerogen oder antimutagen und antikanzerogen. [Lebensmittelpyrolyse und Toxitätsrisiken, R. Derache, März 1982, S. 39]

1947 veröffentlichte der Amerikaner Francis M. Pottenger, Jr. (1901–1967) die Resultate seiner Versuche: Er zog während zehn Jahren 900 Katzen auf; die eine Hälfte mit rohem, die andere mit gekochtem Fleisch. Er beschäftigte sich bei der Kortison-Forschung (Cortison) mit der Entfernung der Nebennieren.

Er stellte fest, dass mit dem Wechsel von gekochtem zu rohem Fleisch eine signifikante Abnahme der postoperativen Mortalität (Sterberate) eintrat. [28-276]

Seine Versuchsreihe zeigte dann, dass die mit gekochtem Fleisch gefütterten Katzen praktisch alle Anzeichen der Humanpathologie bekamen: Rheumatismus, Infektionen, Fehlgeburten, Schwierigkeiten beim Säugen, Agressivität, Tuberkulose, Herzinfarkte etc. [28-277]

Weder die Lebensmittel-, noch die Pharmaindustrie ist aus begreiflichen Gründen daran interessiert, in diese Richtung zu forschen. Auch die etablierte Medizin packt das nicht an!

Trotzdem: In den USA ermittelte Ames, dass normale Kochkost pro Tag die Menge kanzerogener Substanzen mitbringt, die zwei Päckchen Zigaretten entspreche. [28-34]

Siehe auch Weston Price (engl.). Bekannt wurde Weston Andrew Valleau Price vor allem durch seine Studien über die Ernährungsgewohnheiten abgeschiedener Völker.

Würden uns die Maillard-Substanzen innerhalb einiger Jahre töten oder in dieser Zeit direkt Krankheiten verursachen, hätten wir wohl schon längst darauf verzichtet.

Genetisch ist der Mensch auf 120 - 160 Jahre programmiert

Da sie aber im Durchschnitt erst in achzig Jahren töten, und wir allgemein nicht wissen, wie fit ein 80jähriger Immer-Rohköstler ist und wie er aussieht, erkennen wir den Zusammenhang von Ursache und Wirkung nicht! Die meisten Säugetiere leben etwa sieben Mal die Wachstumszeit. Das ist beim Menschen eine Lebenserwartung von 120 - 140 Jahren. [28-108]

Auch genetisch ist der Mensch auf 120 - 160 Jahre programmiert. Einige Wissenschaftler versuchten bis jetzt ohne Erfolg, diese Diskrepanz zur Realität zu erklären.

Lediglich vor einigen Jahren fiel einer Forschergruppe in den USA auf, dass Ratten 2-3 Mal länger leben, wenn sie nur eine extrem eiweissarme und an der Grenze des Hungerns berechnete Nahrung bekommen. Einige dieser Wissenschaftler sollen darauf spontan für sich auf eine ähnliche, aber nicht ganz so strikte, Ernährung umgestiegen sein. Schön wäre hier eine Quellenangabe.

Redaction comment

Heute zeigt Wikipedia unter ältester Mensch eine schöne Liste von Menschen mit gesichertem Spitzenalter.

Dabei kommt ein Alter von 122 Jahren vor. Jeanne Calment (21. Februar 1875 – 4. August 1997) rauchte gelegentlich sogar.

Ganze 29 deutsche Frauen erlebten 111 Jahre. Dazu kommen noch 11 lebende deutsche Frauen mit 110 oder mehr Jahren, fünf Männer und sieben gestorbene Männer.

Das ist also sogar mit normalem Lebensverhalten möglich, wie viel mehr erst bei optimalem Verhalten, also mit Rohkost?

Was verstehen wir unter einem Gen? Der Kern jeder Zelle enthält eine Art Speicher, in Form eines langen, zusammengerollten Doppelstrangs der Zuckerform Desoxyribose bzw. Desoxyribonukleinsäure (DNS) von ca. 1,74 m Länge, also der Grösse eines Menschen. Zuerst sahen Wissenschaftler im Mikroskop die für die Zellteilung in mehrere Knäuel aufgeteilte Form und nannten diese Knäuel Chromosomen.

Die DNS-Stränge jeder einzelnen Zelle enthalten die genetischen Informationen eines ganzen Organismus inklusive Grundcharakter, Instinkt, Intelligenzanlage, Gefühlsanlage (Gefühl) und nach heutiger, aber umstrittener Auffassung auch Informationen über das Unbewusste (Seele?).

Jedenfalls umfassen die Informationen jeder einzelnen Zelle (!) jeweils Daten einer Bibliothek von 3 Millionen Seiten zu 5'000 Zeichen pro Seite. Das entspricht ungefähr 50 grossen Enzyklopädien. Unser Hirn ist gegenüber einer Zelle geradezu beschränkt! [28-57]

1982 ergaben Versuche, dass sogar die Plazenta Maillard-Moleküle durchlässt. Zur Erzielung einer Maillard-Reaktion erhitzten Forscher eine Mischung aus Wasser, Traubenzucker (Glucose) und das Protein Lysin zwei Stunden bei 90 Grad. Lysin ist eine essentielle Aminosäure.

Die Kombination im Verhältnis 1:6 erhalten trächtige Ratten dem normalen Futter beigemischt. Ergebnis: 2 von 3 Embryos gehen ein, die anderen zeigen eine schlechte Entwicklung, einige gar schwere Anomalien. [28-260] Die Plazentaschranke sei auch für Prämelanoide durchlässig. [Toxizität von Maillard-Produkten für den Embryo, J. Lederer und A. Dushimimana, März 1982]

Alkohol verändert die Darmschranke, was gefährlichen Molekülen den Weg öffnet

Alkohol verändert die Darmschranke, was gefährlichen Molekülen den Weg öffnet. [28-109] Darum tragen rauchende Alkoholiker ein zehnfaches Risiko des Lungenkrebses (Bronchialkarzinom) als Raucher mit wenig Alkoholgenuss. Die erste Gruppe nimmt nicht nur zusätzlich Maillard-Moleküle durch die Lunge auf, sondern ermöglicht diesen noch einen besseren Weg durch die Darmschranke. Siehe auch Abhängigkeitssyndrom durch psychotropische Substanzen.

Farbige Grafik: Grad an Drogenabhängigkeit und Schädlichkeit von Alkohol und Tabak ist gross.© Public Domain, Thomas Wydra, Gandulf, Wikipedia

Auch der Schweiss zeigt, dass Aromastoffe und deren Trägermoleküle die Darmschranke durchbrechen. Bei nicht denaturierten Stoffen scheint das aber nicht vorzukommen.

Schweiss riecht nach Einnahme von Produkten mit gerösteten Mandeln nach Mandeln, mit einer mehrfachen Menge an rohen Mandeln jedoch nicht, bzw. nicht nach Mandeln.

Der Körper ist nicht in der Lage, Enzyme zu fabrizieren, die alle Moleküle gerösteter Mandeln assimilieren. Die unbekannten Moleküle richten langfristig Schaden an. [28-214]

Nun folgt eine für den Laien sehr einsichtig dargestellte These über die mögliche Wirkung von Maillard-Molekülen von Burger. Diese lautet sinngemäss: Unser Körper bedeutet für ein Molekül ein Labyrinth, das aus mehreren Räumen mit je mehreren Türen besteht, die jeweils einen anderen Schlüssel benötigen.

Die Schlösser in unserem Körper und in unseren Zellen hat die Natur seit Millionen von Jahren genau auf die für uns möglichen Schlüssel der Moleküle abgestimmt. Riesenmoleküle (Makromoleküle) können trotz richtigen Schlüsseln nicht passieren. Unsere Enzyme, Basen und Säuren bringen sie in eine Form, dass sie durch die Türen passen. Viele Nahrungsmoleküle schliesst der Verdauungsapparat des Menschen nicht auf. Um Gras zu verwerten besitzen Wiederkäuer als reine Pflanzenfresser einen Pansen. Die Kuh ist ein Beispiel.

Einige Moleküle (z.B. Stärke) bringen wir durch Erhitzen in eine Form, die das Aufschliessen ermöglicht. Andere erhitzen wir für unseren Gaumen bzw. für unsere gustatorische Wahrnehmung. Wenn der Schlüsselbund der Moleküle jedoch durch Erhitzung oder andere "Denaturierung" Schaden nahm, passiert das Molekül vielleicht einige Räume, doch nachher bleibt es z.B. in einer Zelle stecken. [28-217] Die passenden Schlüssel entstanden in einem Millionen von Jahren alten Prozess. Kochkost war nicht dabei.

In der Realität nimmt unser Organismus den Schlüsselbund des Moleküls "in die Hand" und öffnet die Türe im Organismus oder in der Zelle nach seinem Gutdünken

Diese volkstümliche Darstellung von Burger ist treffend, denn tatsächlich passiert jedes Molekül zahlreiche Schranken, bevor der Körper es ausscheidet. Das Problem entsteht unabhängig davon, ob das Molekül bei seiner Reise in unserem Körper für uns einen Dienst leistete oder nicht.

In der Realität nimmt unser Organismus den Schlüsselbund des Moleküls "in die Hand" und öffnet die Türe im Organismus oder in der Zelle nach seinem Gutdünken. Unser Organismus ist aber auf die richtigen und intakten Schlüssel angewiesen.

Ein Chemiker kennt die Welt der Moleküle und bestätigt, dass deren atomare Bauteile in ständiger Bewegung bleiben. Eine Ausnahme bildet der wohl theoretisch nur erreichbare absolute Nullpunkt der Temperaturskala. Da entstehen auch keine chemischen Reaktionen mehr.

Eine chemische Reaktion benötigt das gegenseitige Treffen von Molekülen bzw. ein Aufeinanderprallen mit genügend starker Energie. Darum laufen diese Prozesse bei erhöhter Temperatur schneller ab.

Darstellung Permease schematisch: Diffusion an Zellmembran (intrazellulär - extrazellulär).© Public Domain, LadyofHats Mariana Ruiz, Wikipedia

Für gewisse "zu grosse Moleküle für die Passage" stellt der Körper "Begleiter" (Transmembranproteine, Permease) zur Verfügung, die eine Passage u.U. ermöglichen.

Höhere Temperaturen als das Leben vorsieht, deformieren die Makromoleküle, die das Leben überhaupt erlauben. Wir sprechen darum ganz treffend von Denaturierung.

Das Kochen zerstört auch einige zur Verdauung erforderlichen Enzyme und bildet gleichzeitig für unser System unbekannte Maillard-Moleküle

Die Welt der Moleküle gehorcht sehr präzisen geometrischen Gesetzen. ... Die chemische Formel gibt nur einen ersten annähernden Eindruck dieser Formen.

Bei Glukose genügt das spiegelbildliche "Umdrehen" der Form des Moleküls, um L-Glukose mit der Zusammensetzung der natürlichen D-Glukose zu erhalten, doch sei L-Glukose von unserem Organismus nicht verwertbar! [28-218]

Burger meint dabei wahrscheinlich den Unterschied zwischen Alpha- und Beta-D-Glukose. Die meisten Bausteine des Lebens z.B. Aminosäure oder Zucker treten chiral auf, d.h. sie kommen in zwei Formen vor. Das ist spiegelbildlich, ähnlich einer rechten und linken Hand. Als Unterscheidung dient die Bezeichnung R- und S-Form. Natürliche Aminosäuren zeigen vorwiegend nur die S-Form. Die beiden Formen bzw. Enantiomere einer chiralen Verbindung weisen weitgehend identische chemische und physikalische Eigenschaften auf, zeigen aber in ihrem biologischen Verhalten grosse Unterschiede. [NZZ 17.10.01-71]

Das erfuhren wir drastisch beim Mittel Contergan. Die beiden Enantiomere des Wirkstoffes Thalidomid waren in diesem Mittel zu gleichen Teilen vorhanden, also als Razemat (Racemat). Dass nur die eine Form die erwünschte Wirkung zeigt und die andere schwere Missbildungen hervorruft, war noch nicht bekannt.

Das Kochen schliesst gewisse Moleküle für die Verdauung auf bzw. denaturiert sie. Doch das Kochen zerstört auch einige zur Verdauung erforderlichen Enzyme und bildet gleichzeitig für unser System unbekannte Maillard-Moleküle. [28-221]

Fazit daraus: Die Ignoranz unserer Gesellschaft bewirkt, dass wissenschaftliche Resultate unser Essverhalten nicht wirklich verändern: Die Wissenschaftler können nur Informationen 'verkaufen', die man ihnen abzunehmen geneigt ist. [28-278]

Den Grund dafür finden Sie in den Buchbesprechungen "Salt Sugar Fat" und "Lügen Lobbies Lebensmittel". Sie liegen in der intensiven Verknüpfung (Knäuel) von Lebensmittelindustrie, Politik, Medizin und der Medien. Nicht zuletzt aber auch in den Gewohnheiten unserer Mitmenschen (Gemeinschaftsgefühl). Die Umwelt prägt uns mehr als wir meinen.

Das Baumaterial, aus dem unser Organismus gemacht ist, das sind die Moleküle, die durch den Mund zu uns hereinkommen

Roter Kübel mit Tapetenkleister aus Stärke bzw. Celluloseether.© CC-by-sa 3.0, Ralf Roletschek Marcela, Wikipedia

Burger's Aussagen: Wenn Sie eine Mischung aus Mehl und Wasser kochen, entzieht dies nicht nur die in der Stärke enthaltene Glukose, sondern das Produkt lässt sich auch als Kleister benützen.

Warum? Die Glukosemoleküle der Stärke formen harmonische und komplexe Gebilde, die unter Hitzeeinwirkung zusammenfallen und sich kreuzende Ketten bilden, welche die klebrige Konsistenz verursachen. Nach dem Durchsetzen mit kleinen Kohlendioxydbläschen (Triebmittel) und einem stärkeren Trockenvorgang entsteht Brot statt Kleister. [28-219]

Mit wurmstichigen Balken kann man kein solides Haus bauen. Das Baumaterial, aus dem unser Organismus gemacht ist, das sind die Moleküle, die durch den Mund zu uns hereinkommen [28-287] sofern sie die Darmwand passieren und wirklich zur Verwendung kommen ... Eine Zelle, die in der Lage ist, sich 50mal zu reproduzieren, wird insofern schnell am Ende der Summe angelangt sein, falls sie einer Vergiftung ausgesetzt war, durch die sie die Erneuerung in kürzeren Abständen bewerkstelligen muss. [28-297]

Aber, so meine ich: Zwischen der Reproduktion und der "Halbwertszeit" von Nahrungsmolekülen in einer Zelle ist zu unterscheiden.

... man findet es mehr oder weniger normal, dass das Gehirn einen guten Teil seiner Leistungsfähigkeit verloren hat, wenn man ins Pensionsalter kommt. Die Zerstörung der Neuronen ist wahrscheinlich auf zwei Dinge zurückzuführen: auf den Atemstillstand, der von der Verstopfung der Arteriolen herrührt, deren Aufgabe es ist, sie zu durchbluten, und auf die autoimmunen Mikroentzündungen. Beide Prozesse lassen sich mit der denaturierten Ernährung erklären: ein Hoch den Pommes frites! [28-301]

Diese Ursache bildet also nicht mangelndes Training, das die Hirnleistung natürlich zusätzlich herabsetzt. Es ist Sache der Eltern, den Instinkt bei den Kindern zu schärfen, statt mit dem ewigen 'ein Löffel für Papi, ein Löffel für Mami & Co' zu pervertieren.

Oft zwingen Erwachsene die Kleinkinder während Jahren, Tag für Tag eine Tasse Milch zu trinken oder eine Scheibe Fleisch zu essen, was das Kind verabscheut. Wenn die Schranken fallen, freut das die Erwachsenen und sie sagen: Richtig Appetit hat er bekommen, der Kleine; dabei ist nur sein Schutzmechanismus aufgrund der vielen Wiederholungen aufgehoben. [28-308]

Das Kind ist nun reif für unsere Tischgewohnheiten und für unsere Krankheiten ... Nun werden Sie sagen, dass es auch Leute gibt, die 100 Jahre alt werden, ohne nennenswerte Krankheiten mitgemacht zu haben. Sie versuchen damit die Ausnahme zur Regel zu machen. Fahren wir nicht besser mit positivem Denken, mit dem Glauben an das Gute auf dieser Erde oder der Ansicht, dass Gott schon dafür gesorgt hat, dass uns das Richtige zur Verfügung steht?

Ja, das Richtige steht uns zur Verfügung, doch schütten wir ständig auch Zuckerwasser in den Tank, wenn wir uns mit dem Auto vergleichen.

Zum Glauben an das Richtige: Der weise Ramakrishna, zweifellos eine der markantesten spirituellen Persönlichkeiten, starb an Kehlkopfkrebs. Dort rutschten seine schrecklich geliebten, in Butter gebratenen Reisfladen hinunter ... [28-289]

Er hatte ganz recht, gegen sein Schicksal aufzubegehren, denn der ganz einfache Ernährungsirrtum wurde ihm über seine Leitung zur Offenbarung nicht offenbart ... [28-290]

Aber die Irrtümer der Intelligenz korrigieren wir auch nur mit Hilfe der Intelligenz. Nur fromm und gottesfürchtig darauf zu warten, dass die Lösung von oben kommt, ohne sich selbst die Mühe zu machen, unsere liebgewonnenen Leib- und Magengewohnheiten in Frage zu stellen, scheint mir eher von intellektueller Faulheit als von Glauben zu zeugen. [28-290] Das klingt zynisch.

Ramakrishna Paramahamsa 1885. Er starb 1886 im Alter von 50 Jahren an Kehlkopfkrebs.© Public Domain, Abinash Chandra Dna

Ramakrishna lebte übrigens von 1836 bis 1886, starb also mit ca. 50 Jahren ... [112] Swami Vivekananda (1863-1902) wurde quasi sein Nachfolger. Er starb mit 39 Jahren an Diabetes.

Burger bringt auch das Beispiel seines Yogalehrers, der direkt aus Indien gekommen ist, um dem Westen die Lehren der grossen Yogameister zu überbringen ...

Dieser starb im besten Mannesalter an einem Herzinfarkt.

Diese Einzelschicksale zählen für mich allerdings weniger als die Statistiken über Sterblichkeiten von Sektenmitgliedern, die keine Impfung zulassen etc.

2.4. Das Dilemma der Wissenschaft

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