Der essenzielle Nahrungsbedarf beschreibt die Menge an Stoffen, die der Körper für stabile Funktionen benötigt. Achtung: Unvollständig und nicht überholt!

Der essenzielle Nährstoffbedarf beschreibt die Menge an Stoffen, die der Körper für stabile Funktionen braucht. Er umfasst Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essenzielle Fettsäuren und Aminosäuren, die der Organismus nicht selbst bilden kann. Ebenfalls wichtig für die Gesundheit, wenn auch nicht als "essenziell" geltend, sind die sekundären Pflanzenstoffe.
Ein ausreichendes Angebot unterstützt Energiegewinnung, Zellaufbau, Immunleistung und hormonelle Balance. Fehlt dieser Grundstock, geraten Stoffwechselprozesse ins Stocken und Belastungen treffen den Körper deutlich stärker. Ein bewusster Umgang mit Ernährung schafft daher eine solide Basis für langfristige Gesundheit und nachhaltige Vitalität.
Der Körper benötigt nicht von jedem Stoff das Maximum, sondern die richtige Menge. Ein Zuviel an Vitaminen und essenziellen Aminosäuren ist genauso schädlich, wie zu wenige.
Woraus besteht die Kochkost des Westens meistens? Eigentlich hauptsächlich aus Getreideprodukten (Getreide), Milchprodukten, Kartoffeln und einigen tierischen Produkten. Sie wählen bei einem Essen wohl Brot, Teigwaren, Reis, also Getreideprodukte, oder Kartoffeln in verschiedenen Formen, Milch und Milchprodukte sowie wenig verschiedene Gemüse plus Fleisch oder Fisch.
All das in unterschiedlicher Zubereitung, was aber nicht unter die geforderte Vielseitigkeit geht.
Die Liste würde viel länger bei Einbeziehung der Nüsse und Samen, seltener Früchte und der Gewürze. Jedes dieser natürlichen Produkte hat seinen eigenen Geschmack und seine ganz unterschiedliche Zusammensetzung.
Wir essen meist, was uns schmeckt oder was wir kennen (Gewohnheit).
Eine einseitige (nicht vielfältige) Ernährung deckt fast nie den Nährstoffbedarf. Eine Ernährung, die auf unseren Körper angepasst ist, könnte unser Wohlbefinden und unsere Lebenserwartung steigern.
Bitte beachten Sie: Dieser Artikel entstand 2011 - seither nur minimal ergänzt. Unterdessen haben wir zahlreiche aktuellere Beiträge zu Ernährung und Nährstoffversorgung verfasst.
Wir empfehlen Ihnen folgende Artikel zu lesen, wenn Sie sich für das Thema interessieren:
Grundwissen zu Ernährung und Gesundheit
Risiken proteinreicher Ernährung
Eine gute Übersicht, was eine gesunde Ernährung ausmacht, finden Sie hier:
| Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen: Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler. |
Mehr Informationen zu Nährstoffen finden Sie bei den Nährstoffbeschreibungen.
Alle unsere Zutatenbeschreibungen und Rezepte enthalten zudem Nährstofftabellen, die auf einen Blick zeigen, welche regulären Nährstoffe vorliegen und wie gut deren Versorgung ausfällt
Ich lade Sie jetzt nicht ein, meine detaillierten Schilderungen von Ergebnissen und Einblicken in die Geschichte der Forschungen zur Ernährungslehre (Diätetik, Ernährungswissenschaft) zu lesen. Sie können also ohne Weiteres diesen Text überspringen.
Aber: Wenn Sie wissen wollen, ob meine späteren Schlüsse aus der Ernährungslehre richtig sind, sollten Sie diese Informationen lesen.
Auch setzen Sie sich damit in die Lage, selbst prüfen zu können, was eine gesunde Ernährung aus wissenschaftlicher Sicht enthalten müsste. Erst mit diesem Wissen können Sie ermessen, was wir essen sollten, um möglichst gesund und leistungsfähig, also fit zu bleiben. Warum eigentlich diese Analyse? Wir können doch einfach essen, was die Natur uns gegeben hat - oder?
Das ist für mich die "synthetische Theorie" der Frage nach der "richtigen Ernährung". Diese vertrete ich auch, sozusagen aus einem inneren Wissen bzw. einer Selbstverständlichkeit heraus. Aber: Wie bei der Synthese aus historischer (Paläontologie und Phylogenese) und andererseits kausaler (experimenteller) Evolutionsforschung kann man sich auch bezüglich Ernährung von beiden Seiten her an die Wahrheit heranarbeiten.
Wenn die Synthese nicht einem analytischen Vergleich standhält, kann das entweder bedeuten, dass eine Fehlernährung vorliegt, oder dass die Wissenschaft sich täuscht. Beides ist grundsätzlich möglich. Dass sowohl zahlreiche Kochköstler als auch zahlreiche Rohköstler sich falsch oder nicht optimal ernähren, ist eine bekannte Tatsache. Schon immer gab es gut und schlecht ernährte Personen - auch dort, wo Nahrung im Überfluss vorkam. Das muss man wissen.
Meist rührte das her von einer einseitigen Ernährung oder später von der Denaturierung eines wichtigen Lebensmittels (wie etwa Reis).
Das bringt unser Thema noch auf einen weiteren Punkt: Nicht nur die Inhaltsstoffe, die wir kennen, zählen, sondern auch sekundäre Lebensmittelinhalte (sekundäre Pflanzenstoffe), wie man heute sagt, vielleicht auch "tertiäre", die wir nicht kennen oder nicht akzeptieren. Vielleicht in einigen Fällen bisher nicht. Zu lange Lagerung und eigentliche Denaturierung schaden vor allem diesen Stoffen.
Es war ein langer Weg zwischen der Meinung von Hippokrates (460 v. Chr.-370 v. Chr.), dass es trotz der Vielzahl der Nahrungsmittel nur eine einzige Art von Nährstoffen gäbe - bis zur wissenschaftlich erwiesenen Tatsache für die Mitte des 20. Jahrhunderts, dass etwa 100 verschiedene Stoffe absolut von aussen zuzuführen sind. Das hat man in den letzten Dekaden etwa auf die Hälfte halbiert.
Trotzdem funktioniert bis heute im Jahr 2001 die absolut künstliche Ernährung auf Dauer bislang nicht. Dennoch möchten wir auf die Analysen der Ernährungswissenschaftler abstellen. Stoffe, die Ernährungswissenschaftler noch nicht als essenziell gefunden haben, führen wir bei natürlicher Ernährung nämlich automatisch zu. Die Natur versorgt uns mit den notwendigen Stoffen, die wir als solche vielleicht noch nicht erkannt haben.
Wir sind in einem Prozess von Millionen Jahren ja danach "geformt". Dazu müssen wir nur die bekannte Anzahl essenzieller Stoffe in dem Masse einnehmen, dass die geforderte Versorgung einigermassen gedeckt ist?
Nein, das reicht ja eben nicht - einen möglichst grossen Anteil davon hat man roh zu essen, damit die "sekundären Inhaltsstoffe" uns erreichen. Letzteres ist mehr und mehr eine Binsenweisheit geworden. Erst wenn man Ernährungsfehlern - z.B. aufgrund der Zivilisation - nachgehen oder sogar eine künstliche Ernährung entwickeln will, ist man auf die Analyse des Bedarfs angewiesen.
Schon bei den Pflanzen hat man wegen Justus Liebig zuerst nur an die "Mengenstoffe" NPK (Nitrat, Phosphor und Kali) gedacht.
Erst später hat man Mängel an den Pflanzen entdeckt und Magnesium und Schwefel dazu genommen, dann auch Spurenelemente wie Bor und Mangan etc. Weiterhin fand man zahlreiche Stoffe, die eine gesunde Pflanze mit guten Abwehrkräften eigentlich noch aufnehmen muss. Auch weiss man um die Zusammenarbeit der Mikroorganismen im Boden. Einige davon stellen der Pflanze lebenswichtige Stoffe zur Verfügung, wie unser Mikrokosmos im Darm.
Mit Hors-Sol- und Flüssigdüngung versucht man das, doch können Sie die Unterversorgung dieser Produkte schmecken und riechen. Mit obiger detaillierter Aufzählung der Forschungsergebnisse betreffend Ernährungsbedarf will ich auch aufzeigen, dass diese nie "die letzte Weisheit" sind.
Zu sehr muss man etwas aus der vernetzten Umgebung isolieren, um überhaupt gültige Resultate zu erhalten.
Der Wissenschaftler weiss um dieses Problem, der Journalist höchst selten. So kommen dann Resultate vorübergehend zur Blüte, auch wenn schon lange neue Erkenntnisse vorliegen, die einer bekannten These widersprechen.
Es ist eine Tatsache, dass die Volksmeinung inkl. der Ansicht von Ärztinnen und Ärzten gelegentlich ein bis zwei Generationen hinter den "neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft" her hinkt. So wird auch verständlich, warum heute noch falsche Vorstellungen bezüglich Vitaminen, "dem Protein" und anderen Stoffen vorherrschen.
Natürlich versuchen viele ProfessorInnen, auf dem neusten Stand zu unterrichten, doch bevor sich eine Erkenntnis durchsetzt, gibt es Strömungen pro und contra, und erst viel später erweist sich etwas als "richtige Lehrmeinung", die man weitergeben kann.
Nach dem Studium hat eine Ärztin oder ein Arzt zudem anderes zu beobachten als neueste Erkenntnisse zur Ernährung. So kann er das "Nebenfach" Ernährung gar nicht weiterverfolgen und seine Meinung "veraltet" auf diesem Thema sehr rasch - wenn man von den "Modeströmungen" der Ernährung absieht.
Wir sollten nur Forschungsergebnisse heranziehen, die ihre Gültigkeit im Wesentlichen behalten. Dass man zu Unrecht an Meinungen kleben kann, zeigt das Beispiel Proteinbedarf: Gegen das "berühmte" Voitsche Kostmass mit dem grossen Proteinbedarf kämpfen heute noch viele Wissenschaftler an, trotz der frühen Korrekturen durch Atwater.

Selbst Beaumont (1785-1853) wusste bei seinen Versuchen (einsehbare Magendauerfistel) nichts über die chemische Struktur der Nährstoffe und teilte die Irrmeinung von Hippokrates, dass es trotz der Vielzahl der Nahrungsmittel nur eine einzige Art von Nährstoffen gäbe. Von dieser Vorstellung gelangte man über die Erkenntnis der Verknüpfung zwischen Chemie, Biologie (Biochemie) und Medizin erst zu einer Ernährungswissenschaft als naturwissenschaftlichem Fach. Dabei zerschlug sich die Meinung von der "einzigen Art von Nährstoffen" und man fand mehr und mehr notwendige Stoffe.
Erst in den letzten Jahren hat sich diese Zahl wieder reduziert auf Wasser, Energieträger, Proteine bzw. 8-11 essenzielle Aminosäuren, 2-3 essenzielle Fettsäuren, 7-8 Makroelemente (Mengenelemente), ca. 10 Spurenelemente, 13 Vitamine - und Rohfaser als fakultativ essenziell. Streng genommen sind bei lang andauernder künstlicher Ernährung sicher mehr Stoffe notwendig, z.B. 15-17 Spurenelemente.
Auf der Liste der essenziellen Stoffe steht (oder stand) aber auch Blei, das unser Körper natürlich nicht bilden kann - aber er erhält zu viel davon. Nur weil dieses Element im Körper (zwangsläufig) vorkommt und er das nicht herstellen kann. Aber: Das heisst nicht unbedingt, dass der Stoff essenziell ist.
Da Fette und Kohlenhydrate im katabolischen Stoffwechsel verschiedene Wege gehen und unterschiedliche hormonelle Reaktionen auslösen, stuft man beide als fakultativ essenziell ein. Heute sind es also um 50 verschiedene Stoffe, die man bei Beachtung einer optimalen Ernährung einbezieht.
Anhänger der "Allgegenwartstheorie" postulieren zwar viel mehr essenzielle Stoffe, doch finden Sie darauf weiter unten eine Antwort.
Hansen hat 1973 vorgeschlagen, dass man Lebensmittel an der Nährstoffdichte (nutrient density) misst. Man berücksichtigt dabei die nicht energieliefernden, essenziellen Stoffe (NEE in mg) und dividiert sie durch den Brennwert in 1000 kcal bzw. 4187 kJ. Je höher seine Nährstoffdichte, umso geeigneter sei das Lebensmittel, wird damit propagiert.
Erst seit der Entdeckung der akzessorischen Nährstoffe ist man sich bewusst, dass chemisch reine Energieträger nicht allein imstande sind, eine vollwertige Ernährung zu garantieren.
Gesundheit und Leistungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Umweltgefahren sind zweifellos abhängig von einer richtigen und zweckmässigen Ernährung. Ueber die günstigen Mengen und das optimale Verhältnis der verschiedenen Nährstoffe in der Kost wissen wir noch längst nicht das, was zur Erreichung maximaler Lebensqualität unter den verschiedensten Umweltbedingungen wünschenswert wäre. Prof. Dr. H.D. Cremer, Giessen [31/I-11].
Man kann über Ernährung denken, wie man will: Auch eine jahrtausendelang empirisch so oder so gehandhabte Ernährung lässt nur einen beschränkten Schluss darüber zu, ob sie wirklich eine optimale Abdeckung mit den erforderlichen Stoffen gewährleistet. Das kann auch auf die legendäre Ernährung der Hunsa (Hunza) zutreffen [49].
Allerdings haben in diesem Fall zwei unabhängige Forscher den ausgezeichneten Gesundheitszustand der Hunsa beschrieben. Dann kann man natürlich folgern, dass die Ernährung die Gesundheit des Volkes garantierte. Normalerweise sollte man aber beweisen können, dass eine vorgeschlagene hundertprozentige Rohkostform alles in sich birgt, was notwendig ist.
Beispielsweise wird man aus den Angebotstabellen verschiedener Nahrungsmittel klar erkennen, dass ein Holzfäller mit dem Bedarf von 6'000 kcal/Tag wohl nicht mit veganer Kost auskommt.
Nicht dass er seinen Vitamin- oder Mineralbedarf nicht decken kann, werden Sie finden, sondern dass er die benötigte Menge an Lebensmitteln nicht erreichen kann. Man sollte also besonders ein noch nicht erforschtes neues Essverhalten laufend auf Tauglichkeit überprüfen können.
Zurück zu den Anfängen der Ernährungsforschung. Wenn auch Hippokrates wie oben beschrieben mit seiner Annahme eines einzigen Stoffes völlig falsch lag, so kam er doch auf einen bemerkenswerten und weisen Spruch, der immer wieder in alternativer Literatur auftaucht: Deine Nahrung sei Dein Heilmittel und Dein Heilmittel sei Deine Ernährung.
Von Reaumur (1683-1757) kennen wir erste (westliche) Untersuchungen über die Magenverdauung, die Spallanzani (1729-1799) fortsetzt.
Young (1782-1804) bringt in seiner Doktorarbeit bereits eine gute Schilderung der Magenverdauung, auch wenn er die Magensäure als Phosphorsäure bezeichnet, was erst Prout 1824 als Salzsäure richtig erkennen kann.
Einen echten Fortschritt bedeutete 1777 die Erklärung von Lavoisier, dass die Nahrung als "Brennmaterial" diene und die Atmung den nötigen Sauerstoff für diese "langsame Verbrennung" liefere. Die Postulierung von Wärmeeinheiten durch den englischen Chemiker Frankland (1825-1899) bescherte uns später die Kalorieneinheiten in Joule.
Magendie (1783-1855), Mulder (1802-1880) und Liebig (1803-1873) verdanken wir viele Kenntnisse von den stickstoffhaltigen Bestandteilen von Körper und Nahrung und auf Mulder ist der Name Protein für Eiweiss zurückzuführen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts legten deutsche Forscher wie Voit (1831-1908), Pettenkofer (1818-1902) und Rubner (1854-1932) die Grundlagen der energetischen Betrachtungsweise; hier sind die Anfänge einer systematischen Ernährungswissenschaft zu suchen.
[31/I10]
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kommt durch obskure Fütterungsversuche von Tieren die Erkenntnis, dass nicht nur energetische Stoffe nötig (essenziell) sind.
Z.B. erhält der russische Physiologe Pawlow (1849-1936) 1904 den Nobelpreis für seine Erkenntnisse über die Anregung des Verdauungsvorganges durch Enzyme (z.B. Enzym Enterokinase, 1899) durch Scheinfütterungen beim Hund mit unterbrochenem Oesophagus (Speiseröhre, beim Menschen ca. 40 cm lang).
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnet sich durch die Jagd nach Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aus.
Die folgenden Zeilen - nur für besonders interessierte Leser - zeigen jeweils die "Kurzgeschichte" dieser Stoffe, gefolgt von einigen wichtigen Hinweisen zum Verständnis über deren Vorkommen und Wirkungsweise. Die jeweilige Zusammenfassung zeigt auch den Bedarf und besonders ergiebige Lebensmittel für den betreffenden Stoff. Zudem erfahren Sie etwas über die im Körper gespeicherte Menge etc.
Der französische Physiologe Magendie hat wohl erstmals auf die besondere Bedeutung von Stickstoff als Bestandteil aller lebenden Substanz hingewiesen (Liebig studierte in Paris ab 1822!).
Mit diesen "richtigen" Anhaltspunkten für ideale Nährstoffmengen postulierte Voit sein Kostmass mit 118 g Eiweiss (Atwater in den USA sogar 125 g), 500 g Kohlehydrate und 56 g Fett. Das entspricht 3055 kcal (12770 kJ). Danach stellte man fest, dass bei genügender Versorgung mit "Brennstoffen" und guter Zusammensetzung der Proteine (griech. protos "erster") wesentlich weniger Eiweiss notwendig sei.
Schon Atwater kann die von den Schweizern Fick und Wislicenus beim Bergsteigen (Faulhorn) durch Ernährungsversuche entdeckte Tatsache bestätigen, dass Muskelarbeit den Eiweisstoffwechsel nicht belastet. Somit kommt er bei der Zuführung von hochwertigem Protein auf einen Drittel der vorher postulierten Menge.
Eine aktuelle Besprechung des Tagesbedarfs finden Sie unter Proteine (Eiweisse). Ebenfalls wichtig ist der folgende Beitrag: Risiken proteinreicher Ernährung.
1907 diskutiert man an einem Kongress, mit welch kleinen Mengen verschiedener Proteine die Bedürfnisse des Menschen gerade gedeckt werden können, wobei das Referat von Rubner seinen Schüler Thomas (1883-1969) zu entsprechenden Experimenten reizte. Thomas postulierte die Wertigkeit der Nahrungsproteine und fixierte sie zahlenmässig.
Rose kann diese Abhängigkeiten der gegenseitigen Wertigkeit 1939 beweisen, denn inzwischen waren die heute als essenziell bekannten Aminosäuren (Protein-Bausteine) entdeckt. Seine als essenziell postulierten Aminosäuren haben auch heute noch volle Gültigkeit.
Die quantitativen Bedarfszahlen von 1949 sind hingegen überholt. Die "Erkenntnisse" über den Stoffwechsel von Kofranyi und Jekat von 1964 mit Mischungen verschiedener Proteine, z.B. Kartoffel und Ei oder Milch und Weizen, haben uns lange glauben lassen, dass es auf das Mischungsverhältnis und auf die für Transaminierung u.a. verfügbare N-Menge ankommt.
Jetzt weiss man, dass der funktionierende Körper die geforderten Stoffe selbst aus seinem Pool bereit stellt.
Von mehr als 170 Aminosäuren sind 22 für unsere Ernährung von Bedeutung, wobei meistens nur 18 zur Erwähnung kommen.
In den 70er Jahren ist man überzeugt, dass folgende Aminosäuren exogen-essenziell sind: Leucin, Isoleucin, Valin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Tryptophan, Threonin und lediglich für Kinder essenziell das Histidin. Weitere betrachtet man auch als essenziell, doch weiss man, dass der Körper sie mittels anderer Proteine aufbauen kann.
Übrigens: Das Kunstwort "Aminosäure" bezeichnet eigentlich Beta-Aminosäuren bzw. an einen organischen Rest gebundene -NH2-Gruppe(n) und Carbonsäure, also (Carboxy-)Gruppe COOH. 1820 entdeckt H. Braconnot Glycin und Valin, 1849 Bopp das Tyrosin - und als letzte wichtige Aminosäure entdeckt man 1935 das Threonin.
Anmerkung: Alle üblicherweise am Aufbau von Proteinen beteiligten Aminosäuren, ausser Glycin, sind optisch aktiv und haben die L-Konfiguration am Alpha-C-Atom.
[31/I-51] Da D oder L nichts über die Richtung der Drehung der Ebene des polarisierten Lichts nach rechts oder links aussagt, haben sich - wo nötig - die Zeichen (+) für rechtsdrehend und (-) für linksdrehend eingebürgert.
Arbeiten um die künstliche Ernährung haben gezeigt, dass der Körper einige nichtessenzielle Aminosäuren nicht in genügender Menge zusammenbaut (synthetisiert), so dass man im Falle von künstlicher Ernährung noch folgende berücksichtigt: L-Glutaminsäure, L-Asparaginsäure, L-Alanin, L-Serin und Glycin [31/II-346].
Bei einer einigermassen natürlichen, abwechslungsreichen Ernährung ist die richtige Zusammensetzung aber automatisch gewährleistet.
Die Frage nach der Proteinversorgung ist die am häufigsten gestellte, wenn jemand Rohkost oder vegane Kost nicht kennt. Eng daran knüpft man auch Vitamin B12, was richtig ist.
Gut gemeinte Artikel wie der eines Christian Opitz in [earthsave.de/alt/ernaehr.htm] greifen aber schon in den ersten fünf Zeilen offensichtlich zu kurz: Den höchsten Eiweissbedarf hat der Mensch im Säuglingsalter, wenn er sein Körpergewicht in 6 - 8 Monaten verdoppelt. Für den Säugling ist Muttermilch, die 2 % Eiweiss enthält, die optimale Nahrung. Somit kann der Eiweissbedarf des Erwachsenen nicht über 2 % der Gesamtnahrung liegen. Kein anderes Säugetier nimmt Nahrung mit einem höheren Eiweissgehalt als dem der arteigenen Muttermilch zu sich. Daher ist die Aussage, dass Fleisch mit ca. 20 % Eiweiss für den Menschen notwendig sei, völlig unlogisch.
Hat er noch nie Katzen gesehen, oder glaubt er, dass Katzentiere Vegetarier seien?
Wir gehen an anderer Stelle auf den Nahrungsbedarf eines Menschen konkreter ein, doch um Sie vorweg zu informieren, zitiere ich die weiteren Abschnitte zu dieser Frage, da ich keine Patzer finde:
Die einzige Eiweissmangelkrankheit, die der Medizin bekannt ist, heisst Kwashiorkor und kommt nach WHO - Statistiken in westlichen Ländern praktisch nicht vor.
Eiweissüberschüsse dagegen sind Mitverursacher von Herzinfarkten und Krebs, die 85 % der Sterblichkeit in Deutschland ausmachen. Zu viel Eiweiss führt zu Ablagerungen von Muccopolysacchariden in den Kapillaren, was Bluthochdruck und eine schlechte Sauerstoffversorgung des Gewebes bewirkt. Nach Prof. Wendt können diese gefährlichen Ablagerungen bei tiereiweissfreier Kost in etwa 6 Monaten abgebaut werden. Die Frage `Woher bekommen Vegetarier ihr Eiweiss?` ist wirklich nicht angebracht, es müsste vielmehr heissen `Wie werden Fleischesser mit den Eiweissüberschüssen fertig?`
Ist tierisches Eiweiss wertvoller als pflanzliches Eiweiss?
Die angebliche Höherwertigkeit von tierischem Eiweiss wurde aus den Tierversuchen von Osborne und Mendel von 1914 abgeleitet. Bei diesen Versuchen wurden Ratten mit unterschiedlichen Eiweissarten gefüttert. Die Fütterung mit tierischem Eiweiss führte zu grösserem Körpergewicht als bei pflanzlicher Kost. Daraus wurde einfach geschlossen, dass tierisches Eiweiss wertvoller sein müsse, ohne, dass man jedoch den tatsächlichen Gesundheitszustand der Tiere untersuchte.
1943 wies dann Prof. McCay von der Berkeley Universität in Kalifornien nach, dass Ratten mit pflanzlichem Eiweiss wesentlich gesünder sind und etwa doppelt so lange leben, wie bei einer Ernährung mit tierischem Eiweiss. Ausserdem stellten sich bei Fütterung mit tierischem Protein vermehrt Fehlbildungen, Totgeburten und Verhaltensstörungen bis hin zum Kannibalismus ein. Die Beobachtungen von Osborne und Mendel können also keineswegs auf die gesundheitliche Wertigkeit von Eiweiss übertragen werden.
...
Alle pflanzlichen Eiweisse enthalten alle acht essenziellen und vier semi-essenziellen Aminosäuren. Die Verwertbarkeit der Aminosäuren hängt im Wesentlichen von der Naturbelassenheit der Nahrung ab. Sie sinkt laut Dr. Olsen und Prof. Kollath durch Erhitzung um 40 - 60 %. Pflanzliche Rohkost liefert somit Eiweiss von bester Qualität.
Kurz eine Definition: Vitamine sind essenzielle organische Spurenbestandteile der Nahrung, die bereits in sehr geringen Konzentrationen spezifische Stoffwechselprozesse bei Mensch und Tier katalysieren. Ihr Fehlen führt zu Krankheiten (Avitaminosen), die durch Vitaminzufuhr behoben werden können.
[31/I-75]

Im Verlauf der Zeit hat man einigen Vitaminen neue Namen gegeben. Die alten Namen erscheinen hier in Klammern.
Man unterscheidet wasser- und fettlösliche (A, D, E, F, K) Vitamine. Fast alle "wasserlöslichen Vitamine" sind eigentlich Vorstufen, also Coenzyme bzw. Coenzymstufen: Thiamin, Riboflavin, Nicotinsäure, Folsäure, Pantothensäure, Biotin, Pyridoxin, Vitamin B12.
Vitamin C (Ascorbinsäure) ist als Ausnahme allerdings kein Coenzym. Es führt aber auch zu keinen Hypervitaminosen. Trotzdem ist auch hier eine grosse Übertreibung (z.B. mehr als ein Gramm/Tag) schädlich.
Die Vitaminforschung entstand aus der Erforschung der Beriberi-Krankheit. Die Krankheit wurde etwa 2600 v. Chr. in China beschrieben. Sie nahm in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in allen "Reisländern" drastisch zu - wie man heute weiss, aufgrund der Einführung der anfänglich dampfbetriebenen Reismühlen, die einen besonders "reinen" Reis erzeugten...
In Java starben z.B. Häftlinge regelmässig innerhalb 3 - 4 Monaten.
Louis Pasteur (1822-1895) und Robert Koch (1843-1910) haben zwischen 1880 und 1890 die Ursache von 20 definierten Krankheiten als Infektion durch spezifische Mikroorganismen (Bakterien) erkannt. Zudem kannte man die Vergiftung (Intoxikation). Somit lag der Schluss nahe, dass Beriberi entweder eine Infektion oder eine Intoxikation war.
Obwohl Lunin 1881 nachwies, dass neben Eiweiss und Energieträgern noch weitere - unbekannte - Nährstoffe zur Erhaltung von Leben und Gesundheit notwendig seien, blieben seine Ergebnisse unbeachtet. Eine nach Java entsandte niederländische Regierungskommission konnte Infektion oder Intoxikation ausschliessen, beendete ihre Arbeit jedoch ohne Hinweise auf die Ursache oder Verhinderungsmöglichkeit der Krankheit.
Doch der zugezogene Militärarzt Eijkman (1858-1930, Nobelpreis 1929) arbeitete weiter und fand als Ursache 1897 die Einnahme von ausschliesslich geschältem Reis. In Versuchen an Hühnern zeigte sich, dass bei ausschliesslicher Verfütterung von geschältem Reis sehr bald eine Polyneuritis auftrat [31/I-15].
Der Bedarf beträgt gemäss FAO, WHO und Food and Nutrition Board (FNB), USA:
*Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt bei den meisten Empfehlungen - wahrscheinlich wegen der allgemeinen Überernährung in Deutschland um bis 10-150 % (B12, C) darüber, manchmal aber auch (Niacin) darunter.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B1 (Thiamin).
Funk nannte den Antiberiberi-Wirkstoff, den er aus Reiskleie und Hefeextrakt gewann, 1912 Vitamin (darauf hiess es B1, ab 1935 Aneurin und ab 1937 Thiamin). Später fand man, dass der ganze Komplex von B-Vitaminen (B1, B2, B6, Biotin, B12) nötig ist. Die Reindarstellung und Synthese von B1 gelang 1926; Williams wies die Identität mit der aus Naturstoffen isolierten Substanz 1936 nach.
Bei den unten als gute Spender aufgeführten Lebensmitteln sind normalerweise nur roh essbare ohne Fleisch-, Milch-, und Getreideprodukte - aufgeführt, um die Durchführung einer solchen Diät zu unterstützen bzw. die Durchführbarkeit zu belegen.
Für die Erfassung aller wichtigen Lebensmittel ist auf populäre Nachschlagebücher im Anhang und Text hingewiesen.
Gute Spender: Getrocknete Bierhefe (15,6 mg/100g), Torulahefe (15), Sonnenblumenkerne (1,96), Pinienkerne (1,28), Pekannüsse (0,86), Haselnüsse (0,47), Cashewnüsse bzw. Akajonüsse (0,43), Walnüsse (0,3), Mandeln (0,25), während Früchte 0,01 bis 0,1 (letzteres: Datteln, getr. Feigen, Orangen) und grünes Gemüse im Mittel 0,1 anbieten.
1933 aus Eiklar, Milch und Hefe isoliert. Es ist im Pflanzen- und Tierreich weitverbreitet und wird durch alle grünen Pflanzen, die meisten Pilze und durch Bakterien im Darm gebildet.
Bedarf nach FAO/WHO:
Gute Spender: Torulahefe (5 mg/100g), getr. Bierhefe (4,28), Mandeln (0,92), Haselnüsse (0,55), Cashewnüsse (0,25), Sonnenblumenkerne (0,23), Pinienkerne (0,23), während Früchte 0,01 bis 0,1 (letztere Datteln, getr. Feigen, Himbeeren) und grünes Gemüse im Mittel 0,1 (Broccoli 0,23, Endivien 0,2) anbieten.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B2 (Riboflavin)
Der Bedarf hängt vom Proteinumsatz ab. Bedarf nach DGE [73]:
Gute Spender: Getr. Bierhefe (4,2 mg/100g), Torulahefe (3,5), Walnüsse (1), Avocado (0,61), Haselnüsse (0,54), Bananen (0,32), Feigen (getr. 0,32), Rosinen (0,3), Pekannüsse (0,19), Paranüsse (0,11), Mandeln (0,1), Datteln (0,1), während Früchte 0,01-0,1 und Gemüse ähnliche Werte bringen Tomaten (0,6), Paprika (0,22), Blumenkohl (0,2), Petersilie (0,2), Broccoli (0,17) und Karotten (0,12).
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B6 (Pyriodoxin)
1934 als B6 (György) bzw. Adermin (Kuhn) bezeichnet als Faktor der Rattendermatitis bzw. Akrodynie (Rattenpellagra). Seit 1942 ist Pyridoxin (György) der Name für Coenzymformen (z.B. Pyridoxal, Pyridoxamin, Pyridoxalphosphat) einer grossen Enzymgruppe, die den Stoffwechsel der Aminosäuren katalysiert.
Die Biosynthese findet in allen höheren Pflanzen und in zahlreichen Mikroorganismen statt. Darum ist das Vitamin in Nahrungsmitteln weit verbreitet.
1934 aus Eidottern isoliert. Der alte Name Vitamin H bezieht sich auf Hautprobleme (Dermatitis und Haarausfall) bei Ratten mit (künstlich erzeugtem) Biotinmangel. Viele Enzymvorgänge des Menschen sind auf Biotin angewiesen (Fettsäuresynthese, Leucinabbau etc.).
Biotin kommt in geringen Mengen, aber weitverbreitet vor und wird in vielen Mikroorganismen (z.B. Hefe, Darmbakterien) und Pflanzen (im grünen Blatt) gebildet.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B7 (Biotin, ex Vitamin H)
In Recommended Dietary Allowances, 8. Auflage, National Academy of Sciences, Washington, 1974 heisst es etwa:
Der Biotinbedarf ist nicht bekannt. Im Harn wird wesentlich mehr Biotin ausgeschieden, als in der Kost enthalten ist, was auf eine Synthese durch Darmbakterien hindeutet.
In [73 Essenzieller Nahrungsbedarf für Kapitel Ernährung [www.rohkost.ch] findet sich:
Die Biosynthese durch die Darmflora deckt normalerweise den Bedarf (etwa 0,3 mg/d)... Biotinmangel ist meist Folge einer Schädigung der Darmflora. Symptome: Dermatitis, Haarausfall, zentralnervöse Störungen, Hypercholesterinämie u.a.
.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B12 (Cobalamin)
Da die Frage der Unterversorgung bei rein veganer Ernährung immer wieder kontrovers auftaucht, gebe ich hier dem Thema mehr Raum.
Die Aufklärung der antianämischen Faktoren der Leber fand 1926 erste Ergebnisse bei der Heilung von Perniziosapatienten mit roher Leber.
Den Antiperniziosa-Faktor haben 1948 Folkers und Smith kristallin dargestellt und 1955 Hodgkin durch Röntgenanalyse ermittelt. Zwei Coenzymformen des Vitamin B12 hat man 1958 (Adenosylcobalamin) und 1964 (Methylcobalamin) entdeckt.
Die Grundsubstanz zu Vitamin B12 ist Corrin, die Verbindungen dazu nennt man Corrinoide. Das Vitamin enthält als einziges einen anorganischen Baustein, nämlich dreiwertiges Kobalt.
Einige Substitute heissen Cobalamine und der Handelsname Vitamin B12 ist für das Cyanocobalamin beansprucht.
Cobalamin kann nur von Mikroorganismen synthetisiert werden. Die Resorption im Ileum ist beim Menschen nur nach Bindung an Intrinsic Factor (IF) möglich. Das von der Darmflora gebildete Cobalamin ist daher für den Organismus nicht mehr nutzbar.
[76-299]
Bedarf nach FAO/WHO:
Das FNB kommt auf 3 (4) und die DGE [73] auf 5 (7,5). Der neuere US-Standard Reference Nutrient Intake (RNI) nennt 1,5 (2) - so übereinstimmend sind die Ansichten der Wissenschaft!
Der RNI sagt aus, dass der Bedarf für mindestens 97 % der Bevölkerung gedeckt ist, denn man kann statistisch gesehen nie eine 100%ige Wahrscheinlichkeit erreichen. Auch bei Vitamin B12-Mangel gibt es seltene andere Gründe als die hier beschriebenen, wie z.B. fehlender IF, die aber durch den Arzt zu klären sind.
Dazu noch: Der Vitamin B12-Bedarf des Erwachsenen wird durch parenterale Gaben (= Infusion oder Spritze) von 0,5-1 Mikrogramm/d mit Sicherheit gedeckt. Unter der Annahme, dass aus einer Kost, die bis zu 3 Mikrogramm Vitamin B12 enthält, mindestens 50 % verwertet werden, empfiehlt der FNB, USA, für Jugendliche und Erwachsene eine Zufuhr von 3 Mikrogramm/d... Der Vitamin B12-Bedarf des Säuglings SCHEINT bei ausreichendem Stillen durch den Gehalt der Muttermilch gedeckt zu werden.
[73/II-233]
Der letzte Satz findet sich bei fast allen Vitaminen. Hurrah, die Natur SCHEINT doch halbwegs zu funktionieren!
Man nahm früher an, dass Spirulina ein guter Lieferant sei. Heute weiss man, dass das Analoga sind, die schaden.
Auch wilder Sanddorn könnte eine Symbiose zeigen und sei reich an Vitamin B12 - meinte man lange. Die Produkte auf dem Markt enthalten aber kein oder praktisch kein Vitamin B12.
Veganer sollen jedoch nach einigen Jahren klinisch manifesten Vitamin B12-Mangel entwickeln, wenn sie ihren Bedarf nicht durch Leguminosen und/oder Hefe decken - heisst es in der obigen Literatur weiter. Das stimmt auf jeden Fall, wenn der Dickdarm (Kolon, Colon) mehr Coli- als Laktobakterien enthält, wie das bei der "westlichen Zivilisationsernährung" der Fall ist.
Gemäss Dr. J. H. Kellogg sollte die Darmflora in einem gesunden Kolon im Idealfall aus 85 % "freundlicher Bakterien", nämlich aus Lakto- und Bifidobakterien sowie Streptokokkus und max. aus 15 % Kolibakterien bestehen. Kolibakterien, z.B. Escherichia coli, sind fäulnisbildend (putrefaktiv).
Robert Gray in The Colon Health Handbook sah in der modernen Industriegesellschaft meist das umgekehrte Verhältnis.
Er schreibt in [249-35]: Eine gesunde Darmflora wird erheblich mehr Vitamine der B-Reihe produzieren, als in einer vollwertigen organischen Nahrung vorhanden sein können. Dazu gehört auch Vitamin B12, das zur Vorbeugung und Heilung von perniziöser Anämie (gefährliche Blutarmut) notwendig ist.
...
Die beste Quelle für Vitamin B12 ist eine gesunde Darmflora.
Das geistert noch heute herum.
Zurück zur strittigen Frage, ob der Körper Vitamin B12 vom Dickdarm aufnehmen kann:
Ich kenne die genauen Umstände bei Völkern oder Religionsgemeinschaften nicht, die sich strikt ernähren, doch kennt man das Problem Vitamin B12 erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Das hat viel zu tun mit Hygiene - inkl. Trinkwasser.
Man hat bald einmal erkannt, dass im Darm viel Vitamin B12 entsteht, doch erst später entdeckt, dass der Körper das nur am Ende des Dünndarms aufnehmen kann.
Rein vegan, aber gesund lebenden Populationen hat man deshalb zugeschrieben, dass sie ihr Gemüse mit eigenem Kot düngen würden und bei der Hygiene nicht so genau seien. Damit würden sie indirekt durch ihren Kot von den Bakterien profitieren.
Das liest sich im Originaltext so: A study has shown that a group of Iranian vegans obtained adequate B12 from unwashed vegetables which had been fertilised with human manure. Faecal contamination of vegetables and other plant foods can make a significant contribution to dietary needs, particularly in areas where hygiene standards may be low. This may be responsible for the lack of aneamia due to B12 deficiency in vegan communities in developing countries.
Dabei geht man davon aus, dass Vitamin B12 im Dickdarm zu weit unten entsteht, als dass der Körper dies aufnehmen kann. Trotzdem kann man solche Aussagen lesen:
Bei Veganern findet man B12-Mangel nur bei sehr einseitiger Ernährung mit zuwenig Rohkost (was ebenfalls die Darmflora beeinträchtigt), z.B. bei extremen Makrobiotikern. Diese Mangelerscheinungen sind jedoch äusserst selten und können durch einen ausreichenden Rohkostanteil in der Ernährung leicht vorgebeugt werden. Ein häufig anzutreffendes Problem ist dagegen bei Frauen eine mangelhafte Bioverfügbarkeit von B12, die durch die Einnahme von Kontrazeptiva verursacht wird.
Man hat später entdeckt, dass die Alge Spirulina und das Seegras Nori, das Veganer nehmen sollen, nicht das notwendige Vitamin B12 enthalten, sondern ein B12-Analoga. Dieses kann der Körper nicht verwenden.
Viel empfohlen heisst also nicht unbedingt richtig. Beispiel: Was Vegetarier freut: Algen enthalten zwei bis drei mal soviel Vitamin B12 wie Rinderleber!
Zitiert aus [rohmachtfroh.de].
B12 kommt in allen Naturmedien vor, in denen Mikroorganismen gedeihen, (z.B. besonders in Hülsenfrüchten bzw. Leguminosen wie Bohnen, Erbsen und Linsen durch Knöllchenbakterien [71]), - ebenso in allen tierischen Geweben, besonders in Leber und Niere - kann man lesen, ist aber falsch.
Eine Anämie ist die Folge (pernicious anemia) mit den Anzeichen: Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit (Brechreiz?), Verstopfung, Blähungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Später können neurologische Störungen auftreten wie Empfindungslosigkeiten und Stechen bzw. Kribbeln in Händen und Füssen, Gleichgewichtsverlust, Depressionen, Konfusionenen und ein wunden Mund auftreten.
Menschen mit fehlendem IF (intrinsic factor) können auch bei viel Verzehr von tierischen Produkten einen Vitamin-B12-Mangel entwickeln und benötigen dann lebenslang regelmässige Zufuhr von Vitamin B12.
Gemäss Gray [249-73] kann man das Wachstum der "freundlichen Bakterien" mit Zwiebeln enorm fördern. Das erinnert mich wieder an die "Mediterane Kost", die mit viel roher Zwiebel begleitet ist.
Einen ähnlichen Effekt bringen 75 bis 100 g Topinambur (Erdartischocke) täglich, während einigen Tagen roh genossen. Am einfachsten schneidet man Topinambur in dünne Scheiben oder raspelt ihn. Topinambur enthält etwa 16 % unverdaubares Inulin und ist auch für Diabetiker besonders gut geeignet. Das unverdaubare Inulin ist dann die Nahrung für die Bakterien.
Topinambur hat aber gegenüber der Zwiebel zwei Nachteile.
Ein drittes Lebensmittel für die Unterstützung bildet Kohl, nur müsste man ein halbes Kilo oder zwei- bis drei Mal täglich ein halbes bis ganzes Glas Kohlsaft trinken. Kohl und Topinambur unterstützen eher die unerwünschte Heterofermentation als die Homofermentation. Bei der Homofermentation setzen Laktobakterien nur Milchsäure und keine Kohlesäure und andere unerwünschte Produkte frei.
Im Journal of Nutrition, Oktober 1995, Vol. 125, Nr. 10, Seiten 2511 bis 2515 findet sich ein Artikel von Michael Klaper, M.D. über die Frage von Vitamin B12, der typisch amerikanisch Tabletten empfiehlt. Aber einen ausgewogenen und gut fundierten Artikel ohne Eigeninteressen finden Sie unter [living-foods.com/articles/b12issue.html].
Diesen Artikel finden Sie - ebenfalls auf Englisch - auf [www.rohkost.ch]. Gemäss [rawfoods.com] haben auch die folgenden pflanzlichen Lebensmittel einen genügenden Anteil an Vitamin B12: sea veggies, Spirulina, seeded bananas, Sonnenblumenkerne, cocord grapes, comfrey leaves, gekeimter Weizen und andere Keimlinge, Senfkörner, Miso, Ginseng, rohe Erdnüsse, Bienen-Pollen (auch sea veggies, seeded bananas, cocord grapes). Nur stimmt das leider absolut nicht!
Was Wissenschafter offensichtlich nicht beachten ist auch der Fact, dass Gemüse und Früchte roh genossen durch die Mikroorganismen ebenfalls Vitamin B12 beisteuern. Das sind aber alles Aussagen, die man heute widerlegen kann. Siehe den Link zu Inhaltsstoff Vitamin B12 (Cobalamin).
Der Bedarf an Niacin ist gedeckt, wenn die Aufnahme 0,15 - 0,2 mg Niacin-Aequivalente pro kg Körpergewicht pro Tag beträgt. Der genaue Bedarf ist nicht bekannt [39-14]. Die DGE empfiehlt (1985) 15-18 mg/d, vorher 9-15 an Niacin(-Aequivilent).
Gute (Zusatz-)Spender: Sonnenblumenkerne (5,8 mg/100g), Sesam-Samen (5), Pinienkerne (4,5) (Mandeln (4,1); Fisch, Fleisch und Pilze (3-10 mg/100g) Pflanzliche Nahrungsmittel führen durchschnittlich 0,3-06 mg.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B13 (Niacin)
1867 durch Oxidation des Nicotins gewonnen. 1912 postuliert und 1937 erkennt man die Anti-Pellagra-Wirkung (Pellagra-Preventing-Faktor, darum PP-Faktor). Pellagra bedeutet u.a. schwere Hautveränderungen.
1945 findet man heraus, dass Tryptophan (essenzielle Aminosäure), eine Vorstufe des Nicotinamides im Säuger ist. Der Mensch ist normalerweise mit der von den Bakterien synthetisierten Nicotinsäure gut versorgt [31/I-78], ausser er ernährt sich sehr stark von Mais [76-1167]. Aus 60 mg Tryptophan (bei Schwangerschaft aus 18 mg!) entsteht 1 mg Niacin (Niacin-Aequivalent).
1940 in Spinatblättern durch Hogan und Parrott als wirksam gegen eine Kükenanämie gefunden. Strukturaufklärung 1943-48.
Aufgrund hämatologischer Kriterien dürfte der Mindestbedarf des Erwachsenen an Folsäure bei 50 Mikrogramm/d liegen; eine Zufuhr von 100-200 stellt einen ausreichenden Folsäurespiegel im Serum sicher [73/II-233].
Der Körperbestand beträgt ca. 70 mg [71-279]. Wegen der Syntheseleistung der Darmflora und deren möglicher Beteiligung an der Bedarfsabdeckung ist der genaue Bedarf noch unbekannt [39-19].
Folsäuremangel ist der in Europa und Nord-Amerika häufigste Vitaminmangel, obwohl Folsäuremangel erst bei weniger als 5 Mikrogramm/d über ein halbes Jahr auftritt.
Gute Spender: Endivie (100 Mikrogramm/100g), Hefe (92), Rote Rüben (74), Rosenkohl (60), Pastinake (59), Broccoli (55-103 Röschen), Ei (50), Chicoree (37), Blumenkohl (36), Avocado und Orange (35), Kopfsalat (35), Honigmelone (30), Paprika (29), Banane (23), Karotte (18).
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B9, B11 (Folat als Folsäure-aktive Stoffgruppe)
1931 als Hefewuchsstoff durch Williams entdeckt und Struktur 1938 aufgeklärt. Es ist Bestandteil vom Coenzym A [31] und hitzelabil, früher dem B-Komplex zugerechnet [76]. 4-8 mg/d decken den Bedarf des Erwachsenen.
Pantothensäure wird mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Teil durch Bakterien der Darmflora synthetisiert und ist für den Körper verfügbar [39-21].
Gute Spender: Bier- oder Torulahefe (9,5-10 Mikrogramm/100g), Steinpilze (2,7), Wassermelone (1,6), Broccoli (1,29), Blumenkohl (1), getr. Datteln (0,8), Feigen (0,5). Weitere Früchte und Gemüse führen jeweils 0,1 - 0,3 Mikrogramm/100g.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin B5 (Pantothensäure)
Vor etwa 400 Jahren wusste man, dass die Ursache des Skorbuts ein Mangel an frischen Vegetabilien (4-5 Monate dauernd) ist. Die Isolierung von Vitamin C erfolgte 1922/1923, der Name Ascorbinsäure wurde 1933 eingeführt.
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin C (Ascorbinsäure)
Der Stoff ist in der Pflanzen- und Tierwelt weit verbreitet und dient als obligater Cofaktor der Hydroxylierung (Kollagenbiosynthese). Wahrscheinlich bilden alle chlorophyllhaltigen Pflanzen Ascorbinsäure.
Im Laufe der Artentwicklung erwarben zuerst die Amphibien die Fähigkeit zur Ascorbinsäurebildung (Niere), dann die Reptilien und niederen Vogelarten, dann höhere Vogelarten und Säuger (Leber). Die jüngsten Vogel- und mehrere Säugerarten (Meerschweinchen, fliegende Säuger, Primaten, darunter der Mensch) bilden keine Ascorbinsäure mehr.
[31/I-83]
Eine Ascorbinsäurezufuhr von 10 mg/d heilt Scorbut (lange vorher erscheinen u.a. Blutungen um die Haarfollikel und Hämorrhagien unter der Zunge) und eine Zufuhr von 45 mg/d kann einen ausreichenden Ascorbinsäurebestand im Körper aufrechterhalten [73/III-233].
Linus Pauling (2 Nobelpreise) hat 1970/71 Megadosen von 2-16 g/d Ascorbinsäure vorgeschlagen, da diese Menge der Eigenproduktion gewisser Tiere entspreche.
Einerseits wird in [71] bei solchen Dosen vor Oxalat-Blasensteinen gewarnt und andrerseits gilt wohl: Es gibt nun wenigstens 10 Studien, die zeigen, dass prophylaktische Gaben grosser Vitamin C-Dosen, die eine 'Gewebssättigung' bewirken - das ist eine Tagesdosis von 250 mg - die Häufigkeit von Erkrankungen des Respirationstraktes im Winter und banaler Erkältungen verringert.
[31/II-43]
Diabetiker sollen 1 g nehmen, und zu Beginn einer Erkrankung ist diese Dosis ebenfalls für einige Tage angezeigt, mehr habe nur noch negative Wirkungen. Solche Dosen kann man sich billig mit offener, pulverartiger Ascorbinsäure zuführen. Man kommt aber auch auf natürlichem Wege meist zu einer ausgezeichneten Erhaltungsdosis, die bei veganer Rohkost etwa zehnmal höher ist als bei gewöhnlicher Kochkost.
Der Kochvorgang zerstört ca. 60 % der Ascorbinsäure. Bei Gefrierkonservierung sinkt der Gehalt innerhalb einiger Monate beträchtlich.
Gute Spender: Hagebutten (bis 4800 mg/100g!), Petersilie (172), schwarze Johannisbeeren (136), Paprika (128), Broccoli (113), Rosenkohl (100), Blumenkohl (78), Erdbeeren (60), Kiwi (57) Orangen und deren frischer Saft (50), Zitronen (45), Grapefruitsaft frisch (45), Grapefruit (40) etc. [73/II243].

Dass Nachtblindheit und Hornhautveränderungen ernährungsbedingt sind, wussten um 1900 v. Chr. die Aegypter. 1913 nannte man den lipidlöslichen Nahrungsfaktor, der für das Wachstum junger Ratten notwendig ist, Vitamin A, obwohl erst 1919 ein wesentlicher Beitrag zur Aufklärung der chemischen Natur geleistet werden konnte und 1929 Moore das Carotin als Provitamin A überführte.
Manche Carotinoide sind seit ca. 150 Jahren bekannt. Das gelbe Carotin wurde 1831 aus Karotten in kristalliner Form isoliert, inkl. Strukturaufklärung. Heute ist die Struktur von etwa 400 natürlichen Carotinoiden (Polyenfarbstoffe) bekannt. Die technische Synthese von Vitamin A und einigen Provitaminen A (z.B. Beta-Carotin) ist seit 1947 bekannt.
Das fertige Vitamin A kommt in der (haupts. tierischen) Natur in drei Grundformen vor, nämlich als Retinol, Retinaldehyd und Retinsäure. Diese können in zwei Variationen auftreten, als Vitamin A1 und als Vitamin A2 bzw. Dehydrovitamin A (Dehydroretinol, Dehydroretinaldehyd, Dehydroretinsäure). Unter Vitamin A versteht man normalerweise Vitamin A1.
Carotinoide findet man in Bakterien, Pilzen, Algen, höheren Pflanzen und Tieren. Die Tiere können sie jedoch nicht selbst synthetisieren.
Gute Spender: Lebertran (25 500 Mikrogramm/100g!), Löwenzahnblätter (1300 Mikrogramm/100g), Petersilie (1200), Karotten (1100! - frischer Saft 400), Fenchel (780), Feldsalat (650), Mango (450), Gartenkresse (365), Melone (320), Endivien (320), Broccoli (250-320), Aprikosen (270), Kaki (240), Tomaten (130).
Mehr Informationen finden Sie unter: Vitamin A, als RAE und Carotinoide (Karotinoide)
FAO und WHO [73] empfehlen 750 Mikrogramm/d Vitamin-A-Aktivität (als Retinoläquivalente für Erwachsene (Kinder bis 9 Jahre etwa die Hälfte). In [76] sind 5000 IE gegeben, also das Doppelte, denn: 1 Mikrogramm Retinol entspricht 3,3 IE (bzw. USP-E) oder 6 Mikrogramm BetaCarotin oder 12 Mikrogramm anderer Carotinprovitamine.
heisst es in [76-1792].
Einfacher ist zu rechnen: 1 IE Retinol-Aequivalent = 3 IE Beta-Karotin-Aequivalent = 0,3 Mikrogramm Retinol bzw. 1,8 Mikrogramm Beta-Karotin.
Informationen zu weiteren Nährstoffen finden Sie bei den Nährstoffbeschreibungen.
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