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Okara (Sojapülpe, roh?, bio?)

Der Ei-Ersatz Okara bzw. Sojapülpe, ein Nebenprodukt der Sojamilchherstellung, ist ein gutes Bindemittel. Roh nicht zu essen. Bio?

Dieses Lebensmittel gilt vielen als roh, z.B. weil es so aussieht. Es ist aber in den allermeisten Fällen nicht roh! Meist weil der Gewinnungsprozess Erhitzung benötigt, den man nur mit viel höherem Aufwand anders erreichen kann - oder weil man das Nahrungsmittel pasteurisiert. Zumindest einer dieser Gründe trifft hier zu.

Ist das Produkt als roh deklariert, kann es auf dem Weg zu Ihnen mit billigerem Verfahren gewonnenem vermischt worden sein. Je nach Produkt kann man von Auge oder Geschmack her nicht unterscheiden.

Übrigens: Rohköstler sollten beachten, dass es auch Lebensmittel gibt, die wohl roh sind, doch roh giftig wirken - oder roh nur eingeschränkt geniessbar sind. Diese zeichnen wir anders aus.

  Wasser 81,6%  70
Makronährstoff Kohlenhydrate 69.97%
/20
Makronährstoff Proteine 20.14%
/10
Makronährstoff Fette 9.9%
  LA : ALA

Verhältnis Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren soll insgesamt 5:1 nicht überschreiten. Link zu Erklärungstext.

Werte sind zu klein, um relevant zu sein.
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28.06.22100 gFr.Bio1,32

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Piktogramm Nährstofftabellen

Okara bzw. Sojapülpe entsteht als Nebenprodukt bei der Sojamilch- bzw. Tofuherstellung aus Sojabohnen (Glycine max (L.) Merr., bio?). Der Sojatrester (roh?) hat einen neutralen Geschmack und ist ein gutes Bindemittel für Suppen und Saucen sowie ein veganer Ei-Ersatz.

Okara: Verwendung in der Küche

Was ist Okara? Sojapülpe ist das ausgepresste Fruchtfleisch der Sojabohne, also Sojapüree (Sojabohnenmark oder Sojabrei) - oder anders ausgedrückt: pürierte und ausgepresste Sojabohnen. Okara bleibt bei der Produktion von Sojamilch (bzw. Tofu) als Pressrückstand (im Filter oder als Bodensatz) übrig und gilt vielerorts als Abfall, obwohl es sich gut für den menschlichen Verzehr eignet und wertvolle Nährstoffe enthält.

Sojapülpe darf man nur gekocht verzehren, weil sie als Sojabohnenprodukt in rohem Zustand toxisch ist. Bei Sojabrei industrieller Herkunft ist von einer prozessbedingten Erhitzung auszugehen (Dauer und Temperatur je nach Produktionsmethode1,27) - selbstgemachter Sojatrester ist mehrheitlich roh. Bitte erhitzen Sie den Sojabrei in jedem Fall vor dem Verzehr (siehe unten bei 'Okara selber machen').

Da die Sojapülpe geschmacksneutral ist, kann man sie in der Küche sehr vielseitig einsetzen. Sie lässt sich als vegane Zugabe zum Müesli, in Granola, in Saucen, Suppen und Aufstrichen aller Art verwenden, aber auch getrocknet als Brösel zum Panieren von Pilzen oder Gemüse. Gemüse-Bratlinge, Okara-Bällchen, Kroketten und Gnocchi mit Sojabohnenmark schmecken ebenfalls sehr lecker. Aus Okara fertigt man ausserdem Backwaren wie Brote, Kekse oder Muffins: Gebäck mit Okara ist sehr saftig. Auch Okara-Polenta (z.B. mit gehackten Tomaten und Gewürzen) oder Ravioli-Füllungen (z.B. mit Kürbis) findet man auf diversen Rezept-Seiten im Internet.

In China, Korea und Japan existieren viele traditionelle Rezepte mit Sojatrester. In Südkorea bereitet man aus Okara (kongbiji) einen Eintopf mit Schweinefleisch und Kimchi zu (kongbiji-jjigae) oder gibt es gerne in Suppen. Die chinesische Küche kennt Sojapülpe als dòuzhā2 und liebt Rezepte für Okara-Pfannkuchen (z.B. mit Schalotten) und Suppe mit Okara-Einlagen. In Japan isst man Salat aus Okara mit Gemüse, Thunfisch oder Schinken und Mayonnaise und rührt es in Eiscreme.3 Gebratene Sojapülpe mit Sojasauce, Gemüse, Schalotten und Shiitake-Pilzen - oder Unohana - ist dort eine beliebte Beilage.

Wie kann man ein Ei ersetzen? Okara kann als Ersatz für Eier oder für Mehl dienen (Bindemittel). Als Ei-Ersatz oder Ei-Alternative (Englisch: egg replacement) kann man Sojabohnenmark in verschiedenen Kuchen nutzen, die keine Hefe zum Aufgehen benötigen. Hier beträgt das Verhältnis: 1 Ei = 1 EL frisches Okara + 2 EL Wasser.4,5 Als Mehlersatz kann man getrocknetes und gemahlenes Okara verwenden, allerdings ist diese glutenfreie Variante alleine nicht backfähig, sodass man das Okara-Mehl am besten mit anderen Mehlen kombiniert. Bei Hermann's Eatery in Berlin experimentieren sie mit einer Mischung aus 40 % Kichererbsenmehl, 30 % Reismehl, 20 % Okaramehl und Tapioka (als Kleber).6

Veganes Rezept für Okara-Hummus:

Für ein cremiges Hummus nimmt man rund 230-240 g (gekochtes, nicht rohes) Bio-Okara (1¾ Tassen5,7), 60 ml Zitronensaft (¼ Tasse8), 55 g Tahini (oder Tahin, Sesambutter, Sesampaste, ¼ Tasse7), 2 grob gehackte Knoblauchzehen, 1 TL Kreuzkümmel, ¾ TL (oder lieber weniger) Salz und 3-5 EL Wasser. Geben Sie alle Zutaten mit 3 EL Wasser in einen Mixer und pürieren Sie alles so lange, bis eine glatte Masse entsteht. Wenn der Hummus allzu dickflüssig ist, geben Sie mehr Wasser hinzu. Zum Abschmecken eignen sich Pfeffer oder Paprika, zum Dekorieren Sesamsamen. Dazu passen beispielsweise rohe Gemüsesticks.

Oder probieren Sie auch unser Rezept (vegan) für eine Okara-Radieschen-Pfanne mit Weisskohl.

Im 2019 erschienenen Kochbuch Alles OKara veranschaulicht der einstige Koch-Olympiasieger und Autor Bruno Wüthrich, wie Sojatrester die tägliche Speisekarte bereichern und Foodwaste verhindern kann.9

Vegane Okara-Rezepte finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben" (ganz unten oder nebenan).

Einkauf - wo Okara kaufen?

Okara ist vor allem in asiatischen Ländern bekannt und daher in Europa nicht so einfach erhältlich. Weder bei Grossverteilern wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Hofer, Billa etc. noch bei Drogerieketten wie DM, Rossmann und Müller oder bei grossen Bio-Supermärkten wie Alnatura oder Denns sind wir auf Okara gestossen. Wo kann man Okara kaufen? Häufiger trifft man es aber - frisch oder getrocknet (als Okara-Pulver) - im Onlinehandel, in asiatischen Lebensmittelläden und in gut sortierten Reformhäusern oder Bioläden an. Bevorzugen Sie beim Kauf Bio-Produkte.

Wer regional einkaufen möchte, um den Transportweg zu minimieren, kann bei farmy.ch fertige Bio-Okara-Bällchen aus dem zürcherischen Rüti (Schweiz) bestellen oder sich bei der Firma Futur Naturprodukte GmbH aus Frutigen umsehen: Sie bietet Okara in biologischer Qualität (Bio-Qualität) im Webshop an.

Viele Produzenten von Sojamilch oder Tofu geben Sojapülpe in den Kompost oder lassen sie zu Tierfutter oder Biogas weiterverarbeiten. Coop und vor allem Migros führen diese Tatsache auf mangelnde Nachfrage nach Okaraprodukten zurück.9 Eventuell kann man einen Teil der Sojapülpe durch direkte Interessenbekundung beim Produzenten vor dem Wegwerfen bewahren.

Bei der Produktion von Tofu aus schwarzen Sojabohnen fällt gräulicher Sojabrei an; wir konnten aber keine Bezugsquellen dafür ausfindig machen.

Okara selber machen:

Okara in fünf Schritten selber herstellen: Sojamilch lässt sich durch Einweichen von getrockneten Sojabohnen in Wasser und durch Pürieren herstellen. Passende Bio-Sojabohnen findet man in Supermärkten, Asialäden und im Reformhaus. Die folgenden fünf Schritte führen zur Herstellung von rohem Sojatrester und noch weiterverarbeitbarer (roher) Sojamilch:

1) Eine Tasse getrocknete Sojabohnen (ca. 180 Gramm) über Nacht in einer Schüssel mit Wasser einweichen. Da das Volumen der Sojabohnen beim Quellen stark zunimmt, sollte das Wasser die Bohnen grosszügig bedecken.

2) Nach dem Quellvorgang die Bohnen durch ein Sieb abgiessen und mit fliessendem Wasser grosszügig abspülen. Für die folgende Weiterverarbeitung benötigen Sie ein Verhältnis von 3:1 (Wasser : gequollene Bohnen).

3) Eine Tasse gequollene Sojabohnen mit einer Tasse Wasser so lange pürieren, bis die Zutat eine cremige Konsistenz angenommen hat (je nach Leistung des Mixers beträgt dies 1½-3 Minuten). Das restliche Wasser nach und nach unter beständigem Mixen hinzugeben. (Je weniger Wasser man verwendet, umso konzentrierter ist die Sojamilch.)

4) Das pürierte Produkt über ein Leinen- oder Passiertuch geben, welches in einem passenden Sieb über einem Auffangbehälter platziert ist. Alternativ können sie das Tuch auch kräftig spannen und am Behälter befestigen. Wichtig ist, dass man auf den Inhalt im Tuch mit der Hand Druck anwenden kann, was zum Austritt von Sojamilch führt.

5) Durch kräftiges Drücken trennt man Sojamilch vom Feststoff. Beim "Trester" handelt es sich in diesem Fall um Okara.

Dieses können Sie noch weiter trocknen, um seine Haltbarkeit zu verlängern, oder aber frisch einfrieren. Weitere Schritte zur Verarbeitung der rohen Sojamilch finden Sie bei unseren Zutaten: Sojamilch, geschmacksneutral, nicht angereichert oder Sojamilch mit Geschmacksrichtung.

Rohes Okara muss man, genau wie Sojabohnen, vor dem Verzehr kochen, da es sonst toxisch ist. In verschiedenen bewährten Rezepten geben die Verfasser Koch- oder Garzeiten von rund 20 Minuten an. Eine weitere Option ist das Backen auf einem Backblech bei 150 °C (302 °F), zwischen 15 und 20 Minuten; dies dient dem Erhalt von Okara-Bröseln (bzw. -Mehl, mehrere Wochen lagerbar). Eine wissenschaftliche Studie hat für Sojabohnen, also die Grundlage von Okara, bei 20-minütigem Kochen eine 80%ige Reduktion von gewissen nährstoffeinschränkenden Bestandteilen festgestellt.29 Auf Grundlage dieser Informationen empfehlen wir Ihnen eine rund 20-minütige Zubereitungszeit unter Einwirkung von grösserer Hitze.

Lagerung von Sojapülpe:

Frisches Sojabohnenmark verdirbt aufgrund des hohen Wasseranteils sehr schnell. Man kann es im Kühlschrank in einem luftdicht verschlossenen Behälter maximal eine Woche lang aufbewahren. Als Brösel getrocknet hält es sich mehrere Wochen lang.10 Tiefgekühlt ist frisches Okara bis zu drei Monate lang haltbar.

Inhaltsstoffe - Nährwerte - Kalorien:

Sojabohnenmark enthält (gekocht) 7% Proteine, wenig Kohlenhydrate und besteht zu ca. 80 % aus Wasser.11 Der hohe Ballaststoffgehalt, der als Vorteil gilt, bezieht sich wohl auf getrocknetes Okara: Die amerikanische USDA (U.S. Department of Agriculture) liefert keine detaillierten Angaben zum Gehalt in frischem Okara. Jedenfalls in getrockneter Form (als Okara-Pulver oder -Mehl) scheint es die vierfache Menge an Ballaststoffen im Vergleich zu Vollkornmehl zu enthalten.12

Backwaren, die mit frischer Sojapülpe oder Okara-Mehl versetzt sind,13 sind kalorienärmer und ballaststoffreicher als die traditionellen Varianten (Okara hat 76 kcal/100g11) und können somit bei einer Diät zum Gewichtsverlust beitragen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Sojatrester bei Mäusen die Gewichtszunahme unterdrückt und dem Anstieg von Plasmalipiden vorbeugt14 - und dass dieser Effekt vermutlich auch bei Menschen zu beobachten ist.15 Vergleichbare Resultate erhielt man für die Sojabohne.16

Die Qualität des Soja- oder Okara-Eiweisses kann man laut Wikipedia mit jener von tierischem Eiweiss vergleichen. Sojabohnen sind nicht das einzige pflanzliche Nahrungsmittel mit einem kompletten Aminosäurenprofil, d.h. mit allen acht essenziellen Aminosäuren, doch haben sie sehr viel davon. Schwarze Bohnen haben etwa die Hälfte davon aber auch alle acht - und es gibt weitere pflanzliche Nahrungsmittel mit allen acht essentiellen Aminosäuren. Soybeans are the only vegetable food that contains all eight essential amino acids (Dudek, 2001; Morrison & Hark, 1999). Diese Quellen irren sich also sehr:17,18

Erwähnenswert im Nährwertprofil sind die Aminosäuren Threonin (0,13 g100g) und Lysin (0,21 g100g), was den Tagesbedarf zu 14 bzw. 11 % deckt. Threonin und Lysin sind irreversibel transaminiert und eigentlich die beiden einzigen Aminosäuren, die wirklich essenziell sind.19

Transaminierung

Unter Transaminierung versteht man die Verschiebung der α-Aminogruppe einer Aminosäure auf eine α-Ketosäure. Es bilden sich dabei eine neue Aminosäure und eine neue α-Ketosäure. So kann ein Organismus nicht essenzielle Aminosäuren selbst herstellen oder abbauen.

Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine. Da ein Organismus essenzielle Aminosäuren nicht selbst herstellen kann, jedoch benötigt, muss er sie mit der Nahrung aufnehmen. Für den Menschen gelten folgende Aminosäuren als essenziell: Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin. Strenggenommen sind bei sechs davon nur die korrespondierenden C-Skelette der Ketosäuren essentiell, da diese transaminiert werden können (Biesalski, Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 3. Aufl. 2004: S.92-93). Dies gilt nicht für Threonin und Lysin, weil diese irreversibel transaminiert und nicht mehr veränderbar sind.

Während Lysin für den Erhalt von Muskel- und Bindegewebe wichtig ist, spielt Threonin eine wichtige Rolle beim Wachstum und beim Harnsäurestoffwechsel. Zudem ist es ein wichtiger Baustein von Antikörpern. Im Vergleich mit ganzen Hülsenfrüchten und Samen enthält Sojabohnenmark eher wenig Threonin (Spirulina 3 g, Sojabohne 1,8 g, Lupine 1,3 g und ungeschälte Hanfsamen 1,3 g). Ähnliche Verhältnisse herrschen auch beim Lysin, weil Okara nur 3,5 g/100g an Proteinen aufweist, obwohl es ein Sojaprodukt ist. Verantwortlich dafür ist der hohe Wassergehalt der Sojapülpe (> 80 %).

Ebenso enthält Sojatrester deutlich weniger Eisen und Stärke als ganze Sojabohnen. Der Vitamingehalt des Sojabohnenmarks ist ebenfalls erheblich kleiner.

Sojapülpe ist glutenfrei und somit bei Glutensensitivität oder Zöliakie (glutensensitive oder gluteninduzierte Enteropathie) als Nahrungsmittel geeignet.

Weil Okara ein Produkt aus Sojabohnen ist, enthält es Antinährstoffe: Trypsininhibitoren, Saponine und schwer verdaubare Lektine. Diese setzt ein Kochvorgang grösstenteils ausser Kraft. Mehr dazu lesen Sie bei der Zutat Sojabohne, reife Samen, roh.

Die gesamten Inhaltsstoffe (Okara-Nährwertangaben), die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen im CLICK FOR unter dem Zutatenbild.

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen:

Rohes Okara (z.B. aus eigener Sojamilchproduktion) muss man erhitzen, bevor man es konsumiert. Wie die Sojabohnen selbst ist auch der Trester daraus ungekocht giftig.

Die Lebensmittelindustrie greift vermehrt auf Soja zurück und viele Milch-Ersatz-Produkte für Allergiker und Zöliakiepatienten enthalten mittlerweile Soja. Unverträglichkeiten sind nicht selten, echte Allergien dagegen schon. Kreuzreaktionen mit Erbsen, Erdnüssen und anderen Hülsenfrüchten sowie bei Birkenpollenallergie sind möglich.25

Lesen Sie auch die Inhaltsstoffangaben für Brot, Brötchen oder Hamburger: Diese können kleinere Mengen an Sojamehl oder Okara enthalten.

In den USA baut man genverändertes Soja an. Achten Sie somit auf gentechfreies Sojabohnenmark.

Gesundheitliche Aspekte - Wirkungen:

Den Konsum von Soja und Sojaprodukten bringt man in Verbindung mit einer geringeren Häufigkeit von Gefässkrankheiten und Krebsfällen, vor allem Brustkrebs (Soja enthält Phytoöstrogene). Die Forschungsergebnisse sind allerdings widersprüchlich.20 Kristen Montgomery, Assistenzprofessorin am College of Nursing at the University of South Carolina in Columbia, South Carolina, betont den positiven Effekt auf den vasomotorischen Tonus und die Arterienwände bei Cholesterinpatienten. Ebenfalls stellt sie eine bessere Kontrolle des Körpergewichts, des Cholesterinspiegels, von Diabetes und des Krebsrisikos (Brust- und Prostatakrebs) fest.21

Sojapülpe spricht man folgende positive Eigenschaften zu: Wie oben erwähnt, haben Versuche an Mäusen bewiesen, dass sie der Fettleibigkeit und dem Anstieg von Plasmalipiden entgegenwirkt. Ausserdem zeigte sich eine präventive Wirkung gegen Leberverfettung (Steatose).14,22

Fermentation von Okara mittels bestimmter Bakterien macht es leichter verdaulich und erhöht die Verfügbarkeit und Aufnahme der Nährstoffe im Körper.27 Fermentierte Produkte sollen den Cholesterinspiegel senken und antioxidativ wirken.23,24

Verwendung als anerkannte Heilpflanze:

Sojalecithin (Soja-Extrakt) setzt die Medizin bei leichteren Fettstoffwechselstörungen, v.a. bei Hypercholesterinämien, ein.26

Volksmedizin - Naturheilkunde:

Dank der Isoflavonoide soll Sojaextrakt gegen Beschwerden in den Wechseljahren wirken, den Leberstoffwechsel verbessern und dabei helfen, die Blutfettwerte zu senken.

Vorkommen - Herkunft - Ökologie:

Okara ist ein traditioneller Bestandteil der japanischen, koreanischen und chinesischen Küche. Seit dem 20. Jahrhundert schätzt man es auch im Westen.

Verwechslungsmöglichkeiten:

Sojabohnenmark unterscheidet sich in folgender Hinsicht von Tofu: Okara ist genaugenommen ein Abfallprodukt der Sojamilchproduktion. Dabei entsteht Sojamilch aus den Grundzutaten Sojabohnen und Wasser. Diese Sojabohnen-Pülpe oder den Trester, der nach der Pressung und dem Filtrieren oder Abschöpfen der Sojamilch übrigbleibt, nennt man Okara. Tofu hingegen gewinnt man durch Gerinnung der Eiweissbestandteile in der Sojamilch. Je nach Weiterverarbeitung dieses Sojaquarks bekommt man die verschiedenen Tofusorten.

Die Sojapülpe Okara ist nicht identisch mit der Frucht der Okra. Okara stammt aus dem Fruchtfleisch der reifen Samen der Sojapflanze (Glycine max (L.) Merr.), wohingegen die Schote der Okrapflanze (Abelmoschus esculentus) als grüne, gurkenförmige Kapselfrucht bekannt ist.

Tierschutz - Artenschutz - Tierwohl:

Sojamehl oder Sojapresskuchen kommen als Tierfutter in intensiver Tiermast zur Anwendung - um Fleisch und Eier zu erzeugen. Nicht nur darum ist die Sojabohne in Verruf geraten, sondern auch wegen ihres Anbaus in Monokulturen, denen jedes Jahr grosse Regenwaldflächen zum Opfer fallen.28

Allgemeine Informationen:

Als Nebenprodukte bei der Tofuherstellung entstehen Okara (ca. 1,1-1,2 kg pro kg Sojabohnen13,27) und Sojamolke. Sojatrester bleibt nach Auspressen der Sojamilch (aus gewässerten Sojabohnen) übrig, Sojamolke nach der Koagulation (von Sojamilch) zu Sojaquark.

In der Schweiz fallen so pro Monat um die 100 Tonnen Okara an. Diese Menge zu konservieren ist der Lebensmittelindustrie aktuell zu kostspielig: In vielen Fällen entsorgen die Produzenten die Sojapülpe, weil der faserreiche Feststoff aufgrund der hohen Feuchtigkeit sehr schnell verdirbt. Dabei handelt es sich um eine Verschwendung von Nahrungsmitteln, die aus ökologischer, ethischer und ökonomischer Sicht auf Kritik stösst.

Wissenschaftler der Abteilung Food Science & Management (FSM) an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) untersuchen gemäss einem Bericht aus dem Jahr 2016, auf welche Art man Rohstoffe wie Sojabohnenmark effizienter nutzen und besser in die menschliche Ernährung integrieren könnte (Stichwort: Ressourceneffizienz30). Dabei prüfen sie die direkte Anwendung in Backwaren und veganen Molkereiersatzprodukten. Dazu ist mehr Wissen über physikalische, hydrothermische, enzymatische und fermentative Behandlungsschritte nötig,30 was die Schlussbetrachtung eines wissenschaftlichen Abstracts bekräftigt:

The low solubility of okara protein makes it difficult to incorporate it into many food systems. Okara protein hydrolysates, with improved solubility and other functional properties, could be used as a low-cost protein ingredient in processed foods. (Die geringe Löslichkeit von Okara-Protein macht es schwierig, es in viele Nahrungsmittelsysteme einzubauen. Okara-Proteinhydrolysate mit verbesserter Löslichkeit und anderen funktionellen Eigenschaften könnten als kostengünstiger Proteinbestandteil in verarbeiteten Lebensmitteln (functional food) dienen).31

Im besprochenen Artikel steht dazu: As okara is a waste by-product of soymilkand tofu manufacturing, the cost of the raw material would be very low. The cost of producing hydrolyzed OPIs could be reduced bycombining the extraction of protein from wet okara with enzymetreatment, instead of using dried isolates. (Da Okara ein Abfallprodukt der Herstellung von Sojamilch und Tofu ist, wären die Kosten des Rohmaterials sehr niedrig. Die Kosten für die Herstellung hydrolysierter OPIs (Okara-Proteinhydrolysate) könnte man senken, indem man die Extraktion von Protein aus feuchtem Okara mit einer Enzymbehandlung kombiniert, anstatt getrocknete Isolate zu verwenden).31

Sojapülpe gilt als die älteste von drei Arten von Sojafasern (neben Sojakleie und Sojaproteinisolat).

Durch Fermentation mit dem Pilz Rhizopus microsporus var. oligosporus gewinnt man Tempeh, mit Neurospora rotes Onkom.

Alternative Namen:

Bisweilen findet man für Okara auch die Bezeichnung Soja-Zellstoff, Soja-Trester, Sojatrester, Sojabohnenmark, Sojabrei oder Soja(press)kuchen (meist auf das Futtermittel bezogen). Sojapülpe kennt man aber auch als biji, kongbiji, dòuzhā, dòufuzhā etc. Die Schreibweise Sojapulpe liest man gelegentlich und die Bezeichnung 'soja egg protein' ist falsch.

Auf Englisch heisst Okara soy pulp, soybean residue, tofu lee(s) oder tofu dregs. Ein Tofu-dreg-project oder Okara-Projekt bezeichnet in China ein schlecht gebautes Gebäude oder ein schlecht ausgeführtes Regierungsprojekt mit Einsturzgefahr.

Stichworte zur Verwendung:

Okara setzt man oft in landwirtschaftlichen Betrieben als Tierfutter23 für Schweine, Hühner und Milchkühe ein, vor allem in der Nähe von Sojamilch- oder Tofufabriken.

Neben der Verwendung als Tierfutter kommt Sojapülpe in der Industrie auch als Düngemittel zur Anwendung. Hierbei verteilt man es über die Felder, um es als Stickstoffdünger zu nutzen. Aus diesem Grund lässt es sich auch gut für den Kompost verwenden, da es organische Nährstoffe und Stickstoff beisteuern kann.

Sojapülpe dient ausserdem als Futter für Seidenraupen und fliesst in die Produktion von Keramik ein.23

In China benutzt man Sojabrei auch für die Schönheitspflege. Verrührt mit selbstgemachter Mandelmilch ergibt die Sojapülpe eine angenehme Gesichtsmaske.

Literatur - Quellen:

31 Quellenangaben

In der Wissenschaft ist Wikipedia (wiki) als Quelle umstritten, auch weil bei Wikipedia Angaben zur zitierten Literatur bzw. zu Autoren häufig fehlen oder nicht verlässlich sind. Unsere Piktogramme für Nährwerte enthalten kcal.

  1. Guimarães RM, Silva TE, Lemes AC et al. Okara: A soybean by-product as an alternative to enrich vegetable paste. LWT 2018;92: 593–599.
  2. Shurtleff W, Aoyagi A. History of Soybeans ans Soyfood in Japan and in Japanese Cookbooks and Restaurants outside Japan (701 CE to 2014). Soyinfo Center. 2014.
  3. Tsutsui S. Awareness about 'okara' and the preference for ice cream with 'okara' added to it. FAO. Food and Agriculture Organization of the United Nations. 2019.
  4. Andsoy.com Rezepte, Resteküche, Beilagen.
  5. Ellenskitchen.com Clearlight, Okara.
  6. Hermanns.com We experimented with okara flour.
  7. Aqua-calc.com Calculate food volume to weight.
  8. Kochtrotz.de Umrechnungstabelle fuer cup in gramm milliliter ounces und fahrenheit in celcius tbsp tsp.
  9. Srf.ch Sendungen - Kassensturz - Espresso. Hochwertiges Soja wird weggeworfen. 20.05.2019.
  10. Reif-Breitwieser R., Murn G. Kochen mit Sojamilch, Tofu und Okara. M+N Medienverlag. 2005.
  11. USDA (U.S. Department of Agriculture).
  12. Newsgreen.net 2018/04/12, The Okara Supper Club April.
  13. Medcraveonline.com Porcel MVO, Campderros ME, Rinaldoni AN. Effect of Okara flour addition on the physical and sensory quality of wheat bread. MOJ Food Process Technol. 2017;4(6): 184-190.
  14. Matsumoto K et al. Okara, Soybean Residue, Prevents Obesity in a Diet-Induced Murine Obesity Model. Bioscience Biotechnology and Biochemistry 2007; 71(3):720-7.
  15. Hu X et al. Soy fiber improves weight loss and lipid profile in overweight and obese adults: A randomized controlled trial. Molecular Nutrition & Food Research 2013;57(12).
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  18. Morrison G, Hark L. Medical nutrition and disease (2nd ed.). Malden, MA: Blackwell Science. 1999.
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  20. Qiu S, Jiang C. Soy and isoflavones consumption and breast cancer survival and recurrence: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Nutrition 2019 Dec;58(8): 3079-3090.
  21. Montgomery K. Soy Protein. J Perinat Educ. 2003 Summer; 12(3): 42–45.
  22. Saarela M. Functional Foods: Concept to Product. Woodhead Publishing in Food Science and Technology. CRC Press. 2000.
  23. O'Toole D. Characteristics and Use of Okara, the Soybean Residue from Soy Milk Production - A Review. J. Agric. Food Chem. 1999, 47, 2:363-371.
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  26. Arzneipflanzenlexikon.info Sojapflanze.
  27. O’Toole DK. Soybean | Soymilk, Tofu, and Okara. In: Reference Module in Food Science. 2016.
  28. Biothemen.de Miso, Shoyu und Tofu - Würziges aus der Sojabohne. Soja - die Wunderbohne.
  29. Morales de León JC, Bourges Rodríguez H, Zardain MI. Cooking procedures for direct consumption of whole soybeans. Arch Latinoam Nutr. Juni 1985;35(2):326–36.
  30. Lebensmittel-technologie.ch Verarbeitung mit Mehrwert. LT 2016;5.
  31. Chan WM, Ma CY. Modification of Proteins from Soymilk Residue (Okara) by Trypsin. Journal of Food Science. 1999;64(5): 781 - 786.

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