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BB "Tödliche Medizin & organisierte Kriminalität", Gøtzsche

Der dänische Medizinforscher, Professor Gøtzsche, zeigt mit Beispielen und wissenschaftlichen Studien wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert

Collage Buch "Tödliche Medizin" von Prof. Gøtzsche mit Textaussage rechts.© CC-by-sa 2.0, Collage Catalina Sparleanu, PhD, Foundation Diet Health Switzerland

Fazit

Wir bekamen von einer Weltfirma die Aufforderung 4864 verschiedene Namen nicht zu gebrauchen. Es sind vor allem rezeptpflichtige Medikamenten etc. Darunter "I" für den Wirkstoff im Körper, der Diabetes verhintert. Wir verwenden nun "Kürzel" und haben einige Passagen und zahlreiche hilfreiche Links gestrichen. Den Originalbeitrag können nur Mitglieder einsehen (oben links auf unseren Seiten ist die Mitgliedschaft möglich, EE 30.5.19).

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Professor Dr. med. Peter Christian Gøtzsche beschreibt sehr genau und eindringlich die Machenschaften (auch Intrigen) der Pharmaindustrie (Pharmaunternehmen). Das sind Betrug, Verheimlichung negativer Studien, Bestechung, Einschüchterung (Drohung) und Bedrohung von Kritikern (Kritik) etc.

Das Ziel von Grossen dieser Industrie: ihre ohnehin schon riesigen Gewinne zu vergrössern.

Kapitalismuskritik kommt aber im Buch nicht vor. Das Buch liest sich leicht und wie ein Krimi. In der Buchbesprechung können wir nur Fakten bringen, was sich trockener liest. Die zahlreichen Beispiele mit konkreten Angaben fehlen.

Der Autor bringt Lösungsvorschläge, die er in Kapitel 21 zusammenfasst. Stichworte dazu: Unabhängige Medikamentenprüfstellen und Zulassungsbehörden, Ablehnung von Geld und Vergünstigungen der Industrie an alle mit der Gesundheit Befassten, also an Ärzte, Krankenhäuser, Universitäten, Institute, Selbsthilfegruppen, Zeitschriften, Journalisten, Politiker etc. Verhinderung von Interessenkonflikten bei Experten.

Das Buch ist sicher ein Muss für alle Mediziner, die noch daran glauben, dass die Pharmaindustrie zum Wohl der Patienten handelt und nicht zu ihrem eigenen Vorteil. Ob man es Laien ohne Vorkenntnisse empfehlen sollte?

Nach der Lektüre des Buches oder unserer Besprechung soll niemand Medikamente von sich aus absetzen, sondern den Arzt konsultieren und ihm diese Lektüre zum Lesen geben. Ein Link genügt. Es gibt lebenswichtige Medikamente.

Als Kontrast zu diesem Buch sollte man auch wissen, dass die Erfolge bezüglich hoher Lebenserwartung auch der Pharmaindustrie zu verdanken ist. Diese vernichtende aber objektive Kritik hat nicht die Aufgabe, das zu vermitteln. Dass Gøtzsche (deutsch eigentlich Goetzsche) richtig liegt, kann man an zahlreichen, hier in Deutsch (z.B. von ZDF) und Englisch eingestreuten Bildern mit Links auf YouTube bestätigt finden, wenn man die Links nutzt.

Video-Bild: "Ein Pharma-Insider packt aus - ZDF".© CC-by-sa 2.0, Uwe Dolata, ZDF
Video: Ein Pharma-Insider packt aus (A pharma-insider reveals the shocking truth), 3:28 min. YouTube channel DieAndereWahrheit (The other truth).

Das ZDF in Deutschland zeigt seriöse Berichte. Das zeigt deutlich, dass das besprochene Buch nicht übertreibt.

1. Zusammenfassung

Worum geht es in diesem Buch? Es befasst sich mit den Methoden der Pharmakonzerne und ihrer Manager. Deren Ziel ist meist nur die Gewinne um jeden Preis steigern zu können. Sie könnten durch die Vorschläge des Autors ohne Tricks zu guten, das heisst wirksamen, nebenwirkungsarmen und preiswerten Medikamenten kommen. Das kann heute aber nicht das Ziel einer besonders erfolgreichen Firma sein. Die Gesellschaft müsste sich ändern.

Der Autor widmet das Buch den vielen Ehrlichen in der Pharmaindustrie, die über die kriminellen Handlungen ihrer Vorgesetzten und deren Folgen für die Patienten und die Wirtschaft genauso empört sind wie er.

Bei den Konzernen der Nahrungsmittelindustrie geht es zum Teil ähnlich zu, wie wir aus der Buchbesprechung "Salt Sugar Fat" von Michael Moss entnehmen können. Moss hat für sein Buch den Pulitzer-Preis erhalten.

Wie der Mensch tickt, wenn es um viel Geld und/oder Prestige geht

Beide Bücher, "Salt Sugar Fat" und "Tödliche Medizin" zeigen eigentlich nur, wie der Mensch tickt, wenn es um viel Geld und/oder Prestige geht.

Wir verfehlen es, schon an den Schulen Ethik und die Bedeutung von Ethik zu vermitteln. Die Vertiefung, nämlich angewandte Ethik (siehe da die Inhalte), Philosophie und weitere Bildung müsste sowieso im frühen Erwachsenenalter kommen - für beide Geschlechter eine obligatorische Erwachsenenbildung. Sonst hat die Gesellschaft keine Chance zu einer Änderung, denn sie muss sich ändern, nichts anderes. Das ist ähnlich, wie wenn man bei einem Volk ohne Demokratieverständnis, diese durchsetzen will, oder gar eine direkte Demokratie, wie die Schweiz sie kennt.

Themen wie business ethics gibt es zwar in Englisch, Wikipedia führt keinen Link auf Deutsch, behandelt das Thema aber unter Wirtschaftsethik. Zentrale Werte sind dabei Humanität, Solidarität und Verantwortung, kann man da lesen.

Wenn man Theorie und Praxis vergleicht, mit der Politikverfilzung, kann man nur sagen, dass die gut gemeinten und richtigen Vorschläge des Autors nicht realistisch sind, denn sie greifen zu kurz. Es fehlt der Wille der Basis, diese Zustände zu ändern. Die Basis ist auch weit entfernt davon, sich mit so etwas zu befassen, oder das Problem und dessen Tragweite auf lange Sicht echt zu erkennen.

Buchrückseite von "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität."© CC-by-sa 2.0, Ernst Erb, Foundation Diet Health Switzerland
Sie können alle Bilder gross und damit in diesem Fall auch lesbar klicken.

Leider existiert bei Wikipedia kein deutschsprachiger Beitrag über CONSORT (Consolidated Standards Of Reporting Trials), darum dieser Link in Englisch.

Man versucht bei The CONSORT Group mit Sitz am The Ottawa Hospital Research Institute (OHRI), Kanada, Leitlinien für Veröffentlichungen von randomisierten Therapiestudien einzuführen, die deren Verlässlichkeit enorm steigern könnten.

Hier gibt es ein PDF in deutscher Sprache darüber.

Ausschnitt in YouTube über ZDF heute-Show. Interview mit einem Lobbyisten der ProGenerika.© CC-by-sa 2.0, Martin Sonneborn, ZDF
Video: Martin Sonneborn interviewt einen Sprecher der Lobby-Vereinigung ProGenerika. (3:42 min, von QVCinsider, ZDF’s heute-show, 14.5.2010)

In diesem YouTube-Ausschnitt dreht es sich um günstige Medikamente aus China oder Indien. Sehr lustig, trägt aber nicht viel zu diesem Buch bei.

Was passierte nach dieser Sendung? War das ein Fake? Nein!

Wenn man dieses Video anschaut, kommen einem Zweifel. Denn der ZDF-Satiriker Martin Sonneborn stiess auf eine Situation, die man sich nicht real so vorstellen kann bei diesem cleveren und so finanziell starken Arm der Pharma-Industrie.

Für mich jedenfalls war das nicht glaubhaft - und heute tut mir der Pharma Lobbyist, Peter Schmidt, direkt leid, so wie er agierte. Ich empfand fast so etwas wie Scham für ihn - oder eben: "Das ist nicht real". Besonders das mit den beiden "Aufpassern" deutete auf eine Satire hin - und auch der nur für uns sichtbare Zettel auf dem Rücken von Herrn Sonneborn.

Aber es gab einen Bericht vom 22. Juli 2010 mit "Martin Sonneborn im Gespräch" bei der Süddeutschen Zeitung - und auch heute lesbar unter sueddeutsche de, was man an erster Stelle mit "Martin Sonneborn im Gespräch, Todesurteil" im Netz findet.

Der Beitrag heisst "Ein Todesurteil gegen mich" mit Subtitel: "Politclown, Guerilla-journalist oder Etikettenschwindler? Martin Sonneborn über naive Lobbyisten, Guido Westerwelle und die Vorwürfe des ZDF gegen den Satiriker." Ein Interview mit Antje Hildebrandt.

Bekannt ist ja, dass Martin Sonneborn, damals 45 Jahre alt, Politiker und Normalbürger gerne in die Falle lockte.

Es war später weder für den Pharma-Lobbyisten Peter Schmidt noch für Martin Sonneborn ein Schleck. Ich zitiere die Süddeutsche Zeitung:
Der Pharmalobbyist Peter Schmidt wurde inzwischen entlassen - unter anderem auch deshalb, weil er sich von Ihnen den Satz entlocken ließ, billigere Pillen aus Fernost seien genauso wirksam wie deutsche. Tut er Ihnen leid?

Und die Antwort von Herrn Sonneborn:
Ja, Peter Schmidt war ein sympathischer Mensch. Es tut mir leid, wenn das Interview zu seiner Entlassung beigetragen hat. Andererseits ist Lobbyisten gegenüber alles erlaubt, finde ich. Schmidt war vor seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des milliardenschweren Verbands "ProGenerika" Mitglied der Arbeitsgruppe "Gesundheit und Soziale Sicherung" der SPD-Fraktion. Und es ist auch diese Verbindung von Politik und Lobbyismus, auf die wir mit dem Beitrag gezielt haben.

Vorwort und Aussagen

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Psychologe und Direktor des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, lobte das Buch als Augenöffner.

Prof. Dr. med. Peter Sawicki, Diabetaloge, stimmt dem Autor zu, dass:

Das Gewinnstreben der Pharmaindustrie unsere Gesundheit gefährdet, die dafür zuständigen Behörden insuffizient arbeiten und die Parlamente keine wirksamen Gesetze zum Schutz der Bevölkerung erlassen.

Dr. Sawicki ist ehemaliger Leiter des Institut für Qualität und Wissenschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Die Politik wählte ihn 2010 ab!

Dr. med. Wolfgang Becker-Brüser, dazu auch Pharm.D., Herausgeber von Arznei-Telegramm, findet, dass der provokante Titel keine Übertreibung ist. Trägerin der werbefreien Zeitschrift Arznei-Telegramm ist A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH.

Bestsellerautor Dr. phil. Frank Wittig hält den Autor für den profiliertesten Pharma-Mafia-Jäger auf dem Globus. Dr. Wittig selbst veröffentlichte die Bücher Die Weisse Mafia (Feb. 2013), was den Titel Spiegel-Bestseller erreichte und Krank durch Früherkennung (Sept. 2015). Siehe das Interview mit ihm durch den Thieme Verlag unter Titel Mafiöse Machenschaften sowie Interview des SWR1 zum Buch im Riva Verlag über sinnlose Frühuntersuchungen zu Brustkrebs und Prostatakrebs.

In seinem Vorwort lobt Prof. (hon.) Dr. med. Richard Smith (engl.) die kompromisslose Entlarvung der Methoden der Pharmakonzerne und ihrer Handlanger.

Die Methoden sind: Bestechung, Betrug, Verheimlichung von Studienergebnissen, zulassungsüberschreitende Verwendung von Medikamenten, Drohung und Jagd auf Informanten.

Dr. Smith war während 25 Jahren Mitarbeiter des British Medical Journal (BMJ), davon 13 Jahre als Herausgeber.

Wikipedia zu Dr. Smith: He sits on the Board of Directors of the Public Library of Science, an open access publisher of scientific and medical research. He was editor in chief of the open-access Cases Journal, which aimed to create a database of medical case reports. Auch war er Leiter UnitedHealth Europe, einer Abteilung von UnitedHealth.

Siehe auch Literatur: "Der ewige Gärtner" von John le Carré - Original The Constant Gardener 2001 und die gleichnamigen Verfilmung von Fernando Meirelles im Jahr 2005.

Smith zitiert einen ehemaligen Vizepräsidenten bei Pfitzer so:

Die Ähnlichkeit zwischen dieser Industrie und dem organisierten Verbrechen ist beängstigend. Die Mafia verdient unverschämt viel Geld, diese Industrie ebenfalls. Die Nebenwirkungen des organisierten Verbrechens sind Morde und Tote, und das sind auch die Nebenwirkungen der Industrie. Die Mafia besticht Politiker und andere Leute, die Pharmakonzerne tun das ebenfalls. (S. 13)

In einem weiteren Vorwort attestiert Prof. Dr. med. Drummond Rennie (engl.), ehemaliger stellvertretender Herausgeber des Journal of the American Medical Association, die einzigartigen wissenschaftlichen Fähigkeiten des Autors, seine Forschungen, seine Integrität, seine Wahrhaftigkeit und seinen Mut. Da er ebenfalls über Jahrzehnte Erfahrungen mit der Pharmaindustrie gesammelt hat und Dr. Gøtzsche gut kennt, vertraut er auf die Richtigkeit seiner Angaben. Sein Vorworttitel heisst: Empörung, die sich auf Beweise stützt.

2. Buchbesprechung

Professor Dr. med. Peter Christian Gøtzsche schreibt, dass die grossen Seuchen in den meisten Ländern unter Kontrolle sind - und kritisiert: trotzdem sterben viele Arme an AIDS oder Malaria, weil sie sich die teuren Medikamente nicht leisten können. Dafür gäbe es jetzt 2 neue Seuchen: Tabak und Medikamente.

In den Vereinigten Staaten und Europa sind Medikamente die dritthäufigste Todesursache nach Herzkrankheiten und Krebs. (S. 23)

Er vergleicht Tabak- und Pharmaindustrie: Obwohl es Studien über das Suchtpotential und die Schäden durch Aktiv- und Passivrauchen gab, hat man diese nicht veröffentlicht und ihre Existenz geheim gehalten. Die Studien stammten teilweise von der Tabakfirma Philip Morris selbst.

Das ist Korruption

Wenn seriöse Wissenschaftler nachweisen, dass ein Produkt gefährlich ist, tauchen rasch eine Menge Studien auf, die das Gegenteil beweisen und die Menschen verunsichern. Damit gewinnt die Industrie Zeit - sowohl die Tabak- wie auch die Pharmaindustrie. Das ist Korruption. (S. 24)

Redaction comment

Es gibt verschiedene Arten von Suchtpotenzialen: Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen, was eine Gruppe von Störungen der Psyche (Syndrom) und des Verhaltens aufgrund wiederholter Einnahme psychotroper Substanzen bedeutet. Typisch ist ein starkes, periodisch oder dauerhaft auftretendes Substanzverlangen, eine fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen oder Aktivitäten, möglicher Kontrollverlust und zwanghafter Konsum der Substanz. Medizinisch heisst das Abhängigkeit.

Von der Gesellschaft oft toleriert sind gewisse Formen der Abhängigkeit wie Tabaksucht, Computerspielabhängigkeit und pathologisches Spielen, Coffeinismus (Kaffeesucht) oder Alkoholabhängigkeit (Alkoholkrankheit). Siehe auch die Gefahren des Passivrauchens (Passivrauchen).

Die wenigsten Menschen wissen, dass Vergiftungserscheinungen ab 1 g Koffein pro Tag auftreten können. 1 g Koffein entspricht 10 Liter handelsüblicher Cola oder etwa 12 Aluminiumdosen à 250 ml handelsüblichen Energy-Drinks.

Hier zeigt Wikipedia die unterschiedlichen Abhängigkeitspotenziale auf. Interessant zu erfahren: "Die Substanzen mit dem höchsten körperlichen Abhängigkeitspotenzial sind Heroin und Nikotin". Siehe auch hier für "Hero.." und Nicotin.

In den USA rufen TV-Werbespots dazu auf, "Pillen" bzw. Tabletten oder Kapseln einzunehmen, um das Leben wieder in den Griff zu bekommen. Die Charaktere in Aldous Huxley's Roman 'Schöne neue Welt' (1932) schlucken jeden Tag Somatabletten ...

Laut Autor nimmt in Dänemark jeder bereits 1,4 Tagesdosen an Medikamenten zu sich.

Warum tun die Menschen das? Als Hauptgrund nennt er, dass die Pharmafirmen nicht Arzneimittel, sondern Lügen über Medikamente verkaufen. (S. 25)

In diesem Buch geht es nicht um die Erfolge im Kampf gegen Infektionen, einige Krebsarten und Stoffwechselerkrankungen wie den Typ I Diabetes sondern um das Versagen des Systems und seine Ursachen. Der Autor erwähnt:

Die wissenschaftliche Literatur über Medikamente wird durch Studien mit fehlerhaftem Design und unzutreffenden Analysen sowie durch selektive Veröffentlichung von Studien und Daten, Unterdrückung unerwünschter Ergebnisse und durch von Ghostwritern verfasste Artikel systematisch verfälscht.

Ghostwriter bezahlt man dafür, dass sie anonym bleiben. Die Artikel veröffentlicht man dann unter den Namen bekannter Professoren, obwohl diese oft nichts zum Text beitragen. (S. 26)

2.1. Geständnisse eines Insiders

Der Autor berichtet über seine ersten Erfahrungen mit vorbeugenden Medikamenten.

Manche Vitamintabletten können das Leben verkürzen

Vitamintabletten als 8-jähriger. In den 50-er Jahren glaubte man noch an die segensreiche Wirkung von unkritisch eingenommenen Vitaminen.

Erst 2008 fand eine Studie heraus, dass manche das Leben verkürzen können.

Siehe Bjelakovic G, Nikolova G. et al. : "Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases." Cochrane Database Syst Rev.

Enterovioform zur Durchfallprophylaxe kann Nervenschädigungen, Lähmungen und Sehstörungen verursachen

Die zweite Erfahrung war Enterovioform (Clioquinol) zur Durchfallprophylaxe in Italien. Was ziemlich sinnlos war, weil das Mittel nur gegen Protozoen (Amöben) oder Shigellen (Shigella) wirkt, mit dem steckt man sich in Italien nicht an.

Dafür kann es bei längerer Einnahme Nervenschädigungen bis zu Lähmungen der Beine und schwere Sehstörungen verursachen.

Die Firma Ciba (nun Teil von Novartis) wusste das schon lange. Obwohl in Japan bis 1970 10'000 Menschen an SMON erkrankten und die Firma 490 Millionen Dollar an sie gezahlt hatte, nahm sie das Mittel erst 1985 vom Markt. SMON ist der Kürzel für Subakute Myelopathische Optiko-Neuropathie.

Nach seinem Chemie-und Biologiestudium bewarb sich der Autor bei der Firma Astra (heute AstraZeneca) als Pharmavertreter. Dort lernte er, wie man Ärzte dazu bringt, das Produkt der Firma und nicht das der Konkurrenz zu verschreiben und das noch in möglichst grossen Mengen.

Wundermittel

In den 1960er-Jahren kamen die Corticosteroide als Wundermittel gegen rheumatoide Arthritis auf den Markt. Die schweren Nebenwirkungen (z.B. Knochenbrüche) lernte man erst später kennen.

In diese Zeit fiel die Einführung von "Glob......), einem Antibiotika P, das angeblich besser als die Mittel der Konkurrenten gegen Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) wirken sollte. Die angeblichen Beweise dafür waren aber falsch.

Das wirkte auf die Selbstachtung des Autors ziemlich ungünstig, besonders nachdem er das Buch "Tod eines Handlungsreisenden" (1949) von Arthur Miller (1915-2005) gelesen hatte.

Ein weiteres ,,Wundermittel" sollten Zinktabletten gegen Beingeschwüre sein. Trotz angeblich eindrucksvoller Studien der Firma stellte eine Cochraneanalyse später ihre Wirkungslosigkeit fest.

Nach 8 Monaten wurde er Produktleiter. Als solcher war er verantwortlich für den Verkauf des Asthmasprays "B" (Terbutalin, Inhalator). Ziel war es, die Ärzte dazu zu bringen, ihren Patienten die regelmässige Inhalation des Sprays zu verordnen. Woraufhin die Todesfälle unter Asthmatikern zunahmen.

Asthma

Der neuseeländische Epidemiologe, Prof. Dr. Neil Pearce, der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM), früher Präsident der International Epidemiological Association (IEA), verfasste einen Artikel über die Macht der Pharmaindustrie und ihrer bezahlten Verbündeten unter den Ärzten.

Was er über die Behandlung von Asthmatikern schreibt, ist bestürzend. (S. 39)

Heute empfiehlt man die regelmässige Inhalation der so genannten kurz wirksamen Betamimetika (Beta-2-Sympathomimetika) nicht mehr. Daraufhin gingen die Todesfälle unter den Asthmatikern wieder zurück.

Ausserdem wurde noch versucht, Terbutalin bei chronischer Bronchitis einzusetzen, wofür es nicht zugelassen war, weil es keine Studien dazu gab. Eine weitere Anwendung sollte es als Mittel gegen Husten finden - auch dafür gab es keine Zulassung.

Pearce N. "Adverse Reactions: the fenoterol story". Auckland University Press. 2007. Warum erst so spät? Weil sich vorher keine medizinische Zeitschrift fand, die den Artikel trotz Drohungen von Boehringer Ingelheim abgedruckt hätte!

Bild eines YouTube-Videos mit dem Titel: "10 Lügen, die Werbung dir verkauft hat".© CC-by-sa 2.0, Alltime10s
YouTube englischsprachigen-Video über 10 Marketing-Verführungen: Top 10 Lies That Advertising Has Sold You (7:13 min.).

Während seiner Arbeit bei Astra-Syntex, er war dort für klinische Studien und die Zulassung neuer Medikamente zuständig, studierte der Autor Medizin.

Nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR)

Das wichtigste Medikament dieser Firma war "N", ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR, NSA) als Mittel gegen Schmerzen und Entzündungen ohne Cortison, das man z.B. bei "Gelenksabnützungen" verschreibt.

Es gibt NSAR wie Sand am Meer. Ein neues hätte eigentlich besser sein müssen als die vorhergehenden billigeren, aber die Firma war nicht an einer Vergleichsstudie interessiert. Sie wusste ja schon, dass ihr Mittel nicht besser, nur teurer war.

In einer Untersuchung mit Orthopäden stellte Peter Christian Gøtzsche fest, dass Naproxen keine entzündungshemmende Wirkung hatte, wie bisher behauptet.

Die Studienleiter teilten Patienten mit Knöchelverstauchungen in 2 Gruppen. Die eine wurde ruhig gestellt, die andere nicht. Die Schwellung ging bei den mobilisierten Patienten schneller zurück, Naproxen hatte darauf keinen Einfluss.

Da NSAR eine Menge Nebenwirkungen auf Magen, Herz und Nieren zeigen, könnte man sie also häufig durch weniger gefährliche und möglicherweise billigere Schmerzmittel ersetzen.

Die Firma empfahl den Ärzten statt der Standarddosis die doppelte zu geben, verschwieg jedoch, dass sich die Wirkung kaum verbesserte, die Nebenwirkungen sich aber verdoppelten.

Auch andere Konzerne versuchten mit agressiven Methoden ihr NSAR als das Beste zu verkaufen:

  • Pfizer das gegenüber Aspirin wirksamere "Pirox...." (Felden), das sich besonders bei älteren Menschen wegen der langsameren Ausscheidung im Körper anreicherte und vermehrt zu Magenblutungen führte;
  • Eli Lilly sein Benoxaprofen (Opren, Oraflex), von dem es fälschlicherweise behauptete, es könne das Fortschreiten der Gelenksabnützung verhindern. Die schweren Leberschäden,die es verursachte, wurden verschwiegen;
  • Die angeblich gute Magenverträglichkeit der Coxibe ("C", "E", "R", "L" und "P") wurde mit schweren Herznebenwirkungen begleitet (selektive COX-2-Hemmer).

In seiner Dissertation: Verzerrungen bei Doppelblindstudien wies Peter C. Gøtzsche nach, dass viele Studien zugunsten des Medikamentes des Sponsors und gegen das Vergleichsmittel ausgelegt sind (Sponsoring).

2.2. Das organisierte Verbrechen als Geschäftsmodell für die Pharmariesen

Die Pharmaindustrie spricht nicht über Vor- und Nachteile ihrer Präparate sondern immer nur über Wirksamkeit und Ungefährlichkeit. Wenn Ärzte Medikamente verordnen und Patienten sie einnehmen, sind beide davon überzeugt, die Pharmaindustrie habe die Präparate sorgfältig getestet und die Behörde hätte sie vor ihrer Zulassung genau und streng überprüft (Seite 53).

Die Pharmafirmen versuchen zwar diesen Eindruck zu vermitteln, aber nicht einmal der Grossteil der Mitarbeiter glaubt, dass ihre Chefs ehrlich sind.

Beispiele von Verurteilungen

2012 bezahlte Pfizer 60 Millionen Dollar, damit die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung im Ausland (als Kosten für Ausbildung, Frachtkosten etc. getarnt) einstellte.

Von den 1970er bis Ende der 1990er Jahre hielt ein Kartell der Vitaminerzeuger (Vitamin Inc.) unter Führung von Hoffmann-La Roche durch Absprachen die Preise für Vitamine künstlich hoch. Nach Auffliegen der Machenschaften waren einige Manager kurz im Gefängnis und manche zahlten Geldbussen von 500 Millionen Pfund bzw. Dollar. Das ist aber nur ein kleiner Prozentsatz der Gewinne, die sie durch die Preismanipulationen erzielt hatten.

In der Zwischenkriegszeit belieferte Roche die Unterwelt in den USA mit Opium, Morphin und Heroin. Auch andere Firmen in anderen Ländern beteiligten sich an diesem Handel. Literatur dazu: Corporate Crime in the Pharmaceutical Industry von John Braithwaite. Verlag Routledge & Kegan Paul, London, 1984.

Anfang der 1970er Jahre wurde Roche mit einer Geldbusse belegt, weil Roche den Wettbewerb beim Verkauf der Beruhigungsmittel "V" und "L" behinderte. Erst 27 Jahre nach Veröffentlichung von Berichten über Medikamentenabhängigkeit räumten Regierungsbehörden ein, dass Beruhigungsmittel süchtig machen.

Zitat des Autors:

Meiner Meinung nach ist es, ethisch betrachtet, gleichgültig, dass einige Medikamente, die das Gehirn beeinflussen, legal sind und andere nicht. Entscheidend ist, was die Pharmaindustrie den Menschen antut. (S. 58)

Bild eines YouTube videos, Titel: "Das Pharma-Kartell - Wie Patienten betrogen werden - ZDF".© CC-by-sa 2.0, Christian Esser, ZDF

Video: "Das Pharma-Kartell - Wie Patienten betrogen werden", von 44:17 Minuten Dauer, aus der Sendung ZDF Frontal 21.

Das Video zeigt eindrücklich wie diese Industrie vorgeht, um ihre Ziele zu erreichen. Hochgeladen von DieAndereWahrheit.

Die ,,Hall of Shame“ der Pharmariesen

Obwohl im British Medical Journal (BMJ) und in der New York Times fast wöchentlich Artikel über das Fehlverhalten von Pharmafirmen erscheinen, behauptet die Industrie, dass es sich nur um Einzelfälle handle.

Um das herauszufinden gab der Autor 2012 die Namen der 10 grössten Pharmaunternehmen kombiniert mit dem Wort Betrug in eine Suchmaschine ein. Das kam heraus:

Pfizer, Novartis und Sanofi-Aventis

Pfizer war 2009 bereit für einen Vergleich 2,3 Milliarden Dollar zu zahlen, weil sich herausstellte, dass die Firma vier Medikamente für nicht zugelassene Anwendungen vermarktet hatte. Die Firma unterzeichnete ein Abkommen über Unternehmensintegrität für 5 Jahre, um das es sich wahrscheinlich genau so wenig zu kümmern vorhatte, wie um die drei vorherigen. Eines dieser Medikamente war das Antibiotikum Zyvoxid (Wirkstoff "L"), das eine Menge Todesfälle verursachte, weil die Firma fälschlicherweise behauptete, es sei bei schwersten Infektionen besser als das Standardmittel "Vancomy...". Dafür kostete es acht Mal so viel.

Novartis war 2010 bereit, 423 Millionen Dollar zu zahlen, weil Novartis das Epilepsiemedikament "Trilep..." (Oxcarbazepin) für nicht zugelassene Anwendungen (Schmerzen, Psychosen) vermarktete, ebenso wie fünf weitere Medikamente.

Sanofi-Aventis zahlte 2009 wegen Betruges 95 Millionen Dollar, weil die Firma von Medicaid zu hohe Preise für Medikamente verlangt hatte.

GlaxoSmithKline, AstraZeneca und Roche

GlaxoSmithKline (GSK) schloss 2011 den grössten Vergleich der US-Geschichte und zahlte 3 Milliarden Dollar, weil das Unternehmen Medikamente illegal für nicht zugelassene Indikationen vermarktet hatte. Das war zum Beispiel das Antidepressivum "Wellbu...." ("B") zur Gewichtsabnahme oder das Diabetesmittel "A" ("Rosiglitaz..") wegen seiner angeblich positiven Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Das Mittel wurde später vom Markt genommen, weil es Herzversagen verursachte.

AstraZeneca war 2010 bereit, 520 Millionen Dollar wegen Betruges zu bezahlen. Die Firma hatte ihr Antipsychotikum (Neuroleptikum) "Seroq..." (Quetiapin) unter anderem für die Anwendung bei Kindern und alten Menschen und für nicht zugelassene Indikationen empfohlen. Das waren Aggression, Angst, Demenz, Alzheimer, ADHS, also Aufmerksamkeitsdefizit oder Hyperaktivitätsstörung, Depression und Schlafstörungen.

Roche wird für den "grössten Diebstahl aller Zeiten" (S. 63) nicht einmal angeklagt: Unter Berufung auf nicht veröffentlichte Studien, behauptete die Firma, "Tami..." ( "O") verringere signifikant die Krankenhauseinlieferungen wegen Grippe und die Sekundärkomplikationen.

2009 gelang es Roche, die Regierungen der USA und vieler europäischer Länder zum Ankauf von "Tami..." im Wert von mehreren Milliarden Dollar bzw. Euro zur Vorbeugung einer Grippeepidemie zu überreden.

GlaxoSmithKline, Johnson & Johnson, Merck, Eli Lilly und Abbott

Weder "Tami..." noch "Rele..." (Zana....."), das Präparat der Konkurrenzfirma GlaxoSmithKline hat bei Grippe eine bessere Wirkung als ein Placebo. Dem Beamten bei der Food and Drug Administration (FDA), der "Tami..." und "Rele..." nicht zulassen wollte, wurde auf Druck von Roche der Auftrag entzogen (S. 64). Wenn "Tami..." schon nicht wirkte, hatte es doch wenigstens einige unangenehme Nebenwirkungen: Halluzinationen, seltsame Unfälle.

Johnson & Johnson zahlte 2012 eine Geldbusse von 1,1 Milliarden Dollar, weil es die Risiken des Antipsychotikums "Risp....." herunterspielte. J&J und ihre Tochterfirma Janssen hatten behauptet, es sei nebenwirkungsärmer als andere Präparate der gleichen Gruppe, worauf es auch bei Kindern und alten Menschen zum Einsatz kam.

Merck zahlt 2007 wegen Betruges 670 Millionen Dollar, weil das grösste Pharma-Unternehmen es versäumt hatte, staatlichen Gesundheitsprogrammen angemessene Rabatte einzuräumen.

Eli Lilly zahlte 2009 wegen illegaler Vertriebsmethoden 1,4 Milliarden Dollar, weil es sein Antipsychotikum "Zypre.." (Olanzapin) für zahlreiche nicht zugelassene Indikationen verkaufte: Demenz, Alzheimer, Depressionen bei Kindern und älteren Menschen und die Nebenwirkungen verharmloste (Herzversagen, Lungenentzündung, starke Gewichtszunahme. Siehe Film Der Diabetesmythos.

Abbott zahlte 2012 wegen Betruges 1,5 Milliarden Dollar, weil das Unternehmen sein Epilepsiemittel "D" (Valproinsäure) für nicht zugelassene Anwendungen verkauft hatte.

Diese Liste noch lange weiterführen

Natürlich könnte man diese Liste noch lange weiterführen:

Sanofi-Aventis hatte bei seiner Studie über das Antibiotikum "K" ("T", nur engl.) betrogen, trotzdem wurde das Medikament von der FDA zugelassen. Kurz darauf traten die ersten Todesfälle wegen Leberversagens auf. Jetzt wird es in den USA mit aufgedrucktem Warnhinweis und einer 26-seitigen Informationsbroschüre verkauft.

Da wurden z.B. von AstraZeneca Schmiergelder bezahlt, damit Medicare ein teures Medikament bezahlte. Johnson & Johnson bestach Krankenhausverwalter und Ärzte in verschiedenen Ländern, damit sie deren Produkte verwendeten...

Es ist verboten, Hersteller von Generika aus dem Markt zu drängen, wenn das Patent abgelaufen ist (Seite 73). Glaxo hatte ungerechtfertigte Zivilprozesse gegen die Einführung von Generika angestrengt. Durch Klagen kann man in den USA auch ganz legal die Markteinführung um 30 Monate aufschieben.

Bristol-Myers Squibb hatte jahrelang durch falsche Angaben und durch Zahlungen an einen Generikahersteller (Generikum) die Markteinführung billigerer Krebsmittel verhindert. Lundbeck hatte Generika aufgekauft um ihr Cipramil ("C") weiter teuer verkaufen zu können.

Die Firma Purdue Pharma behauptete fälschlicherweise, sein Opioid "Oxy....." (Oxycodon) sei weniger suchterzeugend als andere Morphinderivate.

2004/2005 nahm der Gesundheitsausschuss des britischen Unterhauses die Pharmaindustrie unter die Lupe. Er stellte fest, dass die Branche sich Ärzte, Politiker, Wohlfahrtseinrichtungen, Patientengruppen und Journalisten kaufte und unzulänglich überwacht wurde.

In den USA begehen die Pharmafirmen drei Mal so viele Gesetzesverstösse wie andere Branchen.

Der Bericht ist überzeugt, dass es gut wäre, den Einfluss der Industrie einzuschränken, auch für die Industrie, weil sie sich dann wieder darauf konzentrieren könnte, neue Medikamente zu entwickeln anstatt Geld für Korruption auszugeben. Die Regierung unternahm nichts, schliesslich ist die Pharmaindustrie die drittprofitabelste Branche des Landes.

Die Pharmaindustrie fällt unter die Kategorie "Organisiertes Verbrechen"

Als Beweis, dass die Pharmaindustrie unter die Kategorie Organisiertes Verbrechen fällt, führt der Autor ein US-amerikanisches Gesetz (RICO Act gegen Racketeering) an, mit dem die Mafia und vergleichbare Organisationen bekämpft werden sollen. Dabei geht es um das wiederholte Begehen folgender Verbrechen: Erpressung, Betrug, Drogenhandel, Bestechung, Unterschlagung, Behinderung der Justiz und der Polizei, Beeinflussung von Zeugen, politische Korruption... (S. 79)

Die Zahl der Vergleiche und Geldstrafen für Fehlverhalten der Pharmakonzerne nimmt in den letzten Jahren stark zu. Die Behauptung der Firmen, die Vorwürfe seien alt und inzwischen hätte sich vieles gebessert, stimmen also nicht.

2.3. Sehr wenige Patienten profitieren von ihren Medikamenten

In diesem Kapitel erklärt der Autor die Wichtigkeit von Doppelblindstudien. Bei diesen Studien weiss weder Patient noch Arzt, wer das Medikament und wer das Placebo bekommen hat. Die Beurteilung der Wirksamkeit ändert sich, je nach dem, wer und welcher Prozentsatz an Untersuchern und Probanden nicht ,,blind" ist.

Aktive Placebos

Er erklärt auch, dass die Patienten häufig erkennen, ob sie ein Placebo bekommen, weil es keine Nebenwirkungen macht.

Eine Zeit lang gab es aktive Placebos. Diese erzeugen zum Beispiel Mundtrockenheit wie das Medikament. Das war nicht im Sinn der Pharmaindustrie.

Bei vielen Studien kommt nur eine geringe Wirksamkeit des Präparates heraus, durch geschickte Rechenoperationen kann man diese aufblasen, ebenso durch Wiederholungen, denn bei irgendeiner Studie wird schon das richtige Ergebnis kommen.

Eine praktische Methode festzustellen, wie viele Menschen von einer Behandlung profitieren, ist die "Number Needed to Treat" (NNT), also die Anzahl der notwendigen Behandlungen. Am Beispiel der Cholesterinsenker (Statine) stellt er fest, dass sich für Gesunde mit erhöhtem Cholesterin keine NNT angeben lässt, weil sie von der Behandlung nicht profitieren, viele aber wegen Muskelschmerzen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind.

2.4. Klinische Studien: ein gebrochener Gesellschaftsvertrag mit Patienten

Seit die Pharmaindustrie ein Monopol auf Studien zu ihren eigenen Produkten hat und nur das veröffentlicht, was für sie günstig ist, wird dieser Gesellschaftsvertrag immer wieder gebrochen.

Die Industrie verheimlicht nicht nur negative Studien, sie schüchtert auch Leute ein, die schädliche Nebenwirkungen ihrer Medikamente entdecken.

Sie ändert heimlich die Studienziele, wenn das gewünschte Ergebnis nicht herauskommt, dafür aber etwas anderes oder legt Studien so an, dass sich die Ergebnisse kaum widerlegen lassen.

Unseren Regierungen ist es nicht gelungen, die mächtigen Pharmakonzerne zu regulieren und wissenschaftliche Objektivität und Neugier vor dem Kommerz zu schützen.

Irreführende Ergebnisse, Datenmassage und Angelausflug

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prüfte man Medikamente kaum, bevor sie auf den Markt kamen, was unter anderem 1961/62 zum Contergan-Skandal ("Thalidom..") führte.

Das Medikament empfahl der Hersteller Grünenthal GmbH unter anderem gegen Schwangerschaftsübelkeit. Daraufhin kamen gehäuft Kinder mit fehlenden Gliedmassen zur Welt. Erst dann wurden umfangreiche Tierversuche und Wirksamkeitsstudien eingeführt. Es blieb aber weiterhin eine Menge alter ungeprüfter Medikamente auf dem Markt.

Dass die Pharmaindustrie für die Zulassung eines Medikamentes lediglich eine statistisch signifikante Wirkung in zwei Placebo-kontrollierten Studien nachweisen muss, bedeutet ein weiteres Problem.

Ein Pharmaunternehmen verfügt über zahlreiche Möglichkeiten, seine klinischen Studien zu manipulieren und dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse ihren Pharmavertretern nützen, einerlei, was seriöse wissenschaftliche Methoden zutage gefördert hätten. Die Manipulationen sind so häufig und so schwerwiegend, dass einer meiner Kollegen meinte, wir sollten veröffentlichte Berichte über Studien der Pharmabranche nur als Werbung für ihre Medikamente betrachten. Vorauf ich nur antwortete, die Studien der Pharmaunternehmen genügten nicht einmal den EU-Regeln über Werbung. (S. 99)

Eine starke Verzerrung zu Gunsten des Medikamentes des jeweiligen Sponsors wurde bei 3 grossen Herzinfarktstudien von unabhängigen Wissenschaftlern aufgedeckt: Die Namen der Medikamente, Studien und Sponsoren waren "Prasu...." der TRITON-Study für Daiichi Sanyko und Eli Lilly, die PLATO-Study für Ticagrelor von AstraZeneca, wo die Zahl der Herzanfälle unter dem Vergleichsmedikament verdoppelt wurden.

In der RECORD-Study für "Rosiglitaz.." von GlaxoSmithKline fiel die Zahl der Herzinfarkte unter "Rosiglitaz.." angeblich von 24 auf 8. Dazu musste man allerdings auch die Definition des Herzinfarktes etwas ändern.

Wenn die Hauptstudie gar nichts Positives ergibt, kann man sich immer noch in Subgruppenanalysen flüchten.

Die Praxis, Daten so lange zu durchforsten, bis man zufällig etwas findet, nennt man Datenmassage oder Angelausflug.

So ein Angelausflug führte zur Empfehlung, Patienten mit Rückenmarksverletzungen hoch dosiert Cortison zu geben. 14 Jahre und tausende Tote später stellte man fest, dass von jeweils 31 Patienten, die mit Cortison statt mit Placebo behandelt worden waren, einer starb.

Solange Studiendesigns von den Firmen bestimmt werden und die Daten nur mit ihrer Zustimmung veröffentlicht werden dürfen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn unsere Medikamente zwar teurer, aber nicht besser werden.

Fortune 500 (die 500 umsatzstärksten Unternehmen)-Bericht 2012: Die Gewinne der zehn umsatzstärksten Pharmaunternehmen übertrafen die addierten Gewinne der 490 anderen Firmen.

Die gigantische CRASH-Study von The Lancet über die Wirkung von Steroiden bei 10'000 Menschen mit schweren Gehirnverletzungen belegte, dass Steroide da sehr schädlich sind. Auf 31 Patienten, die mit Steroiden anstatt mit Placebos behandelt worden waren, kam ein zusätzlicher Todesfall. Tausende von Patienten mit Verletzungen des Rückenmarks oder des Gehirns starben, weil man ihnen Steroide verabreicht hatte, und der Angelausflug des New England Journal of Medicine ist für viele dieser Todesfälle verantwortlich.

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