Wie Sie über eine purinbewusste Ernährung Gicht und Harnsteinen entgegenwirken – oder Ihren Gesundheitszustand verbessern. Die Version für Fachleute.
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Sie lesen die Fassung mit Studiendetails und Therapiehinweisen für Fachleute. Mit diesem Link kommen Sie zur leserfreundlichen Kurzfassung. Die 75 Quellen, meist wissenschaftliche Studien, gelten für beide Beiträge.
Seit Jahrzehnten stellt die Ernährungswissenschaft einzelne Stoffe in den Mittelpunkt – oft zulasten ganzheitlicher Zusammenhänge. Selbst auf Makronährstoffe wie Proteine, Kohlenhydrate und Fette trifft das zu. Dazu kommen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Purine finden dabei kaum Beachtung, obwohl sie zu den Grundbausteinen des Lebens gehören. In Wahrheit erfüllen sie lebenswichtige Funktionen im zellulären Stoffwechsel. Jede Körperzelle ist auf eine stabile Verfügbarkeit von Purinen angewiesen. Die wichtigsten Aufgaben von Purin erläutern wir kompakt in Teil 1.
Die Ernährungslehre diskutiert Purine praktisch nur im Zusammenhang mit Krankheiten, die aus ihrem Abbauprodukt entstehen: der Harnsäure. Sobald zu viel Harnsäure im Blut akkumuliert (Hyperurikämie), steigt das Risiko für Gicht. Erhöhte Werte im Urin begünstigen die Bildung von Harnsäuresteinen, besonders bei saurem Urin. Problematisch wirken in beiden Fällen ein Übermass an purinreicher Nahrung - ebenso ein gestörter Abbau oder eine geringere Ausscheidung.17,57
Ein Purinmangel im Körper manifestiert klinisch oft unspezifische Symptome und tritt im medizinischen Alltag kaum auf. Deshalb scheinen Studien, die auf einen Mangel an Purin aus der Ernährung hinweisen, praktisch nicht zu existieren. Hinzu kommt: Solange der Körper funktioniert, produziert er selbstständig genug Purine, um den Bedarf zu decken. Seltene Ausnahmen stellen genetische Defekte dar, die wir weiter unten beschreiben.
Ein häufiger Grund für Verwirrungen liegt in der Verwechslung von Purinen mit Proteinen. Zwar gehen Purin- und Proteinreichtum in Lebensmitteln oft einher, aber beide Stoffe erfüllen unterschiedliche Funktionen im menschlichen Organismus.
In diesem Artikel erklären wir Ihnen:
Wer gezielt nach Rezepten mit moderatem oder geringem Puringehalt sucht, gelangt über das Inhaltsverzeichnis direkt zu Haupttitel 5. Mit dem Haupttitel 4 finden Sie purinarme Ernährung definiert. Alles davor erläutert die Bedeutung der Purine - inkl. Aufnahme, Nutzung und Abbau. Ein weiterer Titel behandelt potenzielle Probleme im Zusammenhang mit Purinen. Bei besonderem Interesse klicken Sie auf die beiden schrägen Pfeile oben rechts unter der Navigationsleiste. So öffnen Sie alle ClickFor mit ausführlicheren Erklärungen der Zusammenhänge.
Purine bilden das Grundgerüst für die sogenannten Purinbasen Adenin und Guanin. Diese Purinbasen zählen zu den stickstoffhaltigen organischen Molekülen. Als Bestandteile universeller Energieträger, Signalmoleküle und Coenzyme steuern Purine zentrale biochemische Prozesse der Zelle. Zudem dienen sie als Bausteine der Erbinformation:1,3,56
Adenin und Guanin binden an Pyrimidinbasen (wie Cytosin, Thymin oder Uracil). Gemeinsam formen sie die Struktur von DNA und RNA (Nukleinsäuren). Sie tragen damit unsere genetische Information. Säugetierzellen enthalten rund 0,3 % DNA und 1 % RNA. Bekannt ist, dass ca. 50 % der Basen der DNA und RNA aus Purinen bestehen. Resultat: Eine Trockenmasse von rund 0,65 % an Purinen.
Wichtiges Detail: Im klinisch-ernährungswissenschaftlichen Kontext steht "Purine" als Allgemeinbezeichnung für alles, was im Stoffwechsel zu Harnsäure führt - Adenin und Guanin eingeschlossen. Pyrimidinbasen gehen ebenfalls unspezifisch als "Pyrimidine" durch.
Proteine zählen hingegen zu den Makronährstoffen und bestehen aus Aminosäuren. Sie übernehmen Aufbau und Erhalt von Gewebe – Muskeln, Haut, Organe. Daneben agieren sie als Enzyme für Stoffwechselreaktionen sowie als Hormone und Bestandteile des Immunsystems. Ohne Proteine kann der Körper keine Muskeln aufbauen, keine biochemischen Reaktionen steuern und keine Immunabwehr betreiben.8
Da der Körper Purine selbst bilden und wiederverwerten kann, gelten sie nicht als essenziell - im Gegensatz zu gewissen Aminosäuren (siehe weiter unten). Einzelheiten zu Purinsynthese und -recycling finden Sie unter dem Haupttitel Aufnahme, Nutzung und Abbau.
Purine kommen häufig in proteinreichen Lebensmitteln vor.38 Bei ihrem Abbau spielen dieselben Organe eine wichtige Rolle: Leber und Nieren.
Wissenswertes:
Fast jeder weiss heute über Proteine Bescheid, kaum jemand über Purine. ForscherInnen entdeckten beide Stoffklassen im 18. Jahrhundert. Nahezu zeitgleich – in gänzlich unterschiedlichen Zusammenhängen. Die eine Linie führte zur Protein-Chemie, die andere zur Erforschung der Purine. Der historische Forschungsüberblick ist als ClickFor untergebracht. Nur wer spezielles Interesse mitbringt, klickt ✓ Meilensteine der Forschung... und ✓ Überblick zur Erforschung.
Die folgenden Angaben stammen von Eric Martz als Zusammenfassung des Buchs A History of Proteins.4
1789: Antoine Fourcroy unterscheidet verschiedene Eiweisskörper wie Albumin, Fibrin, Gelatine und Gluten.
1809: Asparagin, Erkennung der Zugehörigkeit zu Proteinen 1873; Hydrolyse seit 1932.
1819: Leucin, erste isolierte Aminosäure.
1837: Gerrit J. Mulder bestimmt die Elementarzusammensetzung mehrerer Proteine. Er erkennt eine gemeinsame Grundsubstanz. Für Fibrin und Eiklar formuliert er die empirische Formel C400H620N100O120P1S1.
1838: Jacob Berzelius prägt den Namen Protein aus dem griechischen proteios zur Bezeichnung der grundlegenden Substanz tierischen Ursprungs.
1902: Emil Fischer und Franz Hofmeister entdecken unabhängig die Peptidbindung (Verknüpfung von Aminosäuren zu Proteinen).
1907–1908: Komitees in England und den USA standardisieren den Begriff Protein. Sie empfehlen, den Begriff Proteid nicht zu verwenden. Dazu kommen Definitionen von Albuminen, Globulinen, Glutelinen und Histonen anhand ihrer Löslichkeit.
1920: Hermann Staudinger erreichte das Narrativ der Existenz stabiler Makromoleküle. Das stand im Gegensatz zur damals populären Vorstellung, Proteine bestünden aus lockeren Kolloidsverbänden kleinerer Moleküle.
1926: J. B. Sumner kristallisiert ein Enzym, die Jackbohnen-Urease.
1934: J. D. Bernal und Dorothy Crowfoot Hodgkin erzielen das scharfe Röntgenbeugungsmuster eines kristallinen Proteins (Pepsin). Sie bestätigen die kompakte globuläre Form sowie die Bedeutung von Wasser für die Konformationsstabilität.
1936: Identifizierung von Threonin, der zwanzigsten Aminosäure. 18 Aminosäuren lagen 1903 vor, Methionin 1922.
1951: Frederick Sanger sequenziert die β-Kette des Insulins.
1958: John C. Kendrew und Mitarbeiter veröffentlichen eine nieder auflösende Kristallstruktur von Myoglobin. Das ist die erste 3D-Struktur eines gefalteten Proteins.
Vorarbeiten arabischer und europäischer Alchemisten schufen die Grundlagen der experimentellen Chemie. Sie erwähnten nur Harnsalze, keine Reinstoffe. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts begannen Chemiker, organische Substanzen als Reinstoffe zu isolieren. Hilaire-Marin Rouelle (1718-1779) stellte 1773 (oder 1774) Harnstoff aus menschlichem Urin her. Die Beschreibung im Journal de Médecine, Chirurgie et Pharmacie gilt als erste nachweislich isolierte organische Verbindung. Das war der Start der organischen Chemie.
Der schwedische Apotheker und Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) isolierte 1776 Harnsäure aus Urin und Harnsteinen. Das ist das Abbauprodukt der Purine. Unabhängig davon entdeckte er den Sauerstoff.4
Die Erforschung der Purine verlief anfänglich zufällig. Ihre schlecht lösliche Harnsäure kristallisierte leicht aus biologischen Flüssigkeiten. Das erleichterte ihre Isolierung. 1817 identifizierte Alexander Marcet Xanthin in Harnsteinen. Burnstock & Verkhratsky (2012) nennen hingegen Leonard Albrecht Kossel als "Entdecker" von Xanthin (1879). Danach wies er Adenin und Hypoxanthin nach.5 Er isolierte zudem die Nukleinbasen Adenin, Guanin, Thymin, Cytosin und Uracil. Heinrich Gustav Magnus (1844) und Franz Unger (1846) beschrieben Guanin in Vogel- und Fischabfällen. 1850 isolierte Johann Joseph von Scherer Hypoxanthin (damals "Sarkin") aus Milz- und Herzmuskelgewebe. Es war die erste Beschreibung dieser Base als eigenständige Substanz. Viel später entdeckte er Xanthin, die nächste Abbaustufe.3,5
Albrecht Kossel deutete zwischen 1891 und 1893 die Funktion dieser Basen neu. Er isolierte erneut Hypoxanthin, Xanthin und Adenin aus Zellkernen und erkannte sie als Nukleinbasen. Er nannte sie "basische Körper". Kossels Arbeiten legten das Fundament für das Verständnis der DNA-Struktur. Dafür bekam er 1910 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Emil Fischer prägte den Begriff "Purine" und beschrieb zwischen 1882 und 1906 die Chemie dieser Verbindungen systematisch. Er erhielt 1902 den Nobelpreis für seine Arbeiten über Purine und Zucker.3,6 Dieser Preis existiert seit 1901.
1885 beschrieb Adolf Pinner die Pinner-Kondensation/Synthese. Eine wichtige Methode zur Synthese von Pyrimidinen. Im nächsten Schritt versuchten Forschende, den Zuckeranteil der Nukleoside und Nukleotide zu bestimmen. Phoebus Aaron Levene löste diese Aufgabe schliesslich 1908-1931.5
Hinweis: Frühere Darstellungen nennen teils andere Entdecker oder spätere Zeitpunkte. So etwa Ludwig und van Langenbeck oder die "1940er Jahre". Wir fanden in der historischen Fachliteratur keine Belege für entsprechende Angaben. Nach heutigem Stand gelten Marcet (1817) für Xanthin und von Scherer (1850) für Hypoxanthin als gesicherte Erstbeschreibungen.
In der breiten Bevölkerung bekamen Proteine schnell einen positiven Ruf. Muskelaufbau und Leistungsfähigkeit zählen zu den sichtbaren und verständlichsten Vorteilen ausreichender Proteinzufuhr. Purine dagegen wirken im Verborgenen – u.a. als DNA- und RNA-Bausteine. Zudem ermöglichen sie dem Körper, seine Energie zu nutzen.1 Diese Funktionen wirken für Laien oft schwer zugänglich und bleiben deshalb unbeachtet. Trotzdem: Als Teile der DNA liefern Purine die wichtigste Struktur überhaupt.
Zwar zementierten Emil Fischers Erkenntnisse Purine im Forschungsinteresse (siehe ClickFor). Sie blieben allerdings im Schatten der Protein-Forschung. Selbst der Begriff "Protein" bezeugt dies: Er basiert auf dem griechischen Wort proteios und bedeutet "grundlegend", "vorrangig" oder "von erster Bedeutung".6 Die Bezeichnungen "Proteine" und "Eiweisse" kursieren seit 1838 in der Wissenschaftssprache.
Die Strukturvielfalt der beiden Stoffgruppen fällt sehr unterschiedlich aus. Proteine entstehen aus zahlreichen Aminosäuren mit stark variierenden Eigenschaften. Für den menschlichen Organismus gelten 21 Aminosäuren als relevant (proteinogene Aminosäuren). Purine dagegen bestehen nur aus den beiden Basen Adenin und Guanin – und einigen Derivaten. Dieses schmale Spektrum erklärt, warum Ernährungswissenschaft und Öffentlichkeit Purine kaum als eigenständige Nährstoffklasse wahrnahmen.
Proteine stehen seit dem 19. Jahrhundert im Zentrum der Ernährungslehre. Der menschliche Organismus kann 11 bis 12 Aminosäuren selbst herstellen (je nach Einteilung).7 Die andere Hälfte nennen wir essenzielle Aminosäuren. Diese Aminosäuren benötigt der Körper über die Nahrung, zumindest teilweise. Zur Versorgung Erwachsener gelten folgende Aminosäuren als essenziell: Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin und Histidin. Letzteres war früher nicht als essenziell eingestuft. Tatsache ist: Nur Lysin und Threonin benötigt der Körper vollständig über die Nahrung. Er vermag sie nicht zu transaminieren.8
Purine stellt der menschliche Körper zu ca. 2/3 selbst her und nimmt den Rest mit der Ernährung auf.59 Über den De-novo-Syntheseweg kann der Körper Purine von Grund auf neu synthetisieren. Das bedeutet chemische Herstellung komplexerer Moleküle aus einfachen Grundbausteinen. Der Organismus benötigt dazu keine vorhandenen Purinbasen. Er baut sie aus Ribose-5-Phosphat, gewissen Aminosäuren, CO2 und Formylgruppen auf.1 Deshalb existiert keine "essenzielle Purinbase", die zwingend aus der Nahrung nötig ist. Diese Autarkie unterscheidet Purine grundlegend von den Aminosäuren.
Das Thema Purine taucht fast ausschliesslich im Kontext von Krankheiten wie Gicht oder Harnsäuresteinen auf. Dadurch erhielten diese Stoffe ein negatives Image. Denn ein chronischer Überschuss an Purinen führt in der Regel zu erhöhten Harnsäurespiegeln (Hyperurikämie bzw. Hyperurikosurie). Ersteres lässt primäre Gicht entstehen oder fördert sie.59
Diese Krankheit galt in der Antike als Krankheit der Könige.21 Heute verstehen wir sie als klassische Lifestyle-Erkrankung. Sie ist eng verknüpft mit einer hohen Aufnahme von purinreichen Lebensmitteln, primär aus Fleisch und Innereien, und mit Alkoholkonsum. Weitere modulierende Faktoren wie körpereigene Synthese und Probleme bei der Ausscheidung leisten dabei einen entscheidenden Beitrag.38,39,57,58 Details diskutieren wir weiter unten beim Haupttitel Purinstoffwechselstörungen als Krankheitsursache.
Diese Ausführungen schliessen wir mit einem kurzen Faktencheck und einem Ausblick auf kommende Themen (siehe Kasten).
Purine und Harnsäure: die wichtigsten Fakten
✓ Purine erfüllen zentrale Funktionen als Purinbasen für DNA und RNA. Zudem steuern sie Energie (ATP/GTP) und fungieren als Coenzyme (NAD⁺, FAD).
✓ Der Körper synthetisiert Purine selbstständig über die De-novo-Synthese oder recycelt sie mit dem Salvage-Weg. Zusätzlich nimmt er Purine über die Nahrung auf.
✓ Nicht rezyklierte Purine aus Zellabbau und Nahrung baut u.a. die Leber zu Harnsäure ab. Die Niere scheidet sie aus. Eine dauerhaft purinreiche Ernährung überlastet hauptsächlich die Nieren - und die Leber leistet aufgrund von metabolischem Stress belastende Mehrarbeit.
✓ Ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut fördert Gicht, jener im Urin Harnsäuresteine.
✓ Purine aus tierischen und pflanzlichen Quellen wirken unterschiedlich. Entscheidend ist nicht nur der Gehalt, sondern das gesamte Nährstoffumfeld.
✓ Fleisch, Fisch und Algen enthalten die höchsten Mengen; Gemüse, bestimmte Pilze und Hülsenfrüchte meist wenig Purin pro Energieeinheit. Ausnahmen beachten!
✓ Früchte, Samen und Nüsse enthalten wenig Purin (pro kcal) und passen ideal in eine purinbewusste Ernährung.
Aufnahme: Neben der körpereigenen Synthese nimmt unser Körper Purine als Bestandteile von Nukleinsäuren (DNA und RNA) über die Nahrung auf – primär im Dünndarm. Dort zerlegen pankreatische Nukleasen DNA und RNA in kleinere Abschnitte. Bürstensaum-Enzyme greifen diese auf und spalten sie weiter zu Nukleotiden, Nukleosiden und freien Basen. Einige gelangen direkt in die Blutbahn, andere erfahren zusätzliche Umwandlungen im Mikrobiom.9
Beim Menschen erfolgt die Aufnahme von Purin-Nukleosiden und freien Basen aus dem Dünndarm über die Enterozyten ins Blut. Das geschieht durch mehrere Transporter - aktiv und passiv. Details dazu:10,42
Der Körper nimmt Purine fast vollständig ins Blut auf, wenngleich er sie nicht sofort benötigt. Diese Strategie wirkt verschwenderisch. Evolutiv ergibt das Sinn: In Zeiten von Nahrungsmangel war es günstiger, alles Wertvolle aufzunehmen, statt etwas ungenutzt auszuscheiden. Die aufgenommenen Purine gelangen über Kapillaren, Venolen und Venen zur Pfortader (Vena portae). Sie führt das Blut zur Leber.
Nutzung: In der Leber nutzt der Körper Purine für mehrere zentrale Aufgaben. Er baut damit DNA und RNA auf. Zudem bildet er daraus Energieträger wie ATP und GTP sowie Signalstoffe wie cAMP.
Zusätzlich zur Nahrungsaufnahme recycelt der Körper Purine über den Salvage-Weg (engl. to salvage = retten, wiederverwerten). Er ermöglicht es Zellen, aus den Abbauprodukten von Nukleinsäuren (wie Purinbasen) wertvolle Moleküle (Nukleotide) wiederzugewinnen. Damit deckt er einen Teil des Bedarfs ohne Neusynthese.2 So gewinnt der Körper unmittelbar Nutzen aus den aufgenommenen Substanzen. Die grundlegenden Funktionen erläutern wir weiter oben unter Was bedeuten Purine, Proteine und Aminosäuren?
Zusammengefasst bedeutet das: Der zelluläre Vorrat an Purinen entsteht aus körpereigener Synthese, Nahrungspurinen und internem Recycling.
Übersicht der Funktionen von Purin im Körper
1. Erbsubstanz: Bausteine von DNA und RNA
2. Energie: Träger in ATP und GTP
3. Signale: Botenstoffe cAMP und cGMP
4. Coenzyme: Bestandteile von NAD⁺ und FAD
Abbau: Sobald der Körper mehr Purine und Aminosäuren (Proteine) erhält, als er benötigt, erfolgt deren Abbau. Der Purinabbau beginnt mit der Bildung von Nukleosiden (Adenosin, Inosin und Guanosin). Das bedeutet lediglich die Entfernung der Phosphatgruppen. Die Adenosindeaminase deaminiert Adenosin zu Inosin. Die Purinnukleosidphosphorylase spaltet Guanosin und Inosin in die Purinbasen Hypoxanthin und Guanin. Die Guanindeaminase (GDA) wandelt Guanin in Xanthin um. Anschliessend oxidiert die Xanthinoxidoreduktase die Purinbasen Hypoxanthin und Xanthin (Oxipurine) zu Harnsäure.11,12
Beim Menschen und bei Primaten stellt Harnsäure das Endprodukt des Purinstoffwechsels dar. Bei den meisten anderen Säugetieren katalysiert das Enzym Uricase den Abbau von Harnsäure zu Allantoin.11
Harnsäure entsteht primär in der Leber und in anderen Geweben. Von dort gelangt sie ins Blutplasma. Das Blut durchfliesst die Niere, wobei diese die Harnsäure herausfiltert (Primärharn). Die Niere steuert die Ausscheidung von Harnsäure über Reabsorption und Sekretion. Dieses fein abgestimmte System bestimmt, wie viel Harnsäure im Körper verbleibt. Etwa zwei Drittel der Harnsäure scheidet die Niere aus, der Gastrointestinaltrakt ein Drittel. Dabei transportiert der Darm die Harnsäure aktiv aus dem Blut ins Darmlumen, also ins Darminnere (extra-renaler Weg). Danach erfolgt die Ausscheidung.12
Die intestinale Harnsäureausscheidung läuft hauptsächlich über den Transporter ABCG2. Er überführt aktiv Harnsäure aus dem Blut ins Darmlumen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion übernimmt dieser Weg eine kompensatorische Rolle. Er kann einen Grossteil der Harnsäureausscheidung leisten.13 Schweiss enthält geringe Harnsäuremengen. Für Speichel ist diese Funktion kaum nachgewiesen. Der Nachweis im Speichel ist sehr schwach belegt. Ein Teil der Harnsäure gelangt theoretisch ebenfalls ins Lymphsystem, da sie aus interstitiellem Plasma entsteht. Dies ist bisher ein unerforschtes Gebiet, weshalb wir hier nicht weiter darauf eingehen.
Überschüssige Aminosäuren zerlegt die Leber ebenfalls. Dabei spaltet sie den überschüssigen Stickstoff als Ammoniak (NH₃) ab. Sie fixiert ihn im Harnstoffzyklus und scheidet den Harnstoff über die Nieren aus.14
Abbauwege: Purine vs. Aminosäuren
Purine = DNA/RNA-Bausteine
Leber wandelt diese zu Harnsäure (Purinstoffabbau)
Ausscheidung: 2/3 Niere (Urin); 1/3 Darm (Kot)
Zu viele Purine führen zu Gicht und Harnsäuresteinen.
Aminosäuren = Proteinbausteine
Leber wandelt diese zu Harnstoff (Harnstoffzyklus)
Ausscheidung: Niere (Urin)
Zu viele Aminosäuren (Proteine) führen zur Überlastung von Leber und Niere und begünstigen Erkrankungen an diesen Organen.
Wer die Abbaumechanismen von Purin und Protein versteht, erfasst den Zusammenhang unmittelbar. Eine chronisch erhöhte Zufuhr von purin- und proteinreichen Lebensmitteln belastet den Stoffwechsel. Je mehr davon wir zuführen, desto stärker arbeiten Leber und Nieren. Diese Organe erlauben keine Anpassung via Training. Leber und Nieren verfügen – anders als Muskeln – nur über begrenzte Regenerations- und Leistungsreserven. Einzelne Episoden kompensiert der Organismus problemlos – Dauerbelastung verkürzt ihre Lebenszeit. Daher führt eine eiweiss- und purinreiche Ernährung nicht zur Stärkung, sondern zur Abnutzung von Leber und Nieren. Dies ist nicht nur bei genetischer Vorbelastung oder Vorerkrankungen ein Problem. In Kombination mit weiteren Nachteilen chronisch ungesunder Ernährung nehmen diese Auswirkungen auch bei gesunden Menschen zu.52
Während für die Proteinzufuhr minimale und maximale Grenzbereiche existieren, fehlen für den Purinkonsum vergleichbare Richtwerte. Aus offensichtlichen Gründen: Der Körper reguliert den Harnsäurespiegel über mehrere komplex verknüpfte Stoffwechselprozesse. Weitere Informationen dazu lesen Sie unter den nachfolgenden Texttiteln.
Viele Menschen hoffen, mit bestimmten Lebensmitteln (z.B. Spargel oder Petersilie) oder mit höherem Wasserkonsum ihre Nieren zu reinigen. Doch deutlich mehr zu trinken, als der Körper wirklich benötigt, ist ungesund für die Nieren.
Die Kohortenstudie von Wagner et al. (2022) beobachtete Menschen mit bestehender chronischer Nierenerkrankung. Bei ihnen kam eine U-förmige Beziehung zwischen Flüssigkeitszufuhr und Fortschreiten der Erkrankung vor. Das heisst: Zu geringe (< 1 l/Tag) und zu hohe (> 2,5 l/Tag) Flüssigkeitsaufnahmen beschleunigten den Funktionsverlust. Für Gesunde gibt es bisher keine vergleichbaren Daten.15
Wichtiger als der Versuch, die Nieren zu "reinigen", ist es, sie nicht zu überlasten. Es gilt, den Purin- und Eiweisskonsum bewusst zu senken. Zudem nicht zu wenig und nicht zu viel Wasser aufzunehmen. Es kommt auf das Essen und das Verhalten an, wie viel Flüssigkeit als Getränk zu empfehlen ist. Nur Junkfood verlangt nach den hohen Trinkmengen, die heute interessierte Kreise fordern. Hinweise dazu finden Sie unter dem Titel Puringehalt in Lebensmitteln.
Der Magen-Darm-Trakt stellt neben der renalen Exkretion einen wichtigen Ausscheidungsweg für Harnsäure dar. Gesunde Darmbakterien tragen wesentlich zum Abbau von Harnsäure bei. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation des Purinstoffwechsels. Zudem stabilisieren sie unseren Harnsäurehaushalt. Aktuelle Studien analysieren die Wechselwirkungen zwischen Mikrobiom und Harnsäurestoffwechsel. Deren Ziel ist die Entwicklung spezifischer Therapien auf mikrobiologischer Basis.52
Kasahara K et al. (2023) und Liu Y et al. (2023) belegen, dass verschiedene Darmbakterien über anaerobe Abbauwege Purine im Darm abbauen. Sie senken damit die Harnsäurelast. Dabei wandeln die Bakterien Harnsäure zu Laktat und kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) um. Diese Metabolite (Stoffe) kann der Körper ausscheiden oder nutzen. Laut Liu Y et al. (2023) kompensiert dieser mikrobielle Abbau den evolutionären Verlust des Enzyms Uricase beim Menschen. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren kann der Mensch Harnsäure nicht zu Allantoin umwandeln (siehe oben).47,48
Nur 20 % der Bakterienarten im Darm bauen Harnsäure aktiv ab. Ein Mangel an diesen Darmbakterien kann zu erhöhten Harnsäure-Konzentrationen in Stuhl und Blut führen.48 Antibiotika stören die Darmflora, verschärfen die Hyperurikämie und erhöhen das Gichtrisiko.49
Eine Untersuchung von Li M et al. (2023) an Mäusen dokumentiert, dass vorwiegend Probiotika die Serum-Harnsäurewerte senken, etwa Milchsäurebakterien. Das erfolgt via enzymatischen Abbau von Nukleosiden und Harnsäure. Im Gegensatz dazu führt eine Dysbiose zur Ansammlung von Harnsäure und fördert entzündliche Prozesse. Dieser Begriff beschreibt eine Darmflora mit einem Übergewicht an pathogenen Keimen.50 Ebenfalls wichtig für ein gesundes Darmmikrobiom ist eine ballaststoffreiche Ernährung. Eine faserfreie Diät hat einen anhaltend erhöhten Harnsäurespiegel zur Folge, wie die FARMM-Studie (Food and Resulting Microbial Metabolites) nachwies.48,51
Fazit: Ballaststoffreiches Essen und Probiotika stärken die Darmflora. Eine intakte Mikrobiota unterstützt den Abbau von Harnsäure. Dies begünstigt einen ausgewogenen Harnsäurespiegel im Körper.52
Störungen im Purinstoffwechsel führen zu sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern. Einige treten häufig auf und betreffen Millionen Menschen weltweit, etwa Gicht oder Harnsäuresteine (bzw. harnsäurehaltige Nierensteine, Erklärung siehe unten). Andere tauchen aussergewöhnlich selten auf. Sie entstehen wegen genetischer Defekte.
Eine Fehlregulation des Purinstoffwechsels steht zudem in Zusammenhang mit verschiedenen Krebsarten. Dazu kommen neurologische Erkrankungen und immunologische Defekte.1 Furuhasi M (2020) erforschte die Rolle des Purinstoffwechsels in metabolischen Erkrankungen. Er kam zum Schluss: Nicht die absolute Harnsäurekonzentration steht im Vordergrund, sondern die Aktivität der Xanthinoxidoreduktase. Diese korreliert mit oxidativem Stress und einem erhöhten kardiometabolischen Risiko. Xanthinoxidoreduktase ist ein molybdän- und eisenhaltiges Enzym. Im Purinstoffwechsel wandelt es Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure um. Der Mechanismus betrifft die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und den NAD+/NADH-Stoffwechsel (zelluläre Redoxregulation), nicht nur die Harnsäureproduktion. Die gezielte Hemmung von Xanthinoxidoreduktase bietet daher potenziell einen therapeutischen Ansatz.16
Diese Rheumaform zählt zu den ältesten bekannten Erkrankungen der Menschheitsgeschichte. Ein Überschreiten der Sättigungsgrenze von Harnsäure im Blut (Löslichkeitsgrenze) führt zur Kristallisierung, d.h. zur Ausfällung von Mononatriumurat. Die Kristalle treten hauptsächlich in Gelenken oder im Nierengewebe auf.17,22
Gicht entsteht infolge einer Hyperurikämie. Der Begriff bezeichnet einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten. Kristallisiert Harnsäure im Gewebe, droht ein akuter Gichtanfall. Dieser tritt entweder innerhalb der Gelenke (artikulär) oder ausserhalb (extraartikulär) auf, etwa in Schleimbeuteln. Seltener im gelenknahen Bindegewebe, in Bändern oder Sehnen. Die artikuläre Form heisst Kristallarthropathie. Allerdings entwickelt nicht jeder Mensch mit Hyperurikämie tatsächlich Gichtsymptome. Statistisch gesehen erleiden weniger als 36 % der Betroffenen einen akuten Gichtanfall. Unbehandelt treten die Anfälle zunehmend häufiger auf. Sie gehen schliesslich oft in eine chronische Gicht über.18,19,20 Allgemein ist Gicht sehr schmerzhaft, führt zu Entzündungen und schädigt die Gelenke.19
Neuere Forschungen betonen die multifaktorielle Entstehung dieser Zivilisationskrankheit. Entscheidende Einflussgrössen umfassen:17,19,20,22,39,45,59,66
Meist ist Gicht mit dem metabolischen Syndrom verbunden. Das heisst Fettleibigkeit, Bluthochdruck, abnorme Blutfette und Störungen des Zuckerstoffwechsels. Häufig treten zusätzliche Komorbiditäten auf. Das entspricht vielfach chronischen Lebererkrankungen, Diabetes, Arthrose und Augenkrankheiten.20
Übergewicht und Adipositas wirken als entscheidende Faktoren für den Anstieg des Harnsäurespiegels. Menschen mit Adipositas neigen zu einer erhöhten Harnsäureproduktion, da überschüssiges Körperfett den Abbau von Purinen verstärkt. Ferner entwickeln übergewichtige Personen häufig eine verminderte Nierenfunktion. Das behindert die Ausscheidung von Harnsäure. Dazu ist Adipositas mit einer leichten chronischen Entzündung verbunden. Diese fördert Fehlregulationen im Stoffwechsel zusätzlich und begünstigt so eine Hyperurikämie. Übergewichtige konsumieren oft gewohnheitsmässig mehr Purinquellen und fructosereiche Getränke.20
Fructose (Fruktose) erhöht unabhängig von der Purinaufnahme den Harnsäurespiegel. Denn Fructose phosphoryliert schnell zu Fructose-1-Phosphat. Das verbraucht ATP (Adenosintriphosphat). Bei hoher Fructosezufuhr kann dies zu einer vorübergehenden ATP-Verarmung und einer Akkumulation von AMP führen (Adenosinmonophosphat). Der Körper metabolisiert überschüssiges AMP vermehrt über den Purinabbau zu Harnsäure. Das ist der bekannte Mechanismus der Fructose-induzierten Hyperurikämie. Bei isolierter Fructose aus Sirup oder Limonade ist der Prozess besonders wirksam. Hingegen verursacht der moderate Verzehr natürlicher Fructose aus Obst meist keine klinisch relevante Hyperurikämie. Ein klinisches Experiment mit vier Gichtpatienten belegt laut Zhang et al. (2022): Die intravenöse Infusion von Fructose erhöht die Purin-De-novo-Syntheserate. Das trägt zu einer weiteren Erhöhung des Harnsäurespiegels bei.45
Alkohol beeinträchtigt den Harnsäurestoffwechsel auf mehreren Ebenen. Der Konsum hemmt die renale Ausscheidung und steigert gleichzeitig die Harnsäureproduktion. Daher gelten hauptsächlich Spirituosen und Bier als wichtige Risikofaktoren für Gicht.57,58,59 Details dazu lesen Sie beim Haupttitel Gesund und purinbewusst essen: die Grundlagen.
Genetisch oder metabolisch bedingte Hyperurikämie führt zu primärer Gicht. Das geschieht z.B. wegen verminderter renaler Ausscheidung, gesteigerter endogener Purinproduktion oder purinreicher Ernährung. Wenn eine oder mehrere Erkrankungen Gicht verursachen, ist von sekundärer Gicht die Rede. Beispielsweise, wenn PatientInnen Nierenprobleme entwickeln oder Nierenschäden erlitten haben (Medikamente oder Giftstoffe). Zur sogenannten Pseudogicht lesen Sie bitte unsere Ausführungen über Gicht, Pseudogicht und Osteoporose.
Harnsäuresteine, eine Unterform der Harnsteine, blockieren die Harnwege und verursachen schmerzhafte Koliken. Sie treten auf, wenn der Körper zu viel Harnsäure produziert oder die Nieren sie nicht ausreichend ausscheiden. Zu den Hauptursachen zählen die Stoffwechselstörung Hyperurikosurie (Hyperurikurie), eine geringe Urinmenge und vor allem ein dauerhaft saurer Urin. Letzteres gilt als der entscheidende Risikofaktor für die Steinbildung.17
Harnsäuresteine, Harnsteine oder Nierensteine?
Bei Purinstoffwechselstörungen entstehen Harnsäuresteine grösstenteils in der Niere. Deshalb spricht die Fachliteratur vorwiegend von Nierensteinen (engl. kidney stones). Sie können aber im Harnleiter steckenbleiben oder bis in die Harnblase gelangen. Dann passt auch die allgemeinere Bezeichnung Harnsteine (urinary stones). Zur Betonung der chemischen Zusammensetzung dient der Begriff Harnsäuresteine (uric acid stones) – eine Bezeichnung, die sie von anderen Steinarten wie Calciumsteinen abgrenzt.
Menschen, Menschenaffen und Dalmatiner – eine Haushundrasse – gelten als bekannteste Säugetiere mit Neigung zur Harnsäuresteinbildung. Bei den meisten Säugetieren baut das Enzym Uricase Harnsäure zu Allantoin ab. Das ist 10- bis 100-mal löslicher und bildet keine Kristalle.17
Zwei Faktoren bestimmen das Risiko: die chemische Ausfällung von Harnsäure im Urin und der Einfluss des Urin-pH-Werts. Bei saurem Urin-pH überschreitet Harnsäure die Löslichkeitsgrenze und kristallisiert aus. Fazit: Ein höherer Urin-pH erhöht die Löslichkeit von Harnsäure beträchtlich.
Urinalkalisierung und ausreichende Hydratation stellen die zentrale therapeutische Antwort dar. Konkret bedeutet das: auf eine alkalisierende Ernährung umsteigen und ausreichend, aber nicht übermässig viel Wasser trinken. Der angestrebte pH-Wert liegt zwischen 6,2 und 6,8 – dieser Bereich maximiert die Löslichkeit von Harnsäure. Nützliche Massnahmen:
Mit einem Anteil von nur 8–10 % gehören Harnsäuresteine zu den weniger häufigen Nierensteinarten. Wesentlich häufiger treten Calciumsteine (Kalziumsteine, 75-80 %) auf. Diese bestehen überwiegend aus Calciumoxalat (Monohydrat oder Dihydrat) oder Calciumphosphat.
Wissenswert: Calciumoxalat ist pH-unabhängig. Saurer Urin erhöht das Risiko, an Harnsäuresteinen zu erkranken. Basischer bzw. alkalischer Urin von > 7,0 pH hingegen fördert die Ausbildung von Calciumphosphat- und Struvitsteinen (Struvit = MgNH₄PO₄ · 6H₂O).43 Struvitsteine (Ammoniak- und Magnesiumammoniumphosphat, 7–8 %) und Cystinsteine (1–2 %) entstehen am seltensten.43 Struvitsteine entstehen primär durch Infektionen, weniger durch die Ernährung.
Die folgenden Referenzwerte zeigen, ab welchen Konzentrationen Harnsäure in Blut und Urin zu Kristallisation und Steinbildung führt.
Die normalen Harnsäurespiegel im Blut liegen bei Frauen zwischen 1,5 – 6,0 mg/dL und bei Männern zwischen 2,5 – 7,0 mg/dL. Serum-Werte oberhalb gelten als Hyperurikämie. Das Risiko für Gicht steigt mit Dauer und Höhe dieser Überschreitung.12
Die Löslichkeit von Harnsäure in Wasser ist gering. Beim Menschen liegt die durchschnittliche Harnsäurekonzentration im Blut nahe der Löslichkeitsgrenze von 6,8 mg/dL. Hyperurikämie fördert die Bildung von Kristallen. Das löst Entzündungen (Gichtanfälle) aus. In peripheren, kühleren Gelenken und bei niedrigerem pH sinkt die effektive Schwelle, was Kristallisation begünstigt.
Typische Bezeichnungen für Gichtkristalle lauten: Mononatriumurat-Kristalle und MSU-Kristalle (von engl. monosodium urate crystals).
Starke Belastung, z.B. durch Druck oder Bewegung, verändert die lokal wirksame Biochemie im Gelenk. Sie erhöht die Kristallisationsneigung, weil sie die Verweildauer übersättigter Harnsäurelösungen verlängert. Das begünstigt Kristallkeime auf Knorpeloberflächen. Matrixbestandteile der Synovialflüssigkeit fördern die Kristallbildung zusätzlich. Mehrere Studien berichten, dass MSU-Kristalle eine Antikörperbildung auslösen. Diese Antikörper verstärken wiederum die Kristallisation.12,22
Zielbereiche: Klinisch gelten Serumspiegel unter 6 mg/dL als erstrebenswert, bei Tophi unter 5 mg/dL.12 Tophi (Einzahl: Tophus) bezeichnen Gichtknoten im Gewebe, die bei chronischer Gicht auftreten.
Zur Beurteilung der Säurebelastung im Urin dienen pH-Kontrollen. Ein pH < 5,5 kennzeichnet sauren Urin und fördert die Bildung von Harnsäuresteinen. Ein pH zwischen 6,0 und 6,5 gilt als optimal für deren Auflösung und Vorbeugung.12 Bei einem pH-Wert von über 6,5 liegt hingegen der Grossteil der Harnsäure in Form von anionischem Urat vor. Geladenes Urat ist besser löslich, es treten seltener Kristallisationen auf.17,22
Je pflanzenreicher die Ernährung, desto alkalischer der Urin. Eine Beobachtungsstudie aus Boston mit 42 Personen gibt Aufschluss. Der pH-Wert lag für vegane Ernährung bei 6,15. Dagegen für Lacto-Vegetarier bei 5,90 und für Mischkost bei 5,74.61
Nach eigenen Messreihen eines strikten Veganers liegt der pH bei streng pflanzlicher, eiweissarmer Kost oft zwischen 7,5 und 8. Das ist ein Bereich, in dem Harnsäure vollständig gelöst bleibt. Struvitsteine oder Cystinsteine bleiben möglich.
Da der pH-Wert stark von der Ernährung abhängt, besitzt er allein nur eine eingeschränkte Aussagekraft hinsichtlich der Nierengesundheit.
Personen mit genügender Urinmenge entwickeln praktisch keine Steinbildung. Die Konzentration der Stoffe ist zu gering. Die Harndichte (spezifisches Gewicht) beschreibt, wie konzentriert der Urin ist. Sie spiegelt den Flüssigkeitshaushalt genauer wider als die Trinkmenge. Werte zwischen 1,010 und 1,030 g/mL gelten als ideal und zeigen eine gute Nierenfunktion sowie eine ausgeglichene Wasserbilanz. Ab einer Dichte von 1,030 gilt der Urin als stark konzentriert. Das passiert meist infolge geringer Flüssigkeitszufuhr, übermässiger Eiweiss- und Salzaufnahme oder bestimmter Krankheiten.46
Wer überwiegend Gemüse und Früchte isst, nimmt allein über die Nahrung grosse Flüssigkeitsmengen auf. Rechnen Sie mit 1,6 bis 1,8 Liter Wasser pro 2 Kilogramm an naturbelassenen pflanzlichen Lebensmitteln. Damit ist der Wasserbedarf meist gedeckt, sofern die Nieren täglich 1 bis 1,5 Liter Urin ausscheiden. Zusätzliche Trinkmengen dürfen entfallen. Die Trinkmengen-Frage erläutern wir im Abschnitt Wie Leber und Nieren gesund halten. Entscheidend bleibt die Ausscheidungsmenge: Ungetrübter Urin deutet bei gesunden Menschen auf eine gute Flüssigkeitsversorgung und geringe Urinkonzentration hin.12,17
Blut-Serum-Referenzwerte
| Standardziel | < 6 mg/dL (360 µmol/L) |
| Schwere Gicht/Tophi | < 5 mg/dL (300 µmol/L) |
Urin-Referenzwerte
Purinstoffwechselstörungen stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen Gicht und harnsäurehaltigen Nierensteinen dar. In beiden Fällen führen sie zu erhöhten Harnsäurewerten, je nachdem im Blut und/oder im Urin. Ersteres erhöht das Risiko für Gicht, Zweiteres für Harnsäuresteine.
Zusätzlich gilt eine bestehende Gichterkrankung als bekannter Risikofaktor für Nierensteinbildung: Bei einer Gichtdiagnose verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit, auch Nierensteine auszubilden. GichtpatientInnen weisen häufig anhaltend niedrige pH-Werte im Urin auf. Als Ursache für den sauren Urin vermuten ÄrztInnen Defekte in der Ammoniakproduktion, chronische Nierenerkrankungen oder das metabolische Syndrom. Dieser dauerhaft niedrige Urin-pH fördert wiederum die Kristallisation von Harnsäure zu Nierensteinen.64,65
Erhöhte Harnsäurewerte kommen zustande, wenn das Gleichgewicht zwischen Harnsäureproduktion und renaler Ausscheidung ins Wanken gerät. Purinreiche Ernährung, viel freie Fructose und Alkohol triggern eine übermässige Produktion. Andererseits können Faktoren wie Adipositas, Insulinresistenz, hohe Säurelast durch die Ernährung oder genetische Unterschiede die Ausscheidung deutlich vermindern. Dasselbe gilt für Fructosekonsum und Alkohol, die folglich doppelten Schaden anrichten. All dies bewirkt, dass Hyperurikämie auch bei moderater Purinzufuhr auftreten kann.36,54,57,58,59,63,66,69
Sinnvolle Ernährungstipps berücksichtigen daher mehrere Ebenen: Purinzufuhr, Harnsäurespiegel (in Blut und Urin), Produktion und Ausscheidung von Harnsäure, Nierengesundheit, Urin-pH sowie die allgemeine Stoffwechselgesundheit (Begleiterkrankungen, genetische Ursachen, Darmmikrobiom).57,58,59,69
Die westliche Ernährungsweise hat negative Auswirkungen auf alle oben genannten Punkte (genetische Ursachen ausgeschlossen).36,54,57,58,59,63,66 Deshalb empfehlen wir als Gegenpol eine natürliche und pflanzenbasierte Kost mit den Schwerpunkten: purinbewusst, alkalisierend, reich an Ballaststoffen, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Mineralstoffen.
Was eine purinbewusste Ernährung ausmacht, erläutern wir in Teil 4 Purinarme Ernährung neu definiert und Teil 5 Gesund und purinbewusst essen: die Grundlagen.
Eine alkalisierende Ernährungsform beruht primär auf kaliumreiche, naturnahe Pflanzenkost. Sie reduziert die Säurelast durch die Ernährung (DAL = dietary acid load) und erhöht den Urin-pH-Wert.61,67 Gleichzeitig bestätigen jüngere Forschungen positive Effekte auf den Blut-Harnsäurespiegel.63,68,69 Der Verzicht auf tierisches Protein trägt dabei wesentlich zur Alkalisierung des Urins bei.60,61 Eine hohe Proteinzufuhr (v.a. tierischen Ursprungs) schadet zudem unserem Calciumhaushalt:61 Diesen Mechanismus erklären wir in unseren Ausführungen zur Osteoporose.
Werkzeuge wie der PRAL-Index (Potential Renal Acid Load) oder der NEAP-Score (Net Endogenous Acid Production) prägen Forschungsdiskussionen über die Säurelast.60,67,68,69,71 Diese beruhen jedoch auf Schätzwerten: PRAL zur Säurebelastung der Niere durch bestimmte Nährstoffe und NEAP zur Gesamtsäureproduktion im Körper. Somit erfassen Sie nur Teilaspekte und nicht das Gesamtpotential eines natürlichen Lebensmittels.
Als alltägliche Orientierungshilfen zur Alkalisierung liefern primär PRAL-Tabellen Unterstützung. Sie bilden kein absolutes Mass für Risiken oder Effekte ab, da die untersuchten Variablen begrenzt sind.60,67,70,71
Die PRAL-Formel berücksichtigt:60,68,70,71
Viele PRAL-Tabellen sind marketinggeprägt, doch leichter zu lesen als wissenschaftliche Abhandlungen über das Thema. Laientaugliche und seriöse Erklärungen basieren einerseits auf den Originalwerten von Remer und Manz70 (1995). Andererseits behalten sie moderne Kritikpunkte im Auge, was zu unterschiedlichen Werten führen kann.67,70,71,72
Gut zu wissen: Der Gehalt an essenziellen Mineralstoffen in einigen Obst- und Gemüsesorten ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Mit Ausnahme von Phosphor sind die Konzentrationen aller Elemente gesunken. Deswegen ist es laut Storz und Ronco (2023)71 zunehmend wichtiger, den Fokus auf folgende Punkte zu legen:
Nachfolgende Zusammenstellungen veranschaulichen die geschätzte Säurebelastung pro 100 g. Werte unter Null bedeuten "basisch" / "alkalisierend", Werte über Null "säurebildend". Wir nennen die vorteilhaftesten jeweils zuoberst, die stärksten Säurebildner zuunterst. Bei PRAL: Werte nach Lebensmittelgruppen bilden Zahlen aus verschiedenen Quellen Schwankungen ab (siehe Kommentar direkt darunter).
Spitzenreiter unter den alkalisierenden veganen Lebensmitteln liefert die nächste Übersicht.
Auch vegane Lebensmittel können höhere PRAL-Werte verursachen. Bei säurebildenden Beispielen wie Haferflocken zählt neben dem PRAL-Wert jedoch die Gesamtwirkung des Lebensmittels. Hier figurieren die stärksten Säurebildner zuunterst.
Harnsäure wirkt in moderaten Konzentrationen antioxidativ. Ebenso aktiviert sie zellschützende Signalwege. Das führt zu erhöhter Stressresistenz.53,54
Aber: Chronisch erhöhte Harnsäurewerte erzeugen oxidativen Stress und aktivieren Entzündungsreaktionen über den NLRP3‑Inflammasom‑Komplex. Gleichzeitig beeinträchtigen sie die Endothelfunktion. Diese Veränderungen stehen in direktem Zusammenhang mit altersbedingten Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herz‑Kreislauf‑Leiden.52,55
Zhao et al. (2025) unternahmen eine vergleichende Analyse der Bevölkerungsstudien NHANES (USA) und CHARLS (China). Sie weist eine Korrelation zwischen erhöhten Serum-Harnsäurewerten und beschleunigten Alterungsprozessen nach. In der NHANES-Kohorte tritt ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko deutlich zutage. Dieser Zusammenhang bleibt in der CHARLS-Kohorte aus. Es ist ein Hinweis auf populationsspezifische Unterschiede. Beide Studien bestätigen eine U-förmige Beziehung zwischen Serum-Harnsäure und Mortalität. Damit gehen zu niedrige und zu hohe Werte mit gesundheitlichen Risiken einher.55 Der Begriff Optimum statt Minimum oder Maximum ist ein wichtiger Schlüssel zur Gesundheit. Die meisten Menschen kennen ihn nicht und tun unkritisch, was andere tun.
Insgesamt unterstreichen die Studien die Bedeutung eines optimalen Harnsäure-Gleichgewichts. Dies ganz besonders für gesundes Altern und für die Prävention von altersbedingten Krankheiten.
Einige sehr ungewöhnliche Enzymdefekte im Purinstoffwechsel verursachen schwerwiegende Stoffwechselstörungen.
Beim Adenylosuccinase-Mangel (ADSL-Defizienz) blockiert ein Defekt des Enzyms Adenylosuccinat-Lyase den Purinstoffwechsel. Damit steigt die Konzentration von Zwischenprodukten wie SAICAr und S-Ado in Blut, Urin und anderen Körperflüssigkeiten. Betroffene Kinder entwickeln geistige Behinderungen, epileptische Anfälle und Bewegungsstörungen. Viele sterben im Kindesalter.23
Das Lesch-Nyhan-Syndrom entsteht aus einem fast vollständigen Mangel an Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase (HGPRT). Ohne dieses Enzym bricht der Salvage-Weg zusammen und die Purinsynthese steigt an. Daher bilden die Betroffenen extreme Mengen an Harnsäure. Gicht, Nierensteine, neurologische Störungen und schwere, selbstverletzende Verhaltensauffälligkeiten zählen zu den Folgen.24
Beim Adenosindeaminase-Mangel (ADA) bleibt der Abbau von Adenosin blockiert. In der Folge entsteht ein Überschuss an Desoxyadenosin und Desoxy-ATP. Dieser wirkt toxisch auf Lymphzellen und hat ihren vorzeitigen Zelltod zur Folge. Das Absterben verursacht eine schwere kombinierte Immundefizienz (SCID). Diese angeborene Störung tritt meist kurz nach der Geburt auf und verläuft unbehandelt tödlich. In einigen Fällen kommen nicht-immunologische Manifestationen hinzu, darunter neurologische Entwicklungsstörungen, Hörverlust oder Skelettfehlbildungen.25
Trotz ihrer Seltenheit verdeutlichen diese Krankheitsbilder die zentrale Rolle der Enzyme im Purinstoffwechsel. Sie beeinflussen Wachstum, Nervensystem und Immunabwehr.
Mehrere Medikamente greifen gezielt in den Purinstoffwechsel ein und nutzen diese biochemischen Wege therapeutisch.
Allopurinol hemmt das Enzym Xanthinoxidase. Es senkt so die Bildung von Harnsäure. Der Rückgang des PRPP-Verbrauchs bremst gleichzeitig die De-novo-Purinsynthese. Das reduziert den gesamten Purinpool und lindert Gicht oder Harnsäuresteine.17
Azathioprin wandelt der Körper zu 6-Mercaptopurin um. Beide zählen zu den klassischen Purinanaloga. Sie imitieren Purinbasen, blockieren die DNA-Synthese und bremsen so die Vermehrung von Immunzellen. Ärztinnen und Ärzte setzen sie seit Jahrzehnten in der Transplantationsmedizin und bei Autoimmunerkrankungen ein. So etwa nach chirurgischen Eingriffen bei Morbus Crohn. Nebenwirkungen umfassen hauptsächlich eine geschwächte Immunabwehr.26
Die Kombination aus Azathioprin und niedrig dosiertem Allopurinol verändert den Metabolismus zugunsten weniger toxischer 6-Thioinosin-Metaboliten. Das steigert die Wirksamkeit bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Dieser Mechanismus ermöglicht eine geringere Azathioprin-Dosis und verhindert die Bildung toxischer Metaboliten.27 Allopurinol dient zudem als Begleittherapie bei tumorbedingter Hyperurikämie.
Eine zentrale Rolle spielt der Purinstoffwechsel in der Krebsforschung. Tran DH et al. (2024) analysierten den Purinstoffwechsel in Tumorzellen. Sie untersuchten, wie diese ihren Nukleotidbedarf decken. Dabei nutzten die Zellen beide Synthesewege: De-novo und Salvage. Die gezielte Ausschaltung beider Purinstoffwechselwege verringert den Purinpool. Das verlangsamt das Tumorwachstum.28 Xu J et al. (2024) belegten zudem, dass Störungen des Energiestoffwechsels die DNA-Reparatur einschränken. Dieser Prozess gilt für zukünftige Therapien als relevant.29
Eingriffe in den Purinstoffwechsel gewinnen zunehmend an therapeutischer Bedeutung. Sie kommen in der Onkologie und nicht nur bei Gicht oder Autoimmunerkrankungen zum Einsatz.
Weiter oben finden Sie erklärt: Eine dauerhaft purin- und eiweissreiche Ernährung führt zu einer stärkeren Stoffwechselaktivität und damit zur Belastung von Leber und Nieren. Bleibt der Harnsäuregehalt in Blutserum und Urin dauerhaft erhöht, steigt das Risiko für Gicht und Harnsäuresteine. Diese Erkrankungen treten vorrangig bei chronischer Überlastung des Harnsäurestoffwechsels auf (siehe unter Aufnahme, Nutzung und Abbau und Harnsäuresteine). Im Gegensatz dazu entlastet eine purin- und proteinreduzierte Ernährung diese Organe und trägt zu deren Gesundheit bei. Das ist nützlich bei Gicht, Harnsäuresteinen oder zu deren Vorbeugung.
Der Grossteil der Purine im Körper stammt aus eigener Synthese oder aus körperinternem Recycling. Daher ist die Definition einer Untergrenze bzw. einer minimalen Tagesaufnahme nicht sinnvoll. Ebenso wenig existieren offiziell standardisierte Obergrenzen. Der Einfluss von diversen Faktoren auf Purinstoffwechsel und Harnsäurespiegel ist zu komplex20,52,59 für eindeutige Fixpunkte.
Zur groben Orientierung dienen Ernährungsratgeber für Personen mit Nierenkrankheiten und Gicht. Diese arbeiten mit Leitlinien zur Risikoreduktion.
Moderne Ernährungsleitlinien rücken zunehmend vom Konzept purinarmer Ernährung ab und unterstreichen: Die grössten Vorteile entstehen aus purinbewusster, ausgewogener und pflanzenbasierter Kost.57,58,59 Wenn also ErnährungsmedizinerInnen verkünden, dass die traditionelle purinarme Diät57 veraltet ist, dann appellieren sie vorwiegend an eine ganzheitlichere Herangehensweise. Denn eine sinnvolle Ernährungsumstellung erfordert mehr, als lediglich purinreiche Lebensmittel zu meiden.
Tierische Purinquellen enthalten oft ungünstige Begleitstoffe – das erhöht tendenziell den Harnsäurespiegel. Pflanzliche Lebensmittel bringen gesündere Inhaltsstoffe mit und wirken tendenziell protektiv. Deshalb gilt es, den Verzicht auf tierisches Purin zu priorisieren.
Vor- und Begleiterkrankungen erfordern individuelle Anpassungen – besonders bei chronischen Nierenkrankheiten (genetisch oder bluthochdruckbedingt). Diese Personen bringen typischerweise schon erhöhte Harnsäurewerte mit. Folglich sollten sie auch purinreiche pflanzliche Lebensmittel reduzieren und durch purinärmere pflanzliche Alternativen ersetzen.62
Verschiedene Purintabellen helfen, den Puringehalt gezielt einzuordnen.
Wir erklären Ihnen hier:
Damit erlangen Sie das Grundwissen für eine purinbewusste und gesunde Ernährung. Ganz am Schluss finden Sie mehrere leckere vegane Rezepte mit geringem Purinanteil.
In der Regel enthalten proteinhaltige Lebensmittel viele Purine. Zentral betrifft das Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte. Milchprodukte liefern viel Eiweiss, kaum Purine. Milch besteht nicht aus Zellgewebe und enthält deshalb fast keine Nukleinsäuren. Gemüse, Obst und Knollen mit geringem Eiweissgehalt bringen meist wenig Purine.
Ausnahmen bilden Spinat, Blumenkohl und Brokkoli (Broccoli). Obwohl ihr Eiweissgehalt gering ist, enthalten sie vergleichsweise viele Purine. Ihre Begleitstoffe mildern aber die Harnsäurewirkung deutlich.
Hülsenfrüchte beinhalten mittlere Purinmengen, gelten jedoch aufgrund ihrer restlichen Inhaltsstoffe als gut verträglich. Ihre Ballaststoffe und Antioxidantien wirken regulierend. Vorsicht: In vielen Purin-Tabellen stehen nur Werte für getrocknete, nicht für gekochte Hülsenfrüchte. Beim Kochen geht ein Teil der Purine ins Kochwasser über, sodass der Puringehalt des Lebensmittels pro 100 g deutlich sinkt.
Eine purinreduzierte Ernährung ist nicht automatisch gesund. Welche Rolle die Begleitstoffe pflanzlicher Lebensmittel spielen und warum viele pflanzliche Purinquellen trotz höherer Werte unproblematisch bleiben, lesen Sie in der Folge.
Wer nur auf den Gesamtpurinwert achtet, übersieht andere wichtige Faktoren. Zwar besitzen alle Purine denselben chemischen Grundkörper; jedoch dominieren in verschiedenen Lebensmitteln unterschiedliche Purinbasen. Diese haben abweichende Auswirkungen auf den Stoffwechsel (siehe unten).32,75 Entscheidend ist ausserdem das jeweilige Begleitmilieu: Tierische Produkte enthalten meist mehr Eiweiss und gesättigte Fette. Pflanzliche Lebensmittel dagegen liefern Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und häufig Vitamin C.
Epidemiologische Daten bestätigen: Der Verzehr von Fleisch und Fisch erhöht das Risiko für Hyperurikämie und Gicht deutlich. Im Gegensatz dazu führt ein moderater Verzehr von sehr purinhaltigen Gemüsesorten nicht zu einem erhöhten Risiko.38
Eine purinreiche pflanzliche Ernährung löst nur selten einen akuten Gichtanfall aus. Das stellt eine Cross-over-Untersuchung von Zhang Y et al. (2012) fest. Ebenso war das höchste Quintil des Verzehrs von pflanzlichem Protein mit einem geringeren Risiko eines Gichtschubs verbunden (-27 %). Dies verglichen mit dem niedrigsten Quintil. Der Verzehr von purinreichen tierischen Produkten korrelierte hingegen mit einem fünfmal höheren Risiko eines Gichtschubs.39 Dies bedeutet, dass der Körper Purin aus tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln aus verschiedenen Gründen unterschiedlich verwertet.
Folgende Unterschiede erklären, warum der Körper tierische und pflanzliche Purinquellen ungleich verarbeitet:
In der Praxis existieren unterschiedliche Methoden zur Darstellung von Purinwerten in Lebensmitteln. Wer purinbewusst isst, nutzt Purintabellen als unverzichtbares Planungsinstrument. Sie dienen der praktischen Orientierung, nicht der exakten Vorhersage der Harnsäurekonzentration. Die darin enthaltenen Werte stellen Annäherungswerte dar (siehe Erklärung weiter unten). Nachfolgend besprechen wir typische Missverständnisse bei der Interpretation von Purintabellen.
Die Angaben in Purin-Tabellen weichen häufig deutlich voneinander ab. Dies weniger wegen Messfehlern, sondern wegen biologischen und analytischen Faktoren. Je nach Methode (freie Basen oder Gesamtpurine), Pflanzenteil, Reifegrad oder Zubereitungsart (roh/gekocht) schwanken die Zahlen signifikant.
Bei demselben Lebensmittel variieren die Angaben teils um mehr als das Doppelte. Dies ist abhängig von Hydrolyse, Wassergehalt und Sorte. Oft bleibt sogar offen, ob die angegebenen Werte rohen oder gegarten Lebensmitteln entsprechen. Einige Tabellen enthalten zusätzlich den berechneten Harnsäuregehalt.
Wie stark die Werte schwanken, erkennen Sie am Beispiel Brokkoli. Je nach Datenquelle liegen die Angaben zwischen etwa 41 und 70 mg pro 100 g (Tabelle 1). Beim Kochen gelangen Purine ins Wasser. Darum liegt gekochter Brokkoli im unteren Bereich dieser Spanne.
Neuere Tabellen wie USDA, Souci/Fachman/Kraut und Kaneko K et al. messen die einzelnen Purinbasen direkt. In der deutlich älteren Untersuchung von 1987 führten Wolfram/Colling nach Aufschluss der Probe eine enzymatische Konversion der Purine durch. Dann gaben sie die so gebildete Harnsäuremenge an. Die Bestimmung der Harnsäuremenge erfolgte photometrisch.
Wir haben für einzelne Zutaten den Wert aus Wolfram/Colling verwendet, da neue Untersuchungen diese Zutaten nicht behandeln. Dafür haben wir den Harnsäurewert mithilfe des stöchiometrischen Verhältnisses zu Purin umgerechnet, damit ein Vergleich mit den Purinwerten möglich ist.
Die analytisch genaueste Bestimmung erfolgt über eine direkte Messung einzelner Purinbasen. Verschiedene Methoden (Nukleinsäure-Hydrolyse, HPLC, UV-Spektroskopie, enzymatische Bestimmung) ermöglichen eine differenzierte Quantifizierung von Adenin, Guanin, Hypoxanthin und Xanthin auf molekularer Ebene.
Viele ernährungswissenschaftliche Datenbanken, darunter auch USDA-basierte Datensammlungen, geben den Gesamtpuringehalt von Lebensmitteln in mg pro 100 g an. Diese Werte beschreiben die Purinzufuhr, erlauben jedoch keine direkte Aussage über die Harnsäurebildung im Körper.
Zur theoretischen Abschätzung der möglichen Harnsäurebildung existieren verschiedene methodische Ansätze:
Die stöchiometrische Berechnung basiert auf dem vollständigen (1:1) Abbau der Purinbasen Adenin und Guanin (über Hypoxanthin und Xanthin) zu Harnsäure. Jeweils 1 Mol Purinbase führt zu 1 Mol Harnsäure. Daraus resultiert über die Molekulargewichte ein rechnerischer Umrechnungsbereich von etwa 1,1 bis 1,25 mg Harnsäure pro mg Purinbase.
Das Harnsäureäquivalent dient als praxisübliche Näherung, abgeleitet aus den gemessenen Purinbasen. Die Gesamtpurine (Adenin, Guanin, Hypoxanthin, Xanthin) fliessen unter der Verwendung des Molekulargewichts der Harnsäure (168,1 g/mol) in entsprechende Masseinheiten ein. In der Praxis gilt ein mittlerer Umrechnungsfaktor von etwa 1,2 als gebräuchlicher Richtwert.32
Ergänzend stellt der Purin-Stickstoff eine alternative Bezugsgrösse dar. Da Purinbasen und Harnsäure jeweils vier Stickstoffatome enthalten, ermöglicht dieser Ansatz eine vereinfachte quantitative Abschätzung des Purinabbaus über den Stickstoffanteil. Daraus resultiert näherungsweise ein Verhältnis von etwa 1 mg Purin-Stickstoff zu rund 3 mg Harnsäure. Dieser Wert dient vor allem der laboranalytischen Vereinfachung und stellt kein biologisches Modell der tatsächlichen Harnsäurebildung dar.
Vereinfachte Purintabellen geben häufig nur kategoriale Angaben (niedrig, mittel, hoch) wieder. Sie dienen primär der ernährungspraktischen Orientierung. Eine transparente Ausweisung der Mess- und Berechnungsverfahren erfolgt meist nicht.
Tabellen geben Puringehalte vielfach pro 100 g an. Jedoch variiert der Kaloriengehalt in Lebensmitteln stark. Deshalb finden Sie bei unseren Tabellen neben dem Wert pro 100 g zusätzlich Angaben pro Kilokalorie.
Die Angabe mg/kcal ist hilfreich, wenn Sie zwischen Lebensmitteln mit ähnlicher Energie wählen. Zum Beispiel zwischen verschiedenen Proteinquellen (Fleischsorten / Hülsenfrüchten). So vergleichen Sie die Purinbelastung pro aufgenommener Energie.
Für die praktische Umsetzung im Alltag dient die Angabe pro 100 g. Online kursieren auch Tabellen mit Angaben zu Portionsgrössen. Achten Sie bei diesen auf realistische Mengenangaben.
Richtwerte für den Kalorienbedarf: vorwiegend sitzende Tätigkeiten, wenig Bewegung: Frauen ≈ 1800 kcal, Männer ≈ 2300 kcal. Der tatsächliche Bedarf hängt ab von Geschlecht, Alter, Körpergrösse und -gewicht sowie Aktivitätsniveau. Wer sein Gewicht über längere Zeit hält, nimmt so viele Kalorien auf, wie der Körper verbraucht. Das beschreibt exakt das Prinzip der Energiebilanz.
Der empfohlene Body-Mass-Index liegt laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) mittlerweile zwischen 18,5 und 24,9. Berechnung: Körpergewicht (kg) / (Körpergrösse in m)². Eine sinnvolle Bewertung des BMI berücksichtigt stets die individuelle Konstitution, den Lebensstil, das Alter und den Körperfettanteil. Allein vermittelt der BMI kein vollständiges Bild der Gesundheit. Zunehmend gilt das Taille-Hüft-Verhältnis (Waist-to-Hip Ratio) als besseres Mass. Es bezieht die Fettverteilung im Körper mit ein. Berechnung: Taillenumfang in cm/Hüftumfang in cm. Für Ihre langfristige Gesundheit ist es entscheidend, das Normalgewicht zu erreichen und kontinuierlich zu halten.
Innereien – etwa Leber oder Niere – weisen sehr hohe Purinwerte auf.³¹ Wir lassen diese in den Tabellen zugunsten von regelmässig verzehrten Nahrungsmitteln weg. Fisch, Geflügel, Rind- und Schweinefleisch dominieren mit viel Purin (Tabellen 2a-2c). Im Gegensatz dazu enthalten Milchprodukte, wie Joghurt und Käse, wenig Purin, ebenso Hühnereier. Warum wir Milch und Milchprodukte dennoch nicht empfehlen, erfahren Sie hier: Milch besser nicht. Über die gesundheitsfördernde oder -schädigende Wirkung eines Lebensmittels entscheiden nicht allein die Purine.
Pflanzliche Lebensmittel enthalten in der Regel wenig Purin. Ausnahmen finden Sie in der Tabelle 3.
Wie viel Purin enthalten Sojaprodukte? Normale Sojamilch (ungesüsst) weist rund 19,34 mg Purin pro 100 g auf. Diese Daten stammen aus Fukuuchi T et al. (2022), die handelsübliche japanische Produkte untersuchten. Zu Tofu liefert die Studie keine Werte.44 Hier die Werte für Tofu aus der USDA/ODS-NIH-Datenbank (Release 2.0, 2025): etwa 31 mg pro 100 g (roh) und 54 mg pro 100 g (angebraten). Demnach gilt Tofu als purinarmes Lebensmittel, vergleichbar mit Nüssen.30
Im Folgenden gehen wir auf die einzelnen Gruppen von pflanzlichen Lebensmitteln genauer ein. Sie sehen auf einen Blick, was zu einer purinbewussten oder purinreduzierten Ernährung beiträgt – und was nicht. Dass höhere Purinwerte in pflanzlichen Lebensmitteln kaum Risiken bergen, erläutern wir weiter oben bei Warum pflanzliche Purinquellen gesünder wirken.
Hülsenfrüchte und Getreide weisen deutlich andere Eigenschaften auf als Gemüse. Die meisten Tabellen geben ihre Purinwerte in getrockneter Form an, was roher Qualität entspricht. Üblicherweise verzehren Menschen Hülsenfrüchte und Getreide gekocht. Beim Kochen übernehmen diese Lebensmittel Wasser und quellen auf. Das senkt den Puringehalt gekochter Hülsenfrüchte und Getreide pro 100 g deutlich. Die Aufnahme pro kcal bleibt gleich. Einen Einblick in die Purinwerte von Hülsenfrüchten und Getreide gibt Ihnen Tabelle 4. Besonders viel Purin enthalten Weizenkeime. Im Allgemeinen gilt das für alle keimenden Lebensmittel. So bei Brokkolisprossen (130 mg/100g) oder Radieschensprossen (73 mg/100g).³⁰
Pro 100 g liefern Hülsenfrüchte und Getreide(-produkte) teilweise hohe Purinwerte. Doch relativ zur aufgenommenen Energie ergibt das nicht mehr als gewisse andere pflanzliche Proteinquellen.
Der Puringehalt der meisten Gemüsesorten liegt unter 50 mg pro 100 g. Einige Ausnahmen wie Petersilie haben wir oben in Tabelle 3 angesprochen. Weitere finden Sie in Tabelle 5a. Zu den Spitzenreitern zählen Petersilie, Spinat, Gemüsepaprika, Blumenkohl, Kürbis und Brokkoli.
Andere Gemüsesorten liegen zwischen 15 und 50 mg pro 100 g. Besonders wenig Purin (< 15 mg) enthalten Zucchini, Gurken, Tomaten, Salate, Süsskartoffeln, Cherrytomaten, gekochte Kartoffeln, Mais und Karotten (Tabelle 5b).
Der Puringehalt von Pilzen und Algen variiert je nach Sorte und Zubereitungsart stark (Tabelle 6). Rohe Pilze und Algen enthalten pro 100 g weniger Purin als getrocknete. Der Wasserverlust beim Trocknen erhöht die Nährstoffdichte, aber verändert die Menge pro kcal nicht.
Eine purinarme Ernährung schliesst Austern-Seitlinge besser aus. Rohe Champignons, Enoki oder Shiitake wirken vorteilhafter. Rohe Wakame – etwa als Wakame-Salat – enthalten sehr viel Purin. Nori-Algen weisen etwas weniger Puringehalt pro Kalorie auf. Gegen Jodmangel reicht ein Gramm getrocknete Wakame für die gesamte Tagesration.
Samen bringen teilweise viel Purin mit (z.B. Mohnsamen, Sonnenblumenkerne). Bezogen auf den Energiegehalt fällt der Wert deutlich geringer aus (Tabelle 7). So gesehen, liegt der Wert meist unter 0,3 mg Purin pro kcal. Zum Vergleich: Purinreiches Gemüse erreicht 1,0 bis 7,5 mg pro kcal. Samen verursachen im Purinstoffwechsel keine Probleme und passen gut in eine purinbewusste Ernährung. Vor allem wegen ihres Reichtums an wertvollen Nährstoffen.
Nüsse liefern ebenfalls wenig Purin. Die Angaben in verschiedenen Tabellen differieren teilweise deutlich. Für Erdnüsse reicht die Spannbreite von 10 bis 49 mg pro 100 g, für Mandeln von 15 bis über 31 mg. Selbst die höchsten Werte gelten noch als unbedenklich für eine purinarme Diät. Bezogen auf die Energieaufnahme (mg/kcal) liegt der Puringehalt von Nüssen unter dem von Samen (Tabelle 8). Mit 0,03–0,08 mg/kcal tragen Nüsse kaum zur Harnsäurebelastung bei. Bei erhöhtem Harnsäurespiegel oder Gicht bieten sie eine gut verträgliche Eiweiss- und Fettquelle.
Frische Früchte liefern wenig Purin, meist unter 40 mg pro 100 g.31 Trockenobst ist purinreicher, da alle Nährstoffe konzentrierter vorliegen.
Getrocknete Goji-Beeren: Ihr Puringehalt liegt mit 5,5 mg pro 100 g im niedrigen Bereich. Aufgrund der hohen Energiedichte ergibt das nur 0,02 mg Purin pro kcal, ist also vernachlässigbar. So bleibt die Purinbelastung pro Kalorie gering (Tabelle 9). Hingegen enthalten sie 8,9 g Protein pro 100 g.34,35 Damit nehmen sie den Platz als proteinreichste getrocknete Beeren ein.
Etwas mehr Purin enthalten Avocados, Bananen und Erdbeeren.30
Fruchtsäfte weisen teilweise niedrige Puringehalte auf (1,1 mg Purin/100 g).30 Über die Fructose erhöhen sie trotzdem das Gichtrisiko. Jamnik et al. (2016) analysierten zwei grosse Kohortenstudien mit insgesamt 125'299 Personen. Die Meta‑Analyse erzielte ein relatives Risiko (RR) von 1,62 (95 % CI 1,28–2,03, p < 0,0001) für die Entwicklung von Gicht. Das ist ein Vergleich vom höchsten gegenüber dem niedrigsten Fructosekonsum.36 Leider unterscheidet die Untersuchung nicht zwischen dem Konsum von Früchten und Fruchtsäften.
Menschen mit Gicht meiden Fruchtsäfte mit Vorteil. Diese liefern Fructose in freier Form und ohne die natürliche Fruchtmatrix. Dadurch gelangen die enthaltenen Zucker rasch in den Stoffwechsel. Die anschliessende Verarbeitung, primär der Fructoseabbau in der Leber, kann mit einer erhöhten Harnsäurebildung verbunden sein. Ganze Früchte wirken dank Ballaststoffen, Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen völlig anders. Dies erläutern wir unter Warum pflanzliche Purinquellen gesünder wirken.
Verzichten Sie nie auf frische Früchte – insbesondere auf reifes, nährstoffreiches Obst. Das belegt die Kohortenstudie von Rai SK et al. 2024 mit 122'679 US-amerikanischen Männern und Frauen. Die Studie verglich pflanzenbasierte und nicht pflanzenbasierte Ernährungsmuster im Hinblick auf das Gichtrisiko. Selbst bei einer Ernährung mit ungesunden pflanzlichen Lebensmitteln trat Gicht seltener auf als bei nicht pflanzenbasierter Kost. Ein höherer Verzehr einer gesunden, pflanzenbasierten Ernährung ging mit einem wesentlich geringeren Gichtrisiko einher. Die Kost bestand aus Vollkornprodukten, frischen Früchten und Gemüse etc. Eine besonders ungesunde pflanzenbasierte Ernährung ergab ein leicht höheres Risiko – v.a. bei Frauen. Sie enthielt hauptsächlich Fruchtsäfte, Süssigkeiten, Desserts, raffinierte Getreideprodukte etc.37 Diese zuletzt erwähnte Ernährungsform steht im klaren Gegensatz zu einer naturnahen pflanzlichen Ernährung.
Die unterschiedliche Wirkung von Früchten, Fruchtsäften und Fruchtsirupen ist entscheidend, um den eigenen Zuckerkonsum richtig einzuschätzen. Mehr dazu im Artikel Gesunde Süsse? Zwischen Mythos und Wirklichkeit.
Hier fassen wir zusammen: Purinbewusste Menschen verzichten auf Fleisch und Fisch. Eier, Milch und Milchprodukte enthalten wenig Purin. Dennoch spricht ethisch und gesundheitlich vieles gegen ihren Verzehr. Vermeiden Sie Fruchtsäfte und Lebensmittel mit freier Fructose – etwa Agavensirup, Maissirup oder gesüsste Getränke.
Idealerweise bleibt Alkohol ganz weg – einschliesslich hefelastiger, alkoholfreier Biere. Bier liefert je nach Gärung und Hefefilterung 10-150 mg Purin pro 100 g. Alkoholfreie, hefereiche Sorten enthalten teils mehr Purin als gefilterte alkoholische Biere. Ethanol behindert die renale Harnsäureausscheidung und steigert den Laktatspiegel im Blut. Beides trägt zur Erhöhung der Harnsäurewerte bei. Purinfreie Getränke wie Wein und Sekt erhöhen die Harnsäurewerte wegen ihres Ethanolgehalts.21,33
Wie im vorigen Haupttitel besprochen, gehören pflanzliche Lebensmittel nicht auf die Vermeidungsliste. Beachten Sie v.a. bei Nierenkrankheiten und metabolischem Syndrom: Pflanzliche Purinlast sinkt durch gezielte Massnahmen. Z.B., indem Sie purinreiche Quellen nicht kombinieren, etwa Spinat mit gewissen Pilzen oder Blumenkohl mit Petersilie. Allerdings: Bei strikt purinarmer Kost vermeiden Sie besser Spinat, Brokkoli, Kürbis, Gemüsepaprika, Blumenkohl, Pilze und Algen.
Bevorzugen Sie eine ballaststoffreiche Ernährung und konsumieren Sie gelegentlich fermentierte Lebensmittel mit Probiotika. Diese unterstützen eine gesunde Darmflora. Eine stabile Darmflora fördert den Abbau von Harnsäure im Darm.
Vegane Sojaprodukte enthalten wenig Purin. Normale Sojamilch (ungesüsst) weist rund 19,34 mg/100g auf.44 100 g Tofu enthalten gemäss der USDA/ODS-NIH-Datenbank etwa 31 mg im rohen Zustand und angebraten 54 mg. Diese Werte klassifizieren sie als purinarme Lebensmittel.30
Wichtig ist: Jede Ernährung kann langfristig ungesund wirken, wenn Nährstoffmängel auftreten. Der hier verlinkte Beitrag erläutert die wichtigsten Nährstoffe sowie Wege, vermeidbare Ernährungsfehler zu umgehen: Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler.
Ob purinbewusst oder purinreduziert - in beiden Fällen ist eine abwechslungsreiche und genussvolle Ernährung möglich. Pflanzliche Lebensmittel verbinden automatisch Geschmack mit Purinarmut, Nährstoffdichte und Nachhaltigkeit. Eine Auswahl an leckeren und gesunden Rezepten mit tiefer Purinlast finden Sie in unserer Rezept-Datenbank:
Das Erb-Müesli liefert zum Frühstück eine nährstoffreiche Basis. Der Puringehalt pro Kalorie ist gering und es enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren.
Purinarmes aus der Salatküche passt gut als Hauptgericht oder Beilage:
Kombinieren Sie Ihre Lieblingssalate mit frischen Früchten und Gemüse. Würzen Sie diese mit einem ölfreien Salatdressing oder einer Vinaigrette.
Probieren Sie eines der folgenden Rezepte für eine schmackhafte, herzhafte und purinbewusste Hauptspeise:
Frische Früchte passen ideal zu kleinen Zwischenmahlzeiten oder als süsser Abschluss. Aus ihnen entstehen mit wenig Aufwand purinarme Desserts. Etwa das Erb-Resveratrol-Dessert mit dunklen Trauben.
Viele Desserts überzeugen geschmacklich und liefern wenig Purine: rohe Schokoladencrème, roh-veganer Blaubeerkuchen oder roh-veganer Karottenkuchen.
| 1. | * Narratives Review Purines are ubiquitous biomolecules that sustain life. Purines are incorporated into DNA and RNA, found as the energy currency of cells (ATP and GTP), used as sig naling molecules (ATP, cAMP, and cGMP), and inte grated into coenzymes (FAD, NADþ, NADPþ, and coenzyme A). These purines are generated by either or both of the two pathways: de novo purine biosynthesis (DNPB) or purine salvage. DOI: 10.1080/10409238.2020.1832438 Study: weak evidence | Pareek V, Pedley AM, Benkovic SJ. Human de novo purine biosynthesis. Crit Rev Biochem Mol Biol. 2021;56(1):1-16. |
| 2. | * experimentelle Studie In mammals, the two primary routes for the synthesis of the adenine nucleotides ATP, ADP and AMP, and, as a consequence, the major bioactive metabolite adenosine, are the de novo purine biosynthesis (DNPB) pathway, and the purine salvage pathway (PSP). Of the two, the PSP dominates in both the mammalian brain and heart. This is because the PSP utilizes the breakdown products of ATP, occasioned by the high energy demands of these organs, to rapidly regenerate adenine nucleotides. This resynthesis route, while efficient and energetically favourable, leaves these organs vulnerable to loss of salvageable metabolites, with the potential for protracted depletion of the means to synthesize ATP, and the ability to deploy neuro- and cardioprotective adenosine. DOI: 10.1016/j.neuropharm.2022.109370 Study: weak evidence | Gessner P, Lum J, Frenguelli BG. The mammalian purine salvage pathway as an exploitable route for cerebral bioenergetic support after brain injury. Neuropharmacology. 2023;224:109370. |
| 3. | ● The dominance of nucleic acids and molecular biology in contemporary biochemistry tends to obscure the fact that biological and chemical knowledge of the purines substantially predated their discovery as nucleic acid constituents and can be traced back over 200 years. The first of these compounds to be isolated was uric acid (1) obtained by Scheele and Bergman in 1776 from bird excreta, human urine and urinary calculi. Undoubtedly this early discovery was greatly facilitated by the relatively low solubility of uric acid and hence its tendency to crystallize easily from biological fluids and extracts. Interest in the chemistry of urinary calculi also led Marcet, some forty years later, to the discovery of xanthine (2). Guanine (3) was isolated by Magnus in 1844 from guano, hence the name, and this discovery was followed in 1850 by Scherer’s isolation of hypoxanthine (4) from beef spleen. The last of the commonly occurring purines to be discovered was adenine (5) obtained by Kossel in 1885-6 from beef pancreas. The dominance of nucleic acids and molecular biology in contemporary biochemistry tends to obscure the fact that biological and chemical knowledge of the purines substantially predated their discovery as nucleic acid constituents and can be traced back over 200 years. The first of these compounds to be isolated was uric acid (1) obtained by Scheele and Bergman in 1776 from bird excreta, human urine and urinary calculi. Undoubtedly this early discovery was greatly facilitated by the relatively low solubility of uric acid and hence its tendency to crystallize easily from biological fluids and extracts. Interest in the chemistry of urinary calculi also led Marcet, some forty years later, to the discovery of xanthine (2). Guanine (3) was isolated by Magnus in 1844 from guano, hence the name, and this discovery was followed in 1850 by Scherer’s isolation of hypoxanthine (4) from beef spleen. The last of the commonly occurring purines to be discovered was adenine (5) obtained by Kossel in 1885-6 from beef pancreas. DOI: 10.1007/978-94-011-4906-8_6 Book: strong evidence | Brown EG. Purines. Ring Nitrogen and Key Biomolecules. 2012:128-166. |
| 4. | ●
Book: moderate evidence | Martz E. Timeline of Protein Chemistry. 2002. Zusammenfassung aus dem Buch Tanford Ch, Rynolds J. Nature's Robots - A History of Proteins. Oxford University Press, 2001. |
| 5. | ● 2.1 Discovery of Purines and Pyrimidines The history of purines and pyrimidines began in 1776 when the Swedish pharmacist Carl Wilhelm Scheele isolated uric acid from bladder stones (Scheele 1776). Almost seven decades later, in 1844, guanine was isolated by Unger from the faeces of Peruvian guano sea birds (Unger 1846). At the end of the nineteenth century, several principal purines (adenine, xanthine and hypoxantine) and pyrimidines (thymine, cytosine and uracil) were discovered by Ludwig Karl Martin Leonhard Albrecht Kossel (1853–1927; see Jones 1953; Bendich 1955; Persson 2012; the original Kossel report appeared in Chem. Ber., 1885, 18, 79). Interestingly, already at that stage it was believed that these substances constitute the main part of cell nuclei; Kossel followed experimental protocols of Friedrich Miescher (1844–1895), who was the first to isolate the nuclear material rich in phosphorus that was called ‘nuclein’ (Miescher 1874; Hoppe-Seyler 1871). In the same period the great Emil Fischer started to investigate the structure of caffeine and related compounds (Fischer 1881). He solved the structures and confirmed them by synthesis. It was also Emil Fischer who, based on his structural studies, introduced the term ‘purines’ (purum uricum) (Fischer 1907); this was one of the reasons for his Nobel Prize in 1902. The term ‘pyrimidines’ was introduced by (Pinner 1885). An arduous task of determining the sugar part of nucleosides (and nucleotides) followed and was finally solved by Phoebus Aaron Levene (Levene and Jacobs 1908; Levene and Tipson 1931). In 1927, Gustav Embden and Margarete Zimmermann described adenosine monophosphate in skeletal muscle (Embden and Zimmermann 1927). Adenosine 50 -triphosphate (ATP) was discovered in 1929, independently by Karl Lohmann in Germany and by Cyrus Hartwell Fiske and Yellagaprada SubbaRow in the USA (Fiske and SubbaRow 1929; Lohmann 1929). Lohman (1898–1978) was in those days working as the assistant of Otto Meyrhoff in Berlin; Fiske (1890–1978) was an associate professor in Harvard Medical School in Boston, and SubbaRow (1896–1948) was Fiske’s PhD student (Fig. 2.1). Lohman’s publication appeared several months earlier (in August 1929) than the paper by Fiske and SubbaRow (which was published in October 1929), and yet the latter had obtained the first evidence for ATP probably as early as 1926. It all came to a climax in August 1929, during the thirteenth Physiological Congress in Boston when Lohman and Fiske discussed the priority matters. Whether Fiske briefed Otto Meyerhof, who was Lohmann’s director, about his discovery (and then Meyerhof pushed Lohman’s publication) or not, remains a matter of doubt (the dramatic history of ATP discovery is described in detail in Maruyama 1991). In the following decade, the role of ATP in cell energetics was firmly established and the concept of the ‘high-energy phosphate bond’ was introduced by Fritz Lipman (Lipman 1941). DOI: 10.1007/978-3-642-28863-0_2 Book: strong evidence | Burnstock G, Verkhratsky A. Early History of Purinergic Signaling. In: Purinergic Signalling and the Nervous System. Berlin/Heidelberg: Springer;2012:7-66. |
| 6. | * Historische Betrachtung und Geschichte zu Protein. Hatte Hofmeister die amidartige Verknüpfung der Aminosäuren in den Proteinen postuliert, so erbrachte Emil Fischer (1852-1919)82 dafür den exakten chemischen Beweis. Emil Fischer erhielt den Nobelpreis für Chemie 1902 für „seine synthetischen Arbeiten auf dem Gebiet der Zucker und der Purine“. DOI: - | Schwenke KD. Vom Eyweiss zum Protein: Zur Geschichte eines Begriffes. Mitteilungen Gesellschaft Deutscher Chemiker. Frankfurt/Main;2007;19:25-49. |
| 7. | ● Proteins are made up of 20 amino acids. Each amino acid has an α-carboxyl group, a primary α-amino group, and a side chain called the R group (see Image. Amino Acid Generic Structure). Unlike other amino acids, proline has a secondary amino group. The side chain varies from 1 amino acid to the other. Nutritionally, amino acids are divided into 3 groups—essential, nonessential, and semi-essential. Semi-essential amino acids are synthesized by the body but are designated essential during periods of stress. Nine amino acids, including histidine, isoleucine, leucine, lysine, methionine, phenylalanine, threonine, tryptophan, and valine, are classified as essential amino acids because they cannot be synthesized by human or other mammalian cells. Therefore, these amino acids must be supplied from an exogenous diet. Besides 20 amino acids that participate in protein synthesis, recently, 2 more new amino acids have been described—selenocysteine and pyrrolysine. Selenocysteine occurs at the active site of several enzymes, including thioredoxin reductase and glutathione peroxidase. Pyrrolysine is not present in humans but is used in the biosynthesis of proteins in some methanogenic species, such as archaea and bacteria. Website | Lopez MJ, Mohiuddin SS. Biochemistry, essential amino acids. In: StatPearls. National Library of Medicine. 2024. |
| 8. | * Narratives Review For at least 60 years, it has been the convention to divide amino acids into two categories: indispensable (or essential) and dispensable (or nonessential). This categorization provides a convenient, and generally useful, way of viewing amino acid nutrition. However, despite the longevity of the convention, as more information has become available, the distinctions between dispensable and indispensable amino acids, at least at the metabolic level, have become increasingly blurred. According to this restricted metabolic definition of essentiality, threonine and lysine (and perhaps tryptophan) are the only truly essential amino acids. the original nutritional definition of an indispensable amino acid was, “One which cannot be synthesized by the animal organism out of materials ordinarily available to the cells at a speed commensurate with the demands for normal growth.“ This is because some indispensable amino acids can be synthesized from precursors that are structurally very similar. For example, methionine can be synthesized both by transamination of its keto acid analogue and by remethylation of homocysteine. In this sense, then, the mammal is capable of synthesizing leucine, isoleucine, valine, phenylalanine and methionine. However, this is not new synthesis, because the branched-chain keto acids and homocysteine were originally derived from branched-chain amino acids and methionine, respectively. According to this restricted metabolic definition of essentiality, threonine and lysine (and perhaps tryptophan) are the only truly essential amino acids.
DOI: 10.1093/jn/130.7.1835S Study: weak evidence | Reeds PJ. Dispensable and indispensable amino acids for humans. J Nutr. 2000;130(7):1835S–1840S. |
| 9. | ● Nucleic Acid Digestion The nucleic acids DNA and RNA are found in most of the foods you eat. Two types of pancreatic nuclease are responsible for their digestion: deoxyribonuclease, which digests DNA, and ribonuclease, which digests RNA. The nucleotides produced by this digestion are further broken down by two intestinal brush border enzymes (nucleosidase and phosphatase) into pentoses, phosphates, and nitrogenous bases, which can be absorbed through the alimentary canal wall. The large food molecules that must be broken down into subunits are summarized in Table 2. Website | LumenLearning: Chemical Digestion and Absorption: A Closer Look. |
| 10. | * Narratives Review Here, we review the current understanding of the intestinal absorption of nucleobases and analogs. This includes recent knowledge about the efflux transport of those compounds across the basolateral membrane when exiting epithelial cells, following brush border uptake, in order to complete the overall absorption process; the facilitative transporters of equilibrative nucleoside transporter 1 (ENT1/SLC29A1) and equilibrative nucleobase transporter 1 (ENBT1/SLC43A3) may be involved in that in many animal species, including human and rat, without any major species differences. DOI: 10.1248/bpb.b20-00342 Study: weak evidence | Yuasa H, Yasujima T, Inoue K. Current Understanding of the Intestinal Absorption of Nucleobases and Analogs. Biol Pharm Bull. 2020;43(9):1293-1300. |
| 11. | ● Kapitel in Fachlexikon (Enzyklopädie-Beitrag) Purine nucleotide degradation starts with nucleoside for mation (adenosine, inosine, and guanosine) through removal of phosphate moieties (Figure 3) mainly catalyzed by the 50 nucleotidase enzymes. Inosine and guanosine, through the action of purine-nucleoside phosphorylase, are transformed into the purine bases hypoxanthine and guanine, respectively. Adenosine is converted into inosine by the enzyme adenosine deaminase. Guanine, on the other hand, is converted to xanthine by guanine deaminase. Finally, the purine bases hypoxanthine and xanthine (oxypurines) are oxidized to urate by the enzyme xanthine oxidoreductase, one of its iso forms being xanthine oxidase, which is a substrate for com monly used urate-lowering gout medications. In general, the activity of these enzymes is regulated by substrate availability. In humans and primates, urate is the final product of purine metabolism, but in most other animals, urate is degraded to allantoin by the enzyme uricase. DOI: 10.1016/B978-0-12-386456-7.04303-3 Book: moderate evidence | Gaffo AL. Crystal Diseases. In: McManus LM, Mitchell RN. Pathobioloogy of Human Disease. 2014:1935-1949. |
| 12. | * Narratives Review At physiologic pH, uric acid is a weak acid with a pKα of 5.8. Uric acid exists majorly as urate, the salt of uric acid. As urate concentration increases in blood, uric acid crystal formation increases. The normal reference interval of uric acid in human blood is 1.5 to 6.0mg/dL in women and 2.5 to 7.0mg/dL in men. The solubility of uric acid in water is low, and in humans, the average concentration of uric acid in blood is close to the solubility limit (6.8mg/dL). When the level of uric acid is higher than 6.8mg/dL, crystals of uric acid form as monosodium urate (MSU). Humans cannot oxidize uric acid to the more soluble compound allantoin due to the lack of uricase enzyme. Normally, most daily uric acid disposal occurs via the kidneys [2]. The production and catabolism of purines are relatively constant between 300 and 400mg per day. The kidneys eliminate approximately two-thirds, while the gastrointestinal tract eliminates one-third of the uric acid load. Almost all uric acid is filtered from glomeruli, while post-glomerular reabsorption and secretion regulate the amount of uric acid excretion. The proximal tubule is the site of uric acid reabsorption and secretion, and approximately 90% is reabsorbed into blood. This is primarily accomplished at the proximal tubular level by transporters that exchange intracellular anions for uric acid. Almost all reabsorption of uric acid occurs at the S1 segment of the proximal tubule. In the S2 segment of the proximal tubule, uric acid is secreted to a greater extent than that which undergoes reabsorption. Post-secretory reabsorption occurs at a more distal site of the proximal tubule, and approximately 10% of the filtered uric acid appears in the urine [1].
The kidneys eliminate approximately two-thirds, while the gastrointestinal tract eliminates one-third of the uric acid load. Almost all uric acid is filtered from glomeruli, while post-glomerular reabsorption and secretion regulate the amount of uric acid excretion. The proximal tubule is the site of uric acid reabsorption and secretion, and approximately 90 % is reabsorbed into blood. Almost all reabsorption of uric acid occurs at the S1 segment of the proximal tubule. In the S2 segment of the proximal tubule, uric acid is secreted to a greater extent than that which undergoes reabsorption. Post-secretory reabsorption occurs at a more distal site of the proximal tubule, and approximately 10 % of the filtered uric acid appears in the urine. DOI: 10.1016/j.ijcard.2015.08.109 Study: weak evidence | Maiuolo J, Oppedisano F et al. Regulation of uric acid metabolism and excretion. Int J Cardiol. 2016;213:8-14. |
| 13. | * Beobachtungsstudie mit 123 anurischen Hämodialysepatienten Serum urate levels (SUAs) are regulated by the balance between production and excretion of uric acid. Urate is excreted via renal and extra-renal pathways, the latter mainly involving the intestinal tract. According to radio-isotope experiments conducted more than half a century ago1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12, roughly two-thirds of urate excretion occurs via the renal pathway, and the remaining one-third mainly via the intestine in normal individuals. In the intestine, uric acid is also excreted by several urate transporters including ABCG219,20,21,22. The expression of ABCG2 in the intestine is remarkable compared to other intestinal urate transporters (e.g. SLC2A9, SLC17A4, and ABCC4) (browsed THE HUMAN PROTEIN ATLAS, https://www.proteinatlas.org/, 2022/8/17). Additionally, it has been reported that single nucleotide polymorphisms (SNPs) of ABCG2 have an order of magnitude greater impact on the SUA and gout than do the SNPs of other urate transporters expressed in the intestine in the general population23,24. The impact of ABCG2 SNPs was even greater in chronic kidney disease patients who have lower renal urate excretion than in the general population24,25. Indeed, there are many papers suggesting that ABCG2 is the major exporter in extra-renal urate excretion26,27,28,29,30,31,32. SUA and PoolUA increased significantly with ABCG2 dysfunction, and extra-renal ABCG2 could excrete up to approximately 60% of the daily uric acid turnover in hemodialysis patients. Our findings indicate that the extra-renal urate excretion capacity can expand with renal function decline and highlight that the extra-renal pathway is particularly important in the uric acid homeostasis for patients with renal dysfunction. In other words, extra-renal ABCG2 can excrete up to approximately 60% of the uric acid production in response to decreased renal function. Therefore, ABCG2-mediated urate excretion in the intestine would serve an important role in compensating for the loss of renal urate excretion under conditions of decreased or lost renal function. DOI: 10.1038/s41598-022-26519-x Study: moderate evidence | Ohashi Y, Toyoda M et al. Evaluation of ABCG2-mediated extra-renal urate excretion in hemodialysis patients. Sci Rep. 2023;13(1):93. |
| 14. | ● Kapitel in Buch Book: strong evidence | Matthews DE. Proteins and amino acids. In: Shils ME, Olson JA, Shike M, Ross AC, editors. Modern Nutrition in Health and Disease. 9th ed. Philadelphia: Lippincott, Williams & Wilkins; 1999. |
| 15. | * Prospektive Beobachtungsstudie (Kohortenstudie) DOI: 10.1093/ndt/gfab036 Study: moderate evidence | Wagner S, Merkling T et al. Water intake and progression of chronic kidney disease: the CKD-REIN cohort study. Nephrol Dial Transplant. 2022;37(4):730-739. |
| 16. | * Narratives Review We previously demonstrated that some hyperuricemic patients who were being treated with an XOR inhibitor still had high plasma XOR activities independent of uric acid levels, indicating resistance to an XOR inhibitor (17). Those subjects were being treated for diabetes mellitus and/or had obesity and liver dysfunction. In addition, plasma XOR activities have been reported to be unexpectedly high in some female subjects with uric acid levels of <4.0 mg/dL who had insulin resistance and/or liver dysfunction (18). These findings indicate the possible significance of lowering plasma activity of XOR, not only lowering uric acid level. Rather than reducing uric acid level, inhibiting plasma XOR activity could be a novel therapeutic strategy for cardiovascular and metabolic diseases DOI: 10.1152/ajpendo.00378.2020 Study: weak evidence | Furuhashi M. New insights into purine metabolism in metabolic diseases: role of xanthine oxidoreductase activity. American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism. 2020;319(5):E827–E834. |
| 17. | * Why most patients with gout present with acidic urine yet only 20% have uric acid stone formation remains unclear. Narratives Review uric acid stones: Hyperuricuria, low urinary output and acidic urine are well known contributing factors. However, the most important factor for uric acid stone formation is persis tently acidic urine.
Uric acid is the end product of purine metabolism in humans. In other mammals uric acid is further broken down into allantoin by the enzyme uricase. Allantoin is 10 to 100 times more soluble compared with uric acid. Humans and Dalmatian dogs are the only known mammals prone to uric acid stone formation. However, the mechanism of stone for mation in the Dalmatian dog is related to an increased frac tional excretion of uric acid
Two factors contrib ute to uric acid solubility: uric acid concentration and solu tion pH. However, the solubility of uric acid in urine is primarily determined by urinary pH. The first pKa of uric acid is at a pH of 5.5, resulting in the loss of 1 proton from uric acid and the formation of anionic urate.17 The second pKa is 10.3, which has no physiological significance in humans. The supersaturation of urine with uric acid occurs whenurinary pHisless than 5.5. In contrast, at a pH of more than 6.5 the majority of uric acid is in the form of anionic urate (fig. 1).
Urinary alkalization with potassium citrate or sodium bicarbonate is a highly effective treatment, resulting in dissolution of existing stones and prevention of recurrence
The primary treatment modal ity is dietary restriction of purine rich foods. If this approach is unsuccessful, allopurinol is the medication of choice. Po tassium citrate is also effective in preventing calcium oxalate crystallization.45 Patients with symp tomatic hyperuricemia or those not responding to dietary modifications should receive allopurinol. Allopurinol is a xanthine oxidase inhibitor that converts hypoxanthine to xanthine and xanthine to uric acid. Xan thine and hypoxanthine are soluble and are excreted by the kidney. Allopurinol also deceases de novo purine synthesis. Inhibition of purine synthesis does not occur in patients with myeloproliferative disorders or hypoxanthine guanine phos phoribosyl transferase deficiency. Therefore, xanthine stones may form during allopurinol therapy in these individu als.77,78 Oxypurinol is a metabolite of allopurinol. High dose allo purinol therapy rarely has been associated with oxypurinol stones or nephropathy.79 In patients with myeloproliferative disorders allopurinol should be given before chemotherapy to reduce the risk of uric acid stones due to cell lysis. DOI: 10.1016/S0022-5347(05)64439-4 Study: weak evidence | Shekarriz B, Stoller ML. Uric acid nephrolithiasis: current concepts and controversies. J Urol. 2002;168(4 Pt 1):1307-1314. |
| 18. | ● Dazu die Unterseiten Fibromyalgie-Syndrom, Morbus Bechterew, Systemischer Lupus erythematodes (SLE), Glossar, Osteoporose, Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie (systemische Sklerose), Juvenile idiopathische Arthritis (JIA), Vaskulitis, Arthrose, Weichteilrheuma, Gicht, Pseudogicht. Website | Rheumaliga ch: Rheuma von A bis Z. |
| 19. | ● Book: moderate evidence | Hettenkofer HJ (Hrsg.). Rheumatologie: Diagnostik – Klinik – Therapie. 5. Aufl. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2003. |
| 20. | * Narratives Review Gout, the most common inflammatory joint disease worldwide [1], is characterized by the deposition of monosodium urate (MSU) crystals in joints and surrounding tissues, causing acute pain and inflammation. Recognized since ancient times [2] as the “disease of kings” due to its associations with lifestyle factors, gout’s pathogenesis centers on elevated serum uric acid (SUA) levels, or hyperuricemia, which is now recognized as a primary etiological factor for crystal deposition. The importance of managing gout and hyperuricemia extends beyond simply reducing painful joint flares. Hippocrates, who described gout around 400 BC, observed potential associations with broader health issues [6], a notion that research in the 20th and 21st centuries has supported and expanded. Today, gout and hyperuricemia are recognized as systemic metabolic disorders associated with a range of comorbidities, including cardiovascular diseases, chronic kidney disease, metabolic syndrome, and hepatic steatosis. Hyperuricemia does not necessarily lead to gout. It has been reported that only up to 36% of hyperuricemic individuals develop gout attacks. It has, however, been found that only about half of the individuals with SUA concentrations of ≥600 μmol/L (approximately 10 mg/dL) developed clinically evident gout over a 15-year period [23]. It is not completely clear why some hyperuricemic individuals develop gout attacks and others do not. The mechanisms implicated include the overstimulation of cell proliferation and inflammation, the production of genetic variance in chemotactic cytokines, and the internalization of pro-apoptotic and inflammatory factors induced by extracellular uric acid . DOI: 10.3390/jcm13247616 Study: weak evidence | Timsans J, Palomäki A, Kauppi M. Gout and hyperuricemia: a narrative review of their comorbidities and clinical implications. JCM. 2024;13(24):7616. |
| Wir haben Studien und Bücher zu Ernährung und Gesundheit nach folgenden 3 Evidenz-Kategorien markiert: grün=starke Beweiskraft, gelb=mittlere, violett=schwache. Die restlichen Quellen sind grau markiert. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Beitrag: Wissenschaft oder Glaube? So prüfen Sie Publikationen. | ||
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