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Diabetes 2 vorbeugen mit pflanzlicher Kost - einfach erklärt

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes. Erfahren Sie, wie eine pflanzliche Ernährung Typ-2-Diabetes vorbeugt oder lindert.

Traditionellen Messung des Blutzuckers durch Stich in eine Fingerkuppe.© Public Domain, stevepb, Piaxabay

Dieser Beitrag fasst das Wesentliche aus dem ausführlichen Artikel Pflanzliche Ernährung kann Diabetes 2 verhindern oder heilen zusammen. Die dort genannten 105 Quellen, meist wissenschaftliche Studien, gelten für beide Beiträge.

Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus bezeichnet eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzucker dauerhaft erhöht ist.

Mit dem Essen nimmt der Mensch Kohlenhydrate auf. Das Verdauungssystem spaltet Kohlenhydrate in die Einfachzucker Glukose, Fruktose und Galaktose. Diese Einfachzucker gelangen vom Darm ins Blut und geben dem Körper Energie. Das Hormon Insulin – produziert in der Bauchspeicheldrüse – sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen (u.a. Muskel- und Fettzellen) gelangt.

Insulin funktioniert dabei wie ein "Schlüssel": Er öffnet das "Schloss" in der Zelle, damit der Zucker hineinkommt.

Bei Diabetes funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr richtig. Der Zucker bleibt im Blut – der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft zu hoch. Das schädigt über die Zeit Blutgefässe, Nerven und Organe. Unbehandelt kann Diabetes zu ernsthaften Komplikationen führen, bis zu Amputationen.

Weltweit litt 2024 jede neunte Person zwischen 20 und 79 Jahren an Diabetes. Die Zahl nimmt weiter zu.

Typ 1 und Typ 2 – was ist der Unterschied?

Leitlinien der ADA (American Diabetes Association), WHO (World Health Organization) und die Deutsche Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) beschreiben die zwei Haupttypen folgendermassen:

Diabetes Typ 1 ist eine genetisch veranlagte Erkrankung. Beim autoimmun bedingten Typ-1-Diabetes zerstört das eigene Immunsystem die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Der Körper kann keinen "Schlüssel" mehr produzieren. Betroffene brauchen lebenslang Insulininjektionen. Typ 1 tritt häufig im Kindes- oder Jugendalter auf und macht etwa 5–10 % aller Diabetesfälle aus. LADA (Latent Autoimmun Diabetes in Adults) bezeichnet eine Form des Diabetes Typ 1, die erst im Erwachsenenalter auftritt.

Zudem gibt es noch den idiopathischen Typ-1-Diabetes. Hierbei besteht ein permanenter Insulinmangel und keine Autoimmunität der Beta-Zellen.

Diabetes Typ 2 ist mit rund 90-95 % aller Fälle die deutlich häufigere Form. Hier besteht das Hauptproblem nicht in einem fehlenden Insulin. Der Körper produziert zwar noch Insulin, aber die Zellen reagieren nicht mehr darauf. Diese sogenannte Insulinresistenz ist vergleichbar mit einem "kaputten Schloss" – der "Schlüssel" ist noch da, aber das "Schloss" ist defekt. Typ-2-Diabetes entsteht schleichend über Jahre.

Insulinmangel kann als Folge einer jahrelangen Überproduktion auftreten. Dabei benötigen Patienten ebenso Insulininjektionen. Neuere Forschungen weisen auf Subtypen des Typ-2-Diabetes hin, die das Ausmass der Insulinresistenz benennen. Es existieren auch Formen, bei denen ein ausgeprägter Insulinmangel ohne Autoimmunreaktion vorliegt - und das ohne vorherige Insulinresistenz. Entscheidend ist daher eine individuell angepasste Therapie, die den jeweiligen Stoffwechseltypen berücksichtigt.

Neben den klassischen Diabetesformen existieren spezifische Varianten, deren Klassifikation nicht immer eindeutig ist. Dazu zählt Schwangerschaftsdiabetes, der erstmals während der Schwangerschaft auftritt und in der Regel vorübergehend bleibt. Ferner gibt es seltene Diabetesformen, ausgelöst durch genetische Defekte, bestimmte Medikamente, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder durch chronische Unterernährung.

Wie entsteht Diabetes Typ 2?

Am Anfang steht meistens die Insulinresistenz: Die Körperzellen reagieren schwächer auf Insulin ("kaputtes Schloss"). Als Reaktion produziert die Bauchspeicheldrüse mehr und mehr Insulin, um den Blutzucker zu regulieren. Das Insulin reicht trotzdem nicht aus ("relativer Insulinmangel"). Auf Dauer erschöpft die Bauchspeicheldrüse dabei, die Insulinproduktion nimmt ab. Der Körper kann nun auch nicht mehr genügend "Schlüssel" produzieren (= Insulinmangel).

Einer wichtiger Auslöser: Zu viel Fett im Blut gelangt in Muskel- und Leberzellen und stört dort die Insulinwirkung direkt – wie "Rost in einem Schloss". Neben einer fettreichen Ernährung trägt auch Übergewicht dazu bei. Die Zellen geben aufgrund des Überlaufeffekts (spillover) konstant Fett ins Blut ab.

Auch chronische Entzündungen spielen eine Rolle: Bauchfett (sogenanntes viszerales Fett) setzt entzündungsfördernde Stoffe frei. Diese beeinträchtigen ebenfalls die Insulinwirkung.

Bevor Diabetes Typ 2 entsteht, gibt es die Vorstufe Prädiabetes. Der Blutzucker ist zwar erhöht, liegt aber noch unter dem Grenzwert zur Diabetesdiagnose. Die Entwicklung zu Diabetes Typ 2 erfolgt schleichend. Viele Betroffene ahnen davon nichts, da sie anfangs nichts spüren.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes:

  • Übergewicht – besonders viel Bauchfett
  • Bewegungsmangel – untätige Muskeln nehmen kaum Zucker auf
  • Ungesunde Ernährung – viel tierisches Protein, gesättigte Fette, Weissmehlprodukte, Süssgetränke
  • Genetische Veranlagung – Diabetes in der Familie
  • Umweltgifte (sogenannte POPs): Diese gelangen ins Körperfett und beeinträchtigen die Insulinwirkung. 95 % dieser Schadstoffe erreichen über tierische Lebensmittel, inkl. Ei, Fisch und Milchprodukte den menschlichen Körper.
  • Frühere Schwangerschaftsdiabetes – ev. latente Stoffwechselschwäche vorhanden
  • hormonelle Erkrankungen – Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Schilddrüsenerkrankungen, Cushing-Syndrom
  • Chronischer Stress, unregelmässiger Schlaf, Rauchen
  • Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen - als Vor-, Begleit- oder Folgeerkrankungen

Wie erkennt man Diabetes?

Bei Typ-1-Diabetes treten Symptome oft schnell und heftig auf: starker Durst, unerklärlicher Gewichtsverlust, starke Müdigkeit oder extreme Schwäche. In Extremfällen kommt es zu einem diabetischen Koma (Atem riecht süsslich nach Aceton).

Die Symptome bei Typ-2-Diabetes erscheinen oft schwächer und machen lange keine Beschwerden. Typische Symptome: Durst, häufiger Harndrang, Müdigkeit, Schwächeanfälle, Konzentrationsstörungen, trockenere Haut, Sehstörungen, langsam heilende Wunden, wiederkehrende Infekte und Heisshungerattacken. Deshalb ist regelmässige Kontrolle ab etwa 35 Jahren wichtig – oder früher, wenn Risikofaktoren vorliegen. Erhöhte Werte von Nüchternblutzucker und HbA1c ("Langzeitzucker") geben eindeutigen Hinweis auf Diabtes mellitus. Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 mg Glukose nach 1 und 2 h erfolgt bei uneindeutigen Ergebnissen als Bestätigung (> 11,1 mmol/l).

Blutzucker-Grenzwerte gemäss Diabetes-Schweiz:

NPG-Wert ("Nüchternblutzucker")

Der Nüchternblutzucker misst den aktuellen Blutzuckerwert zu einem bestimmten Zeitpunkt. Zeigt akute Schwankungen, Unterzuckerung oder Überzuckerung. Hilfreich bei Therapiekontrolle im Alltag.

  • Normal: < 100 mg/dl (< 5,6 mmol/l)
  • Prädiabetes: 100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l)
  • Diabetes mellitus: ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l)

HbA1c-Wert ("Langzeitzucker")

Der HbA1c-Wert gibt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 8–12 Wochen an. Er gilt als wichtiges Diagnose- und Kontrollinstrument für Diabetes.

  • Normal: < 5,6 % (ca. 20-38 mmol/mol)
  • Prädiabetes: 5,7-6,4 % (39-47 mmol/mol)
  • Diabetes mellitus: ≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol)

Der optimale HbA1c-Wert für einen gesunden, nicht-diabetischen Erwachsenen liegt im unteren Bereich des Normbereichs, etwa zwischen 4,8 % und 5,2 %. Ein HbA1c-Wert unter 4 % ist selten und kann auf Störungen der roten Blutkörperchen hinweisen.

Was können Sie dagegen tun?

Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar – Betroffene brauchen dauerhaft Insulin. Wichtig ist die Kontrolle über den eigenen Blutzucker. Methoden wie Broteinheiten (BE), Kohlenhydrateinheiten (KE), glykämischer Index (GI) und glykämische Last (GL) helfen bei der Berechnung des Kohlenhydratanteils.

Diabetes Typ 2 dagegen ist in vielen Fällen vermeidbar (Prävention). In frühen Krankheitsstadien oder bei milden Verläufen ist eine Remission möglich - das bedeutet normale Blutzuckerwerte ohne oder mit reduzierter Medikation.

Ernährung umstellen

Eine vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung bringt den grössten Nutzen. Studien zeigen, dass damit viele Betroffene ihre Medikamente reduzieren oder ganz absetzen konnten.

Was hilft:

  • Viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen (Leinsamen, Walnüsse, Chiasamen, Macadamianüsse), gelegentlich Hülsenfrüchte (Ackerbohnen, Mungbohnen, Kichererbsen, Linsen) essen
  • Tierische Produkte meiden: Fleisch, Wurst, Milchprodukte und Eier erhöhen nachweislich das Diabetesrisiko
  • Wenig oder kein raffiniertes Getreide (z.B. ballaststoffarme Weissmehlprodukte), zuckerhaltige Getränke (inkl. Fruchtsäfte) und Süsswaren. Ebenfalls einschränken: gebratene oder frittierte Kartoffeln
  • Weniger gesättigte Fette (vor allem aus tierischen Produkten sowie Kokosfett und Palmfett)
  • Kein Alkohol (Alkohol führt zu Blutzuckerschwankungen - Unterzuckerung!)

Eine bewusste, vegane Ernährung hilft zudem, Quellen für persistente organische Schadstoffe (POPs) zu vermeiden.

Beachten Sie, dass auch eine ungesunde pflanzliche Ernährung (Fertigprodukte, Süssgetränke, etc.) das Diabetesrisiko erhöhen kann.

Nicht nur Veganer oder Vegetarier sollten das lesen:
Veganer essen oft ungesund. Vermeidbare Ernährungsfehler
.

Essenspausen einhalten

Das Reduzieren der Essensphasen auf 8–10 Stunden tagsüber – etwa beim Intervallfasten – senkt den Nüchternblutzucker, den HbA1c-Wert, die Insulinresistenz und das Körpergewicht. Besonders bei Prädiabetes entfaltet diese Methode eine hohe Wirksamkeit, indem längere Essenspausen die Stoffwechselprozesse stabilisieren.

Intervallfasten ist für Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht geeignet, weil es das Risiko für Unterzuckerung erhöht.

Gewicht reduzieren

Weniger Körperfett, besonders im Bauchbereich, verbessert die Insulinwirkung deutlich. Eine pflanzenbasierte Ernährung zeigt eine bessere Insulinsensitivität, stabilere Blutzucker- und Insulinwerte sowie zuverlässig arbeitende Bauchspeicheldrüsenzellen. Daher empfehlen wir keine Crashdiät, sondern eine langfristige Ernährungsumstellung.

Aktuell gilt das Taille-zu-Grösse-Verhältnis als einer der besten Marker für Gesundheitsrisiken. Dafür rechnen Sie den Taillenumfang durch die Körpergrösse. Zum Beispiel: 80 cm (Taillenumfang) durch 170 cm (Körpergrösse) = 0,47. Ein Wert < 0,5 gilt als gesund, ≥ 0,5 als erhöhtes Risiko und ≥ 0,6 als deutlich erhöhtes Risiko. Obwohl weder Fettverteilung noch Ursache des Gewichts (Fett- oder Muskelmasse), das Alter oder das Geschlecht Berücksichtigung finden, bleibt der BMI (Body-Mass-Index) ein wichtiges Orientierungsmass. Für die Berechnung von Übergewicht gilt ein BMI > 25 kg/m2; für Fettleibigkeit ein BMI > 30 kg/m2.

Wichtig: Auch schlanke Menschen können Typ-2-Diabetes entwickeln – besonders bei wenig Muskelmasse, wenig Bewegung und ungünstiger Ernährung. Äusserliche Schlankheit schützt nicht automatisch.

Mehr Bewegung

Regelmässige Bewegung über längere Zeit wirkt positiv auf Körpergewicht und seelische Gesundheit. Am effektivsten ist eine Kombination aus Ausdauertraining, das die Wirkung von Insulin verbessert, und Krafttraining, das Muskelmasse aufbaut. Mehr Muskelmasse hilft dem Körper, Zucker aus dem Blut besser aufzunehmen.

Bestehende gesundheitliche Probleme, wie Kreislaufprobleme, Nervenschäden (Neuropathie) oder Erkrankungen der Netzhaut im Auge (Retinopathie) erfordern dabei besondere Aufmerksamkeit. Zudem kann der Blutzucker während des Trainings sowohl zu stark sinken als auch ansteigen. Deshalb ist eine regelmässige Kontrolle empfehlenswert.

Medikamente

Schwere Diabetesformen (Insulinmangel oder Insulinresistenz) machen Medikamente unumgänglich und erleichtern das Leben massgebend.

Medikamente lindern die Symptome, indem sie den erhöhten Blutzucker auf verschiedene Weisen behandeln. Die eigentlichen Ursachen - je nach Diabetesform Insulinresistenz, Betazelldysfunktion oder andere Faktoren - beseitigen sie nicht. Langfristig bringt eine Ernährungs- und Lebensstiländerung deshalb mehr als reine Medikation. Das individuelle Therapieziel ist je nach Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Wunsch des Betroffenen unterschiedlich.

Fazit

In vielen Fällen ist Diabetes Typ 2 keine unvermeidliche Schicksalsdiagnose. Ernährung, Gewichtsreduktion und Bewegung leisten präventiv und bei Erkrankung einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung. Wer früh handelt, hat die besten Chancen.

Die Grundformel ist einfach: ein gesundes Körpergewicht anstreben, überwiegend pflanzliche Lebensmittel wählen, tierische und verarbeitete Lebensmittel vermeiden und mehr Bewegung. Diese Lebensweise schützt nicht nur vor Diabetes, sondern vor vielen anderen Erkrankungen.

Bei bestehendem Diabetes, sollten Sie Änderungen des Lebensstils immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt planen – besonders wenn eine Anpassung der Medikamente nötig ist.

Detaillierte Informationen finden Sie im ausführlichen Artikel: Wie pflanzliche Ernährung Diabetes 2 vorbeugt.

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