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7 Die Umstellung auf Rohkost

Von den verschiedenen Methoden den Darm zu reinigen, unser wichtigstes Abwehrorgan gegen Krankheiten. Bedeutung unserer Darmflora. Darmspiegelung.

Geflochtener Weidekorb mit frisch gepflückten Gemüsen und Salat.© CC0, congerdesign, Pixabay

Diese zehn zusammenhängenden Texte von 2001 bezüglich Rohkost habe ich 2014 bearbeitet. Alle anderen Texte sind neu entstanden.

Zusammenfassung

Bevor Sie mit Rohkost beginnen, sollten Sie den ganzen Verdauungsapparat (Verdauungstrakt) darauf vorbereiten, damit Sie sicherer von Ihren Bemühungen profitieren.

Der Verdauungstrakt: absorbiert Nahrung, verdaut sie, um Energie und Nährstoffe zu extrahieren.© Public Domain, BMK / LadyofHats, Wikipedia

Dafür gibt es verschiedene Wege, wovon ich einen empfehle.

Die anderen sind meines Erachtens meist unangenehmer.

Sicher lässt sich auch Rohkost schonend einschleichen, doch die Darmreinigung hat sich bewährt.

Siehe auch Entschlackung.

Falls Sie bei Ihrer Lektüre den Beitrag 3 dieser Reihe über Rohkost gelesen haben, haben Sie erfahren, warum der Darm wahrscheinlich das wichtigste "Gesundheitsorgan" für Ihre Abwehrbereitschaft (Immunität) gegen Krankheiten ist. Wegen seiner wichtigen Abwehraufgaben lohnt sich langfristig der Aufwand einer Reinigung. Sie geben dem Darm so die Gelegenheit, eine besonders günstige Zusammensetzung an Mikroorganismen neu aufzubauen.

Sie wissen dann auch ansatzweise, dass Enzyme in Mund, Magen und Darm (Zwölffingerdarm und Dünndarm) die Nahrung aufschliessen und der Organismus geeignete Bestandteile auch in all diese Organen aufnimmt. Sie erkennen Nutzen, Funktion und Bedeutung der Darmflora, bzw. Intestinalflora des Dickdarms (eigentlich aber der Darm-Mikroorganismen-Gemeinschaft).

Sie kennen die drei Phasen der Umstellung auf Rohkost, also Anpassung der Verdauung, des Geschmackssinns (gustatorische Wahrnehmung) und Anpassung des menschlichen Körpers. Eine Umstellung auf Rohkost ist eine freiwillige Leistung, die Sie erst beginnen sollten, wenn Sie davon überzeugt sind.

Wichtig ist dieser Text: "Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler".

Meine Empfehlung für die Darmreinigung

Falls Sie älter sind und seit Jahren keine Darmspiegelung (Koloskopie) haben vornehmen lassen, wäre eine Darmreinigung die Gelegenheit dazu. Eine Darmreinigung ist vor dieser Untersuchung sowieso nötig. Der Vorgang nennt sich orthograde Darmspülung.

Die Gastroenterologie nennt eine Salzlösung auch PET (Polyethylenglycol, Macrogol) oder besser noch PEG-EL Polyethylenglycol-Elektrolyt-Lösung, von welcher 2 Liter ausreichen.

Menschen mit einer chronischen Krankheit, schwangere und stillende Frauen sollten eine Darmreinigung bzw. Detox-Reinigung nur auf Rat eines Arztes vornehmen. Die Einnahme von Glaubersalz oder Bittersalz ist die einfachste Methode. Nur wenn Sie besonders belastet oder schwergewichtig sind, ist eine gründlichere Methode von Vorteil. Siehe unten.

Wollen Sie aber die vorgeschlagene Darmuntersuchung oder -sanierung unterlassen, dann finden Sie am Ende dieses Beitrags die Empfehlung eines "Rohkost-Kochbuchs" - besser gesagt eines Rohkost-Rezeptbuchs, das ich nur empfehlen kann.

Besonders wenn in der Familie Darmkrebs (Kolorektales Karzinom) vorkommt, wäre die Darmreinigung ein Muss, um einen schlimmen Ausgang zu vermeiden. Beispielsweise lassen sich so auch gefundene Dickdarmpolypen direkt entfernen und Sie erhalten Klarheit über Ihren Status. Darmkrebs im Anfangsstadium bedeutet praktisch immer eine Heilung durch Operation, im fortgeschrittenen Stadium ist Darmkrebs tödlich.

Wie mit Rohkost beginnen

Aber: "Wie mit Rohkost beginnen?", lautet wohl Ihre Frage.

Das Resultat bzw. das Durchhaltevermögen (psychologische Ausdauer) entsteht nur dann, wenn Sie von der Sache überzeugt sind und die Konsequenz des "traditionellen Weges" kennen und vielleicht auch fürchten. Leider kennen Sie eventuell keine Rohköstler oder ganz vegan lebende Menschen, mit denen Sie sich austauschen können. Ohne gut durchgeführten Versuch lassen sich die Veränderungen auch nicht erahnen.

Viele Menschen nehmen Rohkosternährung als Extrem wahr. Sie kennen die Vorteile für den Körper nicht und wissen nicht, dass dies "unsere" ursprüngliche Kost war. So meinen sie etwa, es sei ein esoterischer Glaube, der in Wirklichkeit mehr schadet als nützt. Solche Vorurteile erschweren den Entscheid, denn der Mensch lernt meist erst aus Katastrophen.

Oft ist dann eine Umstellung zu spät. Dazu kann ich nur empfehlen, die Leistungsfähigkeit von Rohköstlern oder Veganern, die nicht sektiererisch an speziellen Formen hängen, mit dem gleichaltrigen Durchschnitt zu vergleichen. Probieren Sie, Kontakte zu knüpfen.

1. Die Umstellung ist ein wichtiger Schritt

Sie erfuhren vielleicht von guten Gründen einer Umstellung - aber auch von Nachteilen der Rohkosternährung. Sie kennen Ihren eigenen Gesundheitsstatus und haben gelernt, Rat einzuholen? Wenn Sie noch Bedenken beschäftigen: Nehmen Sie sich die Zeit, um Pro und Kontra für Sie persönlich abzuwägen.

Dickdarmpolyp im Sigma (Krummdarm) vor der Abtragung.© Public Domain, J. Guntau, Wikipedia

Dickdarmpolyp im Sigma (Krummdarm) vor der Abtragung.

Die Früherkennung und Abtragung sind wichtige Massnahmen zur Krebsvorbeugung (Krebsprävention, Krebsprophylaxe, Krebsvermeidung).

Im obenstehenden Link (zu Beitrag 3 der Textreihe) erfahren Sie viel über die hohe Bedeutung der Ernährung zur Vermeidung von Krebs. Kanzeroprotektiv nennt man die positive Wirkung einiger Lebens- und Nahrungsmittel - und darunter findet man kein tierisches Produkt! Fleisch fördert sogar Darmkrebs und Magenkrebs, kann man da sogar lesen.

Warum nicht eine Rohkostklinik oder ein Rohkosthotel besuchen und Menschen treffen, die Erfahrungen mit Rohkost gesammelt haben? Nicht so persönlich, aber möglicherweise ebenso interessant: Stellen Sie in einem Rohkostforum im Internet Fragen oder verfolgen Sie die Diskussionen in solchen Foren. Sie benötigen dann aber ein sicheres Gespür für das Wesentliche und schon einen festen Standpunkt, um den roten Faden zu behalten.

1.1 Umstellung generell

Bei einer Umstellung auf Rohkost ist zu beachten, dass man bei einem schon vorhandenen massiven Pilzbefall im Darm (z.B. Kandidose) anders reagiert als bei gekochter Kost, da ein Rohköstler meist ganz andere Lebensmittel zu sich nimmt. Auch auf Enzymschwächen oder Verwertungsstörungen ist am Anfang zu achten. Das alles ist zwar selten, kommt aber vor. Ein allfälliges Reizdarmsyndrom sollten Sie vorher klären.

Am eigenen Befinden ist oft leicht zu messen, ob einem die Kost auf Anhieb bekommt oder nicht. Vielleicht benötigen Sie Beratung, falls sich bei Ihnen Schwierigkeiten auftun. Über das Internet lernen sich Menschen in der gleichen Lage kennen. Diese geben Ihnen gerne Ratschläge.

Übrigens bewegt sich bei der vorgeschlagenen Ernährungsumstellung Ihr Körpergewicht innert etwa vier bis sechs Monaten automatisch auf das "biologische Idealgewicht" zu.

"Trau - schau wem"

Leider erfahren Sie aber auch viel Unsinn. Sie sollten in der Lage sein, Unsinn von Tatsachen zu trennen. Das ist leichter geschrieben als getan, denn Sie benötigen einen aktiven Verstand mit guter Logik und ein gewisses Wissen - was in Vernunft resultiert. Der unbewusste Abwehrmechanismus, also ein Teil des Charakters (Charaktertypen, Persönlichkeit, Charakter), spielt auch eine Rolle. Paradoxerweise kann Wissen auch falsch sein und zu falschen Schlussfolgerungen führen. Relevanz (Bedeutung) und statistische Signifikanz sind zudem zu berücksichtigen.

Sind Sie Spielball oder spielen Sie den Ball? Meiden Sie unmoderierte Foren. Wenn Sie der Meinung der Massen bzw. der öffentlichen Meinung folgen, sind Sie Spielball. Wenn Sie sich um echtes Wissen kümmern, erlaubt das Ihnen, mit der Zeit den Ball selbst zu spielen. "Trau - schau wem" ist da wichtig.

Etwas zum Themenkreis Vernunft und Logik, obwohl das auf den ersten Anblick hin sehr paradox wirkt:

Animierte Darstellung des Fehlenden-Quadrat-Rätsels.© Public Domain, Trekky0623, Wikipedia

Warum entsteht unten ein leeres Quadrat, wenn die austauschbaren Stücke in beiden Fällen genau gleich sind (auch die einzelnen Flächen sind oben und unten gleich)?

Das leere Quadrat hat einen guten Grund: Die anschauliche Lösung zur optischen Täuschung kommt am Schluss dieses Beitrags.

Meine eigene Erfahrung

Meine eigene Erfahrung (1,77 m) bei der erneuten Umstellung im Jahr 2001: Mit 74 bis 75 kg Gewicht nahm ich innerhalb von etwa fünf Monaten auf 65 kg ab: Das war mein Gewicht mit 18 Jahren gewesen. Das biologische Idealgewicht (BMI = 20) beträgt für mich 62 bis 63 kg. Ich esse allerdings sehr gerne, sodass mein Gewicht (2001) meist um die 65 bis 66 kg pendelt. Im Jahr 2014 sind es 67 bis 68 kg geworden, nach Ferien mit z.T. gekochter Nahrung vorübergehend mehr.

Von einer anderen Erfahrung sprechen Menschen, die wirklich "vergiftet" sind, z.B. starke Raucher oder solche mit einem grossen Eiweisskonsum. Da beginnt der Körper eine Art Entgiftung, die schon vorhandene Probleme vorübergehend verstärkt oder vorübergehend neue zum Vorschein bringt.

Ich selbst spürte im Sommer 2001 während Wochen ein Stechen in der Gegend des Pankreas oder der Gallenblase, danach auch in der linken Magengegend. Da ich auf mein System vertraute, gemeint sind Rohkost und die Abwehrkräfte meines Körpers, klärte ich das ärztlich nicht ab. Das Stechen meldete sich nach einigen Wochen wieder von selbst ab.

Heute (2014) weiss ich erst, dass meine Gallenblase Gallensteine und die Leber zwei riesige Leberzysten aufweist. Beides belässt die Medizin, wie es ist, solange keine echten Probleme auftauchen. Die Rohkost heilt so etwas nicht, jedoch verbessert sie die Funktionen der Organe.

Ich würde Ihnen raten, sich mit einem Arzt mit Rohkosterfahrung in Verbindung zu setzen, falls Umstellungsbeschwerden auftauchen. Wenn das nicht gelingt, sollten Sie sich einen verständigen Arzt suchen, der Sie notfalls begleitet bzw. "komische Beschwerden" klärt. Leider ist es bis anhin nicht möglich gewesen, solche Ärzte zu listen.

Im Zeitalter des Internets ist der Austausch von Erfahrungen auch für Einsteiger einfach. Teilen Sie uns oder den Lesern Ihre Erfahrungen am Ende des Beitrags mit, auch Ihre Erfahrungen mit Ärzten. An Rohkost interessierte Ärzte möchten wir gerne speziell aufführen, da Ärzte sich nicht selbst empfehlen dürfen.

1.2 Umstellung im Alter

Wenn der Körper seit Jahrzehnten geschädigt ist, fällt die Umstellung auf Rohkost oft schwer. Nur durch eine gesundheitliche Katastrophe gelingt es einigen Menschen, sich vom Altgewohnten zu trennen und sich in ein Abenteuer zu stürzen. Zudem leiden viele dieser Menschen an Gebissproblemen, Verdauungsschwierigkeiten, Enzymschwächen, sowie durch jahrzehntelange Kochkost an einem insuffizienten Magen-Darmsystem.

Kompromiss

Das gute Kauen der faserstoffreichen Pflanzenkost fällt zu Beginn schwer. Blähungen, Durchfall oder Bauchkrämpfe sind somit möglich. Natürlich lässt sich durch Pürieren (Vermusen) Rohkost altersgerecht zubereiten, doch verlangen alte Menschen oft nach gekochter Nahrung, denn früher gab es intensiveres Kochen, was als "halbe Verdauung" galt.

So ist ein - wenn möglich vorübergehender - Kompromiss mit gedämpftem Gemüse, Kartoffeln etc. möglicherweise sinnvoll [C. Strassner, Ernähren sich Rohköstler gesünder?: Die Giessener Rohkost-Studie, Heidelberg 1998, S. 8], wenn Sie mit Rohkost beginnen. Allerdings bin ich der Ansicht, dass das Darmprobleme eher fördert, da gekochte und rohe Nahrung sich im Darm ganz anders verhalten. Siehe an anderer Stelle (z.B. auch das Stichwort Magen-Darmpassage).

Buch-Titel: "The Raw Gourmet", Nomi Shannon - siehe auch Beitrag© CC-by 2.0, Nomi Shannon, Foundation Diet and Health

Es existieren zahlreiche Bücher für die Zubereitung von köstlicher Rohkost, auch in deutscher Sprache.

In den USA ist der Druck bei einer Ernährungsumstellung noch grösser als in Europa, weil die Mehrzahl der Amerikaner noch schlechter isst als wir.

Dort isst man also noch weniger gemäss den Bedürfnissen des Körpers, sondern vielmehr nach dem Gusto, dem Gaumen.

2. Darmflora und Ernährung

Die hohe Bedeutung der Darmflora für den menschlichen Körper ist meist nicht bekannt. Dysbiosen (Dysbakterie) und ganz besonders Darmmykosen führen zu Abwehrschwäche und mangelnder Versorgung mit Vitalstoffen.

Bakterien - Freunde oder Feinde des Menschen?

Der Krebsforscher und Biologe Dr. Paul-Gerhardt Seeger schreibt schon in den 30er Jahren in seinem umfassenden Werk "Bakterien - Freunde oder Feinde des Menschen?":

Von ausschlaggebender Bedeutung für die Gesunderhaltung des Organismus ist die Aufrechterhaltung einer Anaerobiose (Sauerstoff-Freiheit) im Dickdarm, die von der Art der Nahrung abhängig ist. Während Frischkost und milchsaure Kost sehr reich an Reduktionen (Wasserstoffreich bzw. Energiereich) ist und durch Sauerstoffbindung unter Energieabgabe in den energieärmeren Zustand übergeht, wird durch das Kochen der Nahrung die Reduktionsfähigkeit vernichtet.

Die Kochkost (bzw. die Fleischkost oder andere Zivilisationskost) schädigt Milieu und Flora des Darmes, indem die für bestimmte Bakterien (Bifidobakterien) stoffwechselmässig notwendige Anaerobiose durch Auftreten von Sauerstoff im Darmlumen beseitigt wird. Bereits an der Farbe des Stuhls kann man erkennen, ob die Redoxvorgänge im Darm normal verlaufen. Anaerober, gesunder Stuhl hat eine hellgelbe Farbe, weil die Gallenfarbstoffe nur in reduzierter Form vorkommen. Bei pflanzlicher Frischkost bekommt der Kot die charakteristische hellgelbe Farbe des Säuglingsstuhls. [Zitiert durch W. Spiller, H. Hohler, Vegane Rohkost, Stuttgart 1996, S. 9]

Inzwischen gibt es eine ganze Menge von Büchern, die auf die Gesundheit des Darms eingehen, aber die Verhältnisse unterschiedlich schildern.

Jedenfalls: Der gesunde Mensch besitzt als Teil seines Mikrobioms eine vom ungesunden Menschen sehr stark abweichende Darmflora. Aber auch beim gesunden Menschen gibt es aus verschiedenen Gründen Abweichungen.

Schon bei der Geburt erfolgt die Besiedlung bei Kaiserschnitt (Schnittentbindung) anders als bei einer natürlichen Geburt. Danach ist die Versorgung des Kleinkindes von entscheidender Bedeutung, später das Essverhalten und einige weitere Faktoren.

Im Darm befinden sich rund zehnmal mehr Mikroorganismen als der Organismus des Menschen Zellen enthält

Es sind mindestens 500-1000 verschiedene Arten von Mikroorganismen in einem Darm eines erwachsenen Menschen aktiv.

Dieses Ökosystem besteht aus hauptsächlich anaeroben Bakterien (Bakterienflora) mit einer Gesamtzahl von 10–100 Billionen. Die Gesamtmasse der Mikroflora im Darmtrakt eines erwachsenen Menschen beträgt zwischen 1000 und 2000 Gramm.

Über 50 % der mikroskopisch in Stuhlproben beobachtbaren Mikroorganismen lassen sich nicht kultivieren.

Im Darm befinden sich rund zehnmal mehr Mikroorganismen als der Organismus des Menschen Zellen enthält.

Es kommen auch gewisse Pilze im Darm vor, nur sollten es die richtigen in der richtigen Menge sein.

Eine falsche Ernährung und/oder eine geschädigte Darmflora führen gelegentlich zu Fäulnisbildung im Dickdarm. Dies lässt sich in etwa so erklären: Die Passagezeit vom Mund bis zum After (Anus) beträgt mit "westlicher Ernährung" beim Mann zwischen 7 und 60 Stunden, bei der Frau zwischen 10 und 70 Stunden (gemäss Internisten = innere Medizin). Ein anderer Internist bezeichnet den Zeitraum zwischen einem halben Tag und vier Tagen als normal.
Verschiedene Lebensmittel verhalten sich unterschiedlich während der Darmpassage.

Die Verweildauer in den einzelnen Abschnitten

Die Verweildauer in den einzelnen Abschnitten beträgt:

  • Kauen im Mund: 1-2 Minuten (schön wär's),
  • Speiseröhre: wenige Sekunden
  • Magen: 1-3.5 Stunden,
  • Dünndarm: 2.5-3 Stunden (7-9 Stunden)
  • und Darm: 25 bis 100 Stunden. [Gemäss vivo.colostate.edu/hbooks (pathphys digestion basics ...) und netdoktor.de / anatomie / verdauung, die Quellen entstammen ärztlicher Fachliteratur]

Trotzdem kann der Stuhlgang regelmässig sein, also nicht nur alle vier Tage (bei 100 Std. Verweilzeit). Fettleibige Personen und solche mit einer Verstopfung (Obstipation) - oder gar chronischer Verstopfung - leiden unter längeren Passagezeiten und weisen ein höheres Risiko für Darmkrebs auf. Eine mögliche Ursache dafür ist Fehlernährung.

In der Literatur über Rohkost der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geistern falsche Verweilzeiten herum!

Nussfrüchte in Schalen: Walnuss, Mandeln, Pekannüsse, Haselnüsse, Paranüsse (Brazil).© CC-by 3.0, Kazvorpal, Wikipedia

Haltbarkeit und Magen-Darm-Passage verschiedener Lebensmittel

Nussfrüchte (Nüsse) halten sich lange, bei guter Lagerung sogar über Jahre. Hier sehen Sie Nussfrüchte in Schalen: Walnüsse, Mandeln, Pekannüsse, Haselnüsse und Paranüsse (Brazil Nut).

Nussfrüchte und ähnliche Produkte faulen bei trockener Lagerung während Wochen oder Monaten nicht. Bei frischem Obst dauert es einige Tage bis Wochen, bis es zu faulen beginnt. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Obstsorten sind allerdings enorm. Gemüse hält sich nicht so lange frisch, doch der Fäulnisprozess zeigt sich auch erst nach einigen Tagen.

Was aber viel rascher verdirbt, sind ungekühlte Milch, Fleisch und Fisch. Auch ein Ei würde sehr schnell von Mikroorganismen angegriffen, wenn keine schützende Schale oder Verpackung da wäre. Gekochte Lebensmittel verderben meist schneller als in frischem Zustand.

Weil die Temperatur im Innern des Körpers viel höher ist als die übliche Raumtemperatur, gehen solche Prozesse auch viel schneller voran. Kommt hinzu, dass tierische Produkte den Darm tendenziell viel langsamer passieren als pflanzliche.

Nicht ohne Grund ist der Darm vor einer Operation und vor einer Darmspiegelung zu reinigen

Der Einwand, dass die Nahrung im Milieu des Magens und des Dünndarms soweit aufgeschlossen ist, dass ein Gärungs- oder Fäulnisprozess (Putrefaktion) nicht mehr stattfindet, ist nicht ganz richtig. Für viele Nahrungsbestandteile ist eher das Gegenteil der Fall. Der Dickdarm ist voll von Mikroorganismen, die darauf warten, sich von den angebotenen Substanzen zu ernähren.

Nicht ohne Grund ist der Darm vor einer Operation und vor einer Darmspiegelung aggressiv zu reinigen und nicht nur zu entleeren. Ich weiss nicht, wie weit wir den verschiedenen Autoren mit unterschiedlichen Ansichten über die Darmreinigung folgen müssen. Sie beschreiben die möglichen Zustände im Darm hoffentlich etwas übertrieben, wenn sie von den entsprechenden Schichten von Ablagerungen sprechen.

Trotzdem: Wer es richtig ausführen möchte, wählt eine Methode, die ihm zusagt, aber führt auf jeden Fall eine Darmreinigung durch. Vegane Rohkost vermeidet eine Verwesung in zweifacher Hinsicht: Die Magen-Darm-Passage dauert nur etwa 24 Stunden und die Lebensmittel zeigen auch bei 38 Grad eine längere Haltbarkeitszeit.

Verbleiben Ablagerungen von alten Stuhlresten (Stagnation) im Darm, so verschwindet der übliche Kotgeruch nicht und "Selbstvergiftungsvorgänge" (Autointoxikation) bleiben möglich.

An anderer Stelle lesen Sie mehr über den ganzen Verdauungsprozess, damit Sie verschiedene Zusammenhänge dazu verstehen. Es sind Prozesse, die grösstenteils auch Ihren Körpergeruch bestimmen.

Vor allem der Fussgeruch ist nach Gray ein guter Indikator für die intestinale Fäulnisbildung [R. Gray, Das Darmheilungsbuch - Gesundheit durch Kolon-Sanierung, Stuttgart 2010, S. 31].

Das lässt sich oft mit täglichem und damit für die Haut nachteiligem Duschen oder Baden (Hautflora) überdecken. Die Schädlichkeit für die Haut durch zu zahlreiches Waschen ist bei Wikipedia (April 2014) nur in Englisch zu lesen.

3. Darmreinigung

Sie kennen nun die Gründe, sich vor einer Umstellung auf Rohkost mit einer Darmreinigung (vor allem Dickdarmreinigung) zu befassen, um geschilderte Probleme zu umgehen.

Gray schrieb: Durch langandauernde Fehlernährung kann die Verdauung so stark gestört sein, dass es schon durch das Verspeisen eines Apfels zu Problemen kommen kann. Während einer guten Woche soll sich der Verdauungsapparat an die Rohkost mit viel kürzerer Verweildauer gewöhnen.

Die Gründe, sich vor einer Umstellung auf Rohkost mit einer Darmreinigung zu befassen

Doch selbst, wenn es jemandem noch nicht so schlimm ergeht, empfiehlt es sich, z.B. bei einer Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten, den Darm von alten Rückständen gründlich zu reinigen. Diese Reinigung erleichtert die Umstellung von einer fleischorientierten Ernährung zur vegetarischen oder veganen Ernährungsweise enorm.

Warum auch eine Koloskopie nach der Darmreinigung für Sie vorteilhaft ist, zeigt dieser Auszug aus Wikipedia: Darmkrebs ist in Deutschland bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung, an der mehr als sechs Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens erkranken. Kolorektale Karzinome verursachen zunächst sehr selten Symptome, sie entstehen fast immer aus anfangs gutartigen Darmpolypen.

Dazu ist zu bemerken, dass es einen Kippvorgang gibt: Darmpolypen sind harmlos, wenn entfernt. Ist ein Darmkrebs noch örtlich begrenzt, bietet eine Operation sehr gute Chancen auf Heilung - statt den sicheren Tod. Sind aber Metastasen vorhanden - ob entdeckt oder nicht - ist die medizinische Prognose sehr schlecht. Darum rate ich, den Zustand des Darms frühzeitig zu prüfen.

3.1 Blick auf die verschiedenen Methoden

Viele Schlacken und Verkrustungen im Darm spielen für Gray eine grosse Rolle. Eine Darmreinigung vor der eigentlichen Umstellung auf Rohkost ist wertvoll, meint er. Einige Autoren empfehlen dazu Einläufe, Fasten, Teeaufgüsse aus Löwenzahn oder Thymian. Das genügt nicht immer, meint Gray.

Einlauf, Darmspülung, Tonerde für den Zweck der Darmreinigung

Ein Einlauf bewirkt eine Stimulierung des Dickdarms mit heilenden Reflexen für viele Körperteile. Das vermittelt kräftige Impulse zur Selbstheilung, löst aber wenig der unerwünschten Stoffe aus dem Kolon.

Auch eine Darmspülung (Colon-Hydro-Therapie) bringe nicht viel mehr. Erst wiederholte Darmspülungen (alt = Darmspühlung), z.B. nach Dr. Norman Walker, begleitet mit einer Kost aus rohem Gemüse und Früchten, bringe wirkungsvolle Resultate. Das Wasser soll in jedem Fall etwa Körperwärme aufweisen und vor allem chlorfrei sein. Die Einnahme von Tonerde, Bimsstein oder Bentonit unterstützt die Aktion. Im deutschsprachigen Raum ist vor allem Ton bzw.

Tonerde für den Zweck der Darmreinigung bekannt. Sie entfernt stagnierendes Material, wobei gleichzeitig eingenommene Flohsamenschalen (Plantago ovata) diesen Vorgang unterstützen.

Fotografie eines Haufens von Psyllium-Samenhülsen.© CC-by-sa 3.0, Bastique (Cary Bass), Wikipedia

Tonmineralien (Tonminerale) sind jedoch nicht intensiv zu verwenden. Da Flohsamen auch die Laktobakterien (alt = Lactobakterien) dezimieren, sollte eine tägliche Anwendung nicht über zwei Monate hinaus dauern [R. Gray, Das Darmheilungsbuch - Gesundheit durch Kolon-Sanierung, Stuttgart 2010, S. 118].

In den USA (Gerson-Therapie) sind vor allem Kaffee-Einläufe zur Dickdarmreinigung üblich.

Die Einnahme mukotriptischer Heilkräuter wirkt besser

Die Einnahme mukotriptischer Heilkräuter, also schleimlösender Heilkräuter, wie Aloe, Berberitze (Myrica cerifera), Eisbergsalat, Gelbe Ampferwurzel, Gummi arabicum, Irisches Moos, Maisfasern, Olivenöl, Rosmarin, Schnittlauch, Weintrauben, Zucchini etc. wirkt besser. Dabei dienen Aloe, Eisbergsalat, Gummi arabicum und Irisches Moos gleichzeitig auch zur Reinigung der Lymphe. Eine Bürstenmassage wirkt für die Lymphe besser.

Bekannt als mukotriptisch wirkend sind etwa 24 Heilpflanzen und die Hälfte davon zeigt auch eine desobstruierende Wirkung (beseitigt Verstopfung).

Will man keine Einläufe "aushalten" und nicht zahlreiche Wirkstoffe zusammensuchen, dann erzielt Heilfasten einen Teilerfolg. Es gibt auch ein weniger aufwändiges Verfahren, das ich nach dem Text über Heilfasten erkläre.

3.2 Die einfache Detox-Reinigung

Normalerweise reicht eine einfache Detox-Reinigung (mechanische Darmreinigung) mit Glaubersalz oder Bittersalz (Magnesiumsulfat). Das erhält man z.B. in der Apotheke. Glaubersalz ist der Volksausdruck für Natriumsulfat-Decahydrat (Hydrate) und gilt als einfaches Abführmittel bzw. Laxativum. Es beschleunigt die Stuhlentleerung und wirkt gegen Verstopfung (Obstipation). Laxantien sollten Sie nicht regelmässig einsetzen, ausser auf Anweisung eines Arztes.

Beispielsweise wegen Belastung der Nierenfunktion (Glomeruläre Filtrationsrate, GFR) kann eine Darmreinigung vor allem bei Kindern zu Problemen führen. Auch wären Darmverschluss, Darmstenosen, unklare Bauchschmerzen, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder Elektrolytstörungen Gründe, keine solche Reinigung durchzuführen.

Bittersalz

Wikipedia: Laxativa sind die Mittel der Wahl, wenn eine tatsächliche Obstipation (d.h. Stuhlgang seltener als dreimal wöchentlich in Kombination mit starkem Pressen) nicht durch eine Änderung des Lebensstils behandelt werden kann. Eine Ernährungsumstellung mit vermehrter Aufnahme von Ballaststoffen in Kombination mit einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme und mehr Bewegung kann helfen, die Darmtätigkeit anzuregen und die Stuhlkonsistenz zu verbessern.

Bittersalz ist auch als Passagesalz bekannt, weil Firmen durch Zusatzstoffe bewirken, dass die Einnahme nicht so unangenehm ist. 100 g Bittersalz reicht für einige Zeit. Für eine Anwendung nehmen Sie zwei oder drei gehäufte Teelöffel auf ein Glas leicht warmes Wasser und rühren gut um. Stellen Sie sich ein weiteres Glas Wasser bereit, um das Unangenehme sofort wieder wegzuspülen, nachdem Sie das Glas mit total aufgelöstem Salz möglichst in einem Zug getrunken haben. Die Wirkung tritt in ein bis drei Stunden als starker Stuhldrang (Defäkationsreiz) ein.

Vorsicht: Bei Hypermagnesiämie verbietet sich die Anwendung von Bittersalz.

Glaubersalz

Glaubersalz (Karlsbader Salz, Sal mirabilis (für Wundersalz), Mirabilit, Mirabili) ist die Alternative: Lösen Sie 40 g Glaubersalz in einem halben Liter Wasser auf, geben Sie ein wenig Zitronensaft dazu. Diese Lösung trinken sie nach und nach aus. Danach trinken Sie reichlich Wasser oder Kräutertee. Auch hier tritt die Wirkung nach ein bis drei Stunden ein. Falls keine Wirkung eintritt, wäre bei beiden Methoden eine erneute Prozedur nötig oder eine der weitergehenden, unten beschriebenen Methoden.

Vorsicht: Glaubersalz reizt die Darmschleimhaut.

Tipp: Gönnen Sie sich vor der Detox-Reinigung zwei Entlastungstage ohne übersäuernde Lebensmittel wie Fleisch, Käse, Milch, Weissmehl, Süssigkeiten, Alkohol, Kaffee, Schwarztee und Grüntee. Sie essen dann lediglich Obst und Gemüse, um die Verdauung zu entlasten. Um einen wirklichen Detox-Prozess im Körper zu starten, lassen Sie danach ein bis zwei Wochen vegane Ernährung mit viel Obst und Gemüse folgen.

4. Alternative: Heilfasten

Das Heilfasten dient seit sehr langer Zeit zur Krankheitsprävention und hat auch einen therapeutischen Zweck. Zudem gibt es ein Erklärungsmodell für seine Wirkung auf den Körper. Danach entstehen durch den Stoffwechsel in einem stufenartigen Prozess aus den Eiweiss-, Fett- und Zuckermolekülen Zwischenabbauprodukte (Intermediärprodukte). Diese baut der gesunde Körper relativ schnell durch die Verbindung mit Sauerstoff (Oxidation) oder mithilfe von Enzymen zu den Endprodukten Kohlendioxid, Harnstoff und Ammoniak ab.

Nieren, Darm, Lunge und Haut scheiden diese Stoffe aus. Bei vielen Erkrankungen geht dieser Abbau und die nachfolgende Ausscheidung verlangsamt vor sich. Es kommt im Körper zu einer Anhäufung von Zwischenabbauprodukten. Das Fasten durchbricht diesen Teufelskreis, indem es die Zufuhr an Nährstoffen stark reduziert oder bei ausschliesslichem Fasten stoppt.

Der Körper muss jetzt verstärkt auf die abgelagerten Stoffe zurückgreifen, um eine normale Stoffwechseltätigkeit aufrechtzuerhalten. Die "unwichtigen" Stoffe baut der Organismus in der Folge vermehrt ab und scheidet sie aus. Der Körper reinigt sich auf diese Weise selbst. Das Fasten dient nicht nur der Heilung bereits ausgebrochener Krankheiten (z.B. Gelenkrheumatismus, Bluthochdruck, Allergien), sondern auch zur Vorbeugung von Erkrankungen - z.B. im Rahmen einer Frühjahrskur.

Saftfasten, Heilfasten, Teefasten, Olivenölfasten, Vulkanaschefasten

Eine ähnliche, aber wohl etwas reduzierte Wirkung bietet das Saftfasten. Es ist nicht unmöglich, dass stark angeschlagene bzw. dafür empfängliche Menschen anlässlich einer Fastenkur auch einen Gichtschub erleiden, der sich aber später nicht wiederholen sollte. Es gibt zahlreiche verschiedenartige "Fastenkuren".

Zuerst erwähne ich die von meinem Standpunkt aus zu vermeidende Fastenkur: Die Milchsemmelkur nach Franz Xaver Mayr, die er zur Behandlung von Leber-, Gallenblasen- und Magenbeschwerden, von Fettsucht, Rheuma und Hautleiden entwickelte. Die Einleitung erfolgt über eine Teekur. Anschliessend ist nur der Verzehr von Milch und Semmeln erlaubt. Tagsüber trinkt man Orangensaft, abends Kräutertee.

Beim Heilfasten nach Buchinger sind Tee, teilweise mit Honig oder Zitronensaft vermischt, Gemüsebrühe, Fruchtsaft und Wasser erlaubt. Buchinger verwendete diese Methode zur Krankheitsvorbeugung sowie bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Verdauungssystems, der Haut, der Gelenke, der Atemwege sowie bei Essstörungen.

Gemüsebrühe mit ihren Mineralstoffen und Leinsamenschleim wirkt heilend für die Darmwände. Beides zusammen befriedigt den Wunsch nach einer warmen Mahlzeit.

Das Teefasten sieht nur die Zufuhr von Tee und Wasser vor, wobei manche Teesorten den Heilzweck der Fastenkur unterstützen. Ohne besondere Empfehlung des Arztes setzen Sie die Teesorten Pfefferminz, Kamille und Melisse (Zitronenmelisse) ein.

In den USA ist das Olivenölfasten populär. Dabei nimmt man für einige Tage nur Wasser und zwei Esslöffel Olivenöl mit einem halben Glas Orangensaft zu sich. Das vier- bis fünfmal täglich.

Auch in den USA kommt das während sieben Tagen durchgeführte Vulkanaschefasten vor. Dabei nimmt man mehrmals pro Tag eine Kombination von Tonerde, Bentonit oder Bimsstein zusammen mit Flohsamen ein.

Zwei Gläser Pfefferminztee aus frischen Blättern. Schmeckt ausgezeichnet und fördert Gesundheit.© CC-0 1.0, congerdesign, Pixabay
Pfefferminztee aus frischen Blättern schmeckt ausgezeichnet und fördert die Gesundheit. Kamille ist noch besser für Heilwirkungen bekannt, jedoch unbeliebter. Da ist Melissentee schon mehr gefragt.

Falls sich kurz nach dem Fastenbrechen kein regelmässiger Stuhlgang einstellt, helfen Wassereinläufe nach. Fastenbrechen nennt man auch Abfasten, was man am besten mit einer halben Banane beginnt, um dann eine sog. Schonkost als Übergang zu wählen. Schonkost ist eine leicht verdauliche Kost, die durchaus auch roh sein kann.

5. Alternative: Saftfasten

Eine andere, leichtere Methode scheint mir die Einnahme von Apfelessig, kombiniert mit Saftfasten. Grund: Das im Apfelessig enthaltene und für die Synthese von Fettsäuren erforderliche Biotin sorge für die Sanierung des Darms.

Apfelessig spüle die an den Darmschleimhäuten hängenden Schlackestoffe aus und schütze durch seine antiseptischen Wirkelemente den Darm vor Infektionen. Zudem sauge das Pektin die aus der Fäulnisbildung entstehenden Giftstoffe auf, bevor sie in das Blut gelangen.

Empfohlen sind zwei Teelöffel Apfelessig in einem Glas Wasser, auch vermischt mit einem Saft aus Artischocken, Möhren, Rettich oder Roter Bete (Randen). Das Gemüse sollte roh sein, z.B. als Obstessig-Vinaigrette. Beim Saftfasten trinkt man reine Presssäfte aus Obst oder Gemüse und Kräutern. Das erfolgt morgens, mittags und abends oder in sechs kleineren Portionen über den Tag verteilt.

Saftfasten

Saftfasten soll zur Vorbeugung von Krankheiten, zur Blutreinigung, Anregung der Leber- und Nierenfunktion, Entlastung von Darm, Herz und Kreislauf und zum Abbau von Übergewicht geeignet sein.

Meine Meinung: Gutes Saftfasten genügt da, wo Personen nicht "zu viel sündigten", also schon vorgängig vegetarisch gelebt haben.

Vor allem empfehle ich Gemüsesäfte. Sie trinken also während etwa sieben Tagen einfach nur kaufbare Gemüsesäfte in jeder Menge. Diese sind aber meist pasteurisiert, also nicht roh.

Zusätzlich zum Saftfasten würde ich die erwähnte Kur mit Apfelessig durchführen. Damit umgehen Sie eine Darmreinigung mit Einläufen oder ein eigentliches Fasten, denn beides empfinden die meisten Menschen als unangenehm. Wichtig ist, dass Sie während dieser Zeit nichts essen.

Allerdings führten wohl die meisten Rohköstler vor der Umstellung keine Darmreinigung und auch kein Saftfasten durch, da sie nicht informiert waren. Ich versuche die Sachen jedoch möglichst gründlich anzugehen.

Entsaftungsmaschine Green Star mit verschiedenen geeigneten Gemüsen.© CC-by-sa 2.0, Ernst Erb, Foundation Diet and Health Switzerland
Gemüseentsafter (Saftpresse für Obst und Gemüse) gibt es in verschiedenen Versionen, angefangen vom Handgerät bis zu dieser recht teuren Maschine (aber älterer Bauart).

6. Die Variante von Robert Gray

Eigentlich bin ich gegen ein Verfahren, bei dem der Autor noch Zutaten oder Tabletten verkauft. Nach dem Lesen des Büchleins "Das Darmheilungsbuch, Gesundheit durch Kolon-Sanierung" von Robert Gray komme ich aber zum Schluss, dass er die Sache mit einigen Jahren Aufwand betrieben und gut durchdacht hat. Seine Methode vermeidet Darmspülungen.

Auch wenn er einige für mich zweifelhafte Schlüsse zieht (z.B. Lymphschleim) oder Verfahren beschreibt, denen ich skeptisch gegenüberstehe, stelle ich seine Methode hier etwas detaillierter vor. Ein Beispiel für meine Skepsis ist die von ihm genannte Augendiagnose bzw. Irisdiagnostik (Iridologie).

Ein einfaches, aber wirkungsvolles Verfahren für "gestressten Westmenschen"

Gray bietet dem "gestressten Westmenschen" ein einfaches, aber wirkungsvolles Verfahren an. Dabei geht er davon aus, dass in der heutigen Zeit aufgrund der Umweltbelastungen und des hohen Anteils an tierischen Produkten in unserer Ernährung die Darmfunktion der meisten Menschen stark gestört ist. Hierbei lagern sich nach seiner Meinung gummiartige, zähfeste Beläge an den Darmwänden ab, die Gärungsprozesse begünstigen und die Assimilation behindern.

Sein Darmreinigungs- und Heilungskonzept beruht hauptsächlich auf drei Faktoren:

  • Anregung der Lymphtätigkeit durch Bürstungen u.ä.;
  • Meidung von "verschleimenden" und verschlackenden Nahrungsmitteln
  • und Anwendung von zwei Kräuterspezialpräparaten, die Schlacken lösen und binden.

Am Schluss finden Sie eine einfach zu befolgende Anweisung.

Gray ist der Überzeugung, dass der Dickdarm das Hauptorgan für die Ausscheidung mukoider Substanzen (schleimbildend) aus der Lymphe ist und beschreibt dies mit der Anmerkung: Auch wenn diese Idee in orthodoxen Medizinerkreisen neu sein sollte. [R. Gray, Das Darmheilungsbuch - Gesundheit durch Kolon-Sanierung, Stuttgart 2010, S. 38]

Er begründet dies auch mit seiner Beobachtung, dass nach einer manuellen Lymphdrainage oder Bürstenmassage grosse Mengen von hellen, mukoiden Substanzen im Dickdarm auftreten.

Mukoider Schleim

Schon Dr. Olszewski beobachtete die Anregung des Lymphflusses und den Rückfluss von der Lymphzisterne (Cisterna chyli) zurück in den Dickdarm durch Bürstenmassage (Reflexus chyli, engl. Chyle).

Gray erklärt:

Ebenso wie tote Nahrungsmittel regen auch hoch toxische Substanzen wie Kaffee, Zucker, Alkohol, verdorbenes Essen, Drogen, Medikamente und Chemikalien die automatische Abgabe von Schleim im Verdauungssystem an. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus, um die Aufnahme von Giften zu verhindern.

Er folgert in [Das Darmheilungsbuch = Ausgabe Knaur, S. 30]: Ich trete nicht dafür ein, dass jeder eine völlig schleimfreie Kost essen sollte. Das wäre natürlich empfehlenswert, aber die meisten Menschen würden sich nicht daran halten. Wie recht er hat!

Als Schleim bezeichnet er Muzine (Mucine), Kolloide, gewisse Mukopolysaccharide (Glykosaminoglykane, GAG), Mukoproteine, Glykoproteine und andere Stoffe, die sich in Atmungsorganen, dem Verdauungstrakt (Darmschleimhaut), dem Lymphsystem (lymphatisches System), der Gebärmutter, der Scheide, dem Harnsystem (ableitende Harnwege), dem Bindegewebe etc. bilden. Dies statt der nicht klebrigen Substanzen, die u.a. für Gleitfähigkeit sorgen wie der Speichel [Das Darmheilungsbuch - Gesundheit durch Kolon-Sanierung, Stuttgart 2010, S. 58].

Mukoider Schleim sei auch in der inneren Schicht der Gelenkkapseln möglich.

Gray betont, dass vor allem die Kuhmilch und entsprechende Erzeugnisse mukoidbildend seien, nicht nur Fleisch. Unter der Pflanzennahrung nehmen Sojaprodukte diese Rolle ein, die ja ebenfalls sehr schnell verderben. Danach kommen die Hülsenfrüchte, gefolgt von Getreide ohne Hirse.

Beim Keimvorgang soll Getreide die mukoidbildende Aktivität verlieren. Gemüse und Früchte seien praktisch frei von mukoidbildenden Aktivitäten [Ebenda, S. 65].

Gewisse Hefepräparate lehnt er wegen der bis zu 50 % darin enthaltenen Molke ab.

Tabakrauchen, Utensilien für die verschiedenen Arten ausser Zigarette.© CC-by 3.0, 0r14nd0, Wikipedia
Verschiedene Utensilien für Tabakraucher: 1 – Zigarrenkiste; 2 – Zigarre; 3 – verschiedene Pfeifen; 4 – Shisha (Wasserpfeife); 5 – Räucherstäbchen; 6 – Bong.

Allerdings erwähnt er auch die verschmutzte Luft als mukoidbildend, z.B. beim Passivrauchen. Er empfiehlt, die Luft mit negativen Ionen anzureichern, welche die Schwebestoffe und Mikroorganismen "aus der Luft entfernen" sollen. Besonders Klimaanlagen, Heissluft, fallender Luftdruck und trockene, heisse Winde erzeugen einen Überschuss an positiven Ionen, was bei empfindlichen Menschen zu Asthma- oder Heuschnupfenanfällen führt.

Grays Mischung aus Kräutern und Samen soll bewirken, dass die alten, verhärteten Rückstände im Darm aufquellen und ihn verlassen. Zudem fördern sie im Darm die Vermehrung der Laktobakterien (Milchsäurebakterien). Als Laktobakterien gelten diese Mikroorganismen, weil sie vorwiegend auf, Früchten und Gemüse vorkommen und darum später auch in der Milch erscheinen.

Laktobakterien ernähren sich von Kohlenhydraten, während Fäulnisbakterien von Proteinen leben. Fäulnisbakterien gedeihen nicht im sauren Milieu, das Laktobakterien erzeugen, doch setzen Fäulnisbakterien Ammoniak frei, das Säure neutralisiert.

Wenn die Laktobakterien überwiegen, sorgen sie für häufigeren Stuhlgang, bis zu mehr als einmal pro Tag. Das ist ein gutes Zeichen, solange der Stuhl noch etwas geformt ist, aber leicht oder selbständig auseinanderbricht, da frei von Mukoiden.

Das Gegenteil: Wenn jedoch der Körper zu dem Zeitpunkt, wo die Nahrungsrückstände in den Dickdarm gelangen, fast alle Kohlenhydrate aus der Nahrung aufgenommen hat, kann eine gesunde Population von Laktobakterien dort nicht existieren, und die Fäulnisbakterien werden dominieren. Dazu kann es kommen, weil Proteine, die Nahrung der Fäulnisbakterien, sehr viel schwerer zu verdauen und zu assimilieren sind als Kohlenhydrate und daher immer in den Nahrungsrückständen präsent sein werden. [Ebenda, S. 73]

Mit Lebensmitteln, die ungekocht dem Körper nicht alle Kohlenhydrate zur Verfügung stellen, wirkt man dem wirkungsvoll entgegen.

Die Zwiebel ist da an erster Stelle zu erwähnen. Sie und viel Rohes sind vielleicht die eigentlichen Gründe, dass "mediterrane Ernährung" als besonders gesund gilt. Im griechischen Salat darf die Gemüsezwiebel nicht fehlen. Aber auch rohe Kartoffeln sind nicht nur magenschonend, sondern erfüllen den gleichen Zweck. Allerdings sollte man beides nicht übertreiben und täglich etwa eine dieser "Einheiten" essen. Siehe auch unter Kartoffelsaft (roh).

Faserstoffe (Ballaststoffe) wirken gleich und senken zudem die Blutfettwerte. Von Kleie hält Gray nicht viel, da die Anwesenheit von Phytin (Phytinsäure) bei Vollkornbrot Kalziummangel hervorruft. Er schreibt auch: Die Wissenschaft ist der Ansicht, dass Phytin auch die Resorption von Eisen und Zink behindert. Die im Handel befindliche Weizenkleie enthält gewöhnlich über 80 % des im vollen Korn enthaltenen Phytins. [Ebenda, S. 78]

Gemäss Gray bestehen die Schleimschichten in erster Linie aus Glykoproteinen (Mucine, nicht Glycoproteine), die spezielle, schleimabsondernde Zellen in der Schleimhaut (Tunica mucosa, Mukosa) der Magen- und Darmwand bilden. Dieser Schleim entsteht, um die Schleimhaut vor unverträglichen Säuren zu schützen und die basischen Gallen- und Pankreassäfte (Bauchspeicheldrüse) entfernen ihn wieder.

Erst wenn ständig Säuren den Darm belasten, was bei den heutigen Essensgewohnheiten der zivilisierten Welt der Fall sei, verfestige sich dieser Schleim zu einem festen Film, der in mehreren Schichten Magen und Darm überziehen soll.

Er schliesse verschiedenste Toxine mit ein, beispielsweise Medikamente, Schwermetalle, Halbverdautes, Pestizide usw. Wenn man die toxische Zusammensetzung dieser Mucoid-Schleimschichten kenne, wundere man sich nicht über die manchmal erstaunlichen Erfolge beim Entfernen der Mucoid-Schleimschichten.

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