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Lebensstil der Eltern: Epigenetische Wirkung auf die Kinder

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Wie die Ernährung und der Lebensstil der Eltern ihre ungeborenen Kinder epigenetisch beeinflusst. Wir unterschätzen die epigenetische Wirkung.

Fazit

Nutritional Programming, also die "Ernährungs-Programmierung" beschreibt die Empfindlichkeit (Prädisposition) von Menschen, welche an verschiedensten Krankheiten im Erwachsenenalter leiden. Gründe dafür sind vor allem eine veränderte Entwicklung während der fetalen Phase und in der frühen Kindheit.

Laut dem Paradigma von Barker "Entwicklungsorientierung von Gesundheit und Krankheit" ("Developmental Origins of Health and Disease") beeinflussen die Bedingungen während der Perikonzeption (2-3 Monate vor der Schwangerschaft), sowie die Schwangerschaft und die Laktationsphase sehr stark die jeweiligen Individuen. Eine ungünstige Umwelt verursacht eine Prädisposition für bestimmte, vor allem entzündliche, Krankheiten, die sich später im Erwachsenenleben manifestieren. 1

Über- und Unterernährung sind wichtige Einflüsse, die zu einem schädlichen Umfeld für das ungeborene Kind beitragen. Diese hängen direkt mit metabolischen Bedingungen wie Bluthochdruck, Insulinresistenz, Hyperlipämie und abdominale Fettleibigkeit zusammen.2

Ist die Umwelt schädlich, passt sich der Embryo, der Fötus oder das Neugeborene an, um diese nachteiligen Bedingungen zu überleben. Diese Veränderungen betreffen die Körperfunktionen, Gewebeumbau, Aktivierung oder Stummschaltung bestimmter Gene. Sie können dauerhaft bestehen oder auch aktiv bleiben, obwohl die schädlichen Reize verschwinden.

Unterernährung während der Schwangerschaft und frühen Kindheit kann das Risiko von Fettleibigkeit, Diabetes, metabolisches Syndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben erhöhen. Vorausgesetzt sie ernähren sich ungesund und weisen eine niedrige körperliche Aktivität auf.3

CLICK FOR: Ein kurzes Glossar

 

Embryo: Nachdem das Ei von dem Spermium befruchtet wurde (Zygote), beginnt es sich zu teilen bis es ähnlich wie ein Zellball (Blastozyste) wird und sich in den Uterus bewegt. Hier bildet ein Teil dieser Zellen die Plazenta, während sich die anderen in den Embryo entwickeln. In diesem Stadium werden die meisten inneren Organe und die Körperstruktur gebildet. Die Entwicklung des Gehirns und Rückenmarks findet während der gesamten Schwangerschaft statt. Neue Gehirnzellen entwickeln sich sowohl während der Schwangerschaft, als auch im ersten Jahr nach der Geburt.

Fötus: Nach Ende der 8. Woche nach der Befruchtung (man ist 10 Wochen schwanger) bis zur Geburt bezeichnet man den Embryo als Fötus.

Plazenta: ist das Organ, welches sich in der Gebärmutter einer schwangeren Frau bildet und den Fötus mit der Mutter verbindet. Auf diese Weise erfolgt die Übertragung von Nährstoffen und Sauerstoff. Sie hilft die Abfallprodukte aus dem Blut des Kindes zu entfernen und gegen Infektionen zu kämpfen.

Schwangerschaft/Konzeption: Zeitraum zwischen Empfängnis und Geburt, während sich der Embryo/Fötus im Mutterleib entwickelt.

1. Die Ernährung der Eltern beeinflusst Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Kinder

Es ist allgemein bekannt und eine akzeptierte Tatsache unter vielen Laien und Wissenschaftlern, dass Ernährung und Lebensstil einen direkten Einfluss auf die eigene Gesundheit haben.

Neue Studien3 zeigen dass persönliche Ess- und Aktivitätsgewohnheiten auch den tatsächlichen Gesundheitszustand und das Wohlbefinden einer Person bestimmen durch:

New studies 3 reveal now that, the actual health status and wellbeing of a person might be determined, besides his or hers personal eating and activity habits, by:

  • Die Umgebung, in der sich die Person im fetalen Stadium entwickelt hat (z.B. Zugang zu Nährstoffen, Hormonhaushalt und Belastungsniveau der Mutter, Plazenta).
  • Die Ernährungsform der Eltern.

Mit anderen Worten: Schlechte Lebensgewohnheiten beeinflussen nicht nur jene Personen die diese leben, sondern auch deren Kinder.

Ernährung und Lebensstil der Mutter während der Schwangerschaft, sowie die Ernährungsform beider Eltern vor der Empfängnis führen zu: strukturelle Veränderungen in den Organen des Kindes, Veränderungen in der kindlichen Genexpression (epigenetische Modifikationen) und Veränderungen in der zellulären Alterung.4

Kurzfristig haben alle diese Veränderungen Einfluss auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns, das Wachstum, die Körperzusammensetzung und den Stoffwechsel. Langfristig beeinträchtigen sie die kognitiven Fähigkeiten des Kindes, die Immunität und das Energieniveau, indem sie die Schulleistungen, das erlernte Bildungsniveau, sowie die Fähigkeit, einen Job oder sogar die allgemeine Gesundheit zu bewältigen, beeinflussen.5

Consequences of environment conditions in early life on health and disease outcomes, adapted after Ricardo Uauy, 2011.

Barker entwickelte im Jahr 1990 das Paradigma "The Developmental Origins of Health and Disease" (DOHaD) mit der gleichen Idee. Es besagt, dass die Bedingungen vor der Schwangerschaft (Perikonzeption), während der Schwangerschaft und der Laktation die entwickelnden Individuen prägen. Dies führt im Falle einer ungünstigen Umgebung zu einer Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten im Erwachsenenalter (Prädisposition). 1

2. Wieso passiert das?

Schon in den frühesten Entwicklungsstadien (Embryonal-, Fötusstadium) kann der Organismus durch Anpassungen auf zellulärer, molekularer und biochemischer Ebene auf Umweltauslöser reagieren. Induzieren gewisse ernährungsbedingte Stressoren oder Reize solche Anpassungen, bestehen die Veränderungen im Organismus weiterhin und werden auch in Abwesenheit des Stimulus, der sie initiiert hat, ausgeführt.

Studien bei Tieren folgten zwei Hauptszenarien:

  • Die Überernährung der Mutter – mit hohem Fettanteil, hohem Cholesterin und einer eiweissreichen Ernährung, welche zur mütterlichen Fettleibigkeit führen.
  • Die Unterernährung der Mutter – durch einen Mangel an Mirkonährstoffen (z.B. Ca, Fe, Na, Zn) und Makronährstoffen (z.B. Protein).

Erhielten die Tiere mit einem niedrigen Geburtsgewicht eine kalorienreiche Ernährung, tendierten sie als Adulte zu einer erhöhten Fettzunahme. Denn in der fetalen Phase war der Körper darauf programmiert, den Energieaufwand als eine adaptive Antwort auf die Mängel zu beschränken.7

Andere Forschungsergebnisse6 zeigten, dass eine proteinarme Ernährung und eine Kalorienbeschränkung während der Schwangerschaft zu Veränderungen in den Inselzellen/Langerhanssche Inseln (Engl.: pancreatic islets) führen (z.B. reduzierte Vaskularisation, reduzierte Kapazität zur Erzeugung von Beta-Zellen). Ausserdem rufen sie eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Insulin in den Muskeln hervor. Auch wenn das Baby nach der Geburt und in der Kindheitsphase eine normale Ernährung erhält, sind die Veränderungen in den Organen irreversibel und erhöhen die Prädisposition für Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen. 

Auch kurze Perioden der Ernährungsmanipulation in der frühen Entwicklung haben krankheitsbedingte Auswirkungen, die erst im Erwachsenenalter deutlich werden.6

Hauptmerkmale der Zellen, während der embryonalen und fetalen Phase, sind die Plastizität (die Fähigkeit der Zellen sich in andere Zellen zu verwandeln) sowie die Entwicklung und Strukturierung der Organe. Deshalb sind Auswirkungen von jeglichen krankheitsfördernden Faktoren in dieser Periode stärker als zu einem späteren Zeitpunkt..

3. Metabolische Ernährungsprogrammierung

Ernährungs-(metabolische) Programmierung ist der Prozess, durch den die Qualität und Quantität der Nährstoffe während der Schwangerschaft verbraucht werden, welcher dauerhafte Auswirkungen auf die Entwicklung des Fötus hat.

Derzeitige Forschungen und Experimente fanden nur an Tieren (Ratten und Schafen) statt. Sie wurden überfüttert oder bestimmte Nährstoffe verringert, um die Auswirkungen auf ihre Nachkommen zu beobachten. Am Menschen waren nur epidemiologische Studien möglich. Es gibt Zusammenhänge zwischen den Bedingungen während der Schwangerschaft und den gesundheitlichen Problemen, welche die Menschen später im Erwachsenenleben entwickelt haben.

CLICK FOR: Warum man bei „Nutritional Programming“ nicht an Menschen experimentiert

"Nutritional Programming" erfolgt meist in den Embryonal- und Fötusstadien, wenn die Zellplastizität am Höchsten ist. Um embryonale Zellen und die Auswirkungen der Umwelt auf sie zu studieren, müssten Wissenschaftler diese, hauptsächlich durch In-vitro-Fertilisation, erzeugen, was viele ethische, moralische, religiöse und rechtliche Bedenken auslöst.

Die meisten experimentellen Forschungen an Tieren, welche äussere Bedingungen verändern und in weiterer Folge die Auswirkungen auf das neugeborene und erwachsene Tier untersuchen, sind nicht auf den Menschen replizierbar.

Gründe warum Tierstudien in diesem Bereich immer noch relevant sind:8

  • Ratten, Mäuse und Menschen haben zu 99% ähnliche Gene.
  • Die Umwelt ist einfach zu kontrollieren.
  • Der Lebenszyklus ist kurz und somit die Veränderungen nachvollziehbar.

Qualität und Quantität der Nährstoffe, die von der Mutter während der Schwangerschaft konsumiert werden, können zu signifikanten Veränderungen in den Nachkommen in Bezug auf die Struktur von Gehirn, Nieren und Herz führen. Dies hängt mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzerkrankungen und Störungen der Insulinresistenz zusammen.7

4. Was passiert auf der zellulären Ebene?

Die menschliche Entwicklung im Uterus basiert auf zwei Hauptprozessen: Zellmultiplikation und Zelldifferenzierung (Spezialisierung). Anfänglich gibt es einen kleinen Pool von Zellen (Stammzellen), welche jedes Organ oder Gewebe im Körper werden könnten. Diese Zellen vermehren sich und danach spezialisieren sie sich auf die Eigenschaften eines speziellen Organs. Der Zeitpunkt, zu dem diese Prozesse stattfinden, unterscheidet sich je nach Organ. Das Herz zum Beispiel, formt sich früher als die Geschlechtsorgane und die Lunge entwickelt sich erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft.

The development of organs through cell multiplication and differentiation.

Veränderungen in der Ernährung der Mutter können den Zellteilungs- oder Differenzierungsprozess beeinflussen. Unerwünschte Bedingungen während der Proliferation (Zellteilung) führen z.B. zu einem kleineren Organ, aber mit normalen Zelleigenschaften. Nachteilige Gegebenheiten während der Differenzierung wiederum können zu einem normal grossen Gewebe führen, jedoch mit einer veränderten Form und Funktionalität.7

Ergebnisse verschiedenster Studien zeigen, dass meistens eine schlechte mütterliche Ernährung während der Schwangerschaft zu Veränderungen auf folgenden Gebieten führt:

  • Nieren: Tiere, die Nährstoffdefiziten im fetalen Stadium ausgesetzt sind, haben 30-40% weniger Nieren(leistung??) als normal.7 Studien bei Menschen zeigen, dass die australische Aborigine-Population um 20% eher an Nierenversagen leidet, als die kaukasische Bevölkerung.9
  • Gehirn: Forschungsstudien an Ratten beweisen, dass eine Unterernährung die Dichte der Kapillaren im Gehirn reduziert und dass die für die Appetitregulation verantwortliche Dichte der Neuronen geringer ist.10
  • Bauchspeicheldrüse: Aufgrund verminderter Ernährungsapparate haben die Pankreaszellen bei Tieren weniger Langerhanssche Inseln und die Blutversorgung ist reduziert.7
Ist das fetale Wachstum eine zuverlässige Messung für die zukünftige Gesundheit eines Babys?

Bis jetzt war das fetale Wachstum (Gewicht und Grösse) eines der am meisten erforschten Themen um den Zusammenhang zwischen Umweltbedingungen, Fötusentwicklung und Gesundheitsbedingungen im späteren Leben zu beweisen.

Die von Barker und seinen Kollegen veröffentlichten Forschungsstudien nach der Beobachtung von tausenden Menschen, welche über einen Zeitraum von zwanzig Jahren geboren wurden, haben folgendes gezeigt: Ein geringes Gewicht bei der Geburt gilt als Vorhersage (Prädiktor) für hohen Blutdruck, ein höheres Blutgerinnungsrisiko, eine beeinträchtigte Glukosetoleranz, Typ 2 Diabetes und das metabolische Syndrom.7

Andere Faktoren, die zukünftige Gesundheitsbedingungen vorhersagen, sind: verminderter Bauchumfang, grosser Kopfumfang in Bezug auf die Körperlänge und geringes Gewicht im Verhältnis zur Körperlänge.

Die Forschungsstudie von Rosenboom11 über die niederländische Hungersnot und ihre Auswirkungen auf die in dieser Zeit geborenen Kinder, zeigt deutlich, dass eine Mangelernährung während der Schwangerschaft die Gesundheit dieser Personen im späteren Leben beeinflusst.

Andererseits beweisen Tierforschungen, dass diese Auswirkungen der Umweltbedingungen über das fetale Wachstum hinausgehen. Aber da dies weniger offensichtlich ist und auf verschiedenen Ebenen ausgedrückt wird, ist es schwierig es experimentell zu beobachten.

Auch wenn der Fötus normal weiter wächst, kann das Nährstoffdefizit einen gravierenden Einfluss auf die zukünftige Gesundheit haben. Aus dieser Perspektive kann das Geburtsgewicht nicht nur der einzige Gesundheits-Prädiktor für das Erwachsenenleben sein.

Ein normales Geburtsgewicht ist kaum eine Garantie dafür, dass das Baby die richtige Ernährung erhielt und optimale Entwicklungsbedingungen hatte.

Nach der Beobachtung der Kinder, die während und nach der niederländischen Hungersnot geboren wurden, kam Rosenboom zu dem Schluss, dass eine mütterliche Unterernährung während der Schwangerschaft die Gesundheit dauerhaft beeinflussen kann, ohne die Grösse des Babys bei der Geburt zu beeinträchtigen.10 Darüber hinaus hängen die Auswirkungen der Unterernährung vom Zeitpunkt der Schwangerschaft und dem kritischen Zeitfenster der Entwicklung der Organe und der Systeme ab.

Zum Beispiel hatten jene Individuen, die vor der holländischen Hungersnot schwanger wurden und in der späteren Schwangerschaft einer energiearmen Umgebung ausgesetzt waren, als Erwachsene ein erhöhtes Risiko für Insulinresistenz und beeinträchtigte Glukosetoleranz. Diejenigen, die während der Hungersnot schwanger wurden, hatten während des Erwachsenenalters ein erhöhtes Risiko für hohen Cholesterinspiegel und koronare Herzkrankheiten.11

Variationen in der mütterlichen Ernährung sind die besten Einflusswerte (Prädiktoren) für fetale Veränderungen und auch der stärkste Antrieb für die „fötale Programmierung“. Allerdings gibt es viele andere Faktoren, die gleichzeitig den Ernährungsstatus des Fötus beeinflussen: die Körperzusammensetzung der Mutter, das Alter, die körperliche Aktivität, der Blutfluss zur Plazenta, die Effizienz des Nährstofftransfers, die hormonelle Balance der Mutter usw.

5. Epigenetik ist der Hauptprozess der "Ernährungs-Programmierung" 

Die Ernährung der Mutter beeinflusst den sich entwickelnden Fötus durch Veränderungen bei der Zellteilung und Differenzierung, sowie die Genexpression des Fötus (epigenetische Prozesse).

Wie Epigenetik funktioniert

Stellen Sie sich den menschlichen Organismus als riesige, komplexe Fabrik vor, wobei die Körperzellen die grundlegenden Arbeitseinheiten sind. Um zu wissen, wie alles funktioniert, benötigen Zellen Informationen, grundlegende Regeln und Abläufe. Diese riesige Datenbank von Regeln und Abläufen befinden sich in der DNA, sorgfältig organisiert in bestimmten Informationssequenzen namens Gene. Es gibt über 20'000 Gene, und jede Zelle hat auf alle Zugriff, aber nicht jede Information ist "gelesen" und umgesetzt (implementiert). Die Informationen werden nach weiteren Anweisungen, sogenannten epigenetischen Markern, selektiv aufgerufen und angewendet. Alle diese epigenetischen Marker bilden zusammen das Epigenom, das für jeden Menschen unverwechselbar ist und stark von der Umwelt beeinflusst wird. Lesen Sie hier mehr über den Unterschied zwischen Genetik und Epigenetik.

Main epigenetic mechanisms

Epigenetik (wörtlich "Übergenetik") ist wie die Hervorhebung oder Definition bestimmter Teile dieser Regeln und Abläufe. Sie sind "aktiv", sichtbar und sie befehlen Zellen diese Abschnitte zu beachten und zu exprimieren. Andere epigenetische Faktoren schalten bestimmte Gene ab und machen sie unzugänglich, so dass die Zellen diese Informationen nicht lesen und anwenden können.

CLICK FOR: Hauptmechanismen epigenetischer Veränderungen

Die an epigenetischen Veränderungen beteiligten Hauptmechanismen sind:12

  • Methylierung: eine Methylgruppe (chemische Verbindung) die an die DNA gebunden ist und die Funktion eines spezifischen Gens modifiziert.
  • Histonmodifikation – um zu passen muss der lange DNA-Strang um Proteinstrukturen, "Histone", gewickelt werden. Auf diese Weise bildet sie eine Chromatinstruktur. Ist sie zu eng gewickelt, kann die Zelle die Informationen in dieser Sequenz nicht lesen. Sind die Bindungen zwischen diesen Histonen locker, werden die Informationen gelesen und angewendet.

Bei einem Experiment erhielten Tiere eine Diät, in der Methylgruppen, Folsäure, Vitamin B12 und Methionin, für einen Zeitraum von 8 Wochen vor der Empfängnis und für die ersten 6 Tage der Schwangerschaft fehlten. Männliche Nachkommen von diesen Mutterschafen waren insulinresistent und hatten erhöhten Blutdruck.13

Dieses Phänomen ist am sichtbarsten bei eineiigen Zwillingen, die ihr Leben in verschiedenen Umgebungen verbringen. Auch wenn das Genom (alle erblichen Informationen) das Gleiche ist, haben diese beiden Menschen eine andere Körperfunktionalität und andere gesundheitsbezogene Ergebnisse.

Epigenetik – das Gute und das Schlechte

Die Rolle der Epigenetik besteht darin, dem Körper zu helfen, grosse Veränderungen der Umwelt und des Lebens zu bewältigen. Zum Beispiel hilft sie dem Organismus, während Hungersnöte zu überleben, den weiblichen Körper während der Schwangerschaft oder den Körper von Jugendlichen in der Pubertät zu verändern.

Probleme treten auf, wenn diese epigenetischen Veränderungen beginnen Krankheiten zu erzeugen. Manchmal sind die aktiv gemachten Gene, jene, die mit bestimmten Krankheiten assoziiert werden. Krebs könnte zum Beispiel durch das Aktivieren von zu viel wachstumsfördernden Gene oder im Gegenteil durch das Ausschalten von tumorunterdrückenden Genen verursacht werden.

Epigenetische Veränderungen sind vererbbar

Eine wichtige Tatsache ist, dass diese epigenetischen Marker nicht fixiert sind. Sie sind während des gesamten Lebens änderbar, z.B. unter dem Einfluss von Ernährung und Umwelt. Einige können sogar von früheren Generationen geerbt und weiter übertragen werden.

Lange Zeit wurde geglaubt, dass epigenetische Modifikationen mit jeder neuen Generation gelöscht werden. Doch Studien von 2005 zeigen, dass epigenetische Veränderungen mindestens vier nachfolgende Generationen überdauern können.14

In einem Experiment vom Zentrum für Reproduktionsbiologie an der Washington State University setzte man schwangere Ratten relativ hohen Mengen an Methoxychlor (Insektizid) und Vinclozolin (Fungizid) aus. Infolgedessen wiesen männliche Nachkommen eine verminderte Spermienproduktion und erhöhte Unfruchtbarkeit auf. Die Forschungsstudie zeigte, dass die Ursache dieser Manifestationen ein Methylierungsprozess war, der zwei Gene beeinflusste. Die nächsten vier Generationen wurden beobachtet ohne ihnen Pestizid-Substanzen zu verabreichen. 90% der männlichen Ratten zeigten die gleichen negativen Auswirkungen.14

Studien von Dr. Erica Watson in der Universität von Cambridge zeigen: Weisen entweder die mütterliche Grossmutter oder der mütterliche Grossvater eine spezifische genetische Mutation (bekannt als Mtrr-Mutation) auf, was den Folsäure-Mangel verursacht, sind ihre genetisch normalen Enkel, die nicht die genetische Mutation geerbt haben, noch immer dem Risiko bestimmter Entwicklungsstörungen ausgesetzt.16

7. Wie Ihr Lebensstil die Gesundheit Ihrer Kinder beeinflussen kann

Für lange Zeit hielten Wissenschaftler daran fest, dass sich Unterernährung und westliche Krankheiten gegenseitig ausschließen. Überraschenderweise zeigen Experimente, wo der Ernährungsapparat von schwangeren Tieren eingeschränkt wurde, die gleichen Ergebnisse bei den Nachkommen wie die Experimente, bei denen die Tiere überernährt waren (z.B. hoher Blutdruck, Glukoseintoleranz, Insulinresistenz und eine größere Prädisposition gegenüber Fettleibigkeit.)17

Hier sind die wichtigsten Auswirkungen der elterlichen Ernährung, das Gewicht und der Lebensstil vor und nach der Empfängnis, auf ihre Nachkommen:

Elterliche Ernährung und Lebensstil   Möglicher Einfluss auf die Kinder
Fettlastige Ernährung  

Erhöhter Blutdruck, vaskuläre Erkrankung (Endotheliale Dysfunktion18

Eiweisslastige Ernährung  

Veränderung des Energieverbrauchs, Fettleibigkeit 19

Hohe Cholesterinwerte der Mutter in der Frühschwangerschaft  

Übergewicht / Fettleibigkeit, erhöhter Körperfettanteil, erhöhter Cholesterinspiegel mit ca. 4 Jahren 23

Unterernährung der Mutter während der Schwangerschaft

 

Erhöhte Glukoseproduktion in der Leber, gestörte Fettsäurenoxidation, Ketose-Resistenz, Veränderungen der Glukoseaufnahme 2

Mütterliche Überernährung  

Fettleibigkeit, Glukoseintoleranz, veränderte Appetitregulierung im Gehirn

Proteinarme Ernährung   Die Expression von 102 Genen im Hypothalamus und 36 Genen in den Nieren ist modifiziert 20
Mütterliche Fettleibigkeit vor und während der Schwangerschaft und hoher Leptinspiegel (wegen Fettleibigkeit)  

Hohe Leptinspiegel während der Entwicklung des Hypothalamus beim Fötus führen zu Leptinresistenz, Hyperphagie und verminderte Fähigkeit des Kindes, den Appetit zu regulieren 21

Höherer Blutdruck, grössere Neigung zur Fettleibigkeit und Insulinresistenz 1

Übergewicht vor der Schwangerschaft   Erhöhter Körperfettanteil und erhöhter systolischer Blutdruck beim künftigen Kind 22
Eisenarme Ernährung der Mutter vor und während der Schwangerschaft   Veränderungen der Herzentwicklung während der fetalen Phase, die zu erhöhtem Blutdruck und Veränderungen des Fettsäurestoffwechsels führen können 7
Vater beginnt früh zu rauchen   Erhöhter Body-Mass-Index bei Söhnen 23
Alkoholkonsum des Vaters vor der Empfängnis   Niedrigeres Geburtsgewicht, Entwicklungsverzögerung, beeinträchtigte Immunität, Verhaltensdefizite, Hyperaktivität und verminderte Leistungsfähigkeit 24

Die Ernsthaftigkeit dieser Effekte hängt mit Dauer und Menge der Schadstoff-Aussetzung sowie der Entwicklungsperiode, in welcher der schädliche Einfluss auftritt, zusammen.

Bis vor kurzem waren Wissenschaftler der Ansicht, dass epigenetische Marker, die die Gene des Fötus beeinflussen, eine dauerhafte Wirkung auf seine Gesundheit und sein Wohlbefinden haben. Neue Forschungen untersuchen, ob diese epigenetischen Marker auch im Erwachsenenalter flexibel bleiben. Dies wäre positiv, wenn sich die Umgebungsbedingungen günstig verändern. 

Jede Person trägt die Verantwortung für seine eigenen Gene, Gottfried Schatz

Mit anderen Worten, auch wenn die gewissen epigenetischen Modifikationen während des fetalen Stadiums stattfanden und im Erwachsenenalter zu gesundheitlichen Bedingungen führen, wäre es möglich, die Wirkung dieser im Erwachsenenalter zu verändern und umzukehren. Die ständige Aussetzung gegenüber positiven Umgebungsreizen (z.B. gesunde Ernährung und Lebensstil, positive Emotionen) könnte die Aktivierung oder Abschaltung der Gene verändern, chronische Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Bluthochdruck und Herzprobleme verhindern oder umkehren.

Die meisten dieser Informationen sind immer noch sehr spekulativ. Jedoch gibt es eine steigende Anzahl an Forschungen über epigenetische Modifikationen und Ernährungs-Programmierung. Also welche Auswirkungen die elterliche Ernährung und ihre Entscheidungen, bezüglich Lebensstil, auf ihre Kinder haben.

CLICK FOR: Scientific references

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