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Beste Aussichten für Ihre Gesundheit

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Schmalblättriges Weidenröschen, Blatt, roh (Feuerkraut)

Schmalblättriges Weidenröschen, Blatt, roh (Stauden-Feuerkraut, Waldweidenröschen) ist als Salatbeigabe oder Teemischung verwendbar und roh verzehrbar.
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Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium bzw. Chamerion angustifolium) nennt man eine auf der Nordhalbkugel verbreitete und leicht zu erkennende essbare Wildpflanze.

Verwendung in der Küche:

Junge oberirdische Pflanzenteile des Schmalblättrigen Weidenröschens oder Waldweidenröschens schmecken wie Feldsalat, während die Wurzeln einen süsslich-scharfen Geschmack aufweisen. Alle Pflanzenteile des Stauden-Feuerkrauts hinterlassen in rohem und unverarbeitetem Zustand einen leicht stumpfen bis rauen Belag im Gaumen. Durch Einlegen der feingeschnittenen Pflanzenteile in Zitronen- oder Essigsäure kann man diesen Effekt abmildern. Blüten und Knospen lassen sich ebenfalls roh essen und eignen sich als dekorative Zutat für Suppen und als Salatbeigabe. Junge, noch elastische Stängel kann man schälen und roh oder als Stangengemüse zubereiten.1

Die Wurzel erntet man, wenn die Pflanze gerade austreibt, meist im April. Nach dem Säubern und Schälen schmeckt die Wurzel sowohl als Rohkost als auch gegart sehr gut. Man kann die Wurzel auch trocknen und danach zu Mehl vermahlen, um damit Saucen anzudicken.

Die Kamtschadalen essen das Kraut des Schmalblättrigen Weidenröschens als Gemüse und im hohen Norden nutzt man auch die süssen Wurzeln (Wurzelausläufer) als Salat (Lexikon der Ernährungskunde).

Teezubereitung für Weidenröschentee:

Aus den jungen Blättern und Blütenknospen des Waldweidenröschens lässt sich eine Art Grüntee zubereiten, welcher zusammen mit Fenchelsamen ein geschmackvolles Getränk ergibt.2 In Russland kennt man den Ivan-Tee oder Russischen Tee, früher auch Koporskij Tschaj (Копорский чай) genannt, bei dem es sich um fermentierten Weidenröschentee handelt. Dieser schmeckt ähnlich wie Schwarztee, enthält aber kein Teein (Koffein).3

Rezept zum Tee: Auf zwei Deziliter siedendes Wasser nimmt man einen Esslöffel frische oder getrocknete junge Weidenröschenblätter und lässt sie 10-15 Minuten ziehen. Pro Tag sollte man maximal zwei Tassen trinken und den Tee nicht länger als drei Wochen anwenden, siehe weiter unten bei Gefahren / Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen. Der Tee soll auch auf die Psyche anregend und vitalisierend wirken.

Man nennt diesen Tee auch Kurilischen Tee, weil Russen im Norden aus einem Absud der Blätter des Weidenrösleins Tee herstellen. Fermentiert dienen die Blätter allerdings auch zur Verfälschung des echten Schwarztees.

Wild zu finden - Saison:

Das Schmalblättrige Weidenröschen findet man auf Waldlichtungsfluren und in Gebüschen. Als Rohbodenpionierpflanze wächst es bevorzugt auch auf Kahlschlägen, an Ufern und Böschungen, auf Fels- und Blockschutt, auf Brachflächen oder Trümmergrundstücken. Von seiner Eigenschaft, sich nach Waldschlägen oder Waldbränden schnell auszubreiten, stammt der englische Name „Fireweed“ ab.3

Das Schmalblättrige Weidenröschen erreicht eine Höhe von bis zu 1,5 m, wobei der Blütenstand - in aufsehenerregenden Ähren13 - bis zur Hälfte der Wuchshöhe ausmachen kann. Die Stängel sind aufrecht und unverzweigt mit schmalen, langen und oben zugespitzten Blättern, die kurzgestielt sind. Die Blüten sind scheibenförmig und etwa 2-3 cm breit, die Blütenkronen vierzählig und rosa bis purpurrot.1,4

Die verschiedenen Pflanzenteile (Blätter, Triebe bzw. Triebspitzen, Blüten und Blütenknospen, Wurzeln und Stängel bzw. Sprossen) erntet man im zarten, jungen Zustand zwischen April und Juli.1 Ab Juni kann man in Europa mit den essbaren Blüten rechnen. Die Weidenröschensprossen haben ein spargelartiges Aroma und schmecken besonders gut zwischen April und Mai, wenn die Blätter noch am Ende des Sprosses sitzen. In der Blütezeit sind die Blätter bitter.

Inhaltsstoffe:

Weidenröschen enthalten u.a. Flavonoide (Myricetin und Quercetin), Tannine, Beta-Sitosterin, Anthocyane, Triterpensäure und Gerbstoffe.1,2 Dazu kommen Pektin und Schleimstoffe.11 Weidenröschen sind ausserdem reich an Mineralstoffen und Vitaminen, insbesondere weisen sie nennenswerte Mengen an Calcium, Magnesium, Folaten (Folsäure) und Niacin (Vitamin B3) auf.5 Siehe die Inhaltsstofftabellen am Ende des Textes.

Gesundheitliche Aspekte:

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC), Fachgremium der Europäischen Arzneimittel-Agentur, das auf wissenschaftlicher Basis Monografien für pflanzliche Arzneimittel erstellt, stufte die Herba Epilobii als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Verwendung als Teedroge finden das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) sowie das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum). Aufgrund langjähriger Erfahrung kann das Weidenröschen bei Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) dienen.

Von ärztlicher Seite her sollte jedoch eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen sein. Auch bei Magen- und Darmerkrankungen, Blasenentzündungen oder Miktionsstörungen (Blasenentleerungsstörungen) zeigt die Erfahrungsheilkunde Erfolg. Bis jetzt fehlen allerdings genaue wissenschaftliche und klinische Untersuchungen zur Wirksamkeit des Weidenröschens.2,6

Epilobium-Arten enthalten Phytosterole, als Hauptwirkstoff Beta-Sitosterin. Diese Substanzen nutzt man aufgrund ihrer starken physiologischen Wirksamkeit medizinisch. Bedeutend ist der vorbeugende und therapeutische Einsatz zur Symptomlinderung bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) sowie zur Senkung des Serum-Cholesterinspiegels. So zeigen klinische Studien bei einer Gabe von 1,5-2,0 g Phytosterolester pro Tag eine relevante Senkung der Cholesterin- bzw. LDL-Cholesterinkonzentration im Blut. Zu beachten ist die grundsätzlich geringe Resorption von fünf Prozent der mit der Nahrung aufgenommenen Phytosterole.7,8

Gefahren / Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen:

Bei längerer Anwendung kann es zu Magen- und Darmbeschwerden kommen.12

Verwendung als Heilpflanze:

Epilobii herba kann man in Teeform (1,5 bis 2 g/250ml Wasser) zur Linderung von durch Prostatahyperplasie (BPH) bedingten Harnwegsbeschwerden einsetzen. In deutschen Apotheken sind Weidenröschen-Fertigtees verfügbar, die allerdings überwiegend als Haus- oder Kräutertees im Angebot sind (z.B. Aurica® Kleinblütiges Weidenröschen Tee, Bombastus Weidenröschenkraut kleinblütig, Salus® Weidenröschen-Mischung).9 Epilobii herba besteht häufig aus einer Kombination des Schmalblättrigen und des Kleinblütigen Weidenröschens.

Das Schmalblättrige Weidenröschen wirkt adstringierend, erweichend, hämostatisch und wundreinigend. Stichworte sind Durchfall, Mundschleimhaut und Wunden.11 Allerdings behandelt es Apotheker M. Pahlow nicht, sondern beschreibt das verwandte Nachtkerzengewächs Kleinblütiges Weidenröschen (Epilobium parviflorum Schreb.) als Weidenröschenkraut = Epilobii herba (früher Herba Epilobii). Er bezeichnet es als Modedroge ab 1970 mit unwahren Angaben. Dabei merkt er an, es habe bloss höchst bescheidene Heilwirkungen.

Volksmedizin:

In früheren Jahrhunderten setzte man Weidenröschenkraut u.a. gegen Durchfall, Menstruationsbeschwerden und Atemwegserkrankungen ein. Die heutige Verwendung von Epilobii herba bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) geht auf die österreichische Heilkräuterkundlerin Maria Treben zurück, die in den 1970er Jahren der fast vergessenen Heilpflanze zu neuer Popularität verhalf.9 Sie hat aber das Kleinblütige Weidenröschen beschrieben, nicht das Schmalblättrige. Siehe dazu auch die kritischen Anmerkungen oben - oder, wie man in gewissen Kreisen Räucherungen damit beschreibt: Es heisst, dass man mit Weidenröschen Geister herbeirufen kann, wenn man es mit Sandelholz mischt und bei abnehmendem Mond räuchert. Ist nicht unser Thema, obwohl das auch Indianer getan hatten. Um in Trance zu geraten, benutzten Schamanen zumindest das Schmalblättrige Weidenröschen zusammen mit Fliegenpilzen und Rauschbeeren (Vaccinium uliginosum).15

Vorkommen:

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Man findet es in Europa bis weit nach Skandinavien und in den Alpen bis in Höhenlagen von 2‘000 bis 2‘500 Metern.3

Chamerion angustifolium L. Holub heisst der lateinische Name in US-englischer Sprache, oft steht dieser für das narrow-leaved fireweed, wie es auf Englisch genau heisst. Die Pflanze kommt als "anthropogenic", also durch den Menschen gestörte Natur, vor. Aber auch natürlich, also wild - wie oben beschrieben. In den USA ist das Schmalblättrige Weidenröschen in folgenden Staaten verbreitet: Alaska, Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island und Vermont. Im Norden Neuenglands kommt es am häufigsten vor; in Feldern, an Strassenrändern und in Lichtungen.14

Eigener Anbau:

Die charakteristische, rosa blühende Hochstaude lässt sich auch als dekorative Bienenweide im Garten kultivieren. Samen für das Schmalblättrige Weidenröschen findet man online bei zahlreichen Saatgut-Anbietern. Im Handel sind neben den Samen für das klassische, rosa bis purpurrote Schmalblättrige Weidenröschen auch solche für weissblütige erhältlich. Pro Quadratmeter pflanzt man vom hochwüchsigen Schmalblättrigen Weidenröschen etwa vier bis sechs Pflanzen mit einem Abstand von 40 bis 50 cm an. Am besten gedeihen sie auf einer sonnigen bis halbschattigen Freifläche bzw. am Gehölzrand auf trockenem bis frischem Boden. Ideal ist ein kalkarmer und normal durchlässiger Boden.

Trotz einfacher Kultivierung der dekorativen Hochstaude ist bei einer Verwendung im Garten wegen Ausläufern und Selbstaussaat Vorsicht geboten. Man sollte das Schmalblättrige Weidenröschen vor der Samenreife etwas zurückschneiden, um die Selbstaussaat zu vermeiden. Gleichzeitig regt man dadurch ein erneutes Blühen an. Das Schmalblättrige Weidenröschen kann man als Bienenweide nutzen, da Bienen diese Pflanzen überdurchschnittlich stark anfliegen.

Tierschutz / Artenschutz / Tierwohl:

Weidenröschen sind wegen der oft grossen Bestände eine wichtige Bienenfutterpflanze. Neben Bienen sind Hummeln, Wespen und verschiedene Tagfalter häufige Bestäuber. Das Schmalblättrige Weidenröschen dient Bienen hauptsächlich während der Monate Juni und Juli als Nahrung (Sommertracht). Tracht steht als Oberbegriff für die Nahrung, welche die Bienen eintragen, also Nektar, Pollen und Honigtau. Der Nektarwert des Schmalblättrigen Weidenröschens ist hoch und der Pollenwert mittel (Skala Nektarwert und Pollenwert: kein, gering, mittel, hoch, sehr hoch). Diese beiden Werte spiegeln den Wert für Insekten wider und dienen als Richtwerte und Entscheidungshilfe bei Neupflanzungen und Gartenarbeiten.4

Wenn Sie die eintrocknenden Staudenteile des Weidenröschens erst im Frühjahr abschneiden, liefern Sie den heimischen Vögeln eine willkommene Nahrungsquelle für den Winter: Darin verkriechen sich nämlich gern Insekten während der kalten Jahreszeit.

Allgemeine Informationen:

Das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) ist eine Art innerhalb der Gattung Epilobium. Diese Gattung gehört zur Unterfamilie der Onagroideae, die man wiederum der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae) zuordnet.

Weltweit gibt es fast 190 Weidenröschen-Arten, die hauptsächlich in den gemässigten Regionen Nordamerikas und Eurasiens vorkommen. In Europa sind mehr als 30 Arten bekannt.10 Diese können zahlreiche Hybride bilden, sodass die Unterscheidung manchmal schwierig ist.11

Weitere Namen für das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) sind Weidenröslein, Staudenfeuerkraut, Wald-Weidenröschen11, Waldschlag-Weidenröschen, St. Antoniekraut, Eberkraut, Feuerkraut11, Krebsblume, kurilischer Tee, Unholdenkraut und wilde Wilge.

Weitere botanische (lateinische) Namen: Chamaenerion angustifolium (L.) Scop. ssp. circumvagum (Mosq.) Moldenke; Chamerion platyphyllum (Daniels) A. & D. Löve; Epilobium angustifolium L. var. abbreviatum (Lunell) Munz; E. angustifolium L. ssp. circumvagum Mosq.; E. angustifolium L. 
var. macrophyllum (Hausskn.) Fern.; E. angustifolium L. var. platyphyllum (Daniels) Fern.14

Literatur / Quellen:

  1. Fleischhauer, Steffen Guido; Guthmann, Jürgen; Spiegelberger, Roland: Enzyklopädie. Essbare Wildpflanzen. 2000 Pflanzen Mitteleuropas. 1. Auflage (2013); AT Verlag. Aarau.
  2. Niederegger, Oswald; Mayr, Christoph: Heilpflanzen der Alpen. (2006); Tyrolia-Verlag. Innsbruck-Wien.
  3. Deutschsprachige Wikipedia. Schmalblättriges Weidenröschen.
  4. Kremer, Bruno P.; Mein Garten – Ein Bienenparadies. Die 200 besten Bienenpflanzen. 2. Auflage (2018); Haupt Verlag. Bern.
  5. USDA (US Department of Agriculture). Weidenröschen.
  6. AWL Heilpflanzenlexikon. Arnold, Werner. Epilobium parvfilorum – Kleinblütiges Weidenröschen. Epilobium angustifolium – Schmalblättriges Weidenröschen.
  7. JMNF Journal für Mikronährstoffforschung. Beta-Sitosterin.
  8. Kasper Heinrich. Ernährungsmedizin und Diätetik. 12. Auflage. München; 2014. Elsevier GmbH Urban & Fischer.
  9. PTAheute. Weber-Fina, Ulrike. Weidenröschen – ein Prostatamittel. ´
  10. Deutschsprachige Wikipedia. Weidenröschen.
  11. Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen; Verlag das Beste; 1978.
  12. M. Pahlow; Das grosse Buch der Heilpflanzen (Gesund durch die Heilkräfte der Natur), Nikol Verlag; 2013.
  13. Richard Mabey; essbar (Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche); Haupt Verlag; 2013.
  14. gobotany.newenglandwild.org/ species /chamerion/ angustifolium
  15. Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT Verlag, 14. Auflage, 2018.

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