Prof. Dr. Baumslag erklärt die Wichtigkeit des Stillens und die Probleme der Flaschenmilch mit so vielen Fakten, dass jede werdende Mutter das wissen sollte.

Das Werk dokumentiert anhand von wissenschaftlichen Studien eindrücklich die Wichtigkeit des Stillens von Säuglingen über eine längere Zeit als bei uns oft üblich. Optimal wäre eine einjährige Stillzeit, wobei nach einigen Monaten Beikost gegeben werden kann.
Das Buch behandelt nicht die Umstellung, die eine Wöchnerin erlebt (Wochenbett, Kindbett), umschreibt aber die Wichtigkeit des Kolostrums und der auf das Kind abgestimmten eigenen Milch.
Um sich umfassend über die Gesundheitsprobleme zu informieren, die Milch und Milchprodukte bei Kindern und Erwachsenen verursachen können, müsste man das Buch Milch besser nicht! von Maria Rollinger lesen - oder zumindest diese Buchbesprechung zum Buch von ihr.
Hinweis: Die in diesem Buch vorgestellten Informationen, Meinungen und Schlussfolgerungen entsprechen nicht zwingend den Ansichten der Stiftung. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der im Buch enthaltenen Informationen. Die zitierten Informationen sind nicht alle auf ihre Richtigkeit hin geprüft.

Die Autorinnen schöpfen aus 190 Arbeiten, die sie pro Kapitel auflisten. Prof. Dr. med. Naomi Baumslag ist eine Kinderärztin, die nebst der Lehrtätigkeit als Universitätsprofessorin auch in internationalen Organisationen wie USAID, UNICEF und WHO mitarbeitete. Sie ist über viele Jahre Präsidentin der WPHN, des erfolgreichsten internationalen Frauenhilfsnetzwerks. Zudem hat sie aber auch eine reiche praktische Erfahrung aus verschiedenen Ländern.
Das Buch behandelt praktisch alle Gesichtspunkte und Praktiken im Zusammenhang mit dem Stillen (Brusternährung) und der Schoppenmilch (Babynahrung, Säuglingsnahrung, Folgenahrung) für Säuglinge.
Es zeigt die Gründe für das ganz unterschiedliche Verhalten bezüglich der weiblichen Brust, des Stillens und insgesamt der Säuglingsernährung. Ein weiteres Thema ist das sexuelle Verhalten während der Schwangerschaft und der Stillzeit in verschiedenen Kulturräumen und Völkern und in verschiedenen Zeiten.
Das Verhalten (Sozialverhalten) stimmt meist nicht mit dem natürlichen Bedürfnis überein. Je nach Zeitgeist und Religion gibt es ganz unterschiedliche Verhaltensweisen. Das unnatürliche Verhalten ist oft verbunden mit einer grossen und unnötigen Kindersterblichkeit. Die Irrwege zur Säuglingsversorgung und die gravierenden Folgen sind eingehend beschrieben. Wir erfahren auch, wie wichtig flexible Stillzeiten wären.
Es folgen wichtige Gründe für eine lange Stillzeit und grosse Nähe zur Mutter mit co-sleeping. Damit soll eine Synchronisation der Schlafintensitäten (Bewusstseinszustand, Schlaf, Schlafstadium) zwischen Mutter und Kind entstehen. Auch Praktiken, um den Milchfluss anzuregen, sind geschildert.
Verschiedene Aspekte, so z.B. das Ammenwesen (Amme) führen uns tief in die Geschichte und zu ganz anderen Verhaltensweisen, als wir sie momentan kennen. Wir erfahren über auch heute noch gepflegte Praktiken beim Stillen, die wir nicht für möglich halten.
Das Buch und dieser Text zeigen auch, warum Formulamilch so einen grossen Einzug hatte und hat, obwohl sie qualitativ die Muttermilch nie vollständig ersetzen kann. Dazu kommt noch die Geschichte der Boykotte gegen Hersteller von Babynahrung mit dem Hinweis auf die viel höheren Krankheits- und Todesraten, die so entstehen.
Schliesslich verstehen wir auch, warum bezahlter Mutterschaftsurlaub so wichtig wäre und zumindest Mitte der 1990er Jahre in den USA noch nicht gegeben war.
Naomi Baumslag, M.D., M.P.H., ist Professorin für klinische Kinderheilkunde (Pädiatrie) an der Georgetown University Medical School in Washington, DC. Sie ist (auch 2015) Präsidentin des Women's International Public Health Network (WIPHN) in Bethesda MD. Sie wirkte beratend mit bei USAID, UNICEF, WHO, dem Georgia Department of Human Resources, PAHO Foundation (ex PAHEF), in Regierungsstellen mancher Entwicklungsländer und im Gesundheitsrat (Health Council) der La Leche League International (LLLI) und der World Alliance for Breastfeeding Action (WABA).
Dr. Baumslag ist Autorin von mehr als 100 Artikeln und acht Büchern. Dazu hält sie international und in den USA Vorträge. Ihre Website ist baumslag com.
Dia L. Michels ist eine wissenschaftliche Publizistin für Zeitungen und Zeitschriften weltweit. Ihr Engagement für das Stillen fusst sowohl auf ihrer Forschung als auch auf ihrer Erfahrung durch das Stillen ihrer eigenen Kinder während sechs Jahren.
Dies ist das zweite Buch, das sie mit Dr. Baumslag schrieb. 1992 veröffentlichten die Autorinnen "A Woman's Guide to Yeast Infections", Pocket Books (288 Seiten).

Prof. Dr. med. Naomi Baumslag ist gemäss Open Library die Autorin der folgenden weiteren Bücher:
Häufig gilt Stillen als etwas Natürliches. Als hormonell gesteuerte und ganz selbstverständlich ablaufende Tätigkeit. Die Autorinnen machen jedoch deutlich, dass dieses Verhalten auch bei anderen Primaten erlernt ist. Beim Menschen beeinflussen zudem wandelnde gesellschaftliche Vorstellungen das Stillverhalten. Zudem ist je nach Zeitgeist und Gesellschaft die weibliche Brust zum Sexobjekt (Sexsymbol) verkommen.
Das Kapitel 1 enthält folgende Teile und Untertitel:
Teil 1:
Bräuche über das Stillen rund um die Welt; Brüste als Sexsymbol; Sexualtabus; Ernährung während der Schwangerschaft und danach; Essensgelüste während der Schwangerschaft; Befürchtungen zu Schwangerschaft und Geburt; Geburtshilfen; Betreuung der Mutter; Galactagogues (milchtreibende Substanzen); Ansichten zum Kolostrum (Kolostralmilch); Frühgeburt (Frühchen) und zu leichte Neugeborene (Neonatologie); Ist die Muttermilch gut genug?; Stile beim Stillen; Tragearten von Babys; das Einbinden (swaddling); Zeitdauer des Stillens.
Teil 2:
Ammenwesen, Ersatznahrung und Heilungsqualitäten von Brustmilch; Selektion von Ammen; Sklavinnen als Vermehrungsobjekt und Ammen; Muss man ein Kind gebären, um Milch geben zu können?; Milchersatznahrung; Muttermilchpumpen; Milchbanken für Muttermilch; Interspezies-Stillung; Stillen von Alten; die Heilqualitäten von Brustmilch.
Die Autorinnen zeigen, wie Religion und gesellschaftliche Gepflogenheiten Geburt und Mutterschaft prägen. Juden etwa, die nach dem Talmud (Tora) leben, sollten ein Kind mindestens zwei Jahre stillen (S.5). Vor allem bei vermögenden oder reichen Familien geschieht gerne das Gegenteil.

Obwohl man weiss, dass Kinder mit langer Stillzeit bessere Lebenserwartungen haben, ist das Stillen inkl. dessen Dauer eine wechselnde Modesache. Manchmal gilt das Stillen als widerlich, unweiblich oder ungesund.
So stillten im alten China wohlhabende Frauen nicht selbst, da dies gegen Statusvorstellungen und gesellschaftliche Normen verstiess. Schönheits- und Körperideale sowie bestimmte Kleidungsnormen (enge Einschnürung des Brustbereichs) konnten diese Praxis zusätzlich beeinflusst haben.
In den USA durften Frauen zumindest in gewissen Staaten nicht öffentlich stillen, nicht einmal in einem geparkten privaten Wagen, auch wenn es nur Verweise der Polizisten waren, keine Klagen.
Die Brust wurde zum Sexobjekt und die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) bekam in den frühen 1980er-Jahren von der American Society of Plastic Surgeons (ASPS) folgende Information:
There is a substantial and enlarging body of medical information and opinion to the effect that these deformities (small breasts) are really a disease (that left uncorrected, results in a) total lack of well being. (S. 7)
Mit anderen Worten: Kleine Brüste seien eine Krankheit, die man bekämpfen müsse!
Sie erreichten, dass allein im Jahr 1990 sich in den USA 130-tausend Frauen ihre Brüste mittels Operation vergrössern liessen. Trotz der gesundheitlich negativen Konsequenzen und einzelnen Todesfällen hatte die FDA nicht einmal orientierend eingegriffen.
Die Autorinnen greifen die kulturelle Tabuisierung (Tabu) von Geschlechtsverkehr während der Stillzeit auf und erläutern deren funktionalen Hintergrund. In vielen traditionellen Gesellschaften führt ein rascher Geburtenabstand zu einer erhöhten Kindersterblichkeit oder zu langfristigen Nachteilen für die betroffenen Kinder.
Gesundheitliche Nachteile treten auch auf bei ungestillten oder zu kurz gestillten Kindern. Im Buch finden wir einige Zahlen darüber.
Besonders in Afrika dürfen in einigen Stämmen die stillenden Mütter keinen Sex mit dem Mann haben. Beispielsweise glaubt man in der Zulu-Tradition, dass ein Mann impotent wird, wenn ein Tropfen Brustmilch auf seine Haut fällt. (S. 8) So drängen die Männer ihre stillenden Frauen seit einigen Jahrzehnten zum raschen Abstillen mit Umstellung auf Schoppenmilch, was unsere Milchkonzerne fördern.
Kommt dazu, dass Estrogene (Östrogene) in Verhütungspillen (Antibabypille) wesentlich weniger Milch fliessen lassen. Durch Geburt (Entbindung, Niederkunft) im Spital gelte das sexuelle Tabu nicht. Das bedeutet eine kürzere Zeit, bis das nächste Kind erscheint – mit all den damit verbundenen Nachteilen.
Oxytocinhormon (Oaxytocin, Oxitozin) entsteht beim Geburtsprozess und während des Stillens. Das "Bindungshormon" wirkt beruhigend und fördert emotionale Nähe, Vertrauen und soziale Bindung. Die veränderten Hormonverhältnisse führen jedoch auch zu vaginaler Trockenheit, was für Sex unangenehm sein kann. Die Natur hat eigentlich vorgesorgt, dass das Kind ohne rasch folgende weitere Geburt sich besser entwickeln kann, doch setzen wir uns darüber hinweg. (S. 10)
Auch die Vorschriften über die Ernährung für schwangere oder stillende Mütter sind je nach Gegend und Zeitgeist völlig unterschiedlich. In gewissen Gegenden von Tunis essen Frauen keine Eier, doch bei anderen Völkern gilt das Gegenteil und stillende Frauen sollen täglich zwischen sechs und acht Eier essen. Die Autorinnen besprechen völlig absurde und schädigende Verhaltensweisen bis hin zu gesunden Ansichten.
Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit ist gut belegt, wie stark Alkoholkonsum in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind schadet – und in geringerem Ausmass auch dem gestillten Säugling. Deshalb verzichten viele schwangere und stillende Frauen auf Alkohol.
In Sri Lanka ist den stillenden Müttern zudem das Trinken von Kuhmilch verboten, andere dehnen das auch auf die Kokosnuss aus. Beide Nahrungsmittel können allergische Reaktionen hervorrufen. (S. 13)
Im nächsten Text gehen die Autorinnen auf die speziellen Essensgelüste von Schwangeren ein. Einige sind nicht erklärbar, andere aber schon.
Das besondere Nahrungsverlangen bei Schwangerschaft erkennt man heute als Mangelsymptome an gewissen Stoffen. Schon Plato (Platon) beschrieb ca. 400 Jahre v. Chr. das Kosten von Erde durch schwangere Frauen. Bei diesem Verlangen nach "Erde" kann man sich das Versorgen mit Vitamin B12 und gewissen Mineralien vorstellen.
Aber auch das Essen von Ton war bekannt und ist bei Frauen aus Afrika in den USA noch gängig.
Ton enthält oft viel Eisen und chemische Elemente (Spurenelemente) wie Natrium (Na), Mangan (Mn), Arsen (As), Silber (Ag), Molybdän (Mo) und Uran (U) und weist wegen des hohen pH-Wertes eine bakterientötende Wirkung auf.
Aktuelle Studien belegen, dass eisenreiche Tone aus einigen Vorkommen eine bakterientötende Wirkung haben.

Natrium ist eines der Elemente, die für alle tierischen Organismen essenziell sind.
Mangan ist ein für alle Lebewesen essenzielles Element und Bestandteil von verschiedenen Enzymen.
Arsen gilt als Spurenelement im Menschen, doch die biologische Bedeutung des Arsens für den Menschen ist nicht vollständig geklärt. Für viele Tiere ist Arsen essenziell.
Silber gibt es als Lebensmittelfarbstoff E 174 auch im Speisenbereich, z.B. für Überzüge von Süsswaren wie etwa Pralinen und in Likören.
Molybdän ist als Spurenelement für nahezu alle lebenden Organismen essenziell, da es Bestandteil des aktiven Zentrums einer ganzen Anzahl von Enzymen wie der Nitrogenase, Nitratreduktase oder Sulfitoxidase ist.
Im Märchen Rapunzel der Brüder Grimm (Gebrüder Grimm) wirkt die erwartende Mutter weiss und abgeschwächt. Der zukünftige Vater stiehlt im Garten des Nachbarn Blätter der Rapunzel-Glockenblume (engl. Campanula rapunculus). Man weiss heute, dass die Rapunzelblätter und andere grüne Gemüse reich an Folsäure (Vitamin B9, Folat) sind.
![]() | Wikipedia: Fürwitzlein (Elsass, Sachsen), Rapünzel (Mark Brandenburg), Rapünzelin, Rapünzle (Bern), Rapünzlein (Zürich), Rapunzel und Rübenrapunzel. Die Wurzel ist fleischig verdickt und als wohlschmeckendes Wurzelgemüse wie Echter Sellerie (Apium graveolens) oder Rote Bete zubereitbar. Rohe Wurzelscheiben und Blätter ergeben einen Salat. Im Mittelalter hat man die Pflanzen im Garten kultiviert. |
Im Elsass und in der Schweiz baute man die Art noch zwischen 1906 und 1929 an. Ähnlich wie beim Feldsalat (Valerianella locusta) erntete man im Winter auch die Rosettenblätter.
Im Buch verwenden die Autorinnen den Namen "Rampunion", doch heisst die Pflanze Rampion.
Kurz gehen die Autorinnen auf die Methoden des deutschen Arztes Prochownik ein, der schwangere Frauen mit zu kleinem Becken oder Becken mit ungünstiger Form hungern liess. Dies, um das Gewicht der Neugeborenen zu senken und damit eine leichtere Geburt zu erzielen. Das hatte zum Teil fatale Folgen für die Kinder. Ursache der ungünstigen Form sollen oft Rachitis (eher Osteomalazie?), also Mangel an Sonnenlicht bzw. Vitamin D, Kalzium oder Kalium sein. (S. 14/15)
Auch die Geburtshilfen und die spätere Unterstützung der jungen Mütter durch Verwandte sind ein Thema, ganz im Kontrast zur heutigen Industriegesellschaft.
Mehr und mehr erkennt man, wie wichtig das Kolostrum, also die Milch der ersten Tage, für ein Kind ist. Aber lange glaubte man, dass diese anders gefärbte und etwas zäher fliessende Milch für das Kind schädlich sei. Deshalb hat man das Kolostrum in gewissen Zeiten/Kulturen den Kindern vorenthalten. Das führte zu vielen frühen Todesfällen und später zu weniger Resistenz bei Krankheiten.
So liess schon zweihundert Jahre vor Christus die indische ayurvedische Medizin (Ayurveda) das Kolostrum wegschütten. Die Methode von Ayurveda empfahl dafür, dem Baby in den ersten vier Tagen Honig und Butterschmalz zu geben: As far back as the second century BC, Indian Ayurvedic medicine recommended honey and clarified butter for the newborn's first four days, during which the birth mother's colostrum was expressed and discarded.
(S. 24)
Das passierte aber auch zu den biblischen Zeiten. Die Autorinnen beschreiben ähnliche gravierende Fehler in manchen Kulturen, z.B. in Guatemala, Afghanistan, Sierra Leone und Lesotho.
Dazu empfahlen die Ärzte der Griechen, Römer und später der Franzosen, Engländer etc. bis ins achtzehnte Jahrhundert unkritisch und unreflektiert das Gleiche.
Der britische Arzt, Dr. Ettmueller, kam in grossen Konflikt mit der Ärzteschaft, indem er 1699 empfahl, das Neugeborene von Anfang an mit dem Kolostrum zu stillen. Aber es mussten 50 Jahre verstreichen, bis der Aufruf von 1748 durch den Arzt William Cadogan mehr Wirkung zeigte:
The mother's first milk is purgative and cleanses the child of its long hoarded excrement; no child can be deprived of it without manifest injury. (S. 24)

Wikipedia nennt William Cadogan (1711-1797) als den ersten Arzt, der sich für die völlige Abschaffung des Wickelns aussprach. Dies in der Abhandlung von 1748: "An Essay upon Nursing and the Management of Children, from their Birth to Three Years of Age". Davor war straffes Einpacken die Regel.
Davor war die frühe kindliche Sterblichkeit sehr hoch. Fildes belegte 1980, dass allein durch das Trinken des Kolostrum die Kindersterblichkeit um 16 % sank (Säuglingssterblichkeit).
Trotzdem pflegen Mütter mit Unterstützung der Industrie speziell in den USA zum Teil andere Praktiken, indem sie zuerst Zuckerwasser geben. Dazu erhalten sie von der Industrie spezielle Flaschen. Das macht die Pflege im Säuglingssaal der Spitäler natürlich einfacher – zu Lasten der Neugeborenen. Damit sind sie auch gerade an die Flasche gewöhnt, statt an die Brust …
In seltenen Fällen mag das die Zeit überbrücken, bis die Brustmilch einschiesst. Doch sogar in heissen Gebieten haben Neugeborene keine anderen Ernährungsbedürfnisse als Muttermilch, möglichst der eigenen Mutter, auch wenn deren Milch nicht sofort einschiesst.
Danach gehen die Autorinnen noch auf die Frühgeburten und auf Kinder mit Untergewicht ein (S. 25). Sie kritisieren vor allem, dass Kinderärzte nur auf die Gewichtszunahme schauen. Wenn sie damit nicht zufrieden sind, empfehlen sie eine zusätzliche Formelmilch. Eine Klärung und Verbesserung des Zustands der Mutter und deren Ernährungsgewohnheiten werden ignoriert. Dabei hat Soranus von Ephesos dies 1800 Jahre zuvor schon empfohlen.
Leider hat Anfang des 20. Jahrhunderts der Arzt Truby King aus Neuseeland die Mode eingeführt, Kindern alle vier Stunden die Brust zu geben, statt das Baby das Trinken verlangen zu lassen.
Zudem schielte man auf den Fettgehalt und gab Schoppen-Zusätze, statt wiederum der stillenden Mutter Ernährungsratschläge zu geben und etwas über das Umfeld zu erfahren. Das Programm gab es auch in England. (S. 28 + 125)
Die Autorinnen gehen noch auf weitere Veränderungen und Unterschiede in Kulturen bezüglich der Art des Stillens und des Tragens des Säuglings ein und vermissen, dass die Säuglinge nicht mehr bei den Eltern im Bett schlafen, wie das traditionell der Fall war. Die Störung durch das Stillen wäre so wesentlich kleiner, weil das Baby die Milch schon beim ersten Verlangen sofort bekommen würde.
Studien lassen vermuten, dass beim Co-Sleeping die Schlafmodi von Mutter und Kind durch das Prolaktin (PRL, laktotropes Hormon LTH, Lactotropin) sich angleichen, so dass die wichtigen Tiefschlafperioden (Schlafzyklus, Hypnogramm bzw. Schlafprofil, Polysomnographie, PSG) bei beiden erhalten bleiben. (S. 31)
Co-Sleeping ist nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Schlaftraining.
Ein inneres Uhrwerk sorgt für einen stabilen 24-Stunden-Rhythmus wie den Schlaf-Wach-Rhythmus und für viele endokrine Prozesse wie die Produktion von Cortisol und Melatonin. Zentralnervöse Funktionen zeigen einen klaren, endogen gesteuerten Tagesrhythmus, was man als zirkadiane Uhren bezeichnet (Circadiane Rhythmik). Siehe auch zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung und die Neurobiologie der Bindung (zwischen Mutter und Säugling).
Der zentrale zirkadiane Schrittmacher befindet sich im Nucleus suprachiasmaticus (SCN) des ventromedialen Hypothalamus. Nervenzellen des SCN exprimieren rhythmisch Uhren-Gene. Auch in peripheren Organen wie Leber, Pankreas, Niere, Nebenniere, Herz und Lunge befinden sich molekulare zirkadiane Rhythmen. Der Hypothalamus steuert diese peripheren Uhren.
Chronische Störung der zirkadianen Rhythmik kann vermehrtes Auftreten von Herz-Kreislauf-Symptomen, Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Krebs verursachen.
Das "Uhren-Gen" hat man wohl zuerst bei Drosophila melanogaster erforscht.

Zur Symbiose zwischen Mutter und Kind aus Wikipedia: Margaret Mahler definiert den Beginn der symbiotischen Phase etwa im zweiten Lebensmonat, innerhalb der oralen Phase. Das Kind ist körperlich und seelisch von der Mutter abhängig.
"Es kann noch nicht zwischen Innen und Aussen unterscheiden, zwischen sich und Gegenständen, zwischen sich und der Mutter. Es erlebt die Mutter noch als Teil seiner Person, sich als untrennbare, symbiotische Einheit mit ihr."
"Die Mutter muss sich in die Bedürfnisse des Kindes einfühlen, um für deren Befriedigung sorgen zu können, da sie dem Kind selbst noch nicht bewusst sind. Steht die Mutter dem Kind in der symbiotischen Phase angemessen zur Verfügung, kann es das grundlegende Sicherheitsgefühl und Urvertrauen entwickeln. Diese Beziehung zwischen Mutter und Kind bildet die Grundlage für spätere Beziehungen."
Siehe auch das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung des Psychoanalytikers Erik H. Erikson (1902 - 1994).
Zum Glück haben wir das feste Einpacken (swaddling) von Kindern nach vielen Jahrhunderten endlich abgelegt, schreiben die Autorinnen und beschreiben Gründe für verschiedene Völker, die das einführten. Dabei führt das zu Entwicklungshemmungen von Muskulatur und Koordinationsfähigkeit und in einigen Fällen zu medizinischen Problemen für Lunge, Arterien oder Venen.
Die bekannte Anthropologin Ruth Fulton Benedict (1887-1948) meinte, dass Frauen sogar um das bessere Einpacken als andere wetteiferten. Dazu brachte sie Beispiele für Russland und Rumänien.
Trotzdem ist das noch heute oft die Praxis in osteuropäischen Gegenden, in Asien, dem Mittleren Osten, inklusive der Mongolei, Afghanistan, Türkei und Griechenland.
In den 1740er-Jahren warnte der Arzt William Cadogan vom Foundling Hospital in London, dass die Kinder unbedingt Brustmilch erhalten und frei in ihren Bewegungen sein sollten. Wie lange soll man Säuglinge stillen?, ist die immer wieder auftauchende Frage, die der U.S. Surgeon General, Frau Dr. Antonia Novello im Jahr 1990 so beantwortete:
The American Academy of Pediatrics says that babies should be breastfed until age one. … It's the lucky baby I feel who continues to nurse until he's two. (S. 35)
Die Sitten sind sehr von der Kultur abhängig. Die Autorinnen sind der Ansicht und begründen, dass man unbedingt bis zum Alter von sechs Monaten voll stillen sollte, um danach langsam zusätzliche Nahrung zu geben. Eine gesunde Mutter mit genügend Milch kann auch länger voll stillen, doch nach neun Monaten ist das alleinige Stillen zu hinterfragen.
Wie unterschiedlich das Verhalten sein kann, zeigt, dass bis in die 1820er-Jahre englische Frauen in East Lincolnshire Kinder bis zum Alter von sieben und acht Jahren Brustmilch trinken liessen. Auf den Solomoninseln soll das Stillen bis zum Alter von 15 Jahren vorgekommen sein.
Zusätzliches Stillen ist noch immer die beste Methode, obwohl im Jahr 1991 in Syracuse NY, USA, eine Mutter verurteilt wurde, weil sie länger als zwei Jahre stillen wollte. Man nahm ihr sogar das Kind vorübergehend weg.
Der Arzt hatte ihr das so geraten, was dazu führte, dass die Tochter schliesslich an Unterernährung (Marasmus) starb. Auf Seite 37 zeigen die Autorinnen das Bild, das die Mutter der UNICEF als mahnendes Beispiel zur Veröffentlichung gab. (S. 37)
Das Ammenwesen (Amme) entstand, um Kinder zu retten, deren Mutter starb oder keine Milch geben konnte. Später haben reiche Familien das zu ihrem Standard ausgebaut. Das taten schon die Pharaonen in Ägypten.
Heute wissen westliche Menschen mit der Stillung durch eine Ersatzmutter nicht viel anzufangen und bekommen gemischte Gefühle bei diesem Gedanken. Der Grund sind die Ersatzprodukte, die Todesfälle wegen Mangel an Muttermilch zu verhindern versuchten und heute auch verhindern können.
Die Autorinnen gehen beim Thema Ammen ebenfalls ins Detail und berichten über die verschiedenen Kulturen und Zeiten. Die meisten Ägypter, Babylonier und Hebräer gaben während ca. drei Jahren Muttermilch, doch reichere Griechen und Römer verwendeten Sklavinnen als Ammen.
Sie bringen unter anderem die Geschichte der Amme Judith Waterford, die 1831 im Alter von 81 Jahren stolz zeigte, dass sie noch immer Milch in der Qualität junger Frauen geben kann. Im Alter von 75 Jahren beklagte sie, dass sie nur noch Milch für ein Kind habe und kein zweites mehr annehmen könne.
Siehe auch Induzierte Laktation bzw. Relaktation und erotische Laktation. Manchmal kommt in dieser Zeit keine Milch zum Vorschein, doch wenn dann ein Säugling beginnt zu trinken, schiesst die Milch ein. (S. 52)

Die Autorinnen zeigen Beispiele von cross nursing unter dem Titel surrogate feeding. Bei diesem Verfahren stillt die eine Frau die Kinder zu einer Zeit, wenn die andere Frau arbeitet, und umgekehrt. Wet nursing hingegen ist das Ammenwesen (wet nurse, engl.). Zum Teil helfen auch Grossmütter aus. Im Westen kann man sich das heute nicht einmal mehr vorstellen, dabei findet man auch Passagen in der Bibel, wo Naomi (engl., auch Noemi) als Amme für das Kind von Ruth, ihrer Schwiegertochter, stillt.
In verschiedenen Gebieten Afrikas ist diese Methode noch heute nicht ungewöhnlich. Aber sogar Margaret Mead hatte 1933 Mühe mit dem Verständnis, wie die Autorinnen mit einem Zitat zeigen.
In Zeitungsartikeln oder im Charleston Medical Journal and Review kann man für 1874 lesen, wie eine 60-jährige Frau einem Kind aus Spielerei während drei Wochen die Brust gab und dann erstaunt feststellte, dass nach dieser Zeit Milch erschien, schliesslich in grösserer Menge als die der Kindsmutter.
Die Autorinnen beschreiben auch das richtige Vorgehen, um Milch anzuregen, inkl. der Beschreibung von Brustmilchpumpen. Schliesslich erklären sie auch Brustmilchbanken, die man speziell in Kinderspitälern pflegt oder pflegte. Man kann diese Milch wohl kühlen, sollte sie aber nicht erhitzen. Als Beispiele für Brustmilchbanken sind Schweden und Dänemark genannt, wo Frauen kontrollierte Brustmilch bis zur Stillzeit von drei bis vier Monaten zu einem guten Preis verkaufen können.
In Osteuropa lebt diese Tradition noch mehr. Beispielsweise hatte man in der DDR von 1989 noch 200-tausend Liter Muttermilch gesammelt. Allerdings gibt oder gab es in den USA ebenfalls acht Brustmilchbanken und eine in Kanada. Eine Liste der heutigen Milchbanken in Nordamerika zeigt 3 für Kanada, 19 für die USA und 7, die entstehen sollen.

In Finnland hat sich aber gezeigt, dass die Infektionsraten von Säuglingen höher sind als bei nicht pasteurisierter Brustmilch. Noch schlimmer erging es aber den Kindern in Kanada, wo man die Datenbank für Brustmilch aufgab, statt Pasteurisierung einzuführen. (S. 57)
Schliesslich gehen die Autorinnen noch auf das direkte Trinken von artfremder Milch ein. Sie beschreiben dabei die Aussage des griechischen Historikers Herodot von Halikarnass (Herodotus) im fünften Jahrhundert vor Christus, dass Massageten (im Buch Massagetai) vom Kaukasus, sogenannte Barbaren (galaktopotes), Milch direkt von Tieren trinken würden: They sow no crops but live on livestock and fish, which they get in abundance from the river Araxes; moreover, they are drinkers of milk!
(S. 57)
Später verwendet man Tiere, bei denen der Säugling direkt trinkt. Vor allem Ziegen, die den Säugling sogar annehmen und ihn suchen.
Säuglinge in Waisenheimen etc. hatten keine grosse Überlebenserwartung. Im Jahr 1775 institutionalisiert Alphonse Le Roy die Praxis, dass in seinem Spital Findelkinder (Findelkind) die Milch direkt von den Zitzen von Ziegen trinken. Selten saugten Säuglinge die Milch direkt an Zitzen von Eseln.
Allerdings merkte man bald, dass die Lebenserwartung von so ernährten Säuglingen viel geringer war und das Verfahren oft zum Tod führte. Die Information stammt von G. J. Witkowski, "Histoire des Accouchements chez Tous les Peoples", Paris: Steinheil 1887.
Aber auch heute gibt es noch Beduinen, die in solchen Fällen direkt von Ziege oder Schaf trinken lassen.
| Mehr über das Mensch-Tier-Stillen. Dies und das Umgekehrte gibt es schon seit tausenden von Jahren. Frauen haben aber auch umgekehrt Tiere direkt an der Brust saugen lassen. Dies aus verschiedenen Gründen wie das Retten von Tieren (destitute animals), um zu volle Brüste zu entlasten, um Empfängnis zu verhindern, um den Milchfluss anzuregen oder um gute Brustwarzen zu erhalten. Die Autorinnen geben Beispiele aus verschiedenen Ländern, vor allem für Hunde und Schweinchen. |
Zudem gibt es zahlreiche Beispiele für die Gabe von Brustmilch an kranke oder alte Personen oder solche im Gefängnis. Auch dazu geben die Autorinnen Beispiele aus der Literatur. Danach erwähnen die Autorinnen Beispiele der Heilkraft von Brustmilch, vor allem für Augeninfektionen. Dabei stützen sie sich auch auf den medizinischen Papyrus Ebers von ca. 1500 v. Chr.
Auch der bedeutendste Augenarzt aus dem Mittelalter, Ali ibn Isa, beschreibt um das Jahr 1000 die Heilkraft von Brustmilch und erwähnt dabei auch Ophthalmia neonatorum.
Das nennt man auch Neugeborenenkonjunktivitis. Es ist eine infektiöse Bindehautentzündung (Konjunktivitis) der Augen. Das Werk von Ali ibn Isa heisst "Kitab Tadkirat al-Kahhalin" und es beschreibt 130 Augenkrankheiten.
Die Autorinnen nennen verschiedene weitere Heilungserfolge aus verschiedenen Ländern. So auch aus Samoa, wo akute hämorrhagische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) als Viren-Epidemie auftrat.
Die Zentren für Krankheitswesen publizierten 1982 über die erfolgreichen Behandlungen mit dieser alten Volksmedizin.
Sie verweisen zudem auf schwerwiegende IgA-Defizite nach Lebertransplantationen, die man mit Brustmilch erfolgreich behandelt (Merhav H.J., Wright H., Mieles L.A. and Van Thiel D.H. 1995). Die menschliche Brustmilch ist reich an IgA, welche Darminfektionen (Gastroenteritis) und mikrobielle Translokationen erfolgreich verhindern kann.
Auch dieses Kapitel zeigt zwei Teile. Jeder Teil behandelt eine Anzahl von Themen:
Teil 3:
Kuhmilch ist für Kühe; Brustmilch ist spezifisch für die entsprechende Spezies; Brüste und Milchproduktion; Brustmilch ist lebendig; Brustmilchkomponenten und Konfusion mit Flaschenmilchnippeln; Brustmilch und die Frühgeburten; der Kampf gegen Infektionen; die Vorteile des Stillens für die Mutter; Ist Formula-Milch nicht nur ein Problem in Drittweltländern?; Stillen als Verhütungsmittel; ist Muttermilch immer sicher?; Ist Kuhmilch immer sicher?; Ist Schoppenmilch immer sicher?; Ist abgefülltes Trinkwasser immer sicher?; Milchfluss unterdrückende Medikamente; Vergleiche der Gewohnheiten in den letzten Dekaden.
Teil 4:
Alternative Säuglingsernährung; Kinder sterben wie Fliegen; Saubere Milch; Bildung und Werbung; Der Wachstumsmarkt Säuglingsernährung; Trinkgefässe für den Säugling; Schoppen und die Umwelt.
Prof. Dr. med. Naomi Baumslag beginnt diesen Teil mit Muttermilch ist unnachahmlich
.
Alleine in den 1980er Jahren entstanden viel mehr als tausend publizierte wissenschaftliche Arbeiten über die biochemischen Eigenschaften von Brustmilch. Trotzdem hat man auch noch Jahrzehnte später neue Substanzen gefunden, wie bestimmte Polysaccharide, Aminosäuren und Taurin. Zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung und vielleicht auch heute noch verstehen wir die bessere Aufnahme von Eisen und Zink bei Muttermilch nicht ganz. (S. 67)
Schon im Prinzip, also bei den eigentlichen Energieträgern, ist die Milch jeder Spezies (Art) anders und muss andere Wachstumsziele erreichen. Die Tabelle aus dem Buch zeigt zur Verdopplung des Gewichts die natürliche Anzahl Tage und den Prozentanteil der Energieträger:
| Spezie | Tage | Fett | Protein | Lactose |
| Mensch | 90-180 | 3,8 | 0,9 | 7,0 |
| Pferd | 60 | 1,9 | 2,5 | 6,2 |
| Kuh (Rind) | 47 | 3,7 | 3,4 | 4,6 |
| Rentier | 30 | 16,9 | 11,5 | 2,8 |
| Hausziege | 19 | 4,5 | 2,9 | 4,1 |
| Schaf | 10 | 7,4 | 5,5 | 4,8 |
Aus: L. Hambreus, Pediatric Clinics of North America (Philadelphia: W. B. Saunders Co., 1977) 24:17.
Ich habe statt 180 auch die mögliche schnellere Verdopplung des Gewichts in 90 Tagen zugesetzt, denn die Stillende trinkt häufig Milch oder isst Milchprodukte während des Stillens.
Damit können fremde Hormone das Wachstum des Kindes unnatürlich beschleunigen. Unter "Säugling" gibt Wikipedia an: Nach drei bis fünf Monaten hat ein gesunder Säugling sein Geburtsgewicht verdoppelt und ist um etwa 15 Zentimeter gewachsen.
Mit anderen Worten: Wir haben uns an ein unnatürlich schnelles Wachstum gewöhnt und empfinden es als abnormal, wenn das Kind in der von der Natur vorgesehenen Zeit wächst!
1799 hatte der Arzt Michael Underwood (engl. 1736-1820) in "Treatise on Diseases of Children" (Abhandlung) diese Unterschiede herausgearbeitet und gezeigt, dass Stutenmilch sich eher als Ersatzprodukt eignet als Kuhmilch. Da waren die grossen Unterschiede bei den Wachstumshormonen und für andere Stoffe noch nicht bekannt.
Dazu kommt die laufende feine Anpassung der Milch an das Alter des Säuglings.
Auf Seite 69 finden wir eine Tabelle von F. Savage King, "Helping Mothers to Breastfeed", African Medical and Research Foundation, (Nairobi, Kenya: 1993). Da überblicken wir eine ganze Reihe von Gründen, warum die Verabreichung von Kuhmilch statt Brustmilch sich für das Baby verheerend auswirken kann.
Die Tabelle beginnt mit Bakterien, die nur vorkommen, wenn ein Baby Milch nicht direkt an der Brust saugen kann. Jede Spezies trinkt direkt ab Brustwarzen oder Zitzen der Euter. Dazu bekommen sie von der Mutter die notwendigen Antikörper und Leukozyten, doch nicht in Formula-Milch oder artfremder Milch. Die Muttermilch gibt auch Lactoferrin und den Bifidusfaktor ab.

Zuerst hat man aus der proteinfreien Fraktion der Frauenmilch N-Acetylglucosamin isoliert. Heute weiss man aber, dass die bifidogene Wirkung der Frauenmilch nicht auf einem einzigen Faktor beruht, sondern auf dem komplexen Zusammenwirken zahlreicher Inhaltsstoffe. Das sind Oligosaccharide, hoher Gehalt an Lactose, niedriger Gehalt an Eiweiss, antimikrobiell wirksame Eiweisskörper wie Lysozym, Lactoferrin und spezifische, gegen die Begleitflora gerichtete sIgA-Antikörper.
Das Baby benötigt für das gesunde Hirnwachstum auch spezielle Aminosäuren wie Cystine und Taurine sowie Linolsäure aus der Muttermilch. Auch kommen in der Muttermilch viel mehr wichtige unsaturierte Fettsäuren vor und in Kuhmilch mehr saturierte, also "schlechte". Zudem fehlen der Kuhmilch die Lipasen zur Fettverdauung.
Die Kuhmilch hat viel zu viel Natrium, Chlorverbindungen (Chloride) und Kalium, nämlich je mindestens das Doppelte bis gut das Dreifache. Beim Calzium bekommt das Baby durch Kuhmilch sogar das Vierfache und bei Phosphaten das Sechsfache, was der Organismus erwartet!
Auch die Bioverfügbarkeit spielt eine Rolle. So enthält z.B. Kuhmilch mehr Eisen als Brustmilch, doch ist die Bioverfügbarkeit nur 10 %, aber die bei Brustmilch liegt bei 49 %.
Baumslag: Wenn jedes Neugeborene in den Vereinigten Staaten für nur 12 Wochen gestillt würde, gäbe es bei den Gesundheitskosten Einsparungen durch die Vermeidung von nicht chronischen Krankheiten im ersten Lebensjahr der Babys von 2-4 Milliarden Dollar jährlich.
(S. 70)
Das Baby bekommt die richtigen Vitamine in der richtigen Menge und genügend Wasser mit der Muttermilch. Die Autorinnen rechnen, dass die durch Formula-Milch entstehenden Krankheiten bei Babys weltweit $ 333 Milliarden ausmachen.
Die Autorinnen erklären, dass kleine Brüste kein Grund zur Sorge für das Kind sind. Die Grösse der Brust hängt von Fettzellen ab, die der Körper in kleinerem oder grösserem Mass anlegt. Die Milchdrüsen sind davon nicht betroffen. Die Fettdepots können aber bei Unterernährung helfen, genügend Milch zu produzieren.
Danach erklären sie die verschiedenen Organe für die Milchproduktion und -Abgabe. Dabei erfahren wir auch etwas über den Mechanismus, der die Milch einschiessen und fliessen lässt, sowie über das, was das behindert.
Die Brustmilch verändert sich sogar während der gleichen Stillzeit. Im englischen Sprachraum bezeichnet man die erste Milch pro Stillung als foremilk und die letzte als hindmilk.
Es ist besser, wenn das Baby sowohl die Vormilch als auch die Hintermilch erhält. Die Vormilch ist deutlich heller und auch in der Farbgebung nicht so gelb wie der letzte Fluss der Milch.
Drogen können den Milchfluss sogar verhindern, wie auch das bei der Geburt manchmal verwendete Oxytocinhormon ("Pitoc..") oder Mutterkornpilze (engl. Ergot, Produkt Methergin von Novartis), die man früher gegen Uterusblutungen verabreicht hatte.
Die Brustwarzen einer stillenden Mutter sollte man nicht mit Alkohol reinigen, weil das Baby sonst "nicht so auf den Geschmack kommt" (Olfaktorische Wahrnehmung). Auch das in Kliniken manchmal praktizierte oder in Büchern empfohlene Reiben mit einem groben Waschtuch oder das Einreiben mit Lanolin (Wollwachs) oder anderen Ölen sollte man deswegen unterlassen.
Der Geruch der stillenden Brust ist für den Säugling wichtig. Ein Neugeborenes beispielsweise kann mit geschlossenen Augen die Brust finden. Dafür sorgt der ausgeschiedene, schützende Talg.

Gemäss Wikipedia sollte die Stillende nach dem Stillen die letzte Milch auf der Brustwarze belassen, um Austrocknung zu verhindern. Das wirkt zudem antibakteriell und trägt so zur Vermeidung rissiger Brustwarzen bei.
Dr. Baumslag beschreibt den ganzen Vorgang der Milchherstellung und der dazu erforderlichen Stimuli. Sie erwähnt auch die Anzahl verschiedener Organe dazu.
Ein Problem von Flaschen ist, dass das Baby nicht dafür arbeiten muss und sich Babys voll gefüttert vorkommen, bevor ihre oralen und sensorischen Bedürfnisse gestillt sind. Flaschenkinder entwickeln öfter Daumenlutschen als Stillkinder (S. 73). Daumenlutschen ist eine Art Trost, meint Wikipedia.
Brustmilch ist lebendig
titelt Dr. Baumslag den Text über die unterschiedliche Zusammensetzung der Brustmilch. Die erste Milch, das Kolostrum, nennt man auch flüssiges Gold wegen Farbe und Wichtigkeit für das Kind. Kolostrum ist eine gelbe, klebrige Substanz, voll von wichtigen Antikörpern, reich an Proteinen, enthält weisse Blutzellen, Carotine, Vitamine A, B12, D, E plus Zink und viele weitere Stoffe. Diese Milch verändert sich in den ersten paar Tagen graduell zur Übergangsmilch und dann zur reifen Muttermilch, die sich aber auch laufend anpasst.
Das Kolostrum hat weniger Nährwert als die reife Muttermilch, doch es ist gewollt, dass das Baby zuerst Antikörper aufbaut und seinen ersten Stuhlgang, das meist schwarz-grünliche Mekonium (Kindspech) absondern kann.
So verliert das Baby naturgemäss etwa 10 % seines Gewichts. Das Mekonium ist im Gegensatz zum Fäzes bzw. Kot nicht aus der Nahrung entstanden.
![]() | Mekonium scheidet das Neugeborene normalerweise nur in den ersten 24 bis 48 Stunden aus. Mekonium ist kein Verdauungsendprodukt (Fäzes, Stuhl). Mekonium ist eine im noch funktionslosen Darm angesammelte zähe, dunkle Masse aus abgeschilfertem Epithel der Schleimhäute, eingedickter Galle sowie mit dem Fruchtwasser verschluckten Haaren und Hautzellen. |
Mekoniumaspiration (MA) kann für einen Säugling lebensgefährlich sein. Doch gibt es Mekoniumaspiration selten, obwohl etwa 13 % aller lebenden Neugeborenen aus mekoniumhaltigen Fruchtwasser kommen. Und nur 5 % - 12 % dieser Neugeborenen entwickeln ein Mekoniumaspirationsyndrom (MAS). Nur in ganz schwierigen Fällen ist eine Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) bzw. Extrakorporale Lungenunterstützung (ECLA) nötig.
Prof. Dr. Baumslag geht darauf ein, wie widersprüchlich Studien das Thema Kolostrum und zusätzliche, unnatürliche Ernährung behandeln. Das kommt auch davon, dass ein Säugling mit nur einer Brustmahlzeit, begleitet mit Formula-Milch, noch als Brustmilchkind in die Statistik einfliesst, was ein grosser Fehler ist. Einzelne Studien nehmen das genau, andere nicht. Sie definiert danach exklusives Stillen.
Danach folgt eine Tabelle, die auch noch für 1987 bei Schwellenländern eine massiv erhöhte Todesrate von Säuglingen zeigt, wenn man von reiner Brustmilch abweicht. Dies trotz des Einsatzes der modernen Medizin.
Die Brustmilch ist auch automatisch anders zusammengesetzt bei Frühgeburten (Frühchen) als bei dem Erreichen der Schwangerschaftswoche 37 bis 40.
Die Liste der Vorteile für das Kind (15), die Mutter (12) und die Nachteile für die anders ernährten Kinder (7) sind sehr überzeugend.
Vor allem Durchfall, Magen-Darm-Erkrankungen und Harnwegsinfektionen kommen seltener vor. Für Erkrankungen der Atemwege, Ohrenentzündungen, Allergien, SIDS bzw. plötzlichen Kindstod gilt dasselbe.
Brustgestillte Kinder haben gemäss Statistik später auch weniger Lern- und Verhaltensschwierigkeiten und zeigen bessere psychische Entwicklungen.
Die nächsten Punkte der Aufzählung sind unter anderem die enge Bindung von Mutter und Kind; die gestärkte passive Immunität; besserer Schutz gegen Masern und andere ansteckende Krankheiten; optimales Wachstum; bessere neurobiologische Entwicklung (Hirn und Nerven); bessere Zahnstellung sowie bessere Zähne und Kiefer; Lymphome im Kindesalter treten seltener auf; Verringerung von Neugeborenensepsis (Blutvergiftung); weniger Gefahren für frühgeborene Kinder.

Die Anfälligkeit für (spätere) Fettleibigkeit beträgt bei Flaschenkindern mehr als das Dreifache als bei rein gestillten Brustmilchkindern. (S. 78)
Die Liste der Nachteile für gemischt oder anders gestillte Kinder umfasst z.B. höhere Risiken für Durchfall, Infektionen, Jugenddiabetes (Diabetes Typ 1), falsche Antikörperreaktionen bei Impfungen, Atemstillstand, Bradykardie (krankhaft langsamer Herzschlag), entzündliche Krankheiten, Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Cholera, hypocalcämische Tetanie und heute aktueller denn je: Fettleibigkeit.
Ein Brustmilchkind bekommt auch genügend Flüssigkeit, was man am weichen Stuhlgang und genügend nassen Windeln ersehen kann. Studien in Indien und Honduras ergaben, dass auch dort die Brustmilchkinder genug Flüssigkeit bekommen. Der Grund ist, dass sie spontan trinken können, während Schoppenkinder wegen der grösseren Verdauungsarbeit drei Stunden bis zur nächsten Mahlzeit warten müssten.
Das kann zu einem Teufelskreis führen, indem das Baby die Brust nicht mehr richtig benutzt, quasi den Appetit verliert, und damit auch die Milch der Stillenden zurückgeht (Laktation). (S. 81)
Auf mehreren Seiten sind die Begründungen zu den Aussagen der aufgezählten Nachteile der Flaschenernährung gegenüber Brustmilch erklärt. Es folgen die Gründe, warum Brustmilch perfekt ist, und Angaben über die Inhaltsstoffe von Brustmilch. Gewisse Stoffe gibt es auch in der Kuhmilch, doch in Menge und Qualität nicht auf uns angepasst, sondern für Kälber.
Die "Anti-Infektions-Stoffe" sind z.B. Anti-infektiöse Faktoren: Bifidobakterien (Bifidobacterium); sekretorische Form (Dimer) des Immunglobulin A (IgA) und des IgC (sic.!) - gemeint ist IgG bzw. Gammaglobulin (siehe auch engl. Immunoglobulin superfamily); Faktor gegen Staphylokokken; Lactoferrin; Enzym Lactoperoxidase (LPO); Komplementfaktoren C3 und C4 (Komplementsystem); "Interfer.." (IFN); Lysozym (Muramidase); B12-Bindungsprotein (siehe Transcobalamin, Haptocorrin); Lymphocyten und Makrophagen (Fresszellen, MΦ).
Dr. Baumslag erklärt, warum gerade bei Frühgeburten die automatisch angepasste Milch der Mutter so wichtig ist, um auch vor allem den Darm des Säuglings zu schützen.
Der australische Fortpflanzungsbiologe und Zellbiologe, Prof. Dr. Roger Valentine Short, schreibt warum der Kot eines ausschliesslich mit Brustmilch gestillten Säuglings für die Mutter "angenehm" riecht. Er zeigt auf, wie Primaten durch das Einnehmen kleinster Mengen an Kot ihres Säuglings spezifische Antikörper (IgA) entwickeln. Diese über die Muttermilch aufgenommenen IgA schützen wiederum das Kind. (S. 90)
Das Stillen hat aber auch sehr positive Wirkungen für die Mutter. Stillen hilft etwa, die Gebärmutter (Uterus) zurückzubilden, schneller wieder das zusätzliche Gewicht zu verlieren und psychisch entspannter und glücklicher zu sein.
Es gibt Kreise, die versuchen zu vermitteln, dass die negativen Auswirkungen der Formula-Milch gegenüber Brustmilch nur für die Entwicklungsländer gelten. Natürlich haben zu verdünnende Babymilchprodukte dort grössere negative Auswirkungen als bei uns. Man hat aber auch die Unterschiede bei uns und "heute" bewiesen - und sie sind logisch und zwangsweise vorhanden.
Dr. Baumslag beleuchtet auch dieses Thema mit Statistiken von 1981, 1989 und 1992. In dieser Zeit bekamen Flaschenkinder fünfmal mehr Magen-Darm-Erkrankungen als mit Brustmilch gestillte Kinder.

Für Logiker zeigt das Buch mit der Aufzählung der natürlichen Angepasstheit der Muttermilch an das Baby eindeutig die bleibende massive Überlegenheit der Brustmilchstillung gegenüber jeder anderen Art der Ernährung von Säuglingen. Es ist aber ein (nahezu) vergeblicher Kampf, mit ein paar Büchern und Artikeln die heutige Situation ändern zu wollen. Wie auch, bei den grossen Budgets dieser Multi und dem grossen Einfluss auf Politik und Medien? So ist es der Kampf wie bei "Don Quijote" (Don Quichotte oder Don Quixote) von Miguel de Cervantes.
Bei der Empfängnisverhütung halten sich die Autorinnen an Aristoteles, der im Jahr 350 v. Chr. aussagt, dass die Menstruation während des Stillens nicht auftritt und nach einer Empfängnis die Milch versiegt. (S. 93) Das stimmt aber nur relativ und nicht absolut. Eine Empfängnis ist auch beim Stillen möglich.
Wir erfahren weiter, dass auch Muttermilch schädlich wirken kann, etwa wenn die Mutter Alkohol, Tabak und/oder Drogen konsumiert. Dazu können aber auch Kontaminationen durch chemische Gifte, Schwermetalle oder PFAS erfolgen. Das nutzen gewisse Kreise aus, um Frauen vom Stillen abzuhalten, obwohl diese Faktoren das Kind vor allem während der Schwangerschaft belasten.
Gerade wenn eine stillende Mutter eine Infektion erleidet, sollte sie das Stillen nicht aufgeben, denn ihre Antikörper schützen das Baby und eine Ansteckung erfolgt eher, wenn sie es nicht stillt. Hautkontakt ist vor allem der Überträger einer Infektionskrankheit, zusammen mit Nase und Mund, nicht die Milch. (S. 98)
So sind z.B. Radikalkuren während der Schwangerschaft und des Stillens schädlich. Wenn man durch solche Diäten oder durch Hungern Fett auflöst, gelangen die dort gespeicherten fettlöslichen Giftstoffe ins Blut und damit auch in die Muttermilch. Das können Stoffe sein wie PCBs, also Polychlorierte Biphenyle, Heptachlor, Dioxin etc.
Aber auch Furan als Geschmacksträger des Kaffees kann sich im Fettgewebe anreichern.
Eine schwedische Studie hat ergeben, dass nach dem Atomunfall in Chernobyl die Kuhmilch in Italien und Österreich 300 Mal mehr radioaktives Jod und Caesium (Zäsium) enthielt als Muttermilch.
Es gibt wenige Gründe, das Stillen abzusetzen oder zu unterbrechen, wie etwa Chemotherapie, Behandlung mit radioaktiven Stoffen, ein toxisches Schocksyndrom oder eine Nahrungsmittelvergiftung. Bei einer Untersuchung mit radioaktivem Jod sollte man das Stillen für 24 Stunden unterbrechen.
Bei Herpesbefall (Herpes simplex) einer Brustwarze oder eines Warzenhofs darf man nur die andere Brust geben. Eine Übertragung im frühen Säuglingsalter kann für das Kind ernsthafte Folgen haben.

Herpes neonatorum, also die generalisierte HSV-Infektion des Neugeborenen, kommt selten vor. Die Krankheit ist bei der Geburt wegen Herpes genitalis der Mutter möglich und dann sehr gefährlich. Das hat aber nichts mit Herpes an einer Brust zu tun. Bei Herpesbefall im Mundbereich darf man das Kind nicht küssen, solange Bläschen oder Krusten im Lippenbereich vorhanden sind (Mutter, Vater, Verwandte etc.). Das gründliche Händewaschen vor Berührung des Kindes ist wichtig. Vor dem Stillen ist die Brust dann immer zu inspizieren.
Sogar bei einer HIV-Infektion ist gemäss Experten der Centers for Disease Control (CDC) der WHO und UNICEF die Todesrate eines Babys höher, wenn es die Brustmilch nicht bekommt. Das bezieht sich aber nur auf Gebiete, in denen die Kindersterblichkeit hoch ist. Man weiss, dass gestillte Kinder, die HIV-positiv sind, später an AIDS erkranken. (S. 100)
Auf den nächsten Seiten lesen wir, warum Kuhmilch viel weniger Sicherheit bietet bezüglich Kontamination. So fand z.B. das Wall Street Journal im Jahre 1989 heraus, dass 38 % von fünfzig Milchproben aus zehn Städten Antibiotika und Sulfanomide enthielten.
Aber auch der Milch zugesetzte Stoffe können grosse Probleme verursachen.
1990 wurden Ärzte in Harvard alarmiert, weil ein 15 Monate altes Kind und eine 72-jährige Frau eine Vergiftung mit Vitamin D (Cholecalciferol) erlitten. Schliesslich hatte man die Milch aus Molkereien untersucht und bis 914 % mehr Vitamin D als vorgesehen entdeckt. Man fand heraus, dass acht weitere Personen in Massachusetts wegen zu viel Vitamin D krank wurden. Man entdeckte Schwankungen von praktisch null Vitamin D bis 500-mal höhere Dosen als angegeben.
Auch Formula-Milch zeigte bis zu 4,5 Mal mehr Vitamin D als angegeben.
![]() | Eigentlich nennt man das physiologisch im Menschen, bzw. bei allen Lebewesen mit Zellkern ( Eukaryoten) vorkommende Cholecalciferol (auch Colecalciferol oder Calciol) Vitamin D3. Weil der Organismus Cholecalciferol mithilfe von UVB-Strahlung (Dorno-Strahlung) in der Haut aus 7-Dehydrocholesterol bildet, ist es eigentlich kein Vitamin, sondern ein Prohormon. Ein Vitamin-D-Mangel führt mittelfristig bei Kindern zu Rachitis und bei Erwachsenen zu Osteomalazie. |
Wikipedia: Die Anreicherung von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs mit Vitamin D ist aufgrund seiner Toxizität in Deutschland derzeit hingegen verboten. Da Butter einen natürlich hohen Gehalt hat, gibt es eine einzige Ausnahmegenehmigung für Margarine, um sie ihrem Vorbild gleichwertig zu machen.

Übrigens: Zu viel Vitamin D kann zum Auftreten von Schizophrenie, Krampfanfällen und Nierenschäden führen.
Bei Kleinkindern ist die Grenze zur Toxizität (Giftigkeit) viel schneller erreicht als bei Erwachsenen. Sonnenlicht ist unter gewissen Bedingungen ist der beste Lieferant an Vitamin D.
Zudem erklärt Dr. Baumslag das Problem der stetig mit künstlich hergestellten Wachstumshormonen behandelten Kühe. Das ergibt 10 bis 30 % mehr Milchausbeute.
Deshalb erleiden die Kühe mehr Mastitis und Mastitisbehandlungen mit Antibiotika und es kommen weitere Probleme vor. Monsanto entwickelte dieses Wachstumshormon rBGH, das in den betreffenden Ländern dann auch in der Kuhmilch vorhanden ist. In Europa ist dies (noch?) verboten. Mehr über rBGH (deutsch rBST) und IGF-1 in dieser Buchbesprechung über "Milk The Deadly Poison".
Kuhmilch erzeugt im Menschen mehr insulinähnliche Wachstumsfaktoren (IGF-1). Diese unterstützen Progression (Wachstum) und Malignität von Brustkrebs und damit das Eindringen in andere Gewebe (Metastasen). Das Nachrichtenmagazin Newsweek nannte das "a medical disaster", eine medizinische Katastrophe.

EE: Ich nenne das Gaspedal für Krebs: Während Ärzte auf die Bremse stehen, nimmt der Patient Milchprodukte mit Wachstumshormonen zu sich.
In den Jahren 1982 bis 1994 musste die Industrie allerdings 22 Mal Produkte vom Markt nehmen. Diese waren nicht den Vorschriften entsprechend. Ein grosser Anteil dieser aufgedeckten Fälle hätte tödlich wirken oder zu ernsthaften und bleibenden Schäden für die Säuglinge führen können.
Im Appendix C auf Seiten 223 bis 226 sind die Fälle gelistet und das Problem aufgeführt. Nur bei sechs dieser 22 Produkte konnte man annehmen, dass eine Schädigung des Säuglings nicht wahrscheinlich war. Die Informationen stammen von der Behörde FDA und beziehen sich nur auf die USA.
Nur einige Probleme liste ich hier auf:
Danach beschreiben die Autorinnen, was so alles in Schwellenländern mit Formula-Milch passiert. Aber auch in den USA mussten in dieser Zeit ganze Fabriken schliessen, so gravierend waren die Mängel.

Wikipedia erklärt den Fall von Neuseeland, vorgekommen im Jahr 2013 unter 2013 Fonterra recall.
Fonterra verkaufte rund tausend Tonnen mit Bakterien kontaminierte Molkeprodukte an Firmen, die Säuglingsnahrung und Sportgetränke produzieren. Die Produkte gingen in sieben andere Länder.
Das Ministry for Primary Industries hat den Fall ins Rollen gebracht. Die Entdeckung gelang viel zu spät, doch die Firma hatte Glück, weil die Art des Bakteriums Clostridium (Clostridien) sich als ungefährlich entpuppte. Der Fall zeigt nur exemplarisch, dass wir nicht behaupten können, solche Vorfälle seien heute nicht mehr möglich, die im Buch beschrieben sind.
Unter Infant formula kann man wenigstens bei Wikipedia auf Englisch über Probleme der Kunstmilch lesen. Auch der deutschsprachige Artikel unter Babynahrung zeigt etwas über das Allergiepotenzial von Babynahrung und einige Gefahren durch Babynahrung.
Erfreulich: Auch die ernährungsphysiologische Einordnung ist da einigermassen neutral erklärt, sieht man von den Bedenken ab, die für das zweite Halbjahr der Stillung vorkommen. Man findet einige Punkte, die dieses Buch bestätigen.
Bei Babynahrung kommen noch zahlreiche mögliche Fehler bei der Aufbereitung und Aufbewahrung dazu. Auch kann die mangelnde Wasserqualität, etwa zu viel Blei im Wasser, eine Rolle spielen. In den USA fand man sehr oft erhöhte Bleiwerte im Trinkwasser. Dazu gibt es eine sehr gefährliche Praxis, zu viel vom Produkt, gemessen am beigegebenen Wasser, zu verwenden. Dies in der Meinung, es gehe dann dem Kind besser. Vor allem bei Babysittern und Grosseltern kommt das vor, was schon zu Todesfällen führte. (S. 104)
Die Autorinnen warnen davor, Mineralwasser (bottled water) zu verwenden. Diese können unterschiedliche Mineralstoffgehalte aufweisen, u. a. zu viel Natrium. Die Formula-Milch sollte besser mit abgekochtem Hahnenwasser trinkfertig gemacht werden, statt mit gekauftem Wasser aus Flaschen.
Vollständig gestillte Kinder benötigen keine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr. Eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr kann zu Hyperhydration (Hyperhydratation) führen. Die Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushalts löst im Extremfall Krämpfe und Hirnschwellungen aus.
Unter Begriff Lactation suppression findet man einen Wikipedia-Beitrag in Englisch, der zeigt, welche Probleme es gibt, wenn man von Beginn weg abstillen möchte. In Deutsch fand ich keinen solchen Beitrag.
Dr. Baumslag führt aber auch aus, dass Frauen grosse Schmerzen erleiden können, wenn die Milch einschiesst und diese nicht zur Abgabe kommt. Heute empfiehlt man zum Glück keine Medikamente mehr, um den Milchfluss zu unterbinden.
Zu gut sind die Nebenwirkungen von solchen Medikamenten dokumentiert. Wenn aber ein Neugeborenes stirbt oder weggegeben werden muss, hat die Frau ein Problem. FDA-Studien ergaben, dass aber 90 % der Frauen ihre Schmerzen mit Schmerztabletten unterdrücken konnten. Wenn solche Schmerzen auftauchten, dann für etwa 12 Stunden in dem Mass, dass Schmerzmittel nötig waren. Die Schmerzen klingen danach ab und sollten nach zehn Tagen vorüber sein.
In den USA ist seit 1989 nur Bromocriptin ("Parlod.." von Sandoz, möglicherweise auch Pravidel, Kirim, Umprel) zugelassen, nachdem es bei anderen Mitteln zu zahlreichen schweren Komplikationen und einigen Todesfällen kam. Auch das rezeptpflichtige Promocriptin, ein Dopaminagonist. Aber auch da kennt man in den USA 13 Todesfälle und zahlreiche schwere Gesundheitsprobleme. (S. 106)
1994 war die FDA gezwungen, das Mittel nur noch bei der Parkinson-Krankheit zuzulassen, doch Ärzte haben das Recht, Mittel zu verschreiben, die eine Zulassung haben.
Die Autorinnen schreiben dazu entmutigt: It would be easy to blame the women for being so selfish that they would endanger their health rather than let their own child suckle from their breast. But the FDA, the medical profession, and the drug makers are the real culprits. What kind of society have we created that will direct so many resources at stopping lactation - and so few at encouraging it?
(S. 108)
Übersetzt heisst das: Es wäre leicht, so selbstsüchtige Frauen zu verurteilen, die sogar ihre Gesundheit gefährden wollen, anstatt ihr eigenes Kind an ihrer Brust säugen zu lassen. Aber die FDA, die Ärzteschaft und die Arzneimittelhersteller sind die wahren Schuldigen. Welche Art von Gesellschaft haben wir geschaffen, dass sie so viele Ressourcen für das Stoppen des Milchflusses verwenden - und so wenig zur Förderung des Stillens?
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten zahlreiche US-amerikanische Frauen auf Flaschenernährung ihrer Neugeborenen um. Zwischen 1946 und 1956 fiel die früher hohe Quote von Brustmilchernährung auf rund einen Viertel, der andere Viertel bekam Formula-Milch und die Hälfte der Kinder sogar "evaporated milk".
Bemerkung EE: Borden (engl.) führte 1885 Milch in Glasflaschen ein und begann 1892 mit "evaporated milk".
![]() | Evaporated milk (engl.) ist dehydrierte Milch, der man ca. 60 % des Wassers entzogen hat. Diese Milch lässt sich bei normaler Raumtemperatur während Monaten, sogar Jahren aufbewahren und beansprucht nur den halben Platz als Milch. Der Verkauf der zudem homogenisierten und sterilisierten Milch erfolgte in Blechdosen. Die Milch ist nicht vergleichbar mit Kondensmilch (meist gesüsst für lange Lagerhaltung) oder Pulvermilch. |
In den 1990er Jahren gab es immerhin wieder etwas über 50 % an US-Frauen, die ihrem Kind nicht die Brusternährung vorenthielten. Nur jedes fünfte Kind bekommt nach 5 Monaten keine Brustmilch mehr. Auch wenn die Zahlen sich verbesserten: Es waren vor allem besser geschulte oder wohlhabende Frauen, die diesen Trend anführten.
Dafür hat man viele Entwicklungsländer in die Richtung Schoppenmilch geführt. In Nigeria bekam nur ein Prozent der Säuglinge während der ersten vier Monate exklusiv Brustmilch, gefolgt von Ghana (2 %), Brasilien (3 %), Thailand (4 %), Senegal (6 %), Mali und Togo (8 %) und Zimbabwe (9 %).
Doch hatte Frau Dr. med. Natividad Relucio-Clavano im Jahr 1989 in den Philippinen die Brustmilchernährung im Spital eingeführt und damit eine signifikante Senkung der Kindersterblichkeit erreicht. Dazu sanken die Spitalkosten extrem, weil die Säuglinge weniger an Krankheiten litten. Das führte zudem auf den Philippinen zu einem allgemeinen Trend weg von Schoppenmilch.
1986 hatte ein Spital in Quito, Ecuador, mit 14 000 Geburten pro Jahr, ebenfalls vollständig auf Formula-Milch verzichtet und damit eine dramatische Verminderung von Neugeborenen-Infektionen und Kindersterblichkeit (Säuglingssterblichkeit) erreicht.
| Frau Dr. med. Natividad Relucio-Clavano (ca. 1932-2007) begann ihr Programm 1973 und veröffentlichte erstaunliche Resultate im Jahr 1977. Siehe hier in Englisch und hier ihr letzter Kampf. Gemäss diesem Abschied durch UNICEF sank wegen ihrer Massnahmen die Kindersterblichkeit am Baguio General Hospital um 95 %. Prof. David Morley, ein britischer Kinderarzt führt sie als einzige "notable student". |
Unter dem Text Kinder sterben wie Fliegen
beginnt dieser Krimi (Kriminalroman). Das Geschehen ist ebenso schlimm, wie die Tatsache, dass Prof. Dr. med. Ignaz Semmelweis ab 1847 vergeblich versuchte, dass Ärzte sich vor Operationen und Geburten die Hände waschen. Notabene, weil Ärzte vor der Geburtshilfe Leichen sezierten.
Man gab ihnen dann künstliche Ernährung, vor allem Kuhmilch (hand- or dry-feeding, artificial feeding). Im Findlingsheim von Dublin zählte man im Zeitraum 1775 bis 1796 rund 10'227 tote Säuglinge, was 99,6 % der Kinder dort ausmachte. Aber auch gestillte Säuglinge hatten eine hohe Sterblichkeit.
So gibt es eine Statistik Mitte der 1760er Jahre für London, die zeigt, dass bei den 16'283 Geburten pro Jahr 7987 Kinder unter zwei Jahren starben. Weitere 26 % starben bis zum Alter von fünf Jahren.
Der britische Geschäftsmann und Philanthrop, Thomas Coram (1668-1751) kämpfte zwanzig Jahre lang für eine Institution, die Findelkinder aufnimmt, statt dass diese buchstäblich auf Misthaufen verrotten. Schliesslich durfte er 1745 das weltweit erste Findlings-Hospital für ausgesetzte Kinder, Foundling Hospital, eröffnen. Thomas Coram starb bald verarmt.
Weil man den Säuglingen nicht Brustmilch geben konnte, hatte das Findlingsheim auf 15'000 Kinder eine Todesrate von zwei Dritteln, also 10'000 Kindern. Doch in gewissen Gegenden um London betrug die Todesrate von Säuglingen zwischen 80 und 90 %.
Diese unglaublich hohe Sterblichkeitsrate ist erwähnt in "Breastfeeding, Fertility and Population Growth" von Roger Short, aus dem ACC/SCN Symposium Report, UNICEF August 1993.
Im Jahrhundert darauf, also im 19. Jahrhundert, betrug die Todesrate noch immer 40 % der Säuglinge.
In Südfrankreich erreichte der Bürgermeister von Villiers-le-Duc, Morel ab 1852 bis 1854 eine Reduzierung von 30 % auf 20 % Sterblichkeit von Säuglingen im Alter von unter einem Jahr. Dies, indem er allen Eltern anlässlich des ersten Geburtstages eines Kindes eine grosszügige Prämie ausrichten liess.
Der Sohn von Morel liess ab 1893 die Babys alle zwei Wochen durch einen Arzt wägen und man beachtete, dass sie nur Brustmilch bekamen. Das Programm war so erfolgreich, dass zwischen 1893 und 1903 kein einziger Säugling starb.
In der ähnlichen Zeit begann der Geburtshelfer Pierre-Constant Budin (1846-1907) ebenfalls mit dem Wägen und gründete preislich günstige Abgabestellen für sterilisierte Milch. Aber auch er propagierte Brustmilch.
1880 begann man mit dem Chlorieren von Trinkwasser und mit besseren Methoden, um das Abwasser zu entsorgen. Dazu gab es neue Gesetze, um einen gesünderen Tierbestand zu erreichen.
Die Autorinnen schildern das qualvolle Leben der Kühe in dunklen Anbindeständen. Sie hatten z.T. Typhus, Tuberkulose, Hautkrankheiten etc. Zum Teil waren sie so schwach, dass man sie am Bauch aufhängen musste, damit man sie melken konnte (Bild Harper's Weekly, May 15, 1858).
Auch Lagerung, Transport und Behandlung der Milch verbesserten sich. Louis Pasteur (1822-1895) entwickelte das Pasteurisieren. Das alles half, dass auch Schoppenkinder mit der Zeit eine bessere Lebenserwartung bekamen. (S. 117)
Dennoch: Eine Studie im städtischen Süden von Brasilien von 1985 zeigte, dass Schoppenkinder 14-mal öfter an Durchfall sterben als gestillte Kinder. (S. 114)
Während man in den Industrienationen 1991 noch 8 Promille tote Säuglinge zählte, starben in den Schwellenländern noch immer ein bis zwei Prozent der Säuglinge. Die Ursache war und ist meist ein nicht kurierbarer Durchfall, auch mit heutiger Hygiene und Medizin.
Die Gebärmutter wirkt nach Geburt oder Fehlgeburt wie eine grosse Wundfläche. Der Muttermund ist in den Tagen nach der Geburt noch klaffend offen. Damit besteht eine direkte Verbindung zwischen der Gebärmutter und der Scheide. Absolute Hygiene ist nötig.
Der Wochenfluss und vorher der Leukozytenwall (Makrophage) helfen auf natürliche Weise, eine Infektion zu verhindern. Beim Stillen des Babys entsteht in der Mutter Oxytocinhormon, das den Vorgang unterstützt.
1843 hat Oliver Wendell Holmes die These vertreten, dass auch Ärzte die Krankheit übertragen. Dr. Semmelweis führte daraufhin in seiner Abteilung Hygiene ein. Er verhinderte damit sehr wirkungsvoll das Kindbettfieber (Wochenbettfieber, Puerperalfieber oder Puerperalsepsis, nicht Kindsbettfieber) der Frauen und deren Tod in seiner Abteilung. Als er versuchte, andere Ärzte zu überzeugen, diente Dr. Semmelweis (nicht Semmelweiss) während mehr als 20 Jahren nur zum Gespött seiner Kollegen. Dr. Semmelweis starb mit 47 im Irrenhaus. Ein Wärter schlug ihn tot.
Im deutschsprachigen Raum nicht so bekannt: Erst Joseph Lister führte 1867 aufgrund der Erkenntnisse über Bakterien von Louis Pasteur (und Casimir Davaine, 1863) als erster Arzt eine Hygiene ein und konnte sich durchsetzen. Fünf Jahre später machten auch die Ärzte im deutschsprachigen Raum mit.
Das ist mindestens bei Babynahrung und Milch und Milchprodukten in hohem Mass der Fall.
Justus von Liebig (1803-1873) entwickelt 1867 eine erste Formula-Milch und nennt sie "perfektes Kindernahrungsmittel". Dieses Nahrungsmittel bestand aus Kuhmilch, Mehl, Kaliumbicarbonat (Kaliumhydrogencarbonat) und Malz.
Da die Ärzte dies den Säuglingen oft nicht zumuteten, versuchte der verärgerte von Liebig noch weitere Mischungen, darunter auch Kondensmilch.
| Der russische Arzt Osip Krichevsky erfindet 1802 die Pulvermilch (Milchpulver, engl. umfassender). Die gezuckerte Kondensmilch (SCM) entwickelt und patentiert William Newton 1835 (1837), nachdem François-Nicolas Appert (1749–1841) Milch ab 1822 eindickt. Konservendosen gibt es seit 1810 durch Peter Durand, die Bryan Donkin und John Hall ab 1813 kommerziell herstellen. |
Appert gründet 1804 eine Konservenfabrik und verwendet ab 1812 die von Durand entwickelten Weissblechdosen.
Gail Borden patentiert 1856 die industrielle Fertigung von kondensierter Milch. Ab 1866 vermarktet Nestlé Kondensmilch in Blechdosen. Dehydrierte Milch ohne Zuckerzugabe entwickelt John B. Meyenberg und wendet das Verfahren ab 1885 in der Helvetia Milk Condensing Company an.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg kamen Kühlschränke auf. Obwohl in den USA 1937 jeder zweite Haushalt einen hatte, erfolgte die allgemeine Einführung in Europa erst nach dem Krieg. Die Kühlschränke lassen erstmals Haushalten zu, Milch für Stunden bis einige Tage aufzubewahren.

Zum Kühlschrank (davor Eisschrank): 1748 zeigte William Cullen die erste künstliche Kühlung. Ab 1834 gab es eine kommerzielle Vermarktung durch Alexander Twinning, 1859 setzte Ferdinand Carré Ammoniak ein.
Man kann grob festhalten, dass ab dem 20. Jahrhundert bekannt war, dass Brustmilch für das Kind absolut die beste Ernährung darstellt. Man hatte aber auch bessere hygienische Verhältnisse, sodass auch Milch, dehydrierte Milch und Kondensmilch weniger Probleme hervorriefen als das früher der Fall gewesen war.
Eigentlich hatte man in den Städten nun auch Milchabgabestellen für den Fall des Fehlens von Brustmilch, Wägeprogramme für den Säugling, gute Instruktionen über Säuglingsernährung und Spezialisten.
Zum Teil gab es Milchabgabestellen mit Gratisabgabe von Schoppen an Bedürftige, z.B. die vom Philanthropen Nathan Straus (1848-1931, nicht Strauss wie im Buch genannt) in New York. (S. 122)
Diese Abgabestellen verwandelten sich z.T. in Kliniken, die auch Brusternährung empfahlen. Auch Hausbesuche durch Spezialisten verbesserten die Gesundheit der Kinder, wie die Ärztin Dr. Sara Josephine Baker (1873-1945) 1908 ausführte.
Sie startete "the little mother leagues", also eine Information an Mädchen, um sie über Geburt und Brusternährung aufzuklären und als Missionarinnen einzusetzen. Gerade bei armen Familien ersetzten diese oft die Mutter für die Tagesarbeit im Haushalt.
In England gab es das Truby King Programm von Sir Frederic Truby King (1858-1938), bei dem Krankenschwestern für Säuglingsbetreuung Familien mit Kindern berieten. Er betonte ebenfalls die Wichtigkeit von Brustmilch, doch führte er den Fehler ein, dass das Kind alle vier Stunden zu stillen sei, statt nur bei Bedürfnis des Säuglings. Die meisten Frauen hatten keine Uhr oder verstanden nicht, eine Uhr zu gebrauchen (Rapport 1925). (S. 28 + 125)
Man dachte, dass das unregelmässige Stillen der Grund sei für den in Amerika, vor allem in grossen Städten, auftretenden "Sommerdurchfall". Die Krankheit betraf vor allem Kinder im Alter von 4 bis 20 Monaten und endete oft tödlich. So liess man die Kinder lieber schreien, statt sie zu stillen, wenn Bedarf vorhanden war.
Dem Kinderarzt Prof. Dr. Preston Alexander McLendon (1893-1980) und der Psychologin und frischen Mutter, Dr. Frances Parsons Simsarian (1912-2005) ist es zu verdanken, dass Stillen wieder ohne Uhr dem Bedürfnis des Säuglings folgte.
1942 stillte Frau Dr. Simsarian ihr Baby dann, wenn es wollte, nicht nach der Uhr. Prof. Dr. med. Benjamin McLane Spock (1903-1998), Kinderarzt und Psychiater, nahm das in seinem Buch "Baby and Child Care" 1946 auf. Das Buch verkaufte sich bis zu seinem Tod in 50 Millionen Exemplaren.
Kathleen Auerbach war auch führend in der 1956 in den USA gegründeten La Leche Liga (LLL). Die LLL ist heute integriert in der LLLI, also LLL International.
LLL-Beraterinnen sind Mütter mit Stillerfahrung und Ausbildung zur LLL-Stillberaterin. Sie begleiten Eltern während der Stillzeit und bieten ihnen Unterstützung bei Stillschwierigkeiten und Unsicherheiten an. Das kann per Telefon, E-Mail oder im persönlichen Austausch in Stillgruppen laufen. Die Beratung ist gratis, also ehrenamtlich. Spenden und Mitgliedschaften halten die Organisation aufrecht.
Prof. G. J. Ebrahim (1932-2012) vom Institute of Child Health (UCL) in London zeigte auf, wie sich die Säuglingskliniken immer mehr zu den besten Kunden und Promotoren für Säuglingsmilch entwickelten. Sie waren schon vorher da. So bezirzte z.B. die American Condensed Milk Company 1865 die Mütter mit dem Slogan Safest milk for infants and children
.
Diese "sicherste Milch für Säuglinge und Kinder" führte wieder zu hohen Raten an Kindersterblichkeit. Es war dann schon üblich, mit Ärzten zu werben.
Dazu kamen später Aussagen von Nestlé wie "indispensable as a diet for infants". Das heisst nichts anderes als unverzichtbar als Nahrung für Kleinkinder
. 1873 verkaufte Nestlé eine halbe Million Schachteln von "farine lactée".
Natürlich waren sich die Hersteller von Säuglingsnahrung bewusst, dass diese Milch nicht annähernd den Bedürfnissen der Säuglinge entsprach. So änderte man die Formeln über mehr als ein Jahrhundert immer wieder. Natürlich zum Besseren, aber auch zum Günstigsten.
Die Buchautorin Kathleen G. Auerbach schreibt im Journal of Tropical Pediatrics 1992:
The formulations for artificial baby milk are changed frequently and represent one of the largest uncontrolled experiments in altered nutrition for humankind ever conducted.
Das bedeutet, das grösste unkontrollierte Ernährungsexperiment für Menschen sei damit abgelaufen.
Die Autorinnen berichten über die masslosen Marketingaktionen, die für Ärzte lukrative Zusammenarbeit, die z.T. selbst solche Firmen aufbauten.
Tatsächlich ist es der Industrie gelungen, in grossem Stil auch in Entwicklungsländern Babymilch einzuführen und dort den Tod einer riesigen Anzahl Kinder zu verursachen.
Das Buch erklärt einige der ganz unterschiedlichen Zusammensetzungen von Babymilchprodukten. Mitte der 1990er Jahre setzte diese Industrie alleine acht Milliarden Dollar pro Jahr um.
Auf den folgenden Seiten erfahren wir etwas über die verschiedenen Arten von Trinkgefässen von 1777 bis 1990. Das sind zuerst rein metallische Gefässe verschiedener Form. Interessant oder grotesk ist das Patent für ein "Nursing Attachment" von 1910, das beide Brüste abdeckt, inkl. Schlauch zum Baby, damit man in der Öffentlichkeit stillen konnte. (S. 139)
Schliesslich erklären die Autorinnen auch die Kostenfolgen beim Verzicht auf die eigene Brustmilch und die grossen Abfälle, die entstehen.
Auf Seite 142 erfahren wir konzentriert, wie das Stillen helfen würde, die Bevölkerung auf der Erde zu verringern. Das klingt nach dem Gelesenen paradox, doch die Verhütung von zu rasch aufeinander folgenden Kindern und andere Faktoren gleichen die heutige Sterblichkeit durch künstliche Säuglingsernährung auf.

Wie Menschen ticken: Babys erhalten keine Brustmilch, dafür erfahren wir, dass man sie erfolgreich und wohl teuer an Bodybuilder verkauft.
"Fitnessfreaks schwören auf Muttermilch" heisst der Titel der Zeitschrift 20 Minuten vom 22. Juni 2015 mit dem Untertitel "Sie soll den Muskelaufbau fördern und gut für die Regeneration sein: die Milch aus Frauenbrüsten".
Experten zweifeln an der Wirkung und warnen vor Krankheiten. Man kann argumentieren, dass dies besser sei, als Eiweissdrinks und Anabolika zu konsumieren. Doch lassen Wachstumshormone generell Zellen wachsen und nicht spezifisch Muskelzellen, und Kuhmilch hätte mehr davon.
Sowieso hat Kuhmilch mehr Eiweissstoffe und weniger Kohlenhydrate als Muttermilch.
Auch das letzte Kapitel enthält zwei Teile - mit folgenden Titeln:
Teil 5:
Die globale Suche nach Formula-Milchmärkten; Die Suche nach den Konsumenten; Private Profite versus Volksgesundheit; Trendwende - die Ära des Aktivismus; Entwicklung des WHO-Codex; Der Kodex; Der Boykott endet ... und beginnt wieder; Wirkt der Kodex?; Die USA umarmt den Codex; Die Medizinische Verbindung; Die Entlastungsdebatte; Einführung der "Baby-Freundlichkeit"; Das WIC-Programm; WIC und der Kampf um Formulamilch-Marktanteile; Wie sollte man Formulamilch verkaufen?; Wo stehen wir jetzt?
Teil 6:
Frauen und Arbeit; Die Arbeiten der Frauen; Geschichte des Mutterschaftsurlaubs; Mutterschaftsurlaub in den USA; Brusternährung in der Praxis
Die Autorinnen erklären uns, wie Brustmilchersatzprodukte von einer oft tödlichen Wirkung, zeitweise zur Mode stilisiert wurden. Das zahlt sich aus für die Industrie, die mit Säuglingsmilch mehr als acht Milliarden Dollar umsetzt. Konkret erfahren wir, wie man Frauen in diese Mode verführte – zum Schaden ihrer Kinder.
Dr. med. Cicely D. Williams (Link engl., 1893-1992) hielt 1939 einen Vortrag im Singapore Rotary Club mit Titel "Milk and Murder":
If your lives were embittered as mine is, by seeing day after day this massacre of the innocents by unsuitable feeding, then I believe you would feel as I do that misguided propaganda on infant feeding should be punished as the most criminal form of sedition, and that these deaths should be regarded as murder. ... Anyone who, ignorantly or lightly, causes a baby to be fed on unsuitable milk, may be guilty of that child's death.
Sinngemäss heisst das in etwa: Wenn Sie Tag für Tag dieses Massaker an unschuldigen Babys miterleben müssten, weil sie ungeeignete Säuglingsernährung bekämen, würden Sie wohl auch erbittert gegenüber der fehlgeleiteten Propaganda der Hersteller sein. Die Todesfälle von Babys durch diese falsche Ernährung sollte man als Mord verurteilen können.
Nachdem man im 19. Jahrhundert nach Möglichkeiten einer Ersatzmilch für Muttermilch forschte, meinte man im 20. Jahrhundert, die Brustmilch ersetzen zu müssen, um so auf grosse Umsätze und Gewinn zu kommen. Mit geschicktem Marketing und aktiver Förderung durch Aktionen, kombiniert mit der Gleichschaltung der Ärzte, z.B. durch üppige Kongresse, gewann die künstliche Säuglingsernährung eine gesellschaftliche und medizinische Legimität.
| Die Kinderärztin Dr. med. Cicely D. Williams hatte die Krankheit Kwashiorkor entdeckt und die Gründe korrekt beschrieben. Vorher ging man von Pellagra aus, einem starken Mangel an Vitamin B3 bzw. PP. Kwashiorkor ist aber ein Mangel an Proteinen. Die Problematik trifft Kinder, die zu früh nicht mehr gestillt wurden. Der Name kommt aus Ghana und bedeutet "Die Krankheit die das Baby bekommt, wenn das neue Baby erscheint". Trotz der korrekten Beschreibung und Abgrenzung zu Pellagra in The Lancet im Jahr 1935: Ihre Kollegen und Vorgesetzten an der Goldküste feindeten sie deswegen über Jahre an und beendeten die Zusammenarbeit 1936 sogar in Ungnade. |
Man schickte Dr. Williams nach Malaya, um an der University of Singapore zu unterrichten. Schnell erkannte sie hier ein ganz anderes Problem: hohe Kindersterblichkeit wegen als Schwestern eingekleideter Helferinnen von Nestlé und anderen Kinder-Nahrungsmittelherstellern, die statt Brustmilch ihre Kondensmilch empfahlen.
Nach harten Jahren Gefangenschaft unter den Japanern mit nahezu Todesfolge ernannte man Dr. Williams 1948 zur Chefin der Abteilung Mutter und Kind in der World Health Organisation (WHO) in Genf. Wikipedia beschreibt ihr Schicksal detaillierter. Siehe oben im Link zu ihrem Namen.
Schliesslich trimmten die Hersteller auch die Entwicklungsländer auf möglichst frühzeitige Umstellung, um schon in den Entbindungsstationen zu beginnen. Gratislieferungen, z.B. in den frühen 1960er Jahren durch die United Nations International Children's Education Fund (UNICEF) waren eigentlich für schlecht ernährte Kinder vorgesehen. Nahezu tausend Tonnen Milch lieferte die UNICEF so.
Das verhalf der künstlichen Ernährung mit sog. Babymilch wohl zum Durchbruch in den Entwicklungsländern. Die Interessen der Milchindustrie waren im direkten Gegensatz zu denen der Säuglinge, weil dadurch eine hohe Kindersterblichkeit entstand.
In einer Tabelle auf Seite 149 zeigen die Autorinnen die verschiedenen Kanäle des Marketings, der Distribution (Absatzlogistik) und der Beeinflussung. Für die Ärzte, Kinderschwestern und Hebammen sah man vor: Zuschüsse, Spesenvergütungen, Ausrüstung, Literatur, Geschenke, Beratung, Rezepte, Gratisproben (Produktproben), Broschüren etc.
Spitäler bekamen Geschenke und zusätzlich sogar Dienstleistungen von Architekturbüros, um die Gebärabteilungen auszurichten. Die Industrie köderte professionelle Organisationen mit direkten Spenden, Kongressbeeinflussung, Forschungsgeldern, Gratisessen, Konferenzen, Reisegeldern und weiteren Serviceleistungen.
Die Autorinnen schildern, wie intensiv die Werbung für Babynahrung war und wie die tiefgreifende Beeinflussung funktionierte, um in den Städten der Entwicklungsländer so richtig Geld zu generieren. Man gab z.B. ausgebildeten Krankenschwestern Kommissionen, wenn sie Mütter zur Ersatzmilch bewegen konnten, und nutzte gleichzeitig die Massenmedien.
Davor war die Brustmilch nie in Zweifel gezogen worden. So konnte es auf einmal heissen: Wenn Brustmilch versagt, nehmen sie Lactogen
. Es kam sogar der Glaube auf, dass Brustmilch minderwertiger wäre und die Schoppen eher etwas wie Medizin.
Alleine im August 1974 gab es in Sierra Leone 135 Werbespots von 30 Sekunden Dauer für Lactogen von Nestlé, 66 für Similac von Abbott Labways und 45 für Cow & Gate von Unigate. Die Botschaft war: steril, wissenschaftlich, überlegen.
Man stelle sich die sanitären Verhältnisse vor, unter denen der Schoppen trinkfertig zu verdünnen war. Der Begriff "Bottle-baby disease" kam auf.
Nach Dr. med. Cicely D. Williams Rede von 1939 dauerte es etwa 25 Jahre, bis der Kinderspezialist Prof. Dr. med. Derrick B. Jelliffe (Link engl., 1921-1992) und seine Frau, Dr. med. Eleanore Florence Patrice Jelliffe (1920-2007) sich in den 1960er Jahren mit dem Begriff "Commerciogenic Malnutrition" zu zahlreichen Studien äusserten. Auch in den 1960er Jahren beschrieb die Kinderärztin Dr. med. Catherine Wennen die fatale Lage in Nigeria.

Es gibt 1968 auch die Arbeit "Infant nutrition in the subtropics and tropics" von Derrick B. Jelliffe, veröffentlicht in der WHO - und spätere Arbeiten und Bücher von beiden.
Die Ära des Aktivismus
Erst kollektive Aktivitäten von Mitarbeitern des Gesundheitswesens und weiteren Aktivisten waren bemerkbar genug, um das Problem in der United Nations Protein Advisory Group 1969 diskutieren zu lassen.
Dies führte 1970 zu einem Meeting bei der Pan American Health Organization (PAHO). Die Resultate waren so erdrückend in der Beweislage, dass das Parlament von Jamaika immerhin Werbung in den Massenmedien verbot.
Auch Drs. Puffer und Serrano in Südamerika und Drs. Plank und Milanesi in Chile zeigten 1973 klare Relationen zwischen der steigenden künstlichen Ernährung und steigenden Todesraten der Kinder.

Zu Plank & Milanesi siehe auch das Buch "Breastfeeding and HIV/AIDS: The Research, the Politics, the Women's Responses" von Edith White. Dort findet man, dass gemischte Stillung gemäss Stephen J Plank & Milanesi ML sogar noch leicht schlechtere Ergebnisse bringt als exklusive Schoppenmilch, nämlich 84,5 Tote pro 1'000 Säuglingen. Siehe auch ihre Publikation "Fertility in rural Chile" von 1973.
Ihre Arbeiten zeigten auch (S. 22 in "Nutrition and an Active Life: From Knowledge to Action" von Wilma Freire, 2005, OPS (engl.), dass überlebende Säuglinge mit Schoppenmlich vor Alter 3 Monate innerhalb von drei Jahren dreimal häufiger sterben als Brustmilchkinder.
Puffer RR & Serrano CV (sic!) veröffentlichten z.B. "Patterns of Mortality in Childhood, 1973, OPS.
Siehe auch das Buch "Birthweight, maternal age, and birth order: three important determinants in infant mortality" von Ruth Rice Serrano und Carlos V. Puffer - sowie weitere Werke dieser Autoren.
Die Autorinnen zählen verschiedene Veröffentlichungen auf, die z.T. auch das weitere Publikum erreichten, z.B. 1973 ein Interview im New Internationalist mit David Morley und Ralph Hendrikse, zwei Kinderärzten, die sich in Afrika einsetzten. 1974 folgt die Broschüre "The Baby Killer" (engl.) von Mike Muller, herausgegeben von der freien Wohlfahrtspflege-Organisation War on Want in London. Es deckte die verheerenden Praktiken der Kindernahrungsmittelfabrikanten auf.
Weitere Veröffentlichungen, z.B. die von Robert Ledogar in Consumer's Union und das Buch "The Nutrition Factor" von Alan Berg nötigte die WHO wohl, sich 1974 mit dem Thema Verkaufspraktiken der Multis zu befassen.
Der Dokumentarfilm, gedreht in Kenia, "Bottle Babies" von Peter Krieg (Pseudonym) von 1975 brachte das Thema zum Volk.
Die Arbeitsgruppe Dritte Welt (AgDW) übersetzte "The Baby Killer" ins Deutsche. AgDW nannte es aber um in "Nestlé Kills Babies".
Das führte zu einem Gerichtsfall, was aber Nestlé schliesslich viel mehr schadete als nützte. Kurz vor Prozessanfang gründeten die Babynahrungshersteller den "International Council of Infant Formula Industries" (ICIFI), um so das Publikum besser und neutraler beeinflussen zu können, indem man bessere Praxis versprach. (S. 155)
Der Prozess löste eine Kettenreaktion in den USA aus, denn kirchliche Institutionen begannen, Aktionärs-Resolutionen zu starten.
Das brachte Bristol Myers dazu, ihre Milchschwestern aus Jamaika abzuziehen. Abbott war wenigstens einverstanden, ihre "mothercraft nurses" nicht mehr in Schwesternuniform loszulassen.
In Minnesota entstand die Konsumentenorganisation Infant Formula Action Coalition (INFACT), die 1977 einen Konsumentenboykott gegen Nestlé startete. Siehe Kästchen.
Senator Edward Moore Kennedy (Teddy, Ted Kennedy) war 1978 der Vorsitzende des Kongress-Subkomitees für Health and Scientific Research. Er veranstaltete im selben Jahr eine Anhörung über Babyernährung in Entwicklungsländern. Diese Anhörung bekam sowohl bei den Medien als auch bei den Politikern viel Publizität. Seine Hauptfrage war:
Ist ein Produkt in einer Gegend mit verschmutztem Wasser, Abwasser auf den Strassen, einer armen Bevölkerung, die meist nicht lesen kann, sicher zu benutzen, wenn es das benötigt: sauberes Trinkwasser, gute sanitäre Voraussetzungen, ausreichendes Einkommen der Familie und einen lesefreundlichen Elternteil, um die Instruktionen lesen und richtig interpretieren zu können? (S. 159)
An dieser Anhörung erklärte Dr. Derrick B. Jelliffe (1921-1992), dass sogar Büchsen mit Milchprodukten für Welpen einen Hinweis tragen, dass man unbedingt darauf achten sollte, dass die jungen Hunde in den ersten Tagen bei der Mutter säugen, um das Kolostrum zu erhalten. Er betonte, dass dieser Hinweis bei Schoppenmilch für menschliche Säuglinge fehle.
Noch dramatischer war die Aussage von Prof. Dr. med. Natividad N. Relucio Clavano (1932-2007 engl.) Chef der Kinderabteilung des Baguio General Hospital auf den Philippinen. Sie verbannte die Werbung und die Milchschwestern der Babynahrungsmittelhersteller aus der Kinderklinik und setzte auf Brustmilch.
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