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Liebstöckel, roh (Maggi-Kraut, Nussstock, bio?)

Liebstöckel (Nussstock) nutzt man als rohes oder getrocknetes Gewürz. Das sogenannte Maggi-Kraut gibt es in Bio-Qualität. Seine Wurzel zählt als Arzneimittel.
Die von uns zusammengetragenen Informationen zu der Zutat entsprechen dem Standard der USDA Datenbank.
86%
Wasser
 65
Makronährstoff Kohlenhydrate 65.04%
/28
Makronährstoff Proteine 28.46%
/07
Makronährstoff Fette 6.5%
 

Die drei Verhältniszahlen zeigen den prozentualen Gewichtsanteil der Makronährstoffe (Kohlenhydrate / Proteine / Fette) der Trockensubstanz (exkl. Wasser).  In der Sprache Englisch sind Ballaststoffe als Bestandteil des Kohlenhydrat-Anteils gerechnet. Die Umrechnung von Gewicht in kcal erfolgt nach dem von der USDA verwendeten "Atwater system". 

Davor ersehen Sie den Wasseranteil, gerundet auf ganze %.

Ω-6 (LA, 0.3g)
Omega-6-Fettsäuren wie Linolsäure (LA)
 : Ω-3 (ALA, 0.2g)
Omega-3-Fettsäuren wie Alpha-Linolensäure (ALA)
 = 1:1

Verhältnis Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren soll insgesamt 5:1 nicht überschreiten. Link zu Erklärungstext.

Hier essenzielle Linolsäure (LA) 0.26 g zu essenzieller Alpha-Linolensäure (ALA) 0.19 g = 1.33:1.
Verhältnis Total Omega-6- = 0.26 g zu Omega-3-Fettsäuren Total = 0.19 g = 1.33:1.
Im Durchschnitt benötigen wir pro Tag je ca. 2 g LA und ALA, aus denen ein gesunder Körper auch EPA und DHA etc. herstellt.

Roher Liebstöckel (Levisticum officinale) ist auch als Maggi-Kraut bekannt. Dies aufgrund seines sellerieartigen Geschmacks, der an Gemüsebrühe bzw. Maggiwürze erinnert. Weitere bekannte Alternativnamen sind Nussstock oder Nusskraut.

Verwendung in der Küche

Als Bio-Gewürz verwendet steigert Maggi-Kraut bzw. Liebstöckel die Bekömmlichkeit und den Wohlgeschmack von Speisen. Das scharf-aromatische bis bitter-süsse Aroma erinnert an Sellerie und Hefeextrakt. Ein Zuviel ist zu vermeiden, da die Pflanze wie ein natürlicher Geschmacksverstärker wirkt.

Kann man Liebstöckel roh essen? Alle Pflanzenbestandteile kann man frisch verzehren. Man kann Blätter, Wurzeln, Samen und Öl sowie die Liebstöckel-Stängel verwenden. Blattstiele und junge Triebe lassen sich blanchieren und als Gemüse geniessen.

Von April bis Juli kann man kleingehackte rohe Blätter und Triebspitzen als frisches Gewürz für Salate, Rohkost, Gemüsegerichte, vegane Bratlinge, Saucen (Sossen), Suppen, Eintöpfe etc. einsetzen. Zum Aromatisieren von Eintöpfen, Suppen u.ä. kann man grössere Blätter am Stängel mitkochen und später als Ganzes vor dem Servieren wieder herausnehmen.

Getrocknet schmecken die Blätter als Gemüsechips. Dank ihres intensiven Aromas eignen sie sich gut als Trockengewürz und munden als Beigabe in Kräuteröl, Kräuteressig, Wildpflanzensalz, Pesto oder Würzmus. Ausgefallen, aber lecker ist vegane Gewürzpaste auf Basis von Maggi-Kraut (bzw. Luststock, Nusskraut oder Nussstock).

Ist die Liebstöckel-Blüte essbar? Von Juli bis August glänzen die rohen Blüten als essbare Dekoration auf Speisen und als Aromageber; ähnlich wie die Blätter eignen sie sich zur Herstellung von Wildpflanzenlimonade. Ganze Blütenstände kann man in Ausbackteig zubereiten.

Die reifen Früchte (August-September) lassen sich zum Aromatisieren von Öl, Essig oder Spirituosen sowie als Trockengewürz und Keimsaat nutzen. Die Samen des Maggikrauts finden in Rezepten für Brote, Kekse und Suppen Verwendung.

Die Wurzeln (September-März), manchmal Labstockwurzel oder Leberstockwurzel genannt, verwendet man fein geschnitten als Gewürz oder eingelegtes Gemüse. Feine Scheiben kann man zu gesunden Rohkost-Chips trocknen.

Ist Maggi-Würze Liebstöckel? Geschmacklich erinnert Liebstöckel an das von Julius Maggi konzipierte Suppengewürz, obwohl es keine Bestandteile dieser Pflanze enthält. Trotzdem blieb der aromatischen Gewürzpflanze der volkstümliche Name 'Maggi-Kraut' (Maggikraut) bis heute erhalten.

Veganes Maggikraut-Rezept für Suppenwürze

Zutaten (für mehrere kleine Gläser): 30 g Liebstöckel-Blätter (Bio-Qualität), 30 g Liebstöckel-Stängel (bio), ¼ Knollensellerie, 1 Karotte, 1 Petersilienwurzel, 1 Knoblauchzehe (geschält), 1 Zwiebel (geschält), 2 EL Salz, 7 EL kaltgepresstes Rapsöl (aufgrund der Omega-3-Fettsäuren weniger lange haltbar) oder kaltgepresstes Olivenöl (für eine längere Haltbarkeit).

Zubereitung: Das in Würfel geschnittene rohe Gemüse (ausser die Blätter) mit 3 EL Öl mit dem Stabmixer oder einer anderen Küchenmaschine grob zerkleinern. Das restliche Öl mit dem Salz gut mischen und zusammen mit den Liebstöckel-Blättern unter das Gemüse rühren. Nochmal bis zur gewünschten Konsistenz mixen, in kleine Gläser abfüllen. Die vegane Suppenwürze im Kühlschrank aufbewahren.

Rezept für frischen Liebstöckel-Tee

Für die Teezubereitung übergiesst man 1,5-3 g fein geschnittene Wurzel der Arzneipflanze mit 150 ml kochendem Wasser und lässt sie in einem geschlossenen Topf ziehen. Nach 10-20 Min. seiht man den Tee ab. Manche AutorInnen raten sogar dazu, die Wurzelstücke 15-20 Min. lang zu kochen.6 Davon trinkt man dreimal täglich eine Tasse frisch zubereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten.1,2,3,4

Vegane Rezepte mit Liebstöckel (bzw. Maggikraut-Rezepte) finden Sie unter dem Hinweis: "Rezepte, die am meisten von dieser Zutat haben".

Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen:
Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler
.

Einkauf - Lagerung

Liebstöckel bzw. Maggi-Kraut erhält man nur vereinzelt als frische Bundware, am ehesten auf dem lokalen Wochenmarkt, direkt beim Bauern oder über eine Grüne Kiste (Abo-Kiste, Saison-Kiste). In der Schweiz hat das Kraut laut BauernZeitung von Mai bis August Saison.

Eher selten kann man in Supermärkten wie Coop, Migros, Denner, Volg, Spar, Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Hofer oder Billa Liebstöckel als Trockengewürz kaufen. Bio-Läden und Bio-Supermärkte wie Denn's Biomarkt oder Alnatura führen das Würzkraut in biologischer Qualität. Auch in Apotheken, in Reformhäusern, im Gewürzhandel oder online findet man getrocknetes, gefriergetrocknetes oder pulverisiertes Maggikraut, z.T. in Rohkostqualität (Rohqualität, schonend getrocknet).

Die Verfügbarkeit von Liebstöckel ist je nach Grösse des Ladens, Einzugsgebiet etc. unterschiedlich. Bei Interesse klicken Sie auf unsere erfassten Lebensmittelpreise für die D-A-CH-Länder (oben unter dem Zutatenbild). Dort finden Sie aktuelle Preise aus verschiedenen Supermärkten und deren Preisentwicklung.

Wild zu finden

Die bis zu 2 m hoch wachsende Staude mit hohlen Stängeln5 findet man auf nährstoffreichen, tiefgründigen und feuchten Böden3 - jedoch selten verwildert.6 Die Blätter weiter unten sind länger, weiter oben kürzer gestielt und an der Pflanzenspitze sitzen sie direkt an den Scheiden. Während die unteren Blätter dreizählig und die mittleren weniger geteilt sind, sind die obersten einfach.7 Die gelb-grünen Blüten sind winzig und erscheinen in ca. 8 cm breiten Doppeldolden, aus denen sich eiförmige grüne Früchte bilden.5

Eine sorgfältige Bestimmung ist notwendig, um Verwechslungen mit giftigen Doldenblütlern zu vermeiden.7 Hilfreich dabei ist der Duft der Pflanze. Durch das Reiben der Blätter oder Wurzeln setzt sich das ätherische Öl mit seinem charakteristischen, an Sellerie erinnernden Geruch frei.3,8

Die Hauptblütezeit ist von Juli bis August.6,7 Maggi-Kraut kann man während der gesamten Wachstumsphase ernten, wobei der ideale Zeitpunkt vor der Blüte liegt.

Tipps zur Lagerung

Wie sollte man Maggikraut haltbar machen? Frisches Maggi-Kraut kann man schneiden und roh einfrieren. Praktische Kräuterwürfel erhält man, wenn man das rohe Kraut mit etwas Wasser in Eiswürfelbehälter gibt.

Getrocknetes Kraut sollte man vor Licht geschützt in dicht schliessenden Gefässen aus Metall oder Glas aufbewahren. Kunststoffdosen sind zu vermeiden, da sie das ätherische Öl negativ beeinflussen. Man sollte den Vorrat regelmässig auf Insektenbefall überprüfen.4

Inhaltsstoffe - Nährwerte - Kalorien

Realitätsnah zeigen wir Ihnen hier die Inhaltsstoffe von Gewürzen und Kräutern pro 1 g (statt pro 100 g wie üblich).

1 g Liebstöckel (Nussstock) weist einen Kaloriengehalt von 0,48 kcal auf. Die Hauptnährstoffe setzen sich aus rund 0,01 g Fetten, 0,04 g Proteinen und 0,08 g Kohlenhydraten zusammen.

Besonders hervorzuheben ist der Gehalt an Vitamin A (6,67 µg/1g). Deutlich mehr Vitamin A findet man in rohen Bockshornkleeblättern (21 µg/1g), frischem Sauerampfer (12,5 µg/1g) oder in Wiesen-Kerbel (9 µg/1g). Vergleichbare Mengen sind in Curryblättern (6,3 µg/1g) und deutlich geringere Gehalte in frischer Petersilie (4,21 µg/1g) oder im rohen Schmalblättrigen Weideröschen (2,86 µg/1g) zu finden.10

Zu den wirksamkeitsmitbestimmenden Inhaltsstoffen zählen 0,4-1,7 % ätherisches Öl sowie Cumarine, Furocumarine (auch Furanocumarine), Phenolcarbonsäuren und Falcarindiol.11

Die frischen Früchte weisen 0,9 % und die Wurzel 0,4-1,7 % ätherisches Öl auf - mit bis zu 70 % Alkylphthaliden.12 Je nach Reife und Alter der Pflanze unterscheidet sich das Öl in seiner Zusammensetzung. Den charakteristischen Geruch machen die Alkylphthalide, darunter Ligustilid, aus. Sie bestimmen die Wirksamkeit der Heilpflanze.1

Neben dem ätherischen Öl ist der Inhaltsstoff Sotolon ausschlaggebend für das Aroma der Liebstöckelpflanze.8,13 Dieser ist für den typischen Maggigeruch verantwortlich.8 Sotolon ist ein starker Aromastoff, der in niedriger Konzentration nach Ahornsirup, Karamell oder verbranntem Zucker, in hoher Konzentration nach Currypulver, Liebstöckel oder Bockshornklee riecht.

Die gesamten Inhaltsstoffe von rohem Liebstöckel, die Abdeckung des Tagesbedarfs und Vergleichswerte mit anderen Zutaten finden Sie in unseren Nährstofftabellen. Im Artikel Nährstoffe umfassend erklärt bekommen Sie einen detaillierten Einblick in das Thema.

Wirkungen auf die Gesundheit

Ist Liebstöckel gesund? Dazu bestehen zahlreiche In-vitro- und In-vivo-Studien, deren vielseitige Ergebnisse man bisher nur in wenigen klinischen Studien überprüft hat. Aus einer kleinen Studie an 18 Patienten mit Cystinurie lässt sich ableiten, dass Liebstöckel (Nusskraut) eine nierenprotektive Wirkung hat und die Entstehung von Nierensteinen reduziert.8 Placebokontrollierte Humanstudien für ein pflanzliches Kombinationspräparat aus Liebstöckel, Tausendgüldenkraut und Rosmarin zeigten mehrfach eine lindernde Wirkung bei Harnwegsinfektionen. Eine der placebokontrollierten Studien (an 659 Patienten) bezeugte einen signifikanten Nutzen des Arzneimittels, da man Antibiotikagaben nachweisen konnte.8 Neben Goldrute (Solidago spp.), Birke (Betula spp.), Petersilie (Petroselinum crispum) und Sellerie (Apium graveolens) ist Liebstöckel eine stark harntreibende Heilpflanze (Skala: schwach, mittel, stark).2

In mehreren In-vitro-Untersuchungen konnte man eine ausgeprägte antibakterielle Wirkung des ätherischen Liebstöckelöls gegenüber zahlreichen Bakterienstämmen belegen.6 In vitro wies man synergistische Effekte des Extrakts mit Antibiotika gegenüber Salmonella typhimurium nach.14 Eine weitere Studie belegt Wirkungen gegen Mykobakterien und diverse Pilzstämme.8 Das ätherische Öl von L. officinale ist relativ aktiv gegen das Tuberkulosebakterium Maycobacterium tuberculosis.18

Den leberschützenden (hepatoprotektiven) Effekt von Liebstöckel prüfte man an Tiermodellen mit dem Herbizid Paraquat. Wasserextrakte von Levisticum officinale haben eine hohe antioxidative Wirkung, die vor den möglichen Schäden des Herbizids schützen können.17

Sekundäre Pflanzenstoffe

Viele gesundheitliche Wirkungen von Liebstöckel kann man auf die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zurückführen. Unser Artikel über sekundäre Pflanzenstoffe bietet einen Überblick über die Klassifizierung der Stoffgruppen, das Vorkommen in Lebensmitteln und mögliche Wirkungen auf den Menschen.

Liebstöckel enthält folgende sekundäre Pflanzenstoffe:

  • Isoprenoide: Saponine; Terpene: Triterpene (Steroide: Phytosterole), Monoterpene (Alpha-Thujen, Alpha-Pinen, Beta-Pinen, Camphen, Sabinen, Myrcen, Alpha-Phellandren, Beta-Phellandren, 3-Caren, Alpha-Terpinen, Gamma-Terpinen, p-Cymol, Beta-Ocimen, Terpinolen, Linalool, Ocimen, Terpinen-4-ol, Alpha-Terpineol, Carvon, Geraniol, Geranylacetat, Beta-Elemen, Gamma-Elemen), Sesquiterpene (Beta-Farnesen, Beta-Selinen, Elemol, Germacren B, Spathulenol), Aldehyde (Nonanal)19,26,27
  • Alkaloide26
  • Polyphenole: Phenolsäuren: Hydroxybenzoesäuren (Galussäure, Vanillinsäure, Syringasäure, Salicylsäure, Ellagsäure), Hydroxyzimtsäuren (Zimtsäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure, p-Cumarsäure, Ferulasäure, Sinapinsäure, Rosmarinsäure); Flavonoide: Flavanole (Epicatechin, Catechin), Flavonole (Rutin, Myricetin, Quercetin, Hyperosid, Astragalin); Cumarine: Furano- und Pyranocumarine; Tannine19,24,25,26

Es ist jedoch zu beachten, dass die Zusammensetzung der sekundären Pflanzenstoffe in Liebstöckel abhängig von Sorte, Erntezeitpunkt und Anbaubedingungen variieren kann. Daher sind Mengenangaben nur begrenzt sinnvoll und höchstens grob zu verstehen.

In vitro bescheinigte man für das in Liebstöckel enhaltene Phthalid Ligustilid eine krampflösende Wirkung.2,11 Ligustilid könnte zudem für entzündungshemmende und schmerzstillende Effekte verantwortlich sein. In zwei Mäusemodellen zeigten 10 mg Ligustilid pro kg dieselben schmerzlindernden Ergebnisse wie 200 mg Acetylsalicylsäure pro kg.8

1937 konnte man eine Steigerung der Urinmenge bei Kaninchen und Mäusen durch die Infusion von Liebstöckel feststellen.8 Die diuretische Wirkung erklären sich einige Autoren durch die Terpenderivate im ätherischen Öl.4,7

Mehrere In-vivo-Studien an Ratten zeigten lernsteigernde und neuroprotektive Wirkungen15 von Liebstöckel-Extrakt. Die Erklärung liegt in der Erhöhung eines neuronalen Wachstumsfaktors sowie der Neurogenese im Hippocampus.8 Wachstumshemmende Effekte eines Inhaltsstoffes (Butylphthalid) stellten Wissenschaftler in vitro und in vivo an Tumorzellen bei Ratten fest.8 In einer Tierstudie untersuchte man die antidiabetischen Aspekte von Liebstöckel. Durch die Verabreichung von hydroalkoholischem Stamm- und Blattextrakt vor einer Glukosebelastung konnte man den Blutglukosespiegel für 14 Tage signifikant senken. Dadurch verbesserten sich weitere kritische Spiegel, z.B. das Lipidprofil, "Insulinhormon" usw. von Ratten mit Diabetes.19

Gefahren - Unverträglichkeiten - Nebenwirkungen

Furocumarine können unter Einwirkung von langandauernder oder starker UV-Strahlung eine Hauterkrankung (Photodermatose) begünstigen. Bei therapeutischer Anwendung von Liebstöckel ist nicht mit phototoxischen, photokanzerogenen oder -mutagenen Wirkungen zu rechnen. Insbesondere, wenn man die Heilpflanze als Tee anwendet, da die Furocumarine eine geringe Wasserlöslichkeit haben.2,4,8,12 Zur Sicherheit sollte man bei längerer Anwendung intensives Sonnenbaden und UV-Bestrahlung vermeiden.11

Das enthaltene Falcarindiol wirkt fungizid, antibakteriell und toxisch, kommt jedoch in so geringen Dosen vor, dass es nicht weiter bedenklich ist. Es verursacht keine Kontaktallergien - anders als das in Efeu enthaltene Falcarinol.4

Bei akuten entzündlichen Erkrankungen des Nierenparenchyms4,8 (Hauptnierengewebes) sollte man Zubereitungen aus Liebstöckelwurzeln nicht anwenden; genauso nicht bei eingeschränkter Nierenfunktion.4 Die Durchspülungstherapie ist bei Ödemen aufgrund eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit kontraindiziert.8

Für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen sowie während Schwangerschaft und Stillzeit liegen bisher keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor, weshalb das HMPC (Herbal Medicinal Product Committee) entsprechende Anwendungen für diese Personengruppen nicht empfiehlt.3,8

Verwechslungsgefahr und Verwechslungsmöglichkeiten

Infos zu Verwechslungen mit anderen ungiftigen und giftigen Doldenblütlern finden Sie in unserem Text zur essbaren Wildpflanze Giersch unter dem gleichnamigen Untertitel.

Verwendung als anerkannte Heilpflanze

Das HMPC hat Liebstöckelwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Die Wurzel dient zur Erhöhung der Harnmenge als Durchspülungstherapie: Sie wirkt unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden.3,4,8 Wichtig ist, dass man während einer Therapie mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinkt.11

Gemäss Europäische Arzneimittelbuch fallen unter die Bezeichnung Liebstöckelwurzel (Levistici radix) Wurzelbestandteile und ganze oder geschnittene, getrocknete Rhizomteile von Levisticum officinale W.D.J. Koch.3,8 In ganzen Pflanzenbestandteilen muss mind. 0,4 % ätherisches Öl und in geschnittenen mind. 0,3 % ätherisches Öl enthalten sein.8

Zur Teezubereitung verwendet man geschnittene Wurzeln. Die Tagesdosierung liegt bei 4-6 g, aufgeteilt auf zwei Tassen täglich.3,8 Pulverisierte Wurzel nimmt man über Dragees ein und wässrige Extrakte in Tropfen.3 Die übliche Dosis einer Tinktur beträgt dreimal täglich 0,5-2 ml.2

Die Anwendungsdauer ist auf zwei bis vier Wochen zu beschränken. Bei Verschlechterung von Symptomen wie Harnverhalten, Krämpfen, Blut im Urin sowie Fieber oder, wenn sich die Krankheitssymptome trotz Anwendung nicht bessern, muss man einen Arzt aufsuchen.8

Volksmedizin - Naturheilkunde

Das BGA (Bundesgesundheitsamt in Deutschland) führt auf Beipackzetteln von Präparaten und Arzneimitteln mit Maggi-Kraut Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Aufstossen und Sodbrennen als Indikationen auf.7 Eingehende bestätigende Untersuchungen fehlen, doch der schwach bittere Geschmack rechtfertigt die Verwendung.1,8

Einige Autoren nennen unterstützende Wirkungen äusserlich bei schlecht heilenden Wunden und innerlich zur Entkrampfung im Magen-Darm-Bereich, zum Entblähen, bei entzündlichen Harnwegserkrankungen1,6 Verdauungsschwäche, Magenbeschwerden,6 rheumatischen Beschwerden, Menstruationsstörungen, Migräne und Gicht7 (volkstümliche Bezeichnungen: Gichtwurz, Gichtstock). Die Verwendung von Maggikraut als schleimlösendes Mittel bei Katarrhen8,12 ist wissenschaftlich nicht untermauert.8 In der iranischen Volksmedizin schreibt man Liebstöckel positive Eigenschaften bezüglich Fettstoffwechsel zu, was wissenschaftlich nicht dokumentiert ist.19

Ökologischer Fussabdruck - Tierwohl

Im Gegensatz zu industriellen Geschmacksverstärkern punktet Bio-Maggikraut als natürlicher und gesunder Aromageber. Regional bezogene Liebstöckelblätter oder selbstgemachte Suppenwürze (siehe unser Kurzrezept weiter oben) sind ein nachhaltiger Maggi-Ersatz und tragen so dazu bei, den ökologischen Fussabdruck niedrig zu halten. Kleinbetriebe, die auf Photovoltaikanlagen und hauseigene Wasseraufbereitung umstellen, sind immer häufiger anzutreffen. Zudem garantieren lokale Bio-Kräuter kurze Lieferketten und schonenden Umgang mit Ressourcen.21 Beim Einkauf sollte man idealerweise auf Kräuter aus biologischem Anbau achten, denn bei diesen verzichtet man auf synthetischen Dünger oder Pestizide. Derartige Insekten- oder Unkrautvernichtungsmittel kommen in der konventionellen Landwirtschaft häufig zum Einsatz und wirken sich nachweislich negativ auf wichtige Bestäuber, aber auch andere Lebewesen sowie die menschliche Gesundheit aus.22,23

Wir haben keine genauen Werte zum CO2-Fussabdruck von Maggi-Kraut gefunden, man kann ihn aber vermutlich vergleichen mit jendem von Petersilie, die 0,4 kg CO2eq/kg hat.9 Ähnliches gilt auch für den Wasserfussabdruck: wir konnten für Liebstöckel keine Zahlen finden. Mekkonnen und Hoekstra zeigen aber Werte für Pfefferminze, die mit 288 l/kg ähnlich viel Wasser benötigt wie Gemüse.16

Echter Liebstöckel bietet Bienen und anderen Insekten mittlere Nektar- und keine bis geringe Pollengehalte20 (Skala Nektarwert und Pollenwert: kein, gering, mittel, hoch, sehr hoch).

Ausführliche Erläuterungen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsindikatoren (wie z.B. ökologischer Fussabdruck, CO2-Fussabdruck, Wasser-Fussabdruck) lesen Sie in unserem Artikel: Was bedeutet der ökologische Fussabdruck?

Weltweites Vorkommen - Anbau

Die ursprüngliche Heimat ist Westasien. In Europa ist der Anbau auf eine Zeitspanne von mehr als tausend Jahren zurückzuverfolgen und in Nordamerika kennt man Liebstöckel seit der Neuzeit.3,4,7 In diesen Ländern findet man teils verwilderte Bestände der Kulturpflanze.3

Anbau - Ernte

Wie muss man Nussstock pflanzen? Die Vermehrung erfolgt im Herbst durch Aussaat oder Teilung der Rhizome und Wurzeln. Mögliche Schädlinge, welche die Blätter befallen können, sind Blattminierer.5

Wann kann man Liebstöckel ernten? Die Blätter und die zarten, saftigen Stängel schneidet man im zeitigen Frühjahr ab - vor vielen anderen Kräutern. Ab dem dritten Jahr kann man die Wurzeln und Rhizome für Absude, Tinkturen oder Extrakte ausgraben. Die reifen Samen der Liebstöckel-Pflanzen erntet man im Herbst und verwendet sie getrocknet für Absude.5

Die Gewinnung der Heilpflanze findet ausschliesslich durch Kultur von verschiedenen Sorten statt. Zu den Hauptanbaugebieten zählen die Niederlande, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Rumänien und einige Balkanstaaten.4,8

Für die kommerzielle Verarbeitung erfolgt die Ernte des dreijährigen Wurzelstocks mit fingerbreiten Wurzeln im Herbst. Bei 35-45 °C lässt man die Wurzeln im Ganzen trocknen, damit sie möglichst wenig wirksamkeitsmitbestimmendes ätherisches Öl verlieren.8

Weiterführende Informationen

Levisticum officinale zählt man gemeinhin zur Gattung Levisticum innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Alternative Namen

Der Volksmund kennt für Liebstöckel (Liebstoeckel) oder Maggikraut (Maggi-Kraut) folgende Bezeichnungen: Echter Liebstöckel, Bergliebstöckel (Berg-Liebstöckel), Liebstock, Lieberöhre, Liebstängel, Luststock (Lusstock, Stengel), Lustecken, Lavas, Nussstock, Nusskraut, Nervenkraut, Nervenkräutel, Gichtwurz, Gichtstock, Leberstockwurzel, Bärmutter, Gebärmutterkraut, Badekraut, Stockkraut, Labstockwurzel, Wasserkräutel, Laubstecken, Sauerkrautwurz, Suppenlob oder Maggi-Pfeffer. Falsche Schreibweisen sind: Liebstöckl, Maggie Kraut.

Die englische Bezeichnung lautet lovage oder 'Maggi herb'.13

Lateinische Alternativnamen sind Angelica levisticum ALL., Ligusticum l. L., Hipposelinum l. (L.) BRITTON & ROSE, Levisticum l. KARSTEN, Levisticum paludapifolium (LAM.) ASCH., L. officinale var. vel subsp. cultum THELLUNG, L. vulgare HILL/REICHB., Angelica paludapifolia LAM., Selinum levisticum (L.) E.H.L.KRAUSE.

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